erhoben, bte gefiütn iH auf Mord, qualifizierten Raub und Diebstahl. Die Anklageschrift ist sehr umfangreich. Der Tag der Schwurgerichtsverhandlung ist, anders lautenden ZeitungSmeldnngen entgegen, noch nicht bestimmt. Die Verhandlung findet voraussichtlich anfangs Juni statt.
** Unverschämter Diebstahl. Einem Uhrmacher in der Bahnhofstraße wurde gestern abend zwischen 9 und 10 Uhr ein vor dem Laden hängender kleiner Schau- kast en abgehängt und des Inhalts beraubt. Für etwa 150 Mk. Uhrketten wurden gestohlen. Der Dieb ist unbekannt.
** Ein Sittlichkeitsverbrechen im Eisenbahnzuge. Gestern wurde hier ein Arbeiter aus Butzbach verhaftet, der beschuldigt ist, eine Frau in dem Eisenbahnzuge zwischen Löhnberg und Wetzlar vergewaltigt zu haben.
R. B. Darmstadt, 19. April.. In Gegenwart einer außerordentlich zahlreichen und distinguierten Gesellschaft, neben II. KK. HH. dem Groß Herzog und der G r o sitz e r z o g i n bemerkten wir Staatsministcr Rothe und Fürst Koudascheff mit Gemahlinnen, hielt heute abend Herr Prof. Olbrich einen hochinteressanten Vortrag über das künstlerische Schaffen. Ter Redner legte in fein'inniger Weise dar, wie zum künstlerischen Schaffen vor allem drei Momente erforderlich seien, das Selbgcrschaute, das Erlernte und ein geheimnisvolles Etwas — die Phantasie. Man müsse das Erschaute künstlerisch empfinden, das Empfundene ki'mstlerisch weiterbilden und mit eigener Phantasie neue Kunstgebilde schaffen. Tie geheimnisvolle Kl'ast der Phantasie sei Beginn und Ende jedes künstlerischen Schaffens. Zwei Künste seien imstande, gottähnlich täglich Neues zu erzeugen: Musik und Architektur. Diese Gedanken entwickelte der Redner besonders auf Grund des eigenen Empfindens während seines künstlerischen Werdeganges. Ter Vortrag fand seitens des kunstverständigen Auditoriums den lebhaftesten Beifall. Tas Grosiherzogliche Paar drückte dem Redner durch wiederholten Händedruck Höchstseine wärmste Anerkennung aus.
Offenbach, 19. Avril. Durch einen schrecklichen llnglückSsa ll wurde gestern abend das 10jährigeTöchterchen einer kinderreichen Arbeiterfamilie vom Tode ereilt. Der 15jährige Sohn, der in einer hiesigen Portefeuillesabrik beschäftigt ist, hatte sein Schärfmesser mit nach Hause genommen und es frisch geschliffen. Er steckte eS dann in die Seitentasche seines Rockes, den er an die Wand hängte. Als die Eltern, welche Ostereinkäufe gemacht hatten, heimkehrten, wurden sie von den Kindern mit den Rufen: „Habt Ihr uns waS mitgebracht ?* jubelnd umringt. Beim Umherspringen kam das zehnjährige Mädchen zu nahe an den Rock des Bruders; die Spitze des haarscharfen Riesters drang ihm in den Hals und durchschnitt die Schlagader, daß das Blut in weitem Bogen heraussprang. Binnen 3 Minuten hatte sich das unglückliche Mädchen verblutet; der wenige Augenblicke später eintreffende Arzt konnte zum grenzenlosen Jammer der Angehörigen nur feftfteflen, daß der Tod bereits eingetreten war.
Alzey, 19. April. Die hiesigen Sozialdemokraten hatten gegen die Wahl des freisinnigen Kohlen- Händlers Karl Ginz, der in der Nachwahl von, 14. Januar zum Stadtverordneten gewählt wurde, Einspruch erhoben mit der Begründung, daß der Gewählte den Wählern Freibier versprochen habe. Vor dem Provinzial- ausschnsse wurde durch Zeugen festgestellt, daß Ginz keiner- lei Wahlbeeinflussung vorgenommen hatte und die Reklamation als unbegründet verworfen. Die Gegenpartei hat sämtliche Kosten des Verfahrens, einschließlich der dem Ginz entstandenen, zu tragen.
Erda, 18. April. Ein finsterer Gast hat in den letzten /Lochen unser Dorf heimgesucht, nämlich der Typhus, der um die Weihnachtszeit von heiinkehrenden Arbeitern eingeschleppt wurde, dann sich schleichend fortsetzte und schließlich in einer ganzen Anzahl von Familien auftrat. Sobald es sich zeigte, daß sein Auftreten nicht bloß ein vereinzeltes war, wurde von den Behörden mit gesundheitspolizeilichen Maßregeln vorgegangen: Schließung der offenen Schöpfbrunnen, Isolierung der Kranken zuerst in der Klinik zu Gießen, .bann in dem im Orte selbst eingerichteten Krankenhaus, Des- infeftion durch einen hier stationierten Desinfektor usw.
(*) Frankfurt a. M., 19. April. In unseren, un- -ergleichlichen Palmengarten beginnt am nächsten Samstag eine Orchideenschau. Herr Otto Beyrodt, der Arrangeur, wird nicht nur die für den Blumenschnitt geeigneten Sorten zu zeigen in der Lage sein, sondern auch styöne und seltene Varietäten verschiedener Gattungen. So werden von Odontoglossnm etwa 750 blühende Pflanzen zur Ausstellung gebracht werden, 75 Dendrobium in den besten Arten, etwa 160 Cattleya in Schaupflanzen, ferner Oncidinm, Cymbi- dinm, Cypripedinm, Laelia, Phalaenopsis, Van da in großer Zahl und reichhaltiger Auswahl. Die Ausstellung dauert bis 7. Mai einschließlich. Dies ist ermöglicht durch einen weiteren Vorzug der Orchideen, der darin besteht, daß die Blumen von großer Haltbarkeit und seltener Dauer sind. Es ist interestant, zu hören, daß die Blüten eines Dendrobium Dearei an der Pflanze über sechs Monate frisch geblieben sind.
* Kleine Mitteilungen, ans Hessen und den Nachbarstaaten. Die Pläne für die Herstellung des Gotteshauses in Großen-Linden sind, wie uns imtgeteilt wird, nicht von Architekt Hofmann angefertigt worden; Herr Hoi,nanu stellt z. Zt. den Dorentwuri für den Umbau der Kirche zu Leih- gestern auf. — Aus der Rhön wird telephoniert, daß heute Nacht neuerdings reichlich Schnee gefallen ist und das Schneien anhält.
vermischte».
• Berlin, 19. April. Heute wurden der 78jährigen Pfandleiherin und Alttrödlerin El se Krause in ihrem Laden in raubmörderischer Absicht schwere Verletzungen beigebracht. Ein Arzt stellte fest, daß die alte Frau mehrere Schläge über die Stirn erhalten hatte, wodurch die Schädeldecke zertrümmert worden war. Tie von der Polizet sofort angestellten Ermittelungen nach dem Täter waren bisher erfolglos. Die Frau pflegte morgens um 9 Uhr ihren Trödlerladen zu öffnen und eine Dogge, die sie zu ihrer Sicherheit bei sich hatte, auf die Straße zu lassen. Gegen 10 Uhr kam dann gewöhnlich ihr Schwiegersohn, um ihr zu helfen. Der Täter verübte den Ueberfall, bald nachdem der Hund den Laden verlaffen hatte. Er versetzte der Frau mit einem Hammer oder einem Spannagel einen Hieb auf die Stirn, jo daß das rechte Auge aus der Höhle trat und sie rück
lings auf einen alten Koffer fiel. Die Geldkastette ist unversehrt. Frau Krause erlangte im Krankenhause vorübergehend daS Bewußtsein und sagte aus, das der Täter ein ihr völlig unbekannter Mensch von etwa 20 Jahren sei. Auf seine Ergreifung hat das Polizeipräsidium eine Belohnung von 1000 Mark auSgesetzt.
• Genickstarre. Der „Nordd. Allg. Ztg.* zufolge entsandte der preußische Kultusminister einen pathologischen Anatomen nach Oberschlesien, um in enger Fühlung mit dem Leiter des bakteriologischen Institutes in Beuchen und den Krankenhausärzten zu der wistenschaftlichen Erforschung der übertragbaren Genickstarre durch pathalogtsch- anatomische Untersuchringen möglichst beizutragen. — Eine Frau in Nixdorf bei Berlin war plötzlich erkrankt: die Krankheitserscheinungen nahmen so schnell und heftig zu, daß man die Frau ins Krankenhaus bringen wollte, sie starb aber auf dem Transport. 9ll§ Todesursache wurde ärztlich Genickstarre sestgestellt. Die Medizmalbehörde traf alle Vorbereitungen, um ein Umsichgreifen der Krankheit zu verhindern. — Einer österreichischen Blättermeldung zufolge traf Professor ©hon, der erste Assistent des Hofrats Professor Dr. Weichselbaum in Wien in Troppau, ein. Er wird sich nach den von der Genickstarre infizierten Gegenden Oesterreichisch- Schlesiens begeben, um dort im Auftrage des Ministeriums des Innern Studien über die Entstehungsursache und die Verbreitungsweise der Genickstarre anzustellen. — In München kamen zwei Todesfälle infolge von Genickstarre vor. In zwei weiteren Fällen trat eine Genesung wieder em. — Tie Genickstarre-Epidemie in Galizien ist immer noch in der Ausbreitung begriffen. Bisher sind 128 Fälle in 8 Bezirken amtlich gemeldet worden, von denen 38 tötlich verliefen. 16 Erkrankte sind geheilt.
* Tas „Vaterunser" der alten Germanen. Von „Scherrs Germania" zwei Jahrtausende deutschen Lebens (sechste Auflage, vollständig in 50 Lieferungen zu je 30 Pf. Union Deutsche Verlagsgesellsckwft in Stuttgarts sind bis jetzt 15 Lieferungen erschienen. Dem empfehlenswerten Werke entnehmen wir folgende allgemein interessierende Stelle, in bet vom Gotenbifebos lllsilas und seiner ersten Bibelübersetzung die Rede ist: „In Anlehnung an griechische Formen, aber auch mit Berücksichtigung germanischer Runenzüge bat Ulsilas ein gotisches Alphabet und damit das erste germanische Buch, seine gotische Bibel, geschaffen. Er übertrug das Gebet des Herrn aus dem griechischen Urtext folgendermaßen ins Gotische: „Atta unsar thu in himinam. vechnai namo thejn. qimai thiudinassus theins. vairthai vilja theins sve in himina jah ana airthai. hlaif unsaranä thanan sinteinan gif .uns hüimma daga. jah aflet uns thatei skulans sijaima svasve jah veis afletani thaim sknlam unsaräim. ja ni briggais uns in fraistiubnjai ak lauset uns as thamma ubulin. unte theina ist thindangardi ja maths iah vulthus in aivins. amen." ..... Was für Wandlungen hat doch unsere edle Sprache erfahren müssen, seit dem Tage, wo zum ernsteumal eine gotische Mutter dieses Vaterunser ihren Kleinen vorbetet.
— „W elirekord" im Sport ist eine Studie von Balduin Groller betitelt, die wir in ,,11 eher Land und Meer'/ finden und b?r wir einige inter flaute Angaben entnehmen. Weltrekords sind in ihrer Art durchweg Superlative und als soül)e gleichwertig, höchstens daß der eine insbesondere bcnt Laien effektvoller, schwieriger und eindrucksvoller erscku'iut als der andere. So wird vielleicht die Vorstellung des Weltrekords im Weitsprung in höherem Maße das Äaunen erwecken, als die des Hochfprungs. T»er Weltrekord im freien Hocksprung mit Anlauf steht aus 197,16 Zentimeter; die Höchstleistung im Hocksprung aus dem Stand ist 182,88 Zentimeter. Tiefe phänomenale Leistung vollsührte Tarby am 11. Juni 1892 in England, derselbe Professional, der auch für den Weit- sprung aus dem Stande mit 3,72 Meter den Weltrekord hält, während 7,39 Meter den Weltrekord im Weitsprung mit Anlauf bezeichnet, natürlich ohne Sprungbrett, das bei einem sportlichen Sprung niemals benutzt wird. Dasselbe überraschende Verhältnis mackN sich bei der -Arbeit mit dem Schwergewicht geltend. Ter Wiener Franz Stöhr stemmte einen .Hantel von '8,2 Kilogramm mit einer Hand einmal in .Habachtstellung. Beinahe am au das doppelte Gewicht, 116 Kilogramm, brachte der junge Russe Georg Hackenscknnidt mit einem Arm zur Hochstrecke. Tas ist ein ganz gewaltiger Untersckned, und doch müssen beide Leistungen, beide Weltr kords als gleickmiertig angesehen werden. Hackenschmidt hat die Niesenlast emporgedrückt und den Körper dabei gebogen. T-er Wiener Wilhelm Türk stemmt beidarmig 136 Kg. einmal, der Münchner Hans Beck drückt 126,5 Kg. in Schlußstellung dreimal und stößt 130,5 Kg. sechsmal hoch; Türk stößt dagegen 160,5 Kg. einmal, 113,5 Kg. siebenmal; Beck 152 Kg zweimal. G. W. Robinson stemmte mit nur einer Hand 45,36 Kg. zwanzigmal und 22,68 Kg. achtzigmal. G. Lurich soll 100 Kg. dreimal und 70 Kg. zwanzigmal einarmig hocb- gestoßen haben. Welcbe Leistung ist die bedeutendste, und wem von diesen Giganten gebührt der Ehrentitel des stärksten Mannes der Welt? Einen sehr kuriosen Rekotd erhielte Kapitän Barclay, ein Engländer, der 1000 Meilen in 1000 aufeinanderfolgenden Stunden, in jeder Stunde eine englische Meile (gleich 1609,3 Meter) ging. Tas Verrückteste leistete ein anderer Engländer namens Gale. Er ging 4000 Viertelmeilen in 4000 aufeinanderfolgenden Zeitabschnitten von je 10 Minuten. Tas ist Mono- manie.
• Vom Zigarettenmädel zur Millionärin. Die bevorstehende Heirat des vielfachen Millionärs Grahant Stokes, eine der angesehensten Persönlichkeiten der Rew- Vorker Gesellschaft, mit Rose Pastor, einer aus Rußland stammenden Jüdin, die zehn Jahre lang Arbeiterin in Zigarettenfabriken war, bildet für ganz Rew-Pork den Gegenstand allgemeinen Interesses. Rose Pastor ist 26 Jahre alt, flammt aus einer armen russischen Familie und kam im Jahre 1882 mit ihren Angehörigen nach London. Dort lebte sie einige Jahre lang in dem ärmlichsten Viertel von London, wo Rose die jüdische Freischule besuchte. Als das Mädchen 12 Jahre alt war, wanderte ihre Familie nach Eleveland (Ohio) aus, wo Rose Zigarettenmacherin wurde. Ihre freie Zeit benutzte das hochbegabte Mädchen dazu, sich fortzubilden. Im Jahre 1902 kam sie nach New-Port, wo ihre poetische Begabung ihr zu einer Stellung bei einer Zeitung verhalf. Trotz der bitteren Armut, in der Rose Pastor ihre Jugend verbrachte, erwarb sie sich eine tiefe Geistes- und Herzensbildung. Sie ist nicht hübsch, aber ihr ernstes Gesicht trägt einen äußerst gewinnenden Ausdrtlck. Graham Stokes, ihren Verlobten, lernte sie in ihrer journa- liltischen Tätigkeit bei einem Interview kennen. Aus dieser Begegnung entwickelte sich eine wanne Freundschaft zwischen beiden, die schließlich zu der Verlobung führte, die jetzt das Hauptgespräeh der aristokratischen Kreise bildet, denen Mrs. Stokes angehört.
• Öftermetter. Nach einer Meldung au§ Braunschweig schneit es im Ober harz seit Montag früh ununterbrochen. Bei empfindlichem Nordost beträgt die Temperatur 2 bis 4 Grad. Die Post muß die Schlitten benutzen. Tourilten, die am Freitag vom Torshause nach dem Brocken gingen, verliefen sich und kamen erst nach 9 Stunden an.
* Daris, 19. April. Dem „Figaro" zufolge soll
zwischen den Generalen Hagron und Percin ein* Degenduell stattsinden, weil Hagron sich weigerte, Percin die Hand zu geben, ehe dessen Rolle in der Auskunstszettelangelegenheit nicht klargestellt sei.
finniicl und Verkehr. Volkswirtschaft.
Rußlands Finanzlage. In einem längeren Bericht der „F.-Z." ans Petersburg über die Einnahmen und Ausgaben im Staatshaushalt Rußlands für 1904 wird u. a. gesagt, daß nach dem Abschluß die Rentei 1904 einen Barbestand von 119 Mill. Rbl. verfügbar hatte. Dazu trat der Erlös der Berliner 41/2 Pro§. Anleihe vom Januar d. I. mit etwa 210 Mill. Rubel, sodaß 529 Mill. Rbl. für die Kriegsausgaben vorhanden waren. Dennoch sah sich Rußland veranlaßt, schon im März in, Paris über eine neue Anleihe zu verhandeln und als diese ausblieb, sogleich eine innere Anleihe zu begeben. Danach wird es wohl der Wahrheit naher kommen, den monatlichen Kriegsbedarf mit etwa 90—100 Mill. Rbl. anzusetzen, und nicht mit 60 Mill. mbL, wie er in dem Bericht des Staatshaushalts angegeben wird. Dies aber bedeutet, daß ein weiteres Kriegsjahr mindestens noch eine Milliarde verschlingen und die Summe der Kriegsanleihen auf etwa 1500 Mill. Rbl. bringen müßte. Da Rußland die Kriegsgelder nach den letzten Anleihen mit reichlich 5 Proz. verzinsen muß, so bedeutet das eine Belastung des ordentlichen Ausgabenbudgets mit 75—80 Mill. Rbl. jährlich und wenn mau andererseits berücksichtigt, daß diejenigen Faktoren, die für 1904 bereits die ordentlichen Einnahmen unt 14,3 Mill, sinken ließen in 1905 naturgemäß mit erhöhter Intensität wirksam sein müssen. Da zu den ungünstigen Einfluß, den die Unruhen, die Streiks, und die zunehmende politische Erregung aus den Steuereingang ausüben, so erscheint es gewiß nicht zu viel gesagt, daß die weitere Gestaltung der russischen Finanzlage em st beobachtet werden muß.
Die russische Flotte und die Börse. Als Ursache der Zurückhaltung, die seit Mitte vergangener Woche an der Börse zu beobachten ist, wird die Furcht vor einem eventuellen Unterliegen Rußlands mit seiner letzten Flotte angegeben. Würde Rußland in diesen neuen, aller Voraussicht nach letzten Ent- s'cheidungskampf auch unterliegen, so hätte eS aufgehört, in Asien noch irgendwie eine Rolle zu spielen; ein weiteres Fortführen des Landkrieges wäre unnütz. Siegt Rußland, so würde Japan mit feinen Friedensbedingungen bescheidener werden. Eine neue russische Niederlage wäre dcr Börse sehr unangenehm, da man nicht mit Unrecht sagt, daß dadurch der ruflische Staatskredit wiederum eine schwere Niederlage erleiden würde, von der die mflischen Staatspapiere sich nur sehr langsam wieder erholen könnten.
Bergbau-Gesellschaft Hibernja. Seit einigen Tagen geht das Gerücht, ohne daß es bis jetzt bestimmt dementiert worden wäre, die Hibemia-Gesellschast beabsichtige, die Zecken ,Gras Vlumental" und „Schlägel u. Eisen", die an die staatlichen Grubenselder grenzen, dem Staate zu verkaufen. Hingegen würde die Hibemia-GeseOschaft die Zechen „Moni-Cenis" und „Grak Schwerin" an laufen. *
Hibernia-Trust. Jüngst ist im^,,B. T." die Frage aufgeworfen worden, warum der Hibemia-Trust noch immer nicht zur Mobilisierung der Millionen geschritten ist, die durch den Ankauf des größten Teils des Aktienkapitals der Hibernig festgelegt sind. Das Zögern der Hibemia-Bank gäbe bereits zu allerhand Kombinationen Anlaß. Eine vertrauliche Besprechung mit Mitgliedern der Zulassungsstelle habe — so wird erzählt, das Resultat gezeitigt, daß die Zulassung von Obligationen, deren Unterlage die emgesperrten Hibemia-Aktien bilden, nicht genehmigt werden würde. Bereitet auch 'den Banken die Fesselung der Hibemia-Millionen gegenwärtig keine großen Schwierigkeiten^ so sollte man doch annehmen, daß gerade jetzt, in bet Zeit der Geldfülle, wenn es angängig wäre, zur Mobilisierung des Kapitals geschritten würde.
«Kerichtslaal.
Limoges, 19. Avril. Trotz der gestrigen Befürchtimgen ist der Abend ruhig verlaufen. Ein Arbeiter wurde erschossen. Die Beerdigung desselben fand heute statt. Soweit bis jetzt feststeht, hat das Militär mehr gelitten als die Aus- ständigen. Etwa 50 Offiziere und 100 Soldaten sind durch die Geschosse, die von der Barrikade auf sie geworfen wurden, verletzt worden. Seit gestern treffen neue Truppen- Verstärkungen hier ein. Drei Mitglieder der sozialistischen parlamentarischen Linken sind beauftragt worden, nach Limoges zu reifen, um dort über die letzten Vorgänge eine Untersuchung anzustellen. Die Ereignisse in Limoges tauben gestern in Paris einen Widerhall. Auf der Arbeiterbörse war eine rote Fahne hochgezogen worden mit der Inschrift: Hoch die Bewegung von Limoges! Die Linke des Pariser Gemeinderats beschloß, 5000 Francs für die Streikenden von Limoges zu bewilligen.
(he.) Marburg, 19. April. Der bisherige Privatdozent für Pharmakologie und Toxikologie und Assistent am pharmakologischen Institut der Universität Marburg, Dr. med. Otto L 0 e w i ist in gleicher Eigenschaft an die Wiener Universität übergesiedelt.
Koblenz, 19. April. Gestern begann vor dem hiesigen Kriegsgericht ein Soldateumißhandlungs-Prozeß großen Stils, zu dem 107 Zeugen geladen sind. Den Anstoß zum Prozeß gaben die Aussagen des im vorigen Jahre zu drei Jahren Zucktbaus und Entfernung aus dem Heere verurteilten Sergeanten Binefeld, wodurch Feldwebel, Sergeanten, Unteroffiziere sowie Offiziere der Mißhandlung beschuldigt wurden. Gegenwärtig ist Anklage gegen 4 Unteroffiziere erhoben. Jungen Rekruten wurden auf Befehl eines Unteroffiziers vo-tt älteren Mannschaften die nackten Körper mit Besen derart bearbeitet, daß einem Rekruten die Haut vom Leibe ging. Die Angeklagten gaben die ihnen zur Last gelegten Vergehungen zu. Während der Verhandlungen stellte sich heraus, daß der Feldwebel alle Leute, welche Mißhandlungen meldeten, abwies, und selbst Mißhandlungen beging. Die Verhandlungen werden drei Tage dauern.
Gesundheitsstand und Sterblichkeit im Kreise Gießen im Jahre 1904.
Den nachstehenden Berechmrngen der Sterblichkeitsverhaltnist^ in Bezug auf die Einwohnerzahl der 80 den Kreis Gießen bildenden Gemeinden legen wir die für die Jahresmitte von 1904 nach dem früheren Zuwochie geschätzte Bevölkerungszahl von 85 200 zu Grunde und beschränken uns darauf, nur die wichtigsten Daten der Sterblichkeitsstatistik sowie des Auftretens bestimmter Krank- heitsfor,nen zu veröffentlichen.
G e st 0 r b e n sind im Kreise Gießen im Jahre 1904 zusammen 1499 Personen ober 17,60 auf 1000 Einwohner. Im Vorjahre 1903 war diese Ziffer etwas höher, 17,78 °/M bei 1597 Todesfällen die entsprechende Zahl für das Großherzogtum vom Jahre 1902 —' die letzte, welche uns zitgänglich ist — war 18,1 °/Oo^
Wi e wir in miserer Veröffentlichung über bte Sterblichkeit in der Stadt ließen die Todesfälle der Ortsfremden — es waren 41 °/0 der Gesamtsumme — als die Sterblichkeilsziffer sehr nachteilig bechiflnffcni) ansgeschaltet haben, so ntüffen wir jetzt auch für den Kreis diejenigen Fälle abziehen, welche in der Kreisstadt gestorben und in dem Kreise Gießen nicht ansässig gewesen sind.
1294^=T100 \ ‘
Berechnet man die Sterblichkeitsquote der Säuglinge tut ersten Lebensjahre getrennt für Kreisstadt und Landbezirk^ so ‘ ergibt sich, daß in der Stadt Gießen nahezu 80 °/w im K^dbezirk nur 17,6 ek
Auf diese Weise reduziert sich die Zyhl der Sterbefälle auf 1 29 4 und die Sterbllchkeitsziffer auf 15,19•/„ (im Vorjahre 16,50 %0).
Von den Verstorbenen gehörten in die ^Iltersklasse von 0— 1 : 270 = 20,9 %. (20 im Vorjahr) 1-15: 162 = 12,5% (12 _ ,
15—60: 399 ----- 30,8 % (30 „ überGO: 453 = 35,7 % (38 „


