WormS, 13. Mai, Wegen der Anlage einer elektrischen Straßenbahn unterbreitete die G-r.Bürgermeisterei der Stadtverordnetenversammlung eine Vorlage, worin folgendes ausgeführt wird: In der Frage der Errichtung einer elektrischen Straßenbalm beschloß die Stadtverordnetenversammlung am 28. März d. I. u. a, auch die Linie nach dem Rhein zu bauen; da aber noch eine weitere Klärung darüber für nötig erachtet wurde, wie diese Linie zu führen sei, wurde die Beschlußfassung über die Festlegung der Linie nach dem Rhein zunächst ausgesetzt und die Großh. Bürgermeisterei ersucht, wegen Führung dieser Linie weitere Untersuchungen und Berechnungen anzustellen und der Stadtverordnetenversammlung dieser- halb baldmöglichst weitere Vorlage zu machen. Es kommen für die Führung der Linie nach dem Rhein folgende Wege in Betracht: 1. Vom Markt durch die Petersstraße und Römerstraße nach der Rbcinflraße, oder vom Markt durch die Peters-, Römer-, Paulus- und Ludwigsstraße nach der Rheinstraße. 2. Vom Markt durch die Hagen- und Ludwigsstraße nach der Rheinstraße. Als Endpunkt dieser Linien wird in beiden Fällen vorläufig der Barbarossaplatz angenommen. Die Bürgermeisterei beantragt hiernach, wenn auch die Rheinlinie nach der neueren Berechnung eine hohe Zubuße erfordern wird: die Stadtverordnetenversammlung wolle sich mit der Führung der Rheinlinie vom Markt durch die Hagenstraße, Ludwigsstraße, Rheinstraße nach dem Barbarossaplatz einverstanden erklären. (W. Ztg.)
fc. Limburg, 14. Mai. Von Berlin znrückgekehrt sind die von dem tollwütigen Hunde in der hiesigen Gegend gebissenen sieben Personen, nachdem sie geimpft worden waren.
* Kleine Mittel unaeu aus Hessen und den N a chb a r st a a t e n. Wie die „Bntzb. Ztg/ hört, soll in Rieder- Weisel ein Mädchen unter G e n i ck st cr r r e ähnlichen Erscheinungen erkrankt sein. Vom Kreisgesundheitsamt seien die um» fassendsten Anordnungen getroffen worden. — In Gelnhausen wurde das 5 jährige Töchterchen des Kupferschmieds Heitmann von einem Bierwagen überfahren und sofort getötet.
Kunst und Wissenschaft
Kopenhagen, 13. Mai. Das Gerücht, wonach der Gesundheitszustand Ibsens beunruhigend sei, wird einer Nachricht aus Christiania zufolge dahin richtig gestellt, daß der Dichter sich augenblicklich bester als seit langem befindet. Die meiste Zeit verbringt Ibsen beim Fenster. Er läßt sich Zeitungen orki und Tolstoi. Maxim Gorki hat sich, wie die berichtet, in einem Briese an einen Petersburger Freund
vermischtes.
• Köln, 13. Mai. Seit einiger Zeit befinden sich falsche Hundertmarkscheine in großer Menge in Westdeutschland im Umlauf, die hauptsächlich in übel berüchtigten Häusern abgesetzt werden. Auch aus Hamburg kommt die Meldung, daß dort auf dieselbe Weise falsche Stücke in Verkehr gebracht werden. Desgleichen ist Rheinland mit falschen Fünsmarkstücken überschwemmt. Aus Düsseldorf traf ein Kommissar mit mehreren Kriminalbeamten hier ein, da man glaubt, von hier aus die Spur aufzudecken, die zu der weitverzweigten in den verschiedensten Städten gleichzeitig operierenden Falschmünzerbande führen dürfte.
• Breslau, 12. Mai. Auf dem vorgeschichtlichen Gräberfelde in der Nähe von Gräbschen bei Breslau wurden bisher bei den weiteren Ausgrabungen gegen 400 Gräber und 15 0 Wohngruben entdeckt. Tie ältesten Gräber befanden sich an der Nordgrenze des Terrains. Es waren Skelettbestattungen aus der früheren Bronzezeit. Wohl ein halbes Jahrtausend jünger sind die Urnengräber, die gefunden wurden. Es gelang, unweit des südlichen Gräberfeldes auch die Lage eines bronzezeitlichen Dorfes und etwa ein Dutzend Hüttenplätze festzustellen. An einer Stelle wurde ein ganzes Arsenal von Spinn- und Webegeräten aufgefunden.
* Budapest, 13. Mai. Im Almasy-Schachte des Resstaer Bergwerkes wurden heute nacht bei Sprengungsarbeiten infolge einer Explosion 22 Bergleute getötet; ein Bergmann wurde schwer verwundet.
• Madrid, 13. Mai. Marokkanische Piraten griffen in der Nähe von Malaga das spanische Küstenfahrzeug „Joven Teresa" an. Die Besatzung flüchtete in einem Boot und wurde von dem Postdampfer „Ciudad de Mahon" geborgen. Die Piraten nahmen die „Joven Teresa" weg.
* Der verstümmelte Schiller. Die Stadt Elber- feld schenkte den besten Schülern der oberen Volksschul- klasien Schillers Gedichte und Dramen in der Ausgabe des schwäbischen Schillervereins. Katholische Rektoren schnitten die „Räuber" heraus und gaben den Kindern ein so verstümmeltes Buch. Die Schulbehörde hat deswegen eine Untersuchung eingeleitet.
* Eine internationale photographische Ausstellung wurde am 14. d. M. in Gegenwart des Herzogs von Genua in Genua eröffnet.
* Ein Unglück beim Simplondurch stich. Als am 13. d. M. so wird aus Bern berichtet, die Nachmittagsschicht in der Tunnelmitte des Simplondurchstichs eben von der Nachtschicht abgelöst wurde, fiel plötzlich aus dem noch nicht ausgemauerten Gewölbe ein mächtiges Fels stück mitten in die Gruppe von Arbeitern hinunter. Drei Mann wurden fürchterlich zeraueticht. Zwei waren auf der Stelle tot, der dritte starb wenige Augenblicke nachher. Mle drei waren Italiener.
* Eine Ausstellung von Schoßhunden ist im Crystal Palace in London eröffnet worden und wird von vielen eleganten Damen mit großer Bewunderung und unzähligen Ausrufen des Entzückens besucht. 1216 Hunde, ein jeder die Zierde seiner Gattung und unter ihnen die herrlichsten Exemplare überhaupt, befanden sich in ihren Abteilungen auf seidenen Kissen, deren Färbung mit dem Ton ihres Felles zusammenstimmte, hinter feinen Spitzenvorhängen, die größte Anzahl Schoßhunde, die je vereinigt worden ist. Ihre Kosenam-n waren auf seidenen Schleifen gestickt, die über dem Platz eines jeden flatterten. Sie wurden mit Leckerbissen und Süßigkeiten gefüttert und — geküßt und gehätschelt wie kleine Kinder. Bei manchen waren auch ihre kostbaren Toilettegegenstände, silberne Bürsten, Kämme usw. mit ausgestellt. Einige hatten ihre Ställchen mit Seide ausgeschlagen, andere mit Blumen geschmückt. Ein Bologneser trug eine Reihe von Medaillen an einem seidenen Bande um den Hals. Bei einigen waren die Vorhänge herabgelassen — sie schliefen, während ihre Herrinnen sorglich Schildwach hielten. Andere wieder standen Modell zu Gemälden. Zwei Hunde wurden gerade von indischen Wärterinnen herumgetragen, und eine große Menge von Pflegerinnen war für die anderen Hunde da. Der Wert mancher dieser Hunde beläuft sich auf 20000 Mk.
darüber beklagt, daß er an dem Orte, der ibm von den Aerzteu als Exil verordnet worden sei, von tiefer Melancbolie ergriffen werde. Er könne sich in der Krim nicht wohl fühlen und sehne sich wieder nach dem Norden. Gorki hat sich in der Nähe von Vetersbnrg ein Landhaus gekauft. Die ungünstigen Berichte, die jüngst über seine Vermögensverhältnisie verbreitet wurden, scheinen sich also nicht zu bestätigen. Dem Dichter ist der Austuthalt in ganz Rußland gestattet, nur in Petersburg nicht. Sein Gesundheitszustand hat sich in den letzten Tagen sehr gebessert. Auch von Tolstoi hört man wieder etwas Neues. Er ist, nach einer Mitteilung der „Nowosti", gegenwärtig mit der Abfassung einer großen Abhandlung beschäftigt, die als Antwort auf die an ihn ergangenen zahlreichen Anfragen über sein Verhalten gegenüber den revolutionären Ereignissen in Rußland zu gelten hat. Tolstoi verharrt noch immer auf seinem alten Standpunkt kritischen Verhaltens zu den inneren Ereignissen seiner Heimat und vertritt im übrigen seine befnnnten Ideen über die Selbstvervollkommnung der Menschheit.
Ainvi'rfltäiS-Rachrichti'N.
Marburg, 14. Mai. Im gegenwärtigen Sommerseniester wird unsere Hochschule ungewöhnlich stark aus In- und Ausland besucht; die Zahl der immatrikulierten Studierenden beziffert sich bereits über 1300.
j^rßeifftßrweßun^.
Wetzlar, 14. Mai. Die L o h n b e w e g u n g der hier beschäftigten Maurer scheint, so teilt der „W. Anz." mit, in ein ernsteres Stadium zu treten. Heute abend findet, wie wir hören, eine Versammlung der Gesellen statt, in der über die letzten entscheidenden Schritte beraten werden soll.
R. B. Darmstadt, 14. Mai. Der Streik der hiesigen Weißbinder, Maler, Lackirer usw. irrt ganzen ca. 600 an der Zahl, der schon feit Anfang April andauert, wird aller Voraussicht nach in wenigen Tagen zu Ende gehn, ohne daß die Streikenden daraus irgend welche Vorteile erlangen. In den kleineren Geschäften ist die Arbeit überhaupt nicht eingestellt worden, und die größeren Firmen ließen alle dringenderen Arbeiten einfach drrrch auswärtige Geschäfte erledigen; eine bekannte Mainzer Firma z. B. hat eine sehr beträchtliche Arbeiterzahl für solche Firmen hier in ständiger Tätigkeit, deren Gehilfen sich im Ausstand befinden. Die umfangreichen Weißbinder- und Malerarbeiten beim Umbau des hiesigen Hoftheaters waren bekanntlich infolge eines Vertrages mit der Bauleitung für ca. 40 000 Mk. an eine Wiener Firma vergeben worden. Da nun die Firma infolge des Streiks außer stände war, hiesige Gehilfen zu bekommen, so hat sie sich für Anfang der neuen Woche eine große Anzahl Weißbinder und Putzer aus Wien bestellt, um die übernommenen Arbeiten in der vertragsmäßig stipulicrten Zeit fertig stellen zu können. Um nun endlich doch noch zu einer Verständigung mit den Meistern zu gelangen, hat die Lohnkommission soeben eine erhebliche Herabsetzung ihrer Forderungen eintreten lassen, indem sie anstatt 46 Pf pro Stunde für Gehilfen über 20 Jahre bis 1. März 1906 mir 43 Pf., ab 1. März 1906 45 Pf. und ab 1. März 1907 46 Pf. Lohn und für Gekilftn unter 20 Jahren 33, 35 und 36 Pf. (anstatt eines Mindestlohns von 36 Pf.) in Vorschlag bringt. Die Meistervereinigung wollte dagegen nur 40, 41 und 42 für über, resv. 28, 29 und 30 Ps. für unter 20 Jahre alte Gehilfen bewilligen. Da nach der ganzen Sachlage die dringendsten Arbeiten ungehindert erledigt werden und die meisten Arbeiten in den Sommermonaten nicht sehr drängen, so dürste auch die reduzierte Forderung der Lohn- kommiflion bei der Me'üprlchaft fr'n» Zunahme finden.
^andwirtsLaft.
() Fronhaufen, 13. Mai. In einer heute nachmittag im „Gasthaus zur Linde" hier abgehaltenen stark befuchten Versammlung des landwirtschaftlichen Kreisvereins Marburg verbreitet sich der Generalsekretär der Landwirtschafts- kammer, Oekonomi<wat G e r l a n d in eingehendem Vortrag über den Zweck und Nutzen der von der genannten Anstalt geplanten Rückversicherung für ine kleinen ländlichen Viehversicherungskassen. Er wies daraus hin, daß die großen Viehversicher- ungen wegen ihres teuren Verwaltungsavparates nicht bestehen könnten und die kleinen seien ber einem Eintreten von Verlusten auch gefährdet. Wenn es nun gelänge, durch unverzinsliche Darlehen der landwirtschaftlichen Kreisvereine, sowie durch Beihilfe der Regierung und der Kammer die Garantiefonds zu beschaffen, käme eine allen Ansprüchen genügende Ruckversicherungsiasse zu stände, die sämtliche Ortsviehkassen im Bezirke schützen könne. Dem Plan stand man sympathisch gegenüber. Ebenso befürwortet man auch die Errichtung einer Hufbeschlagschule in Kirchhain. — Ferner wurde mitgeteilt, daß am 15. Juni in Marburg eine Ausstellung und Prämierung von Simmentaler und Vo- gelsberger Vieh stattfindet.
Sport.
Hamburg, 14. Mai. Bei schönem Wetter fand heute die offene Segelwettfahrt des Norddeutschen Regattavereins aus der Alster statt. Es beteiligten sich '27 Boote. In der Sonder- llasse steuerte Prinz Heinrich das Boot „Tilly 7" der Herren Dollmann und Krogmann und siegte über „Sonderling" imb „Tilly 6". Nach der Regatta nahm Prinz Heinrich an einem Frühstück im Uhlenhorster Fährhaus teil.
Toulon, 14. Mai. Bei dem Motorbootrennen Algier-Toulon ist das Boot „Mercedes C. P." 50 Meilen vor Toulon gesunken. Die Mannschaft wurde gerettet. Das Boot „H eracles" ist steuerlos vertrieben feine Mannschaft wurde ebenfalls gerettet. Das Doot „Fiat 10" mußte 40 Meilen vor Toulon die Wettfahrt anfgeben und sich schleppen lassen. — Der Kreuzer „D e sa i x", der die aus der Wettfahrt Algier-Toulon befindlichen Motorboote begleitet hat, teilt durch Funkcnspruch mit, daß! alle Motorboote außer „Quand mZme", von dem man keine Nachricht hat, wegen schwerer See von ihren Mannschaften Der* lassen wurden. Die Mannschaften wurden gerettet.
Hcrichtslaal.
Leipzig, 13. Mai. Der Staatsanwalt beschlagnahmte die Broschüre des Pastors Ebeling wegen Beleidigung des Universitätsrektors Geh. Kirchenrats Rietsch.el, den er önfjer* dem vor einiger Zeit des Falsckieides bezichtigt hatte.
Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.
Berliner Börse vom 13. Mai 1905.
(Mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie, Gießen.) Privat-Diskont 21/* Prozent.
Anfangs- tu Schlußkurfe.
Oest. Kredit.... 209.25 209.12
Deutsche Bank . . . 237.25 237.00
Darmstädter Bank . . 141.40 141.20
Bochumer Guß . . . 243.00 243.30
Harpen er Bergbau . . 213.20 213.00
Tendenz: schwach.
E r z - K n x e.
Fernie. Angebot 3525, Nachfrage 3475. Ausbeuten und Zubußen, 1903: 225; 1904: 300.
Elettrizitätsindustrie. Von allen Jndustrieaktien, die der gegenwärtig bestehenden rückläufigen Strömung an der Börse ausgesetzt sind, sind die Aktien der Elektrizitätsmdustrie bis jetzt am wenigsten berührt worden. So war z. B. bei den Aktien der Allg. Elektrizitätsgesellschaft der höchste Kurs in diesem Jahr 240; zurückgegangen sind sie bis jetzt 4 Proz., während sie in der Zeit vom April 1904 bis dahin 1905 um ca. 40 Proz. gestiegen waren. Die Licht und Kraftgesellschaft-Mien standen im vergangenen Jahr niedrigst 103, sie gingen bis 129 in die Höhe. T^er Kurs der Aktien der Gesellschaft für elektrische Unternehmungen ist von 107 bis 146 gestiegen, der der Schuckert- Gesellschaft von 94 bis 139; zuletzt stand er ca. 134. Die Aktien der Deutschen GaSglühlicht-Gesettschaft haben in diesem Jahr die Höhe von 344 erreicht: der niedrigste Kurs i. V. war 202. Man braucht nur diese Zahlen zu betrachten, so wird man zur Ueberzeugung kommen, daß von einem scharfen Rückgang am
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dem Elektrizitätsgebiet noch nicht die Rede ist. An der letzten Börse der vergangenen Woche wurde wieder ausdrücklich Stimm^ una zu Gunsten der Aktien gemacht, indem behauptet wurde, daß es mit dem elektrischem Volllmhnsystem schneller ging, als man in maßgebenden Kreisen zugeben wolle.
Kleine Finanzchronik. Die Odenwälder Hart- stein-Jndustrie Akt.-Ges. in Darmstadt wird auf Beschluß der Generalversammlung hin ihren Sitz nach Darmstadt verlegen; auch werden die 138 Stück Aktien der Familie Breit- wieser zur Deckung des Fehlbetrags pro 1904 angenommen. — Die Frankfurter Asbest werke vorm. Louis Wertheim haben einen Reingewinn vnn 94 469 Mk. (46 6?4 Mk.) erzielt und zahlen 6 Proz. gegen 3 Proz. Dividende i. V. Im neuen Jahr war die Gesellschaft bis jetzt gut mit Aufträgen versehen.
Märkte.
? Schotten, 14. Mai. Arn 3. Pfingsifeiertag findet unser weit und breit bekannter PrämierunqSmarkt statt. E? sind für Prämien ca. 300 Mk. vorgesehen. Geh. Regierungsrat Schönfeld hat zwei Ehrenpreise von je 25 Mark für den besten Gemeinde- und einen Privatbullen der Vogelsberger Rasse gestiftet. Anschließend an den Markt findet eine Prämierung von Ziegen durch den Kreisziegenzuchtverein statt. Nachmittags ist Tanzvergnügen.
*
Die Gefahren der sogenannten Mittelst andsbe weg unq kennzeichnet Professor Dr. Magnus B i er m er, Professor der Staatswissenschajten an der Landes- Universität Gießen. In einer soeben im Verlage von Emil Roth in Gießen erschienenen sehr gründlichen volkswirtschaftlichen Untersuchung über „Die Mittelstandsbewegung und das Warenhausproblem" (2,40 Mark) führt er aus, daß er in der kaufmännischen Mittelstandsbewegung mit ihren neuzeitlichen Auswüchsen eine ernste Gefahr für unser bürgerliches Zusammenleben sehe, die nicht viel geringer sei als die agrarische Aufstandsbewegung des letzten Jahrzehnts. Man müsse doch auch gelegentlich, was heutzutage viele als verpönt ansehen, den Standpunkt der Konsumenten vertreten. So sei es ein ganz verhängnisvolles Vorgehen, den Konsumvereinen das Leben sauer zu machen. Diese wohltätigen Organe der genoffen- schastlichen Selbsthilfe durch Sonderbesteuerung zu strangulieren, bedrohe nicht nur die Gewerbefreiheit und den Segen des Glaubens an die Möglichkeit einer Selbsthilfe für die besitzlosen Klassen, sondern bringe auch den Staat noch mehr als bisher in den Verdacht der Klassenbefangenheit. Weiter schreibt Prof. Dr. Biermer:
Unsere Arbeiterschaft ist außerordentlich empfindlich und feinfühlig in ihrem Rechtsbewußtfein. Wird dieses hohe Ziel durch eme Gelegenheits- und Ausnahmegesetzgebnng verletzt, so treibt man Tausende und wirklich wertvolle Elemente in das Lager der Sozialdemokratie. Wir haben das in der eigentlichen Domäne der kaulmannischen Mittelstandspolitik, im Königreich Sachsen, erlebt. Man gebe sich darüber keiner Täuschung hin, daß, wenn man das Arbeitergenossenschaftswesen zu ersticken sucht, man gerade diejenigen Teile der Arbeiterschaft, die einen modernen Mittelstand darstellen, in nicht wieder gut zu machender Weise vor den Kopf stößt.___
Spielpla« drr vereinigten Frankfurter Stadttheater. Opernhaus.
Montag den 15. Mai, abends halb 7 Uhr: Wagner-ZykluS, 3. Abend. „Lobeugrin." Dienstag den 16. Mai*): „Götz von Berliclungen." Mittwoch den 17. Mai: Wagner-Zyklus, 4. Abend. „Tannhäuser." Donnerstag den 18. Mai, abends halb 8 Uhr: „Alessandro Stradella." Freitag den 19. Mai, abends 6 Uhr: Wagner-Zyklus, 5. Abend. „Die Meistersinger von Nürnberg." Samstag den 20. Mai. „Rigoletto." Sonntag den 21. Mai: „Margarethe." Montag den 22. Mai, abends halb 7 Uhr: „Tristan und Isolde."
GchauspielhanS.
Montag den 15. Mai*): „Don Carlos." Dienstag den 16. Mai: „Kabale und Liebe." Mittwoch den 17. Mai: „Die Jungfrau von Orlsans." Donnerstag den 18. Mai, abends halb 8 Uhr: „Demetrius." Hierauf: „DasLied von der Glocke." Zum Schluß: „Epilog zur Glocke" von Goethe. Lebendes Bild. Freitag den 19. Mai: „Demetrius." Hierauf: „Das Lied von der Glocke." Zum Schluß: „Epilog zur Glocke" von Goethe. „Lebendes Bild." Samstag den 20. Mai: „Wallensteins Lager." „Die Piccolomini." Sonntag den 21. Mai: „Wallensteins Tod." Montag den 22. Mai: „Demetrius". Hierauf: „Das Lied von der 6llocke." Zum Schluß: „Epilog zur Glocke" von Goethe. „Lebendes Bild."
*) ?luiang, wenn nicht ander? bemerkt, abends um 7 Uhr.
Familien-Nachrillsten.
Gestorben. Herr Kreisgeometer Eduard Neuschäffer, Grebenhain.____
Telephonischer Kursbericht
Frankfurt a. M.
13. Mai. Offizielle Schlusskurse.
4% Oesterr. Goldrente
4l/»% Oesterr. Silberronte ♦ 101.15
Tendenz: ruhig.
4% 40/. 4% 30/ X%
Ungar. Goldrente Italien. Konto . Portugieser I » Portugiesen. III Unif. Türken
Türkenlose . . . » . 4% Grieoh. Monopol.-Anl. 41/,°/0 äussere Argentiner
99.95
106.50
67.00
66.90
88.30
134.20
52.10
$u/o Mexikaner 4V»r/i Chinesen . . Electric. 80hackert . Nordd. Lloyd . .
Kreditaktien . . . Diskonto-Kommandit. Darmstädter Bank . Dresdener Bank . . Beniner Handelsgeg. Oesterr. Staatsbahn . Lombarden . * • Gotthardbahn « . „ Laurahtitte . . . Bochum . . . . Ilarpener . . . , Staatschatzscheine .
. 101.40 . 90.30 . 101.25 . 90.40
. 100.05
. 99.- . 101.75
8‘V/o 3"/o
3V,%
W/o 3l/t%
. 3465 . 96.00 . 136 75 . 124.30 . 209 30 . 386 50 . 141.70 . 154 60 . 167 10 . 143 50
. 16.30
Reichsanleihe do.
Konsols . do. . .
Hessen Oberhessen
. 268.50 . 243.00 . 213 80 . 100.40
Für die Gesamt-Rediktion verantwortlich: i. V. August Goetz.
Sommersprossen “seife5
Ich beeile mich, zu benachrichtigen, dass ich mit Ihrer vorzüglichen Ober- meyers Herba-Seife sehr zufrieden bin. Dieselbe kann ich jedermann für Sommersprossen, Hautausschläge ctc. auf das Wärmste empfehlen.
Hochachtungsvoll Anna Steinbauer in Röding.
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