Ausgabe 
2.11.1905 Erstes Blatt
 
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Sprache gebracht worden sein, mit dem Erfolg, daß Bayern und Württemberg jetzt nicht mehr in der Oppo­sition gegen diese Abgaben verharren. Trifft das zu, was rvir bezweifeln, dann würde allerdings ein Antrag Preußens auf Einführung der Schiffahrtssteuer die Mehrheit im Bundes­rat finden und dementsprechend sehr bald eingebracht werden. In der Sache selbst ist das Für und Wider zur Genüge er­örtert worden, auch von süddeutscher Seite, und das spezielle Interesse Württenibergs an der Frage der Schiffahrtsobaaben hat der volksparteiliche Abg. Haußmann in der letzten Reichs­tagssession des näheren dargelegt. Er kam zu einem ab- kehnenden Urteil, und demgegenüber darf man gespannt sein auf die Erklärung des Vertreters der württ. Regierung im Reichstag.

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Die Zurückziehung der ostassatischen Besatzungen.

Ter LondonerStandard" teilt mit, daß der Vorschlag Deutschlands, die internationalen Truppen aus Petschili zurück­zuziehen, dein Auswärtigen Amte in London mitgeteilt worden sei und sich nur auf die Eisenbahnwachen, nicht auf die Gesandtschaftswache beziehe. Es sei noch zweifelhaft, ob der deutsche Vorschlag in London oder in Tokio Zu­sage erfahren werde. Tie englische und die japanische Re­gierung werden, wie derStandard" weiter mitteilt, sich in eingehender Weise mit einander ins Einvernehmen setzen, bevor sie irgend welche Schritte tun.

Dazu bemerkt Wolffs Telegr.-Bureau:

Nach Erkundigungen an amtlicher Stelle teilte der japanische Minister des Auswärtigen bereits unter dem 28. Oktober dem kaiseri. Gesandten Graten Arco schriftlich mit, daß der Kaiser von Japan der Zurückziehung der Truppen der vereinigten Mächte aus Tschili mit Ausnahme der Gesandtschastswachen gern zu st i m m t. Tie japanische Regierung wurde beauftragt, die Fristen und sonstigen erforderlichen Maßnahmen mit Deutschland tuib den übrigen beteiligten Mächten zu vereinbaren.

Man sieht aber, daß Englands Schlauheit sich nicht fangen läßt. De§ Kaisers Schachzug ging offenbar dahin, so schnell als cs anging, England eine Möglichkeit zu nehmen, durch die es der deutschen Politik eine Unbequemlichkeit hätte bereiten können. Je mehr Japan unter den Einfluß Englands gerät, um so mehr mußte, wie mit allen Eventualitäten in der Politik, mit der Möglichkeit gerechnet werden, daß Japan einmal der Versuchung erliegen könnte, unser Kiautschou zum Gegenstände einer Veränderting der Weltkarte zu wählen, bei der sich ein diplomatischer Erfolg leicht mit einem billigen militärischen hätte verbinden lassen. So paradox es klingt, so kann man doch sagen, daß Kiautschou besser ge­schützt ist, je geringer seine Besatzung ist. Ohne Schwertstreich werden wir in Zukunft Kiautschou behaupten oder verlieren; der Wachsanikeit unserer Politik bleibt allein das Schicksal dieses wichtigen deutschen Vorpostens im fernen Osten künftighin überlassen.

Kampforganisationen".

Gegen den zu erwartenden Gesetzentwurf über die Vcr- seihunq der Rechtsfähigkeit an die Berufsvereine wird in der rechtsstehenden Presse mobil gemacht. Man gibt der Befürchtung Ausdruck, daß auf der Grundlage der Rechts­fähigkeit die Kampforganisationen der Sozialdemokratie, be­sonders die Gewerkschaften, sich mächtig entwickeln werden, denn mit der Radikalisierung der äußersten Linken gehe das Probeexerzieren der Gewerkschaften zum politischen Massen­streik Hand in Hand. Zunächst ist e§ wohl richtiger, mit dem Urteil zurückzuhalten bis zur Bekanntgabe des Gesetz­entwurfs. Wie dieser auSsehen wird, weiß zurzeit Niemand. Es dürfte aber wohl kaum an Kautelen gegen eine Kräftigung der umstürzlerischen Organisationen mangeln. Graf Posa- dowsky hat die? bereits angedeutet, als er im Reichstag die grundsätzliche Geneigtheit der Verb. Regierungen konstatierte, den Arbeiter-Organisationen die Rechtsfähigkeit zu zu er kenn en. Er sprach u. A. von der Notwendigkeit, die Arbeiter in den meisten Staats- und gewissen öffentlichen Betrieben, welche dringende und wichtige Aufgaben der All- gemeinhcit zu erfüllen haben, nicht in daS Gesetz cinzube- greisen. UebrigcnS wird auch die Mehrheit des Reichstags, auf deren Antrag der Entwurf autzgearbeitct ist, sorgfältig prüfen, inwieweit er der Sozialdemokratie Spielraum zur Be­tätigung gewährt. Wer Sozialreform will, kann schließlich nicht Vorlagen nur deswegen ablehnen, weil sie auch den der äußersten Linken nahestehenden Kreisen zugute kommen. Es wäre Unrecht, den Arbeitern die Befugnis zu juristischer Ausgestaltung ihrer Organisationen vorzuenthalten. Es geht wohl auch nicht an, die deutschen Verhältnisse mit den russi­schen in Vergleich zu stellen und vomAnsturm des deut­schen Proletariats" 51t sprechen, dem Dämme entgegengesetzt werden müßten. Solche Auffassung läßt sich nur aus einem Gefühl der Schwäche ableiten, das bei dem Stande der sozialpolitischen Gesetzgebung in Deutschland unberechtigt ist. Der Reichstag wird deshalb nicht zögern, den gewerblichen DerufSvcreineu zu verschaffen, was sie seit langem fordern, die rechtliche Anerkennung mit allen Rechten und Pflichten juristischer Personen.

Kcer iinb Iiotle.

Der Kaiser alsRegiments-Inhaber. Mit der Ernennung des Kaisers zum Chef des sächsischen Manen-Regi­ments Nr. 21 ist die Zahl der Regimenter, deren Inhaber der Kaiser ist, auf 27 gestiegen und zwar sind es 14 Kavallerie-, 12 Infanterie-Regimenter und ein Artillerie-Regiment. Von düsen gehören 12 Regimenter der preußischen Armee an; unter ben 15 übrigen sind 2 bäurische, 2 sächsische, 2 östreichisch-ungar., 1 württembcrgisches, 1 badisches. 1 hessisches (unser 116.), 1 eng­lisches, 1 spanisches und 3 rustische Regimenter.

Tic Leistungen deS Dcntsclwn Freiwilligen Au tomobil- ckorps heben eine neue Würdigung in dem folgenden an den Ebes des Korps, seinen Bruder Prinzen Heinrich gc- Sichteten Schreiben des Kaisers Anerkennung gefunden.

Tie von mir abgehaltenen Manöver haben dem Deutschen Freiwilligen Automobilkorps -nm ersten Male tz^clegenheit zu umfangreicherer Beteiligung geboten. Ich freue mich, E. K. H. aussprechen zu können, tnr» mich die Leistungen des Korps in hohem Maße befriedigt haben, indem jeder Einzelne mit Erfolg bemüht gewesen ist, unter Einsetzen der eigenen Person der ihm zuteil gewvrdenen, oft recht fdynuerigen Aufgabe unter allen Umständen gerecht zu werden. Ich bin überzeugt, daß von den Dienst bc§ Krrps eine sehr wertvolle Unterstützung der höheren Truppenführung im Krieae zu erhhirten ist. In­dem ich E. K. H. als dem hohen Cbef dieses Korvs zu diesem Erfolge aufrichtig Glück wünsche, bitte ich E K. H., den Mit­gliedern meinen Dank und meine lebhafte Anerkennung zum Ausdruck bringen zu wollen."

Ans Staöt and KanS.

Gießen, 2. November 1905.

** Personalien. Sc. Kgl. Hob. der Großherzog haben den von dem Fürsten zu Erbach-Schönberg und von dem Fürsten zu Löwenstein-Wertheim-Rosenberq auf die evangel. Psarrstelle zu Seckmauern, Dekanat Reinheim, prä­sentierten Pfarrverwalter Friedrich Pabst daselbst für diese Stelle bestätigt.

Ordensverleihung. Se. Kgl. Hoh. der Groß- h erzog haben dem Forstwart dec Kommunalsorstwartei Tarsberg, Jakob Hauck zu Darsberg, auS Anlaß seiner Ver­setzung in den Ruhestand daS Allgemeine Ehrenzeichen mit der InschriftFür treue Dienste" verliehen.

** Ordensangelegenhciten. Der König von Preußen hat die Erlaubnis zur Anlegung ihnen verliehener hessischer Orden erteilt, und zwar des Komturkrcuzcs 1. Kl des Verdienstordens Philipps des Großmütigen dem General­major Gallwitz, Direktor des ArmecverwaltungSdeparte- ments im Kriegsministerinm, deS Ehrenkreuzes desselben Ordens dem Major Grafen v. Kanitz, Adjutanten des Kriegsministers, dem Wirkt. Geh. Kriegsrat Schindler, Militärintendanten des 18. Armeekorps, und dem Geheimen expedierenden Sekretär Geh. RechnunaSrat Neumann im Kriegsministerium, de§ Silb. Kreuzes desselben Ordens dem Geh. Kanzleidiener, Botenmeister Stelzer im KciegS- ministerium.

** Oeffentliche Lesehalle. Im Oktober wurden 2166 Bände ausgeliehen. Davon kommen auf: Erzählende Litteratur 1050, Zeitschriften 331, Jugcndschriften 350, Verdichtungen 41, Literaturgeschichte 10, Länder- und Völkerkunde 51, Kulturgeschichte 38, Geschichte und Bio­graphien 104, Kunstgeschichte 20, Naturwissenschaft und Technologie 82, Heer- und Seewesen 19, Land- und Haus­wirtschaft 14, Gesundheitslehre 13, Religion und Philo­sophie 20, Staatswissenschast 9, Sprachwissenschaft 5, Fremd­sprachliches 9 Bände. Nach auswärts kamen 71 Bände.

** Aus dem Bureau des Stadttheaters ES ist der Direktion gelungen, Fräulein Else Jüngling vom Hoftheatcr in Darmstadt für ein zweites Gastspiel zu gewinnen, so daß am nächsten Freitag eine Wiederholung vonMa m zelle Nit auch e" stattfinden kann.

** Der Zirkus Otto Mark, der in einigen Tagen hier eintrifft, um auf Oswald garten einen ZyTlus von Vor­stellungen zu geben, wird in der auswärtigen Presse reck'! gelobt. Co heißt es in einer uns vorliegenden Besprech­ung: Ter Zirkus Mark gab gestern abend eine ganz vor­treffliche Vorstellung vor dicht gefülltem Zelt. Tas Pro­gramm war so abwechslungsreich und fesselnd, daß es der ausgezeichneten Einlagen kaum bedurft hätte, um das Publikum in bester Stimmung zu halten. Wir können den Besuch des Zirkus Mark nm dringend empfehlen. Der Aufenthalt im Zirkus ist angenehm, der Marstall interessant und die Vorführungen sind fesselnd vom Anfang bis zum Ende.

"Hessisches Heimatpflege -und Volkstrachten­fest. DaS in Butzbach beabsichtigte Fest findet bereits aller­seits die beste Förderung. Ter Fürst zu SolmS-Lich, der gebeten wurde, den Ehrenvorsitz für die Veranstaltung zu übernehmen, hat dieser Bitte entsprochen und sein lebhaftes Interesse an dem Gelingen des Festes zum Ausdruck ge­bracht. Bemerkenswert ist, daß in Butzbach bereits in alter Zeit häufig Volksfeste stattfanden, bei denen Volksschauspiele veranstaltet wurden. So lassen sich von 1417 bis 1596 17 Vorstellungen nachweisen, die auf dem Marktplätze statt­fanden. Direktor E. Otto, jetzt in Offenbach, hat hierüber, sowie über daS Volksleben in Butzbach im Mittelalter überhaupt, eingehende und interessante Abhandlungen veröffentlicht, deren Inhalt für die neue Veranstaltung mannigfache Anhalts­punkte liefert.

" In Amerika verstorbene Hessen. Frau Mar­garetha Glitsch aus Lauterbach, Witwe des Konrad Glitsch zu JohnStown, Pa., 82 Jahre alt.

Großen-Linden, 1. Nov. Der erste Kursus der neu begründeten Wander-Koch- und HaushaltungS- schule wurde gestern hier durch Regierungsrat Dr. Wagner und Bürgermeister Leun eröffnet. Die Eisenbahn- station will sich an daS vor sechs Jahren von der Ge­meinde errichtete Acetylenwcrk anschließen; sie be­nötigt für daS neue Stationsgebäude und den Bahnhof zirka 40 Flammen.

§ M ü ck e, 1. Nov. Mit dem heutigen tritt Postsekretär Philippi in den Ruhestand. Mit ihm scheidet ein ge­wissenhafter, allzeit dienstbeflissener und tüchtiger Beamter aus dem Posidienste. Seine vorgesetzte Behörde schätzte die Verdienste deS tüchtigen Beamten nach Gebühr. Im vorigen Jahre erhielt er die Ernennung zum Postsekretär und in diesem Jahre erfolgte die Verleihung des Kronenordens vierter Klasse und deS Ritterkreuzes zweiter Klasse Philipps des Großmütigen. Am vorigen Sonntag verabschiedete er sich von feinen früheren 14 Unterbeamtcn in einer kleinen Feier auf Mücke, die so recht das schöne Verhältnis des Scheidenden zu seinen Untergebenen dartat.

Bensheim, 31. Oktober. Vor drei Wochen war ein Beamter des hiesigen Postamtes plötzlich ver­schwunden. Eine Revision der Bücher stellte heraus, daß alles in Ordnung war. Vor wenigen Tagen hat man nach demB. A." den hier recht beliebten Beamten nahe bei Wien er g riff en. Seine Geldmittel waren erschöpft und zu Fuß hatte er die ganze Strecke zurückgelegt, man brachte ihn nach Darmstadt in ein Krankenhaus. Nach seiner Ge­nesung dürfte man ihn dem Militär einverleiben; sich von der Militärpflicht loszumachen, soll die Ursache der Wande­rung gewesen sein. (Kl. Pr.)

Mainz, 31.Okt. Nachdem Bürgermeister Dr. Göttel- mann den Fackelzug abgelehnt hat, beschlossen gestern die Vorstände von 85 hiesigen Vereinen in einer Zusammen- funft einstimmig, nunmehr von dem geplanten Fackelzug Ab- ttand zu nehmen, dagegen Bürgermeister Dr. Göttelmann eine von der Kunstgewcrbcschule ausgeführte Adresse mit den Glückwünschen und den Wünschen, die man an feine Ver­waltung knüpft, zu überreichen. (M. T.)

Worms, 31. Okt. Der hiesige Lehreroerein nahm in 'einer letzten Versammlung in folgender einstimmig ange­nommenen Resolution Stellung zur Simultan schule: 1. Der Bezirkslehrerverem Worms steht als Glied des Hess. LandeSlehreroereins auf dem Boden der Simultan­

schule. 2. Er verlangt die Facha u f sicht und verwirft di.- geistliche Schulaufsicht. 3. Er verwirft jeden Einfluß, den die Kirche auf die Auswahl deS Unterrichtsstoffes und die unterriebtliche Behandlung der weltlichen Disziplinen auszuüben sich bestrebt. (F. Z.)

fc. Frankfurt a. M., 1. Nov. Der 57jährige Schneider Georg Wolf öffnete gestern abend, als er in einer Wirtschaft in der Großen Friedbergergasse eine Notdurft ver­richten wollte, aus Versehen die Türe zur Kellertreppe, stürzte die Treppe hinab und brach das Genick. Dec Tod trat sofort ein. Im Bornheimer Landwehrwege wurde gestern abend der Briefträger Anton Biersack ohne Kopfbedeckung, anscheinend in erschöpftem Zustande, aufgefunden. Auf dem Polizeirevier gab er an, er sei überfallen und be­raubt worden. Ueber die Höhe der angeblich geraubten Summe es handelt sich um Beträge, die er bestellen sollte verwickelte er sich in Widerspräche, so daß man nicht recht an den Ueberfgll glauben will.___________________

Dermttote».

* Heber einen Einbruch in das herzogliche Schl in Dessau werden folgende Einzelheiten berichtet: Als die Wäscheoerwalterin nach einer kurzen Abwesenheit in das Schloß zurückkehrte, gewahrte sie, daß von einer ge. wölbten Tür die obere Füllung eingeschlagen war. Im Wohnzimmer stand ein Stuhl, der offenbar von dem Täter beim Verlassen deS Zimmers benutzt worden war. DaS Wohn- wie auch das Schlafzimmer der Wäscheverwalterin waren in größter Unordnung und vermutlich nach Wert­gegenständen durchsucht worden. Ob etwas entwendet wor- den ist, war noch nicht zu erfahren, da die größte Bestürzung im Schlosse herrschte. Nach Lage der Sache erscheint e3 ausgeschlossen, daß eine Person von außen her in das Schloß gelangt sein könnte, da einerseits sämtliche unteren Fenster stark vergittert sind und andererseits ein Einbruch am Hellen Tage zu gewagt sein dürfte. Der patrouillierende Militär- noflen versichert auf daS bestimmteste, daß er eine fremde Person nicht habe passieren lassen. Die strengste Untersuchung der rätselhaften Angelegenheit ist angeordnet worden.

"Wieder ein Eisenbahnunfall. Am 30. Okt. entgleisten infolge Schienenbruchs von dem von Adorf nach Chemnitz verkehrenden Personenzug Nr. 1773 zwischen Bockau und Aue die Maschine mit dem Tender, der Packmeisterwagen und ein Wagen 4. Klasse. Sechs Personen meldeten sich nachträglich als leicht verletzt.

* Ein Schiffsunglück. DasHclsingforS Dag- blad" meldet, daß der hamburgische DampferBrietzig" den Kapitän des schwedischen DampfersJohan" sowie den Zimmermann dieses Dampfers und den Zimmermann dck Rigaer SchoonersArtares" an Land gesetzt hat. Diese beiden Schiffe waren am Freitag bei Blyth (Finnland) zusammengestoßen. Der DampferJohan" sank inner­halb 5 Minuten; 21 Männer und zwei Frauen er» tranken. Dem Kapitän, dem Zimmermann sowie dem Zimmermann desArtarcS" gelang e§, sich am Kiel eines BooteS festzuhalten, bis die .Brietzig" sie am SamStag morgen aufnahm. Der russische Schooner ist mit 8 Mann seiner Besatzung vermutlich ebenfalls untcrgegongi'/z, da feine Spur von ihm entdeckt werden konnte. Der Zu­sammenstoß fand bei klarem Wetter statt. Die Ursache ist darin zu suchen, daß die Backbordlaterne deS russischen SchoonerS auSgelöscht war.

"Von der eigenen Gattin zuni Tode verur­teilt. Der Pariser Maschinist Nogues erhielt, während er in RenneS arbeitete, einen Bries feiner Frau mit folgendem Wortlaut: .Ich verurteile dich hiermit zum Tode, du wirst dich sofort umbringen, sonst mache ich eine Anzeige, welche dich in5 Bagno bringt." NogueS, der einmal im Rausche ein Sittlichkeitsvergehen begangen hatte, dessen Schwere seine Gattin geflissentlich übertrieb, zögerte jedoch mit dem Selbst« mord. Darauf schickte Frau Nogues ihren Bruder nach RenneS und gab ihm einen ansehnlichen Geldbetrag zur Be­streitung der Leichenkosten mit, den NogueS iind sein Schwager einfach verzechten. Inzwischen hatte die durch ein Telegramm Alles fertig" verständigte Frau Nogues in Paris bereits Trauerkleider angelegt und befreundete Familien von dem plötzlichen Ableben ihres Gatten verständigt. Als dieser aber in Paris eintraf, gab es eine erregte Szene, und die Fra» ließ ihren Gatten verhaften, dessen Fall übrigens lange nicht so schlimm steht, wie sie e§ glauben machte. Er dürfte mit wenigen Monaten Hast davonkommen.

Gießener Strafkammer.

)( Gießen, 31. Okt.

Wegen Diebstahls, Betrugs undUrkundenfälsch' ung wurde der 18jährige Franz Schweizer aus St. Martin zu einer Gesamtstrafe von 6 Monaten und 3 Tagen Otefängni? verurteilt. Er war bei einem Händler in Butzbach kurze Zeil als Gehilfe tätig. Die Arbeit behagte ihm nicht und er suchte seinen Erwerb auf unredliche Art. Er begab sich nach Friedbera zu einem Kaufmann, der mit seinem Dienstherrn in Geschäfts Verbindung stand und schwindelte ihm vor, fein Dienstherr benötige Geld, er bitte um 30 Mk., cs dürfen aber auch 50 Mk. sein. Tetr Kaufmann behändigte ihni anstandslos 50 Mk. einem Metzger gab er an, es sei für seinen Dienstherrn Fruchte gut an der Balpi, das er einlösen müsse; fein Dienstherr sei verreist und fein Geld reiche ihm nicht, worauf ihm 10 Mk. behändigt wurden. Unter gleichen Umständen erhielt er von einem Bäcker 10 Mk Ein Schmied, den er ebenfalls besuchte, traute seinen, Angaben nicht und gab ihm nichts. Run benutzte er die Abwesenheit seines Dienstherrn, um ihm Fahrrad und eine Kiste Waren im Gesamtwerte von 200 Mk. zu stehlen, mit denen er flüchtig ging, nachdem er vorher einen i?lbmeldcschein gefälscht und der Krankenkasse vorgelegt hatte. Der einzige Milderungsgrund wurde in feiner Jugend gefunden. Mit Rück» sicht auf das Geständnis wurden ihm 3 Wochen der erlittenen Untersuchungshaft in Anrechnung gebracht. Die Ehssrau eines hiesigen Kellners hat gegen ein Urteil des hiesigen Schöffen­gerichts, nach welchem sie wegen Sachbeschädigung zu G Tagen Gefängnis verurteilt war, Berufung erhoben. Ein Mit- bciyobner ihres Hauses hatte sich über ihre Familie abfällig geäußert, weshalb sie ihn zur Rede stellte. Es cntspann sich ein Wortwechsel, der in Tätlichkeiten ausartete. Die nervöse Aron ergriff in ihrer Aufregung einen zur Hand befindlichen Nachttovf, den sie nach ihrem Gegner schleuderte. Dieser vev- fehltc sein Ziel und flog in eine Kvrridorscheibe, die in Trümmer ging. Dio Anklagebehörde focht das Urteil ebenfalls an unb -war zu Gunsten der Angeklagten. Sie führte au§, daß eine Sachbeschädigung nicht beabsichtigt war: wenn trotzdem eine solche erfolgte, kann Bestrafung nicht eintreten, da eine fahrlässige Sachbeschädigung straflos ist. Das Gericht hob das Urteil auf und erkannte wegen Werfens auf eine Geld«.

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