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23.5.1905 Erstes Blatt
 
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Nr. 120

Erstes Blatt.

155. Jahrgang

Dienstag 23. Mai 1905

Deutscher Weichstag.

189. Sitzung' vom 22. Mai.

1 Uhr. Das Haus ist gut besetzt.

Am Buudesratstiscb: Dr. Nreberdrng, Dr. Stübel

Wf der TEsordnung sicht zunächst die erste Beratung des oon dem Abg. Blell (fi< Vp.) eingcbrachten und von allen Parteien unterschriebenen Antrags, dem' § 44 der Gewerbeordnung den Zusatz -u geben, da st Agenten nicht als Hausierer anaciehen

Vom Haager Schiedsgericht.

Haag, 22. Mai. Der Spruch des Schiedsgerichts nt der? Strei t fra ge zwischen Japan und England andererseits wegen der in den ehemaligen Fremdenniederlassungenj erhobenen Gebäudesteuern ist zu Gunsten der europäischen! Mächte ausgefallen. Der erkcnn-nd? Teil des Schiedsspruches besagt: Die Bestimmungen der Verträge und anderen in den Protokollen des Schiedsgerichts angeführten Vereinbarungen be-t freien nicht den auf Grund dauernder Pachtverträge btnt der iapanischen Regierung oder in ihrem Namen abgetretenen Grund­besitz allein, sondern befreien mifter den Grundstitcken, auch die Gebäude jeder Art, welche auf dieser: Grundstücken errichtet sind oder noch errichtet werden könnten, von allen Steuern, Abgaben, Lasten, Kontributionen oder irgend welchen Verpflichtungen ari­derer Art als denjenigen, die in den in Frage stehenden.Pacht­verträgen ausdrirälicli festgelegt sind. Der Vertreter der japani­schen Regierung, Botschafter -Dr. M otono - Paris, erklärte vor der Unterzeichnung, seine Meinung stehe mit der Mehrheit des,

Ve>«g»pr«i»r monatlich Pf., vtettsl» jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- il Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Mk. 2.viertel- jährl. ausfchl. Bestellg. Annahme von Anzeigen jr die ^Zn'i-.nnrer 's vonnittrgS J 'iür. Ze'kenvrels: ..vkaMPf» auswärts sy Pf).

Verantwortlich ptt den oolit und (J ;eni. Teil: P. Wittko: für ,Stadt und ßanb" und Gerichtssaal*: August Goetz; für den An­zeigenteil: HanS Beck-

Bom deutschen Landwirtschaftsrat.

Stuttgart, 22. Mäi^

Heute vormittag trat Bier unter Leitung des ^Vizepräsidenten- Freiherrn von Soden-Fraunhofen der Ausschuß de s Deut-, scheu Landwirtschaftsrates zusammen. Der Mtniskep des Innern v. Pisch^k begrüßte die Erschienenen namens der ivürt-' temb-prgischen Staatsregiw'ng. Die Verhandlungen befaßten sich zunächst mit der Frage der s a m m e n s ch m e l z u n g der Arbei ter v e r s i che run gsg ese tzgebun g-en. Der AuH-' schuß Begrübe Vorgeh?n der Reichsregierung in dieser RE- uttq und beschloß, den Gegenstand auf die Tagesordnung der nächsten Plenarversaminlung zu setzen. Des weiteren begrüßte er die Verhandlungen der deutschen Negierungen zur Einführung einer Ei sen ba hn b et rieb sm i tt el gem «»in scka st, der auch im Interesse der Landwirtschaft einen baldigen.günstigen Ab­schluß wünschte. Schließlich wurde noch über die gesetzlichen Maß­nahmen gsgen den G r u n d st ü ck s w u ch e r beraten unb schlossen, auch diesen Gegenstand auf die Tagesordnung. der Me-, narversammlung zu setzen. Am Mittwoch fuhren sämtliche Teiib-, nehmer nach dem königlichen Landhause Weil, wohin sie vom! Könige zum Frlihstück geladen waren. In den Nachmittagsstundenj wurden darauf die Gestütshöse Weil und Scharnhausen und' dann die Landwirtschaftliche Hochschule in Hohenheim besichtigt^ Morgen werden die Verhandlungen fortgesetzt.

Die lierttiqe Bummer umfaßt 8 Seiten.

Die KürMchkeiten in Wiesbaden.

Wiesbaden, 22. Mai.

lieber den Unfall, den die Kaiserin erlitten hat, wird noch berichtet:

Der Vorfall hat sich etwa folgendermaßen abgespielt: Die Kaiserin wollte gegen 51/2 Uhr die schmale Wen­deltreppe, welche die kaiserlichen Gemächer miteinander verbindet, hernntergehen. Hierbei geriet sie mit einem Fuß in die Falten ihres Kleides, strauchelte und fiel mit d! er Stirn auf eine eiserne Röhre, wodurch sie sich eine Wunde auf der rechten Stirnseite zuzog. Ta Ihre Majestät in beiden Händen etwas trug, konnte sie dem Fall durch Festhalten oder ZugreiAn nicht vorbeugen. Die Kaiserin begab sicht in ihr Gemach zurück und suchte die stark blutende Wunde durch nasse Aufschläge zu stillen. Ms. das Bluten aber nicht nachlassen wollte, ließ sie den Kaiser benachrichtigen. Leibarzt Dr. Riedner untersuchte die Wunde, wozu, er von hier den Chefarzt des Kranken­hauses Dr. Landow hinz>uzog. Die Kaiserin hat eine sehr gute Nacht verbracht. Die Mrzte halten die Verletzung der Kaiserin für durchaus unbedeutend und haben nur vorsichtshalber geraten, die Abreise um ein bis zwei Tage zu verschieben.

Der Kaiser arbeitete heute vormittag allein. Zur Mittagstafel waren keine Einladungen ergangen. Heute nachmittag unternahm der Kaiser eine 'Automobilfahrt nach Jagdschloß Platte, machte von oort einen Spaziergang nach der Eisernen Hand und kehrte darauf mittels Automobils nach Wiesbaden zurück. Zur Wendtafel ist Generalintendant v. Hülsen geladen.

Dr. G. Spieß, der seinerzeit bei der Operation des Kaisers mitwirkte, wurde zum Professor ernannt.

Zur FestvorstellungimkönrglichenTheater itm <5ainZtaQ ist noch nachzutragen: Kurz nach 7^2 Uhr ver­kündeten die Fanfaren die Ankunft des Kaiserpaares und seines hohen Gastes, die, begrüßt von Hoch- und Hurra­rufen, m der MitteUoge Platz nahmen, die Königin wieder zwischen dem Kaiserpaar. Beide Fürstinnen waren in Weiß gekleidet, wiederum geschmückt mit bett schon mehrfach beschriebenen wunderbaren Edelsteinen. Im ersten Zwischen­akt promenierte der Monarch, begleitet von Exzellenz von Hülsen, im Foyer. Königin Margherita von Italien empfing in der ersteir Pause die Damen Burchardt und Hans und die Herren Professor Schar, Kammersänger Kali sch, Kammersänger Müller, Winkel und Henke, die Solisten aus der OperDie vernarrte Prinzeß", und dankte ihnen allen für ihre vortrefflichen Leist­ungen. Nur dttrch das Zusammenwirken solcher hervor­ragender Künstler sei, so bemerkte die Königin, die übrigens ein vortreffliches Deutsch spricht, eine solche ausgezeichnete Vorstellung ermöglicht worden. Zum Schlüsse reichte sie jedem einzelnen die Hand, und Fräulein Burchardt, die bekanntlich die Titelrolle gesungen hat, zur Erinnerung an diesen Wend einen wertvollen Schmuckgegenstand. Der Kom­ponist der Oper, Oberstleutnant v. Chelius, wohnte dem Empfange bei. Der Verfasser der Dichtung 'Otto Julius Bierb aum, grollte. (Siehe unter Kunst und Wissenschaft. D. Red.)

Königin Margherita hat in einem Schreiben an den Oberbürgermeister Dr. v. Jbell mitteilen lassen, daß sie sehr erfreut über den schönen Empfang gewesen sei, der ihr hier in Wiesbaden zuteil geworden wäre; sie würde die Tage ihres Aufenthaltes in Wiesbaden in angenehmster Erinnerung behalten. Anläßlich ihres Hierseins hat die Königin der Stadt P1000 Mark für die Armen über­wiesen.

Die gestrige zweite Vorstellung des Berliner Ballets war ebenso au'sverkauft, wie am ersten Wend. Mit kurzer Verspätung traf der Kaiser, der wieder die Uniform seiner Leibhusaren trug, im Theater ein, mit stürmischen Hocht- ntfett begrüßt. Inzwischen hatte sich, wie ein Lauffeuer, die Nachricht von dem Unfall verbreitet, der die Kai­serin betroffen haben sollte. Da nichts genaues bekannt war, war man sehr gespannt, ob Ihre Majestät der Theater­vorstellung beiwohnen werde. Leider wurde die Hiobs­nachricht durch das Nichterscheinen der Monarchin bestätigt, zugleich aber auch mit dem beruhigenden Zusatz, der Unfall sei nicht gefährlich, doch sei Rrche erforderlich, die Wreise des Kaiserpaares sei daher bis auf weiteres verschoben.

Mit einer 'Aufflihrung derDienstboten" mit Frau Schramm vom Berliner Kgl. Schauspielhaus begann der gestrige Fesffpielabend, und dem alles bezwingenden Humor der ausgezeichneten Künstlerin gelang es bald, die anfangs etwas gedrückte Stimmring im Haus zu bannen und bald brausten Lach^- und Beifallssalveir durch das Theater, an denen sich der Kaiser lebhaft beteiligte. 'Auch das folgende BalletCoppelia" erfreute sich des Beifalls des Monarchen, der bis zum Schluß der Vorstellung mit Interesse folgte. Während der Pausen unterhielt sich der Monarch mit Herrn v Hülsen und den Herren seines Gefolges. Nach der Vor­stellung waren Fräulein Dell'Era und die Solotänzerin des hiesigen Ballets Fräulein Peter zum Kaiser be­fohlen, der beiden Damen prachtvolle Brrllantbroschen über­reichte.

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x W General-Anzeiger V

Amir- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

Fernsprechanlchluß Nr. 51. __________________________________________ ____________________ _______

hauptsächlich auf eine möglichst vollständige Ermittlung derj Erkrankungsfälle, Wsonderung der Kranken in Kranken-^ Häusern, Desinfektion der Effekten, Wohnungen, Misschließ-' nng der gesamten Kinder aus den verseuchten Häusern vom, Schulunterrichte. Ein pathologischer Anatom, Pri- vatdozent an der Berliner Universität, wurde ins In­dustriegebiet entsandt, um durch Vornahme möglichst zahlreicher Leichenöffnungen die 'Art des Eindringens der, Krankheitskeime, die Wege, auf denen sie sich im Körper verbreiten, aufklären zu helfen. Da der Erreger der Genick­starre von der Nase, dem Nachen aus in den Körper ein­zudringen scheint, die Krankheit hauptsächlich das Kindes­alter befällt, Mrrden ferner ein Rasens peziali st und' ein Kinderarzt mit der Vornahme eingehender Studien' nach dieser Richtung hin beauftragt. Im Institut für Infektionskrankheiten in Berlin finden unter Be­teiligung des Direktors des Frankfurter Instituts.' für experimentelle Therapie eingehende Unter- Buchungen statt, ob es nicht möglich ist, einSchutz- 11 nb Heilserum herzustellen. Wenn auch> die Hoffnung, daß mit der wärmeren Witterung ein Rachlchsen, vielleicht ein baldiges Verschwinden der Epidemie sich bemerklich machen würde, bis jetzt sich nicht erfüllte, so darf man doch erwarten, daß die angeführten Maßregeln dazu bei­tragen werden, die Seuche auf ihren Herd zu be­schränken, ihre Bekämpftmg durch Aufklärung noch un­gelöster Fragen über Wesen, Entstehung und Verbreitung der Genickstarre zu fördern. Der Mangel an gesetzlichen Handhaben zu zwangsweiser Bekämpfung der Genickstarre trug zweifellos erheblich dazu bei, daß trotz allen Äsers der Behörden und Aerzte die verheerende Krankheit eine so große Ausdehnung gewinnen konnte. Es steht zu er­warten, daß durch die Verabschiedung des dem Landtage der Monarchie vorliegenden Gesetzentwurfs betreffend die. Bekämpfung übertragbarer Krankheiten diesem empfindlichen Uebelstande demnächst abgeholfen wird.

Der Kronprinz.

Ludwigslust, 22. Mai.

Der Kronprinz traf gestern abend 7 Uhr 30 Min. hier ein und wurde am Bahnhofe von dem Großherzog, der Großherzogin-Mutter, der Herzogin Ceeilie und dem Herzog Borwin empfangen.

Gestern vormittag trafen, von Berlin kommend, der französische Botschafter Bihourd und der mecklen­burgische Gesandte v. Oertzen hier ein und wurden am Bahnhofe von dem Kam>nerherrn v. Köckeritz empfangen. Die Herren begaben sich mittels Galawagen nach dem Schlosse, wo sie Wohnung genommen haben. Bihourd überreichte der Herzogin Ceeilie ein Geschenk des Präsidenten Loubet und sprach in dessen Namen dem mecklenburgischen Fürstenhose Glückwünsche zu der bevorstehenden Vermählung aus. Nach dem Empfang fand ein Galafrühstück statt, welchem außer den Fürstlichkeiten die beiden Gesandten, sämtliche Staats- minister und Staatsräte, sowie das Gefolge teilnahmen. Um 6t/4 Uhr nachmittags begaben sich beide Gesandten roiebe** nach Berlin.

Der französische Botschafter Bihourd überreichte dem Großherzog und der Großherzogin-Mutter ein Schreiben des Präsidenten Loubet. Das Geschenk, welches der fran­zösische Botschafter der Herzogin Ceeilie im Namen Loubets überreichte, besieht in zwei Sevresvasen und einem) Wandteppich aus der Fabrik Beauvais.

werden unb Tein en W ander gewerbeschein, sondern nur eine Legiti- nurtionskarte zu lösen haben.

Abg. Blell weist in der kurzen Begründung seines An­trags daraus hin, daß diese Angelegenheit schon im März aus­giebig besprochen sei und daß damals schon eine Resolution im Sinne des Antrags angenommen wäre.

Hiermit schließt die erste Beratung. In der sofort daraus folgenden zweiten wird der Antrag einstimmig airgenommen.

Es folgt die dritte Beratung der llebersicht der Einnahmen und Ausgaben der Schutzgebiete für 1802.

Abg. Storz fsüdd. Bp.) meint, diese Übersicht zeige, daß in unseren Schutzgebieten vieles noch im argen liege: namentlich in der Verwaltung zeigten sick viele Mißstände. , Für die Er­schließung der Kolonien sei bisher so gut wie nichts geschehen, hoffentlich werde es in Togo durch den Bahnbau besser werden.

Abg. Erzberger (Ztr/, begrüßt es, daß der Vorredner sich für die Erschließung unserer Kolonien zu interessieren scheine. Hoffentlich werde er bei der Kamerunbahn-Vorlage seine Partei unb die Freisinnige Volkspartet veranlassen, für die Bahn zu stimmen.

Abg. S t o r z entgegnet, dast er nur von Togo gesprochen und keineswegs für Kolonialbahnen im allgemeinen sich ausgesprochen habe.

Die Uebersicht wird hierauf deftnitiv genehmigt, ebenso der GesetzeMwurf über die Bildung deutscher Kommunalverbände in den Konsularbezirken.

Hierauf setzt das Haus die zweite Berat".ng des Gesetzes be­treffend Aenderung der Zivilprozeßordnung fort.

Die Beratung beginnt mit der namentlichen Abstimmung über den Kommissionsantrag auf Erhöhung der Revisionssumme auf 250" Mk., bei der sich am Samstag die Beschlnßunfähigkeit des Hauses herausgestellt hatte.

Für den Antrag auf Erhöhung der Revisionssnmme stimmen 95, dagegen 48 Abgeordnete, bei 5 Stimmenthaltungen.

Das Haus ist also bei Anwesenheit von nur 148 Abgeordneten wieder nicht beschlußfähig.

Die Sitzung muß abgebrochen werden.

Präsident Graf Ballestrem setzt die nächste Sitzung fest auf Dienstag 1 Uhr. Zivil- und Strafprozeßnovelle und zweite Lesung des Gesetzes auf Schaffung kleinerer Banknoten.

Schluß 2 Uhr. __________

Wom KewerklHastsLongriß in Köln.

Köln, 22. Mai.

In der Nachmittags-Sitzung des Gewerkschafts- Kongresses sand über die vo. liegenden Anträge eine lange Erörterung statt. Ein Antrag, der eine internationale Agitation unter den Frauen verlangt, wurde an­genommen, und außerdem beschlossen, die Generalkommission von 9 auf 11 Mitglieder zu vermehren. Der Abg. Legien teilte noch mit, der Bundesrat sei auch ersucht worden, aus der Streikstatistik den kriminellen Charakter zu beseitigen; diesem Gesuche, sowie der Anerkennung der Gewerkschaften werde sich der Bundesrat nicht mehr lange entziehen können, anderenfalls würden die Gewerkschaften es ablehnen, dem reichsstatistischen Amte weiteres Material zu liefern.

Der PunktStreikunterstützung und Streik­statistik" war der interessanteste. Zu ihr liegen nicht weniger als 12 Anträge vor. Der erste Teil verlangt die Errichtung einer gemeinsamen Streikkasse zur Unterstützung großer Streiks auf allgemeiner Grundlage. Andere Anträge wünschen die Einführung eines regelmäßigen Beitrages, um schon heute eine solche Kasse ins Leben rufen zu können. Die dritte Kategorie schließlich verlangt, daß im Falle der Veranstaltung öffentlicher Sammlungen der Ueberschuß, sowie das Geld, das nach Abschluß des Streiks noch eingeht, nicht der jeweiligen Gewerkschaft überwiesen werden soll, sondern das Geld soll der Generalkommission überwiesen werden, damit sie es für andere Streiks später verwenden kann.

In der Debatte polemisierte Druusel-Berlin (Töpfer) gegen den jetzigen Zustand, der es ermögliche, daß der Textil­arbeiterverband jetzt im Gelde schwimme, während die Töpfer- organisation infolge einiger Aussperrungen finanziell darnieder- liegt. (Zustimmung.) Hübsch-Berlin (Textilarbeiter) ist ebenfalls für eine Beseitigung des jetzigen Zustandes. Der Textilarbeiterverband chabe den Ueberschuß zum Ausbau der Organisation verwendet. Abg. Sachse-Bochum (Berg­arbeiter) befürwortet einen Antrag des Gewerkschaftskartells Plaueu i. V., bei zukünftigen Lohnkämpfen, welche die Opfer­willigkeit der gesamten deutschen Arbeiterschaft in Anspruch nehmen, nur die Generalkommission der Gewerkschaften Deutsch­lands als Zentralsammelstelle einzusetzen, von welcher aus dann die Unterstützung an die engagierte Gewerkschaft zu er­folgen hat. Etwaige sich ergebende Ueberschüsse sind zurück- zubehalten und in Gestalt eines allgemeinen Streikzuschußfonds festzutegen. Abg. Sachse teilte bei dieser Gelegenheit mit, daß im Ruhrrevier zurzeit noch ca. 2 0 0 000 Arbeiter ausgesperrt seien. Der Bergarbeiter-Verband habe jedoch, um ähnlichen Vorwürfen, wie sie den Textilarbeitern gemacht würden, zu entgehen, beschlossen, einen eventuellen Ueberschuß der Sammelgelder an die Generalkommission abzuführen. Die Verhandlungen wurden danach vertagt.

Die Genickstarre in Preußen.

Die amtlicheNorddeutsche Wlg. Ztg." schreibt: Die epidemische Genickstarre erfordert noch immer die größte Aufmerksamkeit der Medizinalverwaltung. Bis 30. April wurden in ganz Preußen 1935 Erkrankungen mit 994 Todes­fällen beobachtet; davon entfielen 1814 bezw. 932 auf die Provinz Schlesien. Vom Beginn der Epidemie bis zum 7. Mai kamen allein im Regierungsbezirk Oppeln 1955 Erkrankungen und 1002 Todesfälle an Genickstarre zur An­zeige. Die mit Nachdruck ergriffenen und durchgeführten sanitätsvolizeilichen Maßnahmen erstreckten sich