Ausgabe 
14.7.1905 Erstes Blatt
 
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[ttngcn wikLer aufnehnrm dürfen. Wir haben ferner die deutsche Regierung auf das angeblich auf den Lcrrolinen-Jnseln bestehende deutsche Monopol aufmerksam gemacht. Wir stehen unter dem Eindruck, das; das 5?andelsverbot auf diesen Inseln kein absolutes ist, sondern daß es wahrscheinlich das Resultat un­berechtigter Beding u ngen ist, von welchen die höheren Behörden feine Kenntnis haben. Wir haben der deutschen Regier­ung nahegelegt, daß eine EntsÄädigunasfrage erhoben würde, und daß wir wünschen, hnfi sie berücksichtigt werde.

Wie es in ZluhLand aussiestt.

Daily Telegraph" meldet brieflich aus Petersburg, daß rin Komplott entdeckt morden sei, welches bezweckte, das Schloß Jlljinskoje bei Moskau, wohin sich der Zar mit seiner Familie begeben wollte, in die Luft zu sprengen. Dies sei der einzige Grund, weswegen die dorthin beabsichtigte Reise der Zarenfamilie aufgegeben worden sei. Unter den kaiserlichen Gemächern entdeckte man einen geheimen unterirdischen Gang, in welchem sich große Mengen Dynamit befanden. Zahlreiche verdächtige Personen wurden verhaftet, darunter zwei Ingenieure, welche die inneren Bauten des Schlosses leiteten.

Das genannte englische Blatt ist indes bekannt dafür, baß es seinen Lesern gern Gruselgeschichtchen vorsetzt, die eine wilde Reporterphäntasie in Hundstagszciten erfindet.

Kaum ernsthafter ist wohl folgende Meldung zu nehmen: ^rt einem in der Nähe von Moskau gelegenen Walde fand eine große revolutionäre Versammlung statt, an der etwa 30 000 Personen (?) teilnahmen. Die Versammlung wurde plötzlich durch die Kreispolizei gestört. Als die Arbeiter die wenigen Polizeibeamtcn bemerkten, bewarfen sie diese mit Steinen. Um die Beamten am Entkommen zu hindern, zündete die Menge den Wald an. Dieser war bald in ein Flammenmeer verwandelt. Gendarmerie und Kosaken gingen nut blanker Waffe vor. 50 Arbeiter wurden bei dem Kampf getötet und 300 verwundet. Nur mit großer Mühe gelang es, die Demonstranten auseinander zu treiben. Ein Gcndarmerieoffizier und 10 Kosaken erhielten gefährliche Verletzungen. Die Polizei verhaftete etwa 60 Personen.

Trotz aller offiziösen Dementi dauern aber indeffen die Unruhen im Kaukasus fort. Auf einen Zuge zwischen Tiflis und Batum wurde geschossen und der Maschinist getötet.

Aus Lodz wird gemeldet: In den hiesigen Kirchen finden jetzt täglich regierungsfeindliche Demon­strationen statt, wobei revolutionäre Lieder gesungen werden. Der Kommandant von Lodz hat den Geistlichen mitgeteilt, daß er sie verhaften lassen werde, falls sich die Demonstrationen wiederholen.

Die deutschen Kolonisten in Südrußland er­baten vom deutschen Kaiser Hilfe gegen die raubenden und plündernden Bauern.

Zur Klarstellung der Beziehungen zwischen Polen und Russen findet in Warschau Ende des Monats ein Polen- Kongreß statt.

In einem Eisenbahn - Magazin der Eisenbahnstation Sarmara wurden versteckt zirka eine Million Rubel aufgefunden, welche seinerzeit vom Roten Kreuz auf den Kriegsschauplatz abgegangen, aber spurlos oer- schwu nden war.

Die Besatzung des meuterndenPotemkin" fand in der Kajüte des ermordeten Kapitäns Golikow 1000 Rubel per­sönliches Eigentum desselben, die sic den Behörden in Odessa zur Uebermittelung an die Witwe Golikows übergab.

Nach Petersburger Meldungen soll die Ausstoßung des Admirals Krieger aus der Marine bevorstehen, weil er es unterließ, den meuterndenPotemkin" sofort an- zugreifen und in den Grund zu bohren.

Ein Flottc-kerlaß des Zaren.

Der ruß'. Kaiser hat an den neuen Marineministcr Vizeadmiral Birilew einen Erlaß gerichtet, in dein er an die ununter­brochenen Niederlagen der Flotte erinnert, die sie der Möglichkeit beraubten, der Landarmee ihre Aufgabe zu erleichtern und einen Erfolg herbeizufähren. Ter Kaiser beklagt schmerzlich den Verlust treuer Seeleute, die ihr Leben flir das Vaterland dahin­gegeben haben, und sagt, daß es die Pflicht gegen das Vaterland sei, daß alle Seelente nach Krä'ten an der Erneuerung der Streitkräfte zur See, die für Rußland unentbehrlich ist, und an der Heranbildung und Vorbereimng eines geeigneten Per­sonals Mitarbeiten, das von dein Bewußtsein seiner Pflichten durch drunqen sei. Der Kaiser sagt in dem Erlaß ferner, Birilew habe anläßlich der beschleunigten Armierung des zweiten und dritten für Ostasien bestimmten Geschwaders eine beinerkcnswerte Energie, Erfahrung und militärisches Verständnis a>i den Tag gelegt. Ei- Habe seinen Untergebenen frischen Geist und das Bewußtsein von der nationalen Wichtigkeit ihrer Arbeit eingeflößt. Es sind dies alles Dienste, die dein Kaiser, erlauben, mit Sicherheit aus Birilcw bei Erneuerung der Flotte zu rechnen. Mit der Erneniiirng zirm Minister vertraue er ihm die oberste Leitung des Marine-Departe­ments mit dem Rechte an, ihm vettonlich über alles darauf bezüg­liche Vortrag zu halten. Die jüngsten Ereignisse im Schwarzen Meere beweisen, so sagt der Kaiser ferner, daß der mili­tärische Gehorsam bei den Mannschaften vollständig geschwunden ist, und daß die V o r g e s e h t e u ihre Pflicht nicht erfüllen. So außerordentliche verbrecherische Taten er­fordern eine eingehende Unters it chunq und st r e n g e S t r a f c. Der Kaiser legt dem Admiral als erste Pflicht auf, den Geist mili­tärischer Ordnung wieder herzustellen und dafür zu sorgen, daß die Flotte ihren Pflichten ivieder nachkommt. Der Kaiser weist auf die Notwendigkeit hin, für ein technisch gut dnrchgebildetos, gut dis­zipliniertes Flottenpersonal zu sorgeii, und die zu bauenden' Schiffe der Jetztzeit gemäß auszurüsten, sowie die technische Aiisbildung der Marine-Ingenieure zu heben. Bezüalich der Neuorgani­sation der Flotte verlangt der Kaiser, daß der Marine- minister augenblicklich mit der Sicherung der Verte i digung der Küsten aller russischen Gewässer be­ginnen solle. Hierauf soll er Schritt für Schritt, den vorhandenen Mitteln entsprechend, die Schlachtflotte ivieder Herstellen.

5>ie Kriegslage in Masten.

Fünf Monate sind seit der Sch lach' bei Mukden nach der Verfolgung der Russen durch die Japaner nordwärts bis über Tieling hinaus vergangen, und feit dieser Zeit stehen sich die beiden gegnerischen Speere in annähernd den- denselben Stellungen gegenüber. Ein Beispiel, daß eure Armee, nach einem Gesamtverlust in und nach der Schlacht von fast 50 000 Mann in verhältnismäßig kurzer Entfernung Front zu machen und fünf Monate lang sich in dieser Stell­ung zu behaupten vermag, zeigt die Kriegsgeschichte kaum wieder. Seit langer Zeit und oft glaubte man die An­zeichen eines erneuten und angriffsweisen Vorgehens des japanischen Landheeres zu er Furien, umsomehr, als die Jahreszeit bis vor kurzem die militärischen Operationen begünstigte. Aber immer wurde man enttäuscht. An dem Willen des Marschalls Oyama, die Russen anzugreifen, darf man nicht zweifeln. Seine Handlungsweise zeigt seine vor­sichtige Bereitstellung aller Mittel vor Beginn der Opera­

tionen, um sich durch sie den Sieg möglichst zu sichern. Man weiß, daß wenigstens eine halbe Million japanischer Soldaten, in sechs Armeen gegliedert, im Felde steht. Von diesen sechs Armeen operiert eine in Nordkorea gegen U3;rs<u ui3Q uJ 'uanntg uw §ctaoNosiacurgvzgx vlpjiftna §vq Raume von der Jälubasis und von der Bucht von Liau- tung bei Jinkau Niutschwang- sowie in Port Arthur sichern wohl 100 000 Mann als Etappen truppen die japanischen rück­wärtigen Verbindungen. Somit verbleiben immer noch 350 000 Mann für die Feldarmee, welche ihre bisherige Einteilung und Gruppierung beibehielt. Die 5 Armeen vom rechten Flügel, am oberen Sungari im Osten über die drei großen Handelsstraßen und die Eisenbahn nach Westen hinweg bis zur Grenze der Mongolei scheinen in zwei Treffen zu stehen mit drei Armeen im vorderen und zwei Armeen im zweiten Treffen. An Zahl und an kriege­rischer Tüchtigkeit, unter bewährter Heeresleitung, ist die japanische Feldarmee den russischen Streitkräften überlegen.

Nach der Vernichtung der Flotte des Admirals Noschd- jestwenski glaubte man auf das Einsetzen der Tätigkeit des Marschalls Oyama rechnen zu dürfen. Englische Zeit­ungen verstiegen sich sogar zu der Meldung einer Umgehung der russischen Armee auf beiden Flügeln. Die Vernichtung der russischen Flotte forderte auf, alte Kräfte des japa­nischen Landheeres zu einem ähnlichen Schlage gegen die russische Feldarmee einzusetzen. Bis heute ist davon nichts zu merken. Die japanische" Unternehmung gegen die von den Russen mit nur schwachen Kräften besetzte Insel Sachalin lenkt die Aufmerksamkeit wieder auf die Vorgänge zur See ab. Japan will durch die Besitznahme dieses wich­tigen Stückes russischen Bodens, wie es die an Natur­schätzen überreiche Insel ist, ein Faustpfand für die beginnen­den Friedensverhandlungen in der Hand haben und zugleich den strategischen Einfluß von Wladiwostok lahm legen.

Politische Gründe verbieten scheinbar dem Marschall Oyama, die Reihe der japanischen Landsiege durch eine, Hauptschlacht zu krönen, welche ähnliche Erfolge der japa­nischen Landmacht erringt, wie solche der japanischen See­macht gelangen, und alle Zeichen deuten darauf hin, daß Japan den Frieden wünscht, vielleicht seiner bedarf. Heute kann es Frieden schließen, als unbe­strittener Sieger zu Lande und zur See. In diese unsichere Lage und Ungewißheit, ob der Krieg andauern oder der Frieden bald eintreten wird, fällt eine auffällige Nach­richt des japanischen BlattesJiji Schimpo" aus Shanghai, der Norddeutsche Lloyd habe hier ein Bureau errichtet für große Transporte, nm die russischen Truppen aus Ost­asien sowie die Gefangenen in Japan nach verschiedenen Häfen des Schwarzen Meeres zu überführen. Ferner, daß der russische Oberst Maisel in Schanghai augetommen sei und daß eine Anzahl von Dampfern des Norddeutschen Lloyd den Suez-Kanal auf dem Wege nach Ostasien passiert habe mit dem Auftrage, russische Truppen aus Ostasien nach Rußland zurückzuoringen. Sind auch die Nachrich­ten aus Schanghai ungefähr ebenso zu bewerten wie die Nachrichten aus Tschifu während der Belagerung von Port Arthur, so bildet doch die wahrscheinlich un­zutreffende Nachricht einen Beweis für die auch in Japan herrschende Friedensstimmung. Man ist eben auch in Ja­pan des Krieges müde.

Das chinesische Postamt in Schanghai giebt soeben be­kannt, daß die Verbindung zwischen Niutschwang und allen Städten der westlichen Mandschurei, einschließlich Charbins, unterbrochen ist.

Ans der Mandschurei

liegt heute folgende Meldung der Petersb. Tel.-Ag. vor:

General Linewitscb meldet vom 11. ds. aus dem Be­zirk Heilnngchen: Am 8. ds. erhielt unsere Abteilung im Tale des Fly'ses Chamiche Feuer von den Bergen her am linken Ufer des Flusses. Die Japaner räumten nach der Beschießung das Ufer und zogen sich nach Süden zurück. Trotz großer Wegeschwierigkeiten setzte unsere dlbteilung den Marsch im Flußtal des Chamiche fort, bis sie an eine Stelle Farn, wo der Weg vollkommen aufhörte. Unsere Abteilung kehrte deshalb um und ging in nördlicher Richtung zurück, oirrte Verluste erlitten zu haben, nachdem sie noch den Feind be­schossen hatte.

Die Friedenskonferenz.

DieKöln. Ztg." meldet aus Berlin: Die Ernennung Wittes zum ersten Bevollmächtigten der Friedensverhand­lungen hat offenbar zuerst die Bedeutung, daß der Verdacht, als ob Rußland es mit den Friedensverhandlungen nicht ernst meine, nicht aufrecht erhalten werden kann, da die bekannte Stellung Wittes zur Kriegsfrage die Annahme einer derartigen Ernennung ausschlicßen würde, wenn er nicht überzeugt sei, die Friedensverhandlungcn zu einem praktischen Ende führen zu können.

Bei den Washingtoner Friedensverhandlungen muß man die ostasiatische Frage ihrem Wesen nach vor Augen haben. Die anderthalbjährige Dauer des Krieges hat die politische Seite der Sache einigermaßen in Vergessenheit geraten lassen. Chinas Forderung, von dem Verlauf der Friedensverhand­lungen unterrichtet zu werden, soweit sie seine Souveränität und territorialen Rechte berühren, weist gleich auf den wich­tigsten Punkt der ostasiatischen Frage hin: die gegenseitige Verpflichtung Japans und Rußlands zur Achtung der Unabhängigkeit und territorialen Integrität Chinas und Koreas. Es kam bekanntlich zum Kriege, weil Rußland sich weigerte, diese Verpflichtung einzugehen und durch einen förmlichen Pakt aus uneigennützige Ab­sichten in der Mandschurei sich festzulegen. Andererseits wollte Rußland besondere Rechte Japans in Korea nicht anerkennen. Graf Lambsdorf brachte damals die Errichtung einerneutralen Zone" in Vorschlag, die nahezu den dritten Teil der Halbinsel einfassen sollte. Das war wieder für die japanische Regierung unannehmbar. Sie forderte be­sondere Rechte in einem unabhängigen Korea, verpflichtete sich aber, und zwar im Jntereffe der Ruhe und Sicherheit des eigenen Landes, diese Unabhängigkeit Koreas um jeden Preis zu schützen. Dies waren die Ansprüche Japans vor Beginn des Krieges, von denen anzunehmcn ist, daß sie auch jetzt bei den Friedensverhandlungen in Washington geltend gemacht werden. Freilich wird Japan zetzt in aller Form das Protektorat über Korea übernehmen wollen. Das Eigentumsrecht an den eroberten Plätzen kann Japan natürlich nicht bestritten werden. In der Mandschurei aber wird China zweifellos die Souveränität zurückerhalten.

Aus ptuöl » Land.

Gießen, 14. Juli 1905.

** Personalien. S. K. H. der Großherzog haben den evangelischen Oberpfarrer Vogt zu Lauterbach und den!

evangelischen Pfarrer Scriba zu Alten-Buseck auf ihr Nach­suchen unter Anerkennung ihrer langjährigen und treu ge­leisteten Dienste, mit Wirkung vom 1. Oktober 1905, in den Ruhestand versetzt. Das Ehrenzeichen für Mitglieder frei­williger Feuerwehren wurde verliehen den Mitgliedern der freiwilligen Feuerwehr zu Michelstadt, Löb, Struve und Keust; den Mitgliedern der freiwilligen Feuerwehr zu Ost- Hofen, Hack und Dexheimer. In den Ruhestand ver­setzt wurde der Lokomotivheizer in der Heff.-Prcuß. Eisen­bahngemeinschaft, Grasmück zu Mainz.Der Eisenbahn- Bau- und Betriebsinspektor Horn in Mainz wurde zum Vorstand einer Betriebsinspektion in der Hess.-Preuß. Eisen- bahngelneinschaft ernannt, ebenso der Eisenbahn-Bau- und Betriebsinspektor Barth in Neuß. Der Regierungsbaumeister Cramer aus Hof Ludwigshöhe wurde zum Eisenbahn- Bauinspektor und Vorstand einer Werkstätteinspektion in der Hess.-Preuß. Eisenbahngemeinschaft, die Regierungsbaumeister Pfaff aus Huy in Belgien und Roth a m el aus Neu­münster zu Eisenbahn-Bau- und Betriebsinspektoren ernannt»

*' Die 34. Wanderversammlung des Deutschen Photo graphen-Vereines wird vom 14.18. August in Darmstadt abgehalten. Die damit verbundene Aus­stellung bleibt bis zum 27. August ds. Js. auch für das größere Publikum geöffnet. S. Königl. Hoh. der Großherzog Ernst Ludwig hat über die Wanderoersammlung und die damit verbundenen Veranstaltungen das Protektorat über­nommen. Von der Stadt Darmstadt ist ein namhafter Betrag zur Beihilfe für die Kosten der Wanderversammlung ver- willigt worden. Die Ausstellung findet in den Räumen des städtischen Saalbaues statt. Für die Ausstellung sind dies­mal nicht weniger als 27 Stiftungen, welche, abgesehen von den Medaillen, einen Wert von ca. 3000 Mk. repräsentieren, vom Deutschen Photographen-Vereine und Privaten gemacht worden.

** Generalversammlung des Allgemeinen Vereins für Armen- und Krankenpflege. Unser Bericht in Nr. 162 erwähnte den Plan einer umfaffenderen Fürsorge für Säuglingsnahrung (Milchküche). Ein Druck­fehler machte ausMilchküche"Milchkühe". Die Milch­küche ist eine Einrichtung, wie sie in schon vielen Städten Deutschlands besteht und kürzlich noch in Marburg dem Be­trieb übergeben wurde. Es handelt sich dabei um die Her­stellung aller Art von Säuglingsnahrung nach den Verord­nungen der Aerzte, welche in der Milchküche den Anforder­ungen der Hygiene ufro. entsprechend zubereitet und in trink fertigem Zustande dem Konsumenten zugestellt wird.

* * Gemälde-Ausstellung. Nächsten Sonntag bleibt die Ausstellung geschlossen. Die Exlibris bleiben nur noch bis Sonntag den 23. d. Mts. ausgestellt.

* * Unfall. Gestern abend gegen 7 Uhr wurde in der Frankfurterstraße hier eine hiesige Hebamme, welche das link­seitige Trottoir passierte, von einem auf seinem Fahrrad sitzen­den Radfahrer umgefahren, wobei die Frau verschiedene Verletzungen davontrug und ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mußte.

* * Feuerwehr. Im Ladenfenster des Herrn August Kreisch mar ist z. Zt. das große Gruppenbild der gesamten Gießener freiro. Feuerwehr ausgestellt, welches in dem Atelier des Photographen Zimmer entstanden ist und allgemeines Interesse erregt.

* * Feuerwehr-Jubiläum. S. K. H. der Groß» Herzog, der Protektor der freiro. hessischen Feuerwehren, hat dem Festausschuß mitteilen lassen, daß er verhindert sei, der Feier beizuroohnen. Der Großherzog wünscht dem Feste besten Verlauf. Die Eisenbahndirektion hat mehrere Extra­züge eingestellt. Von Vilbel wird um 7.54 Uhr norm, ein Zug eintreffen, deSgl. auf den Linien Gießen-Fulda und Gießen-Gelnhausen. Weitere Sonderzüge werden am Abend 8.10 und 8.35 Uhr nach Frankfurt bezw. Nidda gehen. Das Konzert am Sonntag abend, zu dem heute die Haupt­probe stattfindet, verspricht außerordentlich schön zu werden. In der Sitzung des Gesamtausschusses am Donnerstag abend wurde nochmals das Gesamtprogramm im einzelnen durch­beraten und Mitteilungen gemacht, die auf einen würdigen und schönen Verlauf des Festes schließen lassen.

j- Lau buch, 13. Juli. Gestern fand im Saale de^ Schützhofs hier die Abschiedsfeier des Oberforst­meisters Thum statt, welcher seinen Wohnsitz in die Residenzstadt Darmstadt verlegt hat. Forstmeister Andr« sprach im Namen des Kasinos und der Kollegen, Bürger­meister Jochen im Namen der Stadt Laubach, Se. Erlaucht Graf Karl zu Solms-Laubach im Namen der Standes- herrschaft zu Solms-Laubach, wo Oberforstmeister Thum lange Jahre als Beamter tätig war. Der so Gefeierte dankte mit warmen Worten und betonte, daß er und seine Familie Laubach nie und nimmer vergessen werde. Auch seine seit­herigen Unterbeamten ließen sich es nicht nehmen, durch Jäger Becker ihm Dank- und Abschiedsworte nachzurufen. Die Feier wurde von Förster Stendal durch Pistonsolovor- träge verschönert. Die Laubacher verlieren in Oberforstmeister Thum eine Persönlichkeit, welche bei jedermann, hoch ober niedrig, beliebt war.

Mainz, 13. Juli. Das Kriegs Ministerium in Berlin hat beschloßen, in der Nähe von Mainz eine mili­tärische Munitions-Fabrik, in welcher hauptsächlich Patronen angefertigt werden sollen, zu errichten. Das Kriegs­ministerium hat bereits Auftrag erteilt, das für die Erbauung der Fabrik notwendige Gelände zu erwerben. In dieser Fabrik sollen mehrere Hundert Leute Beschäftigung erhalten.

Frankfurt, 13. Juli. Gestern abend fuhr der Hilfs­wagenwärter Hermann Neumann, geboren am 6. Juni 1881 in Brück, Bezirksamt Kitzingen, mit noch einem Manne in einem Kahn auf dem Main durch die Floßrinne unterhalb des Nadelwehrs. Der Kahn schlug um und Neumann er­trank. Der andere Mann rettete sich selbst.

s. Wetzlar, 13. Juli. Das Tierschaufest des KreiseS Wetzlar, das sogenannteOchsenfest", nahm heute seinen ge­wohnten Verlauf. Der Festzug traf um X/911 Uhr auf dem Festplatz ein, worauf das Fest an Stelle des erkrankten Land­rats Dr. Sartorius von dem Stellvertreter der hiesigen Lokal­abteilung, Sparkassendirektor Schlabach eröffnet wurde. Die Zahl der zur Schau gebrachten Vogelsberger Rinder war sehr groß.