Ausgabe 
20.7.1905 Erstes Blatt
 
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des Wortes ungeeigneten Planes nicht dazu angetan sein würde, die Ruhe im Lande wiederherzustellen, der drohenden Gefahr entgegenzutreten, Rußland von dem Zu­stande der Anarchie zu befreien und es auf den Weg einer friedlichen, normalen Entwicklung auf Grund einer festen Staatsordnung zu führen.

Moskau, 19. Juli. (W. D.) Obgleich der Kongreß der Cemstwos und Dumas die Gossudar Stwennaja-Duma Bulygins, noch irgend einen anderen Plan, welcher keine Volksvertretung im wahren Sinne des Wortes schaffe, an­erkannte, fand er doch tm Hinblick darauf, daß eine Volks­vertretung, welcher Art sie auch sein möge, als, Stützpunkt für die Bewegung zu gunsten der politischen Freiheit dienen solle, daß die vereinigten Vertreter der Semstwos und Städte in möglichst großer Zahl in der Gossudar Stwennaja- Duma, falls diese zustande käme, vertreten seien und dort eine festgefügte Gruppe zur Erreichung der Garantien per­sönlicher und allgemeiner Freiheit bilden solle. Die Un- an nehmbarkert des Entwurfes BulyginS be­gründet der K'ongreß folgendermaßen:

Das auf den Vermögensgenuß und die Klassen­einteilung der Wähler sich gründende Gesetz beraubt die in Aussicht genommene V o l ks v e r t r c t u n g der Mög­lichkeit, die wahren Gedanken und den Willen des Volkes zum Ausdruck zu bringen. Die Beseitigung zahlreicher Kategorien russischer Diirger von der Beteiligung an den Wahlen widerspreche den Grundsätzen der Gerechtigkeit und der weisen Staatspolitik. Das Fehlen der Garantien für die persönliche und allgemeine Freiheit, für die persönliche Unantastbarkeit, sowie die Beaufsichtigung der Wahlen durch die Verwaltungs- und Polizeiorgane schaffte eine Sachlage, bei der die Uebercinstimmung der Wahlresultate und der wahre Wille der Wähler n i ch t g e s i ch e r t ist.

Die weiteren Beweggründe betreffen die nicht genügend garantierte Immunität der Volksvertreter und die fortdauernde Möglichkeit administrativer Willkür gegenüber der Gesamtbevölkerung, sowie die Teilung des Bestandes der Volksvertretung in Sektionen und die Ernennung der Präsi­denten der Plenarversammlung, sowie der Sektionen durch die Regierung. Der vollständige Ausschluß der Oeffent- lichkeit der Sitzung nehme der Gossudar Stwennaja-Duma den Zusammenhang mit der Bevölkerung. Im Gegensatz zu der vom Throne verkündeten Einigung des Kaisers mit dem Volk ver­mittels der Volksvertretung stellt sich das Projekt zwischen den Monarchen und die gewählten Vertreter den Reichsrat und macht die Duma von diesem abhängig. Statt eigene, die Gesetzgebung betreffende Fragen zu stellen, berechtigt das Programm die Duma nur zur formellen Anregung legislatorischer Fragen, gestehe ihr nur eine beratende Stürmte zu und öffne Tor und Riegel für die Entscheidung gesetzgeberischer und das Budget betreffender Fragen ohne das Gutachten der Duma. Einige wichtige Teile des Staatsbudgets würden der Duma gänzlich entzogen, ebenso die Frage der auswärtigen Politik. Außerdem gewährt das Programm der Duma keinerlei faktische Kontrolle über die Verwaltung.

Moskau, 19. Juli. Dem Semstwo-Kongreß dürfen nur auswärtige Journalisten beiwohnen, welche sich ver­pflichten müssen, ihre Berichte nicht an russische Blätter zu geben.

Moskau, 19. Juli. Der Kongreß der Delegierten der Börse und der Industriellen hat den Hauptpunkt des Pro­gramms Kosalewsky angenommen, welcher die Einführung der Nationalvertretung mit allgemeinem Stimmrecht und ein Zweikammcrsvstem fordert.

Aer Krieg.

Sachalin.

Tokio, 19. Juli. (Reuter.) Hier wird allgemein ge­glaubt, daß die Bodengestaltung der Gegend hinter Mauka auf Sachalin, wo die Russen nach der Niederlage bei Daslin e Halt machten, einen weiteren Rückgang nach Norden nicht gestattet. Munitionsmangel wird vermutlich die Russen bald zur Uebergabe zwingen.

Vernichtung eine? amerikanischen Schiffes.

AuZ Tokio wird gemeldet, daß das amerikanische Schiff Ohio" durch eine schwimmende Mine zwischen Port Arthur und den Elliot-Inseln zum Sinken gebracht wurde. Nachdem das Schiff die Mine getroffen hatte, erfolgte eine heftige Explosion und der Dampfer ging innerhalb 5 Minuten mit der ganzen, nu5 28 Mann bestehenden Be­satzung unter. Glücklicherweise hatte das Schiff keine Passagiere an Bord.

Der Auftrag für Paris.

Unserer gestrigen Darlegung über die heikle Mission des Herrn v. Witte ist einer unserer Berliner Mit- ar bei ter in der Lage, eine interessante Ergänzung zu geben. Eine der russi chen Botschaft nahestehende Persönlichkeit be­zeichnet eS als nicht unwahrscheinlich, daß Herr v. Witte, um die französische Goldquelle auf6 neue zu er­schließen, den Auftrag hat, durch Herrn Nouvier die Pariser Hochfinanz an den deutsch-französischen Krieg zu er­innern, den Frankreich auch bis zu dem ihm ungünstigen Ende durchgeführt habe. ES könne also nicht verlangen, daß der Alliirte, dem noch eine große kampfbereite Armee zur Ver­fügung stehe, um jeden Preis Frieden schließe, möge viel­mehr auf dieEhrenpflicht" sich besinnen, im Falle der Ergebnislosigkeit der Washingtoner Konferenz der russischen Regierung die finanziellen Mittel zur glorreicheren Fortführung deS Krieges zu liefern. ES soll dies beiläufig die Auffassung fein, in der der Zar durch seine Um­gebung bestärkt wird.

Nun, Herr v. Witte dürfte mit dem Hinweis auf das Jahr 1871 kein Glück haben, denn Frankreich hat die Kriegs­kosten damals bis auf den letzten Centime aus eigener Tasche bezahlt.

Deutsches ReLch.

Berlin, 19. Juli. Man meldet aus Hernoesand (Schweden):DieHohenzollern" mit dem Kaiser an Bord, der KreuzerBerlin" und das DepeschenbootSleipner" so­wie ein Torpedoboot sind heute nach Myland abgegangen.

Das Handschreiben des Kaisers an den Fürsten Karl Günther von Schwarzburg-Sondershausen zu dessen 25 jährigem Regierungs-Jubiläum hat folgenden Wortlaut:

Durchlauchtigster Fürst, Freund, lieber Vetter! Ich kann mir die hohe Freude nicht versagen, Ew. Durchlaucht zu der Feier de? 17. Juli, als des Tage?, an welchem derselben vor nunmehr 25 Jahren die Regierung Ihrer Lande angetreten haben, meinen innigsten und aufrichtigsten Glückwunsch auszusprechen. Ew. Durch­laucht wollen sich überzeugt halten, daß ich an diesem Tage deS für Dero fürstliches Haus »md Dero Land gleich erfreulichen Festes den herzlichsten Anteil nehme, und daß eS zu meinen leblxiflesten Wünschen gehört, eS möge Ew. Durchlaucht von der göttlichen Vorsehung beschiedeu sein, noch während einer langen Reihe von Jahren dem Wohle Jlwer Untertanen sich widmen und xum Besten unseres gemeinsamen Vaterlandes in so segensreicher Weise wie bisher wirken ztt können. Ich benutze diesen willkommenen Anlaß »u erneuter Versicherung der freundschaftlichsten Gesinnung, womit ich verbleibe Ew. Durchlaucht freundwilliger Vetter Wilhelm LR."

Die Bevölkerung deS Deutschen Reichs hat nach der Schätzung des Kaiserlichen Statistischen Amts im laufenden Jahre 60 Millionen überschritten. Nach dem ©tat. Jahrb. ist die mittlere Bevölkerung des JahreS 1905 auf 60164 000 Köpfe geschätzt gegen 59 364 000 im Jahre 1904 und 58 569 000 im Jahre 1903. Von 1903 zu 1904 hätte hiernach die Bevölkerung um 795 000 und von 1904 zu 1905 um 800 000 zugenommen. Die am 1. Dezember d. Js. stattfindende Volkszählung wird zeigen, wie weit daS rechnungsmäßige Ergebnis von dem wirklichen abweicht. Erheblich wird, so schreibt dieVoss. Ztg.", der Unterschied nach den Erfahrungen bei den früheren Volks­zählungen jedenfalls nicht sein. Die 50. Million überschritt die Einwohnerzahl Deutschlands im Jahre 1892; 1870 be­trug die Bevölkerung deS heutigen Deutschen Reichs 40,8 Millionen, 1855 36,1, 1816 24,8 Millionen. Man kann ungefähr berechnen, daß sich die Bevölkerung des Reichs seit 72 Jahren verdoppelt hat.

Oldenburg, 19. Jul. Die Großh. Staatsanwaltschaft hat gestern endgiltig beschlossen, kein Rechtsmittel im Meyer-Prozeß einzulegen. Der Großherzog ver­sicherte drahtlich den Minister Ruh st rat seines unver­änderten Vertrauens.

Äeet und Stoffe.

Aus dem Militärwochenblatt. Die Zahlmeister Hoffmann vom 1. Bat. d. 4. Großh. Jnf.-Negts. (Prinz Carl) Nr. 118, Boltz vom 1. Großh. Hess. Drag.-Negt. (Garde-Drag.-Regt.) Nr. 23, zu Oberzahlmeistern befördert.

Anstand.

Stockholm, 19. Juli. Die Negierung genehmigte den von der Stadtverwaltung genehmigten Beschluß betr. die Aufnahme einer Anleihe von 50 Millionen Kronen.

Aarhus, 19. Juli. Der deutsche Kronprinz wohnte heute den Uebungen der hiesigen Garnison bei, welche von dem Prinzen Christian befehligt wurde.

London, 19. Juli. (Unterhaus.) Der Vorschlag, eine Anleihe von 58 35000 Pfund Sterling für verschiedene Arbeiten für dieMarine aufzunehmery wird mit 219 gegen 168 Stimmen angenommen. Der Zivil­lord der Admiralität, Lee, bemerkt, daß die Gesamtkosten für die gegenwärtigen Vorschläge der Admiralität, den Hafen in Rofyth betreffend, auf 21/, Millionen Pfund Sterling veranschlagt seien und daß ein Teil dieser Summe in dem Betrage der Anleihe von 5835 000 Pfund Sterling mit- enthalten seien.

Rom, 19. Juli. Ein italienisches Syndikat hat sich zu dem Zweck gebildet, in Tripolis einen Hafen zu bauen.

Tanger, 19. Juli. Es verlautet, der Prätendent sei von seinen meisten Parteigängern verlassen worden. Er verfüge nur noch über wenig Reiterei und einige Fußtruppen und befinde sich auf der Flucht in der Richtung auf Sidi Melluk.

Aus dem Jal)resöerichte der KirßenLr KandclsKurnmer.

UeBer den Gang der einzelnen Geschäftszweige des Bezirks wird u. a. folgendes berichtet:

Der Getreidehandel arbeitete fortgesetzt mit sehr bescheidenem Nutzen; eine Besserung ist hierin noch nicht ein- getreten. Der Handel mit Futtermitteln war ziem­lich befriedigend bei steigenden Preisen und fortwährend knappen Beständen. Scharfe Konkurrenz bereiteten ihm, wie auch dem Düngemittelhandel, die landwirtschaft­lichen Genossenschaften. Der Viehhandel war anfangs lebhaft, flaute aber bei der Dürre stark ab. Der Geschäfts­gewinn war ziemlich gering. Eine schwere Schädigung für Den Viehhandel bilden die landwirtschaftlichen Zucht-Ge­nossenschaften und die häufigen polizeilichen Beschränk­ungen. Die Müllereien wurden wieder benach­teiligt durch die Konkurrenz der großen rheinischen Walzen­mühlen. Der Handel mit Mühlenfabrikaten litt unter starken Preisschwankungen. Die Bierbrauereien hatten einen besseren Geschäftsgang, hervorgerufen durch die heiße Witterung und die Herbstmanöver, dagegen war der Geschäftsgang der Branntwein- und Likör- fabriken recht ungünstig. Der Kolonialwaren­handel war befriedigend. Die Rauchtabakindustrie behielt ihren früheren Umsatz bei, litt aber unter hohen Rohstofspreisen und der Gewährung von Zugaben an die Kundschaft. In der Kautabakfabrikat i'on herrschte wieder ein reger Geschäftsgang. Die Zigarreninou- ftrie erzielte zwar einen gesteigerten Absatz, doch war der Nutzen bei den hohen Preisen der vom Publikum verlangten fahlen Decken, den erhöhten Ansprüchen der Kundschaft in Ausstattung, Fasson und bei der säumigen Zahlungsweise sehr nachteilig bemerkbar.

UeBer dieBergwerks-undHüttenproduktion in der Provinz OBerhefsen ist folgendes zu sagen:

Der Absatz an stark manganhaltigen Eisenerzen war im Berichtsjahre geringer als im Vorjahre. Die Brauneisen­steinförderung im Vogelsberg war zwar größer, doch waren die Preise sehr gedrückt. Die Hochofenproduktion war etwas größer als im Vorjahre, dagegen litt das Ergebnis unter der DerrechnungSwerse des Roheisensyndikates. Die Eisen- gießereiunternehm ungen in Lollar konnten wieder ausgedehnt werden, doch bröckelten die Preise, namentlich für Artikel der Zentralheizungsbranche, fortgesetzt ab. Nur durch starke ProduktionSvermehrung konnte der Preisrück­gang einigermaßen ausgeglichen werden. Der Eisen Han­de l zeigte eine Besserung, besonders in Bauartikeln und Oefen, weniger in Blechwaren und landwirtschaftlichen Ar­tikeln. Die Braunkohlenförderung und Brikett- fabrikation war voll beschäftigt und konnte den Betrieb er­weitern. Wenig befriedigend war der Kohlenhandel. Die Basaltindustrie hatte einen Rückgang ihres Ver­sandes onfÄUttreiJen. Der Geschäftsgang war ungünstig und litt unter denselben widrigen Umständen wie im Vor/ahre. Die Kalkindustrie hatte besseren Geschäftsgang Bei ge­drückten Preisen. Die Schlackensteinfabrikation ging sehr lebhaft, dagegen verlief die Zementwaren­fabrikation bei sehr scharfer Konkurrenz ungünstig. Im Berichtsjahre herrschte sehr rege Bautätigkeit, und dementsprechend waren auch der Geschäftsgang der Dampf­ziegeleien und Berblendsteinwerke, sowie der Handel mit Baumaterialien befriedigend. Kieselgur er&ieltc einen besse­ren Absatz.

Für Werkzeugmaschinen machte sich im Inland ein größerer Bedarf geltend. Die Beschäftigung im Werk-!

zeugmaschinenbau war befriedigend, doch blieben die Preise niedrig. Die Herstellung gesundheitstechnischer Anlagen hatten guten Absatz bei vermehrtem Wettbewerb und gedrückten Preisen. Die Ka ssen schr an kfab rika- tion hatte ein zufriedenstellendes Ergebnis. Die Blech. Warenfabrikation ging flott bei sehr niedrigen Preisen der Fabrikate und hohen Rohstoffpreisen. Die Lampen­fabrikation war wenig befriedigend, dagegen war der Handel mit DeleuchtnngSartikeln in Gießen recht belebt. In der Uhrmacherei herrschte während des größten Teiles des JahreS ein ruhiger Geschäftsgang.

Der Handel mit geschnittenen Hölzern und Masten für elektrische Anlagen hatte ein zufriedenstellendes Ergebnis, dagegen gestaltete sich der Handel mit Gruben- und Schwellenhölzern schleppend. Die Fabri­kation gebogener Möbel batte einen lebhaften Ge­schäftsgang, doch wurde daS Ergebnis durch hohe Rohstoff- und verminderte Fabrikationspreise stark reduziert. Die Zigarrenkistchenfabrikation war gut beschäftigt.

Die Lackfabrikation hatte zwar guten Absatz, doch war der Geschäftsgewinn ungenügend. Der Drogen- und Farbwarengroßhandel erzielte erhöhte Umsätze bei geringeren Gewinnen, dagegen war der Kleinhandel hierin befriedigend. Die Seifenfabrikation litt unter feßr gedrückten Preisen. Jin Petroleumhandel machte sich die Konkurrenz des russischen, österreichischen und rumä­nischen Petroleums gegenüber dem amerikanischen Petro­leum stärker bemerkbar. Die deutsch-amerikanische Petro­leum-Gesellschaft setzte auch im Berichtsjahre ihre Bemüh­ungen fort, durch Errichtung von Tankanlagen in unserem Bezirk festen Fuß zu fassen.

Die Preßspan- und Pappenfabrikation konnte im Inland besseren Absatz erzielen, doch mußte nach wie vor mit sehr gedrückten Preisen gearbeitet werden. Im Papier- und Pappengroßhandel herrschte rege Nachfrage; im Papier­detailgeschäft brachte die zweite Kiffte des Berichtsjahres einen besseren Geschäftsgang.

Die Leinenwebereien waren gut beschäftigt, doch standen die Preise der Fabrikate nicht immer im richtigen Verhältnisse zu denjenigen der Rohstoffe. Der Großhandel mit Tuch und Bukskin hatte bis zum Herbst hin guten Absatz; auch in der Betten- und W ä s ch e b r a n ch e, der Manufakturwaren- und Konfektionsbranche und dem Hut handel war der Absatz befriedigend, dagegen trat in der Korsettfabrikation eine Abschwächung ein.

Die Steigerung der Preise für Rohhäute wirkte un­günstig auf das Ergebnis der Le der fabrikation. Der Schuhwarenhandel zeigte erhöhte Umsätze bei gestiegenen Preisen. Die Kürschnerei hatte Bei der milden Witterung im Vorwinter einen schwachen Geschäftsgang, und auch der Rauchwarenhandel litt unter fallenden Preisen. Der Handel mit Borsten war nur mittelmäßig.

Die Besserung der wirtschaftlichen Verhältnisse äußerte sich im Bankgeschäfte tn einer Vergrößerung der Um­sätze und in einem vermehrten Anlagebedürfnis der Kund­schaft. Jedoch hatte das Bankgeschäft auch im Berichts­jahre unter den schädlichen Wirkungen der Börsen- und BörsensteuergesetzgeBung zu leiden.

Die Zahl der industriellen und kaufmännischen Unter­nehmungen unseres Bezirks hat sich im Berichtsjahre wenig geändert.

Die unzuträglichen Verhältnisse in den Niederlage­räumen des Hauptsteueramts zu Gießen Bilden, so bekundet der Bericht u. a. weiter, seit Jahren den Gegen­stand fortgesetzter Klagen der am zollpflichtigen Warenver­kehr beteiligten Geschäftskreise der Stadt Gießen. Die Nie­derlageräume hoben sich längst für die Bedürfnisse der Industrie und des Handels als unzureichend erwiesen und entsprechen auch in bautechnischer Beziehung keineswegs den Anforderungen, die man cm eine mooerne Mederlage zu stellen berechtigt ist. In einer von uns einberufenen Ver­sammlung von Interessenten wurden diese Mißstände ato gemein anerkannt, und wir richteten daher an das Großh. Ministerium der Finanzen eine Eingabe, in der wir eine Erweiterung der jetzigen Niederlageräume beantragten. Da auch der jetzige Zouschuppen am Güterbahnhof für den Verkehr zu klein ist und seine Entfernung von dem Verwal­tungsgebäude des HauptsteueramtS zu vielen Anständen Anlaß gibt, so schlugen wir vor, bei einem Erweiterungs­bau besonders darauf Rücksicht zu nehmen, daß ein Gleis­anschluß hergestellt werden kann, um den Zollschuppen ant Bahnhof überflüssig zu machen. Insbesondere empfahlen wir dem Großh. ^Ministerium der Finanzen, zu prüfen, ob sich auf dem Gelände der alten Klinik hinter dem ehe­maligen Liebigschen Laboratorium eine hinreichend große: Niederlage mit Gleisanschluß errichten läßt. Sollte sich oiefei; Platz nicht als geeignet erweisen, so erschien uns eine Ver­legung der gesamten öffentlichen Zollniederlagen in die Nähe des Güterbahnbofes, wo sich leicht ein Gleisanschluß Herstellen läßt, als die zweckmäßigste Lösung. Allerdings müßte bei dieser Verlegung der Meoerlage die Zollabfertig­ung für Postpakete in der Stadt verbleiben und außerdemj müßte von einer Beschränkung oder gänzlichen Beseitigung der jetzigen Vrivatlager mit und ohne amtlichen Mitver­schluß Abstcmo genommen werden.

Die für den starken Personenverkehr unzureichenden Warteräume der Biebertalbahn an den Bahn­höfen in Rod heim und besonders in Heuchelheim gaben auch im Berichtsjahre wiederum Anlaß zu Klagen der Reisenden. Da unsere früheren Bemühungen zur Ab­stellung dieser Mißstände noch nicht den genügenden Erfolg gebracht hatten, so sahen wir uns veranlaßt, nochmals bei dem Großh. Kreisamt zu Gießen auf die unzuträglichen Ver­hältnisse hinzuweisen und die Erweiterung der Warteräumv anzuregen.

Die Gießener OmniBusaesellschaft verzeichn nete auf den während der letzten Jahre ein getretenen Rück* gang der Einnahme und der Personenbeförderung im Jahre 1904 eine nicht unbedeutende Zunahme. Die Gesellschaft arbeitet ohne Gewinn, da die Terrain- und Pftasterverhält­nisse der Stadt Gießen für einen Omnibusverkehr nicht geeignet sind.

Ans Stadt und Land.

Gießen, 20. Juli 1905.

** Eine Bäuerin und ihrfalsches Geld^» Eine biedere Bäuerin fuhr dieser Tage nach einem oberhesfi- schon Badeort, um einen Kranken zu besuchen. Bei dem Empfang der Fahrkarte hatte sie, ohne c9 gleich zn merken, ein neues Einhalbmarkftück erhalten. Als die Frau in einer Wirtschaft ihre Zehrung bezahlen wollte, fand sie zu ihrem nicht geringen Schrecken da? neue Geldstück, und mit den Worten:Ach du läiber Goatt, do hunn fe nach on der Eisebohn falsch Geld, so hunn aich noch kan» gehat." Mit diesen Worten wollte sie nach dem Bahnhof eile». Doch der