tn dem Bestreben, in Güdwcstaftika wieder geordnete Anstände zu schaffen und sie hallen fest an der Ansicht, das; eine Kolonie nicht aufgegeben werden darf, die nnS soviel Gut und Blut gekostet hat.
' Adg. Dr. Arendt (Rp.): Ick schließe mich dem Vorredner nach allen Richtungen bin an und bemerke, daß der Antrag Pottboff sa vollständig übereinstimmr mit dem Anträge, den ursprünglich auch daS Zentrum in der Kommission gestellt batte.
Vollen wir die Kolonie nutzbar machen, wollen wir in ihr eine Duelle de>5 wachsenden Wohlstandes haben, dann müssen wir auch die Grundlagen hierfür schaffen. Der Abg. Dr. Südekum bat sich auf einen AuSspruck deS Grafen Caprivi berufen, aber die Tätigkeit CapriviS als Kolonialpolitiker wird von uns nicht allzu hoch geschätzt. Bedauert habe ich eS, das; der Referent des .Kolonialetats Prinz Arenberg in der „Deutschen Zeitung" so angegriffen ist. Die Stellung deS Referenten ist eine überaus schwere, ich bedaure, das; man sie ihm noch schwerer macht, indem man ibn auch von.kolonialfreundlicher Seite so angreist. Der große Eifer und Fleis; des Prinzen Areuberg ist um w mehr anzuerkennen, als er in seiner eigenen Fraktion Kolonialseinde hat. Erfreulich ist eS. das; Buren Schulter •m Schulter mit Deutschen gekämpft babeu: hätten wir früher Buren hinzugezogen, so hätten wir viel an Blut und Gut sparen können.
Abg. Dr. Spahn (Ztr.) bittet. cS bei dem Beschluß der Kommission zu belassen, auch bezüglich der 3 Millionen. Zunächst müsse daS dringendste Bedürfnis befriedigt werden, und dazu reichen die 3 Millionen auS.
Abg. Liebermann von Sonnenberg (Mitt': Der Abgeordnete Südekum ist der einzige, der keine moralische Verpflichtung den Ansiedlern gegenüber anerkenn:. Er erwärmt sich für die feudalen Herero, die die Owambo und Bergdamara mit furchtbarer Grausamkeit unterdrücken und zu Sklaven gemacht haben. Herr Südekum sprach von dem Recht der Revolution. Er rief dem Abg. Dr. Arendt gestern zu, wie können Sie da'Recht auf Revolution bestreiten? Besinnen Sie sich nicht anf die Revolution der Kinder Israel in Aegypten? (Heiterkeit.) Nun meinetwegen machen Sie (zu den Soz.) doch auch eine Revolution, die mit Ihrem Auszug endigt. Nehmen Sie meinetwegen auch noch das Gold und Silber mit wie jene. Dir machen dann immer noch ein gutes Geschäft.
Südwestafrika ist die Perle unserer Kolonien. (Gelächter bei Den Soz.) Die können Sie das bestreiten? Die Ansiedler sind doch kompetenter als Sie. Die Engländer würden nichts lieber sehen, als wenn tvir ihnen den Platz räumten, sie würden sich dann 1 des Platzes bemächtigen und^die reichen Naturschätze sich zu eigen |
wert ist. Daher lenken sie ihre Schritte dorthin und sagen, daS Land sei viel besser als ihr bisheriges.
Wenn wir eine Kolonie erwerben und erobern mit nnserm Blut, dann wollen wir sie nicht zu einer Klcin- kindcrbelvahranstalt für die Eingeborenen machen, sondern für unS selbst nutzbar, indem lvir Farmen bauen und die Eingeborenen zur Arbeit erziehen. Und wir müssen mit Strenge erziehen, ganz lvie eS die Engländer stets getan haben. Du Ansiedler sind mit deutschen Idealen nach Afrika gegangen, um dem Deutschtum einen Dienst zu erweisen. Jetzt dürfen wir sie nicht verlassen. Wir sind daher in erster Linie für die Wiederherstellung der Regierungsvorlage. DaS Zentrum sollte auch dafiir zu haben sein. Denn mit politischer Macht ist auch eine Verantwortung vor der Geschichte verbunden.
Abg. Patzig (nat.-lib.): Wir sind ja eigentlich in erfreulicher Uebereinstimmung in der Mehrheit. Nur um die Höhe dec Summe handelt eö sich noch. Und da sollte man es doch bei der Summe belassen, die die Reichsfinanzverwaltung nun einmal flüssig gemacht hat. Hoffentlich erleben wir es nicht, das; daS Reich seine Schutzbefohlenen draußen in den Tropen einfach schutzlos läßt! Redner nimmt deS weiteren noch die deutschen Farmer gegen die Vorwürfe des Herrn Erzberger in Schutz. Nehmen Sie den Antrag Oriola an, ich bitte Sie nochmals darum: nehmen Sic ihn an!
Nach unwesentlichen Bemerkungen der Abgg. K o p s ch (frcis. Vpt.) und Erzbergcr (Zentr.) wird die Negierungs- fordernng gegen die Stimmen der Rechten a b g e l e h n t ; der Antrag der Kommission wird a n g e n o in m c n. Die Amendements Oriola und Pott hoff werden a b g e l e h n t.
Die Weiterberatung wird hierauf, vertagt.
Präsident Graf Ballcstrem schlägt vor, anf die Tagesordnung der nächsten Sitzung, die Mittwoch 1 Uhr stattfinden soll, den Toleranzantrag des Zentrums zu setzen.
Abg. Singer (Soz.) beantragt, statt deffen den Antrag seiner Fraktion, der aus die Bergarbeiterverhältniffe sich bezieht, auf die Tagesordnung zu setzen. Der Bergarbeiterstreik im Ruhrgebiet erfordere eine schleunige Behandlung dieser Materie. Davon würden alle Parteien wohl überzeugt sein, auch das Zentrum, daS gewiß nichts dagegen einzuwenden habe, daß sein Toleranzantrag, der nich: so dringlich sei, auf einen anderen SchwerinStag verlegt würde.
Abg. Tr. v. Czarlinski (Pole) tritt dem Vorschlag des Präsidenten bei, bittet aber, zugleich den Antrag der Polen betreffend Erteilung des Religionsunterrichtes auf die Tagesordnung zu
Abg. v. Kardorff (Rpt.) widerspricht dem Vorschlag deS Abg. Singer. ES sei nicht nützlich, bevor die staatliche Kommission ihre Untersuchungen beendet habe, durch eine parlamentarische Verhandlung über den Vergarbciterstreik die Leidenschaften noch mehr zu entfesseln. Er begreife ja, daß den Sozialdemokraten das paffe.
Abg. von Normann (fonf.) schließt sich dem Vorredner an.
Abg. Dr. Müller-Sagan (fr. Vp.) erkennt an, daß das Zentrum ein Recht habe, die Beratung seines Antrages zu verlangen, bittet aber die Antragsteller, mit Rücksicht auf die Lage im Ruhrrevier, dem Vorschlag Singer beizutreten.
Abg. Dr. Spahn (Ztr.): Meine Freunde sind dem Präsidenten dankbar, daß er unseren Wunsch berücksichttgt hat. Ich kann mich aber der Erwägung nicht verschließen, daß die Frage der Bergarbeiter eine sehr wichtige ist und daß es richttg ist, wenn sich die gesetzgebenden Körperschaften hiermit möglichst bald befassen. Wir haben daher nichts dagegen, wenn der Toleranzantrag morgen ab- gcsetzt wird. Allerdings wünschen wir dann die Dispositionen so getroffen, daß wir noch im Laufe dieser Woche einen Schwerins-' tag haben, an dem dieser Antrag beraten wird. Ich würde also Vorschlägen, daß wir zunächst die Resolutionen zum Reichsamt des Innern beraten, die sich auf die Bergarbeiter beziehen, dann die Frage des Normalarbeitstages, hierauf die Dergarbeiter-Jnter- pellation beendigen, dann den Toleranzantrag behandeln und erst dann in die Beratung des Etats des ReichSamts des Innern einzutreten.
Abg. Dr. Sattler (nat.-lib.): Dem Abg. Spahn sind die Interessen anderer Parteien ganz gleichgültig, wenn nur die seiner Partei berücksichtigt werden. (Gelächter.) Wir haben doch wirklich durch lange Beratungen den Bergarbeitern genügend Jntereffe bezeugt. Es fragt sich aber, ob in einem Moment, wo der Kanzler mit Energie auf btc Beseitigung der Mißstände hmdrängt (Lachen bei den Soz.), und wo eine Kommission zur Untersuchung der Mißstände eingesetzt ist, es ratsam ist, Verhandlungen hier im Hause zu> pflegen. (Lachen bet den Soz.) Warten wir, bis das Gesetz vorliegt und bis das Resultat der Erhebungen bekannt ist! Dann haben wir wenigstens eine Grundlage, auf dec wir weiter bauen können.
Nach wcttercr Geschäftsordnungsdebatte entscheidet sich das Haus für den Antrag Singer. Es wird also die zweite Beratung' des Etats des Reich samts des Innern mit der Berg- arbetterresolution auf die Tagesordnung gesetzt. Vorher: Fortsetzung der Beratung des Nachtragsetats. Nächste Sitzung: Mittwoch 1 Uhr mit obiger Tagesordnung
Schluß 7 Uhr.
H'«urlamenLarisHcs.
Berlin, 31. Ian. ??ic Vudgetk o m m ission deS Fieickstags jc&te die Beratung deS Posletats fort. Xie Petition der Po st unterbeamten um Anrechnung dec vor dem Eintritt in den Postdienst liegenden Militärzeit, wird unter Berück- zicktignng deS Wunsclzes Stober, dies auf alle Unrerdeamlen ßruSzudehrvnt, zur Lerüäsichtigung überwiesen. Dazu wird auch bet (Antrag Oriola angenommen, in welchem eine baldige kumsassende Neuregelung der Bestimmungen über die A n r e ch - nung der Militärdienst zeit auf das Zivildienst- alter gefordert wird.
Kccr und Iüotte.
— Geadelt. Wie bereits gemeldet, hat den Admirälen Vollmann und Dcndemann des Kaisers Geburtstag das .AdelsPrädikat gebracht. Tie>e höchste preußische Dekoration, die *p alt ist, wie das Königtum der^ Hohenzollern selbst, sollte ursprünglich überhaupt, wie die Sttftungsurkimde in ihrem § 6 besagt, nur solchen Personen verlicl>en werden, die „aus rechtem, aufrichtigem, altem adligen Rttternräßigen Geschlecht /entsprossen und beriüntmen seyn. Sich auch, ehe sie noch einige tOrdensz eichen bekommen, durch Bcpbringung und Beweis der aus ßie adsurmmenden acht ahnen, vier von der väterliä>en und vier 'von der Mütterlichen Seiten dazu fähig macken". Gegenwärtig swird aber jeder Preuße, der den Schwarzen Aolcrorden bekommt, adelig. Vollmann halte schon einmal den Titel dankend für seine Person abgelehnr, es aber für seine in der Armee dienenden Söhne akzeptier^ — ganz so, wie es der Kultusminister Falk für deinen einzigen Sohn tat. Durch den ^Schwarzen 9ldlerordcn wurden übrigens seinerzeit auch geadelt die Staatsminister Delbrück, Maobach und Friedberg, Reicksgerichtspräsidcnt Simson, Kammer- serichtsprasident Uhden und geraume Zeit früher die (Generäle ßlstoc und Krausencck. Admiral v. .Hollmann, der vor wenigen fca^ett in voller Rüstigkeit sein 63. Lebensjahr vollendet hat, -entstammt einer Berliner Kaufmannsfamilie. — 2ldmiral von Dendemann ist der Sohn Eduard Bendemanns, des Malers 'und Düsseldorfer Akademiedirektors. Aber da dessen Vater in perl in a(5 ein geachteter und angesehener Bankier israelitischen Glaubens lebte, wurzelt auch seine Herkunft in ^pree-Athrn. llnb von mütterlicher Seite ist Bendcmann ein Enrel des alten Schadow. Gelegenheit, sich auszuzeichnen, bot ihm die Chinaexpedition, und zurzeit har er als Ches der Marine- fstation der Nordsee in Wilhelmshaven einen der höchsten und /vcrMlwocttmgSreichsten Posten in unserem Seedienste inne.
Dcrmijdjkfi»
* 25ie beim Kaiser gespeist wird. Das Menu cheim Ordensfeste war folgendermaßen zusammengesetzt: Kraftbrühe, Zanderschnitte, "garniert, Schmorfleisch, Auflauf nach Perigord, Hummer-Mayonnaise, Entenbraten, Komvot, Salat. Ananasbombe, Nachtisch.
"Ter bekannte v er st v r b e n e Z o o l o g e P r o f. £anb oi 5 in Münster war in seiner wcstsältschen Heimat »auch durch seine heileren plattdeutschen Dichtungen in Vers jimb Prosa ।ehr geschätzt. Er war als Gelehrter und Mensch
einem wunderbaren Humor, der mitunter seltsame flirten trieb, und die köstlichsten Anekdoten sind darüber -erzLhlt stwrden. Tie vollste Geschiü-te ist wohl die,, wie ■£r sich selber einmal über Nacht ein Denkmal gesetzt hat; r£yneof, -l.orgens fand man am Zoologischen Garten, dessen puci/tor er war, etn Bild wert' ausgestellt, das ihn in ^ebensgrvße im langen priesterlichen Gehrock, wie er ihn M. tragen pflegte, und mit dem gewohnheitsmäßigen Bhnnder auf dem Kopf darstellte. Damit nicht genug, bemerke man oatd, daß die Vögel sich vielfach an dem Zy- Lmoeryut ,^u icyafsen machten: in der Röhre war nämlich eme ^^ssnunc., in welche Landois regelmäßig Brotkrumeit uno Logetfutter hinaufpraltizierte — man mag sich uus- ma&te " C Geschichte in Münster für Aufsehen v t k .fle3en Theaterbiltetsteuer. Ta
bekannttrch uns. in öeHeti ein Gesetz belr. die Erhebung einer Bttleftteuer oevorsteht, dürste es interessieren, bau Ue SJcrhncr ^)"^Erdtrertoren gegen die vom dortigen Staotverordnetenaus chuß beschlo.fene Theaterbilletsttuer Protest emlegen wollen. Tie Direktoren begründen ihn -amit, datz einersetts die Steuer eme unzulässige B e- itastung des Publikums bedeutet, andererseits aber jDCT Äustchlag auf die Biltets Nicht von den Theaterdirek- Loren selbst getragen werden kann. Tas Publikum würde keinesfalls mit einer Erhöhung der Dilletpreisc eüwcr- fftanüen sein. Nicht zum wenigsten, meinen die Direktoren chandelt es sich auch um eie Steuerwntrolle. Scherereien Arrawgeneh-nfter Art würden vorkommen, bic gar nicht int Wrhaltnis ;u den Ertrugen bei* Steuer stehen ?'‘Vebe Bul-ne würde im übrigen den Anspruch darauf crheven -tulwLellen Intercsten dienen, uno igerude tulturelle Be
strebungen sollen nach dem Beschluß des Ausschusses nicht mit Steuern belegt werden. Es würde aus diesem Grunde vielleicht 511 Prozesse u kommen, in denen die Kulturfrage vor (j.eni Forum des Gerichts entschieden werden müßte.
* Ein Ritter Blaubart. Die Polizei in Newyork verhaftete einen gewissen Johann Hoch recte Schmitt, der beschuldigt wird, die Frauen, mit denen er nacheinander verheiratet war, ermordet zu haben. Bis jetzt ist erwiesen worden, daß er fünfzehn Frauen ums Leben gebracht hat. Die Polizei laßt gegenwärtig die Kellerräume im Hause Hochs umgraben, um nach tveiteren Leichen zu suchen. Gin bei Hoch gefundenes unbekanntes weißes Pulver, mit dem er sechs Frauen vergiftet haben soll, wurde dem Chemiker zur Untersuchung übergeben. tZtpei Tage vor dem Tode seiner letzten Frau ließ Hochs ein Heiratsaesuch in den Zeitungen erscheinen, worauf sich unter anderem auch eine Schwester seiner damals noch lebenden Frau meldete. Dieser Zufall führte zur Aufdeckung der Ntord-- taten Hochs. Er hat die Frauerr, die er an verschiedenen Plätzen heiratete, unrgebracht, um sich ihre Habe und die Versicherungssumme anzueignen. Hoch ist 46 Jahre alt, vow Berus Maschinist^ hat aber nie gearbeitet. Er legte sich stets andere Namen bei. Es steht sest, daß er unweit! Bingen gebürtig ist.
Kunst und Wistcnschast.
— Ein schändlicher Streich. Die „Allgem. Wrresp. für Kunst" teilt mit: Vor wenigen Tagen ging die Nachricht von einem literarischen Plagiat durch die Blätter. Ter Kritiker dec „Wiener Morgenztg.", der seine Referate H. R. zeichnete, sollte eine Besprechung des Gastspiels der Tuse als Kamcliendame und Lucanbiera wörtlich von einem nur wenige Tage früher erschienenen Rcserat eines Münchener Blattes abgeschrieben haben. "Nunmehr hat sich die Sache aufgeklärt, und zwar zu gunsten des Angegrisfenen. Die Angelegenheit verhält sich folgendermaßen: Tic Chisire V. R. benutzte der Krittler der „Wiener Morgenztg." Dr. Heinrich Rottenberg. Dieser war kurz vor den Gaswvcstell- ungen dec Tuse heftig erkrankt und hatte einen Herrn Rich. TuleS mit dem Rc.erat jener Wende betraut. Ter Stellvertreter hat nun das Vertrauen des erkrankten Kollegen auf das schänd- liwste mißbraucht. Wohl um eine alte Fehde mit ihm auszutragen, hat er nicht nur absichtlich die Kritiken wörtlich dem Münchener Blatt entnommen und sie dann mit dec Chiffre Rottenbergs der Redaktion eingeschickt, sondern er hat auch alle Schritte getan, die zur schleunigen Enthüllung^ des Plagiats führten, und obendrein noch auf gründ seiner Manipulationen Erpressungsversuche bei Rottenberg unternommen. Tukes ist bereits geständig und hat Tr. Rotrenberg eine öffentliche Erklärung zur Verfügung gestellt, in der er sein sästmpsliches Tun in jeder Weise zugibt und zum Schluß den schwer Beleidigten flehentlich um Entschuldigung bittet, ihn ersuchend, keine weiteren Schritte gegen ihn zu tun. Wie weit Tr. Rottenberg die Bitte seines reuigen Widersachers erfüllen wird, steht noch nicht sest. In einer Hinsicht scheint auch Dr. Rottenbcrg gefehlt zu haben, indem er nämlich seinem Blatte von seiner Erkrankung und dem zu stellenden Vertreter keine Niitteilung machte, wodurch auch er für den Schaden, der dem Renommee seines Blattes durch das Plagiat zugefügt wurde, nicht ohne jede Verantwortlichkeit ist.
— Der Gräfin von Montignoso, dec ehemaligen Kronprinzessin Luise von Sachsen, eigene Gedichte sollen de»nnächst in Buchform erscheinen und zwar — wie man uns mitteilt — in ihren eigenen Facsimiles. Wir sind in der Lage, unseren Lesern eines dieser Gedichte schon heute zur Kenntnis zu bringen. Das Gedicht lautet:
Das Glück.
Du suchst das Glück? Es steht an Deiner Seite l Tii siehst es nicht 1 und suchst es in dec Weite! Vergebens! Tenn dem Traume gleich Versinkt es in dec Träume Reich.
O, halt es sest l Nur einmal schlägt im Leben Tes Glückes Stunde Tic — Tu mußt erstreben Was Dir geboten wird — 0 greife zu, Tein Glück hältst in den Händen dann — nur Du!
■"■■"I I ■■ T. 1,1 ■ II II ■ I
(£>erid)ts|aal.
Gießen, 31. Jan. Von der Strafkammer tvurde heute ein Ur leit des hiesigen Schösftngerichts, das den, Metzger Heinrich H. von der Au klage des Vergehens gegen bei-5 Nah r un gsmittel gesetz frei gesprochen hat, aus Be- rusung der Staatsanwaltschast aufgehoben. Gelegentlich vec Entnahme von Wurstproben seitens oer Polizei wurde sestgesteNt, oaß H. der von. rym zuoereitelen Fleisch wur ft
a r t e m e 1) 1 & u g e f e t hat. Tas Berufungsgericht' ver
=2
urteilte H. dem Antrag der Staatsanwaltschaft gemäß zu 20 Ml. Geldstrafe. — Wegen verbotenen Glückspiels wurde die Hausiererin Marie Kl. von Frankfurt a. M. zu 3 Mk. Geldstrafe verurteilt. Sie hatte ohne kreisamtliche Erlaubnis gelegentlich des Ortenberger Markts in Wirtschaften Bilder «amsgelost. — Der Schlosser Theodor H. von Offenbach hat zu Michelau in einer Wirtschaft in einem! unbewachten Augenblick ein Portemonnaie mit geringem Inhalt gestohlen. In Nidda und Umgegend'! wurde er bettelnd betroffen, was seine Festnahme zur Folge hatte. Bei der Verbringung nach dem Haftlokale leistete er dem Gendarmen Widerstand und skandalierte, sodaß; ein Menschenauflauf ftattfanb. Er wurde zu insgesamt^ 4 Munateil Gefängnis und 6 Wochen Hast verurteilt. <2^ dann wurde der Laglöhner Karl H. aus Usenborn wegen. Urkundenfälschung und Betrugversuchs Mzw-tt. Monaten Gefängnis verurteilt. H. war auf dem Bingeu- beimer Forsthaus bei dem Präzeptor Lucius als HauÄ-t bursche tätig. Er änderte eine Rechnung auf einen höherer^ Betrag ab, als angegeben war, und versah sie mit einer) falschen Quittung, auf Grund deren er das Geld zu erhebe^!/ versuchte.
Zur Theater- und Saalbausrage.
Wir erhielten von einem „Gießener Bürger" eine länger^ Zuschrift, der wir folgendes entnehmen:
Ter Herr Einsender des Atahnrufes zu Zeichnungen für Theater und Saalbau hat uns das Ergebnis der Sammlung unter den Mitgliedern der Landesuniversität vor Augen geführt. Es ist das recht erfreulich. Daß sich die Bürgerschaft an der Errichtung nach Kräften beteiligt, ist gewiß Ehrensache, denn, ein Bau für Theater und Konzerte tut bitter not!
Eine Verpslicktimg zur Beisteuer zu solcl)em Gebäude besteht nicht nur für den Gießener Bürger, sondern für die gesamte Einwohnerschaft. Der Bau ist eben für, alle!
Für die Bürgerschaft hat es außer Theater schon so mancherlei Kleinigkeiten gegeben, und es wird sich auch in der Zukunft noch so manches finden — man denke nur jetzt iwch nicht daran imi Interesse der Errichtung des Theaters.
Ter Professor ist nur so lange in Gießen, bis ihm Besseres, geboten wird, sagt der Herr Einsender des letzten Artikels. Nun^ cs ist das Schlechteste jedenfalls nicht, lvas ihm hier wird, und wenn ec dafiir o.uch gelegentlich seine Tankbarkeit in Gestalt eines Beitrags zum Bau zeigt, so wird ihm das niemand verübeln, mancher wird es sogar für den Ansprüchen entsprechend halten.
Wer von Beamten und Bürgern stets in Gießen bleiben nnrb, wer weiß das heute-
Mit dem nun auch einmal erwähnten, eben nicht glänzenden Einkommen dürfte rvohl ein recht großer, vielleicht sogar der größte Teil der Bewohner — nicht nur der Bürger Gießens — gerne fürlieb nehmen!
Die Freigiebigkeit findet ihre Grenze in dem Wohlstand der Bevölkening — abgesehen vom Steuerzcttel — und daß elfterer doch ein recht bescheidener, wird nicht bestritten werden können.
Tie Freunde des Gesamtprojetts mögen sich das nur immer vor Augen halten!
Mit immer höher werdenden Steuern und Sonder abgab en ist heute, vielfach im Gegeusttz, zu anderen Berufsständen der Bürger, insbesondere dec Kleinbürger, belüftet, und es verdient deshalb doch selbst die kleine ttren Verhältnissen angemessene Beisteuer aus solcher Hand ebensoviel Anerkennung nnc die anderer und die Tausende der mit Millionen Gesegneten, die den Grmrdstock zu dem jetzt hoffentlich möglichst anwachstndeu Kapital gelegt hoben.
Tie Äufsordermig zu Zeichnungen für den Theaterbau soll sich deshalb nicht.nur an den Gießener Bürger richten.- sondern an die gesamte Einwohnerschaft.
Zeichnet nach Kräften zur Errichtung eines schönen Baues!
Zlniversttats-Machrlchten.
— Ter Rektor der Universität zu Halle entschied, daß die Korps bei der Kaiseigeburtstagsfeier den Borraim haben füllten, dec ihnen überhaupt bei allen akademischen Festivitäten gebühre. Mit dieser Cntsaieidung waren aber die übrigen Studenten nicht zusrieden, und da ihr Einswmch fruchtlos blieb, so ließen sie die Prosessoren und die seinen Korps bei der Feier am 27. Januar unter sich.
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