Ausgabe 
21.2.1905 Erstes Blatt
 
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155. Jahrgang

Dienstag 21. Februar 8 DOS

Erstes Blatt.

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Die heutige Ynmmer umfaßt 8 Seit«!

Palais mm Zareirplatz erst seit kurzer eZit; er hatte vorher seinen Sitz in dem außerhalb des Kremls auf dem Theater- Platz gelegenen Gouverneurpalais. Als es aber vor einigen Wochen auch in Moskau zu gähren begann, als die Arbeits­einstellungen anfingen, fühlte Großfürst Sergius sich äußer­

ste ichen, und Chef des ihm verliehenen brandenburgischen, Kürassierregiments Nr. 6 sei der Zar geworden. Dergleichen Maßregelung, wenn sie auch eine notgedrungene Folge deS Zaren-Ukas war, wird kaum sobald verwunden. Außerdem, der Großfürst hatte seinen Aufenthalt größtenteils in Paris. Das trägt ebenfalls nicht zur Erweckung deutsch­freundlicher Gesinnungen bei. Prinz Friedrich Le o- pold von Preußeü hat dem Kaiser und dem Grafen! Zülow über seine Reise nach Rußland Vortrag ge­halten. E svcrlautct, der Prinz überbrachte ein Hand­schreiben des Zaren. Gleichwohl wird die Dank­barkeit und die Freundschaft des Zaren nicht: allzu hoch in die politische Rechnung gestellt werdens können, im Hinblick auf die starken Gegenströmungen.

Großfürst Paul hat bereits am Sonntag abend auf bet Fahrt von aPris nach ePtersburg Berlin passiert.

Großfürstin-Witwe Elisabeth.

am 27. und 28. d. Mts. m dem genannten Terrain stattstndet. Gießen, den 20. Februar 1905.

Großherzoglich'-' Kreisamt Gießen.

Dr. B r e i d e r t.

Bekanntmachung.

Im Anschluß an unsere Bekanntmachung vom 16. d. Mts. *- Kreisblatt Nr. 41 bringen wir hiermit zur öffentlichen Kenntnis, daß das Scharfschießen des 1. Bataillons Infanterie- Regiments Nr. 168 nicht in der Zeit vom 22. bis 24. d. Mts., sondern

Die durch das Attentat im Kreml zur Witwe geworden^ Großfürstin Elisabeth (Jelisaweta Feodorowna), bekannt­lich eine ältere Schwester der Zarin und unseres Groß­herzogs Ernst Ludwig, ist trotz ihrer 40 Jahre eine an- mutvolle Erscheinung, sie war wohl die schönste unter ihren chönen Schwestern. Schon in der Kindheit hatte sich zwischen ihr und dem Großfürsten Sergius eine Neigung entsporrnen^ Als Kind war der Großfürst mit seiner Mutter, der serin Maria Alexandrowna, die bekanntlich auch eine Prinzessin von Hessen war, häufig am Darmstädter Hof zu Besuchs und als halbwüchsiger Junge bewahrte! er die Vorliebe für seine spätere Gemahlin. ,,Der kleine! Sergius", so berichtet Großherzogin Alice ihrep Mutter, der Königin Viktoria,will nur mit meiner Ellaj pielen." Nach dem Tode der Großherzogin Alice tourbe Prinzessin Elisabeth gemeinsam mit ihrer älteren Schwester am englisches! Hofe bei ihrer Großmutter erlogen; Mjährig olgte sie ihrem Gatten nach, Rußlands Die Prinzessin wollte, ivie ihre Schwägerin, die Großfürstin Wladimir, dem lutherischen Glauben treu bleiben; aber sie trat nach 9jähriger Ehe doch zur orthodoxen Kirche über aus Liebe zu ihrem Gatten. Der bevorsteheirde Konfessionswechsel der Großfürsttn wurde al s.ein strenges Geheimnis ge­hütet; natürlich wußte ihr Gemahl von jedem Schritts aber er spielte doch den aufs freudigste kleberraschten, als sie ihm von ihrem Entschlüsse Mitteilung machte. Als die vielen Heiratspläne für den damaligen Thronfolger Nikolaj Alexandrowitsch austauchten, setzte sich Großfürstin Elisaebth sehr energisch für ihre jüngste Schivester Alice ein, deren Vermählung irrit dem Zaren auch ihre eigene Position om Hofe sehr gehoben hat; ihre Annrut und Lie­benswürdigkeit Umd ihre große Herzensgute und Intelli­genz machten sie zu einer der sympathischsten Erscheinungen des russischen Kaiserhauses, und selbst oie heftigsten Gegneri ihres Gatten zollen ihr Ehrerbietung gab doch auch der verhaftete Attentäter vor allem seiner Befriedigung darüber Ausdruck, daß die Großfürsttn nicht das Schicksal! ihres Mannes geteilt habe.

Es verlautet bestimmt, das; in absehbarer Zeit blA Großfürstin Sergius nach Darmstadt über­siedeln wird. Es ist nichst ausgeschlossen, daß sie spätere hin dort das Palais Rojenhöhe bezieht, das äugens blicklich vom preußischen Gesandten bewohnt wird.

Der Semski Sobor.

Wie Petersburger Blätter mitteilen, macht der russisch- Publizist Ssuworin einige interessante Angaben, darüber^ wie sich möglicherweise der Semski Sobor, das. russische Nationalparlament gestalten wird. Er will darüber vow authentischer Seite folgendes gehört haben: J!m Sobori müssen Vertreter des Grundbesitzes, der Land-^ wirtschaft, des Handels, der Industrie und der! Wissenschaft sitzen. Die Stammbevölkerung,welche daS Russische Rei'ch gebildet hat, wird natürlich überwiegem Es wäre zudem gerecht, wenn einzelne Gebiete, Volksrapenj als ähnliche- Territorien betrachtet werden wie in den Ver­einigten Staaten von Nordamerika. Wir befinden unZ in einer viel schwereren Lage, als England, Frankreich, Deutschland und Italien, in denen die Bevölkerung wert gleichartiger ist. Bei uns ist die Zahl der Volksstämme sehr groß. Es ist nicht ausgeschlossen, daß int Sobor «rußet den Parteien der Konservativen, Liberalen und ^oziaustett und ihren Unterparte^eu auch noch gewisse dt cht i o n al * gruppen, wie eine polnische, litauische, kleinrussische, ar­menische, tatarische, grusinische, jüdische, sibirische, battischc- lettische usw. hervortreten werden. Das ist eine schwere! uns anhaftende Eigenheit, die etwas an Oesterreich erinnert. In dieser Hinsicht liegen also sehr triftige Gründe zmnj Nachdenken vor. Zu einer Reichsvertretung muß auch gilt* land herangezogen werden.

Man wird das Reich nicht nur in Wahlbezirke teilet sondern auch die gegenseitigen Beziehungen der Volksstämme in Betracht ziehen müssen, um dem russischen Clement ein| Uebergewicht zu sichern. Eine Grundbedingung muß die? Kenntttis der russischen Sprache sein. Der Wohlzensusi darf durch keinen Bildungsgrad beschränkt werden. Die Zahl der Volksvertreter dürste 1V2 Tausend (!) 1 betragen. Vor dieser Zahl braucht man kaum zurückzu­schrecken, obgleich viele für nicht mehr als für höchstens 400 bis 600 Mann stimmen werden. Wenn wir die Höhe unserer gegenwärtigen Bevölkerungsziiffer auf 140 Mill.« annchmen und auf je 100 000 Bewohner ein Vertreter ent- fällt, so ergibt das 1400 Vertreter. Rechnet man ferner, daß unser Bevölkerungszirwachs LO Millionen in einem! Jahrzehnt beträgt, so würde das einem Zuwachs von 200 Vertretern in einem Dezennium gleichkommen.

Wenn man vont Semski Sobor spricht, so denkt, matt an die alte Zeit. Wir aber sind neue Menschen mit neuen) Begriffen und neuen Ansichten. Sogar die Bauern smdt [neue Menschen, namentlich in industriellen Gebieten, totft

Wr. 44

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Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Siebener Samilien- «Liter viermal in der Woche beigelegt.

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Kernsprechanschluß Nr. 51.

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Iie.Handelsverträge im Weichslag.

R. Berlin, 20. Febr.

Der Beginn der zweiten Lesung des Handelsvertragswerks ließ erkennen, daß das Intereste des Reichstags jetzt nicht so sehr der Sache selbst, als der geschäftlichen Behandlung gilt. Was über den Inhalt der Verttäge noch zu sagen war, ist in der Konrnriffion gesagt worden, und die von den Regierungsvertretern dort abge­gebenen wichtigeren Erklärungen waren zumeist vertraulich, so­daß die breitere Oeffentlickkeit hier nicht auf ihre Rechnung kam. Was sonst von der Regierung eröffnet wurde, ist in einem Truck- heft niedergelegt, und Mg. Tr. Spahn (Ztt.) war w kollegial, der Vermutung Ausdruck zu geben, daß die nicht zur Kvmmissron gehörenden Tlbgeordneten dieses Truckheft mittlerweile gelesen haben. Auch sah sich Graf P 0 s a d 0 w s k h heute veranlaßt, zunächst zum Handelsvertrag mit Oesterreich-Ungarn einige feier­liche lftklärungen abzugeben, um die Bedenken der Süddeutscyen gegen diesen Vertrag zu beschwichtigen. Das Abkommen mit der Habsburgischen Monarchie wurde als das grundlegende bezeichnet und an erster Stelledurcbberaten". Eine auf den Grund gehende Erörterung gab c5 nach Lage der Sache nicht. Abg. G 0 t he i n (fr. Ver.) unternahm es zwar, von seinem gegnerischen Stand­punkt aus Einzelfragen anzuschneiden, aber er fand keine Gegen­liebe bei den Mehrheitspatteien. Man beachtete allenfalls die allgemein gehalteneii Darlegungen. So die des württembe^gi- schen Abg. Dr. W 0 l f f (Wirtsch. Ver.), der sich zum AnwalUder landwirtschaftlichen Interessen seiner Heimat machte, . und die des mit einer gewissen Resignation aus denopserbringenden Ausfuhrhandel hinweisenden Abg. Dr. S e m l e r (nl.). Beredtes Schweigen antwottete dem Haniburger Rechtsanwalt, als er an die Agrarier das höftiä>e Ersuchen richtete, ihrer Bevorzugung sich bewußt zu sein und nunmehr auch den anderen Erwerbs­zweigen, insbesondere der Börse, Licht und Luft zu gönnen, damit lischt nach dem Ablauf der neuen Handelsverträge der Spieß wieder umgekehrt werde. Tie Landwirte wünschen nichts, ^als die Handelsvertragsernte baldmöglichst hereinzubekommen, und sind am wenigsten geneigt, ihre Befriedigung auf die Börsenkreise .abfärben zu lassen. Hierin hbben sie am Zentrum einen zuver­lässigen Bundesgenossen. Bezeichnend war ja die außerordentliche Stärke, in der die Konservativen sich zur heutigen^ Sitzung eingefunden hatten. Im preußischen Abgeordneteiihause waren die Pforten früher als sonst geschlossen worden, damit der gesamte Heerbann der Rechten bei den Abstimmungen im Reichstag zur Stelle sein konnte. Die erste toar_ in der Tat schon kurz nach vier Uhr fällig. Sie galt dem ö str e ichisch-u n g a r i sch en Handelsvertrag, der mit 192 gegen 53 Stimmen a n g e- n 0 m m e n wurde. Es gab keine Demonstration für den mit froher Gelassenheit dreinblickenden Grafen Bülow : nur ein Bei­fallsgemurmel drang zu ihm herauf. Ohne weitere Umstände wurde auch die Vie hi e u ch e n ko n v en t i on erledigt, und dann der Handelsvertrag mit Rußland vorgenommen. Hatten vor­dem zwei hessische Abgeordnete, die Herren 'Dr. W a l - lau und Lukas (nl.) der geschädigten Möbel- und Edelmetall­industrie gedacht, 1'0 trat jetzt Mg. Eickhoff (fr. Vp.) für die Kleineiseninduftrie ein. Doch es gab nichts mehr zu ändern, lediglich der Form wegen standen einige Negierungskommissare Rede und Antwott, woran die betroffenen Industriellen sich ge­nügen lassen müssen.

Graf Bülow konferierte währenddessen mit einem Herrn, dessen Name in letzter Zeit viel genannt wurde, der aber zu den Handelsverträgen nicht die mindesten Beziehungen hat: mit dem Ministerialdirektor Alt ho ff aus dem preußischen Kultus­ministerium. ~ Herr Althoff war offenbar aus besonderem Anlaß zum Ministerpräsidenten nach dem Reichstag befohlen wor­den, und da er hier auch mit dem württembergischen Gesandten Frhrn. v. Varnbüler und dem württembergischen Abg. D-r. Hie- 6er (nl.) sprach, mag nickst allein die in Preußen für bedroht erachteteakademische Freiheit" zur Diskussion gestanden haben. Das Intermezzo auf der Bundesestrade wurde mehr be­merkt, als die Debatte über den russischen Handelsver­trag. Die Entscheidung zu Gunsten dieses Vertrages fiel mit 198 gegen 61 Stimmen. Die Polen enthielten sich in beiden Fällen der Stimme. Beim H an de l sv e rtr a g mi t I ta l i e n gab es eine kleine Weinzolldebatte, in der die Pfalz und die Reichslande zum Wott kamen. Die weiteren handelspolitischen Vereinbarungen wurden in beschleunigtem Verfahren verabschiedet, ,b. h. genehmigt._________ ___________________

Zur e$age in Wuhsard.

Der Schauplatz des Attentats in Moskau.

Im Kremt, auf der den Russen geheiligten Stätte, zinf der sich alle Erinnerungen aus Moskaus Vergangenheit vereinigen, ist die totbringende Bombe auf den Großfürsten Sergius geschleudert luorben. Im Kreml erhält der Zar die priesterliche Weihe, vollmächtigen Glockenturnr, Iwan Welittj, verkünden dreiunddreißig Glocken den Russen, daß ein neuer Zar den Thron bestiegen jhat.

Der Kreml, der älteste Teil Moskaus, liegt am Unten ckfer des Moskwaflusses auf dem, 4(3 Meter über diesem Flusse sich erhebenden BorowrMschen Hügel, der gmrzi Moskau beherrscht. Der Kreml, ein unregelmäßiges Dreieck, umfaßt einen ganzen Stadtteil, stellt eine Vereinigung von Palästen und Staatsgebäuden dar und ist eingeschlossen von einer 20 Meter hohen Mauer von zwei .Kilometern Um­fang, die mit Zinnen gefrönt und mit 19 Türmen versehen ist. Fünf Tore, durch Baustil oder historische Erinnerungen merkwürdig, führen in den Kreml. Ist der Nähe des nörd­lichen Tores l)at den Großfürsten Sergius der Tod ererlt.

E>roßsürst Sergjus wohnte in dem 11 ewen (Nikolar-)

halb der Mauern des .Kremls nicht mehr sicher und siedelte in den festtrngsarttgen Kreml über. Das kleine Palais wurde unter Katharina II. für den Metropolitan Platon erbaut, 1817 für den Großfürsten Nikolaus, den riachmaligen Zaren, gekauft. Zar Mexcmder II. wurde in diesem Palais geboren.

An das kleine Palais stößt links das Tschrrdow-Kloster, das Kloster der Wrmder. An diesem Kloster ftlhr Großfürst Sergius auf seiner verhängnisvollen Fahrt vorüber und gelangte nun auf den Senatsplatz, auf welchem das Atten­tat verübt wurde. Das ist ein großer Platz in der Form eines länglichen Dreiers, südlich v'ou der ^Kremlkaserne, westlich vom Arsenal, östlich vom Gerichtsgebäude begrenzt. An der Hauptfassade der statttichen Kremlkaserne stehen' 20 altertümliche Geschütze, an den Ecken der Kasewle zwei Riesengeschütze, das fogenannte Einhorn und die reich ver­zierte Zarenkanone, die 1586 gegossen und etwa 39 000 Kilogramm schwer ist. Das Ltrsenal ist ein kolossales Ge­bäude, vor dessen Front die 1812 erbeuteten Geschützrohre, 875 an Zahl, liegen. Dem! Arsenal gegenüber befindet sich das Gerichtsoebäude, vor welchem das Attentat verüb't wurde. Das Gebäude wurde unter Katharina II. erbaut, seine mächtige weiße Fassade macht einen majestätischen Eindruck. Der Bau läuft oben in eine flache Kuppel aus, auf der sich ein viereckiger Pfeiler mit einer Krone erhebt. Etwa 200 Meter vom Zentrum des großen Senatsplatzes entfernt befindet sich das Nikolskija-Tor, das nach dem Noten Platze führt; das Tor hat seinen Namen nach dem über dem Durchgang befindlichen Mosaikbild des heiligen Nikolaus von-Moshaisk, des Patrons der Betrübten. Auf dem Roten Watz erhebt sich etwa 50 Schritte von der Kremlmauer entfernt, das Historische Museum, ein großes Gebäude im russischen Stil des sechzehnten Jahrhunderts, in welches sich der Großfiirst Sergius begeben wollte.

Sergius-Denkmal.

Moskau, 20. Febr. An dem Tatorte der Ermordung des Großfürsten Sergius w-ird ein großes, in Eisen ge­schmiedetes Kreuz mi t einem Heiligenbild errichtet werden.

Sergius und Deutschland.

Der Kaiser hat dem w.'ssischen Botschafter in Berlin einen Besuch abgestattet, Hoftrauer ist angesetzt, Regiments^- trauer befohlen, Ballfestlichkeiten, darunter auch ein für1 heute (Dienstag) beim preußischen Kultusminister beabsich­tigter Ball, sind verschoben,' kurz, die ganze offizielle Welt bekundet ihr Beileid. Das sind Bezeugungen, die wohl in erster Linie dem Zare^l und der deutschen Verwandtschaft des Toten gelten. Doch man wußte um die bis zum Fana­tismus getriebene D euts chfein d lich keit des Er­mordeten. Er soll bei jeder Gelegenheit dieser 'Ab­neigung gegen alles, was deutsch heißt, in der deutlichsten Werse Ausdruck gegeben haben. Man versichert, daß Ser­gius, der einen außerordentlichen Einfluß auf den Zaren ausübte, unablässig bemüht gewesen sei, Nikolaus mit Miß­trauen gegen bie deutsche Politik zu erfüllen und gegen die Aufrichtigkeit der deutschen Freundschaft. Wir finden in einem Petersburger Brief derNationalztg." folgende bestätigende Mitteilung:Er (Sergius) hatte es sich jedes­mal nach einer Begegnung zwischen dem Zaren und dem deutschen Kaiser angelegen sein lassen, den be­strickenden Eindruck der starken Persönlich­keit des letzteren im Herzell seines Neffen auszulöschen.

GroMrst Paul.

J'etzt scheint der Bruder von Sergius, Großfürst Paul, der eine Zeit lang wegen seiner nicht starrdesgemäßen Heirat in Ungnade gefallen war, eine Vertrauensstellung! beim Zaren einnehmerl zu sollen. Großfürst Paul, zum Generalleutnant und Generaladjutanten wieder ernannt, wird schwerlich auf Deutschland gut zu sprechen sein. Das Militärwochenblatt hatte seinerzeit, nachdem ein Ukas des Zaren diesem Mitglied des Hauses afte militäri­schen Würden aberkannt, mit dürren Worten gemeldet: Groß­fürst Paul sei aus der preußischen Armee go-

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Amts- Md Anzeigeblatt für den Kreis Gichen

zeigentcil: Hans Beck.

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