D i e -furchtbare Leidensgeschichte eins Kindes »ntrollte eine vor der Dortmunder Strafkammer abgehaltene Verhandlung gegen die Eheleute Eisenberg aus Berghofen. Die Angeklagte soll ihren etwa zweijährigen Sohn Karl fortgesetzt in > einer lebensgefährlichen Weise misshandelt haben. Morgens trieb sie ihr Kind in der Kälte im Hemdchen vor die Tür, erst wenn die Nachbarn herbeikamen und sich des jammernden Knaben annahmen, öffnete das Weib die Tur. Schläge fielen fortgesetzt bei der geringsten Veranlassung, so daß sich der Körper in einem unbeschreiblichen Zustand befand. Eine Nachbarsfrau, die sich eines Morgens in Abwesenheit der Mutter des Knaben annabm und ibn von Schmutz und Ungeziefer reinigte, stellte fest, daß in den Wunden sich Maden und Würmer befanden. Einmal nahm die Angeklagte den Jimgen angeblich wegen einer Unart und tauchte ihn in einen Kübel voll Spülwasser und brachte ihn dann in den Keller, wo man das Kind z-wei Stunden lang jammern hörte. Als ein Beamter, der von dieser Behandlung börtc, in die Wohnung kam, um nähere Feststellungen zu treffen, saßen die Eheleute in einem geheizten Zimmer um den Tisch herum, während der Junge in einer kalten Stube des oberen Stockwerks eingesperrt war. Dort befand sich auch sein aus schmutzigen Lumpen bestehendes Lager auf dem Fußboden. Im Dezember v. I. starb das Kind. Die Angeklagte wurde zu Zi/z Jahren Gefängnis verurteilt, während der Mann, dem nur bewiesen wurde, daß er dem Jungen einmal Senf und Pfeffer eingegeben hatte, um ihn zu beruhigen, mit einer Gefängnisstrafe von sechs Monaten davon kam.
gpidplaK der vereinigten Frankfurter Stadttheater. Opernhaus.
Dienstag den 18. April, abends 7 Uhr: „Margarethe/ Schauspielhaus.
Dienstag den 18. Avril, abends bald 7 Ubr: „Fault", 1. Teil.
Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst.
Voraussichtliche Witterung in Hessen für Dienstag den 18. April 1905: Meist trüb, nur stellenweise geringer Regen und kühl.
Näheres durch die siebener Wetterkarte.
Familien-Uachrichtrn.
Gestorben. Herr Johannes Heiser iBntzbachh — Herr Georg Krender, Bnraermeilterei-Sekretär i. P. iButzbacbL
Orinmas-DraiUme^nnqen.
Leipzig, 17. April. In den frühen Morgenstunden des heutigen Tages ist der Präsident des Reichsgerichts, Dr. Gutbrod, an den Folgen einer Lungenentzündung gestorben.
Nom, 16. April. (Kammer.) Ministerpräsident Fortis sagt, er hoffe, daß der Aus st and sich nicht ausdehnen wird, denn das Eisenbahnperfonal muß einsehen, daß der Ausstand kein richtiges Mittel ist, seine Interessen zur Geltung zu bringen; niemand hat das Recht, die Interessen des Landes unter seine eigenen zu stellen, mögen sie auch noch so berechtigt sein. (Lebhafter Beifall.) Menn diese Ueberzcugung nicht vorherrschte, würde die Re
gierung wissen, was sie §u tun hätte. (Sehr gut!) Die Regierung, gestützt auf die öffentliche Meinung, ist sicher, die Ordnung aufrecht erhalten zu können, und werde dafür Sorge tragen, daß der öffentliche Dienst so wenig wie möglich Schaden erleidet. (Sehr lebhafte Beifallsäußer- ungen.^ Die Regierung werde Wiedervergeltungsmaßregeln vermeiden. — Das 'Agitationskomitee setzte den Beginn des Ausstandes der Eisen bah nange st ellten auf morgen fest. Die „Tribuna" hebt hervor, daß die Kammer während der heutigen Rede des Ministers Fortis deutlich kundaegeben habe, daß sie den Ausstand verurteilt und die feste Haltung der Regierung billigt.
Rom, 17. April. Der Streik wurde, noch ehe das offizielle Signal gegeben war, in Neapel eröffnet, wo die Maschinisten die Lokomotiven auf freiem Felde verließen und das Personal sich entfernte. Mit Mühe und Not konnte noch ein Nachtzug mit zahlreichen Fremden nach Rom abgehen. Die Streikenden versuchen, andere Arbeiter zur Teilnahme an dem Streik zu bestimmen. Namentlich wird bei dem Tramwav-Personal und Gas- arbeitem agitiert. Alle Stationen, wo der Ausstand proklamiert wird, werden militärisch besetzt. Für den Eisenbahndienst werden truppen sowie Maschinisten und Feuerleute der Marine verwendet. Die Züge werden von Earabinieri und Soldaten unter dem Kommando von Offizieren begleitet und von Streckenarbeitern, die jeden etwa dem Bahnkörper zugesügten Schaden sofort aus- öeifern.. Auch die Weichei: sind militärisch überwacht. Kavallerie wird die bedrohten Bahnlinien abpatrouillieren, die Schnellzüge werden vorläufig eingestellt. Man hofft aus diese Weise ein baar Züge auf jeder Linie aufrecht erhalten zu können. Bis jetzt hat der Ausstand in Neapel, Salerno, Foggia, Forli und Rimini begonnen. Neapel steht ganz unter militärischer Bewachung. Die ^tadt ist in vier Zonen eingeteilt, jede unter dem Kommando eines Generals. Die Behörden waren die ganze Nacht auf den Beinen. Ein Blatt berechnet den durch den Streik täglich für Florenz entstehenden Schaden aus 400 000 Lire.
Petersburg, 16. Avril. (P^tersb. Telegr.-Ag.) Ein Telegramm des Generals Linewitsch an den Kaiser meldet, er besichtigte die Truppen des 5. und 6. sibirischen Korps sowie des 10. und 17. Armeekorvs aus ihren Kampses- stellungen. Er fand sie ebenso wie die neu aus dem europäischen Rußland eingetroffenen Truppen in vorzüglichem Zu st and. Die letzteren böten einen prächtigen Anblick.
Paris, 17. April. Die dokumentarische Festlegung der in ^0X1$ und Berlin in diesen Tagen abgegebenen mündlichen Erklärungen, wonach das franko-englische und das f r a n k o- spanische Abkommen weder die Handelsfreiheit im Allgemeinen noch Deutschlands Interessen im Besonderen beeinträchtigen soll, ist beschlossene Sacke. Ein in diesem Sinne abgefaßtes Rundschreiben an die französischen Vertreter im Auslande dürfte schon dem morgigen Ministerrat zur Kenntnis gebracht werden. Durch dieses Schriftstück, welches auch die erneute Versicherung von der Integrität des marokkanischen Sultanats enthalten wird, soll die marokkanische Konferenz überflüssig gemacht werden. Auch wird im hiesigen Ministerium ein Aufschub der Reise Tatteubachs nach Fez erwartet, bis dort volle Klarheit darüber herrschen wird, daß keine Macht, auch Deutschland nicht, die Notwendigkeü von Reformen in Marokko
verkennt. Delcassss Unterredung mit Padolm, welche am Dcm- nerstag nach dem Diner in der deutschen Botschaft stattfand, dauerte eine Viertelstunde. Sie war bestimmt, die letzten Konversationen vorzubereiten, welche ann Tage darauf der französische Botschafter Bihourd mit dem Unterstaatssekretär von Mühlberg int Auswärtigen Amt in Berlin hatte.
Podejuch (Pommernl, 17. April. In Federsdorf bei Tessin' wurden vier schlafende Schnitter durch Ko h l e n o x y d ga 9 , das einem defekten Ofen entfhromte, vergiftet. Drei von ihneip konnten wieder ins Leben zurückberufen werden.
Breslau, 17. April. Die „Sch* es. Ztg." meldet aus L o d zt In der Nähgarn-Manufaktur in Widzew bei Lodz, in der die Arbeiter wieder streiken, erfolgte ein Zusammenstoß zwischen Militär und Arbeitern, bei welchem einige K o s a ke n u n d A r b e i- ter getötet und gegen 20 verwundet wurden. Zur Unterdrückung der für die Feiertagswoche an gekündigten Krawalle sind in Lodz zwei Regimenter Infanterie und ein Regiment Kosaken eingerückt.
Fort de France (Insel Martinique), 17. April. (Eigener Drahtbericht.) Aus dem Berg Mont Pelöe steigt seit einigen Tagen wiederum starker Rauch aus. 23e* trächtliche Lavamassen strömen den B erg herab.
Telektronischer Kursbericht,
K'wnkf^rt a 3Vt0/0 Reichsanleihe . . 101.80 3 /o do. ... 90 85 3V,% Konsole .... 101.70 °/o do......90.80
37?% Hessen .... —.—
37,5a Oberhess#»n| . . . 99.00 4 % Oesterr. Goldrente . . 102 15 41 -'s % Oesterr. Silberrente 101.25 4% ünarar. Holdrente . , 99.85
4% Ifaben. Rent* . . . 105.60
4 56 Portuffies#*r J , . . 67.90
3°/ l>ortngiesen. HI . . 67.80 1 % Unif. Türken . . . 89.30
Türkenlose......138.20
4% Griech. Monopol.-An!. 51.70 4,/2°/o äussere Argentiner 45.70
Tendenz:
17. April, 2% Uhr mittags.
3% Mexikaner .... 35.70) 4V2% Chinesen .... 96.45' Electric. Schlickert . . . 139.20 Nordd. Lloyd . . . . 125.70!
Kreditaktien ..... 20890 Diskonto-Kommandit, . . 189.50 Darmstädter Bank . . 143.30
Dresdener Bank .... 157 20 Berliner Handelsgee . . 169 00 Oesterr. Staatabahn . . . 141.50 Lombarden.....16.5$
Gotthard bahn.....—.—
Laurahütte..... 277.50
Bochum ...... 252.40
Harpener ... 21600
Staatschatzscheine . . . 100.75
ruhig.
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