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23.9.1905 Zweites Blatt
 
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Men. HLuM und solid et- itnen Fräulein« mit tirotf rmLgen behusi Heirat. Anonym zwecklos.

eiferten unter Nr. 06806 ar i Gießener Anzeiger erbeten.

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23.

Nr. S24

Zweites Blatt.

155. Jahrgang

Samstag 23. September 1905

Erscheint »glich mit Ausnahme des Sonntags.

DieSiegener $amlllenbiatter werden dem »Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der Ehejstsch« tanböUt" erscheint monatlich einmal.

Eichener Anzeiger

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitätsdruckerei. R. Lange, Gießen.

Redaktion.Expedition ».Druckerei: Schulstr.?.

Tel. Nr. 5L Tclegr.-A.dr. ; Anzeiger Dreßen.

GeuerÄ-Mzeiger, Amtr- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Aus den WrieftN eines gefallenen Asstziers.

Wie es drunten in Südwestasrika zugeht, erfahren wir aus Briefen, welche ein tm Kampfe gegen die Schwarzen gefallener Offizier, Kurt Hildebrand von der Marwitz [zuletzt beim 18. Dragonerregiment), an seine Angehörigen gerichtet hat. Tie Briefe, welche im Auszug in Nr. 48 derZukunft" zum 'Abdruck gebracht werden, führen uns einen lebenslustigen, mutigen, in seiner schlichten Menschlichkeit liebenswürdigen Offizier vor, der alle An­nehmlichkeiten der Heimat hinwegwrrft, um dem Rufe des obersten Kriegsherrn zu folgen und auf afrikanischer Erde unter Oualcn und Entbehrungen den Heldentod zu sterben. Am 23. Juli 1904 hatte der junge Offizier seiner Mutter zum letztenmal die Hand gedrückt, still und ernst, wie es Soldaten geziemt: dann dampfte er mit derGertrud Woer- mann" der dunklen Zukunft entgegen.

In den Briefen, welche Kurt von der Marwitz während der Fahrt über da§ große Wasser und nach der Ankunft im afrikanischen Deutschland nach .Hause schrieb, finden sich fesselnde und anmutige Schilderungen über das Gesehene und Erlebte, aber auch schwere Anklagen nach ver­schiedenen Richtungen. So fällt uns im ersten Briefe, datiert vom 26. Juli 1904 (auf der Höhe von Teriffa) eine Stelle auf, die sich vermutlich an die Adresse des großen Ham- burger Rheders und Kaufmanns Woermann, eines Günst- ling's des Kaisers, richtet:

Wir fuhren die Elbe hinab und mußten in Stade acht Stunden liegen, um Lieferungen, die Herr 3a. verstauen zu lassen versäumt hatte, an Bord zu nehmen. Dieser Mann hat meiner Ansicht nach viel mehr Einfluß auf die Mobilmachung der Kolonialtruppen, als gut ist. . ."

In einem Briefe, geschrieben auf der Höhe von Magador, sagt der Offizier:

Unsere Mannschaften sind meist so töricht, gegen denTurstBierzu trinken, und schwitzen daher weid­lich. Das 'Unteroffizierkorps ist leider nicht an­nähernd ans d^er Höhe; man sieht den kleinen und eng­herzigen Standpunkt, den viele Kompagniechefs haben; sie suchen sich ihre schlechten Elemente wegzuloben. Tie besten wären eben gut genug, um den Anforderungen, die hier gestellt werden müssen, gerecht zu werden. Man leidet sehr darunter, daß man andauernd die gröbsten Register ziehen muß."

In einem Briefe, auf der Höhe vom Kap Verde, klagt Kurt von der Marwitz über sengende Hitze und mangelnden Luftzug.

Wir fuhren schreibt der Offizier sodann heute so dicht an einem heimkehrenden Woermann-Dampfer vorüber, daß man die Gesichter der Passagiere erkennen konnte. Von unseren Leuten wären gewiß viele gern mit zurückgefahren, die sich die Unannehmlichkeiten der Expedition nicht so gedacht hatten. Tie für den Kriegsfall vorgesehene Verschärfung der K'riegsartikel haben leider einige Renitente schon an sich ausprobieren müssen."

Ein vom 17. August datierter Brief, in dem die Ankunft in Swakopmund mitgetcilt und die mißlichen Landungs- verhättniste geschildert werden, enthält folgende Bemerkung:

Trotz meinem Untertanenverstand habe ich den Eindruck gewonnen, daß die Kriegsleitung so im Argen liegt, daß wir nicht die geringste Veranlassung haben, über jene anderen Staaten zu moralisieren lzu Gericht zu sitzen).....

Tie Landschaft ist geradezu trostlos. Fliegender Sand, kein Baum, kein Strauch, nur einige verbrannte Kakteen. Tie Deut­schen sind a ll e m i t e in a n d er v er z a n kt, von Manchen werden Geschichten erzählt, die sich schriftlich nicht wiedergeben lassen."

(Schluß folgt.)

Unruhen in Afulsch-Wajrika.

Nach einer Meldung des Gouvernements von Deutsch- Ost afrika hat Hauptmann Merker die Aufständischen zwischen dem 7. und dem 15. September in mehreren Gefechten in den Kitschi-Bergen nordwestlich von dem Mcttumbi-Berge im Hinterlande von Kilwa geschlagen. Der Gegner erlitt große Verluste. Diesseits wurde nur ein Farbiger verwundet. 30 Mann Marine-In­fanterie sollten mit der Verstärkung für Morogoro unter Haupt­mann Frhr. v. Wangenheim am 21. September mit dem ,Bussard" nach Bajamojo gehen, um dann nach Morogoro zu marschieren. Zur Beendigung der Pazifizierung von Morogoro stehen nach dem Eintreffen dieser Verstärkung dem Hauptmann Frhr. v. Wangenheim über 160 Askaris außer der Marine-Infanterie zur Verfügung. 30 Mann Marine- Infanterie und zwei Kompanien Farbige werden Mitte Oktober in Kilwa zum Vorgehen auf Liwale-Songea bereit sein. Im Bezirk Lindi steht Hauptmann Seyfried mit 30 Mann Marine-Infanterie und 100 Askaris. Erstere sollen eine feste Stellung bei der Missionsstation besetzen. Der Benediktiner- abt Norbert traf mit den flüchtenden Missionaren aus Kigon- sera und Peramiho am Niassasee ein. Der Telegraph nach Tabora ist in Ordnung. Von Mahenge und Sengea liegen keine Nachrichten vor. Hauptmann Nigmann hatte mit der Kompanie von Jringa Mitte September ein siegreiches Gefecht auf der Grenze der Bezirke Mahenge und Jringa gegen Wahehe und Wambunga. Auf deutscher Seite wurden drei Farbige getötet lind vier verwundet. Der Feind hatte schwere Verluste und zog sich in der Richtung auf Jfakara zurück. Nigmann verfolgt ihn und sucht mit Mahenge Verbindung.

DieNordd. Allg. Ztg." meldet: lieber die Ent­wickelung der Unruhen unter den Eingeborenen im südlichen Teil des ostafrikanischen Schutzgebietes ist einem Bericht des Gouvernements aus Dar-es-Salaam vom 26. August folgendes zu entnehmen: Der Bezirk Kilwa wurde nach der Abreise des Bezirksamtmanns von Rohde von dem Bezirksamtssekretär Gruse verivaltet, bis dieser am 22. Juni infolge eines Unfalles dienstunfähig wurde. Mit der Führung der Bezirksamtsgeschäfte wurde dann der Stabsarzt Lott beauftragt. Die Bewohner der Matumbiberge sind von alters her als trunksüchtig, diebisch, widersetzlich und rauflustig bekannt, seit der 1898 ausgeführten Strafexpedition des Premierleutnants

v. Beringe waren sie gefügiger. Schon Mitte Juli führte der Akide von Kibatta Klage, daß ein Zauberer im Mo- horobezirke die Eingeborenen aushetze. Dieser Zauberer wurde verhaftet, kriegsgerichtlich zum Tode verurteilt und gehängt. Ende Juli bedrohten Bergbewohner den Baumwoll- pflanzer Hopfer in Mtumbet. Dieser wurde auf der Flucht nach Kilwa in der Nacht vom 1. auf den 2. August ermordet. Am 31. Juli wurde der Akide in Kibatta überfallen. Der Ueberfall wurde abgewiesen. Am 1. und 2. August wurde Samanga von den Aufständischen ange­griffen^ Der erste Angriff wurde von dem Baumwoll- pstanzer Steinhagen und den Arabern, der zweite von einer Abteilung PolizeiaSkari aus Kilwa unter dem Feldwebel Hoenicke mit erheblichen Verlusten zurückgeschlagen. Auf unserer Seite sind zwei Eingeborene gefallen. Die in Samanga wohnhaften Inder sind auf einer Dhau ge­flüchtet. Ihre Häuser wurden von den Aufständischen ver- brannt. Die Bergbewohner gingen in zwei mit Vorder­ladern bewaffneten Horden vor, eine gegen die Baumwoll­pflanzungen bei Miteja und Msurru, die andere gegen Sa­manga und Mohoro. Die Telegraphenlinie zwischen Kilwa und Dar-es-Salaam ist zerstört. Als die Nachricht vom Aufstand am Nachmittag des 1. August in Dar-es-Salaam anlangte, gingen am selben Abend 70 Mann der 5. Kom­pagnie unter Hauptmann Merker mit dem GouvernementS- danipfer nach Samanga ab. Als auf Grund weiterer Nach­richten die Lage ernster erschien, gingen am 3. August mit demBussard" weitere 120 Mann der 5. Kompagnie unter Major Johannes nach Kilwa. Tas Bezirksamt Kilwa hatte inzwischen die 3. Kompagnie auS Lindi in der Stärke von 60 Mann mit dem Gouoernementsdampfer herangezogen.

Mitte August griff die Aufregung nach Westen in der Richtung auf die T e h e t e b e r ge über; acht Araber sollten ermordet und der arabische Akida in Madabe bedroht sein. Bald darauf traf die Nachricht von der Ausdehnung der Unruhen auf das Donde-Liwaldelcmd und von der Er­mordung des Bischofs Spieß ein. (Darüber ist be­reits erschöpfend berichtet worden. D. Red. des Gieß. Anz.) Weitere Eingcborenenxtachrichten machen es wahrscheinlich, daß der Polizeiposten zu Liwale von den Auf- ständischen Wadonde und Wagindo genommen worden ist. Im Liwalebezirt befanden sich Feldwebel Fau pel mit 8 PolizeiaSkari und 2500 Patronen, der Kautschukaufkäufer Aimer Dort der Firma Traun n. Stärken in Hamburg, und Landtvirt Pfüller. Die T ö t u n g Faupcls und der Pvlizeiaskaris scheint sicher: Psiitler ist anscheinend nach Ssongea geflüchtet. Das Schicksal Aimers ist noch un­gewiß. Tie Aufregung steckte auch die Landschaften süd­westlich von Kiliva-Kiwiudje an, sowie nördliche Teile des Bezirkes Lindi. Bezirksamtmann Ewerbek befindet sich auf einer Dienstreise im äußersten Westen des Bezirkes und bietet die Wavao vom Rovum als Hilfsvölker gegen die Wadonde im Lindibezirk auf. Der Kornmandant des Bussard" beruhigte und sicherte die Küstenstationen im Süden durch Ausschiffung von Matrosen und Maschinen­gewehren. Zurzeit liegen in Mikindani 1 Maschinist, 8 Mann und 1 Maschinengewehr, in Mahoro 2 Offiziere, 34 Mann und 1 Maschinengewehr. Oberleutnant Paasche schlug Haufen Aufständischer bei Kipokwa und Ssassale so empfind­lich, daß bis auf weiteres ein Umsichgreifen der Betvegung nach Osten und Norden nicyt mehr zu befürchten ist. Im Tar-es-Salaamer Bezirke sind die Unruhen nur auf die Gegend südlich von der Missionsstation Mareno- mango beschränkt. Dort wurden dieselben durch die Sultanin Kiba'sira in Kisangire hervorgerufen. Auf die Bitte der Missionare in Maneromango und Kisserawe begab sich Re­gierungsrat Bäder dorthin mit einer Abteilung Polizei- askari. Als der arabische Dolmetscher des Bezirksamts die aufgeregten Jumben zu Schnurr entbot, wurde er von den Eingeborenen erschossen. Zur sofortigen Bestrafung wurde Hauptmann Fonek mit 50 ASkari und einem Ma­schinengewehr dorthin entsandt. Aus anderen Landesteilen Hegen keine sorgen erregenden Nachrichten vor.

Bolitische Tagesschau.

Minister v. Witte

ist nach Zeitung-Zmeldungen aus Paris vom Zaren beauf­tragt worden, K a i s e r W i l h e l m die Jntensionen des Zaren bezüglich der zweiten Friedenskonferenz im Haag zu unterbreiten. Auch in Paris konferiert Witte mit den politi­schen Persönlichkeiten über die Einberufung diese? zweiten Kon­gresses. Witte nahm in Montelimar Anlaß, L o u b e t für Frank­reichs Anteil an den Portsmouther Verhandlungen zu danken. Tiefer versicherte, daß Frankreich die gern übernommene Pflicht, Rußlands Interessen in Tokio während der Dauer des Krieges zu vertreten, bis ans Ende erfüllen werde, im besonderen an­läßlich der bevorstehenden Ratifikation des Friedensvertrages. Witte äußerte im Kreise feiner Bekannten, er werde wahrscheinlich Anfang nächster Woche von Kaiser Wilhelm empfangen werden.

TemPetit Parisien" zufolge soll V e r d i d u V e r n o i, der deutsche LegationSrat in Washington, welcher mit Witte an Bord oesKaiser Wilhelm der Große" nach Europa kam, in der Lage sein, dem Kaiser über die G e h e i m g e s ch i ch t e d e s Portsmouther Vertrages bemerkenswerte Mitteilungen zu machen.

Sitzung der Stadtverordneten. Gießen, 22. September 1905.

Anwesend: Oberbürgermeister Meeum, die Beigeordneten Curschmann, Georgi und Heyligenstaedt und die Stadtverord­neten: Brück, Dr. Ebel, Euler, Eichenauer, Faber, Gabriel, Dr. Gutfleisch, Haubach, Helfrich, Huhn, Jughardt, Jann, Keller, Krumm, Kirch, Looß, Leib, Löber, Petri, Schmoll, Schaffstaedt, Dr. Schäfer, Wallenfels und Wimmenauer.

Der erste Punkt der Tagesordnung betrifft die Aus­losung von Schuldverschreibungen. Es wurden aus- gelost vom Anlehen 1893: ä 2000 Mk.: L 278, 291,

175, 112, 147 und 109; ü, 1000 Mk.: M 345, 280, 278,

220, 225, 202, 180, 159; k 500 Mk.: N 152, 664, 123,

554, 627, 31, 711, 462, 163, 182, 366, 450, 688, 559,

104, 60; k 200 Mk.: 0 245, 195, 228, 143, 101 und 33; a 100 Mk.: P 81, 24, 9, 320, 281, 6, 316, 235.

Anlehen von 1894: ä, 2000 Mk.: 15 340, 350; ä, 1000 Mk.: M 404, 446; ä 500 Mk, N 906, 900, 1066, 956, 949, 903; ä 200 Mk.: 0 319, 397, 391; ä, 100 Mk.: P 541, 581, 523, 446.

Anlehen von 1895 : ä. 2000 Mk.: L 436; k 1000 Mk.: M 550; k 500 Mk.: N 1130, 1155.

Bevor der Oberbürgermeister zu seinen Mitteilungen überging, hieß er die Stadtverordneten zu der ersten Sitzung, nach den Ferien herzlich willkommen, und betonte, daß ein treues und freudiges Zusammenwirken zum Wohle der Stadt tnnsoinehr zu wünschen sei, da in der nächsten Zeit folgen­schwere Beschlüsse gefaßt werden müßten.

Oberbgm. Mecum verlas danach ein Dankschreiben des Vorsitzenden de? GeselligkeitSvereins Gleiberg, worin dieser für den Jahresbeitrag der Stadt im Betrage von 100 Mk. seinen Dank abstattet. Eine wettere Mitteilung betraf die Geschäfte des KreisgeometerS, die, einem früheren Be­schluß der Stadtverordneten-Versammlung gemäß, mit Geneh­migung des Mintsteriums des Innern auf das städtische VennessungSamt übergehen. Auch mit dem Wunsche der Versammlung, die Parzellenvermessungen rechts der Lahn möchten statt vom Staate von städtischen Angestellten ausgeführt werden, tft die Negierung grundsätzlich ein­verstanden, und demnächst wird den Wünschen wohl statt­gegeben werden.

Tie Pläne zum Theaterneubau waren, so bemerkte der Oberbgm. weiter, öffentlich ausgestellt; in der nächsten Woche werden voraussichtlich die Fundamentierungsarbeiten ausgeschrieben werden. Die Mitglteder der Versammlung er­hielten ein durch Druck vervielfältigtes Schaubild des nun im Plan feststehenden Gebäudes.

Nächsten Sonntag werden in der Turnhalle der Stad t- Mädchenschule die von den Schülerinnen gepflegten Blumen ausgestellt werden, die alljährlich auS einer Stiftung den Mädchen überwiesen werden, um im Herbst das Resultat der Pflege festzustellen.

Dec nächste Punkt der Tagesordnung betraf die Teue­rung der Lebensmittel. Dieser Punkt hatte einige Jntereffenten auS der Bürgerschaft als Zuhörer her­beigelockt. Oberbgm. Mecum teilte mit, daß er, als Ende Juli und Anfangs August die Preise der Lebens- mittel, namentlich für Fleisch, zu steigen anfingen, statistische Ausstellungen gemacht habe, um auS der Lage des ViebmarkteS und des SchlachthofeS festzustellen, ob die Volksernährung in der letzten Zeit zurückgegangen sei und ob die Preise gestiegen seien, in welcher Weise die Gießener Ver­hältnisse tm Vergleich zu dem nächsten großen Markt in Frankfurt sich darstellten. Er habe ferner Erkundigungen bei süddeutschen Städten eingezogen, in welcher Weise dort städtischerseits die Seefischversorgung gefördert werde. Seither habe hier noch nichts geschehen können, weil die meisten Mitglieder der sozialpolitischen Kommission abwesend waren. Dieser Tage sei nun eine Anfrage des Stadto. Eichenauer eingelaufen, was die Stadt zu tun gedenke angesichts der Fleischteuerung und ob sie sich den Bemühungen anderer Städte in dieser Frage anschließen wolle. Als am 5. d. M., so führte Oberbgm. Mecum weiter aus, in LonyS Bier­keller eine öffentliche Versammlung wegen der Fleischteuerung, stattfand, habe er, der Oberbgm., dem Stadtv. Krumm/ der dort ein Referat halten wollte, seine zahlenmäßigen Fest­stellungen vorher mitgeteilt, um Mißverständniffen und falschen Anschauungen vorzubeugen. Was die Menge des Fleisches anlange, so habe sich der Viehauftrieb auf unseren Märkten im Juli und August 1904 und 1905 folgendermaßen be­ziffern lassen: in den beiden Monaten 1904 waren zusammen 7035 Stück Rindvieh und 2678 Schtveine ausgetrieben; im Juli und August dieses Jahres 8033 Stück Rindvieh und 4141 Schweine.

Ein Mangel an Schlachtvieh sei also nicht hervorgetreten.

Was den V e r b r a u ch anlange, fährt Oberbürgermeister Mecum fort, so habe er auch hierzu Aufstellungen und Ver­gleiche gemacht. Bei der Feststellung des Fleischkonsums in Gießen müsse beim Vergleich der heutigen Ergebntffe mit dem vorigen Jahr berücksichtigt werden, daß damals zwar auch das Regiment ausgerückt war, daß aber nicht nur ein neues Regiment eingezogen war, sondern auch viel sonstige Einquartierung. Wenn man dies berücksichtige, so habe der tägliche Fleischkonsum, auf 10 000 Einwohner ausgerechnet, betragen: Vom 1.2 0. Au gu st 19 04: 3,24 Großvieh, 7,10 Kleinvieh, 12,36 Schweine; in derselben Zeit 19 0 5 dagegen 2,61 Großvieh, 6,76 Kleinvieh, 10,00 Schweine. Vom 21.31. August 1904: 3,32 Großvieh, 6,40 Klein­vieh, 12,00 Schweine; in derselben Zeit 19 0 5: 3,02 Großvieh, 6,78 Kleinvieh, 11,74 Schweine. Vom 1. bis 10. September 1904: 2,48 Großvieh, 6,64 Kleinvieh, 9,73 Schweine; in derselben Zeit 1905: 2,31 Groß­vieh, 5,49 Kleinvieh, 836 Schweine. Vom 11.20. Sep­tember 19 04: 3,00 Großvieh, 6,11 Kleinvieh, 12,81 Schweine; in derselben Zeit 1905: 3,38 Großvieh, 7,43 Kleinvieh, 11,88 Schweine.

Es sei also nicht richtig, daß der Fleischverbrauch ab­genommen habe. Jedenfalls sei aber ein Notstand insofern zu konstatieren, als das Fleisch erheblich teurer geworden sei. Unsere Metzger, so stellte Oberbgm. Mecum fest, seien ver­hältnismäßig nicht zu viel nut den Preisen in die Höhe gegangen.

Ter Vergleich der Preise auf dem Viehrnarkt in Frankfurt und im Kleinverkauf in Gießen für die Monate Juli und August 1905 ergeben folgendes.- Aw 3. Juli 1905 waren die Preise kür Ocülew KälbLc