es Nllcper imb Teilungen gibt. Wenn 'man neck den Briefen der Bauern ur-tcilt, welche vorn Kriegsschauplatz kommen, so ist eine große Zahl unrklich verständig und gut geschrieben. Bei uns herrscht leider noch die Ansicht vor, daß der Bauer der geringen Anz-cM von Schulen wegen noch derselbe geblieben ist. In Wirklichkeit hat die Selbstbildung auch unter den Bauern tiefe Wurzeln geschlagen und ist verrebiteter als man annimurt. In den Berichten der öffentlichen Bibliothek findet man schon seit einigen Jahren Bauern unter den Lesern. Mit diesern Element werden bic gebildeten Vertreter sehr ernst zu rechnen haben. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß der Bauer manchen neuen Gedanken im Sobor anregen wird.
Die Moskauer „Wjedomosti" meint, jetzt dürfe an den Semski Sobor, der ins Verderben führen würde, nicht mehr gedacht werden.
Akademikerwnnsche.
Petersburg, 20. gebt. Heute war in der Pcters- Furger Universität eine Studentenversammlung, welcher Mttige Professoren, Privatdozenten und andere Personen beiwohnten. Zuerst sprachen einige Professoren, die meinten, die Universität solle dienen als Crt, an dem sich die Studenten versammeln und gesellschaftliche Ereignisse besprechen könnten. Sie wären jedoch im allgemeinen für Schließung der Universität. Nach vielen heftigen Reden wurde folgende Resolution angenommen:
Der abgelebte r u ff i f cb e Absolutismus gebt täg- ckch und Mndlich dem unvermeidlichen Untergang entgegen. Er ist machtlos, mit dem auferweckten Volke fertig zu werden. Er liegt im Sterben und ersinnt eine Maßnahme, die immer unsinniger ist als die andere, um den Untergang aufzuscklieben. Er unternahm das verbrecherische Abenteuer nach dem fernen Osten, welches dem Volke Z?hntausende von Menschenleben und Millionen mühevoll erworbenen Geldes kostet. Längst führt die zielbewußte Intelligenz der Studenten einen hartnäckigen Kampf um die elementarsten Menschenrechte, öfters ohnmächtig vor der rohen Gewalt einer zügellosen Regierung niedersinkend, bis endlich auf der historischen Arena auch das Proletariat aufgetreten ist, das gleichzeitig mit der Entwickelung des Selbstbewußtseins dem Zarismus heftige.Schläge erteilt hat. Tie letzten blutigen Ereignisse zeigen augenscheinlich. wessen bet Absolutismus fähig ist in der Verteidigung seiner jämmerlichen, schandbaren Existenz. Tas zielbewußte, brüderlich solidarisebe Auftreten des Proletariats in den Januartagen hat. das Todesurteil des 2ll>- solutismus unetrschrieben und die zweifellos baldigst bevorstehende politische Befreiung Rußlands sichergestellt. Als ein. Teil der Zielbewußten Intelligenz begrüßen wir die Solidarität der Arbeiterklassen und stellen folgende Forderungen auf:
1. Einberufung einer gesetzgebenden Versammlung auf der Grundlage einer allgemeinen, gleichen und geheimen Wahl durch die Bürger und Bürgerinnen des Staates. Redefreiheit, Preßfreiheit, Freiheit, Verbände zu gründen, Ausstände zu unternehmen usw.
2. Amnestie für alle Personen, welche wegen ihrer politischen oder religiösen Ueberzeugung in Strafe genommen sind.
3. Tie Zugehörigkeit zu einer beliebigen Nationalität darf vie politischen Rechte nickt beeinflussen. Außerdem ist als. Garantie gegen lieber griffe der russischen Regierung bei der freien Durchführung dieser Forderungen: zu allererst eine allgemeine V o l k s m i l i z zu schaffen, in deren Reihen alle zielbewußten Bürger die Verwirklichung unserer Forderungen erkämpfen können. Indem wir die Bedeutung dieses historischen Augenblicks erkennen, in dem Rußland aus der Periode der Gärung in die offene Revolution tritt und alle nur ein Ziel vor Augen haben, können wir die Stuien nicht iordtsetzen. Wir stellen dieselben bis zum 13. September ein. Bis dahin werden die Ereignisse neues Material zur Lösung der Frage geben.
Tie Resolution wurde mit 3000 gegen 50 Stimmen angenommen. Die O!pposition wollte eine Gegenversammlung abhalten, die aber nicht zu stände kam. Vor dem Schluß der Versammlung wurde ein Bildnis der Kaisers, das in dem Saal hing, heruntergeholt und zerrissen und dann eine rote Fahne entfaltet. Tie Versammlung ging abends um 7 Uhr ohne Zwischenfall auseinander.
Unruhen.
Baku, 20 Febr. (W. B.) Ter wegen Mordes angeklagte Arrestant B a l a l i versuchte auf dem Wege zum Gefängnis zu entfliehen. Er wurde dabei von der Begleitmannschaft tödlich verletzt. Ties rief Gerüchte von einer vorbedachten Ermordung des Arrestanten hervor. Ter Bruder Balalis reichte beim Gouverneur Klage ein und die Untersuchung wurde eingeleitet. Anläßlich des Todesfalls Balalis kam es zu Unruh ew, bei denen viele Personen getötet und v er wun det wurden. Es wurden Maßnahmen' zur Wiederherstellung der Ordnung getroffen.
Warschau, 20. Febr. Bei allen hiesigen Gymnasien wurden Polizeimannschaften aufgestellt, bei einigen auch Militär. Tie Polizei verhaftete Schüler der oberen Klassen, welche Schüler der unteren Klassen am Schulbesuch zu hindern versuchten.
Datum, 20. Febr. Ter Ausstand der Setzer verschärft sich. Alle Druckereien haben Drohbriefe bekommen mit der Aufforderung, keine Zeitungen zu drucken. In einer Werkstatt wurden mit militärischer Hilfe Verhaftungen einiger Arbeiter vorgenommen.
.Charkow, 20. Febr. Tie Arbeiter der Tabakfa- vriken sind in den Aus st and getreten. Dasselbe erwartet man von den Arbeitern der Straßenbahn.
Kiew, 20. Febr. (W. B.) Bei der Verwaltung der Südwest-Eisenbahn begann der Ausstand.
Drohbriefe.
Petersburg, 20. Febr. Wie Großfürst Sergius sollen auch noch andere Mitglieder des Zarenhauses in den letzten Tagen zahlreiche Drohbriefe erhalten haben. Eine unbeschreibliche Unruhe hat sich der ganzen Bevölkerung bemächtigt. Wer halbwegs in der Lage ist, kehrt jetzt Rußland den Rücken, um im Aus lande die weitere Entwicklung der Dinge abzuwarten. Der Handel stockt vollständig.
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Koburg, 20. Febr. Die Meldung, daß auch die geschiedene Großherzogin Vietoria Melitta sich nach Rußland beaebe, berußt auf Erfindung._________________
Ier Krieg.
Vom Kriegsschauplätze.
Tokio, 20. Fcbr. T:e Russen haben eine Feldbahn gebaut, die Fushun Penling mit dem anderen Fushun am oberen Schaho verbindet. Dies und andere Anzeichen der Tätigkeit sowie das Zusammenziehen der Streitkräfte weisen auf die Absicht hin, Kurokis rechte Flanke zu umgehen. Kuropatkin fährt fort, Verteidigimgswerke seine ganze Stellung entlang zu errichten und zu verstärken.
Tokio. 20. Febr. 9ln§ dem Hauptquartier in der Mandschurei wird gemeldet: Tie Russen rücken vor. Eine Division gegenüber beni japanischen Zentrum nahm am 19. Februar nach dem linken Flügel Stellung. Ebenso ginaen sie von Tashan aus vor. Einige Abteilungen
marschierten 15 Meilen in westlicher Richtung und machten bei Hangtchiataitzu, 1V4 Meile nordwestlich von Wanchiaku- ans zu Halt. Die Russen fahren fort, Teile der japanischen Linie zu bombardieren. Am Samstag enthielten sich die Japaner häufig der Erwiderung des Bombardements, welches oft vollkommen wirkungslos war und nur eine Verschwendung der Munition darstellte.
Petersburg, 20. Febr. Generaladjutant Kuropat- fin meldet dem Kaiser unterm 18. Februar: Feindliche Artillerie beschoß am 16. Februar vom Dorfe Vandziavopu aus, welches eine halbe Werft südöstlich von Chantachenan am Hunho gegenüber Sandepu liegt, unsere Laufgräben bei Chantachenan, wurde jedoch durch Jnfanteriefeuer unsererseits zum Schweigen gebracht. Zwei russische Offiziere wurden verwundet. — Untern: 19. Februar meldet Kuropatkin: Gegen eine Abteilung, welche am Passe fünfzehn Werst südöstlich von Tsinkhechen steht, eröffneten die Japaner ein Artillerieseuer aus vier Geschützen. Weitere Meldungen sind nicht eingelanfen.
London, 20. Febr. Russische Streitkräfte find aus chinesisches Gebiet übergetreten. Diese Streitkräste bestehen aus 15 000 Mann Infanterie, 500 Kosaken und 64 Geschützen. Der Uebertritt erfolgte in der Nähe von Sinminting. Die chinesischen Behörden verlangten die Zurückziehung der russischen Truppen. Doch wurde diese Aufforderung von den Russen vollständig ignoriert.
Beschlagnahme englischer Dampfer durch Japan.
Tokio, 20. Febr. Der britische Dampfer „Pvwberham", mit einer Kohlenladung nach Wladiwostok unterwegs, wurde am letzten Sonntag von den Japanern weggenommen.
Tokio, 20. Febr. Der englische Dampfer „Silviana", mit Kohlen nach Wladiwostok, wurde beschlagnahmt.
General Gripenberg
stellt die Meldungen über ein Interview eines Moskauer Berichterstatters der „Rowoje Wremja" mit ihm dahin richtig, daß der Vormarsch der zweiten Mandschureiarmee auf den Befehl Kuropatkins nicht zum Zwecke einer verstärkten Rekognoszierung erfolgte. Der Rü ckzu g sei ebenfalls auf den Befehl des Oberkonimandierenden angetreten worden. Gerüchte, die Hauptverluste seien gerade auf dein Rückzüge erlitten worden, seien ebenfalls'unbegründet. Die Verluste der Japaner bei ihren erfolglosen Versuchen, die russischen Stellungen zu nehmen, seien so groß gewesen, daß sie an eine Verfolgung nicht dachten.
Das dritte russische Geschwader
paffierte am Montag nachmittag die dänische Insel Somsö in nördlicher Richtung, Ein russisches Panzerschiffs von einem russischen Bugsierdampfer begleitet, passierte ebenfalls nordwärts fahrend die Nordspitze Langelands.
Zriedmskl'änge.
Die Wiener „N. Fr. Pr." veröffentlicht ein Interview mit dem auf Urlaub m Wien weilenden österreichischungarischen Botschafter in Washington, Hengelmüller von Hengevor, in dem u. a. die Frage erörtert wird, ob Amerika etwas zu Gunsten eines baldigen Friedensschlusses in Ostasien tun würde. Roosevelt, so erklärte der Botschafter, gebe hinlänglich zu erkennen, wie gern er zur Wiederherstellung des Friedens in Ostasien etwas beitragen würde. Die amerikanische Regierung sei sich ober bewußt, daß jede Intervention aussichtslos sei, die nicht von vornherein den Beifall der beiden kriegführenden Mächte habe.
Die Hnll-Kommifs'on
hat in der vergangenen Woche mehrere geheime Sitzungen abgehalten. Wie die Agenee Havas meldet, glaubt mein, die Kommission werde dahin erkennen, R os h e stwenski habe sich in Gefahr glauben können. Sein Verhalten könne deshalb nicht als tadelnswert erkannt werden. Von der von Rußland übernommenen Verpflichtung tetr, die Zahlung von Entschädigungen werde die Kommission Akt nehmen. Freiherr v. Spann werde die Schlußfolgerungen ausarbeiten und diese Ende dieser Woche der Kommission unterbreiten. Die Schlußfolgerungen würden der englischen und der russischen Regierung amtlich mitgeteilt werden. In der nächsten Woche werde dann die Kommission zu einer öffentlichen Sitzung zu- sammentreten, in der die Verlesung der Schlußfolgerungen vorgenommen werden solle.
VMMe Tagesschau.
Zu der Ankündigung der neuen Flottenvorlage
schreibt die „Köln. Volksztg.", das rheinische Zentrumsblatt:»
„Um die Kosten haben sim die Flotte nagitatoren niemals den Kopf zerbrochen. Wenn der Reichstag vor fünf Jahren sich auf die Flottenvorlage nicht cinlassen wollte, so lange nicht für die Deckung der Mehrkosten gesorgt sei, so.wird er es diesmal schwerlich anders halten, vorausgesetzt, daß er überhaupt auf die Vorlage einginge. Einstweilen hat man aber auch genug mit b er Beschaffung her Kosten zu tun, die die neue Militärvorlage verursachen wird. T.:s Zentrum hat bekanntlich erklärt, sich ohne Lösung b?r Teckungsfrage aus nichts einlasfen zu kömien. Ter Reicksschatzsekretär aber sagte vor ein paar Tagen noch in der Budgctkommission, über Stenerpläne könne er nock garnichts mitteilen, da man erst' die Wirkung der Handelsverträge abwarten müsse. Tas wird schon der Militärvorlage Sckwicrigkeiten bereiten, geschweige denn der kommenden Flottenvorlage."
deutsches Reich.
Berlin, 20. Febr. An der gestrigen Farnitien-Früh- stückstafel beim Kaiserpaare nahm Prinz Friedrich Leopold, der aus St. Petersburg zurückkehrte, teil. Am nachmittag empfing der Kaiser auf Bahnhof Friedrichstraße die Prinzessin Viktoria von Battenberg und verweilte mit der Prinzessin und den Für stlich -Erba ch'schen Herrschaften bis zu deren Abfahrt um 7 Uhr 12 Min. im Fürstenzimmer. Später besuchte Se. Majestät den Reichskanzler. Zur Abendtafel war der Kronprinz geladen, der ans Italien zurückgekehrt ist. Heute sprach der Kaiser beim Reichskanzler vor, empfing die ständigen Sekretäre der Akademie der Wissenschaften, Professoren Dr. Walbeyer, Dr. Auwers, Dr. Diels und Dr. Vabten, und hörte dann den Vortrag des Chefs des Zivilkabinetts Dr. v. Lucanus.
— Der F ü rst von Bulgarien nahm gestern an einem kleineren Diner bei dem R eichskauzlerpa ar teil und reifte heute nach Mentone.
— Gestern abend verstarb Generalmajor z. D. v. Charus, in Cbarlottenburg wohnhaft, zuletzt Kommandeur des Truppenübungsplatzes Eljenborn.
— Nachdem vom Polizeipräsidenten von Berlin dem Grafen Puckler allgemein das Reden in Versammlungen verboten worden ist, hat, so meldet die „Fr. dtsch. Pr.", die sogenannte P ü ckl er - Ve r ei n i g u n g beschlossen, in Zukunft die vorher a u s g ea r b e i t e t e n P ü ck l e r- Reden von stimmbegabten Leuten zum Vortrag bringen zu lassen. Eine Lokalkorrespondenz berichtet, „verschiedene Pückter-Jünglinge, denen es auf ein paar Monate Gefängnis nicht ankommt, haben sich erboten, die blutrünstigsten Brandreden nach dem Manuskripte des Grafen Pückler zu halten."
— Nach der vom Dresdener Bibliothekar Peter Schmid: zufammengestellten „Deutschen Ehrentafel" sind für Ar- beiterwohlfahrt im Jahre 1904 wieder 72 803 021 Mk. gespendet worden. Seit 1898 sind auf diese Weise 435 434 369 Mk. zusammengeflossen. Im verflossenen Jahre war Preußen mit 453'4, Bayern mit 5, Sachfen mit 71 /2, Württemberg mit 2’/2, Baden mit 11/9, Hessen mit 1 % und Berlin mit 10 Millionen Mark vertreten. Das Gesamtergebnis der letzten vier Jahre beträgt 308 332 664 Mk., daS sind durchschnittlich im Jahre 77 Millionen Mark. Es sind seit 1900 täglich 211 000 Mk. zum Wohle der deutschen Arbeiter gespendet worden.
Dresden, 20. Febr. Zur Beratung der M o n t i g n o) o» Affäre fand heute mittag eine Sitzung des Gesamtmini st eriu m s unter dem Vorsitz des Königs statt. Es verlautet, daß über die Verhandlungen eine offizielle Erklärung erfolgen wird.
Gotha, 20. Febr. Der Präsident des Landtages, Liebetreu, veröffentlicht eine Erwiderung auf die Erklärung des Staatsministers z. D. v. Strenge. Er führt aus, daß Strenge als Staatsdiener gegen die Grundsätze des Rechtes und der Beamtendisziplin verstieß, indem er gegen den Witten des Regenten dem Herzog Karl Eduard seinen Rat in der Domänenangelegenheit erteilte. Liebetreu deutet an, daß Strenge den Interessen auswärtiger Agenten diene.
^artamentarischcs.
Berlin, 20. Febr. InNeichstag brachte Dr. Müller'- Al e i n i n q e n zwei Resolutionen ein. Tie erste ersucht den Reichskanzler, eine eingehende Untersuchung zu oeranftalten über das Bestehen uub den Umfang der Mißstände, welche durch Bestechung von Angestellten durch Lieferanten Unguuslen der Arbeitgeber im gewerblichen Leben herbeigeführt iverben. Lei dieser Untersuchung solleii in erster Linie die Ange- stellten selbst und ihre Vertretungen guiachtlich vernommen werden. Tie zweite Resolution ersucht die Verbülideten Regierungen baldigst für eine einheitliche Regelung des Verkehrs m i t Automobilen auf öffentlichen Straßen, Plätzen und Wegen m Deutschland zu sorgen.
Kcer und K alle.
— Major von Rathenow, persönlicher dl o j u t a n t de^ Prinzen Friedrich Leopold, ist zur Begleitung des mit Zustimmung des Kaisers oder Reußen behufs Beiwohnung an dem russisch-japanischen Kriege zur russischen Armee entsandten Generals der Kavallerie, Prinzen Friedrich Leopold, k o m a n d i e r t.
Washington, 20. Febr. Das Revrüsentantenhaus beschloß, die Ansätze für zwei n e u e S ch l a ch t s ch i s f e im Marinebudgel zu genehmigen.
— De r Zweikampf n n b bas O f f i z i e r ko r v s. .Im neuesten Beiheft bes Militänvochenblattes teilt ein östrcich'ischer Offizier, Graf Gustav Wrangel, Militärische Rciseeinbrücke aus Sckweben mit. Hier lesen wir (S. 85) folgcnbe bemerkenswerte Sätze:
Der sckon hervorgehobene, so anßerorbentlich nette und kamerabschaftlicke Ton, ber innerhalb des schwedischen Offizierkorps herrscht, widerlegt im gewissen Sinne die Anschauung, baß ein Ab schassen de s Duells eineVerrohnngder Umgangs formen naca sich ziehen müßte. Das Verbot gegen den Zweikampf ist nämlick in Schweden so streng, daß cm Offizier, der cs übertritt, unbedingt entlassen würde. Als ich im Laufe einer Debatte mit einigen schwedischen Offizieren über dieses Thema äußerte, es seien doch aber Fälle möglich, in denen der Ofsiziersstand das Duell nickt entbehren könne, antwortete einer der Herren: solche Vorkomnrnisse sind bei uns undenkbar.
Kolonialpost.
Rach der „lliordd. Allg. Ztg." haben, wie das Kommando bet Schutztruppe in Südwestaf'rika mitteilt, die meisten ber zur Ver- wendüng als Kriegshunbe zur Verfügung gestellten Hunbe leider nicht den erhofften, Nutzen gezeitigt, sodaß nunmehr bis auf weiteres von ber Heraussenbung von Hunden Abstand genommen wird.
Brüssel, 20. Febr. Der Agent Simyns wurde wegen grausamer Behandlung von Eingeborenen z u m To d e v er ur t c i l t. Vier Agenten der Abirgesetlschaft wurden aus demselben Anlässe schwer bestraft. Ebenso wurden die Offiziere Alassart und Renger aus Veranlassung der Untersuchungskonnsion unter Anklage gestellt.
Paris, 20. Febr. Petit Parisienne bringt folgende Schild derungen zu den G r a u s a m f e i t c n t m St o n g o g e b i e t: Fälle von Erblindung in nassen Gefängnißqruben führen zur Köpfung der dadurch Betroffenen, da sie nicht zur Last fallen sollen. Das barbarische Polizeiverfahren, einem des Diebstahls verdächtigten Jndividium glühendes Eifeii vors Gesicht zu halten unb dabei seine Mienen zu studieren, führte wiederholt zu B l e n b u n g c u infolge hastiger Bewegungen ber Jnkul- vftten. Den zum Tode Verurteilten wird eine weiße Jacke angelegt, deren Kragen rot angestrichen ist und auf den Hals abfärbt. Der Delinguent kann im Spiegel die kritische Linie sehen. Eine Hauptursache der Aufstande ist die Verpachtung der Steuererhebung an berüchtigt grausame Personen, welche keine Quittungen geben, sodaß dieStener drei und viermal eingetriebei: wird.
Ausland.
Christia nia, 20. Febr. Die hiesigen Arbeitslosem veranstalteten heute vormittag einen llmziig,, dessen Teilnehmer schließlich aus 3000 anwuchsen. Der Kronprinz empfing eine Abordnung der Arbeitslosen und versicherte sie des Königs nnd seiner wärnisien Anteilnahme an ihrer Lage. Er werde mit der Regierting erwägen, was seitens des Staates im Interesse der Arbeitslosen geschehen könne.
Paris, 20. Febr. (Kammer.) Bei der Beratung des Marinebudgets fragt Chanzet (Rad. Republ) den Marineminifier, welche Maßregeln er zur Verstärkung der französischen Marine zu ergreifen gedenkt. Die Ausführung des Programms von 1900 sei zwei Jahre rückständig, sie werde int Jahre 1908 beendet sein. Trotz der Anstrengungen Deutschlands und Italiens werde Amerika im Jahre 1908 noch die zweite Seemacht sein. Alan müsse auch daran denken, daß wirtschaftliche Schwierigkeiten Japan nach Jndochina drängen könnten und daß Jndochina in den Stand gesetzt werden müsse, sich verteidigen zu können.


