Ausgabe 
13.2.1905 Erstes Blatt
 
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Lande mich für die treue freie Handelsstadt cm der Weser und das deutsche Reich. Wilhelm I. R.

Der Senat beantragt die Aufnahme einer 31/9 * prozentigen Anleihe von 30 Millionen Mk. zur Ausführung von Hafen- und Wasserbauten, sowie zum Ball von Er- leuchtungß- und Wasserwerken.

Liebenberg (Mark), 12. Febr. Der Kaiser ist heute abend hier einqetrosfen.

Kirche und Schnse.

Die in Preußen seit 1901 durchgeführte Gleich­stellung der höheren Schulen greift immer weiter um sich. Württemberg folgte sehr bald und nun hat auch Elsaß-Lothringen die Gleichstellung durchgeführt. Zu einer eigentümlichen Inkonsequenz hat sich Baden verleiten lasten. Trotz des wiederholt ausgesprochenen Wunsches der Kammer hat die badische Regierung die Gleichstelllmg ab­gelehnt. Im kommenden Semester errichtet sie jedoch an der Universität Heidelberg lateinische Kurse für Real­abiturienten. Da aber Baden den Zöglingen der eigenen Realanstalten den Zugang zur Jurisprudenz u. s. w. versagt, kommt diese Einrichtung nur fremden Studenten zu gute. Die badische Negierung muß also wohl der Meinung sein, die Realanstalten in Preußen, Württemberg u. s. w. bildeten bester zu wissenschaftlichem Studium vor. denn man kann doch nicht annehmen, daß sie z. B. der juristischen Fakultät zumutet, mit, ihrer Ansicht nach, minderwertigem Material zu arbeiten.

^arlamenlarischcs aus Keffeu.

Die Großh. Regierung hat auf die Anfrage des Mg. Reh betreffend die U n f a l l f ü r s o r g e für Beamte in der Sitzung des Landtags am 7. d. M. ausführlich geantwortet. Diese Ant­wort liegt jetzt im Drucke vor. Es wird darin daraus hingewiesen, daß nach dem bestehenden Gesetze einem Beamten, der ohne sein Verschulden in.Ausübung oder aus Veranlassung der Ausübung seines Amtes einen Unfall erleidet, der ihn dienstunfähig macht, dem Ruhegehalt 20 Prozent des pensionsfähigen Dieustcinkommens bis zu dessen voNem Betrage zugesetzt werden können. Das sei eine sehr weitgehende Bestimmung, die man z. B. in dem als vorbildlich hingestellten württembergischen Gesetz nickt finde. Eine Lücke in der Gesetzgebung werde nach dem Vorschläge der Großh. Regierung bnrtfi die Bestimmung in Art. 16 Nr. 9 des Gesetz­entwurfs die Dienstverhältnisse der Staatsbeamten betreffend, der der zwecken Kammer bereits vor längerer Zeit zur Beschlußfassung gegangen ist, beseitigt werden. Im Einblick darauf glaubt sich die Großh. Regierung einer weiteren Äußerung dermalen ent­halten zu können. Die Regierung wird der in der zweiten Kammer gegebenen Anregung, die Nnfallfürsorge auf Komm u n al­be amte, welche int staatlichen Interesse tätig sind, auszudehnen, erst dann nähertreten können, wann über die Grundsätze, welche bei der für die staatlichen Beamten auf diesem Gebiet zu treffen­den Neuregelung zu befolgen sind, eine Verständigung erzielt sein wird.

27 Abgeordnete stellen den Antrag, die Kammer wolle be­schließen, die Großh. Regierung zu ersuchen, 1. die Berechtig­ungen der Abiturienten von Realgvmnasien und Oberreal chu,len dahin zu erweitern, daß denselben der Zu­gang zum Studium der Rechtswissen schaft und des höheren Lehrfachs ohne Einschränkung gestattet, den Abiturienten der Oberrealschulen außerdem der Zugang zum Fo r st. fa ch frei gegeben werde; 2. die Nachprüfungen, welche die Abi­turienten der Realgvmnasien und der Oberrealschulen an den Gymnasien und den Realgymnasien abzulegen haben, wenn sie Theologie oder Medizin studieren wollen, so zu gestalten,, daß das von den Bewerbern bereits erworbene Reifezeugnis bei der Beurteilung berücksichtigt wird.

Aer Krieg.

Petersburg, 12. Febr. Der Petersburger Tele- graphen-Ageutur wird aus Sachetun unterm 11. Febr. be­richtet: Erkundigungen durch freiwillige Jäger ergaben die Feststellung, daß die Japaner an vielen Stellen ihre alten Verschanzungen geräumt haben. Vermutlich ziehen sich die Japaner nach der Gegend südlich des Schaho zurück. Die Gefechtstätigkeit beschränkt sich jetzt auf die Beschießung der Befestigungen.

Aus Stndt und Kw'd.

Gießen, den 13. Februar 1905.

** Bahnprojekt GießenBeuern. Bezüglich des Bahnprojektes GießenWieseckAltenbuseckGroßenbuseck Beuern fand, wie uns geschrieben wird, am Samstag in Altenbuseck eine vom Ortsvorstand einberusene öffentliche Bürgerversammlung statt. Neber 200 Bürger der Gemeinde hatten dieser Einladung Folge geleistet, so daß der W. Ra- benausche Saal bis zum letzten Platz besetzt war. Bürger­meister Körber eröffnete die Versammlung und bemerkte, daß zur Darlegung des Zwecks der Erbauung einer Bahn Beigeordneter Rau das Referat übernommen habe. Dieser teilte der Versammlung die bereits gepflogenen Verhandlungen mit den Gemeinden Beuern und Wieseck mit und bemerkte dabei, daß die Gemeinde Beuern seiner Einladung vom 17. Januar am 22. Januar Folge geleistet habe, während die Gemeinde Wieseck zu dieser Versammlung nicht erschienen fei., Weiter betonte Rau, daß vom Staate heute keine Bahn mehr erbaut würde, sondern daß, eingegangenen Erkun­digungen zufolge, der Staat zu den Erbauungskosten einen Zuschuß - von 20 000 Mk. pro Kilometer zuschieße. Wir müßten für die anderen Bahnen mithelsen zu bezahlen, und er sei der Meinung, daß es danach berechtigt sei, daß so große Orte wie Wieseck, Altenbuseck und Beuern auch in das Eisenbahnnetz eingezogen würden. Landtagsabgeordneter Bürgermeister Leun in Großen-Linden wie auch Oberbürger­meister Mee um -Gießen ständen dem Projekte sympathisch gegenüber. Nach längeren Diskussionen wurde einstimmig be­schlossen, für den baldigen Ausbau einer normalspurigen Bahn einzutreten und. zu diesem Zwecke eine Kommission ge­bildet, welche die Aufgabe hat, die weiteren Verhandlungen mit der Stadt Gießen, Wieseck und Beuern inzwischen ein- ^uleiten,

" Das Großh. Regierungsblatt, Beilage Nr. 1 von 1905, hat folgenden Inhalt: Oeffentliche Anerkennung für den Kreisstraßemvart Heinrich Geiß zu Reiskirchen und dem Hafenarbeiter Paul Becker zu Mainz, die beide eine Geldprämie für die Rettung von Kindern vom Tode des Ertrinkens eine Geldprämie erhielten. Ferner enthält das Blatt folgende Bekanntmachung, die Erhebung der all- gemeinenKirchensteuern betreffend. Nach den von dem Ministerium des Innern genehmigten Beschlüssen der zu­ständigen kirchlichen Behörden und Organe sollen auf Grund de? Artikel 1 Nr. 4 des Gesetzes vom 30. März 1901, be­treffend die Abänderung des Gesetzes vom 23. ''April 1875 über das Besleuerungscecht der Kirchen- und övcligion^gcineuf

schäften, im Rechnungsjahr 1905 zur Bestreitung der Be­dürfnisse a. der Gesamtheit der evangelischen Kirche des Großherzogtums elf Prozent, b. der Gesamtheit der katholischen Kirche des Großherzogtums sechs Prozent Zuschlag 31t den direkten Staatssteuern ausgeschlagen und erhoben werden.

** Aus dem Bureau des S t a d t t h e a t e r s. Morgen, Dienstag, den 14. Februar, geht die vorletzte Volks- vorstctlung in Szene. Sie bringt Gutzkows historisches Lust­spielZopf und Schwert". Die beiden Hauptszenen des Königs Friedrich Wilhelm I. und des Erbprinzen von Bay­reuth besitzen bekanntlich hier in den Herren Linz en und Lüttjohann vorzügliche Vertreter, und die Vorstellung durfte, nach allen Anfragen zu schließen, besondere An­ziehungskraft ausüben.

** Das Wohltätigkeits-Konzert des Kro- n en b auersch en Quartettvereins hat einen Rein­ertrag von 905.3 2 Mk. erzielt, der" dem Stadtvorstaud bereits übergeben worden ist. Für dieses Jahr ist damit dem schönen Zweck vollauif gedient. Für das nächste dürfte der Verein sich wieder in den Dienst der Wohltätigkeit stellen.

** Hessische Vereinigung kür Volkskunde. Ter 4. Mitgliederabeud ist lncgen der heute (Montag) statt­findenden Tlieatervorstellung ^um Besten des Theaterncu- baues auf Di cs tag abend 81/4 Uhr verlegt worden und lvird im Eafv Ebel abgehalten werden. Pfarrer Schulte- Beuern, der durch seine früheren Vorträge in bester Erinner­ung steht, wird über Spottnamen und Spottverse sprechen, mit denen sich im nördlichen Oberhessen die einzelnen' Ortschaften gegenseitig necken.

** Oeffentliche Lesehalle. Im Januar wurden 2552 Bände ausgelichcn. Davon kommen auf: Erzählende Litteratur 1173, Zeitschriften 601, Jugendschristcn 403, Länder- und Völkerkunde 47, Kulturgeschichte 21, Geschichte und Biographien 66, Kunstgeschichte 6, Naturwissenschas und Technologie 101, Seewesen 15, Religion und Philo­sophie 24, Staatswissenschaft 11, Sprachwissenschaft 2, Fremd­sprachliches 5 Bände. Nach auswärts kamen 159 Bände.

** Naubansall. Am verflossenen Samstag abend gegen 9 Uhr wurde in der Ludwigssrraße von einem Unbe­kannten einem Bäckerujngen die Geldtasche mit etwa 15 Mk. Inhalt entrissen. Auf das Schreien des Jungen eilten Leute herbei, welche den Täter, der durch die Goethestraße nach der Stephanstraße zu lief, verfolgten. Der Täter entkam, warf aber die Tasche mit Inhalt von sich.

** Besitzwechsel. Bauunternehmer Winn kaufte heute die Lampus'sche Besitzung am Celtersweg für 60 000 Mk.

* Bürgervercin Gießen. Bei der Nennung der Namen der Vorstandsmitglieder des Vereins, die in einer Notiz am Samstag erfolgt war, sind Prokurist Ho sch und Bankier Grünewald aus Versehen weggeblieben. Die beiden Herren sind ebenfalls Vorstandsmitglieder.

/'d. Dar m st a d t, 12. Febr. Vom Unglück verfolgt wird die Familie des Privatiers und früheren Landwirtes Karl B r ö g e l m a n n, der gestern von einem scheu ge­wordenen Pferde an gerannt und schwer ver­letzt wurde. Die Hirnschale war eingeschlagen worden, und der bedauernswerte Mann ist heute nacht, ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben, gestorben. B. war früher Oekonom und als solcher Pachter größerer Güter, hatte aber noch wenigen Jahren durch schlechte Ernten, große Viehverluste, Hagelschäden sein ziemlich bedeutendos Vermögen nahezu eingebüßt. Er zog dann nach Darmstadt, hatte aber auch hier in seinem beruflichen Bestreben größe Mühe, da ihm sein starker Gehörfehler stark im Wege war. Vor einigen Jahren wurden ihm kurz hintereinander seine zwei ältesten Kinder, eine Tochter und ein Sohn, im besten Alter plötzlich durch den Tod. entrissen. An seiner Bahre stehen heute seine Frau und eine zweite Tochter.

Aschaffenburg, 11. Febr. Am Donnerstag nach­mittag wurde der Metzger Benno U in h ö f e r wegen dringenden Verdachts, seiner Zeit die Josefine Haas auf dem Vachelberg ermordet zu haben, verhaftet. Der Ver- tastete soll in der Wirtschaft ,3ur Platane* in Frankfurt, in deren Abort die Uhr der Ermordeten vor einigen Tagen gefunden wurde, oft verkehrt haben. In demselben Abort hat man noch ein Messer gefunden. Zur Zeit wird der Abort nach weiteren Schmuckgegenständen der Haas un­ersucht. Umhöfer war schon früher wegen Mordverdachts fünf Wochen in Untersuchungshaft, mußte aber wegen Mangels an Beweisen wieder freigelassen werden.

kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Kassel wurden zwei Arbeits­willige durch Schüsse verletzt. Auf der Grube Neue Lust" bei Herborn wurde der Bergmann Hotig- haus aus Hirzenhain durch niedersallendes Gestein getötet. Der Verunglückte hinterläßt eine Witwe mit 8 unmündigen Kindern. Auf , der GrubeKönigzug" verunglückte der Bergmann Wagner aus Lixfeld ebenfalls durch herab- ällendes Gestein. Der Kriegerverein in Herchen- hain wurde aus verschiedenen Gründen aufgelöst unb ein neuer gegründet.

Parteitag der Freisinnigen Vereinigung.

mcneit Z 0 l l t ar i f S zur Erneuerung der Handelsverträge geführt hat, die jetzt dem Reichstage vorliegen. Diese Handelspolitik v e r- teuert der großen Masse zu guNsten weniger Groß, g^r u n d b e s i tz e r vor allem der 2lrbeiterschaft das Brot. Die Steigerung der Rente des Großgrundbesitzes vermehrt die Zahl der großen landwirtschaftlichen auf Kosten der bäuerlichen Betriebe. In der gewerblichen Produk­tion führt diese Handelspolitik zu Zußänden, die das Gemein­wohl s ch w e r g e f ä l) r d e n. Tie Zölle auf Rohstoffe und Halb­fabrikate begünstigen die Wirksamkeit solcher Kartelle, durch deren Gebühren der weiter verarbeitenden Industrien die Produktionskosten verteuert werden. Gleichzeitig werden andere Industriezweige durch die Retorsions- maßn^ihmen des Auslandes gegeir unsere Agrarzölle gefährdet, ja mit Vernichtung bedroht, dem Mittelstand werden seine Daseinsbedingungen verteuert, in seinen Erwerbsverhältnissen wird er durch eine ungesunde Konzentratiousbewegung geschädigt. Tie Arbeiter werden unter dieser Handelspolitik mit geringen L ö hn eit bezahlt. Tie Industrie tvandert über die Grenze, Kapital und Arbeit wird ans dem Lande getrieben und damit Deutsch­lands Wohlfahrt it 1t t e r g r a ti e n. Unter diesen Umständen ist, die Generalversammlung der Ansicht, daß das zurzeit dem Reichstage vorliegende Handelsvertragswerk zu b er* we rfen ist."

Generalversammlung des Bundes der Handwerker.

S.u.H. Berlin, 12. Febr.

Unter zahlreicher Beteiligung trat heute nachmittag der Bund der Handwerker zu seiner Generalversammlung zusammen. Den Geschäftsbericht erstattete Voigt-Friedenau. Tas letzte Geschäftsjahr hat die Zahl der dem Bunde angehörenden Ortsgruppen auf 400 erhöht.

Nach einem Referat des Reichs- und Landtagsabg. PauU- Potsdam über die heutige wirtschaftliche Lage sprach Obermeister Ra Hardt-Berlin über denBund der Handwerker und die deutsche Mittelstandsvereinigung": Nachdem die Mittelstandsver­einigung gegründet ist, liegt es im Interesse des Handwerks, sich dieser Gesamtorganisation anzuschließen. Auch haben die Er­fahrungen bei den letzten Reichstagsnachwahlen gelehrt, daß unter der Flagge des Bundes der Landwirte allein ein W ahl kre is n ichl zu erobern ist. Dazu gehört mehr, man muß sich auf die breiten Schichten des Mittelstandes, nicht nur auf die ortseingesessenen Handwerker, stützen können. Das kann aber nur durch eine große Mittelstandsorganisation erreicht werden. Die Mittelstaudsvereinigung hat sich bereit erklärt, die Aktiven und Passiven des Bundes zu übernehmen, ebenso wie sie die Orts­gruppen des Bundes auch als Ortsgruppen der Vereinigung an­sehen wird. Redner empfahl daher die Annahme folgender R eso^ lut ion:

In Erwägung, daß der Bund der Handwerker mit der neu begründeten Mittelstandsvereiuigung dieselben Ziele verfolgt, itf fernerer Erwägung, daß ein Nebeneinauderbestepen beider Organi* sationen eine Zersplitterung des deutschen Mittelstandes herbe,* zuführen geeignet ist, beschließt die Generalversammlung des BundeSi der Hcnidwerker die Verschmelzung desselben mit der Mittelstands* Vereinigung. Die Bundesleitung wird beauftragt, die Geschäfte des Bundes der Handwerker sofort an die deutsche Mittelstands- Vereinigung zu. übergeben und die Mitglieder von dem Beschlüsse der Generalversammlung in Kenntnis zu setzen."

In der nun folgenden Abstimmung wurde die vorgelegte Re* solution einstimmig angenommen. Damit ist die Ver- schmelzung des Bundes der Handwerker mit bet deutschen Mittel st and s Vereinigung erfolgt.

Kunst und Wistcnschast.

Von der früh verstorbenen Großher zoginl Karoline von Sachsen-Weimar teilt eine Zeitschrift ein paar charakteristische Züge mit: Tie Fürstin besaß ein in­stinktives Verständnis für das Starke in der Knust und im Leben.^ So erzählt man, daß sie, als sie das im Ausdruck auffallend^ kühne Bildnis einer jungen Dame in Weiß von Trübner sah^ den Ausspruch tat: so möchte auch sie aussehen, so frei. Nm so höher war ihr Gefühl in Kunstdingen einzuschätzen, als sie in diesem Bereich ohne eigentliche Erziehung aufgewachsen war. Sie besaß auch großen Respekt vor Kunstdingen und Künstlern. Als Klinger <m einem Tage des Künstlerhundes eine Rede auf den Großherzog gehalten hatte, sagte sie:Das ist aber eine große Ehre für meinen Mann!"

o£ani)wid(<8aff.

Geflügel - Verwertungs-Genossenschaft.

einem früheren Artikel wurde schon darauf aufmerksam gemacht, daß in den Kreisen der praktischen Landwirte der Provinz Ober­hessen eine Bewegung im Gange sei, welche die Errichtung einer Geflügel-Verwertungs-Genossenschaft erstrebt, und daß ein provi­sorisches Komitee, welches anfangs Januar in Friedberg tagte, die weiteren Schritte zur Durchführung des Planes in die Hand genommen hatte. Anc 4. d. M. fand nun eine Sitzung des fraglichen Komitees, an welcher auch die Vorsitzenden der Geslügel- zuchtvereine teilnahmeu, im Hotel Royal in Gießen statt, in welcher das Statut beraten und die Hauptgrundsätze zur Durch- ührung des Unternehmens aufgestellt wurden. Es wurde außer­dem beschlossen, die Gründunasveiffammlung und erste General­versammlung, in welcher auch die Wahl des Vorstandes unbj Aufsichtsrates vorgenommen werden soll, am 26. Februar, d. Js. im Hotel zu denDrei Schwertern" in Friedberg abzuhatten. Wir machen die Landwirte, welckie sich für die Sache interessieren, hierauf mit dem Bemerken aufmerksam, daß ein von dem fragt- Komitee herausgegebener Prospekt, welcher die wesentlichsten Gc- ichtsvuukte für die Begründung des Unternehmens und dessen Durchführung enthält, und das Statut von sämtlichen landw. Be­zirksvereinen und den Geflügelzuchtvereinen in Oberhessen be* zogen werden kann.

Kandel und WerKeljr. 'Z-olKswirtschaft.

New york, 11. Febr. Die Direktion des Stahltruft^, bat 1 Million Dollars an die Angestellten und,' Arbeiter des Stahltrusts aks 6; e w i n n a n t'e i l verteilen taffen entsprechend der Höhe ihrer Gebälter, resp. Löhne.

S.u.H. Berlin, 12. Febr.

Unter zahlreicher Beteiligung der Delegierten aus allen Teilen des Reiclns trat gestern abend der Parteitag der Freisinnigen Vereinigung unter dem NamenGeneralversammlung des Wahlvereins der Liberalen" zusamnien. Unter den Anwesenden bemerkte man bi: Reichstagsabgg. Schrader, Tr. Pachnicke, v. Gerlach, Goth ein, Mommsen u. a., und enter Pfarrer Naumann und Dr. Barth. Von den Frauen ieht man Minna Cauer und Else Lüders. Eisenbahn­direktor a. D. Schrader eröffnete den Parteitag mit einem Nachruf auf Theodor Mommsen.

Ter dem Parteitag vorgelegte Statutenentwurf hat olgenden Wortlaut:

,Mitglieder des Delegiertentages sollen sein: 1. die Mit­glieder der Reichstagsfraktion, 2. die Mitglieder des Wahlvereins der Liberalen in den Parlamenten der Bundesstaaten, 3. die Kan­didaten der vorangegangenen Reichstagswahlbewegung, 4. der Vor­stand und 5. besondere Delegierte bis zur Höchstzahl von 10 für jeben Wahlkreis, in welchem entweder bei der vorausgegangenen Reichstagswahl für den Kandidaten der freisinnigen Vereinigung stimmen abgegeben worden sind, oder in denen lokale Organi­sationen beziehungsweise Einzelmitglieder des Wahlvereins vor­handen sind.. Auf ca. 1000 abgegebene Stimmen oder 50 Mit­glieder soll ein Delegierter entfallen."

Diestr (Entwurf getane^ zur Annahme. Der Parteitag nahm ferner ein'^Res.siution zum Schulkompromiß an. Ter Hai'pt- punlt der Tagesordnung betrat die Handelsverträge, wozu der Reich.-'.agsabg. Göthe in referierte. Es wurde folgende Re­solution angenommen:

Die Generalversammlung des Wahlvereins der Liberalen verurteilt aufs schärfste die jetzige Handels­politik, die auf Grund des unter Rechtsbruch angeuom-

Märkte.

_fc- a. M.. 13. Febr. (Tcleqr. Orig.-Ber-cht be3

Grey. -luz. ). Amtliche Notierungen der heutigen Viebnrarkt- Pteile. Zum Verkaufe standen: 419 Ochsen, 128 aus Ccft-! reicb, 78 Bullen, 26 aus Oestreich, 883 Kühe, Fersen, Stiere und» Rinder, 0 aus Oestreich, 271 Kälber 248 Schafe und Hanünel,. 1714 Schweine, 0 Ziegen, n Liegen-, 0 SchaUämmer. Bezahlt, wlirde für 100Pfund Schlachtgewicht Ochsen 1. Qualität 7071 Mk., 2. Qual. 7000 Mk., 3. Quäl. 5860Mk.: Bullen l.Qual. 63 bt£ 65 Mk., 2. Qual. 60-61 Mk - Kühe 1. O al. 65-67 Mk., 2. Qual. 59-61 3. Qual. 48-50 Mk 4. Qual. 38-40 Mk., 5. Qual.

00-00 A!k. Kätbec: l.Qual. 8183Pkg., Lebendgewicht 7276 Pf., 2. Qual. 7680 Psg., Lebendgewicht 6062 Pfg., 3. Qual. 00-00 Pfg., Schlachtgewicht 0000 Pfg., Schafe: 1. Qual. 6870 2- Qual. 6062 Psg., Z. Qual. 0000 Psg.: Schweine 1. Quast 62 63 Pfg., Lebendgew. 49 Pfg., 2. Qual. 6100 Psg., Lebendgewicht 4800 Pfg., 3. Qual. 5456 Pfg., Lebendgewicht 0000 Pfg. Geschäst^bei Hornvieh mittelmäßig, Ueberstand nubedeutend, bet Kleinvieh gut, kein lleberstand.

w. Frankfurt a. M., 13. Febr. Mrig^-Telegr. desGießen. Anz.") Amtliche Notierungen der heutigen Fruchtmarkt greife., Weizen Alk. 18.5000.00, Kurbessischer Mk. 18.5000.00, La Plata Mk. 18.5019.50, Kansas Mk. 18.5019.50, Roggen (hiesiger) 1 Mark 14.5014.75, Gerste (Wetterauer) Mk. 18.0018.50, Franken-. felderMk.l8,2518,50,HaferMk.l4.5015.50,MaisMk. 12.50-00.00, Weizenmehl 0 Mk. 26.7527.25, 2. Qualität Mk. 24.75

bis 9)1 f. 25.25, 3. Qualität Mk. 22.75-23.25, Noggenmehl 0 9)lf. 22.0023.26,1. Qualität Mk. 19.5020.75, Weizenkleie 9)1 k. 10.00 bis Mk. 10.25, Roggenkleie Mk. 11.5000.00, Maiskeime Mk. 10.00 dis Mk. 10.50, Franken, Pfälzer, Nied Alk.00.0000.00. Alles per 100 Kg. ab hier.