Ausgabe 
23.5.1905 Erstes Blatt
 
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ßrfriefrS-gcri (ht fev gan» mib gar n r^werspruch, sowohl waS ►ie Beqr'ündung des Schiedsspruck - als auch das Erkenntnis selbst betreffe.

ZeutsH-Siidw stafrika.

Berlin, 22. Mai. Ein Telegramm au§ Windhuk meldet: Gefreiter Hans Heiland, geboren am 20. Mai 1877 in Wismar, früher im Infanterie-Negiment Nr. 79, am 20. Mai im Lazarett Windhuk am Typhus gestorben.

5>er Kriea.

General Linewitsch

/elegraphiert unter dem 21. d M.. da st sich am 18. d. M. östlich der Eisenbahn eine durch Kavallerie verstärkte russ. "Abteilung dem Dorfe Schahotse näherte-; sie wurden von den Japanern in beträchtlicher Stärke angegriffen, die von den Kohlenminen her, die südlich von Schohotse liegen, zur Offensive übergingen. Auf der Manda rinen- straße gingen zwei russische Abteilungen vor, ohne mit­einander in Verbindung zu stehen. Eine stieß auf Wider­stand von japanischer Infanterie, warf sie der Reihe nach aus ihren Stellungen und besetzte das Flußtal des Kaakhe und das Flußtal des Khanda, westlich von Nanchentse. Die andere Abteilung trieb die feindlichen Kavallerieposten von Tadlou zurück.

Am 20. Mai machten, so wird aus Tokio amtlich gemeldet, die Russen, bestehend aus einem Bataillon In­fanterie und einem Regiment Kavallerie und zwei Ge­schähen eine Umge h u n g in der Nachbarschaft der zehn Meilen östlich von Chan gtu gelegenen Höhe Santa- okow und eröffnete um IIV3 Uhr" morgens das Feuer. Später erschienen vier russische Geschütze auf der nördlichen Höhe von Chinya ngpao. Um 4 Uhr nachmittags gingen zwei russische Bataillone von der östlichen Seite des Dorfes vor, wurden aber zurückgeschlagen. Eine weitere gemischte Truppenteilung rückte in Ersili- pao ein, setzte das Dorf in Brand und zogg sich zurück. Ab- gesessene russische Kavallerie griff Tangshed ans dem Ufer des Licwho dreizehn Meilen südwestlich von FakNmen, am Morgen des 20. Mai an. Nach einem zweistündigen Kampfe zogen sich die Russen in Unordnung nach Südwesten zurück und ließen 300 Tote und Ver­wundete zurück. Äußer kleinerer: Zusammenstößen ist die Lage unverändert.

Zur See.

Tokio, 22. Mai. (Reuter.) Hier verlautet, daß eine Dschunke, auf der sich zahlreich? russis ch eOffiziere befanden, weggenommen worden sei. Man nimmt an, es habe sich um eine von Wladiwostok unternommene Er­kundigungsfahrt gehandelt.

Hongkong, 22. Mai. (Reuter. )Der letzte hier ein- gekommene Dampfer berichtet, daß er Samstag morgen einen Kreuzer der russiscäenFr eiwilligenflotte in Begleitung eines schwer beladenen Frachtdampfers in der Hainan st raße westlich steuernd gesehen habe.

Tschifu, 22. Mai. (Reuter.) Leute, die von Port Arthur hier angekommen sind, erzählen, daß auf ein Telegramm aus Tokio hin 100 bewaffnete Japaner Sams­tag dort den DampferKazan" besetzt hätten, indem sie erklärten, daß sie' dieses Schiff, das die Russen während der Belagerung als Lazarettschiff gebraucht haben, als Prise zu behalten gedächten.

England und der Krieg.

Tokio, 22. Mai. Aus einem heute abend von der Japan Society veranstalteten Bankett, bei dem der britische Gesandte Maedonald den Vorsitz führte, brachte dieser einen Trinksprnch auf das Wohl des Kaiser von Japan ans. Der Ministerpräsident Katsura einen solchen auf den König von England. Der Minister des Aeußern Komura und Kriegsminister Teranchi wohn­ten dem Bankett bei.

Anß'and in Sturm und Drang.

Moskau, 21. Mai. Der rn s s i s che Fr au e n? on gr e ß, bet zwei Tag"» b-uiert* intb an 500 Fravn aller Stände teilnahmcn, nahm *eine Resolution an, in der die Not­wendigkeit der politischen Freiheit Rußlands betont wird und Forderungen erhoben werden bezüglich der Gleichheit der Rechte der Frauen und Männer, b'-üglicb der Beendigung des Krieges, der Einfetuna fin*r Volksvertretung usw.

deutsches Reich.

Berlin, 22. Mai. Mie die Blätter melden, wurde der Antersiaatssekretär im preumschen Staatsministerium Frhr. von Seckendorfs zum Präsidenten des Reichsgerichts ernannt.

Detmold, 22. Mai. Die Grasregentin-Mutt'w Karo- line, Wittoe des v erfror den en Grafreg-nten En'st, i^ verschie­denen Blättern zufolge im Residcnzschlosse, bedenklich er­krankt. Offizielle Berichte sind b(5 jetzt nicht ausgegeüen. , ^lls Veranlassung des schon seit längerer Zeit bestehenden Leidens wird eine tiefe seelische Gemütserregung der Hohen Frau, hervor­gerufen durch die jahrelange Aufregung und Kränkungen im Thronfolgestreit bezeichnet. Wie verlautet, wird der Zustand der Patientin als hoffnungslos angesehen.

Karlsruhe, 22. Mai. Das Großherzog paar beab­sichtigt sich am 1. Juni zur Teilnahme an den Hochzeitsfeierlich­keiten des Kronprimen nach Berlin zu begeben. Es hat deshalb auch die ihm am Samstag überbrachte Einladung des englischen Geschäftsträgers Herbert zur Hochzeit des schwedischen Prinzen Gustav (Enkel des Großherzogpaares) abgelehnt. Nach London gehen wahrscheinlich das Erbgroßherzogpaar und Prinz Karl von Baden.

Ausland.

Stockh olm, 22. Mai. Der Reichstag wurde heute geschlossen. In der Schlußrede sagte der Präsident der zweiten Kammer, die Trennung dauere vielleicht nur eine kürze Zeit. Man erblickt hierin eine Bestätigung des Ge­rüchts, daß im Sommer anläßlich der norwegischen Frage eine außerordentliche Tagung des Reichstages stattfinde. Im Auftrage des Königs begibt sich der Kron- prinz regent am 1. Juni nach Berlin, um der Hoch­zeit des Kronprinzen beizuwohnen.

Der König wird Ende dieser Woche die Regierung wieder übernehmen.

Paris, 22. Mai. Die Spaltung in der sozia - /isti scheu Partei der französischen Deputierten­kammer ist durch eine Rede des Mitgliedes deS Voll­ziehungsausschusses der französischen Sozialistenpartei Hervä hervsrqerufea worden, in der dieser für einen militärischen Ausstand ein trat. Der Verwaltungsausllhuß der französischen Sozialistenpartei hat infolgedessen eine Resolution beschlossen, in bet er sich an die Worte Herväs nicht gebunden erklärt und an die Beschlüsse der internationalen Kongresse in Zürich und Brüssel erinnert, die sich gegen den Gedanken eines

militärischen Ausstandes aussprechen. Infolge der Spaltung gibt cs jetzt zwei sozialistische Gruppen im französischen Parlament. Die neue Fraktion, die auf dem Boden des letzten Parteitags steht, umfaßt außer den bisherigen revolu­tionären Sozialisten von bekannteren Abgeordneten nur Iauräs, F. de Pressensö und Rouanet. Gleichzeitig haben die der neuen Fraktion nicht beigetretenen Deputierten beschlossen, die bisherige Gruppe der parlamentarischen Sozialisten fort­bestehen zu lassen und ihr ablehnendes Verhalten in einer öffentlichen Erklärung zu begründen. Somit ist die lange er­strebte Parteieinheit der Sozialisten im Parlament bereits gescheitert. Beide Gruppen sind gleich stark; sie zählen je 22 Mitglieder.

Lyon, 21. Mai. Ein Polizisten streik. Tie aus­ständigen Polizisten hielten am 20. d. M. eine Versammlung ab, in der beschloßen wurde, weiter zu streiken, bis ihnen völlige Genugtuung geworden sei. (Die Polizisten sind be­kanntlich mit ihrem Kommandeur, einem Gendarmerie-Oberst­leutnant, der sie schlecht behandelt habe, unzufrieden. D. Red.) Tie Angelegenheit wird durch eine Interpellation des Ver­treters von Lyon in der Deputiertenkammer zur Sprache kommen. Die Unterredung der Delegierten der Streikenden mit dem Präfekten ist ohne Ergebnis geblieben. Der Präfekt erklärte, er habe ans höheren Befehl gehandelt. Infolgedessen hielten die Ausständigen abends nochmals eine Versammlung ab, an welcher über 700 Polizisten teilnahmen. ES wurde eine Resolution angenommen, worin die ausweichende Antwort des Präfekten bedauert und ihm ein Tadel aus­gesprochen wurde, daß er die ganze Verantwortung für den Konflikt auf die Negierung schiebe. Inzwischen ist den Polizisten, welche Wohnungen in den Polizei-Kasernen inne haben, der Befehl erteilt worden, innerhalb 24 Stunden ihre Wohnungen zu räumen. Nur die Verheirateten haben eine dreitägige Inst erhalten. Infolge be§ Ausstandes der Polizisten herrscht in den Straßen der Stadt völlige Anarchie. Die Bevölkerung nimmt für die 91 u§ ft an bi neu Partei und unterstützt diese in jeder Weise. Ter frühere Bürger­meister und jetzige Abgeordnete von Lyon teilte den Aus­ständigen telegraphisch mit, daß er beim Minister des Innern Schritte unternehmen werde, tim den Polizisten Genugtuung zu verschaffen unter der Bedingung, dgß diese ihre Posten wieder einnehmen. Die Ausständigen wollen abworten, welche Haltung der Präfekt bei dem morgigen Empfange der Delegierten des GeincinderateS einnehmen wird. In der Kammer sprach in Erwiderung aus eine Interpellation den Ausstand betreffend der Minister de § Innern, Etienne, sich tadelnd auS über den von den Beamten be­wiesenen Mangel an Disziplin. Der Minister billigt die Haltung des Präfekten und verspricht schließlich, die Klagen der Beamten wohlwollend prüfen zn wollen, nach dem sie den Dienst wieder ausgenommen haben. Ministerpräsident ?)louvier führt darauf aus, Ordnung fei überall nötig, be­sonders in einer Republik. Keine Negierung dürfe Anstößig­keit der Beamten der öffentlichen Macht dulden. (Beifall.) Tas Haus nahm mit 504 gegen 75 Stimmen eine Tciges- orbuung nn, in der die Erklärungen gebilligt wurden.

Madrid, 22. Mai. Gegen das vom Gouverneur er­lassene Verbot des Ausflugs einer evangelischen Schule fand gestern eine republikanische Protestversaminlung statt, die den Artikel 11 der Verfassung erörterte.

Budapest, 22. Mai. Graf Andrassy hat die Auf­gabe, das Programm der Koalition vor dem König zu vertreten, übernommen und reist morgen zur Audienz beim König noch Wien.

Konstantinopel, 21. Mai. Tas Wiener Landgericht hgt beschlossen, dem Antrag des deutschen Generglkousulgtes in Konstantinopel behufs Auslieferung des deutschen Untertanen Sauer Folge zu geben. Sauer, der an­geklagt, feine Tochter für 1000 Pfund dem Ehef der türki­schen Geheimpolizei Fe Hirn Pascha verkuppelt zn haben, wird morgen hierher gebracht, um vor das hiesige bentsche Gericht gestellt zu werben.

New-Pork, 22. Mai. Rach einer Depesche auS Hono­lulu werben bie Weißen in Lahaina auf ber Insel Maui (Hawaii-Gruppe) im Gerichtsgebäube von 2300 aus- stänbigen farbigen Arbeitern belagert, von benett einer getötet und zwei verwundet wurden. Von Honolulu ging ein Dampfer mit Miliziruppen und Polizeimvnnfchasten nach Lahaina ab, um die Weißen zu befreien.

Aus Stadl und Aanö.

Gießen, 23. Mai 1905.

** D i e für das Tyeaterbaupr ojekt ein - gereichten Pläne können wohl erst nach der am nacktsten Donnerstag statt findenden Stadtverordnetensitzung öffent­lich ausgestellt werden. Man braucht die Pläne einstweilen noch zu einer Ausarbeitung, mit bet die Stadtverordneten sich zu beschäftigen heben werden. Wie wir hören, bat bei den ProjeNeu des Prof. Dülser und der Firma Fellner und Helmer die Lage des Külisseuranmes Anlaß zu Er­wägungen gegeben, die dahin gehen, für diesen Raum einen verbesserten Lageplan zu schassen. Wie uns ferner miigeteilt wird, soll die Front des Baues nach der Neuenbäue ge­richtet sein. Hoffentlich bleiben dann auch die beiden präch­tigen Kastanienbäume erhalten, die die Wirkung der Front­ansicht nur fcbert können. Würde man sie von jedem Baum­schmuck entblößen, so bekäme der Ban, das beweist die Er­fahrung bei zahlreichen Monumentalbauten, ein kahles, un­freundliches Aussehen.

** Die Verhandlung gegen Hudde findet am 5. Juni statt. Der Vorsitzende des Schwurgerichts der Provinz Oberhessen teilt uns mit, daß im Interesse der Aufrecht­erhaltung der Ordnung sowohl im Sitzungssaale wie auch im Gerichtsgebäube ber Zutritt zu bet Schmurgerichts- oerhanblung nur gegen Vorzeigung einer Einlaß- la rte bem Publikum gestattet werben kann. Wegen bes Be­zugs ber Einlaßkarten, bie ben Inhaber legitimieren, hat man sich vom 2 9. b5. MtS. ab an ben Vorsitzenden des Schwurgerichts ober die Großh. Staatsanwaltschaft zu wenden. Ein Anspruch aus Zusendung besteht nicht.

** Aus bem M ilit«r-W s ch enbla tt. Veränber- nnqen im Bcurlaudtenstande. Befördert: Vizewachtmeister E m melius (Gießen) zum 2t. bet Res. bes 2. Kurhess. Felb- art.-Ngts. Nr. 47. A bschied § bewilligungen: Heim - bürg,' Oberlt. ber Lanbw.-Jnf. 2. Aufgebots (II Darm­stadt), Krebs. 2t. bet Lcmbw.-Jnf, 2. Aufgebots (Erbach).

Im Sanitätskorps: Befördert zu Oberärzten bie Assist.- Aerzte ber Res.: Dr. Brink (Gießen), Dr. Neumann (WormS), Dr. Curschmann (Gießen).

** Das Vorgehen be§ A bg. Dr. David gege^ Geheimrat Dr. Schädel scheint noch ein Nachspiel haben zu sollen. Prof. Noack, ber bekanntlich nach Mainz versetzt würbe, hat, so berichtet bieFranks. Ztg.", beim Staatsministerium Beschwerde gegen die nicht dem objek­tiven Tatbestände entsprechende Art der Darlegungen des Negierungsvertreters erhoben.

** Vogelsberger Höhenklub. Der Zentralvorstan^ des Vogelsberger Höhenklubs in Schotten gibt nunmehr die Tagesordnung für die am Donnerstag ben 1. Juni im Casö Royal, ben Vereinsräumen bes Zweigvereins Taufstein, hier ftnttfinbenbe 21. Hauptversammlung bekannt. Die Verhanb- lungeu beginnen um 12 '/4 Uhr. Unter den Anträgen ist hervorzuheben der des hiesigen Zweigvereins, ben Ausbau ber Vorhalle des Klubhauses auf bem Hoherods- köpf zu Unterkunftsräumen speziell für bie Mitglieber des V. H. C. Hierzu wirb um einen Zuschuß von 200 Mark nachgesucht. Ferner stellte bersclbe Zweigverein und der Vorstand des Gesamtvereins einen Antrag wegen Abgabe eines jährlichen Beitrages ber Zweigvereine an bie Vaukasse zur Beschleunigung bes Baues bes Bismarckturmes auf bem Sauf ft ein. Der Voranschlag für 1905/06 sieht für Farbenmarkierimg im Oberwalb 60 Mk., für bas Aussichts­gerüst auf ber Herchenhainer Höhe 100 Mk., für ben Tauf­stein türm 200 Mk. vor, unb er erreicht in Einnahme und Ausgabe 1200 Mk. Nach bem Mittagessen ist eine Besich­tigung bes Museums bes Oberhessischen Geschichtsvereins im alten Nathause, banach gemütliches Zusammensein im Neuen Saalbau.

** Die Ritterburg Nonneburg in der Sübostecke der Wettetau wirb voraussichtlich am 1. Juni wieder dem Touristcnbesuch geöffnet werden. Bekanntlich wußte die Burg im Juli v. I. wegen Baufälligkeit von bem Besitzer Fürst Friedrich Wilhelm zu Isenburg und Büdingen geschlossen werden. Staatliche und standesherrliche Beamte, darunter auch Denkmalpfleger Dr. Walbe-Darmstadt, haben bie Burg wiederholt besichtigt und bie Pläne entworfen, nach denen bie jetzige Renovierung ausgeführt wirb. Die Erhaltungsarbeiten im Vorhof ber Burg sind bereits vollendet; der runde Eck- tiirm wird renoviert, und darin werden zwei Zimmer ein­gerichtet. Auch bie Pförtner-Wohnung wird restauriert. Das Gebäude, in dem sich ehedem Ställe und Knappenwohnungen befanden, wird zu einem Nestaurationsraurn eingerichtet und erhält ein Schutzdach. Dec 64 Meter tiefe Burgbrunnen wird zur besseren Wasserbesehaffung eingerichtet. Die Reno­vation erfordert einen Kostenaufwand von ca. 7500 Mk. Tie Nonneburg ist ein hochinteressantes Denkmal aus alter Zeit und wurde von jeher von Wanderern und Archäologen gern besucht. Nicht unerwähnt sei, daß Graf von Zinzen- borf, Vegrünber ber Brübergemeinde, um 1750 längere Zeit hier wohnte.

** Aus dem Militärleben wirb berKl. Pt.* folgenbe Geschichte mitgeteilt: Auf bem Nückmarsch bes 81. Regiments vom Griesheimer Schießplatz nach Frankfurt mürbe ein Musketier ber achten Kompanie in ber Nähe von Langenschlapp". Sein Hauptmann Otto rief ihm zu: So, nun nimm Du einmal meinen Gaul am Zügel unb ich trage Dein Gewehr". Der Kompaniechef stieg vom Pferbe, ergriff bie Büchse unb reihte sich dort ein, wo bisher der Musketier geschritten war, der vor Freude strahlte, als ihm bie Flinte für einige Zeit abgenommen wurde. Während der Hauptmann tapfer im Gliebe mitschritt, kam bet Bataillonskommanbeur, Prinz Friedrich Karl vonHessen, herangeritten, um zu sehen, welchen Einfluß der Marsch auf die Truppen ausübte. Die Mannschaften wußten salutieren; auch ber Herr Hauptmann, ber übrigens seiner Zeit ben Chinafelbzug mitmachte, riß bas Gewehr mithörbarem Ruck" an sich und erwies bie vorgeschriebene Ehrenbezeugung. Dabei rief er bem Major zu:Jawohl, Hoheit, es geht immer noch!" Der Bataillonskommanbeur war ba- rüber ebenso erfreut, wie über bie Bemerkung eines Soldaten, eines ehemaligen Chinakriegers, der meinte, daß so etwas in China jeden Tag passiert sei.

Darm stadt, 22. Mai. Die Dezernenten für bie Loiterieabteilung im Finanzministerium, Ministerialrat Ewald unb Geh. Oberfinanzrat Nohbe, sind als Vertreter Hessens zur Teilnahme an den Verhandlungen über das hessisch - preußische Lotterie-Abkommen nach Berlin gereist. Wie es heißt, ist ber Abschluß bes Vertrages nun bald zu erwarten.

fc. Mainz, 22. Mai. In bet Nähe von Ka stel rannte gestern ein Automobil, das sich auf bem Wege nach Wiesbaben befand, gegen einen Gartenzaun. Der Zaun mürbe umgeranut unb bie Insassen bes Gefährts würben herausgeschle ud e rt. Sie erlitten erhebliche Verletzungen und wußten, nachdem sie sich hatten verbinden lassen, die Neise mit ber Bahn fortsetzen. Das Automobil hatte sich förmlich in bie Erbe hineingewühlt.

w. Zwingenberg a. d. Bergstr., 22. Mai. Der Oberstleutnant Frhr. v. Bieberstein aus Darmstadt war gestern mit seiner Equipage in Begleitung seiner Gattin und zweier Offiziere nach Auerbach gefahren. Auf der Heimreise gegen 9 Uhr abends scheuten die Pferde, wobei die Insassen aus bem Wagen geschleubert wurden. Freifrau o. Bieberstein trug eine schwere Gehirneschütter- ung davon, während die Herren mit leichteren Verletzungen davoukaweu._______________________

Kunst lind Wissenschaft.

Dievernarrte Prinzeß und das' goldene Kalb". Wogen der Wiesbadener Aufführu: g seiner .Vernarrten Prinzeß", eine? Fadelfpiels, hat Otto Julius Bierbaum sich beschw'crdesührcnd an die Öffentlichkeit ge­wandt. Wir lesen in berFrkf. Ztg." folgenden Brief Bierbannü): Herr Redakteur! Die Ausführung meine? von O. v. Chelius komponierten FabelspielSDie vernarrte Prinzeß" rm Nahmen der Wiesbadener Maiseflspiele hat einig« Preßäußerungen hervor- gerufen, an deren Berichtigung mir gelegen sein muß. Schon die Darstellung, als erfreue sich das Werk im ganzen der beson­deren Huld des Kaisers, entspricht nicht den Tatsachen. Der Kaiser hat sich vielmehr über meinen Anteil daran mit der ganzen deutlichen Offenheit ausgesprochen, die für seine A b - lehnung moderner Kunsibestrcbungm kennzeichnend ist. Dies habe ich vorausgesehcn. Ücberrascht hat es mich, daß ein Teil der Presse mir hie Verballhornung meines eigenen Werkes zu- getraut hat, die in Wiesbaden in Gestalt des goldenen Kal-I