Ausgabe 
23.8.1905 Zweites Blatt
 
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Win wollen deshalb unsere Beratungen schließen, indem hnt auf die beiden Autoritäten, die vollständig zusammengehören, wie Seil» und Seele, ein Hoch ausbringcn. Wir wollen unserem Dank Ausdruck verleihen, indem wir in den Ruf einstimmen: Se. Heiligkeit Da pst Pius X. und Se. Maiestät, unser aller­gnädigster Kaiser, König und Herr, Wilhelm II. leben hoch! Die Versammelten stimmten in dieses .Hoch ein. Danach schloß Justizrat Dr. Trimborn die Generalversammlung des Lolksvereins.

Zu gleicher Zeit tagte imSängerhause eine g e- schlossene Versammlung d e r K a t h o l i k en De u t s m- lands. Es wurden Beschlüsse gefaßt: Der Bonifaviusverein und alle ähnlichen Vereine, die die Beseitigung der Simultan- Kirchen nsw. bezwecken, durch Gebet und Almosen zu unterstützen, die Missionsvereinigung katholischer Frauen- und Jungfrauen­vereine tatkräftigst zu fördern, die Missionshäuser der in Deutsch­land zugelassencn Missions-Gesellschasten zu unterstützen. Ferner wurde die bereits auf der vorjährigen Generalversammlung in Regensburg ausgesprochene Empfehlung der Sodalität vom hl. Petrus Claver für die afrikanischen Missionen erneuert.

Weiter wurde beschlossen:

I.Die 52. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands sicht in den sich mehrenden Kämpfen zwischen gewerblichen Arbeitern und Arbeitgebern eine sowohl für die Nächstbeteiligten und das gesamte Wirtschaftsleben schädliche, als auch den sozialen Frieden fortwährend gefährdende Entwicklung. Es ist daher eine wichtige Aufgabe der Sozialpolitik, Mittel und Wege zu suchen, welche unter Wahrung des freien Koalitionsrechtes und der Gleichberechtigung von Arbeiter und Arbeitgeber geeignet sind, dem Ausbruch solcher Differenzen vorzubcugen und das Arbeits­verhältnis im Geiste der sozialen Gerechtigkeit und Versöhnung zu regeln. Zu diesem Zwecke sind zu erstreben:

1. Errichtung von paritätischen A r b c i t s k a m m e r n, die als Einigungsämter und Schiedsgerichte fungieren und vor der Proklamierung von Streiks und Aussperrungen von den streitenden Parteien anzurufen sind.

2. Der Abschluß von kollektiven A r b e i t s v e r t r ä g e n (Tarifverträgen), in denen die Lohn- und Arbeitsbedingungen durch Vereinbarungen zwischen den Organisationen der Arbeiter und Arbeitgeber aus längere Tauer möglichst einheitlich geregelt werden. Die stetig wachsende Zahl von Tarifverträgen beweist, daß dieselben int wohlverstandenen Interesse von Arbeitern und Arbeitgebern liegen."

II.Die 52. Generalversammlung der Katholiken Deutsch­lands begrüßt die erfreuliche Ausbreitung der katholischen Arbeitervereine in der neuzeitlichen Form möglichst reiner Standesvereine und ihren regen Eifer in der Förderung der religiösen und wirtschaftlichen Interessen ihrer Mitglieder. Sie ermuntert sie, in ihrer agitatorischen Arbeit fortzuschreiten; ersucht alle, denen die Möglichkeit dazu geboten ist, diese Aus­breitung der katholischen Arbeitervereine nach Kräften zu fördern, und ermahnt die katholische Arbeiterschaft dringend, sich diesen Arbeitervereinen anzuschließen.

Mit dem äußeren Wachsen muß indes der innere Ausbau der einzelnen Vereine sowie der Arbeitervereinsverbände gleich­zeitig voranschreiten. Besonderes Augenmerk ist auf die g e i st i g e Aufklärung und Durchbildung der Arbeiter so- ivohl in' religiös-apologetischer wie sozialer Hin­sicht durch Vorträge, Verbreitung der Verbandsorgane, Er­richtung und zweckeiitsprechende Ausgestaltung von Bibliotheken und Unterrichtskursen zu richten, damit dieselben mehr und mehr befähigt werden, in den Arbeitervereinen sowohl wie in der christlichen Arbeiter- und sozialen Resormbewegung über­haupt selbständig agitatorisch und ausbauend mitzuarbeiten."

Weitere Anträge empfehlen die Arbeiterinnen-Fürsorge, die Unterstützung des Canisius-Vereins und die Unterstützung der Missionen im Orient.

Auf Antrag des Abgeordneten Herold wurde noch folgender Beschluß gefaßt:

In Berücksichtigung der hohen Bedeutung, welche die land­wirtschaftliche Bevölkerung für die Erhaltung unserer Volkskrast, für die Bewahrung christlicher Sitte und die Be­festigung der gesamten gesellschaftlichen und staatlichen Ordnung hat, muß angesichts der stets wachsenden städtischen und in­dustriellen Bevölkerung das Streben dahin gehen, zur Aufrecht­erhaltung eines angemessenen Verhältnisses zwischen den beiden großen Wirtschaftsgruppen den landwirtschaftlichen Berufsstand nach Möglichkeit zu verstärken.

Es gehört daher zu den wichtigsten volkswirtschaftlichen Anf- gaben,' den landwirtschaftlichen Betrieb intensiver zu gestalten, nm einer größeren Anzahl von Personen Beschäftigung und Unterhalt aus dem Lande zu gewähren, und ferner durch an­gemessene Wohlfahrtspflege auf den verschiedensten Gebieten das Landleben angenehm zu machen.

Zur Erreichung dieser Zwecke haben Selbsthilfe in Einzeltätig­keil und in gemeinsamen Bestrebungen durch Vereine und Ge­nossenschaften, sowie umsangreiche staatliche und kommunale Für­sorge tatkräftig zu wirken.

Als ein nicht zu unterschätzendes Mittel wird im besonderen ein verstärkter Ausbau des Eisenbahnnetzes gerade in ländlichen Be­zirken behufs Anschluß an den großen Verkehr empfohlen."

Endlich wurde noch für die Abwanderer vom Lande eine systematische Fürsorge empfohlen.

In der heutigen Nachmittagsvcrsammlung werden sprechen: Pater Nachtwey über die katholischen Missionen im 19. Jahrhundert, Abg. de Witt über die Toleranzsrage und Kapuziuerpater Auracher über die Frauensrage.

Straßburg, 22. Ang. Dem Präsidenten des deutschen

falls wird ihr Not etwas heller sein, so daß es sich von dem Dunkelrot der Monatsrosen abhebt. Die Mauern sind auch mit Gerank übersponnen und an denselben ziehen sich blaurote Fuchsien hin untermischt mit hellroten Blumen, mir etwas zu grell in der Wirkung. Der dritte Garten korrespondiert mit dem ersten. In der Mitte steht ein Spring­brunnen aus rotem Sandstein, in einer Mauernische, dem Eingänge gegenüber, eine grau getonte Venus von Medici, grau ist auch der KieS in den Steigen, Blumen füllen den Garten die ganze blaue Farbcnskala hindurch vom hellen Grünblau der Hortensien durch das Blau, Hell- und Dunkel­violett der Astern und Heliotrop. Die Komposition wirkt prächtig, außerdem strömt dem Betrachter ein wunderbarer Duft entgegen.

Diese auf der Terrasse zur Verwirklichung ge örachten Olbrich'schen Ideen werden in dieser Art wohl nirgends zur Anwendung kommen, aber außerordentlich an­regend und befruchtend können und sollen sie wirken, wie auch die übrigen dort oben und am Eingänge angelegten Sondergärten. Irgend etwas kann uns überall Anregung geben, sei es nun die Farbenzusammenstellung, oder die Einteilung, oder die Einzäumung, das Gartenhaus, die mannigfaltige Sitzgelegenheit. Neue Ideen, neue Wünsche werden in uns aufsteigcn zur Umgestaltung, Verschönerung oder zweckmäßigeren Ausnutzung, verbunden mit würdiger Gestaltung und werden sich in Jahr und Tag vielleicht zur Tat verdichten. Besonders zur Anlegung kleiner Stadt- gärten werden diese symmetrisch und streng gehaltenen Sondergärten und die vielen Teppichbeete manchem er, wünschten Anhalt geben. Das Abgezirkelte und Rechteckige bis ins Kleinste kann natürlich auch leicht ins Kleinliche, in Spielerei übergehen, wie cs bei dem Gcwinn'schen Garten, der über dem Eingang die stolze InschriftUnser Garten" trägt, leider der Fall ist.

chluß folgt.)

Katholikentages Erbprinzen zu Löwenstein ist folgendes Telegramm zugegangen:Durch die Worte warmer Vater- landsliebe und treuer Anhänglichkeit, mit denen die General­versammlung des katholischen Deutchsiands Se. Majestät den Kaiser und König in dem heutigen Telegramme begrüßt hat, sind Mlerhöchstdieselben hocherfreut worden. Se. Majestät lassen Guter Durchlaucht bitten, allen Teilnehmern der Versammlung Allerhöchst ihren herzlichen Dank aussprechen. Im Allerhöchsten Auftrage v. Lucanus." Ter Statthalter von Elsaß--Loth-> ringen sprach telegraphisch seine Freude darüber aus, daß die Versammlung zur Eintracht unter den Konfessionen des Vater­landes beitragen solle, ohne die Deutschland nicht gedeihen könne.___________________________________________________

Ans Htaöl und Llv'S.

Gießen, 23. August 1905.

" Der GesangvereinHeiterkeit" unternahm, wie wir bereits mitgeteilt haben, am vergangenen Sonntag eine Reise nach der Wartburg. DieEisenacher Tages­post" berichtet: . Auf der Wartburg sowie im Hotel

zum Landgrafen (dem Absteigequartier des Vereins) über­raschte dec Verein das Publikum mit ganz vorzüglichen Gesangsvorträgen, sodaß der Wunsch laut wurde, die Sänger möchten einmal eine Konzertreise mit sämtlichen Mitgliedern nach Eisenach unternehmen, um ihr Können auch weiteren Kreisen zugänglich zu machen."

Konsum - Verein Gießen und Umgegend. Wie aus dem Inseratenteil ersichtlich, ist der Bericht über das vierte Geschäftsjahr dieses Vereins erschienen. Daraus ist zu entnehmen, daß der Verein sich im verflossenen Jahre weiter kräftig entwickelt hat. Die Mitgliederzahl stieg von 272 auf 365; der Umsatz erhöhte sich im eigen-n Geschäft um 50 Proz. und im Lieferantengeschäft um 100 Proz.; der Durchschnittsumsatz von 160 Mk. auf 208 Mk. pro Mitglied .Wurden in den ersten drei Jahren insgesamt 2091 Mk. Rückvergütung ausgezahlt, gelangen diesmal auf Vorschlag des Vorstandes und Aufsichtsrates 3298 Mk. zur Auszahlung. Dem Reservefonds, dem in den verflossenen drei Geschäfts­jahren insgesamt 705.65 Mk. zugeführt wurden, sollen 725 Mk. zugeschrieben und außerdem einem im vorigen Jahre gebildeten Spezial-Reservefonds ein weiterer Betrag zugeführt werden. Bei der stets aufwärts strebenden Preisbewegung der Lebensmittel steht dem Vorstand dieses Vereins noch 'bin weites Feld für seine Tätigkeit offen.

** Zu der hessischen Hinrichtungs-Statistik in Nr. 195 wird uns von einem alten Gießener Folgendes milgeteilt:Ludwig III. machte von seinem Begnadigungs- Recht regelmäßig Gebrauch, so daß unter seiner Negierung keine Hinrichtung stattfand." Dies mag für dieletzten 25 Jahre" richtig sein, ist aber mißverständlich, wenn man dasunter seiner Regierung" auf deren ganze Dauer be- zieht. Im Hof des Gefängnisses zu Darmstadt wurden während der Dauer dieser Negierung Mutter und Sohn mittels Fallbeils enthauptet, weil sie Gatten und Vater gemeinsam ermordet hatten. Der letzte Wunsch der Verbrecherin war, daß sie zusehen dürfe, wenn ihr Sohn geköpft würde. In der darauffolgenden Nacht erschien sie dem Großherzog im Traum, und von da anmachte er von seinem Be­gnadigungsrecht regelmäßig Gebrauch." Bei dieser Gelegenheit mag erwähnt werden, daß der Erste, dessen Haupt unter dem Fallbeil in Gießen siel, namens Vahlberg, ein Braunschweiger war, und sein scheußliches, damals unerhörtes, in neuer und neuester Zeit in den Zeitungen öfter genanntes Verbrechen, an einem kleinen Mädchen in der Nähe von Nidda begangen, dahier auf dem Trieb mit dem Tod durch den Scharfrichter büßte. Da­mals wurde es, wenigstens unter den Studenten, üblich stattguillotinieren"Vahlberg en" zu sagen. Wer im vierten Jahrzehnt des vorigen Jahrhunderts in Gießen wohnen mußte, erlebte da die öffentliche Hinrichtung zweier Mörder aus Freiensteinau. Obwohl es Winter, am Hin­richtungstage Tauwctter war, strömten doch die Menschen zu Tausenden in die Stadt, um die Missetäter in ihren eigens für sie angefertigten blauen Kitteln mit dicken, blauen, wollenen Fausthandschuhen angetan, aus dem Gefängnis am Seltersberg, dem heutigen Hauptsteueramt, unter dem Ge­leit einer größeren Abteilung von Dragonern aus Butzbach, welche damals in ihrer wirklich schmucken Neiterausrüstung herrlich aussahen, durch den Scltersweg nach dem Markt­platz führen zu sehen, wo ihnen vor dem Rathaus der Stab gebrochen wurde. Von da aus wurde der Zug nach dem Trieb geleitet, wo eine schaulustige Menge seiner wartete. Die ekelhaften Vorkommnisse unter dem Publikum während der Hinrichtung wirkten schon äußerst abstoßend, aber das Gebaren der Menge in der Stadt nach derselben war eben so übel. Dort wurde gegessen, getrunken, ge­sungen 2C so daß eigentlich nur noch die Musik und Tanz fehlte, um die Kirmes vollständig zu machen. Ein starker Widerwille erfüllte damals alle fühlenden Menschen, wenn vielleicht auch nicht gegen die Hinrichtung an sich, so doch gegen deren Oeffentlichkeit. Im selben Jahrzehnt hatten wir noch einmal Gelegenheit, die schmucken Butzbacher Dra­goner zu sehen. Aber während sie am Seltersberg ein rückten, zogen die Studenten durch das Walltor hinaus auf den Staufenberg. Doch davon vielleicht ein andermal. Bezüglich der Guillotine, mit der Hudde hiugerichtet wurde, wird uns mitgeteilt, daß die Maschine aus der Zeit der französischen Revolution stamme, zuerst in Mainz in Anwendung kam, und dann nach Greßen gebracht wurde, wo sie im Bedarfsfall im Hofe des heutigen Zollamts, Ecke Bahnhofstraße und Liebigstraße Aufstellung fand. Das Gebäude diente bis zur Vollendung des jetzigen Justiz- gebäudes als Provinzialarresthaus. Die sog. Armesünder­glocke war am Giebel der gegenüberliegenden Anatomie an­gebracht; sie ist erst vor einigen Jahren entfernt worden.

Das offizielle Festprogramm für die Hom­burger Kaisertage ist nunmehr festgesetzt. Der kaiser­liche Sonderzug trifft am Donnerstag, den 7. September, vormittags in Homburg ein. Außer dem Kaiser kommen die Kaiserin, der Kronprinz und die Kronprinzessin mit dem Sonderzug an. Geladen sind zu den Kaisertagen in Hom­burg der Erbgroßherzog von Baden, der Großherzog von Hessen, der Prinzregent von Braunschweig. Ausländische Könige kommen nicht. König Edward schickt den Prinzen von Wales, der König von Spanien, der wegen der Eortestagung nicht da sein kann, entsendet einen Vertreter, der Kronprinz

von Griechenland und Prinz Harald von Dänemark werden anwesend sein. Reichskanzler v. Bülow wird ebenfalls er­scheinen. Die Majestäten begeben sich nach der Ankunft ins Schloß, wo einige Räume völlig neu und zweckentsprechender hergerichtet wurden. Dort wird im Schloßhof zunächst die Ehrenkompagnie, die das Füsilier-Regiment Nr. 80 stellt, vorgeführt. Dann finden Empfänge statt und nachmittags besuchen die Majestäten die Sa al bürg. Sie benutzen da­bei zum erstenmale die bis dahin vollendete Brücke über einen Teil der Homburger Altstadt, die eine direkte Verbindung nach den prächtigen Taunuswaldungen bezw. der Saalburg schafft. Am Freitag vormittag um X/Ä9 Uhr begeben sich die Herrschaften zu Automobil nach dem Paradefeld, das in etwa sechs Minuten erreicht wird. Dort findet, wie bekannt, die Kaiserparade statt. 1883 und 1897 war sie an derselben Stelle. Eine Inschrift an drei Pappelbäumen im Felde, die in diesem Jahre ergänzt werden wird, weist darauf hin. Am Freitag abend ist Paradediner im Kurhaus, wo sich hauptsächlich die bei der Parade beteiligten höheren Offiziere und die militärischen Gäste des Kaisers zusammcn- sinden. Um 9 Uhr ist großer Zapfenstreich sämtlicher Musikkorps des 18. Armeekorps unter Leitung des Prof. Roß­berg aus Berlin im Kurgarten. Arn Samstag vormittag er­folgt in Gegenwart des Kaiserpaares die Enthüllung des Denkmals' Kaiser Wilhelms L, das von Bildhauer Fritz Gert h errichtet worden ist. Ter Sockel ist aus rotem Marmor, da? Standbild des Kaisers, der Generalsuniform mit dem Krönungsmantel darüber trägt, aus Bronze. Die Festrede hält Stadtverordnetenvorsteher Rüdiger. Am Abend dieses Tages ist im Kurhaus das sogenannte Provinzialdiner, an dem u. a. der Oberpräsident v. Windheim, Regierungs­präsident Dr. v. Meister, Landrat Dr. v. Marr usw. teil­nehmen. Danach findet große Illumination des Kurparks statt. Am Sonntag vormittag ist Feldgottesdienst im Kur­park, an dem auch das Kaiserpaar teilnimmt. Die Abreise des Kaiserpaares zur Parade nach Koblenz erfolgt am Sonn­tag nachmittag 6 Uhr.

f Langsdorf, 22. Aug. Die Feldbereinigung in der hiesigen Gemarkung ist nun soweit im Gange, daß nach beendigter Ernte die neu ein geteilten Aecker, Wiesen, Baumstücke usw. übergeben werden können. Die neuen Ge- wannweae sind bereits mit dem Pflug vorgezogen. Seit etwa acht Tagen liegen die Bücher, in denen die einzelnen Grundstücke eingetragen sind, offen. Das Rathaus gleicht einem Taubenschlage, und die Bücher und die zur Er­läuterung an den Wänden aufgehängten Flurkarten sind vom frühen Morgen bis zum späten Abend von den Ein­wohnern belagert, die mit gespannter Aufmerksamkeit die Lage ihrer neuen Grundstücke verfolgen. Die oft fröhlichen Gesichter der aus dem Nathans Heraustretenden lassen schließen, daß man mit dem Ausgang der Bereinigung im allgemeinen recht zufrieden ist, wenn einer auch hier und da auf einen kleinen Wunsch verzichten mußte.

N.B. Darmstadt, 22. Aug. Die allgemeine Garten­bau-Ausstellung läßt sich dank der günstigen Witterung sehr gut an. Schon die ersten drei Tage brachten durch die_Ein­nahme von 1012 000 Besuchern der Kasse die Gewißheit, daß ein Defizit auf keinen Fall zu befürchten ist, sobald das Wetter nur einigermaßen standhält. Der Großherzog hat sein besonderes Interesse an der Ausstellung dadurch bewiesen, daß er sowohl am Vormittag wie am Abend dort erschien und längere Zeit sich dortselbst aufhielt. Heute vormittag begann auch die 18. Hauptversammlung des über ganz Deutschland verbreiteten Vereins deutscher Gartenkünstler, der auch Oesterreicher und zahlreiche Holländer beiwohnen. Das merkte ntan besonders bei dem gemütlichen Begrüßungsabend gestern im städtischen Saal- haurestaurant, bei welchem der städtische Gartenbauinspektor Stapel die auswärtigen Gäste in Darmstadt herzlich be­grüßte, und der Vorsitzende, A. Brodensen-Berlin für die überaus freundliche Ausnahme seinen wärmsten Dank aus­sprach. Das weitbekannte Schubertquartett und mehrere erste Künstler Darmstadts trugen außerordentlich zur Verschöner­ung des Abends bei. Heute vormittag 10 Uhr Begannen die Beratungen des Vereins. Nach Eröffnung und Begrüß­ung durch den Vorsitzenden hieß Herr Oberregierungsrat Hvlzinger namens der Großh. Regierung die Versamm­lung herzlich willkommen, worauf Herr Bürgermeister Dr. Gl äs sing in längerer Ansprache sowohl namens der Stadt, wie aks Vorsitzender des Ausstellungspräsidiums fleudigst begrüßte und den Beratungen besten Erfolg wünschte. Den ersten Vortrag hielt darauf Herr Prof. Olbrich, der in längerer, fesselnder Darlegung die künst­lerischen Beweggründe für die Errichtung von Farbengärten näher besprach und feine Empfindungen über die von ihm geschaffenen Sondergärten in lebhafter Weise zum Ausdruck brachte. Dem von dein lebhaftesten Beifall begleiteten Vor­trag folgte eine Schilderung der Ideen des Herrn Maler Leipheimer über sein auf der Ausstellung veranschau­lichtes Bürgergärtchen und des Herrn Architekten Fuchs über das ThemaBürgerlicher Garten und städtischer Zier­garten", und dann noch ein sehr umfangreicher Vortrag des Herrn Zentralftiedhossdirektors W. Cordes in Ohls­dorf-Hamburg überDas Nützliche und Schöne in der Gartenbaukunst". Nach einer kurzen Frühstückspause sprach noch Herr Gartenbaudirektor He icke -Fran kfnrt über Die rückständige Gartenbaukunst" und dann fanden noch lebhafte Debatten über die für ntoraen bevorstehenden und für die Zukunft des Vereins maßgebenden Beratungen und Anträge über die anderweitige Organisation statt. Der spätere Nachmittag brachte Besuche der Ludwigshöhe und der bekannten Kunstgärtnerei Henkel Hierselbst.

p. Aßlar (Dill), 23. Aug. Sonntag nachmittag radelte in ziemlich flottem Tempo ein Motorfahrer durch unser Dorf. Ungeahnt sauste er plötzlich gegen einen Haufen Wellen und zog sich dabei Verletzungen im Gesicht zu. Das Nad wurde zertrümmert.________________

Meteorologische Beobachtungen

der Station Gießen.

August 1905.

Barometer auf 0° reduziert

Temperatur der Luft

Absolute Feuchtigkeit

Relative Feuchtigkeit

6iuq(p)iquigjj

22. 226

746,6

+24,5

13,1

57

W

22. 9"

746,2

+ 17,0

12,2

85

23. 7»6

744,0

4-16,4

11,8

85

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Höch

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22. A

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Niedrigste

22.

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Wetter

2 still

Sonnenschein

KlarerHimmel

Bew. Himmel

+ 24,50 C.

= + 12,10 C.