Kr. 197 Zweites Blatt.
155. Jahrgang
Mittwoch 23 August 1905
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
Die „Siebener ZainlllenblStter" werden dem „Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der ^hefstsche Landwirt' erscheint monatlich einmal.
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I 0 Iz ll iz ■ vR EI Ä iz I iz r Universltätsdruckerei. N. Lange, Gießen. 'S ä U 4 £ X J." 1 d Li W vC. d U N jd, Redaktion,Expeditionu.Druckerei: Schulstr.7.
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General-Anzeiger, Amtr- und Anzeigeblatt für den Kreis Siehe».
KtKanntmachnng.
Betr.: Feldbereinigung in der Gemarkung Gießen rechts der Lahn; hier den zugezogenen Teil dec Gemarkung Heuchelheim.
Auf die Einwendung mehrerer beteiligter Grundeigentümer hin hat das Schiedsgericht durch Urteil vom 11. April lf. IS. bestimmt, daß eine nochmalige Zuteilung der Gewanne 31, 32, 34 und 35 der Flur XX vorgenommen werden solle.
In der Zeit vom 26. August bis einschließlich 9. September l. I. liegen als Ergebnis dieser neuen Zuteilung auf dem Gemeindehaus zu Heuchelheim zur Einsicht der Beteiligten offen:
1. eine Zuteilungskarte,
2. ein ZuteilungSverzeichniS,
3. die Gütergeschosse nebst Zusammenstellung,
4. ein Geldausgleichungsverzeichnis,
5. ein beglaubigter Auszug aus dem Urteil des Schiedsgerichts vom 11. April l. I.
Tagfahrt zur Entgegennahme von Einwendungen hiergegen findet statt:
Montag, den 11. September l. Js., vormittags von 9—10 Uhr im Gemeindehaus zu Heuchelheim bei Gießen, wozu ich die Beteiligten unter dem Anfügen einlade, daß die Nichterscheinenden mit Einwendungen ausgeschloffen sind. Einwendungen sind schriftlich abzufaffen, zu begründen und auf Papier in Aktengröße, (mindestens 1/a Bogen) einzureichen.
Friedberg, den 17. August 1905.
Ter Großherzoglicke Fel^bereiuignngskonrmjssär: Spam er, Kreisamtmann.
KeKmtnlmüchmg.
Unter dem Schweinebestand des, Heinrich Kiefer zu Lang-GönS ist ein Fall von Rotlaufseuche festgestellt worden.
Gehöftssperre ist verhängt.
Gießen, den 21. August 1905.
Großherzoglicbeo Kreisamt Gießen.
I. B.: Heck>ler.
Amtliche Nachrichten über Viehseuchen.
Die Rotlauffeuche in Willershausen (Kreis Marburg) ist erloschen; die Gehöstsperre ist aufgehoben.
Kolonialpoft.
Kolouialarmee in Sicht?
Im Generalstab wird, der „TäAl. Rundsch." zufolge, ein Gesetzentwurf über die Bildung eines besonderen Kalonial- heeres ausgearbeitet, der dem Reichstag möglichst noch- in dieser Tagung zugehen soll. Soweit ist es also mit den Kolonien gekommen, von denen Fiirst Bismarck sagte: „Mein Ziel dort ist der regierende Kaufmann!" Noch auf Jahre hinaus wird die Verwaltung der Schutzgebiete nach ganz anderen kaufmännischen ^Gesichtspunkten geleitet werden müssen. Die Sorgfalt, mit der jener Gesetzentwurf im Generalstabe vorbereitet wird, läßt darauf schließen, daß es stich bei der Bildung der Kolonialarmee nicht uml eine vorübergehende, sondern um eine dauernde Einrichtung handelt. Eine nicht gerade erfreuliche Errungenschaft nach zwei Jahrzehnten kolonialer Politik. Auch die „Köln. Ztg." meint, in unserem kleinen Kolonialgebiete herrschten ver- bältnismäßig mehr Aufstände, als in den weit größeren Englands und Frankreichs. Die Schuld liege also nicht nur
bet den Eingeborenen, sondern auch in der deutschen Organisation. Jetzt will man anscheinend künftigen Unruhen vorbeugen durch Aufstellung emes Kolonialheeres.
52. Keneralv^rsammlung der Katholiken Deutschlands.
IL
H. ft. Straßb urg i. E., 21. Aug.
Trotz cifrikanischer Hitze sind die weiten Räume der ftesthalle lange vor Beginn der Versammlung Kopf an Kopf gefüllt. Kurz nach 5 Uhr nachmittags erschienen Bischof Dr. Fritzen und Weihbischof Dr. Freiherr Zorn v. Bulach (Straßburg), Bischof Dr. B e n z l e r (Metz) unö Bischof Stang (Fall River, Amerika), von der Versammlung mit Hochrufen begrüßt.
Alsdann eröffnete der Präsident, Erbprinz Alois zu Löwenstein, die Versammlung mit dem katholischen Gruß „Gelobt sei Jesus Christus". Der Präsident dankte danach den Bischöfen für ihr Erscheinen und führte aus: Das Tagen der Generalversammlung in der Hauptstadt Elsaß-Lothringens hat bereits den Erfolg gehabt, daß diese Generalversammlung zweifellos nicht die letzte in den Reichslairden sein wird. Ob die Gknt» ralversammlung für die Katholiken Elsaß-Lothringens politische bezw. parlamentarische Folgen haben wird, wollen wir nicht untersuchen. Wir sind als Fremde nicht befugt, den Elsaß- Lothringern einen Rat zu erteilen. Wir freuen uns, daß es uns geglückt ist, die Generalversammlung in dem schönen Straß- knirg avzuhalten und hoffen, daß unsere Verhandlungen zur Ehre Gottes und zum Wohl und Glück unseres teuren deutschen Vaterlandes dienen werden. Es tut uns nur leid, daß wir nicht früher eine Generalversammlung in Straßburg abgehalten haben.
Es ist der Beschluß gefaßt, daß der neugewählte Präsident keine lange Rede halten solle, damit der Generalversammlung keine Zeit verloren geht. Ich muß mich diesem Beschluß fügen, obwohl ich noch so manches zu sagen hätte. Allem trotz alledem kann ich mich nicht entölten, auf die gefährdete aka- demischeFreihei t hinzuweisen. (Stürmischer Beifall.) Sett neuerer Zeit verwehrt man den akademisck>cn Bürgern den freien Zusammenschluß aus Grund ihrer religiösen Anschauungen. .Was jedem Bürger, jedem Bauer, jedem Hausknecht ohne werteres erlaubt ist, ist den freien akademischen Bürgern verwehrt. Den Vorwand, daß man dadurch die akademische Freiheit schützen wolle, werden Sie als Heuchelei, wenn nicht als bodenlose Dummheit bezeichnen: i-b enthalte mich darüber jeden Urteils. (Stürmisckx Heiterkeit und Beifall.) Diese Hetze ist eine Art Kulturkampf, er wird daher ebenso wie jeder andere Kulturkampf d. h. wie jeder Kampf gegen Gottes Kulltur, zum Schaden dn Hetzer aussallen. Die Hetze wird zu einer neuen Belebung und Kräftigung unserer kat^rlischen Kirche führen. Wir könnten uns daher nur über diese Hetze freuen, wenn nicht die Wissenschaft dadurch eine Schädigung erleiden würde. Deshalb müssen wir gegen diesen neuen Kulturkarnpf, gegen diese Beschränkung der akademischen Freiheit entschiedenen Protest einlegen. Den Studenten, die die Beschränkung der akademischen Freiheit fordern, nehmen wir das nicht übel, wir haben als Studenten alle einmal eine Dummheit begangen. Empörend ist es aber, wenn Hochschullehrer diese Hetze schüren und anstatt wissenschaftlich« Vorlesungen zu halten, Proteste abfaffen, die nicht einmal in gutem Deutsch stilisiert sind. Empörend ist es, wenn Hochschullehrer Studenten gegen Studenten hetzen. Hochschullehrer, die die Aufgabe haben, die Studenten zu charaktervollen Männern zu erziehen. Der Redner bemerkte im Weiteren daß Donifazius und Leo XIII. die Generalversammlung am Throne Gottes vertteten und für sie beten mögen. Dor Präsident schloß mit der Bitte an beit Bischof Dr. Fritzen, der Versammlung seinen Segen zu erteilen.
Bischof Dr. Fritzen gab seiner Freude Ausdruck über die glänzende Versammlung, die in der Hauptstadt des Reichslandes tage und erteilte darauf, während die Anwesenden niederknieten, dieser in lateinischer Sprache seinen bischöflichen Segen.
Abgeordneter LandgerichtSrat Gröber (Heilbronn) sprach danach über die Quellen und Segnungen deS religiösen Lebens: er erklärte dabei: Wir verlangen volle Freiheit für unsere religiöse Betättgung. Wir erklären die Beichte als eine göttliche Einrichtung. Wir verlangen aber auch volle Freiheit für unsere Orden und Kongregationen. Deshalb verlangen wir, daß die Jesuiten wieder nach Deutschland
hineingelassen und die Damen vom Herzen Jesu in Deutschland wieder tätig sein dürfen.
Prälat Professor Dr. Ehr Hard (Straßburg) sprach hierauf über die Bedeutung des Papsttums für Kultur und Religion. „ c ,
Der Präsident teilte mit, daß Begrüßungsdrahtungen em- gegangen seien von dem Reichstagspräsidenten Grafen Ballestrem, den Katholiken von Christiania und mehreren Arbeiter- Vereinen. Danach schloß der Präsident die erste öffentliche Versammlung.
H. F. Straßburg i. E., 22 Aug.
Heute wurde zunächst aus Anlaß der Generalversammlung der Katholiken Deutschlands die Generalversammlung des Volks- Vereins für das katholische Deutschland in deck Festhalle abgehalten. Der Vorsitzende, Fabrikbesitzer Fritz Brandts (M.-Gladbach) eröffnete die Versammlung. _
Reick>stagsabg. Rechtsanwalt Dr. Von bersche er («ötrav bürg) teilte mit, daß der Volksverein für das katholische Deutschland tiefe Wurzeln geschlagen habe, er zähle im Elsaß über 7000 Mitglieder.
Generaldirektor Dr. Pieper (M.-Gladbach) erstattete alsdann den Jahresbericht. Der Volksverein zählte Ende Juni 1904 insgesamt 400 000, Ende Juni 1905 rund 470 000 Mitglieder. Insgesamt wurden 71/2 Millionen Druckschriften versandt. Der Volks-» verein ist die größte katholische soziale Vereinigung.
Die Arbeiter können eine Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Lage nur durch gewerkschaftlich «Organisation herbei- ftihren. Eine solche Organisation sei schon erforderlich, um ein Gegengewicht gegen die So-i n schaffen. Die
katholischen Arbeiter seien befähigt, den sozialen Känipf siegreich durchzuführen, da sie getragen seien von dem Geiste des Christentums und die ©dritte des Kulturkampfes nicht vergeblich durchi gemacht hätten. , „ , t
Inzwischen waren die Vorstandsmitglieder der Generalversammlung der Katholiken Deutschlands, an der Spitze der Präsident Erbprinz Alo is zu Löwenstein, erschienen. Der Vorsitzende, Fabrikbesitzer Brandts, begrüßte, die Vorstandsmitglieder und ersuchte den Abgeordneten, Justizrat Dr. Trimborn (Köln) den Vorsitz zu übernehmen.
Abg. Landgerichtsrat Gröber (Heilbronn) führte aus: Der Zechenbesitzer, der seine Zeche still legen lasse und sage: MH kann mit meinem Besitztum machen, was ich will, hat vielleicht nicht die Pflicht hier auf Erden Jemandem Rechenschaft abzulegen, er wird aber dereinst vor dem höchsten Richter sich zu vercntt- worten haben. Indem wir für eine Besserung der Wirtschafts- ortmung kämpfen, kämpfen wir gleichzeitig für unser Christentum. Pflicht jedes katholischen Christen ist es, die Bestechungen des Volksvereins mit vollen Kräften zu unterstützen. Nicht nur durch Beiträge, sondern durch praktische Mitarbeit. Jeder mutz an seinem Teile dazu beitragen, daß der sozialpolitische Geist das ganze deutsche Volk durchdringt
ylbt Tilly (Metz): Die wirtschaftspolitischen Verhältnisse haben sich derartig zugespitzt, daß der G e i ft l i che g e n ö t i g t sei, aus der Sa kr ist ei hinaus zugehen und ins öffentliche Leben zu treten. (Stürmischer Beifall.) Wir föwrom Alles vergessen, nur eins müssen wir festhalten, das ist die katholische Fahne. __
Der Vorsitzende, Abg. Justtzrat Dr. Trimborn, dankte darauf den Rednern und bemerkte: Die Generalversammlungen gestalten sich immer glänzender, dies ist der beste Beweis, daß im katholischen Volke noch der Geist der Zusammengehörigkeit und der wahren Religiösität lebt. Wir können mit Stolz aUsrufen: „O, welches Glück, katholischer Christ zu sein." Mit dem Katholizismus allein aber dürfen wir uns nicht begnügen. Wenn wir den sozialen Frieden erhalten wollen, dann müssen wir mit allen Kräften für Ausbreitung des Volksvereins wirken. Bei den R e i ch s t a g s w a h l e n im Juni 1903 haben drei Millionen Wähler ihr Wahlrecht nicht ausgeübt. Unter diesen waren zweifellos viele Katholiken. Eine solche Lässigkeit darf nicht wieder vorkommen. Wir Katholiken dürfen uns von den Sozialdemokraten nicht beschämen lassen. Während wir für unseren Staat arbeiten, arbeiten wir gleichzeitig für die Gesellschaft und unsere Kirche und umgekehrt. Staat, Gesellschaft und Kirche gehören zusammen. DeÄ>alb genügt es nicht, daß ein Katholik in die Kirche geht, er muß sich auch an der politischen und sozialen Bewegung beteiligen, er arbeitet damit gleichzeitig für seine Kirche.
Mqemeine KarLenbau-Ausstcllung Darmstadt 1905.
(Original-Artikel des Gießener Anzeigers.)
Ausstellungen wie die obige haben im allgemeinen Len Zweck, durch Vorführung möglichst vieler und schöner Exemplare von Blumen, Nutzpflanzen und Obstsorten die Gärtner anzuregen zur Züchtung von neuen Sorten entweder in Bezug auf Farbe, Form oder Ertragsfähigkeit und Geschmack, beim Publikum hingegen die Kauflust zu erhöhen.
Bei der großen Hamburger Ausstellung, die sich über Len ganzen Sommer erstreckte, stand ein so großes Anlagengebiet zur Verfügung, daß sich die einzelnen Ausstellungsgruppen im Freien zwanglos in den Anlagen verteilten. In der großen Ausstellungshalle war auch auf eine möglichst harmonische Gesamtwirkung bedacht genommen, z. B. im Frühling die Azaleenausstellung in der Farbe sehr fein zusammengestellt, geradezu berauschend in der Wirkung. In Darmstadt ist das künstlerische Moment ganz besonders betont wie noch nie vorher bei solchen Veranstaltungen. Die ursprüngliche Strenge, das Monumentale des Orangeriegartens sollten durch die Ausstellung nicht wesentlich einbüßen, die einzelnen Gruppen mußten deshalb in die verschiedenen rechtwinkeligen Abteilungen des Parkes so hineinkonstruiert werden, daß die Gesamtwirkung desselben erhalten blieb. Die Lösung dieser durch Hecken und Alleen begünstigten, sonst aber schwierigen Aufgabe ist Profeffor Olbrich durchaus gelungen.
Durch das Parktor betritt man eine prächtige Lindenallee, die in ihrer ganzen Länge durch blau blühende Hortensien festlich geschmückt ist. Gradcaus blickt man ungehindert über die erste Terrasse hinweg auf die abschließende Reihe schöner Kastanienbäume der zweiten Terrasse. Beim Weiterschreiten sieht man zwischen den Lindenstämmen rechts etwas vertieft zwei kleine Ziergärten, links Laub- und Nadelhölzer. Am Ende der Allee befindet sich zur rechten das Orangeriehaus, jetzt Hauptausstellnngshalle, und gegenüber ein Laubengang, durch den man zu den Gärten von Henkel gelangt. Hinter diesen Komplexen überblicken wir im Fort- schttiten zunächst einen großen freien, quadratischen Platz, der
beiderseits von großen Kastanienbäumen, gradeaus von einer kunstvoll gehaltenen Hecke eingesäumt ist. Ueber der Hecke erhebt sich ganz wenig die schöne Rasenfläche der ersten Terraffe, die seitlich und hinten wieder von alten, den Blick begrenzenden Bäumen eingerahmt wird. Aus den Ecken der Baumreihen leuchten einige Gartenhäuschen hervor. Daß der große, freie Platz zur Anlage von Teppichbeeten benutzt wurde, ergibt sich eigentlich von selbst. Längs des Hauses erstreckt sich ein ca. 30 Meter langer, recht- winkeliger Wasserpflanzenbehälter von Heinr. Henkel; ein gleich großer, von der Hofgärtnerei Rosenhöhe angelegter auf der anderen Seite liegt nicht frei, sondern in einem Glasgehäuse. Die Wirtschaftsbetriebe mit Mufiktempeln, sowie industrieller und gewerblicher Teil, Dahlienausstellung, Bindereien und andere Ausstellungshallen sind durch die Baumalleen vollständig verdeckt, so daß tatsächlich der Besucher die strenge symmetrische Anlage des Gartens ungestört auf sich wirken lassen kann. Die Musik wird aus den Laub- hallen, angenehm gedämpft, zu uns herübergetragen, wir sehen aber nicht die Kraftanstrengungen der Musiker und deS taktschlagenden Dirigenten. Wir tauchen in den einzelnen Ausstellungsabteilungen unter, wenn aber das Auge nach einiger Zeit vom Anschauen der vielen Ausstellungsobjekte in unmittelbarer Nähe ermüdet ist, wenden wir uns den Terraffen zu oder wandeln in den Alleen auf und ab, das Auge ruht wieder aus und erfreut sich bald an dieser, bald an jener schönen Anlage.
Professor Olbrich hat sich mcht nur die allgemeine Anordnung angelegen sein lassen, er hat auch durch Schaffung von drei kleinen, auf der ersten Terraffe vertieft angelegten Gärten die Gebilde seiner reichen Phantasie in die Wirklichkeit übertragen können. Die Gärten liegen in einer Reihe neben einander; sie müssen vertieft liegen, weil sonst die Ruhe in der Gesamtwirkung deS Parkes gestört worden wäre und, — weil in der Abgeschlossenheit der einzelnen Gärtchen der Hauptreiz lieat, ja der ausgesprochene Charakter derselben die Abgeschiedenheit bedingt. Geht man vom Vorgarten aus über die Freitreppe auf die Terrasse, so sieht man vor sich die Rasenfläche wallartig ansteigen. Man zerbricht sich den
Kopf darüber, was dahinter stecken könnte, umgeht die Um» wallung bis hinter den Springbrunnen und sieht abwechselnd sein gelbes, rotes und blaues Wunder. Die Oeffnungen im den Mauern, die die achteckigen Gürten umgeben, sind so angebracht, daß man von dem erwähnten Platze aus in aöe drei hineinsehen kann. Treten wir an den westlichen Garten iind betrachten uns das zierliche grünlich braun bronzierte Gitter und Eingangstor, in welches seitlich zwei Laternen mit buntem Glase eingelassen sind und daS von viereckigen Pfosten mit großen Kugeln aus rotem Sandstein flankiert ist. Uns gegenüber lehnt sich an die Mauer ein Gartenhäuschen mit gelbem Strohdach. Die runden Säulen zwischen Tür und Gitterfenstern, ebenso der Tragebalken über denselben sind vergoldet, alle übrigen Holzteile bräunlich gelb. Die Mauern sind mit Kletterpflanzen überzogen, aus denen hier und da ein getöntes Relief hervorlugt, die Wege mit bräunlich gelbem Kies bestreut und die Beete über und über mit goldgelben Blumen besetzt. Nur gleich am Eingang tragen zwei rote Sandsteinwasen auf ebensolchen Postamenten blaublühende Hortensien. Das Gärtchen ist wunderbar auf Gelb abgestimmt und wirkt mit der grünen Wand von Kastanienbäumen dahinter überaus reizvoll. Wir schwelgen in diesem Farbenakkord und verträumen uns ganz. Endlich reißen wir unS los, werfen noch schnell durch das Oval des seitlich angebrachten Laubbogens einen letzten Blick hinein und wenden uns bann dem mittleren Bärenzwinger zu. Beinahe so wirkt die Anlage bei oberflächlicher Betrachtung von weitem, beim Nähertreten fesselt uns aber auch hier die zierliche, bronzierte Pforte, über deren Mitte eine entzückende Ampel an bogenförmig geschwungener Stange hangt und die zur Feier der Eröffnung sogar ihr Licht leuchten ließ. Ein ganz anderer Effekt, denn von solchem kann mau hier sprechen. Inmitten der Anlage ein langgestrecktes, rechteckiges Wasserbecken, weiß gefaßt, umgeben von Wegen, die mit weißem Kies bestreut sind. Das Becken ist innen blau gestrichen, so daß die Wasserfläche intensiv blau erscheint. Die beiderseits sich halbkreisförmig anschließenden Beete sind ganz bedeckt mit blauroten Monatsrosen. Die überragenden Hochstämme blühen leider noch nicht oder nicht mehr, jeden-


