FriedenSbedlngungen und mll der Auswahl der Vevoll- mächtigten beschäftigten. Man glaubt, daß e8 möglich sein wirb, alles so zeitig zu regeln, daß die Bevollmächtigten mit dem zur Erfüllung ihrer Aufgabe notwendigen Stabe von Hilfsbeamten, im ganzen etwa 12 Personen, am 30. d8. mit dem Dampfer ,Ernpreß of Jndia* ihre Abreise nach Washington antreten können.
Inzwischen nimmt die
militärische Tätigkeit
lebhaften Fortgang. Wichtige Vorgänge werden auf allen Teilen de8 Kriegsschauplatzes in Kürze erwartet, so lautet ein Tokioer Reuter-Telegramm.
Dem unzuverlässigen „Daily Telegraph" wird in einer Drahtmeldung von einem Neber fall in der Mandschurei berichtet, den eine Abteilung Kosaken gegen ein japanisches Feldlazarett unternahm. Die Abteilung, die ganz unvermutet aufgetaucht war, feuerte zunächst aus einer kurzen (Entfernung mehrere Salven auf ein Lazareth ab und ging dann mit gezogenem Säbel zum Angriff vor, obwohl die Aerzte und das Lazarettpersonal, im ganzen etwa 300 Mann, durch ihre Abzeichen leicht als Angehörige des Roten Kreuzes kenntlich waren und sich als solche kenntlich zu machen suchten. Die Kosaken steckten die Tragbahren, Ambulanzen und Vorratswagen, die Instrumente und sonstige Gegenstände in Brand und plünderten schließlich noch sämtliche Schlafräume beim Rückzug, bei dem sie noch Feuer an die Hütten der chinesischen Bevölkerung legten. 20 Aerzte schleppten sie als Gefangene mit._______________________
Zur skandinavischen Frage.
Christiania, 20. Ium. Das Storthing beschloß eine Adresse anKönigOskar und den schwedischen Reichstag, welche besagt:
„Was in Norwegen geschehen sei. fei ein notwendiges Resultat der unionspolitischen Begebenheiten und nicht rück - gängigzu machen. Sicherlich wünscht keines der beiden Völker die früheren llnionsverhältnisse zurückzuführen. Das Storthing erkenne die schwierige Lage des Königs an imb habe nie daran gezweifelt, daß des Königs Entscheidungen gemäß den Rechten und Pflichten des Königs getroffen wurden, es appelliert aber an Schwedens König, Reichstag und Volk, an der friedlichen Beendigung mitwwirken. Das Storthing habe erfahren, daß der Beschluß, die Union aufzuheben, in Form imb Durchführung als kränkend für Schweden aufgcfaßt wurde; dies sei niemals die Absicht des Stortbings gewesen und nur ein notwendiges Verfechten der verfassungsmäßigen Rechte des Königs. Von dem Swrthing sei bereits ausgesprochen worden, daß das norwegische Volk keinerlei Bitterkeit und Unwillen gegen den schwedischen König und das schwedische Volk fühle. Ein 90 Jahre langes Zusammenarbeiten auf materiellen und geistigen Gebieten habe bei dem norwegischen Volke tzsefühle aufrichtiger Freundschaft für das schwedische Volk geschaffen. Diese Gefühle werden jetzt, da Norwegen nicht länger in einer für seine nationale Selbständigkeit kränkenden Stellung steht, von neuem rege werden und das gegenseitige Verständnis zwischen den Völkern befestigen und erhöhen. Im Vertrauen darauf, daß auch das schwedische Volk diese Auffassung teilt, stellt das Storthing der Regierung Schwedens anheim, unter Anerkennung der neuen Stellung Norwegens und seines Rechts als eines souveränen Reiches, auf die Verhandlungen einzugehen, die zur endgiltigen Regelung des jetzt gelösten Unionsverhältnisses notwendig sind. Das Storthing ist bereit, Jedem billigen und berechtigten Wunsche nachzukommen der nt dieser Veranlassung zur Sicherung der Selbständigkeit und Integrität der Reiche geäußert werden sollte. In staatsrechtlicher Beziehung werden die Völker von jetzt an getrennt fein, aber das Storthing hegt die sichere Ueberzeugung, daß sich ein gutes und vertrauensvolles Verhältnis zumSchutz gemeinsamer Interessen entwickeln wird. Kwnn die bevorstehende Regelung ohne Vorurteile und ohne Bitterkeit stattfinden, so ist das Storthing davon überzeugt, daß das, was geschehen ist, zum dauernden Glück für die Völker des Nordens sein wird. Im Interesse des Nordens richtet er diesen Appell an das Volk, das sich durch Hochsinn und Ritterlichkeit einen so hervorragenden Platz in der Reihe der Nationen enverben hat und mit dem das norwegische Volk von ganzem Herzen ein gutes Verhältnis aufrechtzuerhalten wünscht."
Stockholm, 19. Juni. Der Reichstag ist beute zusammen- jetreten. In der zweiten Kammer hielt der Präsident eine kurze Ansprache,, in welcher er feststellte, daß die H o f fn u n g S ch webens^,, die Union aufrecht zu erhalten, geschwunden sei, daß die Unionsverneinung von feiten Norwegens in einer Form erfolgt sei, die alle Versuche, die Verhandlungen wieder aufzunehmen, erschwere. Die Mitglieder der Kammer fühlten voll ihre Verantwortung gegenüber der Nation und ihrer
teiligt, seit dem Beschluß, daß nur ein Theater gebaut werden soll, aber überhaupt nicht mehr weiter um die Sache gekümmert habe, als' daß ich mir neulich die Wett- bewerbsplänc angesehen habe. Immerhin hätte ich wohl auf eine „Rechtfertigung" verzichtet — denn ich bin mit dem Inhalt jener beiden Artikel in den wesentlichen Punkten völlig einverstanden —, wenn nicht die Erwiderung im gestrigen G. A. auf den letzten Artikel mir — außerhalb der Theaterfrage — zu einer kurzen prinzipiellen Erwiderung Anlaß gäbe.
Also eö ist nicht einmal mehr erlaubt, daß sich ein, schein bar ganz außerhalb des früheren „Streites" stehender Architekt ein sachliches, ruhiges Urteil über eine baukünstlerische Frage erlaubt!
Er muß sich gefallen lassen, von Laienseite*) eines oesseren belehrt zu werden, sich Schwätzer und vor- eingeuommener, einseitiger Schwärmer schimpfen zu lassen und zuzusehen, wie von jener Seite die Arbeit eines in der Architektenschaft längst anerkannten Künstlers mit polternden Redensarten kurzweg zu einem total verfehlten Machwerk gestempelt wird. Als Milderungsgrund für die gereizte Tonart des Artikels ist vielleicht anzuführen, daß sein Verfasser wohl einen anderen Fachmann hinter den Ausführungen in Nr. 137 des G. A. gewittert hat'.
Sonderbar, daß es noch andere solche „einseitige Schwärmer" gibt: höchst sonderbar, daß selbst das führende Organ der deutschen Architektenschaft, die „Deutsche Bauztg.", der Stadt Gießen dringend raten konnte, sich von einem Manne, wie Dülfer, ein Theater bauen zu lassen! Denn der dama lige Artikel stammt, wie ich inzwischen erfahren habe, von der Schriftleitung der Bauzeituna selbst (auf Grund welchen Materials, ist mir unbekannt).
Verehrter Herr Kollege in Nr. 137 des G. A., die spießbürgerlichen Zeiten sind vorüber, da man einem Fachmann noch ein Urteil über Dinge auf seinem eigenen Gebiete einräumte, oder ihn gar zur Beratung nötig hatte. Ueberlassen Sie es Anderen, Kunstverständigeren auf der Wacht zu stehen auch für die heilige Kunst! Becker.
*) Hier hat der Herr Einsender freilich Unrecht; der Verfasser des gestrigen „(Eingefanbt" ist auch Architekt. D. Red.
SuThWf TTf VoW'tT' fedoch, daß NaU'WMckS bVr V'eryaNdlckngM dieses Reichstages die redlichen Absichten Schwedens zum Ausdruck bringen werde.
Paris, 20. Juni. Wie der Kopenhagener Korrespondent deS „(Mair" (wenig glaubwürdig) berichtet, wurde von norwegischer Seite beim deutschen Kaiser angefragt, ob er gestatten würde, daß ein Prinz von Hohen- zollern zum Könige von Norwegen ernannt werde. Der Kaiser habe dies' angeblich unter Hinweis darauf abgelehnt, daß er nicht wünsche, mit dem Hause Bernadotte in Konflikt zu geraten und andererseits auch England nicht gestatten würde, daß ein Hohenzvller den nortnegischen Thron besteige.
Mlitisch? Tagesschau.
Ein Zehnmillioneufonds.
R. Berlin, 20. JNni.
Wie wir erfahren, hat der vom Reichsbankpräsidenten Dr. Ko.ch Und dem Fürsten von Henckel-Donnersmarck angeregte Plan, durch die Hochfinanz einen Zehnmillionenfonds für preußische Offiziersfamilien schaffen zu lassen, gerade in den Kreisen des Adels, denen die vermeintliche Wohltat zugewendet werden sollte, unliebsames Aufsehen erregt. Es erscheint nicht ausgeschlossen, daß die Abneigung gegen die Idee, durch Geschenke von Großbanken oder deren Leitern preußischen Offiziersfamilien Unterstützungen zu gewähren, im Parlament zum Ausdruck kommt. Die „Nordd. Allg. Ztg." hat sich bis heute zu dieser wenig glücklichen Uebertragung des „Systems Mirbach" auf eine neue Sammlung großen Stils nicht geäußert, dem neuerhmg§ aber leider ganz unzweifelhaft offiziösen „Lokalem - in unserem gestrigen Artikel „Londoner Presse" muß d \ erste Satz, der redaktionellen Einschaltung natürlich lauten ■ Bei uns in Deutschland stehen wir vor !der großen Gefahr, daß Herr Scherl durch den Ankauf immer neuer Blätter einen ähnlichen unheilvollen Einfluß im gesamten öffentlichen Leben erringt. D. Red.) wurde es überlassen, di" „Bedenken" gegen das Projekt zu herzeichnen. Hoffentlich ist mit dem verunglückten Verlauf der ersten Versammlung der Gedanke end- giltig abgetan.
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Oldenburg und die Marokkopolitik.
Nach einer Rede, die der G r o ß h e r z o g von Oldenburg bei Eröffnung einer Landesausstellung des Großherzogtums gehalten hat, ist nicht daran zu zweifeln, daß es auch Rücksichten auf die Interessen der oldenburgischen Seeschiffahrt waren, welche den Kaiser veranlaßten, durch sein persönliches Erscheinen in Tanger der deutschen Forderung: „Offene Tür in Marokko!" Nachdruck zu geben. Ein besonders wichtiger Erwerbszweig eines deutschen Bundesstaats ist von Reichswegen wirksam geschützt worden. Ein Erweis der inneren Geschlossenheit Deutschlands, der den Marokko-Verhandlungen mit Frankreich einen bedeutsamen Hintergrund schafft. Oldenburgs Seeinteressen reichen ja nicht entfernt heran an die der Hansastädte, aber gerade weil dem so ist, muß eine Beeinträchtigung dieser Interessen im Verhältnis das Großherzogtum "mpfindlicher treffen. Das Eintreten d' Reiches für Oldeichurg ist auch unter dem GesichtspUt-ü erfreulich, als dadurch bekundet wird, daß die Anteilnahme der Regier nig nickst nur den Großreedereien in Hamburg und Bremen gilt. Änige Blätter wissen sogar von einer hohen p o l i t'i s ch e u T a t des Großherzogs von Oldenburg zu. melden. Er soll, wie glaubhaft versichert wird, derjenige gewesen sein, der zu dem Borge henderdeutschen Reich sregier- unginMarokko und zu der R e i s e u n s e r e s K a i fe r s dorthin die Anregung gegeben habe, zu einem Zeitcunkt, als man die marokkanische Gefahr noch nicht überall kannte, hauptsächlich im Interesse der schwer bedrohten olden- burgisch-portugiesischen Dampferlinie.
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Mutterschaftsverficherung.
Eine Eingabe des Verbandes fortschrittlicher Frauenvereine an das Reichsamt des Innern wegen Schaffung einer staatlichen Mutterschaftsversicherung wird von amtlicher Stelle gewiß sorgfältiger Beachtung gewürdigt werden. Der Vorschlag ist an sich gut und billigenswert, insbesondere soweit der Zweck verfolgt wird, den durch die Geburt entstehenden Lohnausfall zu decken. Aber es ist kaum anzunehmen, daß der Vorschlag in naher Zeit zu einem Gesetzentwurf sich gestaltet. Die Einführung der staatlichen Witwen- und Waisenversicherung, die nächste Aufgabe der Sozialpolitik, sowie die Vereinheitlichung der Arbeiterversicherung nehmen alle Kräfte in Anspruch. Sehr schwierig ist außerdem die Frage der Geldbeschaffung für die bedeutenden Kosten der neuen Versicherung. Man wird doch nicht etwa daran denken, die kühne Idee der Junggesellen st euer ausleben zu lassen?
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Eine neue Verlobung am Gmuudener Hofe.
Bon einer Seite, die als eine wohlunterrichtete bezeichnet werden darf, wird uns berichtet, daß eine Heirat geplant sei zwischen der Tochter des Herzogs von Cumberland, der Prinzessin Olga, mit dem Erbgroßherzoge von Mcckl enburg-Strelitz. Die Prinzessin Olga von Groß? britannien und Irland, Herzogin zu Braunschweig und Lüneburg — so lautet ihr offizieller Titel — ist die jüngste Schwester der Prinzessin Max von Baden sowie der Großherzogin von Mecklenburg-Schwerin und vollendet, am 11. Juli 1884 in Gmunden geboren, in Kürze ihr 21. Lebensjahr. Sie steht ihren älteren Schwestern an Anmut der äußeren Erscheimmg nicht nach. — Der strelitz'sche Thronfolger, Erbgroßherzog Adolf Friedrich, der soeben, am 17. Juni, in das 24. Lebensjahr getreten ist, verrichtet zur Seit als Leutnant im 1. Garde-Ulanen-Regiment in Potsdam Dienst, in das er vor anderthalb Jahren eintrnt, nachdem er die Universität München besucht hatte. — Dieser Verbindung, deren Zustandekommen in manchen Hofkreisen bereits als gewiß angesehen wird, würde iedenfalls in den mecklenburgischen, Ländern sehr freudig begrüßt werden, da durch sie die Herrscherhäuser von Schwerin und Sttelitz in eine neue nahe Verbindung träten. Bemerkt sei noch, daß der Großherzog Adolf Friedrich und die Prinzessin Olga selbst insofern ziemlich eng mit einander verwandt sind, als Beider Großväter, König Georg V. von Hannover und Großherzog Friedrich 'Wilhelm von Mecklenburg>-Strelitz, im Verhältnisse von Geschwisterkindern zu einander standen.
Deut?che^ Reich.
Cuxhaven, 20. Juni. Die Segelmettfahrt deZ „Norddeutschen Regattavereins* aus der Unterelbe begann heute bei prächtigem Wetter. E§ herrscht eine Südwestbrise. Am Start waren 24 Pachten erschienen. Der Kaiser war um 11 Uhr an Bord der Pacht „Meteor" gegangen.
Berlin, 20. Juni. Prinz und Prinzessin Heinrich von Preußen sind mit ihren Kindern und dem Hofstaat von Kiel nach ihrem bei Eckernförde gelegenen Gute Hemmel- inark übergesiedelt und haben in dem neuerbauten Landhause Sommerausenthalt genommen. Wie verlautet, wird dort
demnächst auch die verwitwete Großfürstin Sergiu- von Rußland, Schwester der Prinzessin Heinrich, zv längerem Besuche eintreffen.
— Die Berggesetzkommission des Herren. Hauses nahm gestern die vier ersten Absätze von § 1 des Berggesetzes an und setzte heute die Verhandlungen mit der Beratung über die Arbeiterausschüsse fort. Nach weiterer Debatte wurden die Beschlüsse des Abgeordnetenhauses befr. bte Arbeiterausschüsse in allen Teilen unverändert genehmigt. Die Abänderungsanträge wurden mit einer Mehrheit von 11 bezw. 12 Stimmen abgelehnt. Damit ist der Artikel 1 erledigt. Bei der Beratung des Artikels 2, der Bestimmungen über die Arbeitszeit und Einlegung von Heber* und Nebenschichten bei hohen Temperaturen enthält, lagen Anträge vor, den § 93d zu streichen, der das Verfahren von lieber- und Nebenschichten bei einer Temperatur von mehr als 28 Grad untersagt und eine mindestens achtstündige Ruhezeit vor Beginn jeder Schicht vorschreibt. Diesen Anträgen trat der Minister entgegen. — Der Gang ber Diskussion läßt es als wahrscheinlich erkennen, daß die Abstimmung die Annahme der Beschlüsse des Abgeordnetenhauses ergeben wird, vielleicht mit einigen Abänderungsanträgen von Tiele-Winckler, Dr. Wächter und Dr. Niehus, die dahin gehen, verschiedene noch in der vorliegenden Fassung zweifelhafte Fragen sicher festzulegen.
Karlsruhe, 20. Juni. Obwohl die badischen Land- a g Sw ah len voraussichtlich erst in der zweiten Hälfte deS Oktober stattfinden, ist die Kandidatenfrage schon heute in einem großen Teile der 73 Wahlkreise definitiv gelöst. Am eiligsten hatten eS natürlich die Sozialdemokraten, ie haben bis jetzt in 46 Kreisen Kandidaturen aufgestellt, das Zentrum in 34, die Nationalen in 25, die Demokraten in 6, die Konservativen in 2, die Antisemiten und National- ozialen in je 1. Rückständig sind nur noch die Freisinnigen. Ob der neue Landtag schon im November oder später zusammentritt, hängt von dem Termin ab, bis zu welchem die Erweiterungsbauten des Ständehauses beendet sein werden.
Der preußisch-hessische Lotterievertrag.
Der seit Monaten von allen Seiten mit Spannung erwartete Lotterievertrag zwischen Preußen und den hessischthüringischen Staaten ist foebeu der zweiten hessischen Kammer unterbreitet worden und stellt sich, wie uns scheint, ür Hessen finanziell recht günstig dar. Die Hauptbestimmungen sind folgende: Die Regierungen der hessisch- thüringischen Staaten stellen den Betrieb ihrer Staatslotterie mit dem Ablauf der im Frühjahr 1906 zur Anspielung gelangenden 7. Lotterie ein und räumen der preuß. Regierung für die Dauer des Vertrages, die auf zehn Jähre ^stgesetzt wird, das ausschließliche Recht ein, innerhalb ihrer Staatsgebiete die Lose der preußischen Klassenlotterie zu vertreiben. Als Gegenleistung zahlt Preußen an die hessische H a u p t st a a t s k a s s e für die ersten 5 Jahve eine Rente von jährlich 16 30 000 M k., in den späteren Jahren einen Anteil vom Ueberschuß der Lotterieverwaltung im Verhältnis von 163:1113, wobei der Gesamtüberschuß der preußischen Lotterie auf 11130 000 Mark berechnet ist. Sollte jedoch in einem Jahre die Rente, auf den Kopf der Bevölkerung berechnet, weniger betragen, als der der preußischen Staatskasse verbleibende Ueberschuß der Lotterieverwaltung auf den Kopf der preußischen Bevölkerung, so erhöht sich die Rente dergestalt für dieses Jahr, daß sie, auf den Kopf der Bevölkerung der hessischthüringischen Staaten berechnet, eine gleich hohe Einnahme darstellt, wie der der preußischen Staatskasse nach Abzug der erhöhten Rente verbleibende Ueberschuß auf den Kops der preußischen Bevölkerung. Die Rentenzahlungen erfolgen, olange die betreffende Jahresrechnung der preußischen Staatskasse nicht festgestellt ist, nach dem Jahresbetrage von 1630 000 Mk. Die Verteilung der Rente unter die an ihr beteiligten Staaten bleibt den hessisch-thüringischen Staaten ausschließlich überlassen. Die preußische Regierung wird bis auf weiteres (!?) in Darmstadt eine Geschäfts-
-elle der preußischen General-Lotterie- Direktion errichten. Der Vertrag gilt jedesmal für weitere 5 Jahre, wenn er nicht mindestens 2 Jahre vor Ablauf seiner Geltungsdauer gekündigt wird. Von dem Kündigungsrechte werden die vertragschließenden Teile aber nur dann Gebrauch machen, wenn sie auf den Betrieb oder die Zulassung eines Lotterieunternehmens als ständige Einnahmequelle für die Befriedigung allgemeiner laufender Saattsbedürfnisse dauernd verzichten. Der Vertrag tritt am 1. Jüni 1906 in Kraft. Wie die weiteren Bestimmungen besagen, übernimmt Preußen die Kollektenr>e der hessisch-thüringischen Staatslotterie inj ihren Dienst, soweit sie hierzu geeignet sind (?) imb die Deckung des Mehrbedarfs an Beamten dies erfordert. Diese Kollekteure haben für die nächsten zwei Lotterien wenigstens 100 Lose abzusetzen oder mindestens je 50 Lose fest zu übernehmen. Als Beihilfe für den Uebergang in die neuen Verhältnisse und für nicht mit einer Preußischen Kollektur bedachte hessische Kollekteure wird von den Vertrags st aaten ein eintnaliger Betrag von 500 000 Mark ausgeworfen (!). Von derpreußischen Rente erhält Hessen jährlich vorweg 50 000 Mark, den Restbetrag erhält je zur Hälfte Hessen und die thüringischen Staaten.____________________________________
Ausland.
Madrid, 19. Juni. Das Ministerium reichtt eine Entlassung ein, die der König an nahm.
Wien, 20. Juni. Anläßlich der Beratung des christlich- pzialen Dringlichkeitsanttages, der sich mit der Mißhand- ung des christlich-sozialen Abg. Scheich er, die durch ozialistische Arbeiter geschehen sein soll (wir haben darüber 'urz berichtet. D. Red.), besaßt, kam es im Reichsrat zu Zusammenstößen zwischen Sozialisten und Christlichsozialen. Die Sozialisten verurteilten die Mißhandlung, ftir die sie nicht verantwortlich gemacht werden können. Der Christlich- oziale Geßmann ballt die Fäuste gegen die Sozialisten und schreit: „Verbrecher, schämt Euch!^ Der Sozialist Seitz ruft zu Geßmann: „Wie kann sich ein Negierungsrat so benehmen!" Der Sozialist Rieger ruft dem Christlichsozialen Schraffl, der lebhaft gestikuliert und brüllt, zu: „Ruhig, Grabschänder und Friedhofschänder!" Der Sozialist Schuhmaier wirst den Christlichsozialen vor, daß sie den Fall des Abg. Scheicher ausschroten, und zählt eine Reihe von Fällen auf, in denen die Sozialisten durch Christlichsoziale blutig geschlagen wurden. Graf Sternberg greift die Sozialisten an, die im Dienste deS Hofes und der Negierung stehen. Der Sozialist Seitz erwidert unter stürmischen Unterbrechungen, daß die Christlich


