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Die heutige Wummer umfahl 16 Keilen
empfunben, wer
sie den drohenden Wort voll Polin- Heimweh haben;
Wohl weinen sie dem Scheidenden eine Throne nach, wohl zuckt das Herz in seltsamein Schinerze auf; aber die Thräne trocknet nur zu bald und das Zucken des Herzens wird stumpf und still in der herben, faden Luft des Alltags. Manche mögen die beherrschungski ästigen Eltern bewundern, die den Trennungsschmerz so tapfer zu bemeiltern vermögen, manche mögen die starken Kinder beneiden, denen dos Heimweh nichts anzuhaben vermag. Wer aber tiefer schaut, der bewundert und beneidet sie nicht. Der Psalmsonntagsschmerz und dos Palmsonntagsheimweh bergen einen bleibenden köstlichen Segen, wie ihn keine Beherrschung und keine Stärke bieten kann. Das Heimweh ist gewiß ein tiefes schmerzliches Weh; aber unselig und dreimal elender ist der, der kein Heimweh empfinden kann! Der Schmerz, der beim Scheiden das Herz durchwühlt, hat eine haltende und rettende Kraft. Wenn an das heimatferne Kind böse Versuchungen herantreten, dann ist es oft der nachzuckende Scheideschmerz, das wieder auswachende Heimweh, dos im letzten Augenblick
New York, 14. April. Admiral Dewey, der Sieger von Manila, hat in einem Interview über die Aussichten' der Russen und Japaner in dem kommenden Seegefecht Aeusierungen gemacht, welche darauf Hinweisen, daß Japan nicht absolut auf einen Sieg rechnen könne, da die Japaner nicht über eine genügende Anzahl von Schiffen und Kreuzern verfügten.
Tokio, 14. April. Eine kaiserliche Verfügung erklärt den Hafen Mako auf den Peskadores-Jnseln mit dem 14. April in Belagerungszustand. Nach einer Marine-Verordnung wird in Mako ein Marinegerichtshof eingerichtet.
solches Palmsonntagsheimweh gefühlt hat, den läßt es im Leben nimmer los. Mag das Haar erbleichen, mag die Seele im Lebenskämpfe ermüden und ermürben, mag des Tages Tand und Treiben sonst die Erinnerungsbilder zurückdrängen, allemal, wenn die Palmsonntogsglocken wieder klingen, wenn die Palmsonntagsgrüße wieder über die Lande ziehen, da wacht in vieler Herzen das süße und doch so schmerzliche, das bange und doch so selige Erinnern wieder auf, da sehen wir im Geiste wieder das liebe Vaterhaus, das wir vor Jahren um die Osterzeit auf immer verließen, dann hören wir wieder von fern des treuen Vaters mahnendes Wort, dann fühlen wir wieder auf dem sorgenschweren Haupte der Mutter warme Segenshand. Und diese Bilder machen das Herz wieder groß und jung, still und stark. Selig, wer solche Palmsonntagserinnerungen hegt und hat, sein Leben steht immer im sonnigen Lenzlichte deS Palmsonntagssegens.
die Schleier von den Augen reißt, so daß Abgrund schauen. Es ist ein altes schönes sonntagsstimmung: »Selig sind, die da denn sie sollen nach Hause kommen."
Wer solchen Palmsonntagsschmerz
Ans der Mandschurei.
Tokio, 14. April. (Reuter.) Eine amtliche Mitteilung besagt: Eine japanische Streitmacht traf auf dem Vormarsch nach Osten über Fuschun-Hailung auf den Feind und schlug ihn morgens bei Erhuola, sieben Meilen östlich von Wngpan. Der Feind war ein Regiment Infanterie, sechs Sotnien Kavallerie und vier Geschütze stark. Die japanische Truppe besetzte Tsangschitz, ungefähr 19 Meilen östlich von Wngpan, während sich der Feind, bei jedem Schritte kämpfend, in der Richtung auf Hai- lung zurückzog. Seit dem 11. April zog sich der Feind nach und nach auf der Kirinstraße zurück, ein Teil befindet sich noch in Barsvuschn. Jü den Bezirken von Schangtu und Fakumen ist keine Aenderung eingetreten, von gelegentlichen Scharmützeln der Kavallerie abgesehen.
Petersburg, 14. April. (Petersb. Telegr.-Ag.) Ein Telegramm des Generals Line witsch an den Kaiser meldet: Unsere Reiterei ging am 9. April bis zum Dorfe Matschentai vor. Die Patrouillen haben den Eisenbahntelegraphen bei Tschakufu und den Telegraphen aus der Straße zwischen Kaijuanwa und Tschantufu am 10. April zerstört. Eine unserer Patrouillen hat zwei Telegraphenlinien bei Kaijan unterbrochen.
Nach Meldungen ans Wladiwostok wurden dort neuerdings mehrere japanische Offi» ziere, die als Erdarbeiter verkleidet waren, in dem Augenblick a u f g e g r i f f e n , als sie die Verteidigungs- Werke der Festung photographisch aufnahmen. Da man außerdem bei ihnen Dokumente sand, welche beweisen, daß sie bereits Spionageberichte nach Tokio expediert hatten^ wurden sie standrechtlich erschossen.
Kapitan Klado
erhält sür eine neuerliche Kritik des Marineministeriums einen strengen Verweis und wird behufs Rehabilitierung mit der Armierung und dem Kommando der Flußdampfer auf dem Kriegsjcbauplatze beauftragt.
Z>er Krieg.
Noch keine Seeschlacht.
Tokio, 14. April. (Reuter.) Das Marinedepartement gibt bekannt, daß die Meldungen von einer Seeschlacht auf der Höhe von Saigon unbegründet sind.
Haag, 14. April. Weder von der holländisch-indischen Regierung, noch bei der japanischen, Gesandtschaft ist irgend eine Nachricht eingelaufen über eine Seeschlacht bei den Anambasinseln. Nach einer amtlichen, früher einge- gangcnen Nachricht erwartet man, daß die ru s s i s ch e Flotte bald gänzlich die indischen Gewässer verlassen wird.
Petersburg, 14. April. (Petersb. Telegr.-Ag.) Eine Newyorker telegraphische Meldung, daß das Hospitalschiff „Orel" mit einer großen Anzahl Verwundeter an Bord in Saigon eingetroffen sei, erweist sich nach einer von dem Generalstab der Marine eingezogenen Erkundigung als ungenau. Der „Orel" ist allerdings in Saigon eingetrossen, jedoch ohne Verwundete.
Amsterdam, 14. April. Der „Telegraf" erhält von seinem Korrespondenten in Batavia ein Telegramm, in dem es heißt: Das Erscheinen der Japaner an der Küste von Cochinchina hat sich bisher noch nicht bestätigt. Russische Kreuzer kamen gestern in Saigon in Sicht. Tas niederländische Geschwader kreuzt bei den An am bas-und Na tun ainseln. Kein russisches Geschwader ist in der Nähe von Banka gewesen. Die Meldung betreffend das Kohlenschiff „Hindoo", welches auf Billiton Kohlen genommen haben soll, kann nicht zutreffend sein, da es dort kein Kohlenlager gibt, lieber die russischen Panzerschiffe ist nichts neues zu berichten.
London, 14. April. In hiesigen maritimen Kreisen ruft es Befremden hervor, daß die Russen es versäumt haben, die Na tu na-Inseln zu besetzen. Die Russen hätten sich durch die Okkupation dieser Insel einen wichtigen Stützpunkt gesichert und die Japaner eines guten Beobachtungspostens beraubt. Die Beschlagnahme dieser Inseln durch die Russen hätte zu keinen Weiterungen mit den Mächten führen können, da die Japaner seit einem Jahre die Insel als ihr Besitztum erklärt haben.
London, 14. April. Nach den letzten Meldungen wird hier nicht mehr bezweifelt, daß sämtliche Schlachtschiffe sich bei dem russischen Geschwader befinden. Man hält es für ausgemacht, daß Roschdjestwenski sich auf der großen Handelsroute nach dem Norden befindet und nicht daran denke, Saigon anzulaufen. Es wird angenommen, daß die Russen gegenwärtig östlich von Hongkong dampfen und morgen die Fischerinseln erreichen werden, in deren Nähe man das japanische Geschwader vermutet. Für morgen abend oder sür Sonntag rechnet man auf eine Entscheidungs- schlacht. n d o n, 14. Zlpril. „Morning Post" meldet aus S h a n g h a i, es werde befürchtet, daß die russischen Kriegsschiffe „Askold" und „Gromoboi" sich zum Verlassen des Hafens anschicken, um zu dem russischen Ostseegeschwader zu stoßen. Japan habe die Aufmerksamkeit der chinesischen Behörden auf diese Eventualität gelenkt, doch nimmt man an, daß China im gegebenen Falle nicht m der Lage sein werde, seinen Verpflichtungen in dieser Hinsicht nachzukommen.
Auß'arid in Sturm und Drang.
Petersburg, 14. April. Wie nunmehr verlautet, besteht die Absicht, in der nächsten Woche die Vorarbeiten zur Ausführung des kaiserlichen Reskriptes vom 3. März (betr. die Volksvertretung. D. Red.) zu beenden und alsdann dem Ministerrate zu unterbreiten. Der Ministerrat wird sie prüfen und seine Entscheidung vor Ostern treffen.
Petersburg, 14. April. (Petersb. Telegr.-Ag.) Das Finanzministerium wird die Frage der Einkommensteuer beraten. Zu diesem Zwecke ist unter dem Vorsitz des Ministergehilfen Kutler eine Kommission aus Mitgliedern des Finanzministeriums und anderen Finanzleuten zusammengetreten.
Paris, 14. April. Der Korrespondent eines hiesigen Blattes will erfahren haben, daß die Petersburger Polizei unter der Blauen Brücke vor dem Marinepalast eine wasserdichte Kiste gefunden habe, in welcher Dynamitbomben enthalten waren. Allem Anschein nach seien diese zur Ausführung eines Attentats auf den Palast bestimmt gewesen. — Mehrere fremde Botschafter und Gesandte sowie andere hochstehende militärische, politische und diplomatische Persönlichkeiten sollen Drohbriefe erhalten haben. — Wie au.8 Odessa? berichtet wird, schoß ein junger, unbekannter Mensch auf den Polizeichef Olckmnski einen Revolverschuß ab und traf rhn in die Brust. Der Täter weigert sich, seinen Namen anzugeben.
Petersburg, 14. April. In Kalisch brachte ein Unbekannter vor einem Schullokal eine Bombe zur Explosion, durch die jedoch nur Materialschaden angerichtet wurde. Personen wurden nicht verletzt.— Wie a"s Warschau berichtet wird, verurteilte das Militärgericht in dem Prozeß wegen der jüngsten Unruhen zwei Angeklagte zum Tode durch den St rang, weil sie einen Polizeiagenten tätlich angegriffen hatten. Der G^leralgouverneur begnadigte einen zu 12 Jahren Zwangsarbeit.
Stockholm, 14. April. „Aftonbladet" wird aus Abo telegraphiert, daß das dortige Hofgericht heute den früheren finlandischen Senator und ehemaligen General der russ. Armee Schaumann, den Vater des Mörders Bofrikows, von der Anklage des Hochverrats freigesprocheu hat.
Petersburg, 14. April. (Petersb. Telegr.-Ag.) 'Die Hafenarbeiter sind tn den Ausstand getreten undi verladen das auf den Schiften befindliche Getreide nicht. Tie Lage der Getreidebändler ist sehr schwierig.
Krakau, 14. April. Der „Nowa Neforma" wird aus Warschau gemeldet, daß dort gestern im israelitischen Stadtviertel große Unruhen ausgcbrochen feiert. Militär mußte einschreiten, machte jedoch von der Waffe keinen Gebrauch.
Petersburg, 14. April. Professor Ioa cd i m -Berlin hat als Protest gegen bte Entlassung des Direktors des Petersburger Konservatoriums seine Ehren- Mitgliedschaft an diesem Institut nicdergelegt^
Warnung.
Betr.: Bekämpfung der Tollwut.
Um eine weitere Verbreitung der dahier unter den Hunden auftretenden Tollwut oorvibenqen, ergeht hierdurch nochmals die dringende Aufforderung, die Hunde sest- zulegen und beim Ausgang an der Leine zu führen und mit sicherem Maulkorb gtt versehen. Sollte ein Hund der Tollwut verdächtig sein, so ist derselbe sofort in sichere Verwahrung zu bringen und hierher Mitteilung zu machen.
Da die Tollwut auch durch Katzen übertragen werden /arm, so ist auch diesen Tieren gegenüber höchste Vorsicht geboten. Frei herumlaufende Hunde und herunftchweifende Katzen werden eingefangen und getötet.
Die Schutzmannschaft ist angewiesen, jede Zuwider- Handlung gegen die Bestimmungen der Hundesperre unnachsichtlich zur Anzeige zu bringen.
Gießen, den 14. April 1905.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
Herberg.
Palmsonntag
Es gibt kaum einen anderen Sonntag int christlichen Kirchenjahre, der so von sinniger Stimmung umwoben wäre, wie der letzte Sonntag der Fastenzeit, der Palmsonntag. Die Stimmung des Palmsonntags ist herb und hoffnungsreich, lind und ernst zugleich. Wir sehen rückschauend mit den Augen der Seele den Heiland in Zion einziehen, umweht von den grüßenden Palmzweigen, umrauscht von den Hosiannarufen der jauchzenden Menge; aber hinter dem Grün der Palmen erscheint schon das harte, dunkle Holz des Marterpfahls, und in das jubelnde Hosianna hinein klingt markerschütternd das: „Kreuzige ihn!" Doch auch diese Bilder und Klänge des Wehs und der Wehmut werden verdrängt durch die österliche Morgenröte, die den Horizont zu vergolden beginnt, und durch das näher und näher, mächtiger und mächtiger heranklinqende siegkündende Geläute der Osterglocken. So ringt in den heiligen Erinnerungen des Palmsonntags die höchste Freude mit dem tiefsten Schmerze, das sonnigste Licht mit dem mächtigsten Dunkel, das glühendste Leben mit dem grausamsten Tode.
Und dieses Ringen, dieser Zwiespalt der Stimmung wiegelt sich wieder draußen in der Natur, wo der eisige und reisige Necke Winter seinen letzten Kampf mit dem sonnenfrohen Lenze kämpft. Um die Zeit, da der April zur Rüste geht, sind diese Kämpfe an Wandlungen freilich nicht mehr sonderlich reich. Die Palmen des jungen Jahrs, die ersten grünen Halme und frühen Blumen grüßen am sonnenwarmen Tage den einziehenden Lenz als Sieger, schon längst klingt aus dem Munde heimgekehrter und heimfroher Vögel das schmetternde Hosianna ihm entgegen; doch in den Nächten legt sich immer noch gern des Frostes harte Hand auf das lebenlechzende Land, die das Leben im Keime und in der Knospe zu töten sucht. Aber sie hat mir noch kurz datlernde Macht. Die goldene Morgensonne schon durch- ronrmt die lenzlüsterne Erde und lockt aus ihr bunte Blüten und grüne Blätter in Hülle und Fülle nach Weh und Leid zn Wonne und Lust.
Auch im Menschenleben, im Leben des deutschen Hauses löst die Palmsonntagszeit die Feffeln des Winters und öffnet die Pforten der Welt. Arn Tage vor dem Palmsonntag schließt das Schuljahr und für viele junge Mitmenschen bildet dieser Tag den Abschluß der Schulzeit überhaupt. Dieser Tag des Abschlllsses einer langen, oft recht bangen Zeit des Lernens hat etwas Frohes, etlvas Befreiendes. Die Zeit der schärfsten Zucht scheint abgeschlossen zu sein. Die sorgenden Elternherzen sehen manche Hoffnung erfüllt, manche Sorge beseitigt. Das Kind, das sie auf sorgender Seele bebend unb bangend getragen haben, ist nun heran- und herausgewachsen. Und doch, welch trübe Gedanken stehlen sich in diese fröhliche Stimmung hinein! Bisher war das Kind in des Hallses hegender Hut, nun muß es hinaus in das kalte Leben, oft in die liebeleere Fremde. Bisher hat des Vaters haltende Hand, der Mutter treues Auge über seinen Pfaden gewacht, nun wird es herausgerissen und hinausgerusen auf Bahnen, da die Vaterhand es nicht mehr zu halten, daS Mutterauge es nicht mehr zu sehen vermag. Es gibt innerhalb des Menschenlebens wohl keinen größeren Schmerz als den, wenn ein liebes Kind sich losreißen muß von dem Herzen, unter dem es getragen ward, und mit dem es innig verbunden ist. So wird der Palmsonntag aus einem Tage festlicher Freude zu einem Tage weinenden Wehs, schmerzlicher Sorge, bangen Betens.
Manche Kinder empfinden von dem schweren und doch süßen Schmerze des Palmsonntags so gut wie nichts. Sie freuen sich lediglich der Befreiung aus einzwängenden Schranken; das Neue und Fremde scheint ihnen licht, leicht und lockend, weil der unbequeme Mahner und die unermüdliche Warnerin fehlen. Sie stürzen sich fessellos in das Getriebe der Welt, um darin unterzutauchen und — bisweilen leider unterzugehen. Das Band des Heimwehs hält sie nicht, weil sie vom Heimatzauber wenig gespürt haben. Und wie viele Eltern empfinden die Trennung von ihrem ^.nbe als eine Erleichterung von einer unbequemen Last!
Samstag 15. April 1905
(Erstes Blatt
Amis- und Anzeigeblait für den Kreis Gießen
155. Jahrgang
Nr. 90
äelat tüglich aufoei Sonntag».
Dem G,ebener Anzetger werden im Wechsel mit dem kesflschen Landwirt d'e Giehener Zamtlien- Härter viermal m bet Woche beigelegt.
NotakwnSdrnck u. Verlag bet Brüh l'ichen llnwerl.-Buch-n. Sletn- bruderel. n Range.
Rebafttan. Ervebtttoa und Druckerei.
Schul si ratze 7.
ßbrefie lür Deveichen: Anzeiger (Aletzea.
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General-Anzeiger
VezagsprslAr monall«ch7b Pt., viertel» jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- il Zweigstellen monatlich 65 Ps.; durch dlePost Att.2.—viertel- jährl. ausjcht. Bestellg. Annahme van Anzel'en
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