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18.7.1905 Zweites Blatt
 
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Zweites Blatt.

155. Jahrgang

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger, Amtr- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

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$te .vtetzen« KaviMendlStter- werden dem .Anzeige, otermol wSchenürch beigelegt Der ^tlUKbe taaöwtrt* erichetm monatlich einmal

Dienstag 18. Juli 1905!

Rotatümtorttd and Verlag da vrühllch« UntDcrßtätSbrudcrct 81 Lang».

Redaktion, Expedition n. Druckerei: Schulstr.R, lti.0h.6L Itiegt^tora La-tiga

Au den Kommenden hessischen LandtagswaKten.

Der für den Herbst unS bevorstehende Wahlkampf wird wohl in den meisten Bezirken kein allzu großer werden, selbst da nicht, wo der Abgeordnete, den politischen Verhältnissen nach, der richtige Vertreter deS Bezirks nickt ist. DaS alte wurmstichige Wahlsystem hindert mit zäher Ausdauer weitere Kreise, sich für die Wahlen besonders zu interessieren; eS macht die Menge gleichgültig gegenüber den wichtigsten inner­politischen Angelegenheiten, und hätten wir nicht eine ganz ungewöhnlich umsichtige und weitsichtige Negierung, dann liefe die hestische Staatskarre in ausgetretenen Geleisen un­beachtet dahin. An eine wesentliche parlamentarische Blut­auffrischung ist nicht zu denken.

Auf den Kreis Gießen-Land verspitzen sich diesmal mehr als je die Sozialdemokraten, und es wird große Mühe kosten, ihn Herrn Leun, dem langjährigen und über­aus eifrigen und wohl bewährten Vertreter, zu erhalten. Größte Rührigkeit und Einigkeit der bürgerlichen Parteien und namentlich rechtzeitiges Einsetzen der Agitation ist da durchaus von Nöten.

Auch in Vilbel (seitheriger Vertreter Abg. Ullmann) wird sich wohl eine starke Wahlbewegung geltend machen. Auch dort werden wahrscheinlich die Sozialdemokraten auf­treten, doch haben die Nationalliberalen dort erheblich größere Aussichten auf Erfolg.

In Starkenburg wird zunächst um den Wahlkreis DarmstadtZwingenbergGernsheim ein heftiger KOnps zwischen Nationalliberalen und Sozialdemokraten stattfinden (seitheriger Abg. Präsident Haas), in dem leider die Aussichten nichts weniger als glänzend sind. Es werden dort die aller­stärksten Anstrengungen gemacht werden müssen zum mög­lichsten Niederhalten der Sozialdemokratie. In Beerfelden- Hirschhorn (Abg. Breun er) und FürthReinheim (Ab- geordn. Ripp er) sind die Abgeordneten amtsmüde. Brenner wird wohl bei ernstlichen Vorstellungen sein Amt wieder über­nehmen, Ripper aber wird wohl durch einen anderen Bauern- bündler ersetzt werden. In Lampertheim kann sich ebenfalls ein Wahlkampf zwischen Nationalliberalen und Sozialisten ent­wickeln, auch das Zentrum hat dort ein gewichtiges Wort mitzusprechen. In Darmstadt-Land wird wohl der Ab- geordn. Roack (wild), wenn er sich wieder aufstellen läßt, sicher gewählt. In Langen Offenbach wollen die Sozialdemokraten für den zurücktretenden Abg. Kramer den Rechtsanwalt Fulda-Darmstadt aufstellen, der ober gegenüber dem von nationalliberaler Seite aufzustellenden Abg. Dr. Becker-Sprendlingen zweifellos einen überaus

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von Kurland, reiste sofort noch Petersburg, um energische Maß^ nahmen gegenüber der Untätigkeit der Administration durch-u- setzen.

Unter den während der letzten Tage in Odessa aufge» hängtenAufrührern befanden sich14 Arbeiter, welche vor­her vom ordentlichen Gerichtshof, da für ihre Beteiligung mr den Revolten keinerlei Beweise beigebracht werden konnten, frei- gesprochen worden waren. General Jgnotiew, der als Gouverneur, von Odessa über den Beborden steht und burch den vom Zaren üb"r Odessa verhängten Kriegszustand alle Machtbcsugnissc über Leben und Tod erhalten hat, verurteilte die Beschuldigten cru§, eigener Machtvollkommenheit zum Tode. . . ,. ,

Aus Feodosia wird gemeldet: Ueber em Regimmt hielt der Drigadckommandeur eine Revue ab; als nach deren Beendig- ung die Kompagnien entlassen wurden, blieben emige Gewehre am Platz. Di'stn Moment benutzte der Trommelschläger Mob- schidlower, lud ein Gewehr mit fünf Patronen und gab dann drei Schüsse auf den Regiments-Kommandeur Obersten Gericht ab, verfehlte ihn aber Dagegen wurde der Unteroffizier Tatarinow getötet sowie Leutnant Drofrn schwer verwundet. Der Uebeltäter wurde sofort von den Sol­daten ergriffen: nur mit Mühe gelang es, ihn vor dem Ge-

Aus Stadt und Aaud.

Gießen, 18. Juli 1905.

Altertumswissenschaft. Die Vertreter der, Altertumswissenschaft an der Landesunioersität, die Herren)

*sonett d" läuet

Deutsches AeicH.

Berlin, 17. Juli. Der Kaiser hat seine Segeljacht Meteor" für die englischen Wettfahrten ange­meldet. , , . t

Eine Kaiser-Fernsprechverbindung zwi­schen Berlin und dem Jagdschloß Rominten soll gelegt werden Die bestehenden Fernsprechleitungen reichen zu Ge- sprächen von Rominten nach Berlin und darüber hinaus nicht aus. Da nun das Kaiscrp«ar den Wunsch ausgesprochen hat, gelegentlich seines Aufenthaltes in Rominten auch mit Berlin verständliche Ferngespräche zu führen, so ist die Anlage einer speziellen Kaiser-Fernsprechlertung be­schlossen worden. ,

Das Kronprinzenpaar macht z. Ztg. ebenso wie der Kaiser eine Seereise und ist soeben in der dänischen .Hafenstadt Aarhus eingetroffen, von wo au? es dem Prinzen und der Prinzessin Christian von Dänemark aus Schloß Marselisborg einen Besuch abstattete. Das dänische BlattKoebenhavn" schreibt:

Ein Besuch, wie der des deutschen Kronprmzenpaares in Jütland, wird von Fürsten nur in einem Lande gemacht, wenn man gute Nachbarn zu finden hofft, mit denen man immer mehr und mehr Freundschaft zu schließen wünscht. Gerade in diesen für den Norden schwie­rigen Zeiten müssen alle Dänen die freundlichen Gefühle gegen unser Land und unser Volk zu schätzen wissen, von denen der zwanglose Aufenthalt des Kronprmzen­paares in unserem Lande Zeugnis ablegt. Wir müssen alle dadurch danken, daß wir dem jungen Paare unsere aufrichtige Sympathie zeigen.

Kiel, 17. JUli. Die Exkaiserin Eugenie von Frankreich traf auf ihrer DampfjachtThistle" Don England kommend durch den Kaiser-Wilhelmkanal hier sein. Sie unternahm eine Spazierfahrt durch Kiel und besuchte dann den Gottesdienst in einer katholischen Kirche. Heute ging die Jacht mit der Exkaiserin nach Stockholm in See.

S o n d e r s h a u s e n, 17. Juli. Bei herrlichstem Wetter begann heute die Huldigungsfeier anläßlich des 25;ahr Regierungsjubiläums des Für st en Karl Günther, Mit welcher die Enthüllung eines vom Lande dargebrachten Brunnendenkmals verbunden war. Der Fürst erhielt vom Kaiser und anderen Fürstlichkeiten herz­liche Glückwunschschreiben. Der Kaiser verlieh dem Staats­minister Petersen den Kronenorden 1. Kl. Der Fürst stiftete eine Jubiläumsausgabe und machte eine Stiftung von etwa 50 OOO Mark zum Besten von Vereinen, von Beamten und Veteranen. Alle bis zum Mutigen Tage wegen Uebertretungen verhängten Hast- und Geldstraien bis zu einem Monat bezw. 1OO Mk. wurden erlassen. Er stiftete ferner seiner Residenzstadt 50 OOO Mk. für den Bau einer höheren Töchterschule.

schweren Stand haben wird.

In Rheinhessen wird eS voraussichtlich in vier Kreisen einen nennenswerten Wahlkampf geben. Zi)»iächst in Nierstein-Niederolm, wo der seitherige Abg. Molthan nur durch das Verhalten seines Vorgängers Wernher-Nierstein in der Weinsteuerfrage in den Landtag kam. In diesem Kreise sind Nationalliberale und Zentrum ziemlich gleich stark, erstere wohl etwas überlegen. Den Ausschlag gibt die Gemeinde Nierstein. Im Kreise Wöllstein wurde der nationalliberale Abg. Pitthan zum Teil von freisinnigen Wahlmännern gewählt (1899). Seit der ReichStagSwahl von 1903 ist das Verhältnis etwas gespannter. Auch tst dte Stimmung in der mit Wöllstein rivalisierenden Gemcmde Sprendlingen nicht sehr stark für Pitthan. Daher dürfte hier ein Wahlkampf stattfinden, dessen Ausgang sehr zweifel­haft erscheint. Am lebhaftesten dürfte es im Kreise Wörr­stadt zugehen. Der seitherige Vertreter Wolf ist der einzige Abgeordnete, der keine Sitzung versäumt hat. Er gehört keiner politischen Partei an, obwohl er in bäuerlichen Dingen nut den Bauernbündlern Hand in Hand geht. In Rheinhessen ist er bei der Maste der Bevölkerung beliebt. Sem frei­sinniger jugendlicher Gegner bekämpft nicht nur ihn, sondern auch Nationalliberate und Zentrum, hat baruni nur sehr geringe Aussichten. Der Wahlkreis G a u a l g e s h e t m praien- tiert wieder den Abg. v. Brentano, der diesmal zum ersten Dcal eine Anzahl evangelischer Stimmen erhalten dürfte, ^n Mainz-Land ist die Wiederwahl von Dr. Schmitt sehr gefährdet, da die Sozialdemokraten dort wohl bebeutenben Stimmenzuwachs erhalten haben. Die anberen Kreise, die ber nationalliberalen Partei gehören, werben ihre Abgeorbneten ohne Kampf wieber nach Darmstabt entsenben.

So wirb bie nächste Ergänzung ber Kammer keine großen Parteiverschiebungen bringen.

iynchtwerden zu bewahren. . t _

Großfürst Nikolai Konstantinowitsch, der seit zwanzig Jahren wegen eines Brill a n t en di ebst a hl s bei einer Dernimondaine ai5 Petersburg verbannt war, ist nun aus Bese^ des Zaren nach Stawropol im Kaukasus verschickt worden und dort unter Eskorte einer von einem Obersten kommandierten Gend-rmerü-.Abteilung cingetroffen. Der Großfiirst bewohnt em besonderes fiir ihn hergerickitetes Palais und wird Tag und Nacht von Gendarmen bewacht. Seine g"N',e Privatkorrespondenz geht durch kwnde d°s Gendarmerie-Obersten. Wie verlautet, darf Großfürst Nikolai Konstantinowitsch, so lange er lebt, sem Pa­lais nicht verlassen. In Stawropol zirkuliert GerüiA das; der Großfürst infolge roher Behandlung der Gendarmen irrsinnig geworden sei. . er*

Nm 16 d M. überfiel en in nckuscha iw KimkasuS am Hellen Tage im Zentrum der Stadt Verbrecher den Rentei- beamten Badris, der gerade bei der Post 43 000 Rubel abgehoben hatte, und den ihn begleitenden Gendarmen. Die Unbekannten schlugen auf beide so lange ein, bis sie bewußtlos zu Boden schien, raubten dann den Beutel mit den 43 000 llsiibeln und verschwanden in einer Seitengasse, wo sie schon.ein Wagen er­wartete Der Renteibeamte mußte nach dem »ospital transportiere werden,' wo er alsbald verstarb. Die polizeiliche Untersuchimgj blieb erfoglos. ________________

demokratie durch das widernatürliche Bündnis mit dem Zen­trum ihre ganze historische Entwickelung verleugnete, auch taktisch genommen ist sie unter allen Parteien, die auf dem Kampfplätze erschienen, am ärgsten hereingefallen. Nu­merisch hat sie nur einen Sitz gewonnen, dagegen mo­ralisch alles verloren. Die Parole, mit der sie in den Wahlkampf zog Erlangung des direkten Wahlrechts wird aber vorerst wohl noch nur eineParole" bleiben, denn man kann jetzt schon ans Zentrumsblättern hören, daß aus dem direkten Wahlrecht solange nichts werden wird, als die Krone nicht gezwungen werden kann, die Kammer aufzulösen, wenn ie das direkte Wahlrecht beschließen sollte. Bekanntlich jat Bayern neben der Abgeordnetenkammer den Reichs­rat: sollte nun dieser, was ja sehr möglich ist, den Beschluß der Zweidrittelmehrheit der Kammer nickt akzeptieren oder ähnliche Schwierigkeiten machen wie die hessische erste Kammer, so würde der Krone das gesetzliche Instrument einer Landtagsaufläsung fehlen und alles beim alten bleiben müssen, nur mit der einen großen Ausnahme, daß das Zentrum nunmehr, dank der Unterstützung der Thron und Altarstürzenden" Sozialdemokratie, sozusagen Alleinherrscher ist. Hat denn der große Politiker am Walchensee, v. Vollmar, an diese Möglichkeit gar nicht ge­dacht, als er seine Kompromiß-Ordre gab? Die schwarzen Diplomaten haben diesmal die roten Diplomaten ganz elend ausgeschmiert! Wie die Verhältnisse jetzt liegen, wäre das Zentrum dumm, ein Wahlrecht zu verlangen, das ihm nicht die Aussicht bietet, wie das gegenwärtige. Und dumm ist das Zentrum nicht: das haben die Wahlresultate bewiesen, die es durch die großartige Uebertölpelung der sich sonst für so überschlau haltenden Sozialdemokraten erlangte. Gleicht der schwarz-rote Kompromiß einem widerlichen Faschingsscherz, so haben jetzt die roten Harlekins eine ganz gehörige Aschermittwochstimmung.

Die bayerischen LandtagsrrraYLen haben gesternstattgefunden. Von 159 Wahlergebmsseu sind bisher 154 bekannt. Danach stellen sich dre Parteien im Landtage folgendermaßen: Z en t tu tu 102 sinehr 18) Sozialdemokraten 12 (mehr 1), " ,

(mehr 1), niederbayerifcher Bauernbund 3, ^nd der Land­wirte in der Pfalz und Oberfranken 4, konservative Bundler 10, Liberale 21. Für die letztgenannten P^teien ist em ziffernmäßiger Vergleich zu den fritheren Veryaltniiien, bei benenb« Freie B°?eiAung. 19 unb bie Liberale Der- einigung 44 Mitglieder zahlte, nicht möglich, da, nochnicht feststebt, welcher Gruppe sich verschiedene Bundler an­schließen. Die fünf noch fehlenden Mandate fallen w. bie Wahlkreise Neustadt a. d. H. (bisher 2 Liberale) und Band­stuhl (bisher 3 Liberale), wo mehrere Wahlgange notig sind.

In M ü n ch e n I wurden gewählt die bisherigen Abgg. Müller Schmitt, Birk (Soz.), Schirmer und Giehrt (Zentr.), in München II der bisherige Mg. v. Vollmar, m Mün­chen III, wie bisher, die 3Zen^umsabgeordneten; m Nurn- b er a 3 Liberale unb 1 Demokrat anstatt ber bis­herigen 4 Sozialbemokraten. In Bayreuth würben die liberalen Mgeordneten Casselmann und Nenner wieder- tik^wäblt Brendel (Bund der Landw.) wurde neugewahlt. ß In' den sozialdemokratischen Reihen herrscht jetzt großer Ka tzenjammer. Nicht nur, daß die Sozial-

Russtsche Neuigkeiten.

Aus Petersburg wird telegraphiert: Der Z ar wird voraus­sichtlich eine Proklamation an sein Volk über die Emführung einer russischen Volksvertretung an dem Geburtstag des Thronfolgers erlassen. . - . ,

Das Organisationsbureau der nemstwo hielt in der Privat­wohnung des Scmsttvo-Prasidenten Golowin in Moskau eine Sitz­ung ab, in der über den bevorstehenden Moskauer «emstwo- Kvngreß beraten wurde. Die Polizei erschien m der Wohn­ung und forderte die 24 Anwesenden auf, die L-itzung ab^ubrechen. Da diese sich weigerten, wurde ein Protokoll ausgenommen. Die Versammlung erledigte sodann vollständig ihr^Programm Das gleiche geschah mit der Sitzung des demokratychen Zentral- verbandes in Terjioki mit dem gleichen Ergebnis

In °ob5 meuterten Mannschaften des Eskatermburg- schen Infanterie-Regiments gegen ihre Offiziere. Es kam zu einem blutigen Zusammenstoß, be.i dem /m Mann getöt et, und mehrere verwundet wurden. Du^ meuternderSoldatm wurden schließlich überwältigt und gesestelt nach der.ye'tung Iwangorod gebracht Auf der Station Peltsowina der Weickselbohn wurde em Gendarmerie-Unteroffizier von drei Unbekannt.m durch Revolverschüsse getötet- In Warschau wurdebei emem Renkontre zwischen einer lärmenden Menge und emer Militär­patrouille ein Unbeteiligter erschossen.

Wie einer ostpreußiscl>en Zeitung von zuverlässiger Seite ge­meldet wird, wurde in Sessau (Kurland) der Ki^)envorsteher B a r o n B i st r a m von Aufrührern erschossen. Baron Hahn- Platon wuvde durch den Ntüller Witone gerettet, der selbst emen Schuß in den Unterleib erhielt. Fürst Lieven, der Abelsmar,chaU

Vom Unwetter.

Das Gewitter, bas am Sonntag über unsere Gegend nieberging, hat teilweise großen Schaben angerichtet, obgleich auf ber anderen Seite der Regen ber Lanbwirtschast vor« großem Nutzen war. Mehrmals hat ber Blitz in Häuser unbj Scheunen eingeschlagen. Wir erhalten folgenbe Berichte:

(?) GroßenLinben, 17. Juli. Bei bem am ©onntaft abend hier niebergeqangenen Gewitter schlug ber B l i tz in eine irn^ Bau befindliche Scheune, deren Wände vollständig ausemandev totXl-e- Reiskirchen, 17. Juli. Gestern fiel hier ein w o l k e n b r u ch a r t i g e r Regen, der Strafen und S t a l l e gehörig unter Wasser setzte, sodaß manche Bauersleute ihn Kleinvieh, wie Schweine, Ziegen, Schale und Stallhasen rc. mit in die höhergelegene W o h n st u b e flüchteten und hieretn-i mütig" das Ende der Gewitter und den Ablauf der Gewasier ab-i warteten. Die Wassermasien haben an vielen Stellen die Kav^ toffeln aus der Erde gewaschen, sodaß der Schaden recht be­deutend ist. .

p Wetzlar, 17. Juli. Gestern gingen m unserer Gegend eine Anzahl schwerer Gewitter nieder, teilweise^ verbunden mitz Öagelschlag. JnBrandoberndo rf ging ent zündend^ Strahl, auf dem Felde nieder. Auch an dem Schmidtborn'schen Hause Gleiberg richtete ein Walter" Schlag emige Beschädig- imgen nm 1? 3uH> ,^iec schlug der Blitz in den nörd­

lichen Giebel des Hauses der Gebr. Heynemann em. Von der ge* schieferten Dachfirst sowie von dem Ziegelbache warf er Teile mL die Straße herunter. In der benachbarten Syftstraße verbreitete sich ein phosphorartiger Geruch. ,

r Eberstadt, 17. Juli. Am Sonntag abend ging hier ei« schweres Unwetter nieder. Ueber eine Viertelstunde ohne Aushore«; wütete ein Gewitter, verbunden mit Hagel und orkanartigem, Sturm. Fast alle Sekunde zuckte ein greller Blitz hernieder, gluck-s licherweise ohne zu zünden. Das Unwetter hat namentlich an de» Ob st bäumen großen Schaden angerichtet.

a. Kinzenbach, 17. Juli. Gestern gegen 4 Uhr traf eht Blitz den höchsten der vier Schornsteine der Dampfs ziegelei. Er wurde arg beschädigt. Der Schaden duckte sich^ auf mindestens 15 000 Mk. belaufen. Dazu kommen die Störungen im Betriebe. . . .....

Dazu haben wir aus ber Umgegend folgenbe kleineres Nachrichten zu verzeichnen:

Bei bem Kckegersest in Ettingshausen und beini Kirche weihfesl in R e i n h a r d s h a i n wurden bie Festhallen vom SNirmej u m g e w o r f e n. In S a a s e n schlug der Blitz ms neue Schulz baus In Harbach ging ein Wolkenbruch weder, das Waffey drang in Stalle, Keller und Scheunen; viele Obstbäume wurden, vom Sturme abgebrochen. Auf den Aeckern wurden die Kar-, toffeln, Dickwurz 'rc. herausgewühlt, das Getreide hat schwer ge* litten. In Geilshausen schlug der Blitz mehrmals kalt em.

Auch von weiter her kommen Unwetternachrichten:

Kassel, 17. Juli. Ein furchtbares Unwetter, verbunden mid wolkenbruchartigen Regengüßen und starkem Hagelschlag hat aestmr im Oberweserbezirk, namentlich im Kreise Hofgeismar un» deffeii Nachbargebieten, gehaust. Die Landwirtschaft erlitt grotze« Schaden, strichweise ist die Getreideernte vernichtet. j

Ein schweres Unwetter suchte am Sonntag die Gegend vo« H a l l e a. d. S. heim. Innerhalb 14 Stunden ll.mgen mehre«, schwere Gewitter nieder. Ter Blitz schlug vielfach em. Em Blitze schlag in die Oelfabrik zündete und richtete einen Schaden vorr 30 000 Mk. an. Am Montag nachmittag wütete im ganzen oberschlesischen I n d u st r i e b e z i r k ein heftiges Un­wetter, das, mit Gewitter, Wolkenbruch und Hagelschlag ver­bunden, von einem orkanartigen Sturme begleitet war. In Glenwtz, Zabrze und deren Umgebung wurden viele Hauser ab- gedeckl. In L i p i n e riß der Sturm die Halle 7 der Zinkhütte /Silesia' ein, in der etwa 60 Arbeiter tätig waren. Eine große Anzahl von ihnen ivurde unter den Trümmern begraben. Nach amtlicher Meldung wurden zwei getötet, zwei schwer und mehrere leicht verletzt. Durch das Feuer der Oefen entstand eiw Brand.