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01/02/1905 Drittes Blatt
 
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155, Jahrg.

Mittwoch, 1. Februar 1905

Nr 27

Gießener Anzeiger

Seneral-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Giehen.

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Potthoff anzunehmen.

9Ib'g. Erzberacr (Zentr.) beruft sich auf einen Ausspruch des Fürsten Bismarck aus dem Jahre 1889: es könne nickt Aufgabe des Deutschen Neickes sein, eine Entsckädigungspflickt für wirt­schaftliche Unternehmungen in den deutschen Kolonien zu über­nehmen. Auf diesem Standpunkt verharre seine Partei noch heute, und darin werde sie durch Flugblätter des Deutschen Koloriial- bundes auch nickt irre gemacht, der überhaupt eine besondere Ge­schicklichkeit darin entfalte, durch unzeitgemäßen Uebererfer dre Interessen der Ansiedler zu schädigen. _ Wohin würde man denn kommen, wenn man Entschädigungen leisten wolle? Erhielten denn die deutschen Landwirte, die von Mißgeschick betroffen würden, eine Entschädigung? Man dürfe in dieser Beziehung der Negierung auch nicht den kleinsten Finger reichen. Ganz abgesehen von dlezem prinzipiellen Gesichtspunkt sei die Einschätzung des Schadens auch viel zu hoch: solle doch selbst der entgangene Gewinn m Anrech­nung gebracht werden! Wenn es nach der Negierung ginge, sollen insgesamt 13 Millionen auSgeworfen werden: 2 bereits bewilligt 5 jetzt und 6 im zu erwartenden dritten Nachtragsetat. Warum sollten die afrikanischen Ansiedler besser gestellt werden, als Deutsche innerhalb der sckwarz-weiß-roten Grenzpfähle? #ur Notstandsgelder" sei die Summe von 3 Millionen Mark für die ganze Kolonie völlig ausreichend. Daher müsse er auch den An­trag Potthoff ablehnen. Uebrigens würde der Schadenersatz sich direkt als eine Prämie für die schlechte Handlungsweise und Bru­talität der Ansiedler gegenüber den Eingeborenen erweisen. Es sei ja unglaublich, welche Ansckauungen die Ansiedler vertreten. Selbstjustiz ohne jede Kontrolle! Ein Ansiedler Erdmann habe hier in der Versammlung offen zugestanden: Wenn bei einem Eingeborenen eine Forderung nicht voll einzutreiben gewesen sei, dann hätte man ihm so viel Vieh weggenommen, als richtig schien, oft noch mehr, als Pfand für die Zukunft. (Hört, hört!) Ich bitte also, es bei den Beschlüssen der Kommission zu belassen.

Abg. Kopsch (frei]'. 23p.): Namens meiner politischen Freunde muß ich mich sowohl gegen den Kommissionsantrag als auch gegen den Antrag Potthoff erklären. Wir sind wohl bereit, Notstands- gclder für verarmte Ansiedler und für Dittwen und Waisen zu bewilligen, wir können jedoch unter keinen Umständen eine volle Entschädigung gewähren. Das haben wir auch bisher noch nie in Deutschland getan, selbst bei den größten elementarsten Schädigun­gen nicht. Denken Sie nur an die jüngsten Ueberschwemnmngen in Schlesien! Da haben unsere deutschen Bauern doch auch nur einen kleinen Teil ihres Schadens ersetzt bekommen. Nun sagen die Ansiedler, das Reich habe eine gewisse Garantie für sie über­nommen. Davon kann absolut keine Rede sein, kein Staat kann solche Garantie übernehmen. Ferner weisen die Ansiedler auf das große Risiko hin, das sie übernommen haben. Ein solches Risiko ist zweifellos vorhanden, denn wo die Möglichkeit besteht, schnell reich zu werden, da muß man auch immer mit der Möglichkeit rechnen, zu verarmen. Wollte man eine volle Entschädigung ge­währen, so würde das eine Prämie an die Farmer von Reichs wegen bedeuten Die Farmer gehen mit ihren Ansprüchen viel zu weit. Was haben sie nickt alles verlangt! In der Liste figurieren sogar verschiedene Posten von 1030 000 Mark fürAußenstände an die Herero". Da sehen Sie, in wie wenig skrupelloser, in wie

PiiUameittarnche Veriranslunsien.

ZtachdLpck ohns Vereinbarere nicht gestattet.

Deniicker Reichstag.

130. Sitzung vom 31. Januar.

Das Haus ist schwach besetzt.

Am Bundesratstisch: F r h r. v. Stengel,Stube! u a.

Auf der Tagesordnung steht die Fortsetzung der zweiten Be­ratung deS zweiten Nachtragsetats für Süd west-

Die'Beratung beginnt beim Titel 2 (Wiederherstellung der Bahn von Swakopmund nach Windhuk, 1 500 000 Mk.).

Der Titel wird ohne Debatte angenommen.

Beim Titel 3, Zur Beschleunigung des Baues der Otavibayn bis Omaruru 1 750 000 Mk., hat die Kommission folgenden Zusatz gemac^o^^ dieser Summe Ausgaben bestritten worden sind, welche nicht lediglich durch die Mehrkosten der Beschleunigung des Baues verursacht sind, sondern zu dauernden Anlagen verwende: wurden, sind dieselben zurückzuerstatten..

Abg. Dr. Arendt (Reichsp.): Eigentlich müßten wir dreien £ttel ablehnen, da der Vertrag mit der Firma Koppel dem Reichs- tage nickt vorgelegt ist. Da es sich jedoch um bereits verausgabte Gelder handelt und wir schon Indemnität bewilligt haben, wollen wir den Titel dock bewilligen. Nach dem Telegramm des GeneralS vcm Trotha war die Herstellung der Linie dringend nötig, trotzdem fft sie aber noch nicht fertig, dies zeigt doch, daß die Firma ihrem Vertrag nicht voll nackgekommen ist.

Wir hätten erwartet, daß die Firma jetzt wenigstens Straf­gelder hätte zahlen müssen. Aber dies ist nicht geschehen, denn der Vertrag ist so stipuliert, daß nur die Firma den Vorteil davon hatte. Ick kann daher nur nochmals bedauern, daß der Vertrag mit der Firma abgeschlossen ist, da die Interessen des Reichs nickt ge­nügend gewahrt sind. Wünschenswert wäre es gewesen, daß man die Bahn vollspurig gebaut hätte. Der Zusatz der Kommission ist praktisch unausführbar, denn es handelt sich hier um einen N^rirag mit der Firma Koppel, und die wird dock nicht infolge eines Nerchs- tagsbeschlusies Gelder zurückzahlen. Cb er verlangt inan 0101161^, daß der Reichskanzler das aus eigener Tasche zahlen soll.

Kolonialdirektor Dr. Stube!: Die Kritik des Abg. Dr. Arendt muß ich als unberechtigt zurückweisen. Es handelte sich damals um eine Notlage, und wir haben den Vertrag nach bestem Listen und Gewissen unsererseits abgeschlosien. Ich glaube mcht, daß Schadenersatzansprüche fich hätten verlangen lassen.

Was die Frage der Spurweite anlangt, so bitte ich doch, sest- zustellen, daß, wenn wir bei einer im Bau begriffenen Bahn, von der bereits 45 Kilometer mit 60 Zentimeter Spurweite ausge­führt sind, hätten verlangen wollen, daß die Fortsetzung des Baues mit Meterspur stattfande, oder hatten verlangen wollen,^ daß die 45 Kilometer umgebaut würden, daß damit eine raschere Erfüllung des Zweckes, nämlich den Bahnbau bis Omaruru in kürzester Frist auszuführen, hinfällig geworden Ware.

Abg. Dr. Spahn (Ztr., so gut tote unverständlich) scheint sich für den Beschluß der Kommission auszusprechen. Von der Firma Koppel werde man eine genaue Nachweisung verlangen» ob und wie die genannten Summen aufgewandt seien. ,

Abg. Lattmann (Antis.) macht sich die Auffassung Dr. Arendts zu eigen. Es sei ganz und gar unmöglich, zu prüfen, tote die Gelder ausgegeben seien. Den Vorwurf müsse man der Re­gierung machen, daß sie keine volle Klarheit über ihre Beziehungen zu den Gesellschaften gegeben habe. Es liege gar kein Anlaß vor, mit der Qtavi-Gesellschaft besonders rücksichtsvoll umzugeheii, da

sie vortoiegend mit englischem Kapital arbeite. (Redner ist übrigens total heiser.) Wenn die Regierung über den Otavi-Vertrag jetzt keine genaue Auskunft geben könne, so solle sie das wenigstens bei der dritten Lesung tun.

Abg. Graf Öriola (natL): Daß meiner Ansicht nach die Miß­stände bezüglich der fremben Gesellschaften zum großen Teil oder fast ganz der Kolonialverwaltung zur Last zu legen sind, hängt zu­sammen mit den ftüheren Kolonialdirektoren und wir haben keine Veranlassung, bei dieser Gelegenheit die Angelegenheit dem jetzigen Kolonialbirektor zur Last zu legen. Ich mache darauf aufmerksam, baß sowohl Herren aus der Reichspartei wie Herrenhaus meiner Partei wiederholt sich gegen die Machtstellung englischer Gesell- schaften in unserem Gebiet ausgesprochen haben. (Sehr richtig!

rechts.) .

Wir werden für diese Kommissionsbeschlüsse stimmen. Damit will ich durchaus nicht aussvrechen, daß ich Meinerseits den Ver­trag, auf Grund dessen die Summen zu zahlen sind, für einen sehr günstigen halte. Ich bin im Gegenteil der Meinung, daß wir wünschen müssen, daß unsere Kolonialverwaltung nicht wieder in die Lage gerät, einen solchen Vertrag abschließen zu müssen. Ick kann sagen, ich beneide die Firma Koppel, die diesen Vertrag ab­geschlossen hat, um ihre Unterhändler. Sie hat sich unter allen Umständen einen Vorteil auf Reichskosten verschafft. Emer meiner Freunde hat es bereits in der Vubgetkommission ausgesprochen, daß wir gewünscht hätten, die Koloitialverwaltung Ware tn ter Lage gewesen, einen etwas anderen Weg zu gehen, nämlich, sie eine bestimmte Prämie zahlte für jeden Tag, den die Bayn ftüher fertig würde. Ich mache der Kolonialverwaltung omm keinen Vorwurf; denn sie hat uns selbst mitgeteilt, baß ne x \ Weg für vorteilhafter gehalten hat, baß aber keme Möglich ei - Händen war, ihn zu gehen. Ich habe meinerjeitS. ^gen der Kommission gestellten Zusatzantrag nichts einguto ' würde aber von Interesse sein, die Stellung der Regierimg zu diesem

Kommissionsbeschluß angenommen würde, die Kolonialverwaltung prüfen würde, welche Summen für dauernde Anlage boitrnunt seiem

Abg, Dr, Südc-nm ,So»,>: In der Komnusiwn tat etne leltene Einmütigkeit in der Beurteilung dieser Frage g 1 j 1 Otavi-Gesellschast hat die Notlage des Reichs ausgebeute es si ein wucherischer Vertrag, der nach dem ^urg l < kaum Rechtsgültigkeit hat. Wird die^Forderung-bewilligt, dann nützt auch der von der Kommission bcanlragte Gesellschaft dann bekommt man überhaupt fern Geld Bon ber ®c eWft zurück, während im Falle der Ablehnung der «°rderung d,e SMo nialverwaltung freie Hand zu neuen V-rhandlungen hat De ganze Aufstand ist nur von der Verwaltung V^schuve^ der vor nichts zurückschreckenden rücksichtslosen

Abg. Werner (Antis.) ist auch der Meinung, daß die Firma Koppel bas Reich übers Ohr gehauen habe.

Geh. Legationsrat Dr. Zeis? nimmt die ^ma Koppel gegen /Jen Vorwurf, doloS gehandelt zu haben, ^Schutz. Sie Hecke, soweit bis jetzt feststehe, kein Personal her Otavigeselffchaft zum

Bau der Bahn Rehoboth-Windhuk abkommandiert. Nur der Kontrollingenieur sei herüber gekommen.

Abg. Dr. Müller-Sagan (fteis. Vp.): Wir sollen aus, den Taschen der Steuerzahler nicht das Geld für die Kolonialgesellschan geben. Man sehe fick bock den Vertrag an, und man wird finden, wie sehr er das Reick schädigt. Von einer Notlage bei seinem Ab­schluß kann keine Rede sein, Der Vertrag kennt lediglich Neckte der Gesellschaft; die Rechte des Reiches stehen auf der letzten Seite Der Drucksache, too nichts Drauf steht.

Nach kurzen weiteren Bemerkungen der Dbgg. Dr. Arendt (Np.) und Stortz ssüdd. Vp.) wird Titel 3 in der Fassung, wie sie ihm die Kommission schließlich verliehen, angenommen, und zwar gegen die Stimmen ber Sozialdemokraten, einer Anzahl Freisinniger und der Polen.

Titel 4 zu Vorarbeiten für den Bau einer Eisenbahn von Windbuk nach Nehodoth ist bekanntlich zurückgezogen.

Bei dem Titel 5zur Hilfeleistung aus Anlaß von Verlusten infolge des Eingeborenenaufstandes" 5 Mill. Mk. bat die Kom­mission 2 Mill. Mk. gestrichen. Außerdem hat sie die Ueberickrist des Titels folgendermaßen geändert:Zur Hilfeleistung aus Anlaß von Verlusten infolge der Einaeborenenaufstände für den ge­samten Bereick des Schutzgebietes".

Abg. Dr. Potthoff (freii. Vgg.) beantragt, dem Titel 5 folgende Fassung zu geben:zur Hilfeleistung aus Anlaß von Verlusten infolge des Hereroaufstandes 3 Mill. Mk.".

Kolonialdirektor Dr. Stnbol: Die verbündeten Regierungen hatten einen Nacktraasetat von 5 Mill. Mk. aus Anlaß der durch den Eingeborenenaufstand geschädigten Ansiedler eingebracht. Hier­von sind nun von der Kommission 2 Mill, abgestricken worden. Die wirklichen Verluste sind auf 7 Millionen geschätzt worden. Es ioll nun aber nicht nur die Summe von 5 WW. um 2 M?ll. ver­kürzt werden, sondern man sieht sogar die Summe pon. 3 Mill, für ausreichend an. um die durch den Herero- und Witboiausstand betroffenen Ansiedler zu entschädigen. Nack unserer Schätzung be­laufen sich die Verluste durch den Wirooiaufstand auf 6 Mill., so daß die Gesamtentsckädigungen 13 Mill, betragen müßten. Es würde nach unserer Sckätzuna auf die durch den Hereroausstand ge­schädigten Ansiedler 27Ao Mill., auf die durch den Witboiaufstanb betroffenen Ansiedler 2V,-» Mill, entfallen. Wenn nun noch die 2 Mill, abgestricken werden sollten, würden die Ansiedler vor die Frage gestellt fein, ob sie überhaupt den Wirtschaftsbetrieb wieder übernehmen ober ob sie arm und enttäuscht die Kolonie verlassen sollen. Man führt nun aus, daß bei den Schädigungen durch elementare Gewalten in Deutschland immer nur Notstandgelder gegeben werden. Diese Parallele ist jedoch nicht angängig. Gewiß gebührt den in Deuffchland Geschädigten gleiche Teilnahme. Wenn jedoch in Deutschland volle Entschädigung nicht gegeben wird, so liegt es daran, daß wir es hier mit althergebrachten, festgefügten wirtschaftlichen Verhältnisien zu tun haben, die auch ohne volle Ent­schädigung einen sickeren wirtschaftlichen Halt finden, werden. Anders in Südwestafrika. Hier kann nur volle Entschädigung vor wirtschaftlichem Rum schützen. Volle Entschädigung ist nickt nur ein Gebot ber Billigkeit, sondern auch eine Pflicht gegen das Schutz­gebiet, deren Nichterfüllung sich bitter rächen würde. Wenn Sie an den Abstrichen festhalten, bann beharren bie verbünbeten Re­gierungen auf dem Standpunkt, daß die gegenwärtig bewilligten Summen nur eine vorläufige Maßnahme zur Beseitigung , ber drin gen bsten Not bebeuten und baß sie sich Vorbehalten, in einem bernnächst einzubringenben Nacktragsetat volle Entschädigung für die Ansiedler zu fordern. Ich bitte Sie, wenn Sie schon den Forde­rungen der Negierung nicht zustimmen, wenigstens den Antrag

Potthoff.

Abg. Dr Potthoff (fteis. Vgg.) t Trotz der Verfehlungen einzelner Händler und Ansiedler kann^ man, diesen nicht bie Schuld an dem Aufstand beimessen. Eine Enffckädigung rechffcrttgt sich durchaus. ObEntschädigung" oderNotstanDsgelder" ist nicht 10 wichtig, denn Die Notstandsgelder sollen ja zur Enffckädigung ver­wandt werden. Der Fonds von 3 Millionen ist aber zu gering für das gesamte Schutzgebiet. Ich will ja nicht bestreiten, daß manche Ansiedler ihren Schaden zu hoch eingeschäht haben, ^bet im wesentlichen sind Die Deklarationen mit einer, erfreulichen. Ge-, wissenhaftigkeit erfolgt. Von einer vollen Entschädigung ist. ja ohnehin nicht die Rede, zumal, wenn man nur 3 Millionen bewilligt.

Tie Bereitstellung eines einigermaßen genügenden Fonds ent­spricht aber gleichermaßen den Geboten der Billigkeit, wie den der polinschen Klugheit. Schließlich ist es ja egal, ob die Summe jetzt oder int 3. Nacktragsetat komplettiert wird. Aber der jetzige Beschluß der Kommission hat in den Kreisen ber Ansiedler eine große Beunruhigung und Entmutigung hervorgerufen. Diesen pspchologifchen Eindruck müssen wir einigermaßen wieder wett zu macken suchen. Ick bitte Sie daher, wenigstens meinem Antrags zuzustimmen. Als Prinzip mütien wir statuieren, daß wenigstens die Hälfte des Schadens vergütet wird. Ich selbst wäre auch bereit gewesen, die 5' Millioneit-Negieritngsforderung zu bewilligen.

Abg. Dr. Sndeknm (Soz.): Ans prinzipiellen Gründen lehnen wir die Forderung der Regierung, wie Den Beschluß der Kom­mission und den Antrag Potthoff ab. Wir haben zu viele morasilche Verpflichtungen im eigenen Lande zu erfüllen, ehe wir nach Sud- wesiafrila Millionen zn Entschädigungszwecken senden. Am besten wäre es, wenn wir Südwestafrika ganz aufgeben. Selbst Gras Caprivi hat seiner Zeit zugestanden, daß diese Frage erwägens­wert sei. Die Engländer haben doch auch Kolonien aufgegeben, bie fick nickt rentierten. -

Abg. Graf Oriola (nl.): Es ist selbstverständlich, ba^ meine Freunde zu Dem Gedanken, die Kolonie aufzugeben, tn btreitem Widerspruch stehen. Ick gebe zu, daß ein juristischer Anspruch auf Ent­schädigung den Ansiedlern nicht zusteht, aber es hain elt pck hier um eine Frage der Billigkeit. Die Ansiedler sollen lehen, >. ne mii Recht Vertrauen auf den Schutz des Reiches haben Durren. Die Gewährung der Entschädigung ist aber nicht nur billig, sondern auch tlug. Wenn Die Kolonie Bedeutung für Deuffchland vehalten soll, dann müffen wir Denjenigen helfen. Die für das weitere Gedeihen ber Kolonie unentbehrlicy sind. Wir müssen die Kolonie wirtschaftlich zu heben suchen und dazu ist es errorderlich, daß Der Farmbetrieb unter allen Umstanden erhalten bleibt. Es ist darauf Bingetoieic», das; auch bci qroben U-berichwemmuage- in Deutschland und bei Manöverschaden nicht die volle Entscha- dignngssiimme gezahlt wird.

' demgegenüber erinnere ich doch an Die vielen Millionen, Die das preussiicke Abgeordnetenhaus zum Ausgleich der NeberschtoemmnngS- sckäden bewilligt hat, und betone ferner, daß meine Freunde von jeher auf den Standpunkt gestanden haben, daß die Maiioverschaden vollständig entschädigt werden müssen. Es liegt aber auch im Interesse der Steuerzahler, daß den Ansiedlern die Entschädigung zugebillig twird; denn nur in diesem Falle werden die bisherigen Opfer nicht vergeblich gebracht fein. (Sehr richtig.) Der Eintrag der BiidgetkommUsion gebt mir nicht weit genug. Drei Millionen sind zu wenig. Deshalb beantrage ick naniens meiner politischen Freunde, Die Position wieder auf fünf Bttllionen zu erhöhen. (Rufe von de» Soz.:10 Millionen!") Nein auf fünf Millionen; es ist derselbe Betrag, den Die Regierung beantragt hat und dieser ist auch erforderlich. Sollte unser Antrag abgelehnt werden, so werden wir für den Antrag Potthoff stimmen. Memo Freunde sind iedenfalls enffchloffeii, die Regierung zu uittersmyeu

wenig zaghafter Weise solche Forderungen geltend gemacht tow den. lieber das warme Herz für die Ansiedler sollte man doch nicht das warme Herz für die deutschen Steuerzahler vergessen. !Sehr wahr! links.) Die da auf uns schelten, sollten lieber in ihre eigene Ta'cke greifen, nickt aber ihr gutes Herz auf Kosten der deutschen Steuerzahler in Die Tat umsehen. Wie werden wir Ab­geordnete verdäckttgt! Wer nicht mit vollen Händen das nationale Geld hingibt, der gilt nickt als national. (Hört, hört! links.) Diese Aeußerung ist der Gipfel des Unfugs, den man in letzter Zeit mit dem Namennational" getrieben hat. In welcher Weise hat nickt dieDeuffcke Zeitung" des Herrn Lange unmittelbar nach­dem die Budgetkommission die Forderung abgelehnt hat, uns Ab­geordnete angegriffen! Bei aller Bereitwilligkeit, den Farmern zu helfen, sollte man doch das Jrsteresse der deutschen Steuerzahler nicht vergessen. Ich frage weiter, ob die Regierung beabsichtigt, sich nack Niederwerfung des Aufstandes mit Ehren aus dem Schutz­gebiet mrückzuziehen? (Beifall links.)

Kolonialdirektor Dr. Stuebel: Wenn in Den Tabellen stehtk Außenstände für die Hereros", so haben diese Zahlen lediglich einen statistischen Wert. Sie kommen für die Bemessung der Ent­schädigungen gar nicht in Frage. Was die Entschädigung von Aus­ländern betrifft, so sind bisher Entschädigungsansprüche von Aus­ländern noch nicht eingereicht. Diese Frage ist also noch nicht praktisch geworden. In der Kommission ist hervorgehoben, daß, wenn wir bemüht sind, von den anderen Staaten gegebenenfalls Entschädigungen für unsere Staatsangehörigen zu erlangen, es auch iwfere Pflicht ist, eintreimdenfalls Ausländer bei uns zu behandeln, wie wir wünschen, daß unsere Staatsangehörigen von anderen Ländern behandelt werden. Für die Entschädigung kommt der § 4 ber be-üolichen Bestimmungen in Betracht. Hiernach kann Gesellschaften, soweit sie kapitalkräftig sind, nur ein Darlehen getoäbrt werden: diese Gewährung ist noch dazu abhängig von dem Vorhandensein eines Landbesitzes. Der Abg. Kopsch hat Klarhett über die Zukunft von Südwestafrika gewünscht. Er fragt, ob die Absicht bestehe, sich nach Niederwerfung des Aufstandes mit Ehrm aus dem Schutzgebiet zurückzuziehen. - Eine solche Abucht bestehe nickt. (Beifall reckts.l Die Aufwendungen, die wir zum Nuhme und zur Ehre des Deutschen Reickes gemacht haben, werden Fruchto tragen Wir geben uns der bestimmten Hoffnung hm, daß es nach allen den Opfern, die wir gebracht haben, nach Niederwerftmg des Aufstandes gelingen wird, das Schutzgebiet einer erfreulichen uns gedeihlichen wirtschaftlichen Erschließung eritgegenzuftihren. Gerade weil wir diese Hoffnung haben, legen wir einen so großen Wert auf die ausreichende Entschädigung.

Abg. v. Staubp (kous.): Tie Ausftihrungen des Abg. .Kopsch waren in sehr gereiztem Ton gehalten. Ich kann mir nicht Denken, daß er Duren seine Gegnerschaft zur Kolonialpolttik allem m Stimmung hineingeraten ist. Er ist über Die Angriffe der Preffe verärgert, aber wer von uns wird denn nicht.angegriffen Erzberger hat es gar nicht nötig gehabt, es hier darzulegen, Daß bie Ansiebler keinen Rechtsanspruch auf Entschäbigung haben. Das wird keine Partei behauvten, es handelt sich aber hier um eine Maßnahme, die im rigenften Interesse ber Kolonie selbst liegt. Die Negierung fft unseres Erachtens jetzt auf Dem richtigen Weg. Meine Partei wird in erster Linie für bie Regierungsforderung von 5 Millionen stimmen, in zweiter Linie für den Antrag