Klage an AlfonS XIII» gerichtet und die Antwort des Königs in dem „Bolotin Oficiah Ecclesiastico* vom 12. d. MtS. veröffentlicht. Die Anwort lautet:
Sehr verehrungswürdiger Herr Kardinal!
Ich habe den Briet Eurer Eminenz vom 22. des vorigen Monats mit grobem Interesse und tiefgehender Teilnahme zur Kenntnis genommen. Sein Inhalt bestätigt mir vorher empfangene Mitteilungen, wonach in der katholischen Stadt Barcelona eine neue protestantische Kapelle errichtet werden soll. Wie sehr mir daran liegt, diese Angelegenheit gemäß der unzweifelhaft im Wortlaut der Derfaffung gegebenen Grundlage und ihrer späteren Handhabung zu schlichten, geht auS der Tatsache hervor, daß ich den Vorfall vor Tagen im Rate meiner Minister zur Sprache brachte, um mit ihnen über die zweckmäßigsten Mittel zu beraten, wodurch ein mit den in Kraft stehenden Gesehen und mit der allgemeinen Empfindung des Volkes in Widerspruch stehender M i ß b r a u ch abgestcllt werden könne. AlS katholischer König und als ergebener und gläubiger Sohn deralleinselig machen den Kirche bin ich tie bekümmert durch diesen neuen Anschlag gegen den Glauben unserer Väter und die Religion des Staates, dessen Geschicke die göttliche Vorsehung mir zu vertrauen für gut hielt: ich zögere nicht, Herr Kardinal, zu versichern, wie sehr ich als konstitutioneller Monarch darauf bedacht bin, daß unter meiner Regierung die Pläne zunichte werden, die Eure Eminenz mir mitteilen, deren Segen ich erbitte, indem ich meine respektvolle Hochschätzung und mein gnädiges Wohlwollen ausspreche. Alfonso.
Die Veröffentlichung dieses Briefes ist vielleicht eine Indiskretion des Kardinals, bezeichnend und interessant ist der Brief aber, umsomehr, da der König sich anschickt, ins Ausland zu reisen und eine Braut zu suchen.
Kcer und Klottk.
— Vom deutschen Flotten verein. Die Mit- ylieder des geschäfts führend en ^Ausschusses, Generalmajor J. D. Menges und Keim begründen ihren Mstritt aus dem Vorstande des Vereins folgendermaßen:
„Innerhalb des Präsidiums des Deutschen Flottcn- vereins waren vor einigen Wochen Meinungsverschiedenheiten entstanden über das Maß von Rücksicht, das auf die Reichsregierung und die politischen Parteien hinsichtlich der Agitation zu nehmen ser. Infolgedessen hatten die beiden Unterz-eickmeten ihren Austritt aus dem Präsidium angezeigt,diese Austrittserklänmg aber im Interesse unserer Sache wieder zurückgezogen, nachdem dem Eingreifen des Präsidenten die Wiederherstellung des kollegialen Einverständnisses gelungen war.
Nunmehr sind mit jenen Vorfällen in innerem Zusammenhänge stehende Ereignisse eingetrcten, die uns eine weitere Tätigkeit in der Präsidialgeschäftsstelle unmöglich erscheinen lassen. Wir treten zurück, weil wir es dem Verein wie uns selbst schuldig sind, uns mit der eigenen Ueberzeugung nicht in Widerspruch zu setzen.
Fünf bezw. vier Jahre haben wir dem Präsidium angehört und während dieser Zeit ehrenamtlich nach bestem Wissen und Können der großen nationalen Sache gedient, als welche wir die Bestrebungen des Deutschen Flottenvereins ansehen. Während unserer Zugehörigkeit zum.Präsidium haben wir das Glück gehabt, viele tüchtige patriotische Männer kennen 311 lernen, denen wir für treue Mitarbeit und wertvollen Beistand zu herzlichem Dank verpflichtet bleiben."
— Neue unverbürgte Kaiser Worte werden durch Berliner Blätter verbreitet. Eine Aeußerung des Kaisers soll im Ofsizierkasino des Königs-Jnfanterieregi- ment Nr. 145 in Metz gefallen sein. Dort soll der Kaiser gesagt haben: „Meine Herren! Der Parademarsch meines Regiments war nicht gerade berühmt; aber ich habe beide Augen zuaedrückt, weil man mit dem ParademarschnichtdenFeindschlagt. Das haben die Japaner gezeigt, die keine gute Parade machen, aber gut marschieren und kämpfen." Wie weit diese Mitteilung über diese Aeußerung des Kaisers der Wahrheit entspricht, läßt sich hier so wenig konstatieren, wie bei den Auszügen, die über die Wilbelmshavener und die Straßburger Kaiserreden in der Presse auftauchten. Uebrigens ist das Maje st ätsbeleidigungs versah reu, das vor einigen Tagen gegen den Urheber der unrichtigen Mitteilungen über die Wilhelmshavener Rekrutenrede des Kaisers eingeleitet wurde, nach der „Magdeb. Ztg." bereits wieder eingestellt worden.
Ans Stadt mrd Land.
Gießen, 22. Mai 1905.
•* Die Herstellung von Büchsengemüsen und Konserven. Das Herannahen der Erntezeit für Gemüse und Früchte, welche zur Herstellung von Konserven benutzt werden, legt, wie wir auf Wunsch wiederholen, im Hinblick auf die in Darmstadt im Januar vor. Js. durch den Genuß von Bohnensalat verursachte Vergiftung mehrerer Menschen nahe, in Erinnerung zu bringen, daß die Erzeugung des Giftes nach den alsbald veranlaßten wissenschaftlichen Untersuchungen weder mit dem Material, aus welchem die Konservenbüchsen hergestellt waren, noch mit ungenügendem Luftabschluß in Zusammenhang gebracht werden konnte. Es hat sich vielmehr ergeben, daß auch bei untadel- haftem Luftabschluß in Gemüsekonserven Spaltpilze zur Entwicklung und Vermehrung gelangen können, welche in ihrer Stoffwechselproduktion heftig wirkende, dem Fleisch- und Wurstgift ähnliche Gifte zu erzeugen und die menschliche Gesundheit schwer zu schädigen vermögen. Von dem damaligen Direktor des hygienischen Instituts unserer Landesuniversität, Geh. Medizinalrats Prof. Dr. Gafsky, ist bereits in einem Berichte an die Großh. Staatsanwaltschaft Darmstadt vom 11. Juli v. I. die Vermutung ausgesprochen worden, daß die giftbildenden Keime mit Düngerflüssigkeiten an die Bohnen und damit in den Büchsen zur Vermehrung gelangt seien, und diese Vermutung konnte bis jetzt nicht entkräftet werden. Gegenüber der Benutzung von Jaucheflüssigkeiten zur Düngung von Gemüsepflanzen ist deshalb aus die Gefahren aufmerksam zu machen, welche der menschlichen Gesundheit durch ein solches Düngungsverfahren dann erwachsen können, wenn die Jauche mit den Gemüsepflanzen selbst in Berührung kommt und die darin etwa enthaltenen chädlichen Keime auf den Teilen der Pflanze/ welche dem menschlichen Genuß dienen, eintrocknen. Es ist deshalb strenge darauf zu achten, daß die Pflanze selbst, sowie ihre Früchte mit der zum Düngen benutzten Jauche nicht beschmutzt werden, zumal es bekannt ist, daß auch andere durch Spaltpilze veranlaßte Infektionskrankheiten, wie Typhus und Ruhr, auf diesem Wege entstehen können. Als selbstverständlich muß es gelten, daß bei der Bereitung von Konserven peinlichste
Reinlichkeit beobachtet werde und daß alle Konserven, die beim Oesfnen der Büchse einen üblen Geruch erzeugen, vom Genuß unbedingt ausgeschlossen werden. Eine gehörige Erhitzung der Gemüse beim Einkochen und eine nochmalige Erhitzung vor dem Genuß muß dringend an-geraten werden.
** Der Kunstverein für das Großherzogtum Hessen hielt, so wird uns aus Darmstad't berichtet, seine diesjährige Hauptversammlung unter dem Vorsitz des Provinnaldirektors Frhrn. v. Graney ab. Nach dem vom Geschäftsführer, Rentner Schwab, erstatteten Jahresbericht wurden im abgelaufenen Jahr in der Kunsthalle 808 Oelgemälde, 79 Aquarelle und Pastelle, 133 Zeichnungen, 67 Radierungen und 26 plastische Werke ausgestellt. In Gießen waren 516 Oelgemälde, 95 Zeichnungen und Lithographien, 17 Temperagemälde und 3 plastische Werke ausgestellt. Unter den ausgestellten Bildern waren Kollektivausstellungen von Wolf und Karl Beyer- Darmstadt, Karl Groll und Hermann Schlegel-Darmstadt, Georg v. Hößlin und Walter Gerken-München, Wilhelm und Henriette Steinhausen-Frmrkfurt a. M., Rud. Schramm- Zittau, F. T. Lange-Dedekam-Berlin, Thorolf Hohnbon- Ehristiania und anderen ausgestellt. Zum Kunstblatt für die Vereinsmitglieder für 1904 wurde die Radierung von Prof. Philipp Frank „Schwerer Dienst" gewählt. Nach dem von Negienmgsrat Lang erstatteten Rechenschaftsbericht stellen sich die Einnahmen und Ausgaben des Vereins auf 21179 Mk. Der Voranschlag für 1905 weist 17 700 Mk. an Ausgaben auf. Bei der Wahl des VerwaltungSrats wurden die bisherigen Mitglieder wiedergewählt; nur für Herrn Bennighof erfolgte die Neuwahl des Oberlehrers H ö l g e r. Später entspann sich noch eine lebhafte Diskussion über verschiedene, aus der Versammlung gestellte AUträge (Kraft und Genossen! Die wichtigsten gehen dahin, daß 1) bei Neuwahlen der Vorstand zu einem Drittel aus bildenden Künstlern und zu zwe: Dritteln aus Kunstfreunden bestehen solle, 2) daß den Mitgliedern ermöglicht werden soll, ihre ausgelosten Kunstwerke auf Grund von Berechtigungsscheinen selbst auszuwäblen, 3) ein Vereinslokal zu gründen, in welchem sich Künstler und Kunstfreunde zum gegenseitigen Gedankenaustausch zusammenfinden, 4) Schaffung von Mitteln für Kunstbestrebungen, die öffentlichen Zwecken dienen sollen usw. Sämtliche 'Anträge wurden nach langer Debatte einem Ausschuß zur Vorberatung überwiesen.
* * Hist0rische Kommission für Hessen und Waldeck. Im Senatssaale der Universität in Marburg fand am fand am 20. Mai, wie uns berichtet wird, die achte Jahresversammlung der Historischen Kommission für Hessen und Waldeck statt. Ihr ging eine Sitzung des Vorstands am gleichen Tage vorauf. Neben den in Marburg wohnenden Patronen und Stiftern waren von auswärts eingetroffen u. a. Geh. Hofrat Prof. Dr. Behaghel, Geh. Hof- rat Prof. Dr. Haupt, Prof. Dr. Köhler und Kreisamtmann Dr. Kranzbühler aus Gießen. Der Vorsitzende, Prof. Frhr. v.d.Ropp teilte mit,daß der Oberh. Geschichtsverein in Gießen an Stelle von weiland Prof. Hvhlbaum Geh. Hofrat Prof. Dr. O. Behaghel in den Vorstand delegiert habe. Zn Mitgliedern der Kommission wählte die Versammlung Prof. D. Bauer, Marburg, Oberlehrer Helmke, Friedberg, Prof. Dr. Heymann, Marburg, Oberlehrer M. G. Schmidt, Marburg, Prof. Dr. Röschen, Gießen. Die Rechnung des Schatzmeisters, Geh. Archivrat Dr. Kö n n e ck e, dem die Versammlung die Entlastung für seine Rechnungsführung erteilte, ergab eine Einnahme von 25140 Mk. gegenüber einer Ausgabe von 19 078 Mk. Erschienen sind im Lause des Jahres der erste Band des Urlunden- buches der Stadt Friedberg, bearbeitet von Dr. Foltz und Dr. Der sch, die vierte (Schluß-) Lieferung des Hessischen Trachtenbuches von Geh. Rat Prof. Dr. Justi und die Festschrift der Kommission zum 400. Geburtstage des Landgrafen Philipp „Die Bildnisse Philipp des Großmütigen", bearbeitet von Geh. Archivrat Dr. Könnecke und Pros. Dr. von Drach. — Der Versammlung wurden ferner vorgelegt die Tafeln und andere Textbogen des von Dr. Buchenau in Weimar bearbeiteten Werkes über den „Münzfund von Seega", welches in einigen Wochen wird ausgegeben werden, sowie eine größere Anzahl von Bogen des ersten Bandes der hessischen Chroniken, welche Professor Diemar bearbeitet.
• • Die Generalaussperrung im Schneidergewerbe ist nunmehr in 63 deutschen Städten in Kraft getreten. Der Arbeitgeber-Verband hat an seine Mitglieder für den schwebenden Arbeitskonflikt folgende Anweisungen auS- gegeben: Es darf kein Arbeiter beschäftigt werden, der den vom Zentralausschuß ausgegebenen Nevers nicht unterzeichnet wt. Die Namen der Arbeitswilligen sind innerhalb zwölf Stunden nach Vorlegung des Reverses an die Arbeiter dem Lokalverbandsvorsitzenden bekannt zu geben. Ebenso ist ein namentliches Verzeichnis der Nicht-ArbeitSwilllgen und demzufolge Entlassenen oder Streikenden an gleicher Stelle ein- zureichen. In Fällen dringender Aufträge, z. B. bei Trauer- allen, wird ein Komitee für Fertigstellung solcher Arbeit nach Möglichkeit sorgen. Heimarbeiter müssen zur Unterzeichnung des Reverses alsbald in daß Geschäft gerufen werden. Unterhandlungen mit der Arbeiterschaft nach Ausbruch des Streiks sind unter allen Umständen unstatthaft und für den Allgemeinen Deutschen Arbeitgeber-Verband für das Schneidergewerbe unverbindlich.
* * Eine schlaue Odenwälderi n. Folgendes Ge- chichtchen erzählt man sich zur Zeit im vorderen Odenwald. Der Landwirt Hannes in einem kleinen Orte unserer Gegend pricht gern dem Alkohol zu, aber es fehlt ihm leider (?) immer an Geld und die Wirte borgen einmal nicht gern. Sein Weibchen hat die Hosen an und Hannes hat seine Schwierigkeiten, wie er zu Geld kommt. Hannes wollte nun kürzlich wieder seinen Kleesamen in klingende Münze, hinter dem Rücken seiner Frau, umsetzen und versteckte ihn in einem Sacke im Gerstenhaufen auf dem Speicher, um ihn eines Abends wegbringen zu können. Seine schlaue Ehehälfle merkte dies aber, leerte den Kleesamen aus und tat ihrem Hannes eine ganz neue Sorte in den Sack. Eines Abends packte nun Hannes, als er sich sicher fühlte, den Sack auf, trug ihn in einen eine halbe Stunde entfernten Ort zu einem anderen Landwirt. Bevor dieser aber zahlte, besichtigte er die Ware und siehe da — c5 war ein Sack voll Sand. Beide waren stutzig und Hannes verging aller Durst.
y. Bad --Nauheim, 22. Mai. Nach der amtlichen Statistik hat die diesjährige Kur einen sehr glänzenden Anfang genommen, indem die Zahl der anwesenden Kurgäste diejenige des Vorjahres bereits 11 in 840 ü b e r- sch ritten hat. — Auf die telegraphischen Begrüßungen des Kaisers uno des Großherzogs aus Anlaß d Sp»udel-
feier stns von beiden Herrschern Danktelegramme ein«! llelaufen. — Folgende Unterhaltungen finden in diese- Woche statt: Dienstag nachmittags und abends auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends im Saale Zauber- Vorstellung des Hofzauberkünstlers Bellachini aus Marburg.' Mittwoch nachmittag und abends auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends Theatervorstellung: „Die große Leidenschaft." Donnerstag nGdjmittog§ und abends aus der Terrasse Konzert der Kurkapelle mit Einlagen des Posaunen- Virtuosen Hofmusiker Serafini Alschausky aus Darmstadt. Bei gutem Wetter abends 9 Uhr bengalische Beleuchtung des Parkes vor der Terrasse. Abends'im Saale Tanz. Freitag nachmittags und abends auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends Theater-Vorstellung: Gastspiel Mlle. Viola Villany: Varfußtanz, Tanzidyllen aus der Mythologie und Neuzeit, dazu: „Wenn wir altern." Samstag nachmittags und abends auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends Theatervorstellung: „Niobe." Sonntag den 28. Mai: Konzert der Kapelle des 2. Großh. Hess. Infanterie-Regiments Kaiser Wilhelm Nr. 116 aus Gießen. Abends von 8 bis 91/2 Uhr im Saale Symphonie-Konzert der Kurkapelle.
(") Ranstadt, 20. Mai. Heute nachmittag gegen V» 3 Uhr zog ein schweres Gewitter über unseren Ort. Ein Blitzstrahl fuhr in die Scheune des Bürgermeisters Birk en stock und zündete. Durch die rasch berbeigeeilte Feuerwehr wurde das Feuer erstickt, sodaß der Schaden gering ist.
Alsfeld, 19. Mai. In den Tagen vom 1.—3. Jull d. I. wird das Gauturnfest des Gaues Hessen abgehalten, und der Festort rüstet sich hierzu mit außerordentlichem Eifer. Der Verlauf des Turnfestes wird wohl sehr glanzvoll werden, zählt doch der Gau Hessen im ganzen 68 Vereine mit weit über 6000 Mitglieder, beinahe das Doppelte als im Jahre 1886, als da§ gleiche Fest in Alsfelds Mauern gefeiert wurde.
U. B. Darmstadt, 21. Mai. Der Großherzo g und die Großherzogin sind gestern abend kurz vor halb 6 Uhr von den Mainzer Festlichkeiten und dem Besuch beim Kaiser in Wiesbaden wieder hierher zurückgekehrt.
B. B. Groß-Gerau, 21. Mai. Gegen den vor einigen Tagen plötzlich vom Amte suspendierten Kreis- amtmann Dr. Kehrein in Groß-Gerau ist gestern von der Staatsanwaltschaft die Untersuchung wegen Sittlichkeitsvergehens, begangen an schulpflichtiges Kindern, eingeleitet worden. Die Beschuldigungen gegen Dr. Kehrein, einem noch jungen und strebsamen Beamten, sind jedoeh weniger schwerer Art, als die gegen den Geh. Oberbergrat CheliuS. Dr. Kehrein wurde daher auch nicht in Untersuchungshaft genommen.
Offenbach, 20. Mai. In der letzten Sitzung der Stadtverordneten-Versammlung wurde ein VertragS-Entwurj mit der Stadt Frankfurt wegen Uebernahme und Betrieb der jetzigen Offenbach-Frankfurter elektrischen Straßenbahn beraten und genehmigt; ebenso wurde einem Vertrags- Entwurf zugestimmt, der den Neubau und den Betrieb der neuen Bahn regelt. Nach dem letzteren bestand die Absicht, sowohl den Neuball als allch den Betrieb von der Stadt Frankfurt besorgen zu lassen. Der Betrieb sollte auf mindestens 6 Jahre in der Hand Frankfurts bleiben. Neuere Erwäglmgen und Prüfungen haben aber ergeben, daß es sich, da ein Elektrizitätswerk ohnehin dringend erforderlich ist, empfiehlt, den Bau und den Betrieb von der Stadt selbst zu übernehmen und zwar im Hinblick aus die Fortführung der Bahn nach Bürgel und Numpenheim. Eine vorläufige Prüfling der einschlägigen Fragen durch Sachverständige ist zu gunften des selbständigen Vorgehens der Stadt in Gemeinschaft mit Frankfurt ausgefallen, sodaß man wohl von einer Verpachtung der Bahn an Frankfurt absehen wird, was schon im Interesse von Bürgel und Numpenheim zustimmend zu begrüßen ist, da Frankfurt keine Neigung zeigte, diese Strecke zu bauen und zu betreiben. (O. Ä.)
Mainz, 20. Mai. Heute vormittag hatte der Bischof Dr. Kirstein eine Audienz bei Ihren Königl. Hoheiten dem Großherzog und der Großherzogin. Die Beigeordneten Bürgermeister Dr. Göttelmann und Baurat Kuhn haben die Krone zum Nitterkreuz 1. Klaffe des Philippsordens erhalten. — Gestern nachmittag wurde ein hochelegant gekleideter Herr verhaftet, der auf dem Pfandhaus 8 5 Rubinst eine versetzt hatte. Derselbe Mann, der in einem vornehmen Wiesbadener Hotel wohnt, war schon einmal vor einiger Zeit hier, um Goldsachen zu versetzen. Er gab sich bei der Polizei als Kaufmann auS, mußte .ober später zu- geben, daß er Friseur ist. Bei seiner Festnahme war er sehr bestürzt. Er hielt sich in einem Wirtshaus in der Nähe des Pfandhauses auf und war dort dem Wirt aufgefallen, der die Polizei benachrichtigte. Der Mann wurde natürlich in Haft behalten und sofort Ermittelungen darüber angestellt, auf welche Weise er in den Besitz der Steine gelangt ist. Seinen Angaben, daß er sie gekauft hätte, schenkte man keinen Glauben.
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Vermiete».
* Von der Kaiserin. Ein eigenartiger, entzückender Anblick bot sich dieser Tage den zahlreichen Beslichern Potsdams dar. Die Kaiserin kam nachmittags 4 Uhr über die Glienicker Brücke gefahren und kutschierte selbst. Hinter ihr in einem zweiten kleinen Wagen kam die Prinzessin Viktoria Luise, ganz in Weiß; das aufgelöste blonde Haar hob sich von dem schneeigen Weiß ab. Auch die Prinzessin kutschierte selbst ihren mit zwei Apfelschimmeln bespannten Wagen. Da die Wagen über die Glienicker Brücke nur sehr langsam fuhren, so konnte das Publikum dieses schöne, anmutige Bild voll genießen. Die Kaiserin hat in den letzten Tagen in Potsdam zahlreiche Besprechungen mit der Oberhofmeisterin der Kronprinzessin gehabt. Das Hochzeitsgeschenk der Kaiserin für ihre Schwiegertochter ist ein entzückendes Brillantenkollier.
* DrekünftigenResidenzen des dentschenKron- prin^enpaareS. Bald nachdem die Verlobung des Kronprinzen mit der Herzogin Cecitie bekannt geworden war, verbreitete sich das Gerücht, der deutsche Thronfolger werde nach seiner Vermählung in der Hauptstadt einer der Preußischen Provinzen für einige Jahre seine Residenz ausschlagcn. Vielleicht war hier der Wunsch der Vater des Gedankens. Es scheint indesien, daß der Kaiser die weitere militärische Laufbahn seines Sohnes ausschließlich in Berlin


