Ausgabe 
14.2.1905 Erstes Blatt
 
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werden. Möchten sich noch recht viele finden, die dem Vereine helfen, seine schöne Aufgabe auch ferner zu erfüllen.

Frankfurt, 14. Febr. Um die Zeit, da PfarrerThöbes in Heldenberqen ermordet wurde, erhielt der Gastwirt Konrad Fischer, Verqerstraße 206, eine Postanweisung von über 600 Mk., ohne das; er wußte, von wannen sie kam. Tags zuvor war ein unbekannter Gast in seinem Lokal gewesen, der hastig ein Glas Bier trank und sich auffällig in der Gast­stube umsah. Ein Bruder des Wirtes, ein Kriininalschuhmann, brachte die rätselhafte Geldsendung zur Kenntnis der Polizei. Anfangs glaubte man, daß sie nut der Heldenberger Mordsache in Zusammenhang stehe. Der Wirt wurde nach Gießen geladen und Hudde gegenübergesteNt. Er er­klärte mit aller Bestimmtheit, er habe diesen Mann nie ge­sehen. Inzwischen lenkte sich der Verdacht auf einen 30 Jahre alten P ost boten. Er wurde verhaftet und verhört und das Ergebnis war das teilweise Geständnis des Postboten. Er gibt zu, daß er das Geld an Fischer geschickt habe, nachdem er die Postguittung selbst angefertigt hatte. Es ilt nicht recht klar, wie der Pollmarder die auf diese Weise verstreuten Früchte seines Verbrechens schließlich einzuheimsen gedachte.

Gießen, 14. Februar 1905.

* Auszeichnung. Hauptmann Mohr im Jnf.-Rgt. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116 wurde die Königliche Krone zum Roten Adlerocden vierter Klasse ver­liehen.

** Der Evangel. Kirchengesangverein wird die dm Ende des Wintersemesters übliche Geistliche Musik- auf füh rung am Sonntag, den 5. März, unter der Leitung des Universitäts-Musikdirektors Trautmann, veranstalten. Schon jetzt kann mitgeteilt werden, daß dafür ein sehr in­teressantes Programm in Aussicht genommen ist. Der erste Teil soll der Zeit des Kirchenjahrs Rechnung tragen. In dem königlichen Choral:Wie schön leuchtet der Moigen- stern^ klingt noch einmal die Epiphaniaszeit an. Tann werden die ernsten Passionstöne, vorwiegend in modernen Kompositionen, angeschlagen. Der zweite Teil bringt dann lauter Kompositionen des alten Meisters Heinrich Schütz, des Lehrers von Johann Seb. Bach, und zwar zum Teil bisher noch wenig bekannte und selten gehörte. Es sind da­runter seinedrei biblische Szenen", nämlich: der 12 jährige Jesus im Tempel, (für Soli und Chor mit Begleitung von Orgel und Streichinstrumenten), der Pharisäer und der Zöllner (für Soli, Frauen- und gemischten Chor) und der Osterdialog (für Soloquartett). Jeder Kundige weiß, daß ein derartiges Programm, das allein vier Solisten erfordert, nicht ohne erhebliche Kosten durchgeführt werden kann. Da der Eoang. Kirchengesangverein grundsätzlich unentgeltlich singt, um den Genuß edler gottesdienstlicher Musik der ganzen Gemeinde, auch den ganz Unbemittelten, zu Teil werden zu lassen, so kann er sich solche Aufgaben nur dann stecken, wenn -r von einer großen Zahl für seine Seite begeistetec Freunde, die ihm als inaktive Mitglieder die Mittel liefern, ge­tragen wird. Leider ist die Zahl dieser Mitglieder in den letzten Jahren erheblich zurückgegangen, nicht durch Schuld des Vereins, dessen Leistlingen anerkanntermaßen auf der Höhe standen, sondern durch Sterben und Wegzug von Mit­gliedern, die keinen Ersatz fanden. Die jetzt wiederum zir­kulierende Liste deS Vereins wird darum recht drjngend em­pfohlen. Es fehlen noch sehr viele, die nach ihrer Gesinnung, ihren Interessen und Mitteln berufen wären, Mitglieder 311

«Landwirtschaft.

K11 rsus für Müller und Bäcker. An der Landwirt^ schaftlichen Hochschule in Berlin findet unter Leitung des Geb. Regierungsrates Prof. Tr. Wittmack vom 13. bis 25. März dieses Jahres ein Unterrichtskursus für Müller statt. .Ter Unter- richt wird von Fachgelehrten erteilt; in wissenschaftlicher, .tcoocn allgemein verständlicher Weise werden Botanik und Eycmie oes GktrcibeS und Mehles, Hefe, Bakterien, andere niedere -duze, ferner Unkräuter, schädliche Insekten, die Einrichtung von Lager­häusern usw. behandelt. Als neuer Gegenstand wird das <5mci>en der Mehle behandelt werden. Besonderer Wert wird aus eigene Tätigkeit der Teilnehmer gelegt; sie erhalten Anleitung zum Mikroskopiereil zwecks Erkennung von Beimengungen und -öer* fälschungen im Mehl, Anweisung zur Analvse 3ur, II11 teiiumang des Klebers auf Gliadin und Gluten in, zur Anstellung von Back versuchen usw. ______K

Aniversttäts-UaHrichten.

-Die Abnahme d e r M e d i z i n e r. Der Rückgang in der Zahl der Studierenden der Medizin an den derHchen Universitäten ist im laufenden Semester, wie eine Uebersicht über bk Besuchsziffern erkennen läßt, wiederum recht augenfällig. Belief sich die Gefamtsahl der Medizinstudie­renden an den deutschen Universitäten im Wintersemester 1894/95 noch auf 7796, so beträgt sie jetzt nur noch 5926, sodaß also, in diesen 10 Jahren eine Abnahme von 1870

ober 31.55 Proz. eingetreten ist. Einige Hochschulen ftu® an dieser Verringerung in ganz besonderem Maße bekein

so Würzburg', wo in der angegebenen Frist die Zahl von 753 auf 410 sank, Leipzig von 727 aus 404, Grerfswald von 381 auf 151, Breslau von 297 auf 190, München bon 11--) mich 912, Erlangen von 355 auf 189, Göttin gen von -.07 aus 159, Halle Bon 249 auf 180, Kiel von 251 auf 213, Marburg von 225 ans 158, Straßburg von 300 auf 226, Bonn von ^46 au, 157, Tübingen von 223 auf 171, Königsberg von --1 aufi 177. Einige medizinische Fakultäten haben etw^as ^ge­nommen, so Gießen v on 1 09 auf 169 (Ech98 wnren. 218'), Heidelberg von 225 auf 261, Rostock von 110 auf 13-,, Freiburq von 383 auf 390. In Berlin, der größten mediz^ nischcn Fakultät, sank die Zahl von 1220 auf 1111. <cut Winter 1897/98 hatte sie noch 130 Medzineu b

verrniZebtes.

* Königsbütte, 13. Febr. Auf dem Wege vom Hausflur zum Kasscnzimmer der königl. Bcrginspektion Königs- Hütte verschwand in geheimnisvoller Weise ein zur Löhnung bestimmter Geldbeutel mit 10000 Mk. aus der Neichs- bank. 64 Beutel zu je 10 000 Mk. wurden abgeholt, aber nur 63 Beutel in der Berginspektion abgelicfcrt. Die Unter­suchung ist eingcleitet. _

* Kaiser toaste b e i Wasser. Unter die, er npitz- marke schreibt diePost": Das Vorstandsmitglied des Vereins gegen Mißbrauch geistiger Getränke, Dr. ''Ifbolf Banzer in München, richtete an den Kaiser das Ersuchen, er möchte, gleich dem König von England, sich gelegent­lich dabin "äußern, daß er nichts dagegen habe, wenn seine Offiziere die Toaste auf ihn bei einem Glas Wasser ausbrächten. Auf diese Eingabe hin ging Tr. Banzer aus dem preußischer Kriegsministerium fol­gende Antwort zu: ,,Jhre an Se. Majestät den Kaiser und König gerichtete Immediateingabe vom 2. Januar 1905 das Ausbringen des Toastes auf S. M. in alkoholfreiem Getränk betreffend, ist auf allerhöchsten Befehl zur Bescheidung an das Kriegsministcrinm abgegeben worden. Das Departe­ment erwidert Ibnen auf die Eingabe, daß ein Zwang, Toaste in alkoholhaltigen Getränken auszubringen, nicht besteht. Im übrigen kann es der im Fortschreiten befindlichen Bewegung überlassen bleiben, sich in allen Kreisen mehr und rnehr Eingang &u verschaffen."

* Ein neues Bildaus einemFestungsgefäuanis wird üt sozialdemokratischen Blättern veröffentlicht. Tie Chem­nitzer Volksstimme reproduziert einFcslungsidyll ans Wcichsel- münde", wohin jetzt der Fähnrich H ü s s e n e r gebracht worden ist Das Bild zeigt einen auf einer Leiter stehenden .Häftling, der ein Zahnarzt aus der Umgegend von Breslau ist. ^ie theatralische Stellage zu der Photographie stellt .anscheinend einen Ulk dar. Ter Zahnarzt sucht offenbar zu entfliehen und wird dabei von dem Militärposten überrascht imb angehalten. Am der Spitze des dem Flüchtling entgegengestreckten Bajonetts steckt ein Stück Kommißbrot. Aus. denKerkerfenstern" sehen dreier Szene die übrigen Festingsgesangenen, unter ihnen der Heraus­geber derZukunft", Maximilian Harden, zu.

* Eine Feindin der Reinlichkeit. Es grbt Frauen, die sich in Scheuern, Putzen, Stöbern nie genug tun können und dadurch den Mann oft zur Verzweiflung bringen. Das Gegenstück davon ist eine Fran in München, die durch völligen Mangel an Reinlichkeitssinn ihrem Gatten Anlaß zur Einreichung einer Scheidungsklage gab. Der Gatte hatte vor etwa einem Jahre geheiratet, ohne eine Ahnung davon zu haben, daß seine Aus erwählte auf stetem Kriegsfüße mit der Reinlichkeit steht. Als er vor etwa einem halben Jahre die Wohnung wechselte, mußte der Schmutz in den verlassenen Zimniern förmlich aufgeschaufclt werden. In verschiedenen Winkeln der Wohnung fanden sich Wäschestücke, die von Schmutz und Staub starrten und als unbrauchbar beseitigt werden mußten. Auch beim Kochen und der Pflege ihrer eigenen Person hielt es die Fran ebenso; es kam vor, daß sie sich oft sechs bis acht Tage weder wusch noch kämmte. Da sie unverbesserlich blieb, sah sich der Mann genötigt, um Trennung der Ehe nach­

zusuchen.

* Neunmal Trillinge. In Washington ist, dieser Tage der Farmer George Tunville aus dem Staate Nebraska mit seiner Familie cingetroffen, um dem Präsidenten Roose­velt ad oenlos zu demonstrieren, daß dessen dem amerikaniseben Volke gemachter Vorwurf des Rassenselbstmordes auf ihn keine Anwendung findet. Tenn obgleich er erst 43 und seine Frau 38 Jahre alt ist, haben sie nicht weniger als 27 Kinder gehabt, und zwar regelmäßig Trillinge. Von den Kindern sind 25 am Leben, darunter 24 Jungen. Ta Dunville und Fran noch im besten Alter sind und Nebraska ein gesundes Klima besitzt, so kann man wohl noch auf einen weiteren Zuwachs dieser interessan­ten Familie rechnen, und mit Leutenot wird Tunville auf seiner Farm niemals zu kämpfen haben.

6 Wovon der Student erwachte. Studiosus Müller aus Freiburg hatte Weihnachten in Berlin verbracht und mußte nun wieder zur Universität zurück. Er telegra­phierte daher an seine Freunde Frosch und Schnabel- in Heidelberg:Bahnhof erwarten. Neise mit Nachtzug durch." Die treuen Kumpane wateten durch den Schmutz bei fürchter­lichem Negen zum Bahnhof hinaus. Der Zug kam an, aber Müller zeigte sich nicht. Offenbar war er eingeschlafen. Da kam Frosch aus einen guten Gedanken. Er lief die Wagen entlang und schrie:Vier gefällig!" Da rasselte mit großem Krach ein Fenster der dritten Klasse herunter, und einer rief: Hier, bitte, hier!" Das war Müller.

^ Kleine Tageschrouik. Als in Aftrung (Provinz Sackcken) - der Bohrmeister eines Sti'inbruchs das Svrengf'osf- gewolbe betrat, erfolgte eine T huamitexplosion. Der Bohr­meister wurde in Stücke gerissen, zwei Arbeiter wurden leicht verletzt. In Berlin beging einen M o r d v e r s u ch auf eine Prostituierte der Tischler Franz Knoll, der die Frau Ida Arndt durch Messerstiche lebensgefährlich verletzte. Bei einer Vernehmung gab er an, daß er in Notwehr gehandelt habe, da die Arndt nach vorausgegangenen Streitigkeiten wegen Geldforderungen ihn tätlich bedroht babe.

^reuerpflichtkgen infolge iVerfehlungen gegen das Em- kornmensteuergesetz ergab sich; eine Nachtragserhebung von 24494.01 Mk.

Die Einnahme an Oktroi betrug im Rechnungs­jahr fahre 1903 Msammen 119 020.54 Mk. gegen 117 757.53 Mark im Vorjahre. -Die Einnahme von Oktroi betrug für Schlachtvieh 36 704.49 Mk., für Fleisch, Fleischwaren und ildpret 6673.55 Mk., für Brennmaterialien 38182.73 Mk., für Mühlenfabrikate und Hafer 5093.93 Mk^ für Getraute 32 365.84 Mk. . _

Neben der staatlichen H u r. b c ft c u e r werden in Gießen an städtischer Hundesteuer 10 Mk. für den Hund erhoben. Die Einnahme für 1903 belief sich auf 7220 Mk. gegen 7310 Mk. im Vorjahr. Dieser Einnahme steht gegenüber eine Ausgabe von 666 Mk. für uneinbringliche Hundesteuern und Hebgebühren. . , ,

Aus dem Geschäftsbericht des Gewcrbegcrrchts ist mitzuteilen, daß im Kalenderjahr 1903 168 Klagen an­hängig gemacht wurden gegen 139 im Jahre 1902 und -06 im Jahre 1901. 47 Prozent aller Klagen sind ohne yeran- ziehnng von Beisitzern und vielfach mit Vergleich durch den Vorsitzenden allein erledigt worden.

Der Arbeitsnachweis ist im Jahre 1903 weiter aufgeblüht. Die Stellenangebote und die Arbcitsgesuche sind gegen das Vorjahr gewachsen, insbesondere aber ist die Zahl der besetzten Stellen bedeutend gestiegen. Offene Arbeitsstellen wurden zusammen 2040 gemeldet, Nachfragen um Arbeit 1995. Eingestellt konnten darauf 616 Personen werden, in der Stadt Gießen 275 männliche und 200 weib­liche, auswärts 138 männliche und 3 weibliche.

Der Wohnungsnachweis trat am 1. April 1903 ins Leben. Im Berichtsjahr 1903 wurden 194 Wohnungen angeboten, 168 gesucht und 26 vermittelt.

Die Arbeiten, die der Bürgermeisterei in Bezug auf die Durchführung des Krankenversichcrungs- gesetzes zufallen, waren im Berichtsjahr im wesentlichen veranlaßt durch das <tm 1. Januar 1904 in Kraft getretene Reichsgesetz, betr. weitere Abänderungen des Krankenver- sicherungsgesetzes vom 25. Mai 1903. Was die O r t s - krankenkkasse anlangt, so hatte sie im Jahre 1903 eine durchschnittliche Mitgliederzahl von 4840 Personen (gegen 4620 im Vorjahre). Krankheitsfälle kamen 2276 vor (gegen 2723 im Vorjahre). Die Zahl der Krankheitstage betrug 45562 (gegen 38 287 im Vorjahre). Die Rechnung für 1903 schloß folgendermaßen ab: 151192.94 Mk. in Einnahme (gegen 124 633.56 Mk. im Vorjahre) und 140879.32 Mk. in Aufgabe (gegen 118 519.53 Mk. im Vorjahre).

Einen Haftpflichtversicherungsvertrag hat die Stadt, nm sich gegen alle Schadensersatzansprüche, welche auf Grund der Haftpflichtbestimmungen gegen sie geltend gemacht werden könnten, zu schützen, am 25. 9lpri( 1902 mit der Oberrheinischen Versicherungsgesellschaft zu Mannheiin auf die Dauer von fünf Jahren abgeschlossen. Danach gewährt die Gesellschaft der Stadt Gießen Versicherungsschutz bezüglich der ihr obliegenden Haftpflicht jeder Art und zwar: 1. für ein die einzelne Person und für ein mehrere cPrsonen be­treffendes Ereignis in im begrenzter Höhe; 2. für Beschädig­ung von Sachen biA zur Höbe von 20 000 Mk. Tie Versicher­ung erstreckt sich auch auf alle städtischen, gewerblichen, land- und fortstwirtfchasilichen Betriebe sowie alle Vcv- walttmgszweige der Stadt. Tie für die Versicherungsdauer gezahlte Prämie betrug 1600 Mk. Im Berichtsjahre wurden in 5 Fällen Schadenersatz-Ansprüche an die Stadt erhoben. In 3 Fällen mußte der'Anspruch anerkannt werden, und der entstandene Schaden von im -ganzen 1410.90 Mk. wurde von der Gesellschaft ütierncmtmm.

Beim Kapitel Verkehrswesen wird über ver­schiedene Dinge berichtet, die aus unserer Zeitung schon zur Genüge bekannt geworden sind.

Was das Marktwesen anlangt, so fand im Berichts­jahr an '>_ Tagen Rmdviehmarkt, an 14 Tagen Schweine­markt. an 2 Tagen Pferdemarkt und an 15 Tagen Krämer- markt statt. An Standgeld wurden vereinnahmt: bei den Viehmärkten 2861,15 Mk. (gegen 3747,50 Mk. im Vorjahr), bei den Krämermärkten 287,50 Mk. (gegen 279,95 Mk. im Vorjahr). Die veterinärpolizeiliche Ueberwachuug ber Vieh­märkte hat einen Kostenaufwand von 951,50 Mk. (gegen 1084,10 Mk. im Vorjahr) verursacht.

KcriAtssaak.

Gießen, 14. Febr. Tie Strafkammer verurteilte heu?k; die Frau H. von Waltenrod wegen Ur kundensa 11 cpun<rj intb Betrugs zu drei Monaten Gefängnis. Frau v. hatte। sich bei dem Freih. Oberfnrster zu Lauterbach als Ehefrau emes^ im Walde vcruuglückteu 5)olKarbeiters vorgestellt und um Unter- stützuna nackgesucht. Sie konnte die Not iinb das Elend ihrer - durck den Unglücksfall heimgesuckten Familie, tn den kirellstcn, Farben schildern. was den Forstmeister zu emer Unterstützung, in ftöbe von 5 Mk veranlaßte. Er ließ sich eine Quittung aus-' stellen, die Frau H. nut dem Namen der Eyeftau des ve-run-; glückten Arbeiters imtcrzrick'nete. Das Okridrt zog strafers owerend > in BettackU, daß sie das Unglück eines anderen unb bte Müd-j tätigtest eines dritten ihrer strafbaren Handlung zu nutze mackste.;

th. Gießen, 14. Febr. Gestern nachmittag verhandelte rn, der alten Kaserme das Standgericht. T-er Musketier W. i war der Ack> Lungs Verletzung angekla^t, begangen gegen, einen Unteroffizier vor versammelter Mannickmft W., der mr zweiten Jabre diente und als 'vorzüglicher Schütze galt, war; an einem Montag Morgen zum Schießen kommandiert und schoß ; an jenem Vormittag überaus schlecht. Ter Unterommer, der die mangelnde Treffsicherheit des Mannes auf den vielleicht am Tage; vorher allzu reichlich genossenen Alkohol zurückführen zu mimen; cstaubte, fragte den schlechten Schützen, wo er am Sonntag ge-; wesen sei, worauf dieser die Antwort gab: Das fairn dem Herrn, Unteroffizier egal sein. Ter Angeklagte, der den Tatbestand glatt, zugab, entschuldigte feilte unziemliche Antwort damit, daß er dies Frage des Unteroffiziers mehr als Scherz aufgefaßt habe, umso-j mehr, .als bei Vorgesetzte kurz vorher, ehe er, der Angeklagte,, die Schüsse abgab, sich mit ihm scherzend unterhalten hatte., 3eugenDemrbnuing ergab aber, daß die Frage des Unterofsiziers > in angemessenem dienstlichen Ton gelautet hatte und daher als' Scherz'nach der LtusichL der Zeugen nicht aufzusassen gewesen ist.! Der Vertreter der Anklage beantragte drei Wochen strengen Arrestes., T.er Gerichtshof erkannte aus die mindeste zulässige Strafe tion. 14 Tagen Arrest, dabei ben'icksichtigend die gute Führung des, Angeklagten, dessen Geständnis und daß er vielleicht in dem aller- dings in-'nen Glauben gewesen sein könnte, der Vorgesetzte behebe) mit der Frage einen Scherz zu machen. . . I

Berlin, 13. Febr. Rechts anwalt Hertwig in Ehar-; (Ottenburg, bekannt als Verteidiger in dem Judenflmtenprozeß,. wurde heute vou ber 1. Strafkammer des Landgerichts li wegen Unterschlagung zu 4 Monate n Gefängnis verurteilt. Ter Staatsanwalt batte 1 JIabr 1 Monat Gesängms und 2 Jahrei Elnverlust beantragt. ,

Arbeiterbewegung.

Berlin, 14. Febr. Tie Aussperrung in ber Berliner G e l Metallindustrie ist nach fünfmonatlicher Kampfesdauer ihrer Entscheidung einen Schritt nähergerückt, indem Verhandlungen zur Beilegung des Streiks angebahnt worden, sind .

Budapest, 13. Febr. Heute fanden hier 30 sozialistische Arbesterverscrmmlimgen statt, die den G en e r al st r e i k zu pro-, klamiercn beschlossen, falls die Qpposstion nicht das allgemeine/ 2 l i mm recht rhui'ibrcn weide.

Greßener landwirtschaftlicher D-etterdrenst.

Boraussichiliche Wittcrnng in Hessen sui Mittwoch den 15. Februar 1905: Trüb, ganz erheblich un der und allenthalben Tauwetter, Regen, starkwindig, besonders aut den Hohen.

NäbereS durch bie (Gießener 7veltei hme.

Nun sinkt der liebe Abend nieder,

©ich soll reden und bin stockheiser'. Schnell, Liese -- holen

Sie mir eine Schachtel Fcn)'s erbte eobener Mmeralpastillen für 85 Pfg. irgendwo. Inzwischen setz' Milch aut und da hinein tun wir bann ein halb Dutzend Pastillen. Wenn irgend etwas mich heut noch retten kann, bann smo S Die Sobeuei. Die haben mich nie im Stich gelassen, ivcmi icl) erkältet war, unb sie sotten auch heute an mir ihr Wunder tun.

Kport.

Stockholm, 13. Februar. Die nordischen Spiels sanden heute ihren Abschluß durch einen Ausflug nach dem ge­schichtlich berühmten Schlosse Maelsakner bet Moelaren, an dem etwa 200 Persoiien teilnahmen. 91 u f b c m @ t f e bei dem Schlosse wurde ein Rennen mit Automobil und Eis sacht en abqehalteii. Dannach fand int Schlosse ein Shener statt. Unter, ben Rednern betanben sich Dr. Gruth, bei Repräsentant für Oesterreich-Ungarn, Tr. Gebhardt-Berlin, Kapitan Hansen Dänemark und Kommanbant Coste Frankreich.

Dlinde! und Uerkehr. Uolliswittschaft.

Die Reichsbauk hat, wie uns mitgeteilt wird, ihren. Diskont auf 3i/» Proz. und Lombard auf 41/» Proz. er­mäßigt.

Märkte.

Gießen, 14. Febr. Marktbericht. Ans heutigem Wochenmaikt^ kosteten: Biltter vr. W 0.900.95 SOU., Hühnereier 1 St. 8-9 Mg., 2 Stck. 15OO Vsg.. 6;änseeier 00-00 93fg., Enteneier 70 Pfg., Käse uv. Stck. 68 Pf., Kasematte 2Stck. 56 Pfg. Erbsen pr.Liter 21Psg., Linsen vr. Liter32 Psg., Tanbenpr.Paar0,80-0,90Mk., Hühner pi.St. 1,001,60 Mk., Höhne pr. Stück 0,801,80 Mk., Enten pr. Stück I.8O2,20Mk., Gause rr. Psd. 5565Vfg., Ochsenllcisch nr. Psund 7080 Psg., Kuh- und Rindfleisch pr. Psilnd 6268 Psg., Schweine­fleisch pr. Pfund 6072 Psg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Psund 76 Pfg., Kalbfleisch vr. Psd. 7074 Psg., Hammelfleisch pr. Pßinb 5074 W Kartoffeln pr. 100 Kg. 6,006,50 Tlf., Zwiebeln pr. Ztr 8,0010,00 9)1 f., Milch per Liter 18 Pfg., Aevsel per Zentner 0 bis 0 Mk., in Körben 0000 Psg. Nüsse 100 St. 00-00 Ptg. Zwelschen per Zentner 0.000.00 Mk. Birnen per Zentner 6 bis 0.00 Mk. Weißkraut 0.10-0.15. Marktzeit 82 Uhr.