Ausgabe 
18.7.1905 Zweites Blatt
 
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'Professoren Strack, Sauer, Wünsch und Bet he unter» «nahmen am 15. und 16. d. M. mit ihren Studierenden eine Exkursion nach Mainz. Am Abend vorher ver­sammelten sich die Teilnehmer im Neuen Saalbau, wo die ^Professoren Strack und Sauer einleitende Vorträge hielten über die Entwickelung der Römerherrschast in rheinisch Ger­manien und die Denkmäler aus dieser Zeit. In Mainz angekommen, begab man sich sofort in das germanisch-roma­nische Zentralmuseum, wo sich unter Führung des Direktors Prof. Lindenschmitt an der Hand von Tausenden von Nachbildungen aus vorgeschichtlicher Zeit bis in die römische und fränkische Periode ein deutlicher Einblick in die Ent­wicklung der damaligen Kultur bot. Am Nachmittag hatten die Teilnehmer Gelegenheit, die in Mainz und Umgegend gefundenen Originale von Keramik, Waffen und Schmuck­stücken aller Art zu sehen. Fein durchgebildet mufc die Glas­industrie dieser Tage gewesen sein, wie eine große Anzahl prächtiger Karaffen und Schalen zeigt. Sonntag stüh führte Prof. Körber auS Mainz die Teilnehmer in die sog. Stein- Halle des Museums und zeigte mit sehr anregender Inter­pretation die Steindenkmäler aus römischer Zeit, meist Grab­denkmäler, Sarkophage, Säulen und Altäre, die zwar nicht jene Würde, Hoheit und Proportion der Formen griechischer Skulpturen an sich tragen, aber mit ihrer oft naiven Dar­stellung einen einzig guten Einblick in die damalige Kultur­periode geben. Als Prachtstück ist zu erwähnen der Grab­stein des SchiffersBlussus", der sehr behäbig mit dem Geldbeutel in der Hand neben seiner reichgeschmückten Gattin sitzt, über deren Schultern der hoffnungsvolle Sohn blickt. Einzelne Reliefs zeigen noch sehr nette genrehafte Dmsiellung, wie Sklaven, die Fässer rollen, Getreide worfeln ,. a. m. Großes Interesse erregten auch anfangs dieses Jahres ge­fundene koloffale Monumente von besonders schöner Arbeit, die aus der Zeit Neros stammen. Leider sind diese, wie so oft, ganz zerstückelt und können nur unter sehr mühevoller Arbeit wieder zusammengesetzt werden. Einen sehr schönen Ab­schluß der Sehenswürdigkeiten des Museums bildete ein neuer­dings gefundener fein gearbeiteter Bronzefuß mit reicher Vergold­ung und" ein mächtiger Blitz, Stücke, die auf eine überlebensgroße Jupiterstatue schließen lassen. Sehr interessant ist die Wid­mung der Statue; sie stammt nämlich von den Besitzern der Kaufbuden (canabae), die das Lager umgaben. Dieses kostbare Weihgeschenk zeigt deutlich, welch gute Geschäfte die Budenbesitzer an den Soldaten jener Zeit gemacht haben. Zum Schluß führte Prof. Sauer, der schon am Tage vorher bei einem Gang durch die Stadt die hervorragendsten Profan- und Kirchenbauten gezeigt hatte, die Teilnehmer in den mächtigen Dom, d^r mit seinen mancherlei Schick- isalsfällen, er wurde mehrere male durch Brand zerstört, die Stileigentümlichkeiten mehrerer Jahrhunderte an sich trägt. Die Entwickelung der Skulptur von dem romanischen Stil bis zum Barock zeigten auch sehr schön die Grabdenkmäler der geistlichen Würdenträger. Wie wertvoll eine solche Exkursion für die Ausbil- bildung der Studierenden ist, hat wohl jeder der Teilnehmer aufs lebhafteste empfunden, und es wäre sehr zu wünschen, wenn im folgenden Jahre eine ähnliche Ex­kursion nach anderen Museen stattfinden würde. Eine pekuniäre Erleichterung fanden die Teilnehmer in dem durch die Vorträge der Professoren im vorigen Winter gebildeten Reisefonds. Wie verlautet, werden auch in diesem Winter mehrere Vorträge aus der Altertumswissenschaft zu dem­selben Zweck stattfinden, die sich hoffentlich desselben Zu­spruchs der Einwohnerschaft erfreuen werden wie im Vor­jahre.

** Das Feuerwehrfest hat gestern erfreulicherweise befferes Wetter gehabt. Der Andrang des Publikums war darum, besonders in den Abendstunden, ungeheuer. In den Festhallen war kein Plätzchen wehr frei. Als die ongc« kündigten Spiele der Gießener Turnerschaft statt­fanden, waren auch die Gänge von geduldig harrenden Menschen besetzt, sodaß man weder vor- noch rückwärts konnte. Die Neugier ging so weit, daß Viele sich auf Tische und Bänke stellten, um besser sehen zu können. Es wurde schon Beifall geschrieen, als die turnerischen Darbietungen noch nicht begonnen hatten und Spaßvögel die Veranlassung gegeben hatten. Die Turner leisteten hervorragendes; namentlich die Stabübungen gefielen allgemein. Die Fener- wehrkapelle konzertierte in der Festhalle unter allgemeiner Anerkennung ihrer guten, exakten Darbietungen. Auf dem Platz draußen unterhielt ein Teil der hiesigen Regiments­musik die auf- und abwogenden Menschen, die auch draußen in den anderen Zelten bei Weitem nicht unterkommen konnten. Oswaldsgarten erwies sich als zu klein für das festliche Gedränge. Abends gegen 7,11 Uhr wurde ein großes Feuerwerk abgebrannt, wobei die Feuerfigur eines Feuerwehrmannes mit besonderem Interesse wahr­genommen wurde. Auch der Juxplatz wurde höchst eifrig und zahlreich besucht. Wie uns mitgeteilt wird, hat gestern mittag im Weinhaus des Gail'schen Gartens nochmals ein Festmahl stattgefunden, wobei wiederum Reden gehalten wurden. Unserem gestrigen Bericht haben wir noch'nachzu­tragen, daß auch der Stadtverordnete Fr. Helm, der für das Zustandekommen des Festes sich ja so eifrig bemüht hat, zum Ehrenmitglied der Gießener freiwilligen Feuerwehr ernannt worden ist.

** dein Hitzschlag traf gestern nachmittag einen Feuerwehrmann unserer Feuerwehr auf dem Festplätze. Er wurde von der Sanitätswache in seine Wohnung gebracht. Ernste Folgen für die Gesundheit des Mannes scheinen sich glücklicherweise nicht ergeben zu haben.

Besitzwechsel. Die bekannte Schott'sche Wein- handlung und Weinstube in der Bahnhofstraße wurde an den Inhaber des Neuen Saalbaues, Hermann Sch rödel, für 100 000 Mk. verkauft. Die Uebernahme erfolgt am 1. September. Herr Schrödel beabsichtigt, die Weinstube in der seitherigen Weise fortzuführen und eine Speisewirtschaft darin einzurichten. Daneben wird er auch Weinhandel be­treiben. Herr Schott treibt, wie wir hören, seinen Wein­großhandel fort.

" Ertrunken. Beim Baden in der Lahn im sogen. Freibad ertrank gestern abend der 49 Jahre alte Arbeiter- Adam Schaumburg aus Roth. Er war ein guter Schwimmer, und es liegt die Vermutung nahe, daß er rväbrend des Schwimmens einen Schlaganfall erlitt.

Diebstähle. In der vorigen Woche wurde auf dem Schliefplatze am Mittelweg das Häuschen erbrochen, jedoch troutbe nichts vermißt. Die Täter wurden in zwei 14jährigen,

bereits vorbestraften Burschen ermittelt, welche sich tagelang im Freien aufhielten und nach eigenem Geständnis in das Häuschen eingebrochen waren, um Lebensmittel und einen Revolver zu stehlen.

/ Heuchelheim, 18. Juli. Die Kruse'sche Wirt­schaft zur Ludwigsburg ging in den Besitz des Konrad Stumpf aus Garbenteich über. Die Wirtschaft wird am 1. August vom neuen Besitzer übernommen werden.

(!) Großen-Linden, 17. Juli. Heute nachmittag ertrank das ca. 3jährige Mädchen des Landwirts Wilh. Velten in einer in der Nahe de§ Orts befindlichen Lehm­grube. Diese, sonst der Spielplatz der Kinder, war durch den starken Regen mit Wasser gefüllt.

tt Lich, 17. Juli. Gestern feierte der Krieger- vereinsbezirk Lich in Ettingshausen sein Be­zirksfest. Mit Musik wurden die Vereine in das Dorf eingeholt, von dem Präsidenten des Kriegervereins Ettings­hausen begrüßt und zum Festplatz geführt. Hier stellte sich dann später der imposante Festzug auf, in dem außer den Vereinen des Bezirkes auch Vereine anderer Bezirke und der Gesangverein Ettingshausen, mit zusammen über zwanzig Fahnen vertreten waren. Auf dem Festplatz begrüßte Bürgermeister Keil die Erschienenen im Namen der Ge­meinde Ettingshausen, der Präsident des Kriegervereins, Johs. Keil XVI., im Namen des Kriegervereins Ettings­hausen. Dann sang der Gesangverein unter der Leitung des Lehrers Dörrn er ein Lied. Darauf legte der Vor­steher des Bezirks, Lehrer Alt-Lich allen Kameraden ans Herz, im Sinne des Hassiaverbandes zu wirken und für die Organe und Einrichtungen eifrigst zu werben. Die An­sprache schloß mit einem begeistert aufgenommenen drei­maligen Hurrah auf Kaiser und Großherzog, worauf die VersammlungHeil Dir im Siegerkranz" sang. Dann wurde mit sinniger Ansprache dem Kriegerverein von einer Festjungftau ein von den Frauen und Jungfrauen Ettingshausens gestiftetes Fahnenband überreicht. Pfarrer Nies-Ettingshausen hielt die Festrede auf das deutsche Vaterland. Kaum hatte man sich danach im Schutze der geräumigen Zelte niedergelassen, als ein Gewitter mit Hagel­schauer herniederging, wie man es lange nicht erlebt hat. Kaum ließ aber der Regen nach, so trieben die Tanzlust und die verlockenden Weisen der Kapelle die frohen Fest­teilnehmer auf die nun vollständig staubfreien Tanzböden. Leider störte dann und wann ein neuer Guß von oben das schöne Vergnügen; später setzte man sich bei Becherklang und Lustgesang über die schlechten Launen des Welters hinweg.

m. Friedberg, 18. Juli. (Eigener Drahtbericht.) Gestern abend ertrank hier beim Baden in der Wetter der Schüler der hiesigen Gewerbeakademie, Kern. Man nimmt an, daß ein Herzschlag die Ursache ist.

Friedberg, 17. Juli. Der jüngst vorstorbeue Dr. Wilh. Curtman, der einzige Sohn des früheren Hofgerichts­advokaten Curtrnan und Enkel des berühmten Pädagogen Seminardirektors Curtman, hat testamentarisch der Stadt Friedberg 45000 Mk. vermacht als Grund­stock eines Baufonds für den Ausbau der beiden Türme unserer Stadtkirche.

Mainz, 17. Juli. Eine Cchreckensfahrt machten gestern abend Passagiere auf der Rückfahrt von Bin­gen nach hier mit dem BooteElberfeld". Nach 7 Uhr, gerade als Geisenheim passiert war, erhob sich ein furchtbares Unwetter. Der Sturm fegte fast alles vom Deck weg, was nicht festgehalten wurde. Die Hüte flogen nur so in den Rhein hinein. Das alles konnte jedoch den Humor der Passagrere zunächst nicht stören. Plötzlich erfolgte aber ein heftiger Ruck. Man glaubte an­fänglich, das Schiff sei aufgefahren. Beim Nahen an den Landungsbock in Freiweinheim wurde es wider diesen ge­worfen oder umgestoßen, sodaß die Landungsbrücke voll­ständig in die Hühe gehoben und schwer beschädigt wurde. Auch dieElberfeld" erlitt Beschädigungen. Eine halbe Stunde mußte manövriert werden, bis das Boot wieder von dem Bocke flott gemacht werden konnte. Inzwischen wurde der Sturm immer ärger. Auf dem Zwischendeck im Salon versuchten die Leute mit ihren Kindern die Kajüte zu erreichen, allein sie war bis zum Treppeiraufgang Kopf an Kopf gefüllt. Plötzlich stürzte das große Zeltdach mit seinen eisernen Stangen auf bem Salonptatz ein, das elek­trische Licht er löschte und eine wahre Panik ent­stand. Alles flüchtete auf das Vorderdeck. Ein Frankfurter Herr wurde von einer eisernen Stange am Kopf getroffen und erheblich verletzt. Endlich kam das Schiff nach Elt­ville. Dort verließen eine Anzahl Wiesbadener, Mainzer und Frankfurter das Schiff, die es vorzogen, mit der Eisen­bahn weiter zu fahren.

Hochheim, 17. Juli. Als verdächtig, den Naub- mordversuch bei Wicker am 8. zum 9. Juli ausgeführt und dabei den Arbeiter Schedlich verletzt und beraubt zu haben, wird der Hilfsarbeiter Josef Mayer, ged. 9. Februar 1882 zu Fulnek (Bez.-Hauptmannschaft Neutischein in Mähren), 'teckbrieflich verfolgt. Mayer wohnte bis zum 3. Juni in Bockenheim.

Güterverladestelten.

Herr Abg. Leun hat uns noch einmal ein großes Schrei­ben geschickt, in dem er auf die Eisenbahnverhältnisse von Großen-Linden zurückkommt,um", wie er sagt,zu be­weisen, daß die Bahnverwaltung zu kurzsichtig nxrr". Unsere Bemerkung, daß die Verhältnisse von der Erbauung der Main- Weserbahn bis zur Errichtung der dortigen Personenhaltestelle sich wesentlich geändert hätten, erklärt er fürnicht zutreffend".

Wir müssen gestehen, daß wir bisher die Verwaltungskunst des Herrn Bürgermeisters von Großen-Linden erheblich höher eingeschätzt haben, als er es selber mit dieser Bemerkung tut. Oder sollte wirklich Großen-Linden im Laufe von 40 Jahren so wenig Fortschritte gemacht haben, daß damals genau das gleiche Bedürfnis nach Errichtung einer Güterverladestelle vor­handen war wie in unseren Tagen? Herr Leun beklagt im weiteren nochmals diestiefmütterliche" Behandlung der Orte Watzenborn und Steinberg und meint zum Schluß,daß es in Oberhessen keinen Ort von der Größe Watzenborn-Steinbergs mehr gibt, der wohl Personenverkehr, aber keine Güterverladestelle besitzt."

Darauf sei ihm. folgendes erwidert:

Das Bedürfnis nach einer Güterverladestelle er­gibt sich aus der Ausdehnung der bereits vorhandenen und des zu erwartenden Güterverkehrs, nicht aus der Be­wohnerzahl eines Ortes. Wenn auch die sehr gewerbfleißigen Orte Watzenborn und Steinberg mehrere Zigarrenfabriken haben, und wenn ihnen auch zu ihrer weiteren erfteulichen Entwicklung alles dazu Notwendige herzlich zu wünschen ist, so müssen doch die Behörden einige Garantie dafür besitzen, daß die Errichtung einer Güterverladestelle durch genügenden und dauernden Verkehr auch Gewinn bringt und nicht nur dem Staate Kosten macht.

Wenn eine erhebliche Erzeugung von geringwertigen Massen- artikeln stattfände, die einen weiten Transport bis zur nächsten Güterverladestelle nicht vertragen, würde sich die Einrichtung einer Gtüerverladestelle in Schiffenberg, auch ohne staatliches Gewinn zu Gunsten der gewerbefleißigen Bevölkerung, rechtfertigen. Diese Voraussetzung wäre u. a. gegeben, wenn neben den Watzen­born-Steinberger Fabriken und neben den Bedürfnissen der dorti­gen Landwirte, ihre Produkte bequemer als bisher von Großen- Linden aus zur Bahn bringen zu können, obendrein in der Nahe der Haltestelle ein abbauwürdiges Basaltlager von großer Mächtigkeit sich finden wurde. Daß in jener Gegend ein Basaltsteinbruch sich befindet, ist uns bekannt. Also u. E. kommt es im wesentlichen darauf an, daß der Besitzer dieses Stein­bruches die Wünsche der dortigen Bewohnerschaft kräftig zu unterstützen vermag. Hätte err Leun von vornherein sich dessen Hilfe gesichert, dann hätte sein Antrag bei der Regierung vielleicht eine bessere Aufnahme gefunden. Besitzer ist, so viel wir wissen, die Stadt Gießen.

Zur Zeit besitzt allerdings eine ganze Anzahl Orte Güter­verladung, aber von so geringer Ausdehnung, daß er kaum lohnen dürfte, z. B. Geilshausen, Odenhausen u. a., die jährlich vielleicht noch keine 1500 Tonnen Güterverkehr aufweisen. An­dererseits liegen aber manche Orte so weit von einer Bahnstation mit Personenverkehr ohne gleichzeitige Güterverladestelle ent­fernt, daß für sie die Einrichtung des Güterverkehrs doch wohl dringender wäre, als für andere schon mit Güterverkehr aus- gestattete Stationen. Beispielsweise hat Kirch-Göns nur Per- fonenverkehr, obwohl eine ganze Anzahl Orte voraussichtlich von dort ab ihre Güter versenden könnte, wenn dort eine Güterverladestelle wäre. Es sind dies Kirch- und Pohl-Göns selbst, sowie einige preußische Orte. Auch die Station O st h e i m bei Butzbach hat keine Güterverladestelle, obwohl in ihrer Nahe große Orte liegen, und andere Orte es dorthin bedeutend näher haben würden, als jetzt nach Butzbach. Tie Bewohnerzahl dieses Ver­kehrsbezirks ist sehr erheblich größer, als diejenige von Schiffen­berg. Soviel uns bekannt, besitzt Garbenteich nur Stück­gutverkehr, uUb die dortige Bewohnerschaft hält es gewiß für nötiger, daß ihre Station erst einmal vollen Güterverkehr bekommt, bevor neue Stationen mit Güterverkehr eingerichtet werden.. Auch Rödgen hat keinen Güterverkehr, obwohl hier die drei Orte Rödgen, Trohe und Alten-Buseck liegen. Angersbach bei Lauterbach ist selbst Station, hat aber u. W. keinen Güter­verkehr, obwohl der Ort über 1200 Einwohner zählt. Derartige Beispiele lassen sich noch mehrere anführen, wenn man genügend Zeit hat, um den Verkehrsbezirk der einzelnen Sta­tionen , zu berechnen.

Wir wiederholen, daß es uns freuen würde, wenn der An­wohnerschaft der Station Schiffenberg eine Güterverladestelle in absehbarer Zeit beschieden würde. Die obigen Ausführungen aber, die hvir gelegentlich durch weitere zu ergänzen gedenken, haben aber doch wohl bargetan, daß sich die vorläufig abschlägig Be- schiedenen vorerst damit trösten müssen, daß es anderen Sta­tionen von ähnlicher Größe und Bedeutung nicht besser geht.

* Ein Raubmord am Brocken? Dieser Tage lagerte eine Gesellschaft von Touristen auf dem Brocken­wege unweit des Schneelochs. Plötzlich hörten sie einen Schuß fallen, und als sie dem Schall nachgingen, kam ihnen ein Herr entgegen, der sagte, es liege dort ein Toter. Dies war auch der Fall; nach den Vorgefundenen Papieren war es der Oberpostpraktikant Hehde aus Magde­burg. Die Leiche hatte einen Schuß im Rücken, die an der 'Hinterseite der Hose befindliche Tasche war heraus­gezogen. Ein Teil der Touristen blieb bei der Leiche, der 'andere ging mit dem fremden Herrn nach Ilsenburg zurück, wo Anzeige erstattet wurde. Der betr. Herr wurde unter Polizeiaufsicht gestellt. Nach derMagdeb. Ztg." war Hehde, dessen Portemonnaie fehlt, ein lebenslustiger unverheirateter Mann im 32. Lebensjahre. DerBrschw. Ldsztg." berichtet ein Augenzeuge noch: Die Leiche zeigte im Genick eine Wunde, aus der viel Blut geflossen war. Eine Tasche vom Beinkleide des Toten war herausgezogen und erweckte den Anschein, daß ein Raubmord vorläge. Doch sand sich in der Weste noch die Uhr vor. Alles Suchen nach einem Mordinstrument war vergeblich. Unterwegs begegneten wir einem älteren Mann, der auf Befragen angab, den Toten ebenfalls liegen gesehen zu haben, jetzt aber nach feinem Sohne suche, den er am Ilsenburger Bahnhofe zu treffen hoffe. Nachdem wir ihn veranlaßt hatten, mit uns nach Ilsenburg zu gehen, traf er dort mit einem ungefähr 20jährigen jungen Manne zusammen. Seine verworrenen Angaben veranlaßten die Behörde, ein eingehendes Verhör anzustellen. Es ist allerdings unwahrscheinlich, daß ein Wegelagerer den Angriff am hellen Tage und an einer so belebten Touristenstraße gewagt hätte, zumal er hören mußte, daß nur wenige Minuten vom Tatorte entfernt eine größere Gesellschaft lagerte.

* Ein furchtbarer Sturm in Südamerika. Ein Gießener, der Verwandte in Argentinien hat, stellte uns eine ihm zugegangene Nummer der in Buenos Aires er­scheinendenDeutschen .La Plata-Ztg." zur Verfügung, in der folgendermaßen über ein entsetzliches Unwetter berichtet wird:

Um die durch die Ueberschwemmung des Parana schon so sehr geschädigten beiden Eolastines noch mehr zu strafen, entfesselte sich über sie am 13. v. 9)L ein solcher Sturm, der den Namen Huracan rechtmäßiger Weise verdient. Es wollte und wollte an jenem Morgen nicht Tag iverden, derart war der Himmel von Wolken bedeckt, die schier endlose Regengüsse entsandten, bis schließ­lich gegen 8* */ Uhr ein Sturm eintrat, der alles vor sich nieder­fegte. Colastine Sud büßte wohl sämtliche noch existierenden Ranchos ein und die großen Schuppen der Eisenbahn und von Privaten wurden schwer beschädigt; doch trotzdem war dies noch wenig im Vergleich mit Colastine Norte, das fürchterlich heim- gesucht wurde. Die Wellen gingen dort 46 m über den First des Eisenbahnschuppens, rasierten zwei italienische Pfahlbauten, Restau­rants, die schon 10 Jahre existierten, einfach weg, hoben das Haus unseres Landsmannes Kirchner wie ein Spielball hoch in die Höhe und ließen es dann zurücksallen, so daß es, zusammengeklappt wie ciu Kartenhaus, mit seinem Inhalte gänzlich zerstört wurde. Die Polizei büßte den massiv gebauten calabozo ein, ein Teil des Almacens von Vyo Hns. stürzte ein, einer der Brüder galt als er­trunken, doch war er nur von dem Wasser verschlagen worden; ca. 8 gute Holzhäuser wurden zerstört, ganz abgesehen von der Un­zahl Ranchos. Das Schlinnnste jedoch war, daß die Laguna Guadalupe sich mit dem Rio Colastine vereinigte und auf diese Weise die Eisenbahnstrecke dermaßen unterwtsich, daß wohl 90 Wag­gons einfach untkippten und so nicht mehr als Wohnungen zu ge­brauchen sind. In den stehen gebliebenen logieren bis zu je drei Familien. Sehr viele Familien gehen freiwillig mit den Rettungs- dampsern weg, doch die meisten wollen ausharren, um auf diese Weise von ihrer früheren Habe noch zu retten was möglich ist, da sie sonst wohl nichts mehr finden würden. Um 9 Uhr morgens hatten wir schon wieder Sonnenschein und nur das kolossal auf­geregte Wasser gab Zeugnis von dem Geschehenen. Jetzt fällt ja der Fluß ein wenig, doch um die drei Meter, die er über den Hasengeleisen steht, wieder zurückzugehen, wird er langeZeit brauchen. In Santa Fe ist, wie Sie wißen, die elektrische Befeuchtung in den Häusern eingestellt und besorgen den Straßendienst zwei Maschinen der alten Anlage. Um dies jedoch bewerkstelligen zu können, nnlß eine Dampfpuinpe das in die mangelhaft ansgeführten Fundamenlkeller der neuen Maschinen eindringende Wasser aus- pumpen, damit die Hauptkabel trocken bleiben. Eine andere muß