persische Grenze. Alle armenischen Dörfer im Distrikt Lharour stehen in Flammen. In dem Orte Kanlouthar waren mehrere Tausend armenischer Flüchtlinge, 120 russische Soldaten und 100 Kosaken von etwa 3000 Kurden und Tataren eingeschloffen. Nach zwei Tagen erbitterten Widerstandes zogen sich die russischen Soldaten in Ermangelung von Munition auf die Eisenbahnlinie zurück. Das Schicksal der Umlagerten ist unbekannt. Die Kurden rücken gegen Davolou, Kamorku und Erivan vor; sie sind gut bewaffnet und diszipliniert. Vermutlich sind es Kurden des Hamedj- stammS. In allen Bezirken des Gouvernements von Erivan, Alexandropol ausgenommen, wird massakriert. Die allgemeine Lage ist verzweifelt.
Einem Privattelegramm aus Erivan entnimmt die „Frks. Ztg/ die Worte: „Wir sitzen eingeschlossen und hungern". Bisher seien 136 Tataren und 23 Armenier getötet.
KoMische Tagesschau.
Deutschland im fernen Osten.
In den Blättern, die für beschleunigten Ausbau 6er deutschen Flotte agitieren, wird besonders beklagt, daß im Vergleich mit anderen Mächten Deutschland in Ost- afien zu wenig Kriegsschiffe halte. Man fordert ein ganzes Linienschisfs-geschwadw, dessen Heimatstation Tsmatau sem soll. Angesichts der im fernen Osten eingetretenen Machtverschiebungen zur See ist diese Forderung nicht zeitgemäß. ES muß vielmehr alles vermieden werden, was Deutschland dort draußen in gefahrvolle Verwicklungen bringen könnte. Zieht doch sogar England seine Linienschiffe aus Ostasien zurück. Japans Seegewalt ist so überragend, daß Deutschland ihm nicht gewachsen wäre, auch wenn es über mehrere Linien- schiffsaeschwader verfügte. Der Faktor Japan muß eben in, jede auf Ostasien bezügliche Rechnung eingestellt werden, auch seitens der anderen dort interessierten Mächte. Auch steht China in Zukunft nie mehr allein. Japan wird sich im Interesse der gelben Rasse jederzeit zu dessen Anwalt aufwersen. Nicht durch militärische Machtentfaltung kann Deutschland seine Position im fernen Osten behaupten, sondern nur durch kluge Wirtschaftspolitik und kaufmännische Tüchtigkeit. Es wäre deshalb zu wünschen, daß die Besatzungsbrigade aus China zurückgezogen werde.
Der deutsche Botschafter in Washington, Baron Sveck von Sternburg, hat sich dem dortigen Korrespondenten des Standard gegenüber zu der Meldung von der bestehenden Befestigung von Kiautschou angeblich folgendermaßen ausgesprochen: Die Fortiftkationspläne für Kiautschou wurden im Einklang mit dem deutsch-chinesischen Vertrage schon vor längerer Zeit fertiggestellt. Aus Mangel an Geld jedoch mußte ibre^ Ausführung bis nach Vollendung der sehr kostspieligen, für die Handelsschifffahrt notwendigen Hafcnanlagen verschoben werden. Diese sind nunmehr beendet und die deutsche Regierung wendet sich jetzt den Befestigungen zu, die den ursprünglichen Plänen entsprechend ausgefuhi^ werden dürften, ungefähr wie die englischen Fortifi- kationen von Hongkong oder die amerikanischen von Guantanamo: ein unbefestigter Flottenstützpunkt ist wertlos, jedoch wird Teutsch- 'and sich streng an seine Llbmachungeri mit China halten.
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Wahlen in Holland.
Die beute stattfindenden Neuwahlen zur zweiten Kammer der niederländischen Generalstaaten werden bedeutsamer sein als alle bisherigen Wahlen unter der Regierung der Königin Wilhelmina. Es handelt sich darum, ob das konservativ- klerikale Kabinet einem liberal-demokratischen weichen wird, das auf seine Fahne die Einführung des allgemeinen und gleichen Stimmrechts, also eine Verfassungsrevision, geschrieben hat. Der bisherige Ministerpräsident Dr. Küpper genießt das besondere Vertrauen der Königin. Seine Herrschaft steht jedoch auf schwachen Füßen. Die Mehrheit, mit der er vier Jahre regierte, betrug etwa ein Dutzend Stimmen, und der Bestand seines Kabinets wäre wohl früher in Frage gestellt worden, wenn nicht die Re- gierungspartrien zusammengehalten hätten. Vor kurzem schien es, als sollte diese Einigkeit in die Brüche gehen, und Dr. Küppers Aussichten auf einen Wahlsieg müßten als gering bezeichnet werden, wenn nicht im letzten Augenblick unter den Liberalen Zwistigkeiten ausgebrochen wären. Die „Altliberalen", die in Wahrheit vom Liberalismus sich längst getrennt haben, entsprechen nämlich unseren hessischen Rechts-Nationalliberalen und Wahlreformgegnern. Sie erklärten, bei den Stichwahlen, deren es nicht wenige geben dürfte, für die Kandidaten der Regierungsparteien einzutreten, und das mindert die Aussicht der Liberalen auf ein modernes Wahlrecht. Die große politische Bedeutung der Wahlen hat die Königin veranlaßt, ihre Erholungsreise aufzuschieben, die u. a. auch nach Berlin führen sollte.
Hinc Kochzeit am englischen Königshose.
Auf Schloß Windsor fand am 15. d. M. in Gegenwart des Königs Eduard, der Königin, des Prinzen von Wales, des Herzogs und der Herzogin von Connuught, des Erbgroßherzogs und der Erbgroßherzogin von Baden, des Khedivcn von Egypten, des Landgrafen von Hessen, des Kronprinzen und der Kronprinzessin von Schweden und anderer Mitglieder des schwedischen Königshauses, der englischen Minister, des diplomatischen Korps sowie anderer Würdenträger die Trauung des Prinzen Gustav Adolf von Schweden mit der Prinzessin Margarete von Connaugcht in feierlicher Weise statt. Das Wetter war prächtig. Die Kapelle bot mit den zahlreichen Uniformen, den Ausschmückungen und den Damen in Hof- Ueidern mit Kronen und Tiaren ein glänzendes Schauspiel. Der Erzbischof von Canterbury, unterstützt von dem Bischof von Oxford, vollzog die Trauung. Jü seiner Ansprache wies der Erzbischof auf die Bande hin, welche England mit Schweden vereinigen.
Die neue norwegische Regierung sandte an den Prinzen Gustav Adolf und die Prinzessin Margarete folgendes Telegramm: „Das norwegische Volk sendet durch die Unterzeichneten die herzlichsten Glückwünsche zum Hochzeitsfest. Karl Berner; Ehr. Michelsen."
Der König von Schweden ernannte den König von Encp- land zum Ehrenadmiral der schwedischen Flotte und den Prinzen von Wales, sowie den Prinzen Arthur von Con- naught zu Rittern des Scravhinenordens.
Eine Robe von ganz, weißen Spitzen, hinfließend über ein Unterkleid von ganz weißen, mit Girlanden aus Orangen- Llüten und Myrthen überstreutem Seidensatin, mit tiefem Äus- schnitt über Nacken und Schultern und auslaufend in die große Hoffchlevpe, die nur den königlichen Bräuten zukommt. — das etwa ist in großer: Zügen das Brautkleid der Prinzessin Margarete. Die Kunst, mit der ucr große Pariser Toilctten- siinüler Mortb die Spitzen mit dem Unterkleid verbunden und zusammen gestimmt hat, ist über jedes Lob erhaben. . Der Stoff ist völlig aufgelöst in fonur eine
wölke auS feinstem Gewebe leicht dahinschwebt, die sich nut dem schimmernden Leuchten des darunterliegenden Satins vermahll.
Der Trousseau der Prinzessin weist noch eine Reihe von anderen Meisterwerken der Schneiderkunst auf. “Ein entzückendes Weißes Taffetkleid ist über und über mit Seidenapplikationen verziert ; ein Kranz feiner Blüten und Blätter, der fast wie ein zartes Schnitzwerk aus mattem Elfenbein anmutet, umgibt den Saum des Nockes; blasse, weiße Seidenblumen umschließen die Korsage und verlieren sich in einem herrlichen Spitzenfichü. Ein sehr eleganter cremefarbener Mantel mit weißer gestickter Seidengarnierung, einem Muster von Margueritensträilßchen und mit Aufschlägen an Kragen und Aermeln, in denen ein fahles Blau zu einem grünen Blatterornament steht, verbindet sich mit einem kostbaren alten Schal zu einer höchst aparten Straßentoilette. Ihr Promenadenhut hat eine Garnierung von weißem Tüll, die in Zwischenräumen von Buketts niedlichster Heller Rosenknospen durchbrochen wird, und auf der einen Seite überdeckt ist. von einer wallenden helMauen Straußfeder. Die Wäschs ist sämtlich mit einheimischen, besonders irischen, Spitzen geziert, die vielfach wie Spinnweben dünn sind. Für ihr erstes Auftreten am schwedischen Hofe ist eine große königliche Toilette entworfen. Sie besteht aus weißer, leicht changierender Seide, auf das reichste mit Silberspitze übersvonnen. Die äußerst lange Hofschleppe bietet einen höchst farbenreichen 'Mblick, da sie 'aus schimmernden Goldfäden gewobm ist und ein Dessm von Mpenveilchen mit blaßrosa und makv Warben en Tönen zeigt. Silberspitze umschließt den Ausschnitt der svitz zulaufenden Taille. Ein Gesellschaftskleid bietet ein duftiges Gebilde aus elfenbeinfarbenen Spitzen dar, die von einem Fond aus mattblauer, gobelin- artiger Gaze sich abheben. Ein Teil der Kleidung ist in, England verfertigt, so auch ihre Schuhe und Handschuhe. Auch ihre Hüte sind fast sämtlich aus England, und die Londoner Putzmacherinnen haben sich beeifert, ihr Bestes zu leisten. Ihre Lieblingshutform, der große, schwarze Federhut, ist in mannigfachen Variationen vertreten, doch daneben auch malerische Trouville-Mattosenhüte mit Garnierung von Blumenkränzen. Die Toiletten der Brant- jungfem sind ziemlich einfach, aus dem feinsten ünb schönsten blauen Seidensatin verfertigt, mit weiten Röcken, die von der Taille herab in Falten fallen, mit breiten Taillengürteln und viereckig-un Ausschnitt. Die an den Schultern gepufften Aermel reichen bis zu dem Ellbogen und sind ebenso wie das Dökolletve mit breit ui Spi'enk nten b'ietzt Runde Krttize von Margueriten und weißem Klee tragen sie im Haar. Die Ellern haben der Prinzessin eine prachtvolle Diam-mtentiara zum Geschenk gemacht; einen herrlichen Kopfschmuck als Rubinen, den Lieblingsedelsteinen der Braut, ganz von Diamanten eingefaßt, schenkte das englische Königspaar. Außerdem hat sie eine lange alte Rubinenkette mit einem Diamantanhänger, eine Halskette aus Rubinen, einen Schmuck aus Saphiren und Diamanten erhalten.
Deutsches Reich.
Berlin, 15. Juni. Der Kaiser, die Kaiserin und Prinz Adalbert begaben sich heute morgen nach dem Mausoleum in der Friedenskirche und legten daselbst einen Kranz am Sarge des Kaiser Friedrich nieder. Später hörte der Kaiser den Vortrag des Kriegsministers, zu dem besohlen waren der Chef des Generatstabes der Armee, der Präses der Artillerie-Prüftmgs-Kommission und die Generalinspekteure der Fußartillerie und der Feldartillerie und den Vortrag des Chefs des Generalstabes der Armee.
— Der Kaiser hat auch in diesem Jahre eine Anzahl Gelehrte und Künstler zu einer Seereise eingeladen, die an Bord des Dampfers „Meteor" von der Hamburg-Amcrika- Linie vom 17. bis 30. d. M. stattsindet.
— Der Kaiser ist heute nachmittag nach Sigmaringen abgereist zu den Totenfeierlichkeiten für den Fürsten von Hohenzollern.
— Der Bürgermeister des französischen Städtchens Cannes hat von dem Kronprinzen und der Kronprinzessin folgendes Telegramm aus Hubertusstock erhalten: „Wir sind von den guten Wünschen, die die liebe Stadt Cannes uns aus Anlaß unserer Vermählung auszusprechen die Güte hatte, äußerst gerührt und bitten Sie, der Stadt unseren aufrichtigen Dank zu übermitteln.
— Im Abgeordnetenhaus wurde die Mitglieder-Versammlung des vaterländischen Fr au en Vereins in Gegenwart der Kaiserin abgehalten. Die Vorsitzenden der Zweiqvereine waren nahezu vollständig vertreten, u. a. waren anwesend die Gemahlinnen der Minister Frhr. v. Rheinbaben, Studt, Schönstedt, v. Thielen, v. Budde, Graf Posadowsky, v. Bethmann-Hollweg. Aus dem von dem Obersten Everth erstatteten Bericht geht hervor, daß die Zahl der Zweigvereine Ende des Berichtsjahres 1170, die Mitgliederzahl 312 091 betrug. Der gesamte Vermögenvorrat des Vereins hat sich auf 15920966 Mk., die Zuwendungen auf 658 341 Mark belaufen. Vereinskrankenhäuser bestehen jetzt 69. Nach Dechargeerteilung des Schatzmeisters wurde die Tagesordnung erledigt. Die Versammlung wurde mit einem Gesang des Domchores geschlossen.
Essen, 15. Juni. Heute vormittag begann die Hauptversammlung der deutschen Kolonialgesellschaft unter dem Vorsitz des Präsidenten Herzog Johann Albrecht von Mecklenburg. In seiner einleitenden Rede wies der Herzog zunächst auf die marokkanische Angelegenheit und den Besuch des Kaisers in Tanger hin. Er dankte dem Kaiser und der Negierung für die erzielten Erfolge. Er gab sodann einen Ueberblick über den Stand der deutschen Kolonien, wobei er auf die Lage in Deutsch-Südwestafrika einging. Die Gewährung einer billigen Entschädigung an die betroffenen Ansiedler sei eine Vorbedingung für die wirtschaftliche Entwicklung der Kolonien und zugleich eine moralische Pflicht des Reiches. In allen anderen Kolonien sei ein aufblühendes Leben zu vermerken. Vor Eintritt in die Tagesordnung berührte sodann Exzellenz v. Barten- werffer die Angriffe verschiedener Zeitungen gegen den Konsul a. D. Vohsen. Dieser wies in einer längeren Rechtfertig- ungsrede die Angriffe zurück. Nach Eintritt in die Tagesordnung wird sodann die vor zwei Jahren eingesetzte La nd- komMission der Kolonialgesellschaft auf den Antrag ihres Vorsitzenden aufgelöst. Zum Ort der nächsten Tagung wurde Königsberg bestimmt. In der Nachmittagssitzung wurde zunächst der Antrag betreffend die Errichtung einer Reichskolonialbank beraten. Nach längerer Debatte erklärte die Versammlung, sie verkenne nicht die im Anträge enthaltene kolonialfreundliche Tendenz, sie sei jedoch der Ansicht, daß die für die wirtschaftliche Entschließung unserer Schutzgebiete erforderlichen beträchtlichen Mittel durch den Betrieb der projektierten Kolonial- und Neberseebank nicht beschafft werden können. Das Projekt sei vom rechtlichen und banktechnischen Standpunkt aus abzulehnen. Im weiteren Verlaufe beschloß die Versammlung, dem Kolonialrat die Einstellung größerer Diittel für die geologische Erforschung der Schutzgebiete zu empfehlen. Ferner wurde der Antrag angenommen, an den Reichskanzler die Bitte zu richten, es möge am Endpunkte der Togo-Hinterland-Bahn in Valime oder Umaebuna
mit Rücksicht auf die große Anzahl der Europäer einerseits und die Bedürfnisse der Eingeborenen andererseits (Pockenimpfung, Leprabekämpsung u. s. w.) ein ständiger Negierungsarzt angestellt werden. Im weiteren Verlause der Nachmittagssitzung beschloß die Hauptversammlung, ein deutsch-ost afrikanisches Besiedelungskomitee. zu bilden, dem zur Aufgabe gemacht wird, im Nahmen der zur Verfügung stehenden Mittel die Ansiedelung von Weißen in Deutsch-Östafrika zu fördern. Der schriftliche Verkehr des Komitees soll durch das Bureau der Kolonialgesellschaft erfolgen. Gleichzeitig forderte die Versammlung den Grasen Pfeil auf, Berichte über die Ansiedelungsfrage zu erstatten.
Aus Stad! Md Land.
Gießen, 16. Juni 1905.
* * Das Großherzogspaar wird, wie man uns aus Hohensolms mitteilt, nächsten Sonntag dort zum Besuche eintresfen.
* * Personalien. Ernannt wurde der Militäranwärter Weber in Darmstadt zum Kanzleigehilfen am Landgericht der Provinz Starkenburg, die Militäranwärter Bogdanski, Ruffini, Mieles, Groß, sämtlich in Mainz, zu Kanzleigehilfen am Landgericht der Provinz Nheinhessen und der Militäranwärter Schütz in Darmstadt zum Kanzleigehilfen bei der Staatsanwaltschaft am Landgericht der Provinz Starkenburg.
* * Das Großh. Regierungsblatt, Beilage Nr. 16, ausgegeben am 15. Juni d. I., enthält it cl: Bekanntmachung, Vorarbeiten für eine Lokalbahn von Aschaffenburg nach Höchst i. O. betreffend. (Die Erlaubnis zur Vornahme von Vermessungen für eine solche Bahn innerhalb des Hess. Staatsgebietes wurde vom Großh. Ministerium des Innern der Königl. Bäuerischen Eisenbahn- bansektion Miltenberg erteilt. Uebersicht der für das Jahr 1905 zur Bestreitung der Kommunatbedürfnisse der Gemeinden des Kreises Lauterbach genehmigten Umlagen.
* * Verleihung der Staatsmedaille für A u s st e l l u n g e n. Durch Entschließung des Großh. Ministeriums des Innern wurde der Maschinenbauanstalt Curd Nub e zu Offenbach a. M. auf Vorschlag des Preisgerichts der Ausstellung des Verbandes deutscher Klempner- und Installateur-Innungen zu Berlin 1904 die Silberne Staats- medaille verliehen.
* * Der Provinzialausschuß wird am Mittwoch, den 21. d. Mts., vormittags 1/29 Uhr beginnend, eine Sitzung mit folgender Tagesordnung haben: 1. Schulhausneubau in Massenheim, Kreis Friedberg. 2. Den Hebammendienst in Eifa, Kreis Alsfeld.
" Gelegentlich der Hauptversammlung detz Landeslehrervereins kam es auch zu einer lebhaften Kundgebung für die Simultanschule, die uns das liberale Volksschulgesetz Hessens bereits vor einem Menschen- alter brachte. Der Obmann Backes betonte in seinem Referat, daß die Negierung bisher alle Bestrebungen, unserer Volksschule den simultanen Charakter zu nehmen, entschieden zurückgewiesen habe. Auch der Regierungsvertreter Freiherr von Gagern sprach den Wunsch aus, daß der jetzige Gottesfriede unserer Volksschule von keiner Seite gestört werden möge. — Auch die Ausführungen des Obmannes, in denen er sich entschieden gegen dieSonderbestrebungen von Berufsbildungen (Landwirtschaft, Handwerk) wandte, wie dies in den letzten Jahren von verschiedener Seite verlangt wurde, fanden stürmischen Beifall. Die Volksschule muß eine allgemeine Bildungsanstalt bleiben.
x Ein nie geahnter Verkehr ist am Knotenpunkt der Staats- und Viebertalbahn auf Station Abendstern entstanden. Die im Jahre 1878 vollendete Hauptbahn durchkreuzte ein volles Jahrzehnt das Tal, ohne jeglichen Verkehr nach sich zu ziehen. Jetzt wird demnächst eine Güterverladestelle an der Hauptbahn eröffnet werden. Die dieserhalb vorzunehmende Erweiterung des Bahnkörpers wird wohl noch andere nach sich ziehen.
* * Die erste Einquartierung hatten heute die Orte der Umgegend unserer Stadt, Wieseck, Lich und Hungen. Die 61er Artillerie (Darmstadt-Babenhausen) befindet sich auf dem Wege zum Truppenübungsplatz Senne bei Paderborn. Dort bleibt das Regiment ca. drei Wochen.
* * Ein Automobil, von Kühen gezogen, mag, so schreibt man aus Ermenrod, wohl selten vorkommen. Und doch ereignete sich dieser Fall hier. Ein Automobil fuhr dem in unserer Nähe brfindlichen steilen Eisenmannsberg hinauf. In der Mitte der Steigung aber ging der Wagen nicht mehr vorwärts, sondern drohte die umgekehrte Bewegung zu machen. Um davor bewahrt zu bleiben, lenkte der Führer des Wagens seitwärts in eine Waldschneise. Dort bat er einen in der Nähe befindlichen Landmann um Vorspann mit seinen Kühen. Diese wurden in der Tat an das Automobil gespannt, und nun gings zum Gaudium der Zuschauer den Berg hinauf.
pn. Lang-Göns, 15. Juni. Ein bedauerlicher Unglück sfall ereignete sich gestern nachmittag. Das vierjährige Töchterchen des hiesigen Küsehändlers Stern fiel von dem Brückenstein auf dem Kreuz in den Gönsbach und verletzte sich durch den Fall auf einen Stein sehr schwer am Hinterkopfe. Der Knabe, der es beaufsichtigen sollte, war den Soldaten, die hier einquartiert sind, nachgelaufen.
It. Lich, 15. Juni. Der Tag, an dem das Denkmal Sr. Durchl. des Fürsten Ludwig enthüllt werden soll, ist nun endgiltig auf . den 2. Juli festgesetzt worden. Die Feier wird folgenden Verlauf nehmen: Nachmittags um 3 i/2 Uhr wird sich der Festzug an der Turnhalle ausstellen unb" unter den Klängen einer Militärkapelle nach dem Denkmalsplatz sich bewegen. Die Schulen werden den Zug eröffnen, dann folgt die Musik, hinter ihr die Ehrenjungfrauen, das Denkmalkomitee, Stadt-, Kirchen- und Schulvorstand, die Klubgesellschaft, die Vereine mit ihren Fahnen in einer durch das Los bestimmten Reihenfolge, Bürger und auswärtige Teilnehmer. In weitem Bogen stellt der Zug sich dann um das Denkmal auf, dem gegenüber ein Zelt für die hohen Herrschaften errichtet wird. Zum Beginn der Feier wird ein allgemeines Lied, der Choral: „Eine feste Burg ist unser Gott" gesungen, dami trägt der Gesangverein Cacilia einen Chor vor, worauf Stiftsdechant K l i n g e l h öffer die Festrede hält. Danach erfolgt die Enthüllung, Uebergabe und Uebernahme des Denkmals, wonach der Gesangverein Männerquartett ein Chorlied singt. Den Schluß der Feier bildet das aemeinsam gesungene Lied: Deutschland, Deutsch-


