Ausgabe 
18.4.1905 Erstes Blatt
 
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Schare zugeführt. Er habe sie nach Verübung des Sittlich­keitsverbrechens am .Halse gewürgt und getötet, worauf Paul mit einem Messer dem Kinoc den Leib cmfgeschlitzt und zerstückelt habe. Die Staatsanwaltschaft hat sämtliche Schuhmacherwerkzeuge beschlagnahmt.

^'Genickstarre. In Zabrze (Oberschles.) sind nach Lweitägiger Pause wieder mehrere örfranfun^en vorge- kominen. Im Zabrzer Knappschaftslazarett sind 61 an Genickstarre erkrankte Personen untergebracht. Auch in Ni­kolai, Kreis Pleß, fängt die Genickstarre an, in epide­mischer Weise aufzutreten, es sind bereits mehrere Tooes- sälle vorgekommen. In Ne urod e ist der Schleifer Karger an Genickstarre gestorben. In Wien wurde bei zwei in dem Karolinen-Kinderhospital in Pflege befindlichen Kin­dern die Genickstarre konstatiert.

*Lieber Herr Kaiser!" Ein in Pankow beschäf­tigter Arbeiter Krause hat einen zwölfjährigen Sohn Wil­helm, der die erste Klasse der dortigen Gemeindeschule besucht. Da der aufgeweckte Knabe gern höhere Schul­bildung erhalten wollte, faßte er den Mut, au den Kaiser folgendes Schreiben zu richten:Lieber Herr Kaiser! Ich sitze hier in Pankow dank der Bemühungen meiner Herren Lehrer als zwölfjähriger Schüler in der ersten Klasse der Gemeindeschule. Ich möchte so gerne weiterkommen, aber Mutter und Vater können es nicht schaffen. Da ich nun wie du, lieber Kaiser, auch Wilhelm heiße und auch am 27. Januar geboren bin, habe ich die große Bitte, helfe mir." Tie Bitte ist nicht ungehört verhallt. Ter Kaiser ließ Erkundigungen einziehen, und als die Angaben sich bewahr­heiteten, erhielten die Eltern die Nachricht, daß ihr Sohn aus Kosten der kaiserlichen Schatulle seine Ausbildung in der Pankower Realschule erhalten solle.

* T a s E i n j ä h r i g c ermatt. Vor kurzem ging durch die Zeitungen die Notiz, daß ein Sänger dieSchnüre" sich ersungen und ein Schlosserlehrling sie sich erfeilt hätte; jetzt kann als Pendant dazu berichtet werden, daß dem noch jugendlichen Maler und Zeichner Paul Goldstein in Aschers­leben durch Befürwortung der Herzog!, anhalt. Kunstge- werbeschule für hervorragende Leistungen der Berechtigungs­schein zum einjährig-freiwilligen Militärdienst verliehen worden ist.

* Aus derFügen d". Ich war mit meiner Freun­din in BjörnsonsUeber unsere Kraft"; sie war sehr er­schüttert und vergoß Ströme von Tränen. Nach dem ersten Akt bot ich ihr anstelle ihres vollständig durchnäßten Taschentuches mein Reservetuch an, erhielt aber die Ant­wort:Ach laß nur, der zweite Akt geht auch noch rein!"

* Kleine Tageschronik. Unter dem Verdacht des Meineides wurde in Meiderich der Führer der so­zialdemokratischen Gewerkschaften, Schluchtmann, verhaftet, der eidlich Gestritten hat, Zettel, in denen zum Boykott einer Wirtschaft wmi-h*. vorteilt zn baben.

ArbelUrbewegung.

Im Essener Revier fanden am Sonntag zahlreiche Ver- -fammlungien der Bergarbeiter statt, worin die Bergesetz­novelle und der preuß. Bergarbeitertag zur Erörterung kamen. Es wurde eine Resolution an den Reichskanzler ab­gesandt, worin sich die Versammlungen mit den Beschlüssen des preußischen Bergarbeitertages in Berlin _ solidarisch erklärten und das Abgeordnetenhaus ersuchten, die Gesetznovelle nach den Vor­schlägen der Arbeiterdelegierten umzuändern. Der Reichskanzler wurde ersucht, die Gesetzentwürfe aus dem Abgeordnetenhaus zurück^uziehen, und mit den gewünschten Aenderungen dem Reichs- tage sofort vorznlegen.

Schlußkurse.

Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.

Berliner Börse vom 17. April 1905.

(Mitgeteilr von der Bank iür Handel und Industrie, Gießen.) Prwat-Diskont l7/a Prozent.

Anfangs- u.

Oest. Kredit . 208.50 208.75

Deutsche Bank . . . 240.80 240.62

Darmstädter Bank . 143.40 143.40

Bochumer Guß . 251.50 251.25

Harpener Bergbau . . 216.25 216.00

Tendenz: Ruhig.

KrupkesKonversations-LexikonderVörsennd z e s Handels und praktischer Führer für Kapitalisten. Fünfte, gänzlich neu bearbeitete und stark eriveiterle Aiiflage 1905. B. II. Bit. 3,50 (szranz Krupke & Co. Berlin W. 15, Kuriürslendamm48-59). Der soeben erschienene zweite Band dieses Nachschlagewerkes, um­

faßt das Lexikon der Berliner Börsenwerte mit der Zinsberechnung nnd Dividenden-Abtrennung der einzelnen Papiere pro 1905, ferner das Bankier-Lexikon der deutschen und auswärtigen Banken und Baiiksirmen und das Adreßbuch, das Lexikon der sämtlichen Zahl­stellen mit den Original-Eoilpons-Verzeichnlssen und eine Fülle aiiderer wertvoller Informationen. Tie ivertoolle>r tabellarischen Beigaben, wie die Maklergruppen pro 1905, die Berliner und cm§- wärtigen Zahlstellen, das Ortslexikon mit den Einwohnerzahlen, sämtlichen Reichsbankaiistalten etc., die Berliner Wechselstuben und Depositenkassen der Banken nach Straßen alphabetisch geordnet, der neueste Sitiiationsplan der Berliner Börse mit sämtlichen Plätzen und Adressen der Börsenbesucher, die neuesten Bilanzen, die lieferbaren Nlunmern noit Aktien etc. machen das Interessenten­kreisen unenbehrlich.

Fainillen-Nachrichten.

Gestorben. FrauPauline Schultheiß Wiv., geb. Hilger, Echzell.

Verlobte. Hedwig Vogel, Kreiiznach, Mar Roos, Bingen.

Kirchliche Nachrichten.

Katholische Gemeinde.

Mittivoch, den 19. April 1905:

Nachmittags uin 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur hl. Beicht.

Donnerstag, den 20. A p r i l 1905. Gründonnerstag.

Vormittags von 6 1/2 Uhr an: Gelegenheit zur heil. Beichte.

um 7,71/2 und 8 Uhr: Austeilung der heil. Kommunion.

um 9^ Uhr: Hochamt.

Nach dem Hochamt wird das Allerheiligste nach dem heil. Grabe übertragen und dort bis zur Abendandacht ausgesetzt. Nachmittags um 6 Uhr: Andacht.

Israelitische Religionsgesellschast.

(£olkf>oicafl.

Donnerstag, den 20. u n d F r e i t a g, den 21. Ap ril 1905.

Passahfest.

1. Tag.

Vorabend 7.10. Morgens 8.00. Predigt. Nachmittag 4.00.

2. Tag.

Vorabend 8.10. Morgen 8.00.

S ab bath leier am 22. April 1905.

Vorabend: 7.00 Uhr. Morgens 8.00 Uhr. Nachmittag: 4.00 Uhr. Sabbathausganq 8.20 Uhr. Wochengottesdienst: morgens 6.30, abends 7.00 Uhr.________________

Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst.

Voraussichtliche Witterung in Hessen für Mittwoch, den 19. April 1905: Meist trüb, vielenorts Niederschläge (Schnee und Regen).

Näheres durch die Gießener Wetterkarte.

lvöü,rvUiü,k ltbrricht irr TedrsWe inöerslM ^ietzkli

2. Woche. Dom 8.14. Januar 1905.

(Einwo hnerzahl: angenommen zu 27 500 linkt. 1600 Mann Militär Sterblichkeitszisfer: 22,68

nach

Abzug voii

4 Lrtsiremden:

15,12 Vro.

St ui c e r

Es starben an:

Zusannnen

Erwachsene:

im

vom

1. Lebensiahr: 2.-

-15. Jahr

Tuberkulose der

2(1)

Luiigen

2(1)

Katarrh

3

2

1

Krebs Rückenmark-

2(2)

2(2)

entzüildiing

1

1

Nierelientzüiidung 1

1

Bruch

KD

1(1)

Tarmkatarrh

1

-

1

Leberschwund

1

1

Summa: 12 (4) 10 (4) 2

An m.: Tie m Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viel der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen.______________________________

Mlgmal-Arül-Unttöungen.

Be rlin, 18. April. Wegen Zweikampfes mit tät­lichen Waffen wurden hier zwei Studenten, die in einem Garten eine Alen für ausgefochten hatten, zu je drei Monaten Festung verurteilt.

Karlsruhe, 18. April. Der Astronom Otto Wilhelm v. Struve ist gestorben.

London, 17. April. Laut einer Reuter-Meldung sind die Pescadores - Inseln unter Kriegsrecht gestellt.

Alle Schiffe müßen 7 Meilen vom Gestade bleiben. Die Schiffe von Neutralen müssen zur Einfahrt in den Hafen Relung um die Erlaubnis der japanischen Behörden nach­suchen.

Paris, 18. April. Bisher erhielt die Regierung Feinen offiziellen Protest Japans gegen das Verweilen des russischen Geschwaders an der Küste Cochin­chinas. Es hat den Anschein, daß der französische' Admiral Jonquiöres an Bord desDescartes* voll» kommen korrekt den Admiral Roschdjeswensky über die Maximaldauer seines Aufenthaltes unterrichtet habe. Man ist hier einigermaßen erstaunt, daß in Drohtone gegen Frankreich gerichtete Depeschen in dieser Angelegenheit über. London aus Tokio kommen. Der Berliner Korrespondent' desEcho de Paris" will erfahren haben, daß ein Ab­kommen zwischen Frankreich und Deutschland un­mittelbar vor dem Abschluß stehe und zwar auf folgender Grundlage: Frankreich erkennt für Deutschland das Prinzip der offenen Tür an und erklärt sich gegen jedes ausschließliche Monopol in Marokko. Deutschland erbietet sich seinerseits, das Reformwerk Frankreichs in Bezug auf die militärische und finanzielle Organisation nicht zu stören, jedoch unter der Voraussetzung, daß die Souveränität des Sultans völlig gewahrt bleibt Einige untergeordnete Punkte sollen an Ort und Stelle auf Grund der allgemeinen Abmachungen ihre Regelung finden. Die Zustimmung Englands zu dem Vertrage iit sicher.

Paris, 17. April. (Kammer.) Der Zusatzantrag, bet dahin ging, daß das Vermögen der religiösen In­stitute, welches der Nation gehört, verkauft und der Erlös der Kasse für die Altersversicherung der Ar­beiter zugewiesen werden soll, wird mit 520 gegen 51 Stimmen verworfen.

Petersburg, 18. April. Der Oberprokuratov hat bei dem Justizministerium die Unterdrückung des Prozesses gegen Gorki befürwortet.

Tanger, 18. April. Der hiesige, englischen Interessen dienende, der Gesandtschaft nahestehendeEco Mauritano* meint, es verursache in der öffentlichen Meinung wahre Ueber- raschung, daß ein Teil der englischen Presse fortgesetzt gegen die deutsche Aktion in Marokko opponiere, obwohl sie nur die Erhaltung der offenen Tür für alle Ma­drider Signatarmächte bezwecke. Zahlreiche englische Kauf­leute erklären unumwunden, daß ihnen die Haltung der deutschfeindlichen englischen Zeitungen unerklärlich sei, da Deutschland nur für Wahrung seiner Rechte eintrete, was England sich durch das Abkommen mit Frankreich gesichert habe und anderen in Marokko interessierten Ländern gewiß nicht vorenthalten wissen wolle. Wenn dies beabsichtigt ge­wesen wäre, so hätte der Vertrag dies wohl ausdrücklich be­merkt. Das deutsche Vorgehen nütze allen Ausländern gegen, die offenkundige französische Ausschließimgs-Politik. Darum hätten auch die Engländer in Marokko den Kaiserbesuch jubelnd begrüßt.

Telephonischer Kursbericht.

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100.

Tendenz; ruhig.

101.60

90.85

101.50

90.80

100.40

99.00

67.80

67.95

89.35

<5 4% 4"/. 4% 3°/

1%

Türkenlose......

4% Uriech. Monopol.-Anl.

4l/,°/e äussere Argentiner

% Oesterr. Silberrente Ungar. Goldrente , Italien. Rente , . Portugieser I , . Portugiesen. III Unif. Türken . .

. 96.25 . 138 90 . 125.00 . 208 70 . 189.30: . 143.20

. 156 90 . 169 10 . 141.40 . 16.40 . 189.00 . 276.00

. 251.25 . 215 90 . 100.70

3V2°/o 37) 3V,°/o 3% 37 2%

Reiohsanleihe do.

Konsole . do. . .

Hessen

SU/,, Mexikaner A1IV'h Chinesen . Electric. boLuckert Nordd. Lloyd . . Kreditaktien Diskonto-Kommandil Darmstädter Bank Dresdener Bank . Beniner Handelsges Oesterr. Staatsbahn Lombarden . . Gotthardbahn . . Laurahütte . ,

.37,96 Oberhessen] .

4% Oesterr. Goldrente

138.20 j Bochum . . .

51.70 | liarpener . . .

. Staatschatzscheine

18. April, 21/. Uhr mittags.

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02550

im Alter von 31 Jahren.

Die tieftraueruden Hinterbliebenen:

i, Hch. Seipp und Sohn.

Gießen, Nieder-Weisel, ben 18. April 1905.

Die Beerdigung findet Mittwoch den 19. April, nachmittags 3 Uhr, in Nieder-Weisel statt. Blumenspenden auf Wunsch der Verstorbenen banfeiib abgelehnt.

Todes-Anzeige.

Gestern morgen entschlief sanft nach langem, schwerem Leiden unsere innigstgeliebte Gattin, Mutter, Tochter, Schwiegertochter, Schwester und Schivägerin

Frau Maria Seipp

Danksagung.

Für die vielen Beweise herzl. Teilnahme bei dem schweren Verluste, der mich betroffen, sage auf diesem Wege meinen herzlichen Dank, insbesondere den Lcamtcn des Elckirizilätswcrks und dem Maichincubaiicrgcsangvcrciii.

Adolf Winkler.

Gießen, den 18. April 1905. 02562

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