Nr. 62
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Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Glehener Familien- Hätte» viermal in der
Woche beigelegt.
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Anzeiger Gießen. -Fernsprechanschluß Nr. 51. WMWEMWMEMW
brftes Blatt. 155. Jahrgang
Dienstag 14 März 1905
Gietzener Anzeiger
** General-Anzeiger
Amis- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen
Vezag-PreiAr monatlich 75 Pf., viertel» jährlich Mk. 2.20; durch Aohole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Mk.2.— vierlel- jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzei^ru ür die Tc rSp'rmm« 's vo-anittog- 'Unc, ' c fernretS: .okir 12 Ps^ auswärts P'z.
Verantwortlich |ift den polst, und Teil - P. Wtttko: für ,Stadt und ßanb* und „GerichtSfaal": August Goetz, für den Anzeigenteil: HanS Beck.
Air heutige Kummer umfaßt 8 Seiten.
Gießen, 13. März 1905.
Betr.: Die Ausführung des Wohnungsaufsichtsgesetzes. Das Großherpgliche Kreisamt Gießen an die Großh. Brrr-germeiftereien der Landgemeinden des Kreises.
Soweit Sie mit Ihren Berichten auf unsere Verfügung vom 27. Februar 1905, Kreisblatt Nr. 25, im Rückstände .find, werden Sie mit Frist von fünf Tagen an deren Erledigung erinnert.
Gleichzeitig machen mir darauf aufmerksam, daß Schlafstellen oder Schlafräume, welche von Arbeitgebern ihren Arbeitern, Lehrlingen, Gesellen, Gehilfen, Dienstboten u. s. w. zugewiesen werden, in dem Formular F mit angegeben werden müßen.
I. V.: Dr. Kranzbühler.
Zur akademischen Areiheit.
Der Kaiser hat gestern den telegraphischen Huldigungsgruß der deutschen akademischen Jugend, soweit sie zurzeit in Eisenach versammelt ist, freundlich erwidert, ihr aber zugleich die ,Achtung vor der Ueberzeugung Andersdenkender^ (vgl. den Bericht über den ,1. deutschen Stu- dententag) dringend ans Herz gelegt. Dieses Kaiserwort wird in weiten Kreisen, soweit sie nicht einseitiger Intoleranz huldigen, freudigen Widerhall finden. Man braucht daraus keineswegs eine Hinneigung des Kaisers zum Klerikalismus zu ersehen, um so weniger, als die Kaiserworte an den Pfarrer Waitz und den Hamburger Senior Dr. Behrmann jetzt beglaubigt sind. (Vgl. die heutige „Polit. Tagesschau": Zentrums-Verstimmung.)
In Nr. 10 der linksliberalen Münchener Wochenschrift ^.Freistatt" vom 11. März wirst der Heidelberger Philologe Prof. Dr. O sth off einen Rückblick auf den „Kampf um die akademische Freiheit". Im allgemeinen durchaus, und zwar mit bestem Rechte, auf feiten der Studenten und gegen die preußische Regierung stehend, spricht er sich doch im Sinne der Kaiserdepesche aus:
Erscheint aber die Sache, die die heutige Studentenschaft so tapfer und gleich erfolgreich verfolgt, als in jedem Punkte -makellos und einwandsfrei? Es muß zugestanden werden, was auch schon im Urteil der liberalen Presse und aus den Reden mehrerer Abgeordneten, die im übrigen energisch den Standpunkt der Studierenden vertraten, zum Ausdruck gekonmren ist: die auf gewaltsame Unterdrückung der konfessionellen Verbindungen hin- arb-eitende Agitation, was einer der Anlässe zum Eingreifen der Behörden wurde, war ein Mißgriff und selbst e i n V e r st o ß gegen das Prinzip der akademischen Freiheit. Dieser neue Vorwurf kann den eben um diese Freiheit kämpfenden Akademikern also nicht erspart werden.
Das Vorhandensein konfessioneller Korporationen und immer neue Gründungen von solchen sei zu bedauern und allerseits bedauert worden. Es könne dem gesundet: Sinn der Studentenschaft daher nicht verübelt werden, wenn sie gegen dieses Unwesen und seinem Geist ankämpften.
Aber mit Vorschlägen neuer gewaltsamer Unterdrückung, neuer üntervindung des freien Rechts der geselliger: Vereinigung darf der nicht andere kränken und belästigen, der für sich selbst das größtmögliche Maß der Bewegungsfreihest in Anspruch timnti.
Man solle die konfessionellen Verbindungen „mit erlaubten und in rechtlicher Beziehung nicht zu beanstandenden Mitteln" bekämpfen. Nach einigen weiteren sehr beherzigenswerten Ausführungen konstatiert Prof. Osthoff, die Studentenschaft habe den Vorstoß gegen die studentische Bewegungsfreiheit siegreich abgeschlagen und fährt dann fort:
Kann man zu dieser erfreulichen Wendung der Tinge unsere -Studentenschaft aufrichtig beglückwünschen, so schließt das doch in sich, daß auch einige ernste Mahnungen zur Beherzigung für Xie daraus sich ergeben.
Zu dem Inbegriff der ihlren zugestandenen und zugesicherten Rechte und Freiheiten, die der akademische Bürger genießt, gehört als notwendiges KorrÄat tue Pflicht der vernünftigen Selbft- .oeherrjchung, die vornehmlich dadurch geübt wird, daß man sich stets bewußt bleibt, das Anrecht anderer auf denselben Umfang von Rechter: und Freiheiten, den ich für mich- beanspruche, jederzeit anerkennen und respettierer: zu müssen. Tiefer Pflicht ist, wie hervorgehooen, im Anfangsstadium des von der Studentenschaft durchgefochtenen Konfliktes, nicht vollauf genügt worden.
Prof. Osthoff ist in Heidelberg ein beliebter Universi- Mslehrer und alter Burschenschafter, der noch in naher Verbindung mit burschenschaftlichen Kreisen steht.
Ganz richtig schreibt auch der nationalsoziale und stramm protestantische „Türmer" (Märzheft S. 811):
Die Jugend hat das Recht der Jntonseguenz. Nur dieser mildernde Umstand rann mit dem inneren Widerspruch zwischen der Forderung akademischer Freiheit Und dem gleichzeitigen Angriff auf eben diese Freiheit bei — Andersgesinnten zur Not versöhnen. ALan mag erckschiedener Gegner konfessioneller Stu- dentenkonventtlel sein, und darf dennoch chie Bereästigung, solche zu bilden, vom Standpunkte der akademische Freiheit aus ganz zuletzt bestreiten. Es nimmt sich eigeMümlich aus, wem: akademische Bürger im 9tamen der akademischen Freiheit die Staatsbehörde gegen die Verbände ihrer katholischen Kommilitonen mobil machen wollen.
Leutsches Reich.
Berlin, 13. Martz. Um 9 Uhr 30 Mn. traf gestern abend der Kaiser ans Bremen hier ein; die Kaiserin! war kurz vorher eingetrofsen. Heute unternahmen beide Majestäten einen Spaziergang im Tiergarten. Ter Kaiser besuchte später den Reichskanzler und hörte den Vortrag! des Ehest des Zwilkabirretts.
p- Der Ministerialdirektor int Kultusministerium Dr.
Alt Hofs fft vom Kaiser zur Teilnahme an der Mittel- m e e r r e i s e eingeladen worden.
Dortmund, 13. März. Laut „Tvrtm. Biss." will die Verwaltung der Zeche „Tremonia" den Bergleuten, die während des Streiks gearbeitet haben, bei der nächsten Lohnauszahlung Belohnungen von 10 Mk. bis 15 Mk., insgesamt 4000 Mk., zukommen lassen.
Trier, 13. März. Generalleutnant und Gouverneur von Trotha hat den Arbeitern der Hauptwerkstatt Karthaus, die ihm nach Südwestafrika ein Weihnachtspaket gesandt hatten ein Schreiben zugehen lassen, in! welchem er sich in herzlichen Worten über die Kundgebung aus den Arbeitertreisen bedankt und die Hoffnung ausspricht, daß er nochmals in die Lage versetzt werde, dies den Leuten persönlich aussprechen zu können.
I^utjch-r Reichstag.
162. Sitzung vom 13. März, 1 Uhr.
Die Beratung des Etats des R e i ch L a m t s des Innern wird fortgesetzt beim Kapitel Reichsamt für das He:mats- wesen.
Abg. S ch i ck e r t (kons.) erbittet eine anderweite Regelung des Unterstützungs-Wohnsitzes im Interesse namentlich derjenigen Gebiete des platten Landes im Osten, welche einesteils durch Abwanderung an Bevölkerung verl:eren, andernteils im gegebenen Falle für die Abgewanderten noch unlerstützungspstichtig sind.
Staatssekretär Graf.P o s a d o w s k y erklärt, feit Erlaß des Unterstützurrgs-Wohnsitzgesetzes hätten sich die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse allerdings stark geändert. Eine Novelle über das Reichsarmenrecht sei bereits ausgearbeilel und werde hoffentlich dem Reichstage gleich zu Beginn der nächsten Session vorgelegt werden. Das Kapitel wurde alsdann genehmigt. Beim Kapitel statistisches Amt bemängelt
Abg. Erzberger (Zentrum) die Mängel und Fehler der amtlichen Streikstatistik. Gegenüber einer Beschwerde des Av- geordn. Potchoff (frs. Bg.) erklärt
Staaalssetretär Graf Posadowsky, das statistische Amt habe nur die Aufgabe, das zahlenmäßige Material zu verarbeiten. Könnte jeder Beamte für feine Person seine Schlußfolgerungen aus dem Material veröffentlichen, so würde das Amt zu einer politischen Behörde werden. Im weiteren Verlauf einer kurzen Debatte versichert der Staatssekretär noch, das Amt verfahre nach ganz objektiven Grundsätzen.
Beim Kapitel Reichsgesundheitsamt empfiehlt
Abg. Baumann (Zentrilm) eine von ihm beantragte, von den Nationalliberalei: und Konservativen milunterschriebene Resolution, die Regierung zu ersuchen, iin Reichstage tunlichst bald einen Gesetzentwurf vor^ulege«, der die Beaufsichtigung des Verkehrs mit Nahrungs- und Genußmitteln sowie derer: Durchführung durch die Landesbehörden einheitlich regelt. Rebner exemplifiziert dabe: besoiiders auf die Weinfälschungen.
Abg. S ch e l l h o r n (natl.) empfiehlt einen gleichen Antrag auf reichsgesetzliche Beaufsichtigung des Verkehrs mit Wein wie überhaupt mit Nahrungs- und Geiiußmitteln. Nur so allein sei es möglich, den Naturwein zu schützen.
Abg. Sartorius (frs. Vp.) erblickt ebenfalls in einer einheitlichen reichsgesetzlicher: Kontrolle die Voraussetzung für eine wirkliche Durchführung des Weingesetzes. So schlimm, wie Baumann es schildere, seien unsere Weinoerhältnisse nicht.
Abg. Blankenhorn (natl.) als Mitantragsteller empfiehlt gleichfalls der: Antrag Baumann.
Staatssekretär Graf Posadowsky glaubt, daß bei den Behauptungen über Weinverfälschungen doch manche Ueberlreibunger: mit unterliefen. Er fei der Ansicht, daß die deutschen Weine, die ins Ausland gingen, durchweg gute, gesunde Weine seien. Entwürfe, betreffend die Weirrkontrolle, feien speziell in Preußen ausgearbeitet. Was die Judikatur betreffe, so brauche gezuckerter Wein zwar nicht als gezuckert deklariert zu werden, aber er darf andererseits keinesfalls als ungezuckerter Wein, als Naturwein, deklariert werden.
Abg. Rettich (kons.) ist für den Antrag Baumann.
Abg. Müller- Meiningen (frs. Vp.) hält eine Regelung des Geheimnuttelivesens für dringend geboten.
Abg. Nacken (Zentrum- wünscht Schutz gegen Vergiftungsgefahr in den Betrieben, in denen Blei verarbeitet wird, besonders in den Bleihütien Oberjchlesiens. Staatssekretär Graf Posadowsky erklärt, daß eine bezügliche Verordnung bereits ausgearbeilel fei Ebenso werde einer Regelung der Frage der Verwendung von Bleifarben näher getreten werden. Dem Abg. Müller-Dleiningen erwidere er, daß Niemaiid erwartet habe, es werde mit der Geheimniittelliste nun sofort das ganze Geheunmittelwesen aufhören. Es werde erwogen, ob nicht von Reichswegen in dieser Angelegenheit gewisse einheitliche Grundsätze festgelegt werden können. „ .
Abg. Mugdan (frs. Vp.) fragt, ob eine Regelung des Krankenpflegewesens von Reichswegen beabsichtigt sei.
Abg. Scheid em a n n (Soz.) wendet sich gegen die Verunreinigung der Flüsse durch Fabrikadwäsfer.
Staatssekretär Posadowsky erklärt gegenüber dem Ab- geordn. Mugdan, daß eine Reihe von Kandidaten der Medizin auf ihren Antrag von der Verpflichtung des praktischen Jahres befreit worden find. Ein Entwurf wegen einheitlicher Grundsätze für Ausbildung und Prüfung von Krankenpflege-Personal sei vom Gesundheitsamte ausgearbeitet und liege dem Bundesrat vor. Die Frage der Verunreinigung der Flüsse sei sehr schwierig. Auf sie, als auch auf die Frage der Trinkwasser-Versorgung sei das Augen- Nierk des Bundesrats gerichtet.
Hierauf wird die Resolution Baumann angenommen und ebenso^ eine Resolution Müller-Meiningen wegen gesetzlicher Regelung des Geheiminlltelwejens.
'Schluß 5\ Uhr. Morgen 1 Uhr Fortsetzung.
Preußisches Abgeordnetenhaus.
Man beratet den Erat dec Z e n , r a . g e n o s s en s ch a ft s - koisse — Mg. Dr. Faßbender ^Ztr.) regt an, die ländlia-en Kreditgenossenschaften bei der Regelung oa landwirtsu^suchen Entschnldungsfrage mitwirken zu lasstn. — Mg. Kreth (kons.) spricht seine Freude aus über den Zusammenschluß des Reichs- oerbandes landwirtfchaftkicher Genossenschaften in Stuttgart mit dem Raisfeisenschen Verband. — Finanzminister Frhr. v. R h e i n- b ab en spricht zunächst seine Genugtuung aus über die Beilegung des Zwiespalts. Tie Zentralgeiwssenschaftskasse sei ihrem Ziel, em treuer Freund der Landwirtschaft und des Handwerks zu sein, durchaus treu geblieben. Was die Frage betreffe, ob es möglich fei daß der genossenschaftliche Kredit in den Tienst der Entschuldung des ländlichen Grundbesitzes gestellt ivirb, so könne sich der Staat hieran nur in einer begrenzten sjßetfe beteiligen, etwa, rudern er eine bestimmte Summe zum Re-
servesonss beitrage. — Achg. Skull (Ztr.) spricht sick), auer-s kennend über die Tätigkeit der Zentralgenossenschaftskasse aus, und empfiel/ck dem Zusammenschluß der Neuwieder unb des Darm^ städker Genossenschaftsverbandes. Redner hält die Bedenken ba»| gegen, daß ein Direktionsmitglied der Zentralgenossenschaftskasst Treuhänder bei einem Privatinstitut ist, für gerechtfertigt, ebauH so der Abg. v. ArNiM (kons.). Finanzminister Frhr. v. Rhein--, haben hält es nicht für erwünscht, daß Staatsbecunte Treu-^ händer bei Privatinstituten sind. Es liege aber in diesem Falle tein Anlaß vor, dem Beamten seine Stellung zu entstehen. Abg.s Graf Spahn (Ztr.) empfiehlt die Einrichtung von Professu--, reu für das Genossenschaftswesen an landwirtschaft^ lick)en Hochschulem Abg. Blell (fr. Vp.) stimmt mit bei: Aus-' führungen der Herren überein, die erklärten, es komme nicht auf das System der Genofseiffchaften an. In der Tat sei die! Hauptsache ber lebendige Genossenschaftsgeist, und man müsse mit vereinten Kräften dahin wirken, die kleinen strebsamen Leutes in Genossenschaften zusammenznschließen, um den Mittelstands zu stärken. Abg. v. Brockhauien (kons.) tritt für die lanix« wirtschaftlichen Genossenschaften ein, die segensreich gewirkt hätten. 2lbg. Bus ch (Ztr.) hebt die Verdienste Raiffeisens um das landwirtschaftliche Genossenschaftsw esen hervor.
Bei der Position „3000 Mark als nicht pensionsfähige Zulage für den Direktor der Zentralgenoffenschaftskasse"^ erhebt Abg. Gyßling (fr. Vp.) namens seiner Freunde Widerspruch gegen/ diese Forderung, die mit dem Hinweis auf erhöhte Repräsentations- Pflichten begründet werde. Der Titel wurde gegen die Stimmen der freisinnigen Volkspartei und der Polen angenommen. Der Rest des Etats wird debattelos erledigt.
Beim Etat der indirekten Steuern erklärt Abg. Dr. v. Heydebrand u. d. Laisa (kons.) namens seiner Partei^ daß sie die schwersten Bedenken gegen die Einführung einer Reichseroschaftsskeuer und einer Reichseinkommensteuer hätten. Redner bitte: die Regierung im Bundesrat gegen den etwaigen Plan der Einführung solcher Steuern zu stimmen. Minister v. Rhein baden führt aus, wenn eine entsprechende Vorlage kommen sollte, Preußen nicht für eine Reichserbschaftssteuer eintreten könnte, da etz einen Ausfall an seiner Erbschaftssteuer erleide:: würde. Ebenso wäre der Weg eines Reichseinkommenstener- gesetzes für alle Bundesstaaten sowie auch für Preußen vollkommen unbestreitbar. Abg. v. .Eynern (nL) tritt für eine Revision der Einkommens- und Ergänzungssteuer sowie des Kom- munalabgabengesetzes ein. Abg. Dr. Wiemer führt aus, seine Partei fei weder grundsätzlich gegen eine Reichserbschaftsstener noch gegen eine direkte Reichseinkommensteuer, wenn der Plan der Regierung greifbare Gestalt angenommen habe. Eine Auseinandersetzung über das Verhältnis des Reiches zu den Einzel- staaten ioeroe allerdings einmal erfolgen müssen. Seine Partei halte es für richtiger, im Reich auf die direkte Steuer zurück- zug^eisen, als immer die indirekten Steuern zu vermehren, die nur auf bei: Schulten: der unbemittelten Klassen lasten. Abg. V e r o l d (Ztr.) l-ätt es für das richtigste, eine gerechte Verteilung der Matrnularbeitrage nach der Leiftungsfähigkeit der Einzel ftaatei: einzuführen. Preußen sei in der Lage, ohne jede wettere direkte Steuer ganz erheblich höhere iDratrihilarbeiträge Ku zahlens als jetzt. Abg. Gamp (frf.) erklärt sich gegen eine Reichst erbschafts- und Reichseinkommensteuer. Steuerquellen, z. B. dis Wehisteuer. .Der Etat wird bewilligt.
Ale Russen aus der Aiucht.
Dem Schicksale, in ihrer Gesamtheit nmschslossen unK zur Kapitulation gezwungen zu werden, ist die russisch^ Armee auch diesmal entgangen. Es scheint, da.ß Kuro^ patkm den Zeitpunkt zum Antritte des Rückzuges doM rechtzeitiger eqeljen hat, als man zuerst vermuten konnte. Für gewaltsame Verlegung der Strafte nach Tieling hätten^ Die Japaner sehr erhebliche Streitkräfte dort nötig gehabte deren rechtzeirige Linsammlung bei der gewaltigen Au^ dehnung der japanisckMi Angriffs- und Verfolgungslinie von vornherein als unwahrscheinlich angesehen werden' mußte, zumal die Japmter au Zahl schwerlich Überlegenr waren. Im übrigen zeigen auch die russischen Berichte^ mir welchen Schwierigteiten und Verlusten unb in welcher Verwirrung und Unordnung teilweise der Rückzug der btuifen ftatigesunden hat. dcckhere Angaben macht Heutes auch eine Depesche aus dem japanischen Hauptquartier:
Alle unsere Streitkräfte sind nach Mukden M vorgerückt und verfolgen den geschlagenen Feindnach allen Richtungen, wobei sie ihm an verfchiedeneu Orten, wo er. Widerpand zu leisten versucht, schwere Verluste Unsere Truppen säuberten bis Sonntag d:e ganze Gegwd brs- 25 Meilen nördlich von Mukden vom Feinde ung setzen noch die Verfolgung fort Die Russen ^öen m derw Gebiete beginnend 13 Meilen von Kaolittm entfernt bis füdttctz von Elinotttutzu und wesllich von der Eiferchahn brs aus emo Entsenrung von 16 Mellen nördlich boot.^^00X11 zahltosej Wagen mit Mundvorräten undMun^tron zurück. Wir hatten keine Zeit die Mengen festzustellen. Dre Fahne des Wnnaregimentes wurde erbeutet, ebenso tn brummtmg Viele weitere Vorräte, die für die Ruffen bestimmt waren.
Kuropatkin selber meldet in zwei Telegrammen vom 11. ds. Mts.:
Die während vieler Tage ununterbrochenen Kämpfe haben uns 50000 Verwundete gekostet. Der Rückzug vonj Aiukden war außerordentlich fchw:er:g. Dre Nachhut marjcbierte zwar in vollkommener Ordnung, indem sie an den vorbezeichneten Stellen palt machte, aber die Bewegung des TrainS auf der Aiandarinenftraße war infolge der Kanonade der Japaner schwierig Unser Marjch ging durch em Gebiet, welches keine Straßen hatte. Da die Strecke zwischeii Tieling imb Mulden von Flüssen mit abschüssigen Usern durchjchnttten wird, mutzten die ^uhrweake öiters hatten und warten, bis sie an die Reihe zum Passieren kamen, was Verzögerung hervorrief. Der Feind erhielt ve tra ch t liche Verstärkungen."
„Die Besichtigung der Gefallenen unb die Unterftlchung bet Gefangenen lieferte uns den Beweis, batz bas Heer Noais an den Kämpfen teilnahm unb außerben: neun Divisionen. Infolge Der kurzen Entfernung Japans unb der Erleichterung des Trmis- portes zur See war Die japanische Armee immer in vollständiger Truppenzahl; außerdem kannten die Japaner infolge des während per Ruhezeit geübten Rekognoszierimgsdienstes immer die Stellung unserer Armee."
Vom 12. bs. meldet Kuropatkin:
9lad) ben Berichten bes Führers ber 9Irieregarde zeigen sich seinbliche Truppen in Stärke emer halben Division auf ffanone»*


