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13.2.1905 Erstes Blatt
 
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Montag 13. Februar 1905

155. Jahrgang

Erstes Blatt.

Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen

Vez«g»prel»r monathd)75 P1^ viertel- jäbrlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Mk. 2.viertel- jährl. ausfchl. Bestellg. Annahme voll Anzeigen ür feie Tc rSp'unmer 's vo-emtttaqs ij *tbt,A Zc ^enoreiS: .ok^lLPf^. auswärts,70 -6'z.

Verantwortlich für, den polit und ujeni Teil: P. Wtttko: für ,Stadt und Land" und Gerichtsf aal": August Goetz; für den An- zeigenteil: Hans Beck.

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger w

Nr. 37

Ötiaelei tlgti*

ttufeet Sonntags.

Dem Siebener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Keififchen Landwirt die Äehener Familien. Matter viermal in der Woche beigelegt.

Rotationsdruck n. Ver­lag der B r ü h l'fchen Univerf.-Buch-u. Stein­druckerei. 0t Lange. Redaktion, Expedition tmb Druckerei:

Echulflrabe 7.

Adresse für Depeschen: Anzeiger Gieße«.

Fernsprkchanlchluß 9k 51.

Die heutige Wummer umfaßt 8 Seiten.

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KkKanntmachnng.

Mit Rücksicht auf die zur Zeit noch drohende Gefahr der Verschleppung der Maul- und Klauenseuche aus dem benachbarten bayerischen Bezirk hat der Herr Regierungs- Präsident zu Cassel die Abhaltung des auf Mittwoch, den 15. d. Mts. festgesetzten Viehmarkts zu Hanau untersagt.

Hanau, den 10. Februar 1905. gez. v. Beckerath.

Kiv neuer KtudcirlenKonfliKL in Marburg.

Kaum hat der Studententonflikt in Hannover ein leid­lich befriedigendes Ende gefunden, da wird auch schon aus 'Marburg von einem neuen Konflikt zwischen der dortigen 'Studentenschaft und den Behörden berichtet. Wir meldeten 'bereits, daß nach der von der Marbubger Studentenschaft 'beschlossenen Resolution, die anläßlich der Hannoverschen ^Vorgänge für die Aufrechterhaltung der akademischen Frei- 'beit eintrat, der Berliner Universitätsrichter Dr. Dcmde sich nad)i Marburg begeben hatte und daß mit ihm sich die Ibeiden Vorsitzenden des Marburger Studentenausschusses mach Berlin begeben hatten, um dort zu Verhandlungen im Kultusministerium gugezogen zu werden

In Berlin wurden die beiden Studenten, Cand. theol. Weiß und Eand. chem. Gebhart, vom Kultusminister 'Dr. Studt empfangen. Ter Minister sprach sich! dahin aus, daß allerdings die Form des Vorgehens ihn sehr be­fremd et habe und er noch mehr darüber erstaunt gewesen sei, wie man ihn ohne jede genügende Unterlage als einen Bc ein trächtiger der akademischen Freiheit habe hinstellen !können. Er nehme indes den Ausdruck der Entschuil- Idigung über den formellen Fehler gern entgegen, mnd sei auch durch die Erklärung des Ausschusses vom S5. Februar im allgemeinen befriedigt. Es bleibe aber moch die Tatsache bestehen, daß der Ausschuß sich ü b e r d e n »Kopf der akademischen Behörden und des Ku­rators hinweg direkt an das Ministerium ge- twandt und daß er zu gleicher Zeit mit der Absendung des Telegramms nach Berlin nicht nur verschiedenen Zeitungen, sondern auch allen anderen deutschen Universitäten eine Entsprechende Mitteilung gemacht habe. Auch sei in der Erklärung vom 5. Februar die Konseguenz nicht gezogen, Laß damit der Inhalt der telegraphischen Depesche, hinfällig geworden sei. Diese Punkte bedürften noch einer zufrieden­sstellenden Erledigung. Es wurde im weiteren Verlauf der iVerhandlungen den Marburger Vertretern der Entwurf «eines vom Marburger Ausschuß an den Minister zu rich­tenden Entschuldigungsschreibens zur Uebermit- telung an den Ausschuß eingehändigt. Darin sollte der 'Marburger Ausschuß Sie Erklärung ab geb en, daß die Stu- identenschaft in dem Glauben gewesen sei, mit ihrem Vor­gehen ihre Zuständigkeit nicht zu überschreiten.

Daraufhin ist nun dem Minister eine Antwortder 'Marburger Studentenschaft zugegangen, in der es u. a. heißt:

Tie von Ew. ExcelleN zvom Ausschuß in der Anlage zu obigem Protokoll gewünschten Erklärungen vermag die Marburger Studentenschaft nicht abzugeben. Die Marburger Studentenschaft weiß sich mit der gesamten deutschen Studentenschaft einig in der Ueberzeugung, daß es das Recht des freien akademischen Bürgers ist, jederzeit d a s Ohr der Negierung für berechtigte Beschwerden und Wünsche zu ver­langen, eine Auffassung, die auch Ew. Excellenz Bevollmäch- tigter, Herr Geh. Rat T-r. Daube, vor versammeltem Ausschuß als richtig anerkannte. Tie von Ew. Excellenz gewünschte Er­klärung, daß der Ausschuß in Zukunft einen Instanzenweg innehalten wolle, kann die Studentenschaft daher nicht a b g e b e n, da sie in einem derartigen Verlangen nicht nur einen Eingriff in die akademische Freiheit, sondern auch einen Angriff auf das jedem freien Staatsbürger zusbehende Recht des direkten Verkehrs mit der Staatsregierung sieht.

Ebenso betrachtet es die Marburger Studentenschaft als das

kn der preußischen Staatsversassung begründete Recht des freien Mannes, seine Meinung frei in der Presse äußern zu dürfen, und vermag daher nicht, Ew. Excellenz in dem Wunsche, üe Presse bei der Verhandlung über akademische Fragen auszu- schalten, zu willfahren. Tesgleichen weiß sich die Marburger Studentenschaft einig mit der gesamten deutschen Studentenschaft in der Meinung, daß die freien akademischen Bürger, vereinigt in ihren Ausschüssen, das unzweifelhafte Recht haben, unter­einander in der Behandlung allgemein studentischer Fragen M ver­kehren, soweit nickt die allgemeinen Staatsgesetze einschränkende Bestimmungen treffen.

Schließlich vermag die Marburger Studentenschaft zu ihrem Bedauern nicht, Ew. Ercellenz die Erklärung abzugeben, daß mit Iber Resolution de dato Marburg, 5. Februar, die Protestkundgebung oom 31. Januar als erledigt zu betrachten ist, da die von Ew. ikxcellenz als nötige Konseguenz derselben verlangten Erklärungen erneute Versuche sind, die akademische Frei- 'heit zu beeinträchtigen. Ehe nicht die unlösbaren Wider- Sprüche die jene Eingabe veranlaßten, in einer die ganze deutsche akademische Welt beftiedigcnden Weise gelöst sind, erhebt die Mar- Lurger und mit ihr die ganze deutsche Studentenick)aft feierlich Wrote st gegen jeden Versuch.die Freiheit des aka­demisch en Bürgers zii vernichten!

Taese Antwort hat die Marburber Stnoentenschäft zu­gleich säwtlichcii deutschen Universitäten in Abschrift zu- □eben lassen. An den Kultusminister wurde sie am Tonners- tLn abgesaudt. Eine Entgegnung des Ministers rst bisher wicht erfolgt. _________

A e N raarbeiterb'w gung.

Tic Siebenerkommission

«cließ am Sonniaa -olgenden Ailfruf:

Alle gestrigen ^>!'oniUmacbungen, Depesmen und Telepbon- ekespräche, die im Namen der Siebenerkommission oder ernzeliier Mitglieder derselben ergangen sind, haben entweder Zemen- jjpttzel oder ionstlgc Betrüger verbreitet. Dieselben Leute

sind es wahrscheinlich, die die Organisationen betrügen und die Siebenerkommission jetzt verdächtigen, und das sind gerade die Leute, die den Zechenherren in die Hände arbeiten, die Ar­beiter zersplittern und verraten. Wo Lohnkürzungen und Masienmaßregelungen vorgenommen werden, melde man dies sowrt der Siebenerkommission. Der Beschluß der Essener Kon- ierenz, daß die Arbeit wieder ausgenommen werde, bleibt bis aus weiteres b e st e h e n. Alle Gemaßregelten wollen sich bei ihren Organisationen melden, sie werden dort weitere Unter­stützung erhalten.

Hammerstein nnd Kirdorf.

Neber seine Unterredung mit dem Geh. Kommerzienrat Kirdorf teilt der Minister des Innern, Freiherr v. Hammer­stein, mit:

Herr Kirdors hat mirschlappe Haltung und Rück­grat l o s i g k e i t" der Regierung nicht vorgeworsen. Dagegen erhob er im Lause der Unterhaltung einen schweren Vorwuri gegen eine mir nicht unterstellte Behörde, woraus ich nicht unterließ, Herrn Kirdorf zu erwidern, daß seine Behauptung durch­aus unzutreffend sei und ich ihn bitten müsse, seine Ausdrücke zu mäßigen. Herr Geheimrat Kirdori wiederholte dieselbei^, in eindringlicher Weise ich meine Entgegnung. Die ihr folgende kurze Bemerkung des Herrn Kirdorf:Das ist doch aber meine lieber- zeugung", veranlaßte mich, das Gespräch nunmehr abzu- brechen.

Von dem Zusammenstoß zwischen der Belegschaft der Zechen Prosper I und II bei Oberhausen mit den benttenen Schutzleuten werden folgende Einzelheiten bekannt: Die heranreitenden Schutz­leute wurden mit Steinwürfen empfangen, worauf sie blank zogen und, als aus der Menge Revolverschüsse fielen, die zusammengerotteten Ausständigen auseinandersprengte. Diese retirierten auf den Bahndamm, wohin ihnen die Schutz­leute natürlich nicht folgen konnten, lieber diese ergoß sich nun ein Steinhagel und auch mehrere Revolverschüsse fielen wieder aus der Seite der Streikenden. Auf Kommando griffen nunmehr auch die Schutzloute zu den Revolvern und gaben mehrere Schüsse ab, durch die ein Arbeiter schwer verletzt wurde. Hieraus flüchteten die Streikenden. Die Zahl der Leichtverletzten ist nicht bekannt; drei Schutzleute sind eben­falls verletzt.

Die Stimmung unter den Bergleuten Oberhausens ist verzweifelt.

Börse nnd Kohlenaktien.

Jetzt, nachdem der Streik zu Ende geht, resp. zu Ende gehen muß, da zu besten Fortführung die Mittel fehlen, scheint auch der Börsenoptimismus zu Ende zu fein. Man denkt mehr als seither an den Schaden, der durch die Arbeitseinstellung entstanden ist. Soll doch derselbe schlecht gerechnet, bis jetzt schon 90 Millionen Mark betragen und es werden noch recht erhebliche Posten dazu kommen. Bor allem ist von großer Wichtigkeit die Frage, inwieweit einzelne Schächte in technischer Hinsicht durch die mehrwöchentliche Unterbrechung der Förderung ge­litten haben. Eine Zeit von etwa drei Wochen wird allein für die notwendigen Aufräumungsarbeiten erforderlich sein, so daß als frühestens die volle Arbeit in der ersten Woche des März wieder ausgenommen werden kann. Wir haben demnach einen teilweisen Januar- und einen nahezu voll­ständigen Februar-AuSfall. Unter diesen Umständen werden auch die Ausweise der großen Bcrgwerksgesellschaften für den Januar ein klares Bild von der Höhe der erlittenen Verluste geben und wenn diese Zistern zur Kenntnis der Börse kommen, dann wird man einen erklecklichen Kurssturz erleben ober möglicherweise auch nicht. Weiter kommt bie Frage der Kohlenpreis-Erhöhung in Betracht. Das Syndikat hat bekanntlich die feste Absicht, bie Preise zu erhöhen; wann dies aber geschieht und in welchem Umfang, darüber weiß man auch noch nichts Gewisses.

Aie Ereignisse in Vu^land.

Ein kaiserlicher Befehl

ordnet an, daß ein Ausschuß unter dem Vorsitz des Reichsratsmitg'liedes Schidlowsky gebildet werde zu unver­züglicher Feststellung der Ursachen der Unzu­friedenheit der Arbeiter in Petersburg und Um­gebung n'nd behufs Ermittelung von Maßnahmen zur Verhütung der Entstehung solcher Unzufriedrnheit in der Zukunft. Der Ausschuß soll aus Vertretern der be­treffenden Ressorts und Vertretern-der Industriellen und der Arbeiter nach Wahl dieser beiden Grup­pen bestehen. Der Vorsitzende hat die Befugnis, dem Kaiser persönlich Berichit zu erstatten, weitere Persönlich­keiten zu den Beratungen hinzu^uzieheu und die Zahl der Arbeitgeber und Arbeitnehmer, sowie die Ordnung für die Wahlen dieser Vertreter festzustellen.

Eine Proklamation der technischen Gefell'chaft.

Tie Generalversammlung der kaiserlich russischen tech­nischen Gesellschaft nahm am 11. d. M. folgende Resolu-

tion an: , v

In der Erwägung, daß die Erschütterungen, welche bte russische Industrie infolge der Störungen im russischen Staats­leben wie auch des rechtlosen Zußnndes des russiscl>en Arbeiters zum 'großen Nachteil für eine gesunde Entwickelung der Teckmik und Industrie jetzt erleide), halt die technische Gesellschaft es für Pflicht, unverzüglich an bie Be ar b et tu ng , d er A r - b ? 11 p r f r a a c heranzutreten und überhaupt sie mit allen nur möglichen Mitteln zu fördern. .Das wirksamste dieser Mittel ist die Einberufung eines allrussischen Kongresses zur Beratung der Arbeiterfraae, an dem V e r r e t e r der Arbeit, des Kapitals und der Wissenschaft teilnehmen. An­gesichts der Unmöglichkeit wegen des Verbotes öffentlicher Behänd- luna der Frage und wegen der Beschränkung der Versammlungv- freÜrit die Arbeiterfrage allseitig aus zu arbeiten, hält die Ver simimlung die unverzügliche Gewährung voller Frei­

heit zur Erörterung der Arbeiterftage in Versammlungen^ und in der Presse, sowie die Gewährung anderer Garantien,, welche bereits in mehreren Versammlungen von Jnstitutionen,- darunter der Jn-genieurVersammlung vom 18. Dezember 1904? beantragt waren, für unbedingt notwendig.

Die Lage im Lande.

Samara, 12. Febr. Ter Mel von Samara beschloßt an den Kaiser eine Adresse zu richten, in der unter Beton-j una, daß die Selbstherrschaft die unerschüttev^ licheGrundlage des Sta-atzes sei, und unter Versicherung^ der Ergebenheit für den Kaiser die Zuversicht ausgesprochen!' wird, daß der Monarch den Adel zur Teilnahme caü den für die Beruhigung des erregten Reiches ersorderlichenk Reformen berufen werde.

Opotschka (Gouvernement PsDiw), 12. Febr. In den Kasernen des Reservebataillons wurden eine Anz-ahl Pro-j klamationen verteilt, ^welche den Stempel des Rigaer soziale demokratischen Komitees tragen imb die die Regierung ver­urteilen und die Soldaten auf fordern, sich der? Entsendung nach dem Kriegsschauplatz zry w i d e r s e tz'e n.

Ter jnnge Tolstoi beim Zaren?

London, 11. Febr. Ter Petersburger Vertreter de^ Daily Ehronicle" meldet, daß Gras Tolstoi, der Sohn deÄ Grafen Leo Tolstoi, eine zweistündige Audienz beim ZarenL hatte, um ihm einen Entwurf für eine Volksver-n tretunig vorzülegen, welchen der alte Graf TolstoK ausgearbeitet hat. Der Zar empfing d-m Sohn des: exkommunizierten Reformers mit großer Liebens­würdigkeit und sagte:Seit zwei Monaten arbeiteich daran, die Details eines Entwurfs für eine Volksvertretung sestzustellen. Ich kann Jhnent verraten, daß die Einberufung einer Volksvertretung bereits im Lause der nächsten Woche angiekündigt werdevl wird." (??)

Gorki.

In einer Unterredung mit dem Petersburger Korrespon^ denten der ,,Berl. Ztg." gab Frau Gorki ihrer Befürchib- ung Ausdruck, daß ihr Gatte na ch Riga gebracht werdent wird, um dort abgeurteilt zu werden, und daß ben Prozeß sich noch -lange hinziehen werde. Sie wenig Hoffnung auf Freisprechung. Am 10., ö. M. durfte sie ihren Gatten wieder im Gefängnis besuchen'- hat aber nicht die Erlaubnis erhalten, an ihn zu schreiben oder ihm wärmere Kleidung zu bringen, Er leide in der Sttäflinaskleiduna schwer unter der Kälte«

Deutsches Reich.

Berlin, 12. Febr. Der Kaiser besuchte gestern beit Reichskanzler. Um 121/? Uhr empfing er ben Fürsten von Bulgarien. An einerFamilienftühstückstafel bei bem Kaiserpaare um 2 Uhr nahmen teil bie Königin von Württem* berg unb ber Erbprinz und bie Erbprinzessin zu Wied. Dee Kaiser empfing ferner gestern ben Generalarzt Juncker und den Geheimrat Kraus, heute bie Präsidenten ber Genfer Evangel. Gesellschaft, Pfarrer Recker unb H. Denkinger-Rob.

Der Kaiser wirb einem Vortrage beiwohnen,^ ben ber Direktor bei ben Königlichen Museen Profesiov Dr. F. Delitzsch am 25. bs. Mts. über .Assur unb unsere- bortigen Grabungen" halten wirb.

Der Fürst von Bulgarien ist heute vormittag nach Mecklenburg abgereist, von wo er nach Berlin zurück-* kehrt.

Der Gesamtvorstanb bes Reichstages unb bis Senioren versammelten sich heute im ReichstagSgebäube zur Feier bes fünfzigjährigen DienstjubiläumS bes Direktors beim Reichstage, Geh. Negierungsrat Knack. Präsibent Ballestrem verlas eine Mitteilung beS Grafen PosabowSky, nach ber ber Kaiser bem Jubilars ben Roten Ablerorben zweiter Klasse mit Eichenlaub unb ber Zahl 50 verliehen habe. Ballestrem übergab sobann bem Jubilare bas von ben NeichStagSmitgliebern gestiftete Silbergeschenk. Dem Jubilare gratulierten persönlich Graf Posabowsky, Frhr. von Richtbofen, Frhr. v. Stengel unb Dr. Stübel; schriftliche Glückwünsche saubren ber NeichSkcurzler Graf Bülow, Frhr. v. Hammerstein, v. Einem, Boetticher unb andere.

Im Neichsta ge besteht bie Absicht,, nach Abschluß der ersten Lesung ber Hcmbelsoerträge für einige Tage bir Plenarsitzungen ausfalten zu lasten, um ber! HanbelsVertragskommission Zeit für bie Erlebigung ihrer Aufgaben zu gewähren.

Im Neichsamt bes Innern wirb mit großem Elfer nn zwei^Gesetzentwürfen, bemjenigen auf Anerkennung ber Rechtsfähigkeit berBerussv ereine unb- einem zweiten auf Schaffung von A rb eisk a m m ern gearbeitet. Beibe Entwürfe sollen bem Reichstage noch in ber gegenwärtigen Zession zl,geben unb zwar mit ber Vorlegung bes erst­genannten Entwurfs schon im nächsten Monat gerechnet werden, während der Gesetzent'vlirf über die Schaffung von Arbeitskanlmern um Ostern bem Reichstage zu geh en soll. Geplant ist bie Schaffung paritätischer Kammern nach dem Muster ber einigungdcmstlichcn Institutionen mit ber Aufgabe, bei Arbeitsstreitigke iten oor beugenb unb uerm ittelnb zu wirken.

Bremen, 11. Febr. Aus Anlaß ber Annahme der Kanalvorlage im preußischen Abgeordnetenhause sandte ber Senat an den Kaiser ein Telegramm. Darauf ist foU (]cnbc Antwort ein gelaufen:

Den Glückwunsch be Senates naknn ich gern und mit Dank entgegen. Möge ans bem bereit vom Abgeordnetenhause ange­nommenen Verkehrdmerke Segen erblühen wie für die preußische«?