Ausgabe 
20.4.1905 Zweites Blatt
 
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aller Todesfälle ttuf das Säuglingsalter qefnUen find, auf dem Lande mithin die Säuglingssterblichkeit wesentlich kleiner ist; bte Zahl für das Großherzogtum im Jahre 1902 war 28%.

Die Verteilung der Todesfälle auf die einzelnen Iahres- abschnitte war im Berichtsjahre folgende : die größte Zahl fällt in das zweite Vierteljahr, reso. in den Monat Mai, die kleinste in das vierte Quartal und den Monat Oktober.

Der Gesundheitsstand im Kreise laßt sich am besten beurteilen nach den Todesfällen, welche auf die einzelnen, der menschlichen Gesundheit gefährlichen Krankheiten entfallen.

Zunächst interessieren die ansteckenden, sogen. Jnfektions- krankbeiten.

Die Masern sind im Jahre 1904 in verhältnismäßig ge- ringer Verbreitung aufgetreten und haben 3 Sterbefätle (im Vor­jahre 12) zur Holge gehabt.

Scharlach war in zahlreichen Gemeinden aufgetreten, ausgedehntere Evidemien wurden in Gießen, Grünberg, Lollar, Lich, Muschenheim und Daubringen beobachtet; von den uns ärztlicherseits gemeldeten 320 Erkrankten sind 12 oder 3,7 % ge­storben (im Jahre 1903 ebenfalls 3,7 %).

Diphtherie brachte 10 Cterbefälle unter 180 uns bekannt gewordenen Erkrankungen oder 5,5 % 15.1), die Krankheit hatte sich zur Epidemie ausgewachsen in Lollar mit zusammen 49 Kranken, und die Namen der befallenen Familien sowie die Be­schäftigungsart der Familienväter berechtigt zu dem Schlüsse, daß wesentlich der enge, in leichtsinniger Weise gepflogene Familien­verkehr zu der Verbreitung der Seuche beigetragen hat; (die Epidemie dauert in Lollar noch fort und hat im laufenden Jahre schon 24 weitere Personen in 16 Familien ergriffen).

An Keuchhusten sind 27 (13) Kinder aeftorben, er war aufgetreten in 10 Gemeinden; 12 der Sterbefälle fallen auf die .Kreisstadt.

Erkrankungen an Unterleibstyphus sind uns 5 bekannt geworden, gestorben ist eine Person in Gießen, welche sich in Bad Ems infiziert hatte.

An Rose starben 5 Personen, an Syphilis 1.

An Wochenbettfieber sind 5 Frauen (5) erlegen. Von nmb 2200 Frauen (unter Ausschluß der in der Frauenklinik Ent­bundenen) sind 30 oder 1,4% (1,2%) fieberhaft erkrankt und 0,23 % (0,22 %) oder 17 % der Erkrankten gestorben. Alleren, nicht infektiösen Krankheiten des Wochenbettes erlagen außerdem weitere 6 Frauen.

Die Tuberkulose, welcher mit Recht seitens der öffent­lichen Gesundheitspflege neuerdinas ganz besondere Beachtung zu teil wird, hat im Berichtsjahre 237 Opfer gefordert, davon fallen auf Tuberkulose der Lungen (Lungenschwindsucht) 185, auf Tuberkulose anderer Oraane 52 Todesfälle.

Hatten wir oben gefunden, daß die Sterblichkeit der Säuglinge 4uf dem Lande geringer ist als in der Kreisstadt, so tft das Ver­hältnis bezüglich der Lungenschwindsucht umgekehrt: in den Land­gemeinden zusammen sind 24,8, in Gießen 15,2 Personen von 10 000 Emwohnern gestorben; die Ziffer für den ganzen Kreis be­tragt 21,7 %oo (i. V. 22,9); im Großherzogtum war sie im Jahre 1902: 23,0.

Der beobachtete langsame Rückgang der Tuberkulose-Sterblich­keit nimmt hoffentlich seinen regelmäßigen Fortgang; dazu helfen kann nur die auf Grund ärztlicher Erfahrung und Verordnung ge­stützte Selbsterziehung des Volkes zur Reinlichkeit im allgemeinen, insbesondere zur Selbstisolierung Erkrankter und peinlichster Ver­nichtung ihrer die Weiterverbreitung der Tuberkulose bedingenden Ausscheidungen. Zur frühzeitigen Erkennung der Krankheit und -zur Heirung der im Anfangsstadium Stehenden sind seitens des Staates, der Berufsgenossenschaften u. s. w. die Mittel vorhanden.

Die Zahl der an Lungenentzündung Verstorbenen war ^vas geringer als int Vorjahre, 53 (gegen 59); an anderen ent­zündlichen Erkrankungen der 'Atmungsorgane starben 140 '(in 1903: 164), an Gehirnschlagfluß 42 (36), an Herz­krankheiten 57 (65k

Die Sterblichkeit an Magen- und Darmkatarrhen ist etwas zurückgegangen gegenüber derjenigen im Vorjahre mit 52 Fällen (zumeist Kinder im ersten Lebensjahre) gegen 62 in 1903; an Kinder-A t r o p h t e. die vornehmlich ebenfalls Folge von Darm- fatarrh ist, sind 26 (21), an angeborener Lebensschwäche 51 Kinder gestorben.

Bösartige Neubildungen, Krebsgeschwülste, waren 93(73)mal als Todesursache angegeben. Davon kommen 36 auf die Stadt Gießen.

An Altersschwäche verstorben haben wir 190 (241) ge­zählt ; andere bekannte Krankheiten führten in 191 Fällen jum Tode; unbekannt blieb die Todesursache bei 46 23er- ttorbenen.

Tötlich verunglückt sind 22 (22), durch Selb st mord endeten 20 (23), durch Mord und tötliche Körperverletzung 4 (4) Personen.

Gießen, im März 1905.

Großherzogliches Kreisgesundheitsamt.

D. H a b e r f o r n.

* Kleine Tageschronik. Der 60 jährige Zigeuner Adam Laubinger in Peine wurde verhaftet. Er soll seinenSchwie- gersohn, den Zigeuner Deutsch, vor l/2 Jahren ermordet haben.

Kunst und Wissenschaft.

Eine Düsseldorfer Theater-Akademie wird im Herbst dieses Jahres im Anschluß an das neueDüsseldorfer Schauspielhaus" ins Leben treten. Dieser Zusammenhang mit einer großen Bühne ist für die Schüler der Mad^mie von größtem Vorteil. Nicht nur Theorie, sondern vor allem Praxis soll ihnen geboten werden. In der Erkenntnis, daß die Entwicklung des Dramas der Schauspielkunst heute ganz verschiedenartige und einander scheinbar ausschließende Ausgaben stellt, hat die Leitung derDüsseldorfer Theater-Akademie" als Lehrkräfte nam­hafte Vertreter der alten rednerischen Meisters chule berufen, und die der modernen realistisch-psychologischen. Es soll in dem Schüler zunächst das Gefühl und Bewusstsein des Stils für seine Aufgabe geweckt werden, daß er jeden Dickster in seiner 2(rt auffassen und darstellen lernt; aber darüber hinaus sollen die Wege gezeigt werden, wie eine Verschmelzung der Geaensätze zu einer höheren Einheit möglich ist, entsprechend der 2(rt der neuesten dichte­rischen Produktion. Neben der Pflege der Rhetorik aber wird die Düsseldorfer Theater-Medemie" auch die Errungenschaften der Regiekunst, Aesthetik, Literatur. Kunstgeschichte, sowie dramatur­gische Fragen zum Gegenstand ihrer pädagogis^en Täti"k"it machen. Denn sie will nickst nur gute Sstrecher und Redner, sondern mich wahre und echte Menschendarsteller heranbilden. Auch für Nickst- schanspieler sollen Sonderkurse eingerichtet werden. Die Schuler müssen sich für zwei Semester verpflichten. Unter den Lehr­kräften nennen wir: Iofef Lewinsky, K. K. Hofburg-Schauspieler Luise Dumont, Olga Lewinsky, Gustav Beaurepaire, Dr. Paul Ernst, Dr. Herbert Eulenberg.

In Stuttgart ist am 19. Avril die Witwe des Dich­ters und Prälaten Karl G e r o k im Mter von 78 Jahren ge­storben.

InMadrid ist der berühmte Schriftsteller und Diplomat Inan 23 al er a im Alter von 83 Jahren an einem Gehirnschlag gestorben.

Algier, 19. Avril. Der Gouverneur führte heute morgen den Vorsitz bei der Eröffnuna^ssinmg des internationalen Orientalist en - Kongresses.

cianhroidftfiaff.

Wien, 19. April. Der Saaten st andsbericht des Ackerbauministers nach dem Stande Mitt-' Avril besagt: Der ver­flossene Winter nahm in den meisten Ländern einen normalen, nicht zu strengen Verlaus. Die Niederschläge in der zweiten Hälfte des März waren den Wintersaaten und der Frühjahrsbestell­ung sehr förderlich. Der Wettersturz im April hatte eine Unter­brechung der Feldarbeit zur Folge. Die Herbstsaaten überwinter­ten im großen und ganzen recht günstig und lassen eine gute Entwicklung erhoffen. Der Stand des W"iz"ns ist befriedigend. Der Anbml der Sommersaaten geht fast überall unt"r günstigen Verhältnissen vor sich. Der Stand der Rapsstaten ist wenig be­friedigend. Der Klee läßt nur südlich der Donau eine günstige Entwicklung erwarten. Die Frühiahrskartoffeln sind nicht selten erfroren. Der Anbau der Zuckerrüben ist gegenwärtig in den meisten Rübendistrikt^n in vollem Zuge. Die Hopfcnpflanzungen und der Weinstock überwinterten gut.

Gicsiener landwirtschaftlicher Wetterdienst.

Voraussichtliche Witterung in Hessen für Freitag, den 21. Avril 1905: Trüb, windig, R e genwetter, anbauemb sehr kühl.

Nähere? durch die Gießener Wetterkarte.

Familien Nachrichten.

Verlobte. Fräulein Anna Lippert, Butzbach, mit Herrn Georg Becker Drauerfchwenb. Fräulein Elise Naumann, mit Herrn Karl Weber, Romrob.

©rtflinar-Draöfmrnninflcn.

sd. Darmstadt, 20. April. S. K. H. der Groß- h erzog ernannte am 19. b. M. den Musikbozenten an der Technischen Hochschule Dr. Philipp Nagel in Darmstadt zum Professor, den prov. Lehrer Friedrich Schmoll in Gießen zum Oberlehrer am Realgymnasium und der Real­schule mit Wirkung vom 1. Mai 1905, den Amtsrichter Dr. Gustav Maurer in Butzbach zum Staatsanwalt am Land­gericht der Provinz Starkenburg. Prinz Heinrich von Preußen leistete am Mittwoch einer Einladung des Offizier­korps bc9 Felbart.-Negts. Nr. 25 in bas Kasino Folge.

-i- Friedberg, 20. April. Der Polizei ist ge­lungen, ein paar Einbrecher zu v erhaften, die einen Einbruch in das Warenhaus des Kaufmanns DrebeS ver­übten und Kleider in Frankfurt versetzen wollten.

Halle a. d. S., 20. April. Der bekannte Senator Schu lze - Giffh o rn, der Ehrenpräsident des Vereins deutscher Kaufleute, ist im Alter von 79 Jahren gestorben.

Er ist besonders durch seinen Kampf gegen die Konsumvereine bekannt geworden.

Paris, 20. April. In parlamentarischen Kreisen wir^ inbetreff der Marokko-Debatte als besonders be< merkenswert beriwraelwb"n, daß die Redner dagegen Ver­wahrung eingelegt haben, daß die englische Politik sich Frankreichs gegen Deutschland b ebtenert könnte, sowie d»r zumeist sehr maßvolle, ja entgegen» kommende Ton, welcher gegen Deutschland an* * schlagen wurde. Bezüglich der Stellung Deleassss, dessen Rede sehr kühl aufgenommen wurde, sei es bezeichnend ge­wesen, daß Rouvier sich veranlaßt sah, das Wort zu er­greifen und die Verantwortlichkeit des gesamten Kabinetts ins Feld zu führen.

Paris, 20. April. Die Morgenblätter kommentieren die gestrige Kammerdebatte und erklären fast übereinstimmend^ daß De le ass4 eine Niederlage erlitten habe, welche sein Verbleiben auf seinem Posten unmöglich mache.

Rom, 20. April. In der Leitung der sozialistischen Vartei hat bisher die Mäßigung über gewalttätige Ansamm­lungen gesieat. Wenn keine unva"h<'raeseh'"n-'n Ereignisse eintreten, wird es zum General^eik nicht kommen. Die italienischen Arbeiter Haben keine SvmpatHieen für die Eisenbahner, die sich als privilegierte Klasse, als Aristokraten des Proletariats betrachten. Die Folgen der Eindellung des Frachtenverkebr? machen sich bemerkbar. In Neapel beginnt es an Schlachtvieh ?.n mangeln. Das Hafenlebm ist vollständig erstorben. Die Nahrungspreise steigen.

Mailand, 20. April. Hi^r hohen zahlreiche Fabriken nur noch beschränkte Koßlenvorräte, doch werden die Eisenbahnaesellschaften sich mit ihren eigenen Depots ausbrlfen. Unter den Streikenden Herrscht große Ent­rüstung, weil der republikanische Führer, der Erdevutierte Zavattari, Präsident der B^hng^väckträger, seine Leute in den Dienst der Eisenbahn stellt. " In Genua soll der Streik seinem Ende entgegengehen. Der ^afenverkehr ist schwer ge­schädigt. Au? Turin wird aemeldet Tie dortigen Streiken» den senden Emmissäre im Automobil aus, um Propaganda! zu treiben.

Warschau, 19. April. In dem Vororte Powonsk) nahmen Polizei und Militär in der Nacht 200 Personen fest. Bei den Verhafteten rourben zahlreiche Revolver ge« funben.

Tokio, 19. April. (Reuter.) Obgleich hier keine bireften Nachrichten eingelaufen finb, nimmt man an, daß bte baltische Flotte noch in der Vttcht von Kamranh ober in einem anderen Hafen von Annarn liege und bort die Vereinigung mit dem dritten Geschwader abwarte. Die Meldung, daß Rofbestwensky auf der Höhe von Kamranh kreuze und die neutrale Schiffahrt kontrolliere, erhöht hier die Erregung gegen Frankreich, welches dem Admiral erlaubte, den Hafen von Kamranh als Stützpunkt für feine Operationen zu benutzen. Seitens der japanischen Regierung verlautet nichts über der französischen Reaierung gemachten Vorstellunaen. Die Blätter fordern ein kräftiaeres Vorgehen,

Telephonischer Kursbericht,

Frankfurt a. M.

BVoO/q Reichpanleihe . . 101.60 3V-i do. ... 90.90 3%% Konsole . .. . 101.55 do 90.80

Heepen .... 100.50 3% % Oberheaeen . . . 99.00 4% Oesterr. Godrente . . 102 20 4%®^ Oesterr. Pilberrente . 101.15 4% linear. Goldrente . . 100.00

41/ Pal en Rente , , . 105 80

4 % Portn£rieR°r I . . . 67.70

3*V portntfipRpn. HI . . 67.70 1 % Unif. Türken . . . 89.00

Türkenloae. 4% G riech. Monopol- AnL 51.60 4'/,% äussere Argertiner 45.55

20. April, 2% Uhr

Hu/n Mexikaner , . . . 35 58 4 %/ Chinesen .... 9645 Electric. Set ackert . . , 139.50 Nordd. Lloyd . . , . 125.70

Krrditflktien .... 208.70 Diekonto-Kommandit. . . 189.20 Darmstadter Bank . . 143 20

Dresdener Bank .... 157 00 Herin er Handeleges . .170 70

Oesterr. Staatabahn . . . 141 40

Lombarden 10.90

Gottharibahn 189.00

Lanrahütte .... 276.50

Bochnm ..... 251 90

Harener 218 25

Sta atschatzscheine . . . 100.60

Tendenz: fest.

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2200

Die Beerdigung findet Freitag den 21. April, nachmittags 31/, Uhr, von der Leichenhalle des alten Friedhofes aus statt

Christian Jn^hardLt Carl Jnghardt.

nach längerem Leiden sanft in dem Herrn entschlafen ist.

Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:

Allen Verwandten, Freunden und Bekannten hierdurch die traurige Nachricht, dass unsere liebe, gute Mutter, Grossmutter und Schwester

Frau Christian Jughardt Ww.

Achtung!

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