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155. Jahrgang
Freitag 16. Juni 1905
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monoih(67&t.L,irteTt* jährt»ch DL MO; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 6o Pf.; durch die Post Mt. 2.—viertel- jährt. auSfchl. Bestellg. ^tnabme Snjdm
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VOrontworU^ch Uft den volit. und cU^sr r. reu. U Wittko: für „Stadt und ßanb* und .GertchtSfaal^rAuaust Doetz; für den Anzeigenteil: tzanS Beck-
Dem Dtetzener Anzeiger werben Im Wechsel mit dem hessische» Landwirt die Sletzesee Kamtlte«. Hitttt viermal in der Woche deigelegt.
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GietzenerAnzeiger
** Eeneral-Anzeiger **
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Eichen
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Der Bericht des vierten Ausschusses über den Antrag oeS ALg. Köhler, betr. die Einrichtung eines ständigen Wetterdienstes bei dem Landwirtschaftlichen Institut der LcmdesuniverMt in Gießen liegt jetzt vor. Das Hydrographische Bureau in Darmstadt hat seine Stellung zu der Angelegenheit ausführlich dargelegt. Vor allem betrachtete eS das Hydrographische Bureau nach seiner Einrichtung als dringendste Aufgabe, ein meteorologisches Beobachtungsnetz im Großherzogtum einzurichten. Bei dem zunächst fetir geringen Personalbestand war daS Hydrographische Bureau durch die Einrichtung und Leitung dieses NetzeS, sowie durch die Verarbeitung und Veröffentlichung der Ergebnisse, bei oer möglichste Raschheit angestrebt wurde, so in Anspruch genommen, daß ihm die Inangriffnahme anderer größerer Arbeiten umsoweniger möglich war, als daS meteorologische Beobachtungsnetz bald in nicht vorherzusehender Weise wuchs, und daS Hydrographische Bureau sich dieser Ausdehnung gegenüber nicht ablehnend verhalten konnte. — Ein zweites Moment des Zögerns bildeten für das Hydrographische Bureau die Erfahrungen, die man mit früheren Einrichtungen eines Wettervorhersagedienstes benachbarten Staaten gemacht hat. Die Trefferprozente
benachbarten Staaten gemacht hat. Die Trefserprozente bei der Wettervorhersage sind seit den achtziger Jahren im allgemeinen auf etwa 85 Proz. stehen geblieben. Ferner hat sich gezeigt, daß überall, sobald man die Interessenten einigermaßen zur Deckung der Kosten des Witterungsdienstes heranzog, daS Interesse sofort erheblich abflaute. Jedenfalls kommt baß Institut nach eingehender Prüfung auS verschiedenen Gründen zu der Ansicht:
daß die einheitliche Organisation deS Wetterdienstes im Reich absewartet werden muß und keine Einrichtung geschaffen werden sollte, die in diese in allernächster Zeit zu erwartende Organisation nicht paßt;
2. daß int Fall der Einrichtung dieser Organisation ein möglichst zentral im Großherzogtum gelegener Punkt für die Zentrale des Wetterdienstes gewählt und es als selbstverständlich angesehen werden muß, daß in erster Linie für die Angliederung dieses Wetterdienstes das Hydrographische Bureau in Frage kommt, wie dies auch das Großh. Minlsterimn des Innern schon anerkannt hat.
Da nun aber eine einheitliche Organisation im Reich in der allernächsten Zeit nicht zu erwarten ist, so hat sich die Hess. Regierung bereit erklärt, die Einrichtung oes Wetterdienstes, wie er eben in Gießen im Interesse der Hess. Landwirtschaft gepflegt wird, finanziell zu unterstützen. Infolge dieser Zusicherung beantragt der Ausschuß, den Antrag des Abg. Köhler für erledigt zu erklären.
Ein neuer Antrag des Abg. Köhler lautet:
Die zweite Kammer wolle beschießen, Großh. Regierung zu ersuchen, in Verhandlungen mit der Reichspostverwaltung einzutreten mit dem Zweck des Verkaufs der staatlichen Stempelmarken innerhalb des Gronh. Hessischen Gebietes durch oie Reichspostanstalten und deren Unterorgane.
Angesichts der Errichtung einer Güterverladestelle in Abendstern kommt der Abg. Leun mit der Frage, warum die Güterverladestelle auf der PersonenHaltestelle Schiffenberg noch nickt errichtet wurde, obwohl die Kammer ihr Einverständnis vor Jahren betätigte.
Ein Antrag deS Abg. Leun lautet:
Hohe zweite Kammer wolle beschließen, die Großh. Regierung zu ersuchen, im Bundesräte zu beantragen, allen F e l d- zugsteilnehmern, soweit sie weniger als 2600 Mark Jahreseinkommen haben und keine Unterstützung auf Grund des Reichsgesetzes vom 22. Mai 1895 beziehen, einen kleinen Ehren- lold zu bewilligen.
Der erste Ausschuß beantragt:
I. für die landwirtschaftliche Landesausstellung zu Mainz im Jahre 1905 den Betrag bis zu 16000 Mark und
2. für die Landesausstellung für Kunst- und Kunstgewerbe zu Darmstadt im Jahre 1907 den Betrag bis zu 60 000 Mar? zu bewilligen und sich mit den Regierungsvorschlägen wegen der Verrechnung, Bereitstellung und etwaigen Erstattung dieser Zuschüsse einverstanden zu erklären.
Neben Prof, Dr. Biermer, der sich in zwei, bei Emil Roth hier erschienenen Broschüren gegen den Gesetzentwurf, betr. die Gemein de umlagen, ausgesprochen hat, ist auch der Abg. Schömberger ein Gegner der Regierungsvorlage. Ihm mißfällt die im Entwurf vorgesehene Veranlagung nach Betriebs- und Anlagekapital, weil fie niemals eine gerechte Verteilung der Lasten herbeiführen könne und eine Quelle von Unzuträglichkeiten werden dürfte. Denn Betriebs- und Anlagekapital könne weder ein maßgebendes Kriterium für die Leistungsfähigkeit des Steuerpflichtigen, noch für die Höhe der von rhm an die Gemeinde gestellten Ansprüche und damit der von .ihm zu leistenden Gemeindeumlagen sein. Er ist für die Besteuerungsform nach Einkommen und Vermögenswert. Schönberger meint, die vorgesehene Grund- und Gewerbesteuer entspreche über- a keinesfalls, wie behauptet wird, dem Prinzip der ng und Gegenleistung. Im allgemeinen nehme der Grundbesitzer und Gewerbetreibende seine Gemeinde in keiner Weise mehr in Anspruch als andere Gemeindemitglieder. (?) Und doch solle er mehr belastet werden, weil er einmal Grundbesitzer oder Gewerbetreibender sei und die Meinung herrsche, als ob gerade diese unter allen Umständen ihre Gemeinden ganz besonders in Anspruch nehmen müßten. Das ist doch wohl der Fall, denn er ist an fernen Wohnort zumeist lebenslänglich gefesselt, während die gesamte andere Bevölkerung mehr oder weniger fluktuiert und bar um von vornherein ein erheblich geringeres Interesse an allen kommunalen Maßnahmen nimmt. D. Red.) Jedenfalls hat Herr Schönberger den Antrag gestellt, die Regierungsvorlage in der jetzigen Form abzulehnen.
Der zweite Ausschuß hat sich mit der ftegierunö^öor*
3>le heutige Yuwwer umfaßt 10 Seite«, Sarlameutarisches aus Kessen.
tage, betr. den Entwurf eines Gesetzes, die Ausübung der Jagd eingehend besaßt und ist zu dem Ergebnis gelangt, daß eine Umarbeitung des Entwurfs nicht zu umgehen ist. Er vermißt eine übersichtlichere Gruppierung und leichtere Verständlichkeit und hält den Entwurf in seiner Regelung der Ausübung der Jagd für nicht erschöpfend, sowie eine nochmalige Erwägung der Frage der Jagdfolge für geboten. Er ist der Auffassung, daß Jagdausübung und Jagdschutz in einem Gesetz geregelt werden sollten, und beantragt darum, den Entwurf der Negierung zurück- und ihrer Erwägung anheimzugeben, eine Umarbeitung im Sinne der Vorschläge des Ausschusses eintreten zu lassen. Der Abg. Köhler schlägt vor:
„Wenn in einer Gemeinde mehr als die Hälfte der Grundbesitzer der bezüglichen Gemarkung zu einer Jagdgenossen- schäft auf Grund deS Reichsgcsetzes, betreffend die Erwerbsund W i r t s ch a s t s genosseiischaften, zusammen getreten und als solche registergerichtlich eingetragen ist, so soll es gestattet sein, daß diese Genossenschaft die bezügliche Gemeindejogd pachtet und die Jagd durch jagdfähige Personen ausüben läßt."
Der Rh-ein-Main-Gastwirtevcrband bittet, einen Stempel für den Kleinhandel mit Flaschenbier und Wein einführen zu wollen.
Scheitert die Marokko-Konferenz?
Die Marokko-Konferenz scheint nicht zur Tat werden zu sollen! Auf Englands Weigerung, der Einladung des SultanS von Marokko Folge zu leisten, war man ja in Berlin vorbereitet,, denn die französische Regierung empfing noch zur Zeit Delcass^s eine entsprechende Zusicherung. Daß aber Oesterreich-Ungarn mit den Vereinigten Staaten im Bunde, den Vorbehalt machte, daß alle interessierten Mächte der Konferenz zustimmen, nru^te füglich in Berlin einige Ver- irimberung erregen. Ebensogut hätte die mit unS verbündett Macht von vornherein ein unumwundenes Nein aussprechen können, da die Zustimmung sämtlicher Beteiligten, wie die Dinge liegen, doch überhaupt nicht in Betracht kam. Doppelt sympathisch berührt unter diesen Umständen die rückhaltlose Art, mit der sich I t a l i e n zur Beschickung der Konferenz bereit erklärt haben soll, was allerdings von Rom aus auch in Abrede gestellt wird. In Paris waren gerade auf Italien Hoffnungen gesetzt worden, daß es einmal die Gelegenheit benutzen möchte, der Republik einen Freundschaftsbeweis zu liefern. Die Rechnung- auf das „Zusammenhalten der Mittelmeer-Mächte" ist also trügerisch gewesen. Spanien dagegen dürste, trotz der erregten Proteste gegen Frankreichs Marokkopolitik in Spanien selbst, an der Seite Frankreichs imb Englands zu finden sein. Dafür hat der Besuch des fimg-en Königs in Paris und London bestens gesorgt, d. h. die bezaubernde Ausnahme, die Alfons zuteil wurde.
Nun, daS Scheitern der Marokko-Konferenz wird für Deutschland kein Mißgeschick bedeuten. Wenn Deutschland den zweckmäßigen und klaren Gedanken unterstützte, den in Marokko interessierten Mächten eine ruhige Aussprache zu ermöglichen, so hat es damit einfach zu erkennen gegeben, für wie kräftig und jeder Prüfung standhaltend es seine Haltung zur Sache ansehen darf. Glauben Frankreich und England dieser Aussprache ausweichen zu sollen, bann bleibt eben nur der Weg der unmittelbaren Verständigung mit dem Sultan von Marokko. Das ist wahrscheinlich sogar der raschere Weg, der zum Ziele ftlhrt, den deutschen Interessen in Marokko Luft und Licht zu wahren. In diesem Sinne bemerkt, anscheinend inspiriert, der „Lokalanz.": „Versagen die Signatar- mächte von 1880 die Teilnahme, so habe eben jede in Marokko interessierte Macht freie Hand und könne nach Gutdünken mit dem Souverän deS Landes Verträge abschließen, ohne irgendwelche Rücksichten zu nehmen." Aus diele Folge wird wohl der deutsche Botschafter in Paris Herrn Rouvier höflich, aber bestimmt aufmerksam gemacht haben. ES geht auch so.
Die „Nationalltg." erklärt, Mitteflungen über angebliche territoriale Konzessionen für Deutschland in Marokko seien phantastisch; sie bestättgt dagegen, daß das HanS Rentemann eine Konression für Reparaturen und Neubauten im Hafen von Tanger erhielt.
Am Schlüsse einer Parade in Fez, die zu Ehren der deutschen Mission stattfand, defflierten die maurischen Truppen vor General von Schenk, der ihr forsches Aussehen lobte.
In feiner doppelten Eigenschaft als englischer Gesandter und dänischer Geschäftsträger machte Lowther dem Minister der auswärtigen Angelegenheiten Mdel-Krim ben Sli- man am 12. Juni Vorhaltungen: er verlangte die Festnahme und Bestraftma des Mörders Madden's, des dänischen und östreich-ungnrischen VizekonsulS in Mazagan, sowie Maßnahmen, welche die Sicherheit der anderen fremden Untertanen in Mazagan gewährleisten. Die Frage der Entschädigung soll später erörtert werden. Lowther wird mit dem Sultan persönlich die Angelegenheit besprechen. Es sind, so behauptet wenigstens Reuter, zweifellos Anzeichen einer wach senden Anarchie in Marokko vorhanden. Die Vertreter der sranzös. Banken und industrieller Unternehmen reisten nach der Küste ab, da ihre Mission erfolglos geblieben ist.
Der Pariser „Eclair" meldet auS Marokko: Im Gebiete von Mamia verfolgten marokkanische Soldaten Diebe, welche Vieh gestohlen hatten, wobei acht Algerier getötet wurden. 2600 Stück Hammel waren geraubt worden. Eine Schwadron Spahis ist nach Mamia abgegangen. Man befürchtet neue Grenzzwischenfälle.________ ,____________
Ier Krieg.
Ein deutscher Dampfer in den Grund gebohrt!!
Flensburg, 15. Juni. Nach einem bei der Flensburger Dampfschiifahrtsgesellschaft von 1869 eingegangenen Telegramm ist der eiserne Schraubendampfer „T et arte s", 1812 Registertons groß, am 30. Mai von dem russischen Hilfskreuzer „Don" auf der Reife von Japan nach Tientsin in der nordchinestschen See in den Grund gebohrt worden. Die Mannschaft wurde gerettet und gestern in Batavia gelandet. Das Schiff hatte, wie die Gesellschaft dazu erklärt, keine Kontrebande an Bord und war mit Holz und Schwellen beladen und nach einem neutralen chinesischen Hafen bestimmt. (Was sagt der durchlauchtigste Herr v. Bülow zu dieser neuen russischen Liebenswürdigkeit? Der englische Minister des Aeußern Lord Landsdowne hat noch kürzlich wegen der Vernichtung des englischen Schiffes „Kilda" sofort beim russischen Bot
schafter Einspruch erhoben und nähere Aufklärung gefordert. Hoffentlich nimmt sich der deutsche Reichskanzler an seinem britischen Kollegen ein Beispiel und redet einmal den freundlichen russischen Bären ein bißchen deutsH an.)
Nachträgliches von der Seeschlacht.
Tokio, 15. Jüni. In einem heute vom Marinedeparte« ment veröffentlichten Bericht des Admirals Toga über die Seeschlacht bei Tsushima heißt es: Der japanische Schlachtbefehl wurde am 27. Mai um 1 Uhr 55 Min. nachmittags gegeben. Nachdem die japanischen Schiffsdivisionen! ihre Manöver begonnen hatten, eröffneten um 2 Uhr 8 Min. die Russen das Feuer. Die Japaner erwiderten dasselbe erst, als sie auf 6000 DardS an die russische Flotte herangekommen waren. Dann konzentrierten sie ihr Feuer auf die beiden führenden russischen Schiffe mit solchem Erfolge, daß die Schlacht utrt 2 Uhr 45 Min. nachmittags entschieden war^ (Also in wenig mehr als einer halben Stunde war daS ganze russische Geschwader vernichtet?!!) In feiner Schilderung der Ereignisse vom 28. Mai sagt Admiral Togo, seine Schlachtschiffe, Kam'muras Panzerkreuzer, Urius Schiffsdivision uno diejenige des jüngeren Togo hätten Nevoga- tows Geschwader völlig umzingelt und einen Widerstcmd nutzlos gemacht. Togo gestattete bann, nachdem Nebogatowi sich ergeben hatte, diesem und seinen Offizieren, ihre Säbel zu behalten.
Dir russische« TSlpel.
Tokio, 15. Juni. Mehrere Fachleute untersuchten ba- russische Schiss ,L)rel" in Maitzuru und sanden in deut oberen Teil, daß ein großes und drei kleinere Geschütze sowie zwei Türme beschädigt sind. Die unteren Teile^ Maschinerie und Ankerung waren völlig unversehrt. Danach hat also keine Notwendigkeit Vorgelegen, da- Schiff zu übergeben.
Paris, 15. Juni. General Gallient, Gouverneur von Ma dagaskar, der hier eingetroffen ist, teilte solgendeÄ mit: Drei Monate vor dem Eintreffen des russischen Geschwaders Roschdjestwenskis waren zwei Japaner angelangt, welche Geishas mitbrachten und ein Freudenhaus errichteten. Die russischen Offiziere besuchten daS Haus sehr ost, das jedoch lediglich Spionagezwecken diente.
Die japanischeu Verluste.
Die japanische Flotte hat wabrend der ganzen biS». berigen Dauer des Krieges cm Toten und ^rwundetert 391 Offiziere und 3279 Mann eingebüßt.
Die Friedenskonfereuz.
Washington, 15. Juni. (Reuter.) Amtlich wird' er» llärt, daß Washington als Ort für die FriedenLkory- ferenz gewählt worden sei.
Die Kriegssttmmuug iu Nußlaud ist noch immer nicht verschwunden. Die „Nowvie Sfcetttta* und der „Swjet" treten energisch für die Fortsetzung deS Krieges ein. DaS erstere Blatt erklärt, Japan brauche eher den Frieden wie Rußland, deshalb könne Rußland keine Nachgiebigkeit zeigen. DaS letztere Blatt behauptet, mit wenigen Ausnahmen sei ganz Rußland für die Fortsetzung des Krieges. Schon mit Rücksicht auf die Armee könne jetzt kein Friede geschlossen werden.
Sehr bemerkenswert ist die offiziöse Meldung bet, Petersburger Tel.-Agentur, daß Großfürst AlexrS um-, seine Entlassung auS der Stellung eines Großadmirals nachsuchte.
Mußrand in Stnrm und Drang.
Die Resormbewegung.
Petersburg, 15. Juni. In der heutigen Beratung sämtlicher von der Moskauer Semstwoversammlung gewählten Deputierten wurde im Hinblick darauf, daß nur einige Mitglieder der Deputation durch den Kaiser empfangen werden sollen, folgende Resolution gefaßt: Die Deputation erachtet die ErMung der ihr von der Semstwoversammlung übertragenen Pflichten nur dann für möglich, wenn in der Zahl der vorgelassenen deputierten Mitglieder alle Fraktionen der Moskauer^ Semstwoversammlung sich beflnden.
Petersburg, 15. Juni. Es bestätigt sich, daß btt Juden selbst von den geringsten Wohltaten der zugesagten Reformen ausgeschlossen bleiben sollen. Angesichts der furchtbaren Not, die die Judengesetze über die West« Provinzen gebracht haben und in deren Gefolge auch dis Demoralisation der russischen Bevölkerung eingetreten ist, haben die Semstwomänner bcschloflen, auf ihrer Audienz beim Kaiser auch die Judenfrage zur Sprache zu bringen. Die russische liberale Presse stellt dem entsprechende Forderungen. Indem das Augenmerk der Gesellschaft auf di^ großen Dienste hinlenckt, die die jüdische Intelligenz für den politischen Fortschritt Rußlands geleistet hat, bezeichnet sie es als eine Ehrenpflicht der russischen Intelligenz, sich ihrerseits auch der Juden anzunehmen.
Moskau, 15. Juni. Hier sand eine von 200 Personen besuchte Ingenieur- Konferenz statt. Die Teilnehmer beschlossen, sich auf das erste Signal einem zu einem politischen Zweck zu veranstaltenden allgemeinen Aus stand anzuschließen, durch welchen das wirtschaftliche, insbesondere das ir'ulstrielle Leben des Landes zum gän lichen Stocken gebracht werden soll.
Die Metzeleien im Kaukasus.
Die letzten Nachrichten aus Grivan lauten sehr ernst. An» 80. Mai überschritten 5000 berittene Kurden di»


