Kircke und Lute
Stuttgart, 17. Mai. Das Amtsblatt des evangelischen L a n d e § k o n s i st o r i u m s veröffentlicht einen Erlaß, welcher die Beteiligung der Geistlichen in Fällen der Feuerbestattung neu regelt. Hiernach sind die Geistlichen ermächtigt, vor der Verbrennung der Leiche im eigentlichen Verbrennungsraum einen Trauergottesdienst mit Rede, Gebet und liturgischem 9lft zu ballen. Das kirchliche Geläute findet in derselben Weise statt, wie bei einer Beerdigung Dagegen hat bei der Bestattung der Aschenreste im Grabe oder im Kolumbarium die Mitwirkung der Geistlichen zu unterbleiben.
Ausland.
Stockholm, 16. Mai. Der Reichstag beschloß in gemeinschaftlicher 'Abstimmung mit 203 gegen 1'9 Stimmen, daß die von beiden Kammern angenommene Hcrabsetz- nng des Zucker zolles vom 1. Sept. 1906 ab in Kraft treten soll. Die Minderheit stimmte dafür, daß die Herab- seüung am 1. Januar 1905 in Kraft treten soll. Nach dem Beschluß werden die Zollsätze wie folgt festgesetzt: Für alle Sorten raffinierten Zuckers auf 17 Oere per Kilogramm, für nicht raffinierten' Zucker, der nicht dunkler ist als holländische Standardprobe Nr. 18. ebenfalls auf 17 Oere Per Kilogramm, für nicht raffinierten Zucker, der dunkler ist als holländische Standardprobe Nr. 18, auf 11% Oere Per Kilogramm, ob die Ware in flüssigem oder festem Zustande eingeführt wird.
, — Der Konstitutionsauss chuß forderte vor einiger Zeit von dem Minister des Auswärtigen die Mitteilung der Protokolle über die Verhandlungen mit einer nicht genannten Macht betr. die A n ar ch i st e n f r a g e. Der Minister des Auswärtigen hob hervor, er sei gemäß einem der betreffenden Macht gegebenen Versprechen gezwungen, die Verhandlungen geheim zu halten. Der Konstitutionsausschuß beschloß hieraus, Abstand von dem Verlangen zu nehmen. Einige Ausschußmitglieder brachten heute" diese Angelegenheit in der zweiten Kammer zur Sprache und führten Beschwerde darüber, daß der Ausschuß durch sein Verhalten die Kontrolle über die Negierungsverhandlungen aufgebe. Nach kurzer Debatte beschloß die Kammer den Uebergang zur Tagesordnung.
Haag, 17. Mai. Die niederländischen Seestreitkräfte in den indischen Gewässern, die entsandt worden waren, um die Neutralität der Niederlande aufrechtzuerhalten, werden um drei Panzerschiffe vermindert, die in die Heimat zurückkehren.
Paris, 17. Mai. Ist betreff des Gesetzentwurfes über die Arbeiterpensionskasse, welcher bekanntlich nach Erledigung der Trennungsvorlage zur Verhandlung gelangen soll, ist zwischen dem Ausschuß und dem Finanzminister Rouvier eme schwerwiegende Meinungsverschiedenheit entstanden. Nach dem Entwürfe des Ausschusses soll der Staat verpflichtet sein, die für die Industriearbeiter mit 360 Fres., für oie landwirtschaftlichen Arbeiter mit 240 Fres. vorgesehene Jahrespension aus eigenen Mitteln zu ergänzen, falls die Pensionskasse nicht in der Lage wäre, die volle Pension zu zahlen. Rouvier erklärte, daß er ein derartiges System absolut nicht annehmen könne. Der Staat könne wohl jährlich eine bestimmte Summe für jeden versicherten Arbeiter der Pensionskasse aufwenden, aber es würde für den Staatshaushalt sehr beoenklich sein, alljährlich für ein unbekanntes Defizit aufzukommen, das etwa durch den Rückgang des Zinsfußes oder durch sonstige Ursachen entstehen könnte.
— Die Kammer hat den Artikel 4 b des Gesetzentwurfs betr. die Trennung von Staat und Kirche angenommen, nach welchem der Heimfall gewisser kirch- licher Güter an den Staat, auf denen nicht fromme Stiftungen ruhen, geregelt wird. Die Fortsetzung der Beratung wurde auf "morgen vertagt.
— Der Schah ließ dem hiesigen persischen Gesandten mitteilen, daß er sich von Baku, der Einladung Kaiser Franz Josefs folgend, zu viertägigem Aufenthalte erst nach Wien und von dort nach Paris und ^C on tr ex e Ville sich begibt. Es verlautet, es handle sich bei diesem in das Reiseprogramm eingeschobenen Wiener Aufenthalte um handelspolitische Angelegenheiten, die auch Deutschland interessieren.
Madrid, 17. Mai. Ministerpräsident Billaverdc erklärt die Meldung der „Correspondeneia Espania", daß er den König auf der Reise nach Paris nicht begleiten werde, für falsch. Der Ministerpräsident sagt, es sei bisher nichts entschieden.
Petersburg, 17. Mai. Der Petersburger Telegr.-Ag. zufolge v e r l ä ß t d e r A ck e r b a u m i n i st e r P e r m o l o w s e i n e n P o st e n.
Newyork, 17. Mai. Zu dem Streik der Schulkinder in Chicago ist nun noch ein Streik der Botenjungen hinzugekommen (!). Der Bürgermeister droht im Falle weiterer Ausschreitungen mit der Einberufung der Miliz.
Aus Stad» und Land.
Gießen, 18. Mai 1905.
** Personalien. S. K. §. der Großherzog haben den von Sr. Erl. dem Grafen zu Erbach-Fürstenau auf die evangelische Pfarrstelle zu Michelstadt präsentierten zweiten Pfarrer B e r n b e ck für diese stelle bestätigt. — Uebertragen wurden dem Schullehrer Doll zu Wohnfeld, im Kreise Schotten, eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Melbach, im Kreise Friedberg; der Schulamtsaspirantin Kühn aus Mainz eine Lehrerinnenstelle an der Gemeindeschule zu Biblis; der Schulamtsaspirantin Stegmaier aus Bermersheim eine Lehrerinncnstclle an der Gemeindeschule zu Laubenheim.
** Fe uerwehrse st. Man schreibt uns: Gestern vormittag 11 Uhr hielt der Festausschuß des 50 jährigen Stiftungsfestes der beiden hiesigen Feuerwehren (15.—17. Juli)
— Die Budgetkommission des Abgeordnetenhauses nahm den Gesetzentwurf betr. die Bewilligung weiterer Staatsmittel zur Verbesserung der Wohnungsverhältnisse von Arbeitern und Staatsbeam ten an und erklärte die dazu vorliegenden Petitionen für erledigt. D-er Antrag Aronsohn und Genossen betr. kaufmännisch vorgebildete Hilfskräfte bei der Ansiedelungskommission wurde abgelehnt, dagegen wurde beschlossen, die Staatsregierung zu ersuchen, dahin zu wirken, daß die ANsiedelnngskommission Warenhäuser und handwerkliche Großbetriebe nicht fördert. Hiernach wurden Petitionen verhandelt, die der Regierung als Material überwiesen wurden.
Posen, 17. Mai. Der „Goniec" meldet: Iw Kreise Adelnau beschlossen die dortigen evangelischen Polen, etwa 20000, die evangelischen Kirchen nicht mehr zu besuchen, weil plötzlich die evangelischen Geistlichen den bisherigen polnischen Kirchengesang und polnische Predigten, auch Grabreden durch deutsche ersetzt haben.
Hamburg, 17. Mai. Der Verein der freisinnigen Volkspartei und der liberale Verein berufen eine Protest Versammlung gegen die Wahlrechtsvor- läge ein. Die Bürg e r s ch a f t beschloß mit überwiegender Mehrheit gegen den Widerspruch der Sozialdemokraten und eines Teiles der Linken die Beratung der Wahlrechtsvorlage bereits am nächsten Mittwoch zu beginnen.
— Den aus Südwestafrika heimkehrenden Offizieren ist der Befehl zugegangcn, keine Nachrichten über die Kriegslage zu veröffentlichen.
Bremen, 17. Mai. Die Dampfer der im Herbst 1905 ins Leben tretenden Frachtdampferlinie des Norddeutschen Lloyd Bremen-Australien werden sowohl auf der Hin- wie auf der Rückreise die Haupthäsen Javas anlaufen? Damit ist eine direkte Verbindung ohne Umladung zwischen den deutschen Häfen und Java hergestellt, welche bisher gefehlt hat.
Vegesack, 17. Mai. Auf der Werft des Bremer Vulkan fand heute der Stapellauf des für die Hamburg-Amerika- Linie erbauten Passagier- und Frachtdampfers „Nugia" von 8000 Tvnnen statt.
Metz, 16. Mai. Bei der gelegentlich des Kaiserbesuchs km Bezirkspräsidium abgehaltenen politischen Konferenz sollen u. a. die folgenden Punkte zur Besprechung gestanden haben: Uebernahme des deutschen Protektorates über die katholischen Missionen im Orient, Regelung der Kir ch h o fs fr a g e durch Gesetz und Einbringung eines hierauf bezüglichen Gesetzentwurfes im Landesausschuß, Anlage zweier neuer Forts, eins bei Metz und eins bei Diedenhofen, Wechsel im Statt- h a l t e r p o st e n._______________________
Kolonialpost.
Die Kameruubahu.
Berlin, 17. Mari. (Budgetkommission des Reichstags.) In der fortgesetzten Beratung der Kamcrun- bahn werden die §§ 9 und 10 betr. die Beschaffung von Grimd- eigentum und die Rechte der Eisenbahngesellschaft auf unentgeltliche Materialienentnahme für den Bau angenommen. Bei § 11, der von den Landgerechtsemen handelt, beantragt E r z - berge r den Zusatz, daß b-e Aufsichtsbehörde die Fristen bestimmt, innerhalb deren bei Verlust der Landgerechtsame die Kultivierung der Landfläche begonnen werden muß. Bei § 12 betr. die Berggerechtsame beantragt Erzbergcr den Zusatz, daß die Aufsichtsbehörde Fristen bestimmt, innerhalb deren bei einem Verlust der Gerechtsame die Schürfung vorgenommen werden muß. Die Beratung dieser beiden Paragraphen wird mit der des § 13 verbunden, der die Veräußerungen oder Verpachtungen über zwanzig Jahre der Genehmigung der Aufsichtsbehörde unterstellt.
Kolonialdirektor Dr. S t ü b e l erklärt: Bereits im Dezember 1901 sei das Gouvernement angewiesen worden in dem Pflanzungsgebiet in Viktoria bei b-.r Regelung der Landfrage die Rechte der Eingeborenen auf Grund der Kolonialverordnung wahrzunehmen. Daraufhin seien Landeskommissionen eingesetzt worden, über deren Tätigkeit ein abschließender Bericht noch nicht vorliege. Die bisher vorliegenden Berichte befriedigten die Ko- lonialverrvaltung nicht voll weshalb das Gouvernement erneut angewiesen wurde, sich strikt an die gegebenen Weisungen zu Gunsten der Eingeborenen zu halten. Die Missionare, die als Pfleger der Eingeborenen Mitglieder der Landeskommission sind, haben, wenn sie meinen, daü den Gesetzen und der Gerechtigkeit nicht entsprochen wird, die Möglichkeit, sich zu beschweren. Solche Beschwerden sind auch an die Kolonialverwaltung gelangt und gewissenhaftest geprüft worden. Uebcrall, luo den Bestimmungen der Kronlandsverordnung usw. nicht genügt war, werde Remedur geschaffen werden.
Geheimrat 5) el ff er ich führt aus: Die Landesionzession rechts und links der Bahn sei im Vergleich zu den anderwärts gewährten Konzessionen minimal. Es seien je 200 Hektar pro Kilometer in Blocks zugewiesen, die 400 Hektar umfassen. Von den Blocks fallen nach dem klaren Wortlaut der Vorlage diejenigen Teile der Gesellschaft nicht zu, die nicht herrenlos sind, sondern auf Grund der Kronlandsverordnung den Eingeborenen zu- gesprochen werden.
Nachdem die Kommission beschlossen M, die inzwischen eingegangene Resolution Semler-Erzberger-Arendt und Frhr. von Richthofen, den Reichskanzler zu ersuchen, zur Prüfung der kolonialen Landeskonzessionsftage eine besondere Kommission unter Hinzuziehung von Reichstagsmitgliedern einzusetzen, besonders zu beraten, wird der Zuiatz Erzbergers zu dem! 8 sll angenommen.
In der Vormittagssitzung am 17. Mai wurde auch noch ein Antrag Er zberger zu § 12 angenommen, ebenso ein Antrag Kopsch auf Vorlegung von beßimmt bezeichneten Akten. Zu Beginn der Nachmittagssitzung ertlärt Kolonialdirektor Dr. S t ü b e l, daß er das gewünschte Aktenmaterial bereits zur Stelle habe und eine Inhaltsangabe daraus verlesen lassen werde: die Kommission möge dann selbst entscheiden, ob das Material für die zur Beratung stehende Frage von Belang sei. Geheimrat Seitz verliest ein ausführliches Inhaltsverzeichnis der Akten. Der Kolonialdirel'tor erklärt, das Material stehe selbstverständlich der Budgetkommstsion zur Einsichtnahme zur Verfügung. Falls gemäß dem Anträge 'Seniler die Einsetzung einer Landkommission beschlossen werden sollte, könne er, der Kolonialdirektor, nur dringend wünschen, daß alles Material über die Landfrage möglichst weiten Kreisen zugängig werde. Er werde deshalb befür- worteii, daß diese Kommission möglichst bald zusammentrete.
Die Kommission nahm dann die §§ 13 bis 15, Landveräußer- iirtg, Steuerfreiheit und Zollfreiheit, an, ebenso die zurück- gestellten 1 bis 3, Konzession und Bedingungen für den Bau. §4, der Bestimmungen für, den Betrieb der Bahn im einzelnen festsetzt, wird mit einem Zusatze Erzbergers angenommen, welcher die Festsetzung der Mindestsätze einer Aufsichtsbehörde vorbehält. Ferner werden angenommen die §§ 5 betr. Verpflichtungen der Gesellschaft hinsichtlich des Bahnbetriebes und der Anschlußbahnen, 6 und 7 betr. das Verfahren bei Vertragsverletzungen, ebenso die §§ 18 bis 27 betr. die Zahlungspflicht des Reiches und der Gesellschaften, Zahlstellen, Uebertragung der Konzession, Erwerbsrecht des Reiches, Auflösung des Unternehmens und Ablauf der Konzession.
Damit ist die er)te Lesung der Konzeftionsurkunde beendet. Das Gesetz wird ohne Debatte genehmigt. Schließlich wird die Resolution seniler auf Einsetzung einer Landkommission und die Resolution Erz berg er auf eingehende Prüfung der für Kamerun erteilten Landkonzeffionen an usw. angenommen. x
London, 17. Mai. „Daily Telegraph" veröffentlicht eine Drahtung aus Tsingtau über das Gerücht der deutschen Besetzung Haitschus. Danach hat die deutsche Firma Diederichsen und Iebsen einen regelmäßigen Dampferdienst zwischen Tsingtau und Haitschn eingerichtet, und da diese Gewässer nicht bekannt sind, nehmen deutsche Torpedoboote Sondierungen vor.
Kcer und K otte.
Berlin, 17. Mai. Das „Militärwochenblatt" meldet: Prinz Eitel Friedrich, Hauptmann im ersten Garde-Regiment zu Fuß, wurde zum Koni man d enr der Leibkompagnie dieses Regiments ernannt.
unter dem Vorsitz des Beigeordneten Cursch mann im Bürgermeistereigebände eine Sitzung ab, in welcher vom Vorsitzenden des geschäftsführenden Ausschusses über die Vorarbeiten der Einzelausschüsse berichtet wurde. Der Festausschuß, dem die Genehmigung des allgemeinen Festplanes und des provisorischen Gesamthaushaltungsplanes zusteht, sprach sich befriedigt über die Beratungen und Beschlüsse der Einzelausschüsse aus, und erteilte seine Genehmigung hierzu. Der Vorsitzende schloß die Sitzung mit dem Wunsche, daß die weiteren Festvorbereitungsarbeiten die beste Erledigung finden und die Festtage selbst vom schönsten Wetter begünstigt sein möchten.
'* 3um Schneiderstreik. Die Streikleitung der Gehilfen bittet uns, folgende Tabelle über die seither bezahlten, die geforderten und die von den Arbeitgebern bewilligten Löhne bekannt zu geben:
ezcichmmg der Arbeit
Seither bezahlt
Mk.
. 17.-
gefordert
Von den Arbeitgebern
Frack ......
Mk. 18.—
zugebilligt Mk.
17.50
Gehrock .....
. 16.-
17.—
16.50
Fagnett......
. 14.—
14.—
13.50
Sakko, einreihig . .
. 10.—
11.-
1050
„ zweireihig . .
. 11.—
12.—
11.50
Sommer-Paletot ♦ .
♦ 13.—
14.50
13.50
Winter- „ . .
. 14.—
16.-
14.50
Joppe ......
. 9.—
10.—
9.—
Hosen:
Hose .......
. 3.20
3.50
3.—
Slietellwse .....
. 3.50
4.—
3.50
Neitboie .....
Westen: einreihig ....
. 3.50
4.50
3.50
. 3.20
3.50
3.20
zweireihig ....
. 3.50
4.-
3.50
Stundenlohn ....
. -.30
-.35
—.30
Es geben ab 3 Prozent für Nähzutaten.
Aus Mainz wird gemeldet: Eine stark besuchte öffentliche Schneiderversammlimg beschloß am Dienstag, die Arbeit einzustellen und sie erst dann wieder aufzunehmen, wenn die Streikarbeit für auswärtige Orte eingestellt wird. 250 Arbeiter haben die Arbeit eingestellt.
** Verhaftet wurde gestern abend ein junger Mensch aus Kinzenbach, welcher sich unter falschem Namen hier eingemietet und seinen Quartiergeber um die Miete betrog. Außerdem hatte er sich des Zechbetrugs in mehreren Fällen schuldig genlacht. Er arbeitete nichts und verschaffte sich Speise und Trank, indem er sich solche in den Wirtschaften geben ließ und dann heimlich durch die Hintertüre verschwand, ohne zu bezahlen.
** Von einem Radfahrer überfahren. In der Moltkestraße wurde gestern ein fünfjähriger Junge von einem Radfahrer überfahren und nicht unerheblich verletzt. Da der Radfahrer sich um den Vorfall gar nicht bekümmerte, ist vom Vater des verletzten Kindes Strafantrag gestellt worden.
** Flottenverein. Die Kreisgruppe Gießen des deutschen Flottenvereins veranstaltet heute abend 8 Uhr im Caf6 Ebel ihre diesjährige Hauptversammlung. Die Tagesordnung ist im Inseratenteil veröffentlicht.
rm. Friedberg, 16. Mai. Ueber den größten Teil des Kreises Friedberg ist nun auch die Hunde sperre verhängt worden, da in Assen heim der Hund des Gärtners Leichtnahm wegen Tollwutverdachtes getötet werden mußte. Der Kopf des Hundes ist zur Untersuchung nach Berlin geschickt worden.
m. Friedberg, 18. Mai. (Eigener Drahtbericht.) Die Witwe des Gastwirts Kunze von hier stürzte heute in der Brauerei Steinhäuser in eine Abortgrube, deren Deckbretter durchgebrochen sind. Die Frau wurde schwer verletzt herausbefördert.
Ilbenstadt, 17. Mai. Heute nachmittag gingen einem hier bediensteten Manne namens R e i ch e r t die vor einem allerdings leeren, aber schweren Lastwagen gespannten Pferde durch, so daß her Fuhrmann vom Wagen fiel und unter die Räder geriet. Die Räder gingen dem Unglücklichen, welcher das Haupt einer nur vom Arbeitsverdienst lebenden mehrköpfigen Familie ist, über den einen Schenkes und über die Stirn.' Bewußtlos wurde Reichert nach Hause getragen. Der ra'ch herbeigerufene Arzt konstatierte außer den äußerlichen V e r l e tz u n g en!, auch noch innere, die offenbar nicht unb edenklich er Natur sind: bis zum Abend hatte Reichert das Bewußtsein noch nicht zurückerlangt.
R. B. Darmstadt, 17. Mai. Die gestern mitgeteilte Nachricht von der Verhaftung des Geh. Oberbergrats Prof. D r. C h clius ruft hier in weiten Kreisen Aufsehen nnd Bedauern hervor. Es wird dem Verhafteten zur Last gelegt, sich in verschiedenen Fällen gegen den § 176 Abs. 3 des Strafgesetzbuchs vergangen z-u haben. Der Beschluß zur Ausstellung des Haftbefehls erfolgte, nachdem seitens des Vaters und eines Kindes bei der Staatsanwaltschaft eingehende Aussagen zu Protokoll genommen worden waren. Da Geh.-Rat Ch. darauf eine Dienstreise nach O b e r h e s s e n antrat, lag für die Staatsanwaltschaft begründeter Fln ch t v e r d a cht vor nnd die Verhaftung erfolgte aus telegraphische Anordnung von Darmstadt in Büdingen, wo sich Ch. am Dienstag abend gerade aufhielt. Es kann kaum noch einem Zweifel unterliegen, daß die Hauptursache zu den traurigen Verirrungen in den bellagenswerten Familienverhältnissen des Verhafteten liegt. Er besitzt eine seit Jahren schwer herzkranke Frau und dazn einen erwachsenen/ schwer gelähmten Sohn; der einzige Lichtstrahl in der Familie ist die jetzt 21jährige Tochter, die vor kurzem ihr höheres Lehrerinnenexamen bestand. Ch. sieht trotz seiner noch nicht 50 Lebensjahre auf eine langjährige und verdienstvolle Tätigkeit in Hessen ziirück. Er ist an 'der Technischen Hochschule Privat- wzent für Mineralogie und Geologie, und hatte als solcher längere Zeit die fachmännische Leitung von Bad-Nauheim unter sich; ferner ist er referierendes Mitglied der oberen Bergbehörde beim Ministerium des Innern, deren Leitung Geheimrat Braun übertragen ist. Ch. erfreute sich bisher in Darmstadt allenthalben der größten Hochachtung, auch als Vorstand verschiedener gemeinnütziger Vereine und war eine namentlich durch seine dienstliche Tätigkeit in Oberst e s se n beliebte Persönlichkeit. Die Staatsanwaltschaft hat heute die weitere Verfolgung der >ANgetegenheit an den Untersuchungsrichter, Landgerichtsrat Hofmann, gegeben. Der Beschuldigte ist heute früh nach Darmstadt in Hast gebracht worden.
Mainz, 17. Mai. Das Großherzogspaar unter* nahm heute eine Rheinreise bis Schloß Rh einstein. Gegen 7 Uhr abends fuhren der reichbeflaggte Dampfer „Rhcingold" mit dem Paar an Bord, sowie der gleichfalls schön geschmückte Dampfer „Lohengrin" als Begleitschiff auf der Talfahrt an der mit Fahnen und Wimpeln gezierten


