Ausgabe 
21.7.1905 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

tintrben. Einige wurden im Gedränge in den im Theater- garten befindlichen Teich gestoßen und ertrunken. Einer der Täter wurde verhaftet. Er heißt Nikolajew, ist 19 Jahre alt und war bereits einmal wegen revolutionärer Propa­ganda ausgewiesen.

Meuterer.

Rußki Listvk" teilt mit, daß die meuternden Matrosen des in Kronstadt stationierten PanzerschiffesIm­perator Alexander II." sich nun beruhigt haben. 16 Rädelsführer wurden ins Militärgcfängnis eingeliefert und werden vor das Kriegsgericht gestellt, das sie zweifellos zum Tode durch den Strang verurteilen wird. Die übrigen Mannichaften des Panzers wurden aufs neue vereidigt. Jin Gegensatz zu diesen verweigern die Matrosen des PanzerschiffesMinin" hartnäckig jeglichen Gehor­sam und drohen, jedes Schiff, das in die Nähe kommen sollte, in den Grund zu bohren.Rußki Listow' teilt weiter mit, daß ans demMinin" nur wenig Proviant und Wasser sich befinde, wodurch die meuternden Matrosen schließlich doch gezwungen sein werden, sich zu ergeben.

Es ist russischen Agenten gelungen, 15 Mann von der ehemaligen Besatzung desPotemkin", die in einer Fabrik in Galatz (Rumänien) angestellt waren, russischen Behörden auszuliefern. Die luden diese 15 zu einem Fest­mahle ein und berauschten sie. Dann brachten sie ihre Opfer in einem Boote nach dem kleinen russischen Hafen­orte Ren, wo sie die 15 Mann den russischen Behörden übergaben.

Der Semstwo-Kongrcß.

Moskau, 20. Juli. Die heutige Sitzung des Kon­gresses der Vertreter der Semstwos und Dumas blieb un­gestört. Der vom Kongreßbureau ausgearbeitete Entwurf einer Konstitution wurde mit 220 gegen 7 Stimmen ohne Aenderung angenommen. Am Schluß der heuti­gen Sitzung wurde folgende Resolution angenommen:

Im Hinblick auf die in letzter Zeit häufig vorgekommcnen Verletzungen der persönlichen und allgemeinen Rechte russi­scher Bürger durch Verwaltungsbeamte, Verletzungen, die nicht nur den sittlichen Forderungen, sondern auch 'den Erklär­ungen der höchsten Gewalt und den bestehenden Gesetzen wider­sprechen, beschließt der Kongreß, seinen tiefcnUn willen hier­über auszusprechen. Er hegt die feste Ueberzeugung, daß der­artige Handlungen entsprechend geahndet toerben. Der Kongreß ersucht die in der Oeffentlichkeit wirkenden Männer, in dieser Beziehung geschädigte Perfonen in Schutz zu nehmen, und sich zu bemühen. Beweise für die Verletzung der Rechte dieser Per­sonen durch die Behörden beizubringen.

General Kozlow, der als Generalgouverneur von Moskau gegenüber dem Kongreß ein versöhnliches Vor­gehen einschlug, soll deshalb durch General Kleigels er- setzt werden.

5. Sitzung der Großh. Handelskammer Gießen, für die Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach.

Protokoll-Auszug.

Gießen, 19. Juli 1905.

Anwesend die Herren Kommerzienrat Koch, Vorsitzender; Kom­merzienrat Heichelheim, stellvertr. Vorsitzender: Dürbeck, Fried­berger, Grünewald, Hoos, Jhring. Klingspor, Rinn, Röhr, Kom­merzienrat Schirmer, Schmall, Stammler, Zurbuch, sowie der Syndikus Dr. Knipper.

Vor Eintritt in die Beratung der Tagesordnung begrüßt der Herr Vorsitzende die beiden durch eine Ersatzwahl als Mitglieder der Handelskammer gewählten Herren M. Friedberger und A. Klingspor aus Gießen und gibt der Erwartung Ausdruck, daß ihre Mitarbeit von reichen Erfolgen für Handel und Industrie des Kammerbezirkes begleitet sein möge.

I. Aus dem Geschäftsbericht ist folgendes mitzuteilen: a) Der Königs. Eisenbahrtdirektion Frankfurt a. M. wurde der erbetene Bericht über die wirtschaftliche Lage des Eisenerzbergbaues im Handelskammerbezirke während, des zweiten Vierteljahres erstattet und hierbei namentlich auf die Nachteile hingewiesen, die den ober- hessischen Erzbergbau durch die weite Emfernung von den Hüttenstationen und die hohen Frachtkosten treffen.

b) Von mehreren Gießener Firmen wurden bei der Handels­kammer Beschwerden über häufige Verzögerungen der G,e sprä chverm i tt elunge n bei dem Fernsvrechamt Gießen geführt. Die Kammer hat sich durch Erkundigungen bei einer Anzahl von Geschäftsfirmen überzeugt, daß der hiesige^Sprechverkehr in der letzten Zeit nicht immer mit der wünschenswerten Schnelligkeit und Exaktheit fi in Moniert und hat deshalb das Kaisers. Postamt um möglichste Be­seitigung dieser Mißstände ersucht.

c) Dem Grvßh. Ministerium des Innern wurde auf sein Ersuchen , ein ausführlicher Bericht über die Hand- Weberei in Oberhessen erstattet, in dem u. a. aus­geführt wurde, daß die Handweberei, sowohl in Erzeugnissen ffit den _ häuslichen Bedarf, wie auch für kommerzielle Zwecke, seit Jahren zurückgegangen sei und durch den neuen Handelsvertrag mit der Schweiz noch weiter ge- eigt würde.

derselben Behörde war die Handelskammer aufgefor- dert worden, ihr etwaige Wünsche für die Ernennung ernesSachverständigenfürWeinkontrollefür die Provinzen Starkenburg und Oberhessen zukommen zu lassen. Die Handelskammer war der Ansicht, daß für dieses Amt nur eine Persönlichkeit in Betracht kommen könne, die den Weinbaugebieten und den Hauptplätzen des Wein- hcrndels möglichst nahe ist: sie hat deshalb von dem Vorschläge einer Persönlichkeit aus dem Kammerbezirk ab­gesehen.

e) Der H andelskamm er zu Colmar wurde das Beileid der Kammer zu dem Ableben ihres Präsidenten A. Scheu- rer, desgleichen dem Deutschen Handelstage die Teilnahme der Kämmer anläßlich des Hinscheidens seines Präsidenten, des Herrn Geheim. Kommerzienrat Frentzel ausgesprochen. Der Herr Vorsitzende widmete dem dahingeschiedenen Präsidenten des Deutschen Handels­tages einen warmen Nachruf, indem er auf die großen Verdienste hinwies, die der Verstorbene sich um die Förder­ung der Interessen von Handel, Industrie und Verkehr er­worben hat. Zu Ehren dec Dahingeschiedenen erheben sich die Anwesenden von ihren Sitzen.

2. Wagenstandgeld für Sonn- und Feiertage.

Die Handelskammer ist schon vor Jahren fiir eine Auf- . Hebung deS Wagenstandgeldes für Sonn- und Feiertage eingetreten, da die Wagen an Sonntagen nicht ent- oder beladen werden können, andererseits der Eisenbahngüterverkehr an Sonn- und Feiertagen fast gänzlich ruht. Da diese Anträge stets abgelehnt nwrden sind, so ist in neuerer Zeit vorgeschlagen worden, das Wagenstandgeld für Sonn- und Feiertage nur dann ht Anrechnung zu bringen, wenn der Ent- oder Belader schon am Tage vor Sonn- und Feiertagen im Verzüge ist. Wenn die Handelskammer auch noch wie vorder Ansicht ist, daß die Erhebung eines Wagenstand­geldes an Sonn- und Feiertagen in keinem Falle gerechtfertigt ist, so beschloß sie doch, auch diesen weniger weitgehenden Vorschlag zu unterstützen.

3. Einführung einer Zwischenstufe von 250 Kilometer für Fernsprechgebühren. Nach den Be­stimmungen der Fernsprechgebührenordnung kommt bei Fern­gesprächen auf Entfernungen von über 100 bis 500 Kilometer eine Deblihr von 1 Mark zur Erhebung. Von dem Verkehre wird M Erhebung einer Gebühr von 1 Mark fiir Gespräche auf Ent- sermmgen von wenig über 100 Kilometer vielfach als eine zu hohe Belastung empfunden, und es ist deshalb angeregt worden, in -er Gebührenberechnung eine Zwischenstufe von 250 Kilometer tzinzufühven und bei Entfernungen von über 100 bis 250 Kilo­

meter nur ente Mvuyr von 75 Psg. zu erheben. Dte JTamnter beschloß, bei dem Staatssekretär des Reüchspostamts in gleichem Sinne vorstellig zu werden, da bei vielen Industrie- und Handels­zweigen des Kannnerbezirks das Bedürfnis nach einer solchen Zwischenstufe vvrliegt. Eine dauernde Beeinträchtigung der Ein­nahmen aus dem Fernsprechverkehr ist nach ihrer Ansicht von einer foldjen Maßregel nicht zu befürchten, da eine Verbilligung be5 Satzes für Entfernungen von über 100 bis 250 Kilometer voraus­sichtlich zu einer Steigerung des Verkehrs führen wird, der den anfänglichen Einnahme-Ausfall bald ausgleichen dürste.

4. Einführung derEichpflichtfürTrinkbrannt- weinfässer. Die Kaisers. Nornral-Vchungs-Kommission hat bte Handelskammer um eine Auskunft darüber ersucht, ob ein Bedürfnis _ zur Einführung der Eichpflicht für Trinkbranntwein­fässer , vorliege und welche Frist in diesem Falle für die periodische Nacheichung ststzusetzen wäre. Die Kämmer erklärte sich ent­sprechend ihrem früheren Beschlüsse und den Wünschen der In­teressenten des Kämmerbezirks für die Einführung der Eichpfticht und die periodische Nacheichung innerhalb 5 Jahren.

5. Bestechung von Angestellten. Entsprechend einer Verfügung des G-rvßh. Ministeriums des Innern hat die Handels­kammer nochmals Erhebungen über die Bestechung von Ange­stellten, namentlich bei den HaTldlungsgehilfen-Organisationen des Kämmerbezirks, angestellt. Wenn auch von den Handlungsgehil- fen-Verbänden Fälle von Bestechungen nicht mitgeteilt worden sind, so beschloß die Kämmer doch für eine entsprechende Ergänz­ung des Gesetzes zur Bekämpstlng des unlauteren Wettbewerbes einzutreten,, da diese Unsitte in manchen Geschäftszweigen sehr verbreitet ist, und ihr weder mit den jetzigen gesetzlichen Be­ltimmungen, noch auf dem Wege der Selbsthilfe genügend ent­gegengetreten werden kann.

6. Han-delSvertragsverhandlungen mit den Vereinigten Staaten von 9f m e r i F n und Spanien. _ Für die Hcmdetsvertragsverhandlungen mit den Vereinigten Staaten und Spanien hat die Handelskammer bei den interessier­ten Firmen ihres Bezirkes eine Umfrage veranstaltet, deren Er­gebnisse demnächst dem Reichskanzler übermittelt werden sollen. Mgesehen von besonderen Wünschen einzelner Industriezweige, insbesondere der Maschinen-, Pappen- und Hutfabrikation, beschloß die Handelskammer den Abschluß von Tarifverträgen mit beiden Ländern auf der Grundlage gegenseitiger Meistbegünstigung zu befürworten. Außerdem wird sie für eine Erleichterung der jetzt durch geradezu chikanöse Formalitäten erschwerten Einfuhr nach den Vereinigten Staaten, sowie für tunlichste Umwandlung der Wertzölle in spezifische Zölle und eine gerechtere Verteilung der Höhe der amerikanischen und deutschen Zollsätze eintreten.

7. Behandlung der Handlungsreisenden in Bulgarien.

Im Oktober d. Js. soll in Bulgarien ein Gesetz betr. Hand­lungsreisenden in Kraft treten, das gegenüber dem seitherigen Zustande außerordentliche Belästigungen für den Geschäftsreisenden vorsieht. Darnach werden diese einer außerordentlich hohen Be­steuerung unterworfen und müssen sich eine überaus lästige Kontrolle ihrer geschäftlichen Tätigkeit durch die lokalen. Be­hörden gesallen lassen. Verletzungen der vorgeschriebenen Ver­pflichtungen sollen mit hohen Geldstrafen geahndet werden. Durch derartige Bestimmungen wird der geschäftliche Verkehr mit bul­garischen Firmen außerordentlich erschwert und die Handels­kammer beschloß deshalb, bei dem Reichskanzler dahin vorstellig zu werden, daß jene Vorschriften beseitigt oder erheblich gemildert werden.

8. Reform der Personentarife. Die in der letzten Zeit verbreiteten Nachrichten über die Einzelheiten der geplanten Versonentarifreform und namentlich die Erklärungen des preu­ßischen Ministers der öffentlichen Arbeiten haben die Befürchtung wachgerufen, daß die Reform der Personentarife neben der er­wünschten Vereinfachung und Vereinheitlichung des Tarifwesens in vielen Fällen eine Verteuerung des' Reiseverkehrs zur Folge haben wird. Die Handelskammer muß sich diesen Befürchtungen anschließen und erblickt in der Neuregelung des Gepäcktarifs lAnf- hebnng des Freigepäcks) und der Einführung von Schnellzug­zuschlägen eine Belästigung und Verteuerung des Reiseverkehrs und beschloß in diesem Sinne an den preußischen Minister der öffentlichen Arbeiten eine Erklärung zu richten.

9. Eingänge:

a) Faulhaber, der kaufm. Lehrvertrag nebst Musterformu­laren.

b) Bericht über die Verhandlungen Betr. Vertrag für Ge­treide-Abladungen von der russischen und deutschen Ostsee, Berlin, Börse 24.25. Mai 1905.

c) Deutsch-Niederländischer Vertrag für Mladungen von der russisck>en und deutschen Ostsee, 1905, Nr. 2.

d) Deutsch-Niederländischer Vertrag für Madungen von der russischen und deutschen Ostsee (gesund ausgeliefert) 1905, Nr. 3.

e) Bericht über die Versammlung von Vertretern des nieder­ländischen und des deutschen Getreidehandels, Berlin, Börse 23. Mai 1905.

f) Von zuverlässiger Seite sind der Handelskammer Mitteil- ungen zugegangen über die Ursprungsbezeichnung bei der Einfuhr nach Frankreich, den Absatz landwirtschaftlicher Maschinen und Geräte nach dem Dongebiet und dem nörd­lichen Kaukasus, Geschäftsverbindungen mit Amoh (China), den Handel und die deutsche Einftchr in Surinam, den persischen Außenhandel im Jahre 1903/04 mit besonderer Berücksichtigung Deutschlands, die deutsche Einfuhr in La­roche (Marokko), die Warenbeförderung von Djibutis (fran­zösische Somaliküste) nach Europa, die Einfuhr von Baum- wvllstoffen ht Harras, die Handelsverhältnisse dort und in Adis Llbeba (Mefsinien), den Einfuhrhandel Brasiliens in den Jahren 1903 und 1904, das Kreditgeschäft in der Republik Kolumbien, über geschäftliche Erkundigungen in Arequipa (Peru), den Maschinenabsatz, die Gummivroduk- tion, den Bergbau und den Markthallenbau daselbst, Waren­absatz und -Herstellung, Eisen- und Kurzwarenhandel in Santiago (Chile), die Glimmerminen in Argentinien, ferner über zwei amerikanische industrielle Gründungen.

Die Eingänge können während der üblichen Geschäftszeit im Bureau der Handelskammer eingesehen werden.

Aus Stadt und Knud.

* Kollision zwischen einem Automobil und einem Lastwagen. Gestern nachmittag gegen */2 6 Uhr stieß an der Ecke zwischen Marburgerstraße und Wieseckerweh ein fremdes Automobil, aus unserer Stadt kommend, mit einem Lastfuhrwerk zusammen, welches aus Wieseck kam. Größere Beschädigungen trug zum Glück keines der beiden Fahrzeuge davon. Die Schuld liegt diesmal ausnahmsweise nicht auf der Seite des Automobillcnkers, der rechtzeitig Signale gab, sondern der Lenker des Wagens fuhr in über­mäßig schnellem Tempo.

** Ein Hotelprojekt des Großherzogs. Der Großherzog wünscht, wie uns aus Darmstadt berichtet wird, die Errichtung eines großen, modernen Hotelbaus in dev Nähe des Schlosses im alten Palaisgarten. In diesen Tagen haben mit verschiedenen Frankfurter Baufirmen dieser- halb Verhandlungen stattgefundcn. Der betr. Unternehmer soll für den Platz 500 000 Mk. zahlen und sich verpflichten, einen modernen Hotelpalaft dort zu errichten. Zu den Bau­kosten leistet der Großherzog einen Zuschuß. Wie verlautet, wünscht der Großberzog hauptsächlich deshalb die Errichtung eines Hotels in der Nähe des Schlosses, damit er dort seine G ä st e jederzeit bequem unter bringen kann. Er würde zu diesem Zwecke die erste Etage des Hotels dauernd mieten. lieber die Einzelheiten des Projekts sind noch keine Entschlüsse gefaßt.

(-) Griedel, 20. Juli. Durch Feuerlärm wurden heute unsere Einwohner erschreckt. Gegen i/,7 Uhr morgens brannte eine Schen er, und da die meisten Leute schon auf dem Felde beschäftigt waren, fehlte es anfangs an der nötigen Hilfe, weshalb das Feuer um sich griff und noch zwei weitere Scheuern einäscherte sowie zwei Wohnhäuser anbrannte. Die Ursache des Feuers ist unbekannt.

R. B. Dar in st a dt, 21. Juli. (Eigener Drahte bericht.) Der Großherzog und die Großherzogin sind heute vormittag um * I. 2 3/4 10 Uhr wieder auf Station Egelsbach eingetroffen und von dort nach Jagdschloß Wolfs­garten gefahren.

-o- Alzey, 19. Juli. Die 7 3 jährige Hebammt Geiß vergiftete sich heute mit einem Fläschchen Lysol. Die allgemein geachtete Frau fürchtete, bei ihrem hohen Alter auf Verdienst verzichten zu müssen. Ihr Mann ist schon seit langen Jahren als Trunkenbold bekannt. Die Ehe war kinderlos.

Wetzlar, 20. Juli. Ihre Majestät die Kaiserin und Königin hat auf die Immediateingabe des Pfarrers Brü nger zu Erda zur Deckung der infolge der Typhus- epide mie dort entstandenen Kosten und zur Gründung einer evangelischen Frauenhilfe einen Beitrag in Summa von 500 Mk. bewilligt. (W. A.)

Frankfurt, 20. Juli. Aus Einladung der geschäfts» führenden Vereinigung eines für Frankfurt geplanten Schillertheaters hatte sich am Dienstag abend eine Anzahl Herren zu einer Besprechung über die Bedürf­nisfrage eines volkstümlichen Theaters einge­funden. Einigen von Dr. Poppe gemachten Ausführungen über Wesen und Ziele der Volksbühne im allgemeinen, einem Bericht über die -Erfolge der Berliner Schillertheater und einem Ausblick auf die hier beabsichtigte Gründung folgte eine angeregte Aussprache. Schließlich kam man zur einstimmigen Annahme einer Resolution, in der die An­wesenden mit Freude und warmem Interesse den Plan der Errichtung eines vollstümlichen Theaters in Frankfurt be­grüßten. Sie glauben, daß ein Theater auf gemeinnütziger Grundlage mit niedrigen Eintrittspreisen und Spielbeginn um 8 Uhr dem Verlangen weiter Kreise Rechnung tragen wird und versprechen sich insbesondere eine wertvolle Förderung der in Frankfurt gepflegten Volksbildungs- und Volkskunstbestrebungen.

Frankfurt, 20. Juli. Der Prinz von Sagan» Mario Pierre Camille Louis Helie, Graf von Perigord, fiüher zu Paris, jetzt unbekanyten Aufenthalts, wird von einer hie­sigen Firma in öffentlicher Zustellung zum 8. September vor die zweite Kammer für Handelssachen des hiesigen Landgerichts geladen. Es handelt sich um einen auf den Prinzen gezogenen Wechsel vom 1. Mai 1903 über 61661 Mk. 26 Psg., zahlbar gewesen am 1. September 1903, den der Prinz bei Verfall auf Vorzeigen nicht eingelöst hatte und daher zum Protest kam. Der Prinz ist der älteste Sohn des Herzogs von Sagan; infolge mehrfacher Zwistigkeiten mit seinem Vater hat er sich mit seinen Angehörigen entzweit.

Vom Feldberg, 19. Juli. Der Bauunternehmer Brendel aus Oberreifenberg führt gegenwärtig bauliche Ver­änderungen am neuen Feldberghause aus. Auf feinem Heimwege geriet er mit zwei Maurern in Streit, in dessen Verlauf der eine auf ihn einschlug, während der andere ihm einen Messerstich in die Lunge versetzte. Lebens­gefährlich verletzt brachte man B. in seine Wohnung; der Messerheld wurde verhaftet und in das Gerichtsgefängnis nach Königstein verbracht.

Gießen, 21. Juli 1905.

* Doktorjubiläum. Der Universitätsprofessor i. R. und Geh. Regierungsrat Dr. Karl Umpfenbach hier be­geht heute die Wiederkehr des Tages, an dem er vor unfzig Jahren zum Dr. phil. promoviert wurde. Aus diesem Anlaß wurde ihm das Doktordiplom durch die philo- ophische Fakultät erneuert und heute mittag durch den der­zeitigen Dekan, Prof. Dr. Sauer mit den besten Glück­wünschen überreicht.

* * Der Juxplatz an der Lahn wird am Samstag und Sonntag noch einmal für das vergnügungsbedürftige Publikum geöffnet sein.

* * Wieder gefunden. Ein vor kurzem hier ge- toh lenes Fahrrad wurde gestern im Stadtwald an der Licherstraße aufgefunden und dem Eigentümer wieder zu- gestellt.

" Diebstahl. In einem hiesigen Gasthause ent­wendeten in der verflossenen Nacht zwei Gäste ihrem Schlaf­genossen 40 Mk. und Uhr nebst Kette und gingen flüchtig.

* Brand. Das Feuerw ehrfest ist, so wird uns erst heute bekannt, nicht ohne Brand vorübergegangen. In einem Hause in der Neusta dt entstand in der Nacht vom Montag auf Dienstag, während des Festtrubels, ein Brand, der je­doch rechtzeitig bemerkt und von einigen Feuerwehrleuten ab­gelöscht wurde. Der entstandene Schaden ist deshalb auch nur gering.

** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den N a'ch b a r ft a a t c n. Der Assistent beim Gewerbe- und Kauf- manusqericht in Frankfurt a. M., Diehl, hat sich während einer Revision vom Dienste entfernt und war seitdem verschwunden. Zu der Bureaukasse fehlen 400 Mk. Wie dieKl. Pr." berichtet, bot Diehl sich erhängt; seine Leiche wurde am Mittwoch in ferner Wohnung aufgefunden. Wegen Unterschlagung wurde ein Unter- offner vom Jnf.-Neg. Nr. 115 in Darmstadt verhaftet. Das Dekanats-MifsionSsest des Dekanats Lauterbach fand am 19. d. M. in Maar statt. Um 10 Uhr predigte Pfarrer Möller- Rendel, die Festpredigt hielt Pastor Lohmann, Lehrer des Mtfstons-Seminars zu Leipzig. Nachmittags fand eine Versamm­lung im Freien statt.

VerniSTehreo.

* Wie man bei Ehescheidungsprozessen sich 'leiben soll. Aus London wird berichtet: Die junge Frau Prevost, der es gelang, sich vor einiger Zeit von ihrem Niann scheiden zu lassen, erschien diesmal vor Gericht, um einen anderen Mann wegen Bruchs des Eheversprechens zu verklagen. Es stellte sich zunächst heraus, daß sie bereits ange Zeit, ehe sie ihren geschiedenen Mann des Ehebruchs beschuldigte, mit dem nunmehr angeklagten Mann uner- aubten Verkehr hatte. Diese Entdeckung ries große Entrüstung hervor, die sich noch steigerte, als im Verlaus der Verhandlung em Schreiben zur Verlesung gelangte, das der Klägerin während ihres Ehescheidungsprozesses von einem Rechtsanwalt zugegangen war, mit dem die Dame ebenfalls ziemlich vertraut gewesen ru fei» w>eint Der