Ausgabe 
15.4.1905 Erstes Blatt
 
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Zleutlch-Siidwestasrikk.

Berlin, 14. April. Nach einer Meldung des General­leutnants v. Trotha aus Kub erhielt Hauptmann Manger von der Abteilung Meister in Haruchz durch einen Busch­mann die Nachricht, daß Hendrik Witbo^j südlich von Koroise-Kolk sitze. Hauptmann Manger trat sofort mit 279 Gewehren und zwei Geschützen den Vormarsch an und griff am 7. April die Nachhut Hendrik Witbois östlich von jener Vley an. Dein Feinde wurden erhebliche Verluste beigebracht; diesseits ein Offizier und drei Reiter gefallen, drei Reiter verwundet. Der Vorstoß hatte über zahlreiche Dünen 90 Kilometer weit in wasserlose Gegenden hinein ge­führt und nnifcte schließlich eingestellt werden, da die Neit- und Zugtiere wegen gänzlichen Wassermangels erschöpft waren. Vom Auob entgegengefahrenes Wasser ermöglichte der Abteilung die Rückkehr. Major v. Estorfs gelangte am 8. April bis 45 Kilometer südöstlich von Kowise-Kolk om Noffob, ohne den Gegner git erreichen. Auch der kleine Noffob wurde vom Feinde frei gefunden. Oberleutnant B öttlin mit einer Abteilung Bastarde und einem Zlig der dritten Etappenkompanie griff nm 6. April die unter deni Hottentotten Gorub und dem Feldkornett Elias vereinigten Hottentottenbanden am oberen Tsubrevier an. Nach vier­stündigem Gefecht wurde die Werft des Feindes und der größte Teil seines Viehes genommen. Vierzehn H^entontten sind gefallen, 70 gefangen, zahlreiches Vieh sowie Gewehre erbeutet worden. Mit der weiteren Säuberung Nordbethaniens wurde die Abteilung Zwehl, die sich cnn 6. April mit der zweiten Ersatzkompanie am Hudup, süd­östlich vom Auob, vereinigt hat, beauftragt.

Ausland.

Brüssel, 14. April. Die Abgeordnetenkammer nahm Has deutsch-belgische Handelsabkommen mit 82 Stimmen bei 47 Stimmenthaltungen a n.

Paris, 14. April. Aus Algier wird gemeldet: König Eduard wird morgen hier erwartet. Der englische Generalkonsul hat gestern eine Depesche erhalten, die den Besuch ankündigt. Die königliche PachtViktoria and Albert" wird von zwei Kreuzern begleitet sein. Der König wird 24 Stunden hier bleiben. Die englische Kolonie und die französischen Behörden bereiten einen großartigen Empfang vor.

Paris, 14. April. Der die Verschwörungs- «ngelegenheit bearbeitende Untersuchungsrichter verhörte heute eine Anzahl neuer Zeugen, insbesondere einen Haupt­mann bei der kolonialen Infanterie in Toulon namens Naroix, dem Tamburini vor zwei Monaten für seine Be­teiligung an dem Komplott gegen die Regierung 150 000 Francs bot. Bei den Verhören stellte es sich heraus, wie es heißt, daß Tamburini einigen Ossizieren, die er für seine Pläne zu gewinnen suchte, als Deckadreffe den schwedischen Industriellen Wilhelm Meinkart angab, deffen Pariser Ver­treter der kürzlich verhaftete Skandinavier Hansen war.

Cannes, 14. April. Die Herzogin Cecilie von Mecklenburg-Schwerin, die Braut des Kron­prinzen, ist heute mittag nach Deutschland abgereist.

Sofia, 14. April. Die griechische Bluttat in Zagoricani verursacht hier wachsende Erregung. Das Dorf, ehemals ein Stützpunkt des Bulgarentums im Kastoria- Bezirk, wurde am 2. August 1903 von türkischen Truppen durch Feuer vernichtet. 139 Einwohner wurden getötet und 14 Mädchen weggeschleppt. Seitdem lebten die Einwohner in Baracken, da von 600 abgebrannten Häusern nur etwa 20 wieder aufgebaut worden sind. Durch Eilboten hierher- gebrachte verläßliche Nachrichten melden, daß beim Gemetzel am 7. April 80 Männer ermordet wurden, größtenteils Greise, ferner 17 Frauen, zwei junge Mädchen und 39 Kinder.

Konstantiuopel, 14. April. Dor vorgestrige Kampf bet Prizren dauerte bis zur Dunkelheit. Die Ljumesen .wurden schließlich zurückgeworfen. Die Truppen verloren ;oier Mann, die Verluste der Ljumesen sind unbekannt.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 15. Avril 1905.

** I. K. H. die Groß Herzogin hat sich, so schreibt man uns aus Darmstadt, in der kurzen Zeit ihrer An­sässigkeit in der Residenz bereits mit außerordentlicher Wärme und Hingebung an den vielartigen Wohltätigkeits­bestrebungen in der Stadt beteiligt. Auf ihre Anregung wird auch die frühere schöne Sitte des Ostereiersuchens für arme Kinder wieder zur Geltung kommen. In Gegen­wart der hohen Frau soll am nächsten Montag den 132 Kindern der Kleinkinderbewahran statt in der Mauer­straße eine solche Ollerfreude bereitet werden, wobei nach dem Gesang von Osterliedern, Ansprache 2C. unter sämtlichen Kin­dern entsprechende Geschenke zur Verteilung kommen werden.

Personalien. Ernannt wurden der Gerichts- fchreibergehilfe bei dem Amtsgericht Herbstein, Wagner, zum Aktuariatsaffistenten bei dem Amtsgericht Reinheim, der Gerichtsschreibergehilfe bei dem Amtsgericht Wörrstadt, Heck­mann, zum Aktuariatsaffistenten bei dem Amtsgericht Worms, der Aktuariatsassistent bei der Staatsanwaltschaft am Landgericht der Provinz Oberhessen, Döring, zum Aktuariatsaffistenten bei dem Amtsgericht Butzbach, der Aktuariatsaffistent bei dem Amtsgericht Groß-Umstadt, Scharmann, zum Aktuariatsaffistenten bei der Staats­anwaltschaft am Landgericht der Provinz Oberhessen und der Aktuariatsassistent bei dem Amtsgericht Gießen, Weisel, zum Aktuariatsaffistenten bei dem Amtsgericht Groß-Umstadt. - Ernannt wurde am 12. April ds. Is. der Hobaiit und Sergeant im Infanterie-Regiment Nr. 118 in Worms, Schwalbe, zum Amtsgerichtsdiener bei dem Amtsgericht Herbstein.

** 5)ie Ofterferien an den hiesigen Schulen haben heute begonnen. Sie erstrecken sich bis zum 30. April. Der Unterricht im neuen Schuljahre beginnt aber in den höheren Schulen erst wieder am Dienstag dem 2. Mai, morgens 8 Uhr, an den Volksschulen am 1. Mai.

Hess-isch-Thüringische Staatslotterie. Bei per heute fortgesetzten Ziehung der 6. Klaffe siel ein Gewinn X)on 30 000 Mk. auf Nr. 34298, Gewinne von je 10 000Mk. auf Nr. 74918 89646, Gewinne von 5000 M, auf Nr. 29854 73781. (Ohne Gewähr.)

** Diebstahl eines Ueberziehers. Ein Be­wohner der Nordanlaqe hatte am vorigen Mittwoch einen fremden Gartenarbeiter beschäftigt. Mit dem Gartenarbeiter verschwand abends auch der sehr wertvolle Ueberzieher deS Halisbesitzers, den er im offenen Fenster des unteren Stockes niedergelegt hatte. Der Ueberzieher wurde noch im Besitz deS Arbeiters, der gestern verhaftet wurde, gesiinden; der Täter hatte ihn ober bereits durch Entfernung der Firmen- allfschrift unkenntlich zu machen verflicht und behauptete, der Ueberzieher sei fein Eigentum, bis die Polizei ihn eines andern belehrte.

g. Großen-Lind en, 14. April. Eine recht rege Bautätigkeit herrscht in diesem Jahre wieder hier. Mehrere Hofraiten sind fast unter Dach gebracht und weitere in Angriff genommen. Während sich die Preise für Ball­gelände in den vergangenen Jahren noch zwischen 1 Alk. und 1.25 Mk. pro Quadratmeter bewegten, sind sie jetzt cinf 2 Mk. in die Höhe gegangen. Von der Gemeinde wurden dieser Tage drei Bauplätze öffentlich versteigert, jedoch wurde hier für den Quadratmeter nur durchschnittlich 1.40 Mk. er­zielt. Tie Genehmigung für diesen Preis dürste ober nicht erteilt werden.

Alsfeld, 14. April. Der 1. Punkt der Tagesordnung der gestrigen Stadtvorstandssitzung betraf eine voll der Stadt aliizlinehmende Anleihe von 200000 Mk., die besonders durch den S ch l a ch t h a u s n e u b a it notwendia geworden ist. Für die Begebling der Anleihe sollen möglichst günstige Bedlnglingen angestrebt werden, und der Stadt­vorstand wird sich zu dieseln Werk mit Banksirmen in Ver­bindung setzen. In Anbetracht des billigen Geldstandes wird den betr. Firmen die Bedingung gestellt, daß sie die An­leihe zum Kurs von 98,50 realisieren. Die Finanzkommiffion wirb zur Vornahme der nötigen Schritte ermächtigt.

(Alsf. O. Ztg.)

^Marburg, 14. April. Bis in die späten Nacht­stunden hinein beschäftigte sich gestern abend auf Freidhoss Terrasse eine außerordentlich stark besuchte Bürgerver­sammlung mit der für Marburg geplanten Einführung einer sog. Wertzuwachs st euer. Der Vorsitzende des Bundes deutscher Bodenreformer, Adolf Danlaschke aus Berlin, sprach in längeren Ausführlmgen über die Zwecke lind Ziele dieses Blindes und verband damit eingehende Er­läuterungen über die Wertzuwachssteuer, die zlierst in Frank­furt a. M. zur Einführung gelangt sei. Im Laufe der Dis­kussion sprachen in zustimmendem Sinne u. a. auch die Pro­fessoren Trölisch und Sieveking.

* Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Die Kommission vom lanbwirtschaftlichen Provinzialverein von Oberhessen siir Abhaltling eines Provinzial- Biehmarktes weilte am 13 d. Alts, in Butzbach, um die dort zl»r Verfügmlg gestellte Halle in Augenschein zu nehmen. Rechts- anwalt Dr. Gries er in Mainz feierte am 14. d. Mts. sein 50jähriges Berufsjlibiläilm. Landgerichtsdirektor Dr. Bockenheimer hielt in der Sitzung der Zivilkaulmer des Laildgerichts in Gegen­wart fast sämtlicher Nechtsailwälte eine Ansprache an den Jubilar, dem vom Großherzog der Titel Justizrat verlieben wurde._______

vermischtes«

* Die Frau Professor. Frau:Du mußt mir einen neuen Hut kamen . . . den alten trage ich bereits ein halbes Jahr!" Professor:Und ich entsinne mich doch ganz genau, daß ich ihn Dir erst im vergangenen Monat kaufte." Frau:Da hört sich aber alles auf . . . Du sag' mir nochmal, daß Du zerstreut bistl"

* Zwei Menschenleben für einen Hund. Ein schwerer Unfall ereignete sich, rote aus Wien gemeldet wird, auf der dortigen Donauuferbahn. Als kurz nach 9 Uhr abends ein Personenzug in die Station Handelskai einlief, sprang plötzlich ein Wachthund der Nordbahn auf das Schienengeleis. Um das Leben deS Hundes zu retten, eilten sofort die Bahnwächter Franz Fittum und Johann Faita herbei. In demselben Augenblicke, wo die Wächter das ge­fährdete Tier durch Zurufe zu verscheuchen suchten, wurden beide von der Maschine des von Heiligenstadt kommenden Stadtbahnzuges erfaßt und überfahren. Frittum konnte nur noch als schrecklich verstümmelte Leiche unter den Nädern hervorgezogen werden; sein Kollege Faita wurde lebens­gefährlich verletzt sofort nach betn Allgemeinen Krankenhause in Wien gebracht, wo er bald darauf verstarb. Die Unglück­lichen waren verheiratet und Familienväter.

* Kleine Tageschronik. InSkalatz (GalizierU stürzte infolge schlechter Bauart das Hans der Kredit-Gesellschaft ein. Der Direktor der Bank, dessen Frau und zwei Kinder wurden noch lebend aus den Trümmern hervorgezogen. In ihrer Villa in Großlichterfelde bei Berlin ist Frau Mary v o n H o p f e n , die Wittwe des am 19. November v. I. verstorbenen Schrift- slellers Dr. Hans von Hopfen, in der verstossenen Nacht im Alter von 47 Jahren gestorben.

Kandel nnd ^erkelr. AoIÜswirischaft.

Berliner Börse vom 14. April 1905.

(Mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie, Gießen.)

Privat-Diskont 1% Prozent.

Anfangs-

Oest. Kredit .... 208.25

Deutsche Bank . . . 241.25

Darmstädter Bank . 143.60

Bochumer Guß . . . 252.90

Harpener Bergbau . 214.10

Tendenz: Ziemlich fest.

u. Schlußkurse.

209.12

241.50

143.75

252.00

215.00

3V2 Proz. neue Neichsanleihe. Die Zuteilungsbriefe an die einzelnen Konsorten sind am Freitag zur Versendung ge­langt. Nach denselben wurden auf die freien Zeichnungen von zusammen 3955 Mill. Mk. etwa 2 Proz. zugewiesen. Auf die 400 Mill. Mk. Zeichnungen mit Sperrverpflichtung 19 Proz. und nur auf die 145 Mill. Mk. Zeichnungen mit Sperre und Schuld­bucheintragung volle 100 Proz. Den einzelnen Konsorten bleibt es überlassen, wie sie die ihnen zugefallenen Summen an ihre Kundschaft verteilen wollen. Grenzen seien hierbei nur insofern gezogen, als nach dem kürzlich im engeren Ausschuß des Kon­sortiums gefaßten Beschluß die Zeichnungen mit -sperre und Ein­tragung voll, und die Zeichnungen mit Sverrverpflichtung allein mit mindestens 8 Proz. zu berücksichtigen sind.

Rückgang d e r I n d u st r i e - A k t i e u. Wie ichon mehrere Male in der letzten Zeit so zeigten siÄ wieder zu Anfang dieser Woche KurSabschwächungen bei einer Reihe von Jndustrieaktien. Der Kassamarkt für Indunriepapiere hängt wesentlich von der Gestaltung her Lage des Geldmarktes ab. Mit dem Bekannt­werden einer Reihe von Neu-Emissionen wurden Befürchtungen laut, daß eine Geldversteifung ein treten werde und gleichzeitig damit gingen besonders in die Höhe getriebene Jndustriepapiere zurück. DaL ist eine sehr notwendige Korrektur des Kurs- Niveaus, wie sie sich von Zeit zu Zeit noch stets geltend machte. Einen Rückgang im allgemeinen wiä> man jedoch erst dann sehen, wenn eine schärfere Geldversteifung eintreten sollte, oder wenn

dem Terminhandel wieder freierer Spielraum gewährt wird. Da nun letzteres nicht zu erwarten steht, wenigstens für noch recht lange Zeit nicht, so wird das Sviel in Kassawerten sich mehr oder minder fortsetzen trotz aller Warnungen. Wir erinnern nur daran, daß z. B. am Donnerstag wieder eine Reibe Industrie- Aktien ziemlich unbegründet in die Höhe gingen: wie die Aktien des Meggener Walzwerke?, die aus einmal I2V2 Proz. stiegen. Ferner gingen in Franksirrt gestern Kunstseide um 6V2 Prozent in die Höbe - auch Zellstoff Waldhof haben eine namhafte Steiger* ung erfahren.

Rheinisch-westfälische Kohlenindustrie. Meld­ungen aus dem Ruhrkohlenrevier zufolge ist seit Eintritt der wär­meren Jahreszeit ein w c s e n t l i ch e r R ü ck a a n g i m K 0 h l e n- absatz eingetreten. Damit haben sich nicht nur die Feier­schichten vermehrt, sondern es fmb auch vielfach Ar­tz e i t e r k ü n d i g u n g e n vorgenommen worden. Namentlich wurden hiervon italienische und polnische Arbeiter betroffen. Be­fürchtet wurde auch, daß das Schicksal der Berggesetznovelle im preuß. Landtag eine neue Artzeiterbeweguua Hervorrufen würde: es wird sich dies jedoch kaum durchfützron lassen. Immer­hin sind für die nächste Woche zahlreiche Versammlungen vor­bereitet. in denen eine gemeinsame Petition an den Reichskanzler beschlosst werden soll.

Märkte.

Gießen, 15. April. Marktbericht. Auf heutigem Woctzenmarkr kosteten: Butter vr. Pfd. 1.101.20 Ack., Hühnereier 1 St. 56 Bfg. 2 Stck. 0000 Psg., Gäiüeeier 1500 Pfg., Enteneier 67 Pfg., Käse nv. Stck. 68 Pf., Käfematte 2 Stck. 56 Pfg. Erbfen vr. Liter 21 Pfg., Limen vr. Liter32 Pfg., Tauben vr.PaarO,80- 0,90Pik., Hühner pr.St« 1,001,60 Nik., Hähne vr. Stück 0,801,80 Pik.. Enten vr. Stück 1,802,20 Mk.,'nfe vr. Pfd. 5565 Pfg., Ochsenrleifch vr. Pfund 7080 Pfg., Kuch und Rindfleisch pr. Pmnd 6268 Pfg., Schmeine- fleifch pr. Pfund 6076 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 80 Psg., Kalbfleisch pr. Pfd. 7074 Pfg., Hammelfleisch pr. Psilnd 5074 Pfg. Kartoffeln pr. 100 Kg. 6,500,00 Pik., Zwiebeln pr. Ztr 8,0010,00 Pik., Milch per Liter 18 Pfg., Aevfel per Zentner 0 bis 0 Pik., in Körben 00-00 Pfg. Nüsse 100 St. 00-00 Pfg.' Zwetsclien per Zelitner 0.00-0.00 Mk. Birnen per Zentner 6 bis 0.00 Pik. Weißkraut 0.100.15. Marktzeit 82 Uhr.

fc. Frankfurt a. M., 14. April. Heu- u n d Stroh­markt. Herl kostete heute Pik. 3.203.40, Stroh Mk. 2.40 bis Pik. 0.00. 9llles ver 50 Kilo. Tendenz: Heil fest.

Wochenbericht der Knxenabteilung detz Bankhauses H. S. Oppenheimer jr., Hannover.

Hannover, 13. April.

Auf dem Kalikuxeumarkte ist seit einigen Tagen gegen die' Rückschläge der letzten Wochen eine entschiedene Besserung ein- actreten. Die Kurse, namentlich der schweren Werte weisen Steigerungen bis zu 1500 Mark auf. So konnten Bürbach vor­übergehend bis 13 500 Mk., Wintershall bis 14 600 Mk., Dil- helmshall bis 14 900 Mk. avancieren. Von mittleren Werten in­teressierten vornehmlich 'Desdemona, die in großen Poften bis 7000 Mk. bezahlt wurden, sodann aber später abschwächten und bei 6700 Mk. nunmehr erhältlich bleiben. Lebhafte Umsätze wur­den ferner in Mexandershall auf Basis von 8800 Mk., Heldrungen von 4750 Mk., Hoheuzollem von 9500 Mk., Carlsfund_vcm 9Ö50 Mark getätigt. Don leichten Papieren wurden Hansa Silberberg! und Deutschland bei 2400 Mk. bezw. 1600 Mk. bevorzugt. Sonst sind in dieser Kategorie von Werten nur wenig Deränderunge»» zu verzeichnen. .

Der Kohlenkuxenmarkt liegt ruhig: gefragt werden nur ein­zelne Mittelwerte, Gottessegen 4600 Mk. Geld, Trappe 3500 Mark Geld und Augusta Victoria 9200 Mark Geld. Sonstiges! unverändert.

Kunst nnd Wissenschaft.

Der Kaiser und die moderne Kun,st. Wie eine Bert.Korr." aus guter Quelle erfahrt, wird der Kaiser, ent­gegen seiner früheren Absicht, gelegentlich der Enthüllung des Kaiser Friedrich-Denkmals in Charlotten bürg das neue Char­lottenburger Rathaus nicht besuchen. Der Grund für die Aenderung der Absicht ist angeblich in der Abneigung des Kaisers gegen die moderne Richtung in Archi­tektur, Malerei und Skulptur zu suchen. Erst kürzlich soll er wieder ein sehr absprechendes Urteil über die moderne Kunst gefallt haben. Da in der Architektur des Charlottenburger Rathatlses der moderne Stil vorherrscht, soll der Kaiser sich entschieden haben, den Besuch im Rallmuse abzusagen.

Hanau, 13. April. In dem feit acht Tagen vor dem hiesigen S ch w u r g e r i ch t zur Verhandlirng stehenden Meineids« v r 0 z e ß wurde heute das Urteil gesprochen. Es waren fünf Männer und drei Frauen atzzuurterlen, die sämtlich aus der Gegeitd von Fulda und Gersfeld und aus der Stadt Ftilda stammten. Einer der Männer wurde sreigesprocheit, die andern 31 l 8 Jahren, 7 Jahreit, 6 Jahren und 31/, Jahren Zuchthaus und eittsprechendem Ehrverlust, zwei Frauen zu je einem Jahre drei Monaten Zuchthaus und eine dritte zu einem Jahr und drei Monaten Gefängnis verurteilt. Hauptartführer in dem Meineids- koinplott war nach derF. Z." der Laitdwirt Johannes Rehm aus Meiersbach im Kreise Gersfeld. Er war seinerzeit von einem Förster bei unberechtigtem Jgqen gesehen worden und hatte bei der darauffolgenden Schöffengerichtsverhaudlung burcb einen Teil der jetzt vor bem Schwurgericht abgeurteilten Angeklagten fein Alibi beschwören lassen, fobaß er freigefproctzen werben mußte. Vov verschiebenen Berufuitgsinstanzen wieberholten sich die Dteineibe/ bis zuletzt bie von ihm gewonnenen weiblichen Zeugen ein Ge-' stänbins von bem wahren Talbestanb ablegten.

Ein Taschendieb, der in Fr an e n kleidun g ar­beitete, hatte sich am Dienstag vor der fünften Strafkammer des Berliner Landgerichts I zu verantworten. In der Nacht zum 20. November 1903 kam der Arbeiter W. von einer Feier nach Haus. In der Kleinen Hamburger Straße wurde er von einer weiblichen Person angesprochen. Der etwas angetrunkene W. ließ es sich in seiner Bierlaune gefallen, daß die ,.holde Schöne" vertrmrlich ihren Arm durch beit seinen schob und ihn mit sich zog. In angeregtester Unterhaltung ging das Pärchen durch die Straßen. Plötzlich siihlte W., daß eine fremde Hand in seiner hinteren Tasche herumkramte und das Portemonnaie herauszog. Er faßte zu und umfaßte die Hand seinerBegleiterin". Es kam zu einem Wortwechsel, der bald in Tätlichkeiten auSartete W. bemerkte ^hierbei zu seinem nicht geringen Erstaunen erst, das; seine angebliche Begleiterin ein in Frauenlleidung steckender Maun, der Artist Jacob LaskowSky war. Aus der Polizeiwache förderte eine Visitation die Geldbörse des Arbeiters wieder an das Tages­licht. Vom Schöffengericht wurde der Angellagte wegen Dieb­stahls und groben Unfugs zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Der Angeklagte hatte bald nach seiner schöffengerichtlichen Ver­urteilung ein sonderbares Wesen gezeigt. Er wurde deshalb behördlicherseits in der Irrenanstalt Herzberge interniert. Der Berusimasgerichtk'hof erkannte auf Aufhebung des ersten Urteils und Freisprechung.

Wien, 14. April. Vor bem Schwurgerichte sand heute bic!, Verhandlung einer Ehrenbeleidigungsllage des Bergrates Max Ritter v. Gutmann gegen bie Herausgeber derZeit", Dr. Kanner und Prof. Singer statt, wegen eines Artikels, worin behauptet war, daß Gutmann 500 000 Kronen bezahlt habe, um die Berufung ins Herrenhaus durch den früheren Ministerpräsidenten v. Körber zu erhalten. Der frühere Ministerpräsident v. Körber wurde als Zeuge vernommen. Er erllärt, daß die Berufung des Bergrates von Gutmann ins Herrenhaus nie beabsichtigt tocvc und daß mit ihm keine Verhandlungen gepflogen worden feien. Eine Anregung, den Onkel des Bergrates Gutmann, ben Großinbustrielleu David v. Gutmann, in bas ^Herrenhaus zu berufen, habe er, Körber, abgefeimt. Der Minister erklärt bie Mitteilungen derZeit" für Erdichtungen, die nur zur Förderung des eigenen Geschäftes dienen sollten. Verschiedene Fragen des Vertreters KannerS an Herrn v. Körber über 'Pauschalien an Wiener Blätter und andere Fakten, die nichts zur Verhandlung stehen, weift der Gerichtsh ' , zurück. Herr v. Körber sagt, her Kaiser habe ihn nur für den Fas