scheinen gänzlich überrumpelt worden zu sein. EinTele- grarnrn der w$£ime§* vom 20. Juni schildert die Lage der Russen in der Mandschurei als verzweifelt. Die Japaner rücken längs der russischen Front vor.
Mußland in Sturm und Irang.
Nach der offiziösen Petersb. Telegr.-Ag. berichten aus Twer und Moskau ciugegangene Telegramme über den freudigen Eindruck der Worte des Zaren an die Deputation der Eemstwovertreter. Das Twersche Gou- vernementssemstwo beschloß anläßlich des ersten unmittelbaren Empfanges von Vertretern des Landes bei dem ^Kaiser eine Adresse an diesen zu richten. Die Vertreter der Selbstverwaltung werden demnächst in Moskau wieder zusammentreten. — Am 28. Juni findet ein Kongreß der Stadthäupter, am 1. Juli ein solcher der Semstwovertreter und am 3. Juli ein Kongreß der Adelsmarschälle statt. Die Beratungen über die Grundlagen der Organisation der Volksvertretung in der Moskauer Stadtduma haben auf Anordnung des Stadthauptmanns mit Ausschluß der Oeffentlichkeit zu erfolgen. J 1 1
Ganz anders lauten die Priv atnachrichten. Danach ruft das Ergebnis des Empfanges der Moskauer Semstwodeputation beim Zaren allgemeine Enttäuschung hervor. Die Antwort des Kaisers wird nach allgemeiner Uebereinstimmung dahin gedeutet, daß zwar eine neue Korporation, aus Vertretern des Volkes bestehend, gebildet werden soll, aber man ist überzeugt, daß diese Körperschaft zu absoluter Einflußlosigkeit verdammt sein wird.
Die gesamte russ. Presse widmet dem Empfang der Semstwoabgeordneten und der Rede des Zaren umfangreiche Artikel nnd zeigt sich, entgegen den Privatmeldungen, voller Hoffnung. Der Vorgang wird als historisches Ereignis bezeichnet, mit welchem die Geschichte der russischen Volks- .vertretung beginne. Es verlautet, die Absicht, die Juden vom Wahlrecht auszuschließen, sei fallen gelassen worden. Man spricht bereits von einer bevorstehenden Reorgani- sationdesReichsratesin dem Sinne, daß der größte Teil der darin sitzenden Beamten pensioniert und durch gewählte Vertreter ersetzt werden solle.
Die Unruhen im Reiche nehmen indes kein Ende.
In der Kirche zu Stawropol (Kaukasus^ kam es zu einem Streit zwischen Mtgläubigen und Rechtgläubigen; letztere mußten wegen Lärmens von der Polizei aus der Kirche entfernt werden. Tie Rechtgläubigen waren auf den Straßen in so großen Massen, daß Militär herbeigerufen werden mußte, das einige Salven abgab. Elf Personen wurden getötet, ungefähr 40, darunter Fr auen und Kinder, verwundet. Die Verwundeten blieben mehrere Stunden ohne Hilfe auf der Straße liegen, weil den herbeigeeiltcn Aerzten gedroht wurde, es werde auf sie geschossen, wenn sie den Verwundeten Hilfe leisteten. — In Lodz machte ber einem Zusammenstoß zwischen Demonstranten und Militär letzteres von der Waffe Gebrauch. Acht Personen wurden erschossen, fünf schwer und 30 leicht verletzt. 50 Verhaftungen wurden vorgenommen. Bei der Beerdigung von fünf Getöteten kam es zu großartigen Trauerkundgebungen. Ungefähr 50 000 Personen mit roten Fahnen folgten den Leichen, ohne von der Volirei aebindert au werden._______
Kirche und Schule.
— Zu unserer neulichen Notiz über die kirchlichen Zustände in Großalmerode geht uns von anderer Seite eine Zuschrift zu, worin iinicrm dortigen Berichterstatter der Vorwurf der Parteilichkeit gemacht wird: ob mit Recht oder Unrecht, können wir nicht entscheiden. Unseres Gewährsmannes soziale Stellung spricht jedenfalls aber fiirseine Darstellung. Immerhin sei mitgeteilt, daß nach der Ansicht des heutigen Einsenders die sittliche Haltung der Gemeinde und auch ihre Berufstreue sich seit dem Einsetzen der gegenwärtigen religiösen Bewegung gehoben haben soll. Besonders wird auch auf den Rückgang der Steuern für geistige Getränke um etwa 500 Mk. pro 1904 verwiesen.
Ausland.
London, 21. Juni. Aus Newyork kommt die Meldung, daß die Allgemeine Friede ns liga von Amerika den bekannten amerikanischen Milliardär Andrew Carnegie ausgefordert hat, 12 0 Mill, herzugcben, um einen festen Bund zwischen Deutschland, Amerika, England und Frankreich zu fördern. Die amerikanischen Friedensapostel glauben, daß ein solcher Bund den Weltfrieden garantieren könnte. Die Friedensliga schlägt vor, große Friedensinstitute in Berlin, Washington, London und Paris mit dem Gelde Carnegies zu begründen. Die Institute sollen eine eifrige Wirksamkeit für die Verbreitung freundschaftlicher Gesinnungen zwischen den vier Ländern entfalten. Später könnten andere Mächte dem Friedensbund beitreten.
Nom, 21. Juni. Die Deputiertenkammec genehmigte in geheimer Abstimmung die Vorlage betreffend die Vermehrung der Ausgaben für die Kriegsmarine. (Unsere Ausland-Notiz in Nr. 141 von der Vermehrung der Flotte war nicht aus Paris, sondern aus Nom zu datieren.)
Budapest, 21. Juni. Die heutige Sitzung des Abgeordnetenhauses, in welcher sich das Ministerium Fejervary vorstellte, nahmeinen beispiellos stürmischen Verlaus. Nach einem äußerst heftigen Zusammenstoß zwischen der Negierung und der Parlaments-Majorität und nachdem dem Kabinett Fejervary auf Antrag Kossuth ein Mißtrauensvotum erteilt worden war, wurde das Parlament mittelst königlichen Neskripts bis zum 15. September vertagt. Trotz der Vertagung setzte das Haus aber die Beratung fort. Baron Banffy hielt eine längere Rede, in der er das Land aufforderte, der Negierung keine Steuern zu zahlen. Die Liberalen unter Führung des Grafen Tisza entfernten sich aus dem Saale. Es herrscht eine unbeschreibliche Aufregung.
Washington, 21. Juni. Präsident Roosevelt empfing den bisherigen Gesandten in Carracas, Bowen, und teilte ihm mit, daß die Verwaltung auf seine diplomatischen Dienste verzichte, da seine Anklagen gegen den Unter- staatssekretär Loomis, den er der Bestechung beschuldigt hatte, unerwiesen seien.
— Nachdem schon der Gouverneur des Kanaldistriktes Panama infolge Erkrankung an Fieber hierher zurückgekehrt war, hat auch der Haupt-Chefingenieur Wallace, der Leiter des Kanalbaues, der Negierung ohne Angabe von Gründen seine Heimkehr angekündigt. Seit Wochen sind Beamte wie Arbeiter aus Furcht vor dem gelben Fieber nach den Vereinigten Staaten geflüchtet. Nach einjähriger Arbeit sind bisher nur wenige Schaufeln Erde ausgeworsen und l'-'ute steht das Werk total still.
Kus Stadt und Kand.
Gießen, 22. Juni 1905.
•• Versetzung. S. K. H. der Großherzog haben den Hauptsteueramtsrendanten bei dem Hauptsteueremt Gießen, Rechnungsrat Leonhard Petry, in gleicher Diensteigenschaft an das Hauptsteueramt Mainz mit Wirkung vom 1. Juli versetzt.
** Der Grotzyerzo g und die Presse. Se. Kgl. Hoheit der Großherzog empfing, wie wir in der „D. Ztg." lesen, gm 21. d. M. den Vorsitzenden des Darmstädter Journalisten- und Schriftstellervereins Oberstleutnant a. D. Ga d, den Vorsitzenden des Verbandes deutscher Journalisten- und Schriftstellervereine und des Delegiertentags, Chefredakteur Dr. H. Diez-Hamburg, und den Obmann der Pensionsanstalt W. Prager -München. Nachdem Sberr Gad die auswärtigen Herren vorgestellt hatte, überreichte Dr. Diez die Geschichte des Verbandes, Hr. Prager den letzten Jahresbericht der Pensionsanstalt. Der Landesherr nahm beide Aktenstücke mit lebhaftem Interesse entgegen und erkundigte sich dann bei den Vorsitzenden eingehend nach der Größe, der Zusammensetzung und den Aufgaben des Verbandes. Besonders beifällig begrüßte er neben den standesrechtlichen und standespolitischen Bestrebungen die Bemühungen um Hebung des Standesbe- wußtseins und der St an de seh re. Jeder Journalist, führte der Großherzog aus, müsse von sich sagen können: ,Zch bin ein Gentleman und verlange als solcher behandelt zu werden." Es sei verkehrt, daß man der Presse noch so vielfach die notwendigen Auskünfte an erster Stelle versage und ihr dadurch die richtige Information erschwere. Aber das Mißtrauen, das sich darin zeige, sei ja auch nicht immer ganz unverdient. Und so erwerbe sich der Verband ein großes Verdienst, wenn er an der Beseitigung dieses Mißtrauens arbeite. Mit huldvollen Wünschen für die Erfolge ihrer Arbeit entließ der Großherzog darauf die Herren.
** Unserer Unioerfitat, sowie namentlich der Stadt Gießen steht wiederum ein schmerzlicher Verlust bevor. Der außerordentliche Professor der inneren Medizin Dr. Georg Sticker ist nach Münster i. W. als Leiter des städtischen Clemens-Hospitals berufen worden und hat den Ruf angenommen. Prof. Sticker ist nicht nur ein hochgeschätzter und beliebter akademischer Lehrer, sondern er genießt auch als Arzt in weitesten Kreisen das größte Ansehen und Vertrauen, und die Zahl seiner unbedingten Verehrer ist außerordentlich groß. Man wird den Verfasser des vortrefflichen, auch pädagogisch höchst wertvollen Buches „Gesundheit und Erziehung" aus seinem langjährigen und an schönen Erfolgen reichen Wirkungskreise mit lebhaftem Bedauern scheiden sehen.
** Revision Huddc. Herr Rechtsanwalt Dr. Jung hat die Güte uns mitzuteilen, daß die von dem zum Tode verurteilten Raubmörder Hudde eingelegte Revision als gerechtfertigt erkannt und weiter verfolgt werden wird, da Verstöße gegen das Verfahren in der Hauptverhandlung vorlägen.
•• Tollwut. Ein hiesiger Einwohner mußte seinen Hund wegen tollwutverdächtiger Erscheinungen töten. Die aestern auf Veranlaffung des Großh. Polizeiamts stattgehabte Sektion bestärkte den Verdacht, daß Tollwut vorliegt. Der Kopf des Hundes wurde zur weiteren Feststellung dem Kaiserlichen Amt für Infektionskrankheiten in Berlin zugesandt. E§ ist also Hunden und Katzen gegenüber immer noch Vorsicht geboten. Die sorgsame Befolgung der polizeilichen Vorschriften ist dringend anzuraten.
** Zum Nadfahrfest am 1., 2. und 3. Juli wird uns Folgendes mitgeteilt: Dem festgebenden Gießener Radfahrer-Verein 1885 ist die Ehre geworden, daß S. Durchlaucht der Fürst Karl von Solms-Hohen- solms-Lich das Protektorat über die Feier des 20jährigen Bestehens des Vereins in huldvoller Weise übernommen hat. Es dürste dies ein erneuter Ansporn für die wettbewerbenden Vereine sein, die in dem selten gebotenen Schul- und Kunstreigenfahren in Konkurrenz treten, und in dem Fest für unsere Stadt wohl eine sportliche Veranstaltung ersten Ranges bevorstehen. In liebenswürdiger Weise haben zu diesem Fest die Mitgliedschaft in den Ehren- Ausschuß angenommen, die Herren Geh. Medizinalrat Prof. Dr. Vossius, Rektor der Landes-Universität, Geh. Rat Dr. Breid ert, Oberst von Lindenau, Landgerichtspräsident Kullmann und Oberbürgermeister Mecum. Der Fest-Ausschuß hat sich unter dem Vorsitz des Beigeordneten Cur schm an n ebenfalls konstituiert, und die Arbeits-Ausschüsse sind in fieberhafter Tätigkeit, um das Fest zu einem recht glänzenden zu gestalten.
** Das erste Abonnementskonzert unserer Militärkapelle findet heute abend 8 Uhr im Garten des „neuen Saalbaues" unter der persönlichen Leitung des Musikdirektors Krauße statt. Es ist vorauszusehen, daß zu den beliebten Sommerkonzerten wie gewöhnlich ein zahlreicher Besuch sich einfindet, besonders wenn das Weiter so schön ist wie heute.
** Der Darmstädter De le gierten tag des Verbandes deutscher Journalisten - und Schriftstellervereine. Rach dem vorgestrigen offiziellen Festmahl im städt. Saalbau in Darmstadt, bei dem Bürgermeister Gläßing den Gruß der Stadt entbot, Dietz-Hamburg das Hoch auf den Großherzog und Leher-München den Toast auf Darmstadt ausbrachte, waren die Teilnehmer des Delegiertentages unter den Buchen des idpllisch gelegenen Oberwaldhauses abends die Gäste der Stadt. Gestern früh vor Wiederaufnahme der Verhandlungen wurde, wie wir schon berichteten, auf der Mathildeuhöhe ein Denkmal für den vor einigen Jahren verstorbenen Darmstädter Bürger Gottfried Sch w a b enthüllt, dessen Dichtungen viele Freunde fanden. Der Feier wohnten auch das Großherzogspaar und die Witwe Schwabs bei. Das Monument selbst, das auf einem mit dem Medaillon Schwabs geschmückten Sockel die ideale Gestalt eines betenden Jünglings zeigt, ist eine hervorragende Arbeit des Bildhauers Prof. Habich. In der gestrigen Sitzung wurden interne Angelegenheiten behandelt. Ein Antrag Hamburg-Frankfurt lautet: Der Verband erachtet eS für dringend wünschenswert, daß der Austrag der zivilrechtlichen Streitigkeiten auf schiedsgerichtlichem Wege erfolgt, und beauftragt den Vorort, sich darüber mit dem Verband ins Benehmen zu setzen. Der Antrag wurde angenommen. Ter Hamburger Verein wurde wieder als Vorort und Hamburg zum Ort der nächsten Tel gicrtenversammlung gewählt.
? Mücke, 21. Juni. Das früher so kleine Mücke toirb1 immer größer, sodaß der „Elefant" doch noch aus ihr wer> den wird. Das schon im vorigen Jahre geplante Hotel- Restaurant gelangt jetzt zur Ausführung. Seine Grundmauern stehen bereits, und der Bau schreitet so rüstig vorwärts, daß noch in diesem Jahre seine Vollendung zu erwarten steht. Das Hotelrestaurant kommt der Post gegenüber zu stehen. Mit dieser neuen Gastwirtschaft sind dann sechs Gasthäuser in Mücke vorhanden.
Lindheim, 19. Juni. Zwischen einem gewissen Kötter aus Oberau und einem hiesigen Burschen Korphimer kam es gelegentlich unseres Kirchweihfestes zu Tätlichkeiten, wobei dieser dem Kötter ein Glas auf dem Kops zersplitterte. Ein Splitter drang dem in der Nähe stehenden A. Sommer ins Auge und durchschnitt dieses vollständig. Sommer wurde in die Klinik nach Gießen verbracht.
S. Borbach, 19. Juni. Der Sohn des Landwirts Faßbender stürzte von einem Baum, auf dem er nach Vogelnestern suchte, und blieb sofort tot.
fj Niederwalgern, 21. Juni. Auf dem hiesigen Babnhof wurde heute nachmittag ein bei den Bahnarbeiten beschäftigter Maurer aus Fronhausen vom Zuge erfaßt und geiötct.
[] Marburg, 21. Juni. Die Bismarckfeier be- ziehungsw. das Sonnenwendsest, welches die Marburger Studentenschaft jetzt alljährlich bei der Bismarcksäule feiert, konnte heute, vorn prächtigsten Wetter begünstigt, stattfinden. Um 5 Uhr zogen die Studenten korporationsweise mit Musik durch die Stadt nach der einen herrlichen Ausblick auf Marburg und das Lahntal bietenden Bismarcksäule. Bis gegen Eintritt der Dunkelheit wurde hier in den unweit davon gelegenen Anlagen der Weinkautseiche fröhlich gezecht, und dann begann der Festakt an der Säule. Die Festrede hielt stud. phil. Seelheim von der Arminia. Alsdann zogen die Studenten in endlosen Zügen die Bismarck- Promenade entlang, den Cappeler Berg hinunter, in die Stadt zurück.
Wetzlar, 21. Juni. Heute mittag fand lt. W. A. wegen der Kanalisierung Wetzlar-Niedergirmes auf dem hiesigen Rathaus eine Verhandlung statt, an der außer den zuständigen Lokalbehörden Vertreter der kgl. Regierungen von Koblenz und Wiesbaden, sowie Kommissare der verschiedensten Ministerien teil-' nahmen. Das Projekt ist genehmigt.
* Kleine Mitteilungen ans Hessen nnd den Nachbarstaaten. In Ruppertenrod erhängte sich auf einem Heuboden ein Landwirt. Ter anfangs der 40 er Jahre stehende bemitleidenswerte Mann war schon einige Jahre schwer leidend und auch in der psychiatrischen Klinik zu Gießen gewesen. — In E i ch e l s d o r f schnitt sich dieser Tage auf dem Himmels- bachschen Sägewerk ein junger Arbeiter einen Finger ab. — Der Bezirkskriegerverband Lich wird sich, entgegen einer anderen Meldung, an der Denkmalseinweibung am 2. Juli in Lich nicht, beteiligen können. Dem Vorsitzenden wurde mitgeteilt, daß der Raum dazu zu eng sei.
• Berlin, 21. Juni. Ueber den Grund der immerhin auffällig kühlen Haltung, die in den letzten Jahren der Kaiser dem verstorbenen Gouverneur v. Wißmann gegenüber eingenommen hat, erhält der „H. C." folgende Erklärung: Als nach der Niederwerfung des ostafrikanischen Ausstandes Wißmann dem Kaiser persönlich Bericht erstattete,, hob er besonders die Verdienste der ihm unterstellten Offiziere hervor, von denen er sagte: „Den schnellen Erfolg habe ich in erster Linie der Tüchtigkeit meiner Offiziere zu verdanken/ Der Kaiser unterbrach Wißmann scharf: „Ich glaube, es sind doch Meine Offiziere gewesen", und entließ Wißmann sehr ungnädig. Wißmann war übrigens formell im Recht, wenn er von seinen Offizieren sprach, denn wie seinerzeit die Fran^oistruppe in Südwestafrika waren Wißmanns Offiziere und Mannschaften auf ihn persönlich vereidigt und nicht etwa kaiserliche Soldaten.
* Köln, 21. Juni. Die Ruhestörungen int Oüben der Stadt (vergl. die gestrige kl. Tageschr.) wiederholten sich gestern abend. Eine Volksmenge von etwa 900 Köpfen sammelte sich an; ungefähr 2 5 0 Schutzleute zu Fuß und zu Pferd waren zur Llufrechterhaltung der Ordnung auf*, geboten. Als aus der Menge unter Johlen und Pfeifen wiederum Wurfgeschosse gegen die Schutzleute ge-' schleudert wurden, gingen diese mit der blanken Waffe vor. Gleichzeitig sprengte die berittene Polizei die Menge auseinander. Vier Personen wurden durch Säbelhiebe erheblich verletzt, mehrere andere leicht. Gegen 1 Uhr nachts war die Ruhe wieder hergestellt.
* Sch io (Provinz Vicenza), 21. Juni. Heute fand der' erste Aufstieg des dem Grasen Almerico da Schio gehörigen, lenkbaren Luftschiffes „Italia" mit günstigem Erfolg statt. Die Lenkungsmanöver gelangen vollkommen,^ doch mußte der Ballon infolge einer Beschädigung des Steuerrades nach 35 Minuten niedergehen.
* Kleine Tageschronik. In Dornap durchschnitt' ein Italiener einem andern, als dieser aus seiner Flasche trank, mit einem Rasiermesser den Hals, was dessen Tod herbeiführte. Hierauf durchschnitt er sich gleichfalls die Kehle. — Zwischen Schlett st adt und Limmersheim wurde ein Bauerngefährt von einem Zuge überfahren. Ein Mann und eine Frau, wurden getötet. — In der Nähe von Melle (Hannover) wurden bei einem Gewitter drei Personen vom Blitz erschla-' gen, ein Ehepaar und eine alte Frau.___________
Eingesandt.
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Zur Gießener Theaterfrage.
Eine Anmerkung der Redaktion zu meinen gestrigen Ausführungen hat mich eines Jrrtlmres überführt: Der Verfasser des betreffendeil Eiilgesaildt mar kein Laie, sondern Architekt. Das komue ich allerdiilgs feinen Ausführungen nicht anmerken. ?lber nun klärt sich für mich die Situation interessant auf: Der Verfasser ist Architekt uni) kennt die Perspektive des Fellller und Helllierschen Projektes; die P e rs p e k t i v e n waren aber fürs Publikulll I) c r m e t i f ch verschlossen. Dail ach kann sür mich ein Zweifel, wer der Verfasser ist, nicht mehr bestehen: er hat ein direktes In teresse an der Ausführung des Fe l l il er illl d H e l in e r \ cl) en Projektes. Damit verlieren aber seine Allstassungell sür Fellner und Helmer unb gegen Düster ohne weiteres jeden objektiven Wert!
Ist mein Schluß salsch, so bitte ich um Berichtigung. B.


