cb e n gehandelt zu haben. Sie hüben Recht, wir verstehen Müller auch nicht. Wohin soll das kommen, wenn sächsische Untertanen nicht einmal mehr mit absatzlosen Lederschuhen getreten werden dürfen? Noch dazu auf den Hinteren linken Oberschenkel, also eine ziemlich unanständige (Zagend. Man sollte meinen, daß russische Fürsten verlangen können, daß ihnen dieser minderwertige Körperteil anstandslos preis gegeben wird.
P. S. Sie können -Vfrrcn Mandanten beruhigen; wir bringen mit Vorliebe Witze gegen russische Fürsten und werden auch diese Erklärung gerne abdrucken. Wenn Ihr Mandant ein Freund von Veröffentlichungen ist, soll er diesmal seine Helle Freude daran haben."
Ob Fürst Kotschoubey und sein Rechtsanwalt jetzt befriedigt sind?
51 rrsland.
London, 17. April. Vor Roosevelts Abreise aus Washington fand nach einem Telegramm der „Morningpost" zwischen ihm und dem deutschen Botschafter Vorbesprechungen übereinen neuen deutsch-amerikanischen Handelsvertrag statt. Baron Speck wies darauf hin, daß mangels eines entsprechenden En t g e g en k o m in e n s der Vereinigten Staaten Deutschland als ihr beiter Kunde vermöge der Zollsätze des neuen Tarifs ihrem Exporthandel tätliche Wunden schlagen werde. Ter Präsident habe diese Gefahr anerkannt und sich gleichfalls bitter über die Haltung des Senats beklagt, die den Abschluß des Gegen- ^eitigkeitsvertrages nahezu unmöglich mache.
Paris, 17. April. „Petit Republique" teilt mit, daß 'sich die Fäden der Verschwörung bis nach Brüssel erstreckt haben. Unter anderen: ist jetzt der Name des Schneiders bekannt geworden, bei welchem sich Prinz Viktor Napoleon eine Uniform als französischer Divisionsgeneral hatte anfertigen lassen.
Madrid, 17. April. Auf Befehl des Militär- Gouverneurs von Barcelona wurden zwei Hauptleute verhaftet unter der Anschuldigung, sich gegen den Staat organisiert zu haben. Es soll sich um ein Pro- nunciamento handeln, zu welchem die Armee ihre Mitwirkung versprochen hätte.
Rom, 17. April. „Patria" bestätigt, daß eine Zu- /ammenkunft zwischen dem König Viktor Emanuel und König Eduard nach der Beendigung der Mittelmeerfahrt des letzteren stattsinden werde.
Belgrad, 17. April. Wie bestimmt verlautet, führen Leiter der Bauernpartei Verhandlungen mit ausländischen Kapitalisten bezüglich der Gründung einer Bauern- bank mit zehn Millionen Dinars, welche die Mitglieder der Bauernpartei unterstützen solle. Die Parteileitung hofft, auf diese Weise die Mehrheit der Landbevölkerung zu gewinnen.
£er Krieg.
Tie russischen Geschwader.
Tokio, 17. April. (Reuter.) Man rechnet hier aus, das baltische Geschwader am 12. April mittags in der Kamranhbucht angekommen ist. Es muß sich also, als es am 14. April mittags gesehen wurde, 48 Stunden im Hafen aufgehalten haben. Tie Meldungen von einem verlängerten Aufenthalt des Geschwaders in den Gewässern von Cochinchina riefen in Tokio Ueberraschung hervor, da man allgemein Zweifel gehegt hatte, daß Frankreich das Anlaiifen seiner Häfen der Flotte einer kriegführenden Macht gestatten würde, die in Angriffsoperationen begriffen ist. Man erwartet, daß Japan unverzüglich bei Frankreich Vorstellungen erhebt. Die Antwort wird hier mit Spannung erwartet. Wenn Frankreich in Abrede stellen sollte, daß sich die Flotte innerhalb der Grenze der französischen Territorialgewässer befindet, gebe dies Japan Gelegenheit, die Schiffe Roschdjestwenskys anzugreisen, ohne die französische Neutralität zu verletzen.
Saigon, 17. April. (Agence Havas.) Der französische >dmiral Jonguiöres ist mit dem Torpedojäger „Safou* zu dem Kreuzer „Descartes" in die Kam-Ran h-Bucht gefahren, in deren Nähe eine Anzahl russischer Schiffe ankern. Eine französische Firma in Saigon kaufte den Dampfer „Eridan" an, der gestern abend mit einer vollen Ladung Lebensmittel verschiedener Art, die vom russischen Geschwader bestellt waren, in See gegangen ist. Das russische Geschwader verlor seit seiner Abfahrt aus Europa nur acht Mann an Krankheiten, bei einem Effektivbestand von 18000 Mann. Ein von Beri-Beri befallener ruffischer Offizier liegt im Hospital zu Saigon. Die Japaner nahmen auf der Höhe der Küste vieleKohlen- fchiffe weg, sind aber durch das plötzlicheErscheinen Roschdjestwenskisin Unruhe versetzt worden. Es wird bestätigt, daß das russische Hospitalsch'ff „Orcl" keinen Verwundeten an Bord hatte, da keine Schlacht stattgefunden hat. Unter den wenigen Kranken befindet sich der Fürst Kantakuzen. Sechs Personen japanischer Herkunft landeten am Kap St. Jaques in einer anamitischen Dschunke, schifften sich aber an demselben Abend wieder ein.
Hongkong, 17. April. (Reuter.) Der deutsche Dampfer ,Brunhilde", der heute morgen hier angekomwen ist, sah am 14. April 30 Seemeilen nördlich von Kap Padaran an der Küste von Cochinchina drei russische Kreuzer.
London, 17. April. Tas Geschwader Nemoga- lows, welches kürzlich Dschibuti pasfierte, wurde auf der Höhe von Ceylon signalisiert, das heißt 10 Tagfahrten vom Geschwader Poschdseswenskys entfernt.
London, 17. April. Eine Odessaer Drahtung des ,Standard^ besagt: Einer Meldung aus Sebastopol zufolge .werde die Schw a rzme erflotte schleunigst für den aktiven Dienst mobilisiert. Es erhält sich das Gerücht, Ruß- >land werde nötigenfalls die Durchfahrt durch die Dardanellen erzwingen (?)
London, 17. April. Eine Depesche aus Hongkong an ven (unzuverlässigen) „Daily Mirror" meldet, daß ein kleines Gefecht zwischen einem Teil der japanischen Flotte südlich von Formosa bereits stattgefunden habe.
Petersburg, 17. April. Tie Kreuzer „Rossija", Gromoboi" und „Bogatyr", welche in Wladiwostok im Trockendock lagen, werden in Bereitschaft gehalten, um auf Las erste Signal in See ru gehen.
Nene rnssische Schiffe.
Odessa, 17. April. (Petersb. Telegr.-Agentur.) Auf der Nikolajewerft werden auf Bestellung des Marineministers die Torpedoboote „Zadorny", „Zvonsky" und „Zorky", jedes zu 300 Tonnen Gehalt, zwei Kreuzer zu 6000^ Tonnen, sowie zwei Maschinen für die Panzer „Johann Zlatoust" und „Saint Eustach" fertiggestellt.
Petersburg, 17. April. Der Spezialausschuß zur Entgegennahme von freiwilligen Sammlungen für die russische Flotten-Verstärkungen hat bisher 35 Millionen Rubel zur Verfügung.
Aus der Mandschurei.
Tokio, 17. April. (Amtlich.) Fünf Schwadronen feindlicher Kavallerie zogen in der Nacht des 15. April in Sanyenching auf der Fakumen-Fenghuastraße ein. Tic japanischen Truppen machten einen Nachtangriff rmd schlugen den Feind nach Norden zurück. Ter Feind ließ, von Schrecken ergriffen, acht Tote zurück. Unsere Verluste betragen zwei Mann. Häufig fanden Zusammenstöße mit Kavallerie statt, die mehrere Plätze besetzte. Sonst sind keine wesentlichen Veränderungen eingctreten.
Petersburg, 17. April. (W. B.) General Line- witsch berichtet in einem Telegramm an den Kaiser vom 16. April: Eine russische Abteilung zwang am 11. April den Feind, seine Stellung bei dem Dorfe Uhok zu räumen, drängte ihn zurück und rückte bis zum Dorfe Meian vor. Die Japaner besetzten einen Paß- kamm, zwei Werst südlich des Torfes Nandsaimuhola. Nachdem eine russische Abteilung die Stellung des Feindes durch Artillerie beschossen und seine Flanke umgangen hatte, zwang sie den Feind zur Aufgabe seiner Stellung. Auf der Stellung wurden 35 Verschanzungen gefunden. Bei ihrem Rückzüge zündeten die Japaner das Proviantmagazin bei Nandsaimuhola an. Als am 12. April russische Truppen das Dorf Echola passierten, waren sie dein feindlichen Jn- fanteriefeuer und dem Feuer zweier Rcvolverkanonen von Siavaitsy und Almoadi her ausgesetzt. Die Ruffen beschossen den Feind mit Artilleriefeuer, sandten Abteilungen zur Umgehung der feindlichen Stellung vor und rückten dann vor. Tie feindliche Stellung wurde schließlich von der russischen Infanterie, die fünf Revolverkanonen mitführte, genommen. Die Japaner leisteten hartnäckigen Widerstand.
durch Jobs. Nickel. 11. Steinmetzarbeiten für die israelitische Leichenhalle. 12. Konstruktion der Decken im Neubau der Höheren Mädchenschule. 13. Genehmigung von Rechnungen. 14. Nachbewilligung von Kredit für das Elektrizitätswerk für 1904. 15. Beschaffung von Gartcnschläuchen für die städtischen Anlagen. 16. Rechnungsabschluß der Gießener Omni- bl'sgesellschaft für 1904. 17. Vorlage des Voranschlags für 1905. 18. Die Verbrauchssteuern in der Stadt Gießen.
19. Gesuch der Witwe Elise Rath dahier um Erlaubnis zum Wirtschaftsbetrieb im Hause Plockstraße 11. 20. Desgleichen des Emil Naßmann dahier für Marktplatz 20. 21. Des
gleichen des Karl Schmalz dahier für Landgraf Philipp- Platz 9.
*• Hessisch-Thüringische Staatslotterie. Bei der heute fortaesetzten Ziehung der 6. Klaffe siel ein Gewinn von 10 000 Mk. auf Nr. 83439, ein Gewinn von 5000 Mk. auf Nr. 50819, Gewinne von je 2000 Mk. auf Nr. 4887 9208 10329 31788 36692 43821 56124 66308 66883 78274 87320 95111. (Ohne Gewähr.)
X Wieseck, 18. April. Heute feiern der Landwirt Johannes Deibel und seine Ehefrau Christine Deibel, geb. Sommerlad, silberne Hochzeit.
R. R. Darmstadt, 17. April. Der angekündigten Feierlichkeit in der hiesigen Kleinkinderbewahr- an statt wohnte heute vormittag I. K. Hoh. die Großherzogin in Begleitung ihrer Hofdame Frl. v. Notsmann bis zum Schluffe bei. Nach herzlicher Begrüßung der hohen Frau durch den Vorstand und die wohl 150 Köpfe starke, freudestrahlende Kinderschaar fand zunächst eine kleine Prüfung der zu Ostern schulpflichtig werdenden Kinder statt, wobei auch Gedichte und Lieder vorgetrogen und hübsche Spiele arrangiert wurden. Eine allerliebste Huldigung brachten die Kinder der hohen Frau durch ein eigens einstudiertes Blumenspiel dar. Dann folgte die Speisung der ganzen Kinderschaar in Gegenwart der Großherzogin und auch das allgemeine Ostcreiersu chen, das den Kleinen natürlich ganz besondere Freude machte; die schönen bunten Oltereier trugen meist die rot-weiße hessische und die blau-gelbe fürstlich solrnssche Farbe. Tie Großherzogin besichtigte auch die von den Kleinen angefertigten Handarbeiten und sprach der An- staltsleitung über die Einrichtung und die belehrenden Maß- nahmen volle Anerkennung aus. Sehr erfreut war die hohe Frau auch, daß die Kinder vor der Abfahrt ihren Wagen
Petersburg, 17. April. Ein Telegramm aus Kwang- tientsee berichtet, daß große japanische Streitkräfte nach Tieling unterwegs sind. Bedeutende Chungusen- banden sind auf dem Wege nach Norden, um mit den russischen Truppen in Fühlung zu kommen. Die Japaner drängen die Einwohner der von den Ruffen besetzten Ortschaften nach Norden, sodaß es oft vorkommt, daß auf sie aus Irrtum geschossen wird, weil man sie für Japaner hält. Allgemein glaubt man, daß ein ernster Kamps innerhalb weniger Tage beginnen werde.
Ruß'and in Sturm und Drang.
Der Neichsrat beschloß die Einführung des neuen allgemeinen Kriminalrechts für den 14. Jan. 1906, dessen Teile betr. die Presse und Religionsvergehen sofort, in Kraft treten, sobald-als die Ausarbeitung der Bestimmungen hierüber gemäß dem Ukas vom 25. Dezember erfolgt ist.
Der Antrag der russischen Regierung, daß Finnland dem russischen Staatsschatz in den Jahren 1905 bis 1908 für Mili - tärzwecke jährlich 10 Millionen Rubel zahlen soll, wurde von dem finnländischen Landtage mit der Einschränkung angenommen, daß die Zahlung nur für dieses Jahr geleistet wird.
Wie die „Times" aus Petersburg meldet, hat der russ. Minister des Innern bekannt gegeben, daß der Zar die Mitglieder der Reform - Kommission selbst ernennen wird. Bisher hat es geheißen, daß die Mitglieder gewählt werden würden. Es ist dadurch klar geworden, daß der Zar nicht die Absicht hat, einen weitgehenden Plan von politischen Reformen von der Kommission ausarbeiten zu lassen. Die Kommission dürste die Aufgabe erhalten, politische Fortschritte zu hemmen.
In Wassili Ostrow sanden Unruhen statt. Die Arbeiter belästigten Pvlizeiagenten, welche von ihrer Waffe Gebrauch machten. Ein Matrose wurde von zwei Kugeln getroffen, weshalb große Aufregung unter den Matrosen herrscht. Den letzten Nachrichten zufolge haben auch die Arbeiter der Putilow-Werke in Petersburg wieder Unruhen an den Tag gelegt. Die Werke werden infolgedessen in 14 Tagen endgiltig schließen, wodurch 10 000 Arbeiter beschäftigungslos werden.
Aus Charkow berichtet man der „Welsch. Potschte": Eine Schülerin der achten Klasse des Mädchengymnasiums, A. Gjunter, erschoß sich. Dieses Ereignis übte auf alle einen schweren Eindruck aus. Das Motiv dieses Selbstmordes, wie auch aller ähnlichen in der letzten Zeit häufig vorkommcnden, ist in den Konflikten der Jugend mit der Polizei zu suchen, welche bemüht ist, die Jugend von der ganz Rußland ergreifenden Bewegung abzuschließen. Den Sarg begleiteten mehr als 1000 Menschen. Die Geistlichkeit war nicht anwesend. Am Grabe wurden Nachrufe gehalten.
In Achtyrka in Süd-rußland brachen Diebe in die Kirche ein und entwendeten einen mit großen Brillanten geschmückten Goldrohmm vnm wundertätigen Marienbilde. Wert der Steine an 100 000 Mark.
Aus Stad! und Kund.
Gießen, 18. April 1905.
** Prinz Heinrich von Preußen hat sich heute von Kiel nach Darmstadt begeben, um dort die Osterfeiertaqe zu verleben. Er traf im Salonwagen heute früh um 7.57 Uhr hier ein, nahm hier ein Frühstück und fuhr um 8.02 Uhr nach Darmstadt weiter.
•* Ernannt wurde der Lehrer Friedrich Wilhelm Haber zu Rüddingshausen, im Kreise Gießen, zum Lehrer an der höheren uni) erweiterten Mädchenschule zu Gießen, unter Belassung in der Kategorie der Volksschullehrer mit Wirkung vom 1. Mai 1905.
** Tagesordnung für d i e Sitzung der Stadtverordncten-Bersammlung Donnerstag den 2 0. Aprik, nachmittags 3 ’/2 Uhr pünktlich: 1. Baugesuch des Joh. Gg. Pfaff für die Stephan- straße; hier: Dispens. 2. Baligesliche des Gg. Wagner III. für die Stephanstraße; hier: Dispens. 3. Baugesuch des A. Montanas für die Bahnhofstraße; hier: Dispens. 4. Baugesuch des Emil Schöll für die Ebelstraße; hier: Dispens. 5. Aufstellung von Grabdenkmälern im Hewel'schen Vorgarten Grünbergerstraße. 6. Erwerb von Straßengelände zur Verbreiterung d^S Selterswegs von H. WilM Ehelelste. 7. Erwerb des Brandplatzes. X Geländeaustausch zwischen Bahn und Stadt. 9. Ausbau der Keplerstraße; hier: Vergebung der Vstaster- und Chaussierarbeiten. 10. Pflastersteinlieferung
hübsch mit Blumen geschmückt hatten.
Mainz, 17.Avril. Auf dem Wege von der Nothelferkapelle zur Heidesheimerstraße im Gonsenheimer Wald erschoß sich gestern ein etwa 40 Jahre alter, vornehm gekleideter Herr, der eine elegante Neiseausrüstung mit sich führte. Er hatte vorher alle Papiere verbrannt, die über seine Persönlichkeit Auskunft geben könnten. Tags zuvor hatte er jedoch in einer Wirtschaft erzählt, daß er als englischer Offizier den Buren krieg mitgemacht hätte. Die Leiche mürbe in das Gonsenheimer Leichenhaus gebracht.
te. Nied er ursel, 17. April. An der bekannten gefährlichen Biegung, dem sog. „krummen Esel" hier, kam gestern nachmittag zwischen 4 und 5 Uhr ein Automobil aus der Fahrbahn und schlug nm. Der CH affe ur erlitt schwere Verletzungen. Der telephonisch herbeigerufene praktische Arzt Dr. Glanz aus Heddernheml leistete ihm die erste Hilfe. Das beschädigte Fahrzeug fuhr später weiter.
Kleine Mitteilungen aus Hessen und bett, Nachbarstaaten. Die Kommission vom landwirtschast-E lichen Provinzialverein für Abhaltung eines Pr ovinzial- Zuchtviehmarkteswar letzte Woche auch in Hu n g e n anwesend, um den dafür in Betracht kommenden Platz zu. besichtigen. Es ist also neben Butzbach und Gießen auch! Hungen für den Markt in Betracht gezogen worden — In R e i n h a r d s h a i n feierten die Eheleute Joh. Muller das Fest der goldenen Hochzeit. — Der im Jahre 1874 gegründete Kriegerverein „Hassia" in Leihgestern begeht in diesem Jahre sein 31. Stiftungsfest. Es ist auf den 1. und 2. Juli festgelegt. Gleichzeitig wird ihm aucü die Ka i s er s ckvle i fe überreickst werden.
Kerilgtssaal.
(fb.) Darmstadt, 17. April. Der jetzt ca. 35 Jahre alte verheiratete Wachtmeister der 2. Batterie des Feld-Art. Regts. Nr. 25, Franz Paul, aus Villiugen (i. Oberh.), der ;etzt eine nahezu 15 jährige Dienstzeit hinter sich hat, hat sich vor dem hiesigen Kriegsg ericht wegen Betrugs, Mißbrauchs der Dienstgewalt usw. zu verantworten. Der Angeklagte ist beschuldigt und Mich im wesentlichen geständig m den letzten fünf Jahren, seit er Wachtmeister geworden ist, die seiner Batterie zugeteilten Einjährigen in geradezu schändlicher Weise ausgcbeutet und geschröpft y.t haben, eo hatte er eingeführt, daß jeder llrl-aubspaß, der einem Einiährigen misgestellt wurde, mit einer besonderen an ihn zu zahlenden „Steuer" von 10—20 Mark belastet war, einzelne Einjährige haben für besonderes .,Futt er g el monatlich 15 Mk., also in 10 Monaten 150 Mart — an Müller entrichtet, die Uebunasgclder der Einjährigen-llnteroffiziere, die jedesmal ca. 100 Mark auSmachten. zahlte er einfach nicht aus; in einzelnen Fällen im lebten Jähre erst, als man mit Anzeige beim Regiment drohte. Manchmal fehlten auch an den von den Einjährigen ein gegangenen dienstlichen Geldern, die an den Zahlmeister abWliefern waren, namhafte Beträge, so in einem Falle 175 Mark, die er sich von den Einjährigen nochmals nachzablen ließ. Einzelne Einiährige haben auf diese Weise während eines Jahres über 300 Mark verloren. Aehnlich trieb er es in einer ganzen Reihe von anderen Fällen, sehr viele sind überhaupt nicht mehr festzustellen, er hatte ein vollständiges Aussairgesystem eingerichtet, manchmal wurde das Geld auch an die tfrau eingeschickt. V. lebte dabei flott, chikanierte im übrigen, wo er konnte, iinb erklärte eines Tages einem Freunde, „so klinge es tein- jährige gibt, werde ich nicht abgehen". — Es wurden ca -0 Zeugen vernommen. P. wurde, dem Antrag des Vertreters der Anklage entsprechend, zu 6 Monate Gefängnis und zur De g r a - dation verurteilt. Er verliert damit den linder echt tgungs- sebein, sowie in Berbindi'ng damit, die ihm 5-nstehenden 1000 Mark, die er nach "zwölfjähriger guter Diennfuhrung zu bean- svruchen hatte. Vorai'ssichtlich wird er Revision emlegen. Die Verhandlung wurde wegen GefährdiMg der Militärischen Dis- zivlln nicht ö f f e n t l i'ch geführt. Der aus einer Inspektionsreise begriffene D-r-ktor im KricgsMiNistcrii'm Generalmaior von Valles des Varres und der Wirkt. Geheime Kriegsrat Wolf wohnten d^r bei.
Dcrniifd)teSt
* Hannover, 17. April. Ter Mädchen Mörder Büther hat, von Gewissensbissen verfolgt, die Staatsanwaltschaft um eine Vernehmung gebeten und dem Staatsanwalt mitgeteilt, daß der Schuhmacher Paul der Mörder Der Else Kassel sei. Er habe zwar nicht gesehen, daß Paul die Elie Kassel ermordet habe, sei aber Zeuge davon aewesen, wie Paul die Leichenteile in seinem Keller vergraben habe. Paul habe ihm auch die kleine


