Ausgabe 
17.4.1905 Erstes Blatt
 
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Schlußkurse.

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In der orbenf-

Aunll unh Wistenschaft

Ernst Haeckel in Berlin. In seiner zweiten und abschließenden Berliner Vorlesung am gestrigen Sonntag ging Haeckel auf die Entstehung derArten näher ein. Im Bilde zeigte er den Stammbaum der Wirbeltiere, wie er sich ans der Vergleichung der lebenden Formen und der in den Jahrmillioneu alten Erdschichten vorgefundenen fossilen Reste konstruieren läßt. Den bindenden Beweis dafür erklärte Haekel speziell durch die Geologie und durch das allmähliche Eintreten der Tierformen in ihr Gebiet für gegeben. Die Frage der fehlenden Uebergänge streifte er nur flüchtig. Tie En t st e h u n g der Menschenseele aus derTierseele, für deren verschiedene Arten er demgemäß eine dem anatomischen Ctammbaiim entfprechenbe Rangfolge als erwiesen amntnmt, ist ihm sicher. Er schloß seinen als Plauderei sehr aiiregeiiden Vortrag wieder mit einem antitheologischen Be-- kenntiiis. (ftrff. Ztg.)

* Theaterneubau. Die Gelbsammlung für den Theaterneubau hat auch in den letzten Wochen gute Fort- schritte gemacht, denn e§ ist seit dem Beschluß der'Stadtver­ordneten die für das Theater gezeichnete Summe um weitere 13 0 0 0 M k. gestiegen. Die Zahl der Spender ist jetzt auf fast 450 angewachsen. Als besonders erfreulich verdient hervorgehoben zu werden, baß sich viele, bie sich anfangs ablehnenb verhalten hatten, in der letzten Zeit der Schar der Spender angeschlosien haben, und da noch von manchem eine Spende zu erwarten steht, so ist es gar nicht so unwahr­scheinlich, daß die volle Bausumme, wie es der Wunsch der! Stadtverordneten ist, durch Zeichnungen aufgebracht werden wird. Noch aber fehlen daran fast 1 00000 Mk. Die Sorge des Komitees ist es, diese Summe noch herbeizuschaffen. Deshalb ergeht auf diesem Wege an alle diejenigen, welche einen Zeichnungsschein bereits erhalten haben und sich an der Spende beteiligen wollen, die Bitte, den Schein baldigst einem Mitglied des Komitees, etwa Herrn Professor Fromme, zuzusenden. Wer aber versehentlich keinen Zeichnungsschein erhalten haben sollte, wird gebeten, im Laden des Herrn Ehallier am Neuenweg einen solchen entgegenzunehmen.

Hessisch-Thüringische Staatslotterie. Bei der heute fortgesetzten Ziehung der 6. Klasse fiel ein Gewinn von 250 000 Mk. auf Nr. 15530 (nach Worms), ein Gewinn von 30 000 Mk. auf Nr. 66749, Gewinne von je lO OOO Mk. auf Nr. 35182 35439 43558 57711, ein Gewinn von 5000 Mk. auf Nr. 59297. (Ohne Gewähr.)

** Unvorsichtige Fuhrleute. In der letzten Zeit Ede wiederholt durch Unvorsichtigkeit der Fuhrleute Schaden angerichtet, z. B. Gaslaternen angefahren und beschädigt. In einem Falle wurden am 14. d. Mts. Pferde vor der Biebertal scheu und rannten in der Hammstraße eine Gas­laterne um. Ferner scheute am 15. d. Mts. ein Pferd in der Frankfurterstraße, ging mit dem Fuhrwerk durch und rannte gegen einen dort befindlichen Zierbaum, wodurch der Baum und der darum befindliche eiserne Schutzkorb beschädigt wurde.

" Feuer. Gestern abend gegen 11 Uhr brach in einer Hofraithe in der Löwengasse Feuer aus, das jedoch ohne größeren Schaden anzurichten, alsbald gelöscht werden konnte.

Zur Hunde- und Katzensperre. Seit der An­ordnung der Hundesperre in Gießen mußten leider eine größere Anzahl Hundebesitzer zur Anzeige gebracht werden. Viele Hunde und Katzen sind durch den eingestellten Hunde-1 fänger aufgegriffen worden.

Ein Widerspenstiger. Am Samstag abend wollte ein 20 jähriger Arbeiter aus Beuern mit dem Arbeits- zug nach Hause fahren. Er kam jedoch, da er betrunken war, zu spät und überschritt unbefugt die Bahnsperre, um noch mitzukommen. Er wurde von den diensttuenden Beamten zurückgewiesen, worauf er fortwährend Ruhestörung verübte. Da er Wideritand leistete, wurde er schließlich mit einem Wagen zum Arrestlokal gebracht.

* Rauferei. Auf dem Güterbahnhofe gerieten heute morgen zwei Viehtreiber in Streit, in dessen Verlauf der eine dem anderen mit einem Stock blutende Kopfwunden ^brachte.

Der ^Gießener Ra dfahrer-Ve re in 1885" oegeht in diesem Jahre die Feier seines 2 0jährigen Bestehens. Mit Freuden dürfte es wohl, so schreibt uns der Vorstand, begrüßt werden, daß der Verein sich entschloffen

haltenen Zuschüssen aus sreiherrl. Mitteln geht alsFrei­herrn Riedesel-Stiftung" in die Hand der Stadt Lauterbach über. (L. A.)

, sd. Darmstadt, 17. April.. (Eigener Trahtbe- richt.) Heute vormittag traf hier Bros. Trnbner aus Karlsruhe hier ein und nahm im alten Palais Wohnung, wo ihm das Großh. Paar einige Sitzungen zu einem Porträt gewähren wird.

Wiesbaden, 15. April. Gestern abend kurz, vor 11 Uhr wurde in der Mainzerstraße der Schlossermeister Joses E r l b e ck, aus Straubingcn in Beyern gebürtig, von einem Automobil, das anscheinend von Lochst oder Mainz kam, überfahren und lebensgefährlich verletzt. Das Lignal wurde erst auf 68 Schritte gegeben, sodaß ein Ausweichen unmöglich war. Die Insassen des Automobils setzten ihre Fahrt ruhig fort, ohne sich um den Verletzten zu kümmern. Die Sanitütswache brachte den Schwerver­letzten in das hiesige Krankenhaus.

fc. Frankfurt a. M., 17. April. (Orig.-Teleqr. desGießen. Anz.') Amtliche Notierungen der heutigen Fruchtmarktpreise. Weizen Vst. 18.2500.00, Kurhessischer Vst. 18.0018.25, La Plata Ast. 18.2o19.25, Kansas Vst. 18.2519.25, Roggen (hiesiger) Mark 14.2514.50, Gerste (Wetterauer) Mk. 17.7518.00, Franken- ielder Vst.OO,0000,00, Hafer Vst. 14.5015.00, Mais Vst. 12.2512.50, Weizenmehl 0 Vst. 26.7527.25, 2. Qualität Vst. 24.75 bis Vst. 25.25, 3. Qualität Vst. 22.7523.25, Roggelimebl 0 Mk. 22.00-23.25,1. Qualität Mk. 19.5020.75, Weizenkleie Vst. 10.00 bis Vst. 10.25, Roggenkleie Vst. 11.0011.25, Maiskeime Mk. 11.50 bis Mk. 11.75, Franken, Pfälzer, Ried Mk. 00.0000.00. Alles per 100 Kg. ab bier.

. fn- Frankfurt a. M., 17. April. (Telegr. Qrig.-Bericht des Gieß. 9ln^/). Amtliche Notierungen der heutigen Viebmarkt- vreise. Zinn Verkaufe stauben: 6'9 Ochsen,' 195 aus Oest­reich, 82 Brillen, 2 aris Oestreich, 9r<9 Kübe, Fersen, Stiere und Rinder 0 aus Oestreich, 444 Kälber, 183 Schafe und Hämmel, 1622 Schweine, 0 Ziegen, o Ziegen-, 0 Schaflämmer. Bezahlt wurde für lOOPfrmd Schlachtgewicht Ochsen 1. Qualität 7375Vst., 2. Qual 6467 Vst., 3. Qual. 5962Mk.; Bullen l.Qual. 61 bis 63 Vst., 2. Qual. 5758 Vst.; Kühe l.Qual. 6668 Mk., 2. Qual. 5961 Vst., 3. Qual. 4748 Vst, 4. Qual. 3739 Mk., 5. Qual. 0000 Vst. Kälber: l.Qual. 8790 Pfr., Lebendgewicht 5254 Ps., 2. Qual. 8487 Pfg., Lebendgewicht 5052 Pfq., 3. Qual. 00-00 Pfg., Schlachtgewicht 6064 Pfg., Schafe: l.Qual. 72-74, - Qual. 6466 Pfg., 3. Qual. 0000 Pfg.; Schweine 1. Qual. 6768 Pfg., Lebendgew. 53.50 Pfg., 2. Qual. 66 Pfg., Lebendgewicht 5200 Pfg., 3. Qual. 6062 Pfg., Lebendgewicht 0000 Pfg. Geschäft bei Hornvieh mittelinäßig, bei Kleinvieh gut, kein Heb er­stand. Markt bedeutend

Privat-Diskont l8/4 Prozent.

Anfangs- u.

Qest. Kredit . 209.25

Deutsche Bank . . . 240.90

Darmstädter Bank . . 143.75

Bochumer Guß . . . 252.50

Harpener Bergbau . . 215.10

Tendenz: fest.

K oir ko rdia Bergbau-Gesellschaft.

licheir Generalversammlung haben die Anträge der Verwaltung die Genehmigllng der ''Aktionäre gefunden und es iverden bekanntlich 10 °/6 gegen 18 °/0 i. V. gezahlt. Für das ausscheidende Aufsichts­ratsmitglied, Herrir Leo Hairarr ist Landrat a. D. Bergassessor John Haniel gewählt worden. Die Situation im neuen Jahr stellt sich bis jetzt wie folgt: die ersten zwei Monate hatten wegeit des Streiks 240 000 M. Betriebsverlust und da sonst monatlich 200 000 M. Neberfchnß sich ergaben, so stellt sich der Gesamtverlust auf 600 000 M. Im Monat März wurde ein Ueberstlmß von 220 000 M. erzielt. Für den Monat April dürsten sich die Verhältnisse nach allem was man darüber hört, wieder weniger günftig anlassen.

Märkte.

Anivcrsttäts-Nachrichten.

Ucbcr die Genesis der Spahn sch en Straßburger Professur erzählt dasFreie Wort", eine Frankfurter Halb­monatsschrift:Vater Spahn, der Zentrumsmann und Reichs­gerichtsrat, soll von Althoff, dem Allmächtigen, in höchsteigenster Person auf die unfaßbare Unbedachtsamkeit aufmerksam gemacht worden feilt, einen Sohn Iura studieren zu lassen, während man gut katholische^ Dozenten der Geschichte an den Hochschulen so sehr benötige. Spahn Sohn trat ins historische Seminar ein, promo- vterte als Historiker, habilitierte sich an der Spree, kam als Extraordinarius nach Bonn und noch nicht dreißigjährig als Ordi­narius nach Straßburg. Vergeblich legte des gesamte Straßburger Kollegium im Sinne der Selbstverwaltung der Universität ein­mütig hiergegen auf das nachdrücklichste Verwahrung ein. Auch e'ne K^^r fri-'s, erfr las os."

Gingesanöt.

(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.')

_ _ v Gießen, 17. April.

?5^^^5^^ll-Auszug der Großh. Handelskammer Gießen vom 11. April, mitgeteilt im ,,Gießener Anzeiger" vom 14. Avril, eHtnchnieit daß die Königl. Eisenbahndirektion Frankfurts am Mam die bereits geplante Verkehrsverb esserungerr für die Linie Gießen-Fulda und zwar die Umwandelung des gemischten Zuges 7523 in einen Personenzug und die Eiu- neuen beschleunigten Personen zu gs Fulda-Gießen (Gießen an 7.41 Uhv a.bends) leider fallen ließ. Im Interesse vieler die Strecke Gießen-Fulda häufig benutzender Gießener Be­amten und Geschäftsreisenden liegt es, bessere Zugverbindungen jruf dieser Strecke zu erlangen, um sowohl frühzeitig die von dieser Strecke aus zugänglichen Orte und den Anschluß an den Zug Nr. 1068 der Linie Mücke-Hungen (7.20 ab Mücke) erreichen, als auch früher am Abend als seither nach Gießen zurückkehren zu können. Hoffentlich wird der Bitte der Großh. Handelskammer Gießen, daß die geplanten Verkehrsverbesserungen auf der Strecke Gießen-Fulda noch in dem bevorstehenden Sommerfahrplan Auf­nahme finden, höheren Orts willfahrt werden.

__________________________ Viele Interessenteit

HeriÄtslaal.

Oldenburg, 15. April. Wegen Beleidigung des Ministers Ruh st rat wurde vom Oaiidgericht der Redakteur Metze vomNordd. Volksblatt" in Bant zu 200 Mark Geld- hafe verurteilt.

Den Schutz der Ehe hat sich das Bamberger Sckiöfi engericht in einer seiner letzten Verhängungen angelegen fein lassen In der Verhandlung gab ein Kaufmann auf die Frage ta? Vorsitzenden, e» er verheiratet sei, die Antwort: ,L e i d e r! Dcr Amtsanwalt beantragte für diese Ungebühr sofort zu vollstreckende bret Zagt Haft, das Gericht Miefe aber bet 10 Mark Geldstrafe,

m»cht hierauf einige Mitteilungen aus dem Bezirk, wonach! hat, aus diesem Anlaß eine größere Sportfestlichkeit anfangs der Bezirk ,n 36 Veremen 2335 Mitglieder umfaßt, an b8i Jz. abguhotlen. Die Festlichkeit soll nicht den I«X ÄTffiS«»5® U."'n®"'5T" '""t";!1

findet in Oppenrod statt. Bis jetzt wurde an 11 Be- $c AUn? nnb bec Nuf der

zirksvereine die Kaiserschleise verliehen; dies Jahr erhalten bürgt dafür, daß der zu erwartende Sport alle

sie Taubringen, Leihgestern, Hausen und Steinbach. Herr ^PortSfreunbe in reichem Maße befriedigen wird. Zur Ab- Brucbhäuser teilt noch mit, daß er an den neuen Hassia- Haltung des Festes ist sicherem Vernehmen nach der Sports­präsidenten ein Gratulationsschreiben namens des Bezirks platz an der Hardt in Aussicht genommen. Die Bildung gesandt habe. Hierauf hielt Herr Benn-Mainz im Auf- der Festausfchllfle ist bereits in die Weae geleitet.

trage der Deyicherungsgesellschaft ,,Seu«^ anfer" einen Butzbach, 18. April. Ein schwerer Un glucks- dem er den mit dem Prapdrum bet Sassm fall ereignete sich gestern nachmittag zwischen 5 imb 6Uhr Qufgefteltten Vertrag betreffend den Ab,chluß einer Kollektiv- im Butzbacher Feld in der Nähe der Niederweiseler Chaussee.

Um W Uhr schloß der Ter 60 Jahre alte Knecht Johs. Heiser war mit Walzen von Aeckeru beschäftigt und wollte mit dem Ackergerät auf uSch rllersl 00 j a hr t ge m4., o de s tag haben ein anderes Gruudstück fahren, als die P f e r d e vor irgend s flCVEUt.' Kunstanstalt ein Abkommen einem Vorkommnis gescheut haben müssen und durch. K^f len, wodurch wir imstande smd, eine Hochkunst- gingen Heiser verlor die Herrschaft über die Pferde, wurde emSrtr cnA. seinem Sitz heraüge chleudert. Pferde und

4 «5 ®rCfl 9cr9C £m' dem sehr billigen Ringelwalze gingen über ihn hinweg und wurde ihm der AkÄ. . ? k rUn,er-e Mouneuten abzugeben. Wir Schädel vollständig zertrümmert, sodaß der Tod sofort ein»

3U baß auf bei 1. unb 2 Seite unseres trat. Herr Heiser hat ben Felbzuq 187071 mitgemacht unb

5rr^ " rn der heutigen Nummer ein Bestellschein zur ge- staub über 24 Jahre in treuester Pflichterfüllung in Diensten fälligen Benutzung eingedruckt ist. Da uns bte Lieferung des ftrhrn. v. Bouchenroeder hier (B. Ztg.) '

dieser vorzüglichen Wiebergabe nur bei genngenber Be- Laüterbach, 16. April. Bei Geleaenheit der Aus- teiligung möglich ist, bitten wir um evt umgehenbe Ueber- stellung ber Schülerarbeiteu würbe bie greift Riebesel - Geschäftsstelle bes Gieß^ An'hangt m ber fche weibliche Jnbustrieschule geschlossen. Auf un,>au Gr-und von Stiftungen seitens Mitgliedern ber Freih. Fa-

. r äe. , Anläßlich des milie, zum Teil schon aus dem Jahre 1805 (Vermächtnis

hefigen Schn eid erstrelkes ist es vielleicht nicht munter» bom Braunschweigen Generalleutnant Erbmarschall Joh essant, an einem Bei'piele zu sehen, wie beim Ausgang bes oKnrad RiebesM, wurde diese Handarbeitsschule im Jahre Mittelalters ein Müllerstreik in Villingen im Jahre ^^5 eröffnet. Sie hat bis zum'heutigen Tage viel segens- 1522 verlaufen ist. In Heinrich Hugs Villinger Chronik, ^^ich gewirkt. Die jetzt in den öffentlichen Schulen der herausgegeben von Dr. Roder, Tübingen 1883, S. 92/93 ^^b^^itsunterricht obligatorisch ist, unb da ferner die heißt es: Urschrift in gesundheitlicher Hinsicht in unserer fortge-

Jtem uf S. Fidesiag (6. Okt.) früh am morgen liffen die miller !.7^nen Zeit Verlangen stellt, welchen nicht mehr nach­her zu Villingen allgemeinlich hinweg, meifster unb knechte, und es konnte und namentlich auch, da es jetzt

waren meister 14 au zahl unb sie vermeinten mit irm hoffen für» "buch ist, bie Handarbeitslehrerinnen fest mit Pensions- Haben den rat (zu Villingen) zu zwingen, zu tun, wie sie wollen, Berechtigung anzustellen, was in unserem Falle stiftungs- und zogen gen Hnsfingen, dort zerten sie ns gemeinem fccfel gemäß unzulässig ist, mußte das segensreiche Institut dem t-Ltrelkkasse). Daruff schrieb ein rat an die von Oberdorff nm Fortschritte weichen. Die derzeitige Lehrerin, Fräulein £aeV/^e uns 4 miller, tue versahen uns mit mehl. Allso Küchenhof, wird nunmehr an den städtischen Schuten an- chrmb (schrieb) her Cnnrat von Schellberg für bie miller und ball gestellt und das Stifttinaskavital mit den inrmis^ L ^at'wib^b'aehanblett Allso schrieb ih.n der Rat rotber bmnff gen HuMngen: wer sie bet geheiffen hinweg gon, ber sott sie haisen rot eher komnten. So lagen bie miller 18 tag mit großen Kosten zu Hufsingen, verzerten 40 gulben. Do schrieb Herr Cunrat von Schellenberq abermals bittenb für sie. Do schrieb ihm ber rach von Villingen roicber hinuff: sofern bte miller allgemeinlich in be§ ehrsamen raths straff giengen, so roolt der rath sie nur bürgerlich straffen. Allso kamen bie miller an saut Simon unb Inbä abcnb (27. Okt.) wider heim. Da fantmlete man ben rat unb hteff sie ihre tegatt (Degen) uff ben thisch legen uf bem rathus. Das Iheften sie.....Unb moreh (morgenbs)

am guterntag (27. Okt.) bo lautete man früh zu rath; allso er- schinen ber miller roeiher alle vorrn rat, baten für ihre man, des- gl ick graff Fribrich, unb bie anbren ebelleut hatten och für bie miller. Allso warb ber rath rettlich (schlüssig) unb legt ben millern gematnltch em straff uff, baff sie sich verschrieben, bem rath zu geben von irs abtrittz (Auszugs, Streikes) wegen zwan hunbert | gulbin in zwei jaren.

Irbcit'rökwegung.

Darmstadt, 15. April. Die Tapezierer und Pol­sterer sind hier heute in A u s st a u b getreten. In ber Darm­stadter Möbelfabrik feiern sämtliche Arbeiter. Sie erllären, wie dieVolkszeitung" mitteilt, eine neue Fabrikordnung für un* annehmbar.

Speyer, 16. April. Infolge falfcher Weichenstellung entgleiste in der vergangenen Nacht gegen 12 Uhr in ber Ncihe der Station Schifferstadt ein Güterzug. Der Heizer I rourbe sofort getötet und mehrere Bedienstete schwer ver­wundet. Der Materialschaden ist beträchtlich.

Ein Beleidignngsprozeß.

(th.) Gießen, 17. April.

_ Am Samstag vormittag harrten zahlreiche Kaufleute im I Ltrafkammersaal mit Spannung der Dinge, die bh kommen sollten. Es stand als einzige Sache zur Verhandlung die Pri­vat k l a g e des Kaufmanns Eberhardt Metzger in Gießen gegen den Cichorienfabrikanten Kommerzienrat Alb. Engel- I Hardt von Rüffelsheim wegen Beleidigung. In dieser Sache ba.tle, wie wir vor einigen Wochen berichteten, das Schöffengericht Gießen den Kommerzienrat E. zu einer Geldstrafe verurteilt, und gegen dieses Erkenntnis verfolgte der Veritrteilte die Be­rufung. Der Tatbestand der Privatklage war wie erinner- uch der Folgende. Im Dezember v. I. war E. geschäftlich nach Gießen gekommen. Beim Besuch eines seiner Abnehmer wurde er von diesem gefragt, ob er etwas über Eberh. Metzger gehört habe: als E. die Frage verneinte, machte der Detr. die Mit­teilung, daß ihm eine Frau im Laden erzählt habe, Metzger let.fcetm Konkurs; er wolle mit 20 Prozent ein Arrangement versuchen. Der Kaufmann fügte ferner Mitteilung die Erklärung wnzu, daß er sie nicht glaube, Metzger habe ein sehr gutes Geschäft und sei ein tüchtiger Geschäftsmann. Engelhardt, der seit über 20 Jahren mit Metzger in Geschäftsverbindung stand, mit lhm front befreundet war, hatte von diesem einen Posten von

! 16.80 Mark für Waren zu bekommen. Er begab sich, als er von dem Frauenzimmergerede Kenntnis erhalten hatte, am selben Vormittag zu _bier Engrosfirmen und teilte dort in Gegenwart des Kvntorpersonals teils in fragender, teils in erzählender rZ-orm mit, was er über Metzger gehört hatte; ja, nach der Be­weisaufnahme fügte er in einem Falle sogar noch 'etwas hinzu. An der ersten Stelle wurde ihm der Bescheid, dast man das Gerede nicht glauben könne, da man zu den Gläubigern Metzgers gehöre und ganz bestimmt etwas davon wiffen müsse, wenn dieser einen Ausgleich anftrebe. Der Ehef jener Firma be- b(?$ Metzger nach seinem Müssen Herr über seine Ber- baltntffe sei, ein gutes Geschäft habe und ein tüchtiger, umsichtiger Kaufmann sei. Trotz dieser Meldtmg setzte Kommerzienrat Engel- hardt seine Auskunftsreise fort und erreichte damit, daß wenigstens etne Woche ^llMg die Firma Metzger in ihrem Ansehen und Kredtt geschädigt worden tlt Jeder, der von ber Sache hörte und Geld von M. zu bekommen hatte, schickte Quittung an diesen, die allerdings prompt bezahlt wurde. Wie in der Beweisaufnahme festgestellt wurde, war die Nachricht, daß Metzger vor dem Kon­kurs stehe, wie ein Saurfcner in der Stadt herumgegangen, und als Gewährsmann bezog man sich auf den Kommerzienrat Engelhardt von Rüsielsbeim. Dieser war am 11. Dezember freundschaftlichst in die Weinstube von Metzger gekommen. Die Rechnung von 16.80 Mark wurde bei dieser Gelegenheit von ^tzger beglichen. Engelhardt erllärte vor der Strafkammer, es habe ihm ganz und gar fern gelegen, den Kläger zu beleidigen, das, was er getan habe, tue jeder verständige Kaufmann. Er sei

x t?cc hen Rahmen der Einholung einer Kreditauskunft mcht hinausgegangen. Die gleiche Ansicht hatte auch der von t; « «h* Sachverständiger geladene Direktor der Gewerbe- ° k ° * £ o o §. Die Strafkammer war aber anderer Meinung und erllärte durch ihren Vorsitzenden, Landgerichts-Direktor Dr. lunger ich, daß im vorliegenden Fall Metzger in seiner kauf- rJt; . )re und in seinem Kredit durch den Bellagten erheb- ltch geschädigt worden sei. Nach der ganzen Art, wie der Beklagte fr er vorgegaugen fei, könne von der Einholung einer kausmänntschen KreditauSkunst gar keine Rede fein, denn dazu let ferne Forderung, die er an Metzger hatte, ja eine Bagatelle gewesen. Nach der Beweisaufnahme habe es sich für den Be­klagten lediglich dantm gehandelt, den Grossisten in Gießen an lenem Vormtttag eine Neuigkeit zu erzählen: dies gehe schon daraus hervor, daß Engelhardt mehr weiter erzählt habe,

als ihm fein Gewährsmann mitgeteilt hatte. Der Beklagte hätte' sich als gereifter und erfahrener Kaufmann sagen müssen, daß die Erzählung einer Frau in einem Laden nicht dazu angetan ist, daß ein Mann in seiner Stellung, dem sein Titel Kommerzien­rat in kaufmännischen Kreisen eine gewisse Autorität verleiht, solch Gerede zum Ausgang einer Recherche machen müßte, wie er es getan habe. Aus diesen Gründen hat die Kammer bie vom Bellagten eingelegte Berufung verworfen. Der An­walt Metzgers hatte keine Berufung eingelegt.

Kandel itnb WerKeür. DolLswinfchaft.

Berliner Börse vom 15. -lpril 1905.

(Mitgeteilt von ber Bank für Handel unb Jnbustrie, Gießen.)