^ümßwe'te. Meldungen über ernste Kämpfe liegen zrrr Zeit nicht vor. Laut Berichten des Befehlshabers der Ariereqarde der zweiten Armee bat das 1. sibirische Schützenregiment äußerst ernste Kampfe -u besteben gehabt. Die Mannschaften marschierten unter dem Ivener des von Westen her anrückenden Feindes und auch des von Osten her kommenden Feuers der Japaner. Oberst Losch gelang es, sein Regiment mit Fahne, drei Offizieren und 150 Soldaten, sowie auch eine Batterie in Sicherheit zu bringen. Das Regiment verlor in dem Kampfe am 6. ds. mehr als tausend M a n n. Rack den Verlustberickten der anderen Detachements blieben vam Regiment Iurgew der 25. Division nur 6 10 Bason nette mit 2 Offizieren übrig.
Ein 1) eilte ringt gangen er Bericht des Marschalls Obama meldet, daß in der Richtung von Hingking die Verluste des Feindes noch nicht sestgestellt, aber über 800 Leichenrussischer Soldaten bereits aufgefunden sind. Nach Aussagen gefangener Russen ist die 71. Division fast aufgerieben. Obgleich die Russen ihre Vorratsmagazine in Machuntnn und artigeren Plätzen verbrannt haben, sind doch noch große Mengen Futter, Munition und Kriegsmaterial in unsere Hände gefallen.
Die Stimmung in Rußland.
Zn Petersburg verhindert der Karneval vor- -läufig den Ausbruch der trostlosen Stimmung in ernsten politischen Kreisen wegen des großen Mißerfolges auf dem Kriegsschauplätze. „Wjedomofti" rät dringend die unverzügliche Befragung des Volkes, ob man den Kriqg oder den Frieden wolle. Tatsächlich ist eine weitere Mobilisierung jetzt unmöglich. Ter. „Slowo" fragt, ob es jetzt nicht Zeit fei, Dragomirow zur Rettung Rußlands nach dem Kriegsschauplätze zu berufen.
Nach Wiener Meldungen aus Petersburg wurde im letzten Kriegsrat beschlossen, Kuropatkin abzuberufen und den Großfürsten Nikolajewitsch zum Generalissimus zu ernennen. Entweder soll Such ominow ober Kriegsminister Sacharow Generalstabschef werden. Auch sei die Mobilisierung von 10 Armeekorps (??) beschlossen worden. General Griepenberg soll nach Wladiwostok geschickt werden.
Ein Newyorker Blatt, „Ev erring Po st", laßt sich aus Washington melden, in dortigen diplomatischen Kreisen erwarte man zuversichtlich, daß Z a P a n innerhalb einer Woche den endgültigen Schritt zum Frieden tun und so leichte Bedingungen stellen werde, daß sie von Rußland sicher angenommen würden. (?? D. Red.)
Von unterrichteter amerikanischer Seite wird erklärt, daß die ruf fif che Regier un g das zweite Paei- fie-Geschwader zurückberufen habe.
*
Auf den deutschen Universitäten, auch bei uns in Gießen, studiert bekanntlich eine große Anzahl Japaner Medizin. Japan hat sich nun veranlaßt gesehen, diese Studierenden zu ersuchen, in die Heimat zurückzukehren, um dort in erster Linie als Arzt des japanischen Roten Kreuzes tätig zu fein. Nach uns gewordenen Privatnachrichten ist in den letzten Monaten die Kindersterblichkeit in Japan enorm gewesen; es fehlt einerseits an Aerzten, andererseits müssen aber jetzt, da die Männer fehlen, die Frauen sehr schwer arbeiten und können sich nicht genügend um diie Kinder kümmern.
AKS Atudt mW La»d.
Gießen, den 14. März 1905.
** Die Hauptversammlung der Freiwilligen Gail'schen Feuerwehr fand am Montag abend im p^fau* statt. Aus dem Jahresbericht ist zu ersehen, daß im vergangenen Jahre 14 Porftandssitzungen, sowie die festgesetzten 11 Hebungen stattfanden. Der Mitgliederstand des Korps ist 130, wovon 99 aktive, 31 Mitglieder der sog. 10. Rotte sind. Die Feuerwehr wurde viermal alarmiert. Der Kassenbericht verzeichnet an Einnahmen Mk. 582.24, an Ausgaben Mk. 575.63, an Vermögen Mk. 376.99. Die vom Korps gestifteten Auszeichnungen wurden verliehen a) für 5jährige Dienstzeit an die Kameraden Dreher, Münch, Sey- bicke, Häuser, Weidenhaus und Schön; b) für 10jährige Dienstzeit an den Kameraden Volz; c) für 15jährige Dienstzeit an die Kameraden Richter und Enders; d) für 25jährige Dienstzeit an den Kameraden Arnold. Weiter wurde mit- geteilt, daß Kreis-Feuerwehrinspektor Loos aus eine 40jährige Mitgliedschaft zurückblicken kann, in welcher Zeit er alle Chargen bis zum 1. Hauptmann bekleidete. Die übrigen Punkte der Tagesordnung, darunter das auf die Tage des 15., 16. und 17. Juli festgesetzte 50jährige Stiftungsfest, wurden ohne Debatte erledigt. Zum Schlüsse sprach Kommerzienrat W. Gail der Wehr seinen Dank aus für die ihm anläßlich seines 50. Geburtstages im vorigen Jahre gewidmete Adresse, sowie für die bisherigen Leistungen des Korps, dessen Interessen zu fördern er stets bestrebt sein werde.
** Alice fr au en der ein für Krankenpflege. Wie aus einer Bekanntmachung im Inseratenteil hervorgeht, läßt der Alicefrauenverrin wie in früheren Jahrein fo auch dieses Jahr Vorträge für Frauen und Mädchen über die Pflege, VerMmdeter und Kranker halten. Tie Vorträge finden Montags von 5—6 Uhr im Zeichensaale der höheren Töchterschule statt und sind unentgeltlich. Beginn am 20. Marz, 5 Uhr nachmittags. Der Kursus wird für alle Teilnehmerinnen von großem Nutzen sein, da sie das hier Gelernte im täglichen ticbeu vielfach verwenden können. Im Interesse des guten Zweckes, den der Alieesranenverein! verfolgt, ist zu wünschen, daß die Vorträge recht gut besucht sein werden. Anmeldungen werden von der Oberlehrerin der Aliceschnle, Frl. Möser, und Frau Kaufmannl Fuhr, Sonnenstraße, entgegengenommen.
** Verbands-Geflügel- und Vogel - Au s - stellung in Friedberg. Unter dem Protektorate Sr. Kgl. Hoheit, des Großherzogs Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein findet am 17. bis 20. März d. I. im Saalbau zu Friedberg die 5. Verbands-Geflügel- und V o g^el-Ausstellung des Verbandes der oberhessischen GeMgelzüchtervereine, veranstaltet vom Wetteraner Geflügelzüchterverein, statt. Wie nicht anders zu erwarten war, sind, so wird uns geschrieben, die Anmeldungen sehr ^chlreich eingelaufen, und die Ausstellung wird neben Nutz^ef lüget auch dunch; lehr schönes Ziergeflügel ausgezeichnet, sodaß sie eine Menge des Interessanten und Sehenswerten für jeden Liebhaber bieten wird. Auch die Luchter haben sehr gute Chancen, da eine sehr große Anzahl von Ehrenpreisen zur Verfügung steht.
** Die Generalversammlung des Verschöner- vngs-VereinS am Freitag abend war bedauerlicherweise mir'recht schlecht besucht. Nach dem Jahresbericht über die Wirksamkeit des Vereins hat man die vom Verein angelegten Fußroege gebessert und Ruhebänke mit neuem Anstrich vergehen. Die auf dem Gesellschastsplatz vorhandenen Tische und
Banke wurden um je 4 resp. 2 vermehrt. Die Schutzhülle auf der Hardt, am Wege nach dem Gleiberg, erhielt einen Fußboden aus Beton. Beklagt wird, daß böswillige Hände diese Schutzhütte häufig schon beschädigten und verunreinigt haben. In der Oberförsterei Wiefeck resp. am Hangelstein wurde ein neuer Fußweg sowie zwei Treppen an der Teufelskanzel angelegt. Die Quellen des Ludwigsbrunnens wurden auf gegraben, gefaßt und zusammengeführt, wodurch es sich ermöglichen ließ, an Stelle der meist versagenden Pumpe ein laufendes Brünnlein herzustellen. Um den Aufstieg auf den Schiffen berg von der Ostseite her zu erleichtern, wurde statt des bisherigen steilen, ein bequemer zu gehender Fuhrweg hergestellt. Dieser kann als Fortsetzung des alten Schiffen- bergerweges und der anschließenden Fahrstraße nach Hausen hin leicht gefunden und benutzt werden. Der grüne Weg nach dem Gleiberg erhielt einen Wegweiser. Auf Anregung des Vereins hat die Forstverwaltung im Gießener Stadtwald einen Spazierweg zur Ausführung gebracht. Dieser beginnt an der Gabelung des alten Schiffenberger- und des alten Steinbachenveges, verfolgt den letzteren bis etwa zur zehnten Schneise, biegt hier links ab durch schönen Hochwald und mündet auf die Licherstraße in unmittelbarer Räbe des Forst- hauses „Hochwart". Der Verein zählt 425 Mitglieder, vier mehr als im Vorjahre, die Zahl bleibt aber hinter der von 1902 noch um 31 Mitqlieder zurück. Der Verein hat im abgelaufenen Jahre 554.97 Mk. für Wegebesserungen :e. auf- gewendet und verfügte am Jahresschlüsse über den Betrag von 1328.50 Mk. Der Verein beabsichtigt wieder eine Karte der näheren Umgebung Gießens anzuschaffen und jedem seiner Mitglieder davon ein Exemplar unentgeltlich zu überlassen. Die Versammlung erklärte sich mit der Erbauung einer Schutzhütte im Sta dtwald zwischen der Hochwart und der Stadt einverstanden. Der bisherige Vorstand wurde einstimmig'wiedergewählt: Kommerzienrat Gail und Direktor Spam er hatten erklärt, eine Wahl bestimmt nicht wieder annehmen zu wollen. An deren Stelle fiel die Wahl auf Architekt Meyer und Brauereibesitzer Bichler.
** Dr. m e b. Focken in 'Ullendorf a. b.Sumba t- Am 7. b. M. verschieb infolge eines Schlaganfalles ber praktische Arzt Dr. meb. Reinhard Focken zu Ullendorf. Bei der mit der Nebersührung seiner Leiche in seine ost- friesische .Heimat verburibenen Trauerfeier hat sich ein ganz ungewöhnliches Maß warm empfundener Teilnahme betätigt. Sie galt einmal dem an sich schon so überaus tragischen Falle, baß ein Mann von erst 27 Jahren durch solch schnellen Tob in wenigen Stunden mitten aus seiner Arbeit herausgerissen wurde — ein tieserschütternbes herbes Schicksal für seine Eltern unb Angehörigen sowie für bie Braut bes Verstorbenen —, f ob amt aber'and) bem Manne selbst, benn sein Hinscheiben bedeutet einen großen Verlust für unsere Gemeinde und bereit Umgebung. Erst im vorigen Herbst hatte 'Tr. Focken, der Sohn eines Pfarrers in Wiesens bei Aurich, bie Praxis in Allenborf übernommen. In kaum einem halben Jahre war es ihm vergönnt, sich mit seinem schlichten und leutseligen Wesen, seiner ärztlichen Tüchtigkeit und seiner gewissenhaften Be- rufytreue das Zutrauen unb bie Verehrung aller, bie mit ihm in Berührung kamen, zu erwerben. Er wirb sowohl in feinem Wirkungskreise, in seiner berttftichen Tätigkeit wie in seiner religiösen Gesinnung in gutem Andenken bleiben.
** Gießener Pferde markt-Lotterie. Die Lose des am 22. März stattfindenden Pferdemarktes in Gießen finden guten Absatz. Als Haupttreffer sind vorgesehen: Ein viersitziges Selbstkutschier-Phäton nebst Pferd und komplettem stlberplattiertem Geschirr, ein viersitziger Jagdwagen nebst Pferd und komplettem vernickeltem Brustblattgeschirr, ein Lauterbacher Wagen mit Kutschierbock nebst Pferd und Kummetgeschirr, sowie 7 Pferde und Fohlen, Fahrräder, Nähmaschinen, landwirtschaftliche Geräte und Haushaltungsgegenstände. Die Wagen sind von August Kilbinger, das silberplattierte Geschirr von Sattler Kühne Witwe am Seltersweg, das Brustblattgeschirr von Sattler Groß, der Lauterbacher Wagen von Schmied Becker, das Kummetgeschirr von Sattler Spies geliefert. Der Preis des Loses beträgt 1 Mk., die Ziehung findet am 23. März 1905, nachmittags 2 Uhr, in der Turnhalle der Stadtknabenschule statt. Der Generalvertrieb der Lose ist Herrn Richard Buchacker-Gießen übertragen. Lose können direkt ober durch die von dem Genannten eingerichteten Verkaufsstellen bezogen werden.
** Aus dem Bureau bes Stabttsteaters. Morgen, Mittwoch, ben 15. März, geht als letzte Volksvorstellung Richard Voß' Schauspiel „Wehe den Besiegten" in Szene. Tas Werk ist baburch besonders interessant, daß es die historische Persönlichkeit Napoleons I. auf die Bühne bringt. Tie Hauptrollen liegen in' den Händen der Herren Lüttjohann, Giorai, Lin'zen und des Frl. Gartner. Darstellung wie 'Ausstellung des Werkes haben bei der ersten 'Aufführung (zum Benefiz des Herrn Lüttjohann) allgemein angesprochen, und diese letzte Volks- Vorstellung dürfte zweifellos starke 'Anziehungskraft ausüben.
** Verhaftet wurde gestern abend ein hiesiger Arbeiter, der in der Trunkenheit seine Frau und seine Kinder mißhandelte. Ferner wurde ein Arbeiter festgenommen, der in einer Wirtschaft in angetrunkenem Zustande sich des Hausfriedensbruchs unb der Sachbeschädigung schuldig machte. Weiter mußten zwei zugereiste Handwerksburschen wegen Trunkenheit und Ruhestörung in Haft genommen werden. Einer von ihnen hatte in Marburg aus der Verbandskasse 7,50 Mk. Unterstützung erhalten und diesen Betrag alsbald verzecht.
s. Reiskirchen, 13. März. An der Straße von hier nach Burkhardsfelden wurden in der vergangenen Nacht die Seile, womit die Obstbäumchen gerade gehalten werden, an sämtlichen Bäumchen durchschnitten. Den Tätern ist man auf ber Spur. Tie Seile hatte man in der vorigen Woche erst angebracht.
Butzbach, 13. März. Dem Vorstand des ^hiesigen Ge- sckäftsleuteverbandes ging auf seine an den Stadtvvrstand gerichtete Eingabe^betr. den Bau einer Balm Wetzlar-Butzbach folgendes Schreiben der Bürgermeisterei Butzbach zu:
Auf Ihre Eingabe vom 6. März er. betr. den Bau einer Bahn von Wetzlar-Butzbach erwidern wir Ihnen, daß der Gemeinderat in seiner gestrigen Sitzung beschlossen hat, Ihrem Gesuche, weil zur Zeit gegenstandslos, keine Folge, zu geben, da nicht allein seitens bet Großh. Bürgermeisterei und der für diesen Zweck erwählten Kommission, fonbern auch durch den gesamten Stadtvorstand die Interessen der Stadt in dieser Angelegenheit gewahrt worden lind und auch fernerhin gewahrt werden. Tie bereits mit der Stadt Wetzlar und den zuständigen Behörden geführten und nach zu führenden Verhandlungen zu veröffentlichen, liegt nicht im Interesse der Sache und der
Stadt. Von einem Bau einer schmalspurigen Bahn kann übcn> Haupt keine Rede fein, da sich die seither gepflogenen 23er* Handlungen nur auf eine normalspurige Bahn beziehen.
—o— Laub ach, 13. März. Heute wurde im Hotel „Solmser Hof" ein Kan in ch en zu chtv erein für Laubach unb Untgegenb gegründet. Schriftführer ist I. Böhnt.
Wetzlar, 13. März. Der Provinziallanbtag ber Rheinprovinz wirb sich unter anderem audji mit bem Anträge zu beschäftigen hüben, für bie Wiederherstellung des Wetzlarer Domes eine weitere Beihilfe von 100000 Mark, zahlbar in fünf Jahresraten, zu bewilligen und zu ae^ nehmigen, daß der Ständefonds für die einzelnen Jahre um bie zu zahlende Jahresrente verstärkt wird. Für die- Jahre 1903 unb 1904 waren je 10 000 Mark bewilligt worben. Nach einer Prüfung der 'Angelegenheit im Ministerium sind die zunächst vorzunehmenden Bauarbeiten ein-- geschränkt, sodaß sich ber Kostenaufwand nunmehr auf rund eine Million Mark beläuft. Die Bauzeit ist auf fünf Jahre herabgesetzt. Zur Deckung der Kosten sollen beitragen: ber Fiskus 82 800 Mk., bie Stadt Wetzlar 20 000 Mk., die katholische Kirchengemeiude 4000 Mk., die evangelische 16 000 Mark, der Kreis Wetzlar 12 500 Mk., ber Dombauverein 44 700 Mk. Der Ertrag ber Lotterie für den Tombair istt auf 650 000 Mk. berechnet.
rrnd Werkefir. WotkswirlslfiafL
Buderus s che Eisenwerke zu Wetzlar. Zu den ^6* scklußziffern für das Jahr 1904, die, bei 556 658 Mk. li. B.> 520 498 Mk.) Reingewinn eine Dividende von. 6 ProzentZ5 Proz.) gestatten, bemerkt der Gesckiäftsbericht, daß das verflossene Jahr die Bestätigung Jür die schon früher ausgesprochene Ansicht gebracht habe, ■ daß die Beteiligung in den verschüdenen Svndikaten io gering bemessen sei, daß sie für den normalen Zuschnitt deS Unterneh-nens nicht genügte. Sollten die großen gemischten Betriebe des Eisengewerbes bei Erneuerung der Svndikate sich nicht zu der Auffassung verstehen, daß sie größere Rücksichten auf die übrigen Mitglieder des Shndikats nehmen müssen, so werde es kaum gelingen, die Syndikate zu verlängern. Von den Gesamtaufwendungen im Betrage von 1472 056 Mk. wurden 791967 Mk. den Anlagerechnungen und 680119 Mk. der Erneuerungsrücklage belastet. Gegen Mitte des Jahres wurden die neuen Einrichtungen dem Betriebe übergeben. Nach den bisherigen Erfahrungen seien die an diese Verbesserungen geknüpften Erwartungen in vollem Vdaße in Erfiillung gegangen. In Bezug auf die technischen Einrichtungen stehe man heute fernem anderen Werke nach. Hinsichtlich der Vereinigung mit den Eisenwerken Lollar betont der Bericht, daß beide Werke sich fortgesetzt im Wettbewerb gegenüberstehen, ber nach Vollendung ber beiderseitig vorgesehenen Neuanlagen (Radiatoren- fabrik und Röhrengießerei) noch eine schärfere Form angenommen haben würde. Durch den Zusammenschluß sei eine verständige Arbeitsteilung möglich Der wohltätige Einstuß der Vereinigring werde sich schon im Jahre 1905 bemerkbar machen. — Die Fusion Lollar mit Buderus ist sehr überraschend gekommen. Erst gingen an der Frankfurter Börse Gerüchte um, bie aber übungsgemäß bald wieder dementiert wurden. Aus dem Geschäftsberichts ber, Lollarwerke wird bekannt, daß von der Verwaltung der Buderusschen; Eisenwerke der Gedanke ausging, unb daß sie mit der Anbrohung einer verschärften Konkurrenz die Eisenwerke Lollar zur.Annahme ihrer Pläne bewegter. Tie Buderusffchen Eisenwerke teilten ganz plötzlich durch die Vermittlung eines Großaktionärs , den Eisenwerken Lollar mit, daß sie eine Anzahl von Spezialitäten dieser Gesellschaft in einer neu zu errichtenden Gießereiabteilung Herstellen würden und ihr außer dieser verschärften Konkurrenz auch in der Arbeiterfrage Schwierigkeiten bereiten würde.
Neue russische Anleihe. Alle Nachrichten, die übet, den Fortgang der diesbezüglichen Verhandllmgen an die Oeffent- lichkeit gelangen, enthalten so viel Widersprechendes, daß mart; schließlich zu der Ansicht kommen muß, keine einzige sei g<mz zuverlässig. Von der einen Seite wird gemeldet, daß es sich ünr. 1 Milliarde Fran es, von der anderen, daß es sich nur nm bie - Hälfte handle. Eine dritte Stelle meldet wieder, der Betragjj sei 600 Mill. Fr. und es würden 5 Prozent Schaübonds mtfc achtjähriger Laufzeit geschaffen werden, vor deren Verfall den; Inhabern noch besondere Vorteile zugesichert werden dürften. I Eventuelle weitere Geldbedürfnisse würde Rußland durch eut^ innere Anleihe zu decken suchen.
Märkte.
Gießen, 14.März. Marktbericht. Auf heutigem Wochenmarkb kosteten: Butter pr. Pib. 0.95—1.05 Mk., Hühnereier 1 St. 7-8 Pfg. 2 Stck. 15-00 Pfg., Gänfeeier 00—00Pfg., Enteneier 7—0 Pfg., Käse nr. Stck. 6—8 Pf./ Käsematte 2 Stck. 5—6 Pfg. Erluen pr. Liter 21 Mg., Linsen pr. Liter 32 Pfg., Taubenpr. Paar0,80—0,90Mk., Hühner pr.St. 1,00—1,60 Mk., Hähne pr. Stück 0,80—1,80 Mk., Enten pr. Stück 1,80—2,20 Mk., Gänse vr. Pid. 55—65 Pfg., Ochsenfleisch pr. Pfund 70—80 Pfg., Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 62—68 Pfg., Schweinefleisch pr. Pfund 60—72 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 76 Pfg., Kalbfleisch pr. Pfd. 70—74 Pfg., Hammelfleisch pr. Psund 50—74 Pfg. Kartoffeln pr. 100 Kg. 6,00—6,50 Mk., Zwiebeln pr. Ztr 8,00—10,00 Mk., Milch per Liter 18 Pfg., Aepfel per Zentner 0 bis 0 All., in Körben 00-00 Pfg. Nüsse 100 St. 00-00 Pfg. Zwetschen per Zentner 0.00—0.00 Mk. Birnen per Zentner 6 bis 0.00 Mk. Weißkraut 0.10—0.15. Marktzeit 8—2 Uhr.
1 ■ ■■■'■■ । . ■■■■■ i"
chericklslaal.
(C.) Gießen, 14. Mäi^. Einen höchst eigenartigen Fall, verhandelte heute das hiesige Schöffengericht. Angellagt war der Dachdecker L. von hier wegen Unterschlagung. Er hatte als Vorsitzender des Kaimevalvereins in der letzten Weihnachtszeit beim Großh. Polizeiamt um die Erlaubnis zu einer Geldsammlun g nach gesucht, bie er damit begründete, der Verein wolle gelegentlich der geplanten Weihnachtsfeier arme Kinder kleiden. Tie Erlaubnis wurde erteilt unter ber Beringung, baß sväter die Sammelliste nebst Belegen über die Verwendung der Gelder dem Großh. Polizeiamt vorgelegt würde. Dieser Aufgabe kam L. nicht nach, die Sammelliste war einfach verschwunden. Es wurde dennoch festgestellt, daß etwa 76 Mack gesammelt worden waren, daß aber nur 28 Mark Kindern zugute gekommen finb. Die Restsumme war zum Vergnügen für Musik und sonstige Ausgaben verwendet worden. , Noch 'während der Verhandlung stellte der Großh. Amtsanwalt den Antrag, den L. wegen Betrugs zu verurteilen, da, wie die Verhandlung ergab, her Angeklagte von Anfang die Aeußerung getan hatte, wenn die Sammlung gut ausfalle, wolle der Vorstand den Ueberschuß teilen. Auch hatte L. von dem gesammelten Gelde noch alte Vereinsschulden ans dem Vorjahre gedeckt. Der Großh. Amtsanwalt hatte eine Geldstrafe von 50 Mark beantragt, das Schöffengericht sprach aber den Angeklagten von Strafe frei, weil der Fall nicht genügend aufgeklärt erschien.
R. B. Darmstadt, 13. März. Unter der Anklage des Mordversuchs an seiner Geliebten stand heut vor bent Schwurgericht der 33jährige Fabrikarbeiter Dietrich Veh- map er aus Privilsheide iLiPPe-Detmoldl Ter Angestagte war während des vorigen Sommers in der Zuckerfabrik Groß-Hserau beschäftigt und kstüpfte mit ber in der dortigen Konservenfabrik arbeitenden Polin Auguste Weiselbaum ein Liebesverhältnis an, wohnte auch mit ihr zusammen und versprach, sie zu heiraten. Nach Schluß der Kampagne arbeitete Vehmaper in Höchst a. M., von wo er seine Braut häufiger besuchte. Ms sich dann aber wegen der Heirat Schwierigkeiten bezgl. der Papiere usw. ein- stellteir, bedrohte der Angeklagte seine Braut in rohester Weise und mußte ctm zweiten Weihnwchtsfeiertag durch bie Polizei aus deren Wohnung entfernt werden. Die Braut sagte sich nun vollständig von Vehnraper los, wurde aber nun von dem Angeklagten in ärgster Weise bedroht, er wollte sich auch einciti Revolver kaufen, konnte aber das Geld dafür nicht auf treiben. Am 29. Dezember paßte er an. der Arbeitsstelle der Geliebtenj wieder auf und stürzte mit einem Messer auf sie los, warf sie zu Boden unb versuchte, ihr den Hals burchzuschneiben, woran er aber durch Hinzukommen anderer verhindert wurde. Nach der Bekundung des Sachverständigen Dr. Lindenborn-Gro^


