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Dou?:erstag Ä. November 1905
Erstes Blatt.
GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger v
Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen
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155. Jahrgang
ye;n gSpretS« monoihd)75'liL oterteU jähdtci) Mk. 2.20. durch Abhole- u. StveiflhcUen monatlich 65 Pi.: durch die Pott Pik. 2.— oienel- ährl. auefchl. Bestellg. Annahme von Anzeigen ür die laqeomtnnnec iP vornntiags 10 Uhr. ,eue-*Dxeifc: lokal 12*BfN
uS'"ärls 20 Pfg.
eri imortlid) Hit )e «johl, und nQflcin. Teil: P. Witt ko für ,Lladt und VanöJ und „tocncbieiaar ff r n ft Heb, für den An- zetaenteil: f)ane Beck.
Nr. 258
Seschelu« täglich anbei Hormiags.
Ä em Gießener Anzeiger rrerden nn Wechsel mit dem hessischen Landwirt fctt ®iefjener Familien* Kälter viermal in der Woche beigelegt.
Rotationsdruck u. Verlag der Brüh loschen Umvers.'Buch'U. Stein» druckeret. R. Lange, -ledaknon, ffruebilum und Druckerei:
LLul st ratze 7.
Redaklio" e-E 112 Verlag u.ff^ved e=fi^51 Adiesie für Deoelchen:
Anzeiger Gießen.
Die licutiflf stummer umfaßt K bellen
J)^r NeichsKanstcr und die Jiltischteuerung.
Die „Norddeutsche 9Idq. Ztg.^ meldet:
Der Reichskanzler empfing am 31. Oktober die ?(b- erdnung deS Deutschen Städte tags, welche ihre Wunsche in Sachen der Fleifchverteuerung vorbrachte. Zunächst ergriff Dbctbürgermcifler Nir schn er-Berlin ba§ Wort. Er führte au§, in den Beratungen des Vorstandes des Deutschen StädtetageS sei festgestetlt worden, datz in allen Teilen des deutschen Reiches eine erhebliche Steigerung der Fleischpreise eingetreten sei. unter der namentlich die weniger bemittelten Volkskreise litten und deren gesundheitSgemäße Ernährung in Frage gestellt werde. ES habe sich ferner ergeben, daß ebenso in allen Teilen des Reiches eine tiefgehende Unzufriedenbeit darüber Platz gegriffen habe, daß zur Beseitigung oder zur Milderung dieses Notstandes seitens der Negierungen der Bundes ft aalen wie des Reiches nichts veranlaßt norden war und daß diese Mißstimmung erhöht und verstärkt worden fei durch die Behandlung, die diese 9(n- golegenheit im preußischen LandwirtschaftSmini st erium erfahren habe. Der Vorstand des Deutschen StädtetageS habe in diesen Verhältnissen eine ernste Gefahr für bie weitere Entwickelung unseres Vaterlanbes erblickt ttnb sich für verpflichtet erachtet, von diesen Wahr- uehmungen dem leitenden Staatsmanns Mitteilung zu machen.
Ter Reichskanzler entgegnete etwa folgendesEs sei ihm erwünscht, die Vertreter großer bcutfd)<*r Städte tei sich zu sehen, um mit ihnen die Frage zu besprechen, he unsere V o l ks w o h l f a hr t tief berühre. In der Steife, in Versammlungen und Petitionen werde dem Reichskanzler und dem preuß. Ministerpräsidenten der Vor- murf gemacht, daß er gegenüber der in vielen Gegenden Deutschlands herrschenden Fleischverteuerung eine z u lassive Rolle spiele. Tiefer Vorwurf sei ungerecht. Er, der Reichskanzler, verkenne deinen Augenblick, daß eine ungerechtfertigte Verteuerung notwendiger Lebensmittel zu einer schweren Schädigung und ?u einer Bedrängnis weiter Volkskreise führen tonne. Er verkenne ebenso wenig, daß er als verantwortlicher Leiter der Reichs- und Staatsgeschäfte die Pflicht habe, eine solche Schädigung zu verhindern mb er einzuschränken, soweit dies in feiner Macht eht. Er habe den Herren bereits schriftlich mitgeteilt, welche Zuständigkeit der Reichskanzler gesetzmäßig in dieser Frage t abc. Er habe die Berechtigung und Verpflichtung, zur Äbwehr von Seucheneinschleppungen die von den zuständigen Landesregierungen getroffenen Maßregeln zu überwachen und auch die beteiligten Bundesstaaten zu einheitlichen Äbwehrmaßregeln zu veranlassen. Tarin liege aber an sich nicht das Recht, Maßregeln, die von einer Landesregierung Mr Abwehr von Viehseuchen erlassen worden sind, aufzu- beben ober zu beschränken. Tie Verantwortung für einen solchen Eingriff in die Rechtssphäre ber Einzelstaaten gegen deren Willen könne kein Reichskanzler übernehmen. Tic Erhaltung unseres deutschen Viehbestandes entspreche den vitalen Interessen «unseres Volkes. Solange er an verantwortlicher und leitender Stelle stehe, werde er niemals die Hand dazu bieten, den deutschen Viehbestand durch Außerachtlassung notwendiger Vorsichtsmaßregeln oder durch einseitige Maßnahmen zu gefährden. Er sei z u s e h r durchdrungen von der Bedeutung der Landwirtschaft für unser Volkswohl.um nichtSchädigungen von öhr fern zu halten. Tas schließe aber keine einseitige Bevorzugung der Landwirtschaft in sich, sondern lasse sich Vorkommen vereinigen mit der Wahrnehmung der Interessen aller Erwerbsstände. Die formelle Zuständigkeit verhindere nicht, daß er seinerseits nicht unterlassen wurde, in gemeinsame Erwägungen mit den Bundesregierungen darüber zu treten, ob Er- keichterungenan den Grenzen eintreten könn- ten, wenn er die Ueberzeugung gewonnen hätte, daß solche Erleichterungen möglich und zweckmäßig wären. Zu dieser Ueberzeugung fehlten aber vorläufig d i e Voraussetzungen. Wenn Maßregeln zur Besei- iligung von Uebelständen getroffen werden sollen, so müsse .man zunächst klar sehen über bie Grünbe der Uebelstänbe. Zuzugeben fei eine zum Teil erhebliche Steigerung der Viehpreise, insbesonbere bei Schweinen. Es frage sich aber, ob diese Steigerung auf Viehmangel im Jnlande oder auf andere Ursachen zurückzuführen sei. Ob Viehrnanczel vorliege, könne nicht durch eine Statistik einzelner Markte in den großen Städten und nicht durch Preß- »irtitel ober Reden in Versammlungen, sondern nur durch eingehende Ermittelungen im Lande feftgeftellt werden. Es frage sich ferner, ob bie Preise an den Marktorten im Verhältnis stehen zu den Stallpreisen wie Großhandelspreise zu Detailpreisen, ober ob ein ungerechtfertigter Aufschlag vom Zwischenhanbel erhoben werde. Sollten Fleischmangel und zu hohe Fleisch- . preise festgestellt werden, so frage sich weiter, ob die Oesf- ilvng ber Grenzen ein taugliches Mittel wäre unb ob sie sich ohne Gefahr der Seuchen ein schleppung durch- jühren lasse. Sei letzteres nicht der Fall, so müsse man von 'bie)er Maßregel Abstand nehmen. Tenn ein Seuchen- .cinbruch im Jnlande würde nicht nur der Landwirtschaft den schwersten Schaden zufügen, sondern auch die Fleisch teuerun g erheblich vermehren, ja zu einer wirklichen Fleischnot führen. Er müsse immer wieder darauf Hinreisen, daß die Grenzsperrung nicht zu dem Zweck erfolge, der Landwirtschaft höhere Preise zu
sichern, sondern um einer schweren Schädigung zu entgehen. Ter Ausbruch von Viehseuchen würde bem nationalen Wohlstände und der Ernährung des Volkes schweren Scha- den bringen. Schließlich bedürfe es auch der Feststellung, ob im Auslände genügend Vieh zur Ausfuhr vorhanden sei und ob die Auslandspreise wesentlich niedriger seien, als die des Inlandes. Diese Feststellungen seien eine notwendige Voraussetzung für die Entschließung, die Grenzen zu öffiten ober andere Maßregeln zu treffen. Tie Herren wüßten, dap für Preußen eingehende Erhebungen angeordnet sind, welche Klarheit über alle diese Fragen geben sollen. Tie Erhebungen wären dem Abschluß nahe und würden die Grundlage weiterer Entschließungen für die preußische Staatsregierung bilden. Inzwischen könnten die städtischen Verwaltungen manches tun, um ihrerseits die Fleischteuerung zu beschränken. Er könne den öerren nur empfehlen, dem Beispiele der Stadt Wien und den Anregungen der preußischen Landwirlschastskammern zu folgen, ihrerseits in der gegenwärtigen kritischen Lage die Fl e i sch- uerforgung ihrer Städte in bie £> a n b zu nehmen. Tie preußische Ctaatsreaierung werbe g^rn bereit sein, solche Unternelmiunaen zu fördern und zu unterstützen, soweit das nur möglich sei.
Oberbürgermeister Kirschner hob in seiner Erwiderung hervor, keiner der Anwesenden werde Maßregeln befürworten, durch welche der Bestand des deutsck)en Viel)- standes gefährdet werde. Alle seien überzeugt, daß sich Maßregeln treffen lassen, welche den Notstand beseitigen ober mildern, ohne den deutschen Vie Hst and zu gefährden. Daß die Fleisch preise der Nachbarländer nicht niedriger seien als die des benachbarten Inlandes, treffe vielleicht für Oesterreich zu, für alle anderen Nachbarländer aber nicht. Taß der Zwischenhandel u nd die Fleischer die Preise ungehörig steigern, könne vielleicht in einzelnen Fällen zutreffen; im großen und ganzen aber Sei das nach den wirtschaftlick)en Gesetzen ganz ausgeschlossen. Kirschner bat schließlich um Maßregeln zur Abwehr des vorhandenen Notstandes.
Bei der sich hieran anschließenden eingehenden Aussprache ergab sich die Uebereinstimmung der Vertreter der übrigen Städte mit den Ausführungen des Oberbürgermeisters Kirschner. Reichskanzler Fürst Bülow dankte zum Sck)lusse der Teputation für ihr Erscheinen sowie für ihre offene Aussprache und versicherte, daß er der vorliegenden Frage seine vollste Aufmerksamkeit zuwenden werde.
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Die Geschäftsstelle des landw. Vereins für die Provinz Oberhesten schrieb unS folgendes:
Der Obermeister der Gießener Fleischerinnnng, Herr Ernst Ludwig Sack, bringt in Rr. 255 des .Gieß. Anz." aus die von uns veröffentlichten Ermittelungen „über den Bestand von Cchlachtschweinen in verschiedenen Orten der Provinz Cberheffen* einen Artikel, der zwar viele Worte enthält, auf die Sache aber nicht eingeht. Die Ermittelungen des landw. Vereins für bie Provinz Oberhessen werden hier mit der Wiederholung der Behauptung der Fleischerinnung Gießen abgetan, daß auf ein Inserat, betr. die Lieferung von hundert Schweinen, nur ein Angebot von zwei Schweinen eingegangen fei. Wir haben schon früher die Gründe mitgeteilt, warum das Inserat keinen Erfolg haben konnte und sind der Ansicht, daß auch die Metzgerinnung dies vorauSsehen mußte. Zu allem Ueberfluffe haben mir nun aber die Ermittelungen durchgeführt, deren Ergebnis zum Teil im »Hess. Landwirt" (Beilage deS „Gieß. 9lnz.^) veröffentlicht worden ist. Der Vollständigkeit wegen wiederholen wir jetzt das gesamte Resultat, welches dahingeht, baß in 146 Orten der Provinz Oberhessen sofort 2 2 7 9 und bis zum 1. Dezember l. I S. 4078 Maftschweine abgegeben werden können. Da Herr Obermeister Sack unsere Ermittelungen mit der ironischen Bemerkung abtun zu können glaubt, „daß man mit Zahlen die Bevölkerung wirklich nicht sali machen könne", so fragen wir Herrn Sack, ob er den Versuch gemacht hat, festzustellen, daß die vom Verein festge- ftedten Tatsachen nicht richtig sind. Hat er diesen Versuch nicht gemacht, und kann er den Gegenbeweis nicht erbringen, so ist die Behauptung der Gießener Metzger, daß nicht ge- nügenb schlachtreife Schweine vorhanden sind, unrichtig, und auch die daraus gezogenen Schlüsse sind unzutreffend. Wir haben aber noch weiteres Material, welche? den Beweis zu erbringen geeignet ist, daß e8 dem Herrn Sack als Vertreter der Gießener Metzgerinnung nur darum zu tun ist, die Bevölkerung irre zu führen. Um das Gedächtnis deS Herrn Sack zu stärken, fragen wir denselben: Wenn die Fleischnot wirklich so groß war und ist, wie er behauptet, warum Hai derselbe auf ein Angebot des Herrn 9luguft Theis zu Stockhausen zur Lieferung von 3 Schweinen Ende September und von weiteren 2 Schweinen Mitte Oktober überhaupt nicht geantwortet? Wir nehmen an, daß die Rot entweder nicht so groß war, wie er behauptet, ober daß die Behauptungen nur einen tendenziösen Zweck hatten. Vorläufig, und so lange unS die Gießener Metzgennnung nicht das Gegenteil beweist, — was sie nicht können wird — nehmen wir an, daß der Beweis, wonach genügend Schlachtschweine vorhanden sind, von uns erbracht ist.
Was nun die mit Vorliebe in den Vordergrund gestellte Preisfrage anbetrifft, so gipfelt die Behauptung des Herrn Sack darin, daß die Preise innerhalb Jahresfrist um 20 Mk. pro Zentner gestiegen seien. Wir stellen fest, daß um diese Zeit im vorigen Jahre m den Kreisen Alsfeld und Lauter
bach von den Metzgern und Händlern 48 — 51 Mk. pro Zentner Lebendaewicht bezahlt worden ist. In diesem Jahre, unb auch jetzt, werden von den Metzgern 67 Mk. pro Zentner Schlachtgewicht, entsprechend etwa 54 Mark pro Zentner Lebendgewicht, und von den Händlern 54 bis 55 Mk. pro Zentner Lebendgewicht bezahlt, da? ist gegen das vorige Jghr eine Preissteigerung von 4—5 Mk. Wenn nun obige Behauptung de? Herrn Sack, daß eine Preissteigerung von 20 Mk. stattgeflmden hat, richtig ist, bann fragen wir Wer erhält die Differenz von ca. 15 Mk. k Steckt die.selbe der Handel ein, bann erfüllt derselbe nicht feine Aufgabe, preiSausgleichend auf bie von ihm gehandelte Ware zu wirken; fließt dieselbe aber in die Taschen ber Metzger, so wäre die Behauptung derjenigen berechtigt, welche sagen, daß die Metzger bei aufsteigenden Konjunkturen den Vieh- preifen mit den Fleischpreisen vorauseilen, bei absteigenden Zurückbleiben. Keinesfalls kann aber bei diesen Tatsachen, wonach bei einer Fleischerhöhung von 20 Mk. die Landwirt icha ft 4 — 5, der Handel und die Metzger 15—16 Mk. beanspruchen, die Behauptung aufrechterhalten werden, daß die Landivirtschaft der Fleifchverteurer sei.
Sollte der Herr Obermeister Sock bezüglich der Schweinepreise, die auf dem Lande bezahlt werden, nicht genau informiert sein, so sind wir bereit, ihm auch diesbezüglich mit genauen Angaben zu dienen.
Tie tendenziösen Beha>iptungen deS Herrn Obermeisters Sack, ivonach die Landwirtschaft die Schuld für die ungenügende Menge an Schlachtvieh und für die hohen Fleisch- preife trägt, muffen dazu führen, daß die Landivirtschaft zu erwägen hat, ob sie nicht auf anderem Wege die Konslimenten mit billigerem Fleische versorgen kann, wie dies jetzt der Handel unb bie Metzger tun. Ob bieser Entwickelungsgang, der seither von ber Landwirtschaft nicht unterstützt worden ist, den Metzgern besonders erwünscht ist, laffen wir dahingestellt.
Schließlich machen wir darauf aufmerksam, daß der landwirtschaftliche Verein für die Provinz Oberheffen die F l e isch t eu eru n gsf rag e in seiner General-Ver- ia mm hing am 9. November in Gießen besprechen wird, und wir laden Herrn Obermeister Sack zu Gießen zu dieser Besprechung hiermit freundlichst ein.
iJolitifriie TciqcMan.
Das allgemeine geheime gleiche nnb direkte Wahlrecht, als besten angebliche Hüterin im Reiche unb Verfechterin im Lande die Sozialdemokratie sich immer aufspielt, wird am allermeisten gefährdet gerade durch die Sozialdemokratie. Die Fälle mehren sich in erschreckendem Maße, in denen es den nicht sozialdemokratisehen Arbeitern durch die Sozialdemokratie unmöglich gemacht wird, ihr Wahlrecht auSzuüben, weil sic von sozialdemokratischen Trabanten daran gehindert wurden.
Daß sozialdemokratische Helden in vielen Orten, auch in unserem Lande, z. B. in Offenbach, an Wahltagen bie Wahllokale in einer bie öffentliche Sicherheit gefährdenden Weife umlagern und andersdenkende Wähler belästigen, ist bekannt. Am schlimmsten geht eS zu bei den Wahlen, bei denen nur Arbeiter ihrem Stimm- unb Wahlrecht zu genügen haben, also z. B. bei ben Gewerbegerichtswahlen. Hier wird oft der rücksichtsloseste Terrorismus auSgeübt, sodaß man sich fragen muß, ob denn eine solche Beraubung ber persönlichen WillenSmeinung ungestraft geschehen barf. In welch roher Weise man sozialdemokratischerseits reichstreue Arbeiter an der Ausübung ihre? Wahlrechtes behindert, zeigt folgende Mitteilung des Wahlkomitees der vereinigten staatserhaltenden Arbeiter in Königsberg i. Pr.:
~ -Die Ausübung des Wahlrechtes kam etwa dem früheren Spießrutenlaufen gleich, und viele Anhänger der staatserhaltenden Parteien scheuten sich deshalb, an die Wahlurne zu treten. Dielen wurde es auch durch Gewalt unmöglich gemocht, an den Wahl- tisch heranzukommen. Schon vor dem Vofal umringten die Sozialdemokraten die Ankommenden, sie wurden gestoßen, geschoben und in der gemeinsten und unflätigsten Weise beschimpft. Man r i ß sozialdemokratischerseits den bürgerlichen Zettelverteilern ihre Plakate von der B r >i st, st i e ß einzelne Wähler mit Spazier st öcken in den Rücken, einer erhielt sogar eine Ohrfeige. Weiter wurden den gegnerischen Wählern die Stimmzettel nicht nur aus ber Sand, sondern auch anS den Taschen gerissen und vernichtet. An diesen wüsten Ausschreitungen beteiligten sich neben Gewerkschaftlern auch Führer der KönigSberger Sozialdemokratie. Das nationale Wahlkomitee bat unter dielen Umständen beim Polizeipräsidenten um polizeilichen Wablschutz gebeten und außerdem zu Protokoll gegen die Giltigkeit der Wahl Einspruch erhoben."
Derartige Vorkommnisse beleuchten nicht allein, wie unfrei bas Volk im sozialistischen ZtikunftS- staate sein würde, sondern sie zeigen unS auch klar unb deutlich, wie nötig es ist, ben sozialdemokratischen Terrorismus zu brechen. Gegen die sozialdemokratischen Ver» unglimpfer dcS vom Lanbe erhofften vornehmstenWahl- rechteS Front zu machen, ist jetzt bie Pflicht aller bürgerlich en Wähler Hessens.
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Tie Schiffahrtsabgaben.
Es verlautet, daß alsbald nach Zusammentritt beS Reichstags, also wohl in der Generaldebatte zum Etat, die Regierung interpelliert werden wirb über die Einführung ber Strom'chiffahrtsabgaben. Bei ber Anwesenheit der einzel- staatlichen Finanzminister in Berlin soll auch diese Frage zur


