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14/09/1905 Zweites Blatt
 
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Nr. 216

General-Anzeiger, Amtt- und AnzeigMatt für den Ureis Gietzen

Gütergeschosse,

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dadurch freibekommen, daß i.,m Japan die indische Flanke deckt. Und da alles Denken und Streben Eng-

1 Band Zusammenstellung der Gütergeschosie, baß Protokollbuch;

lands patsch

nie jiiindiwrei. cjertÄ' £ 326 poftlaqeniöj^

,eit daraus gerichtet scheint, einen eure- Zeltbrand zu entfachen, so sucht man in England mit allen Mitteln zweierlei zu erreichen: Ruß­land zur Wiederaufnahme seiner panslavistischcn Politik zu veranlassen, und Frankreich immer mehr mit Deutschland zu verhetzen. Ohne daß man sich in >ieser Beziehung einer Täuschung hingcbcn darf, ist es )och erfreulich zu sehen, daß der von den offiziösen eng» ischen Blättern ausgcworfene Köder der Rußland mit Ans­ichten auf Konstantinopel locken wollte, von der russ. Presse mit Entschiedenheit zurückgewiesen wird. So schreiben die

gegen findet statt:

Montag, 2. Oktober l. I., vormittags von 81/291/, Uhr, im Vureau der Grotzh. Bürgermeisterei Gießen, wozu ich die Beteiligten unter dem Anfügen einlade, daß die Nichterscheinenden mit Einwendungen ausgeschlossen sind.

Die Einwendungen sind schriftlich abzufasien, zu be­gründen und auf Papier in Aktengröße (mindestens Vb Bogen) emzureichen.

Friedberg, den S. September 1905.

Ter Großherzogliche Feldbereinigungskornmissär: Spam er, KreiSamtmann.

GklchetM WßNch mU HuBnabme des Sonntag».

Die ^Gießener -amttienblätter" werden dem ,Anzetger viermal wöchentlich betgelegt Der Erstich« Laadwirt" erichetnt monatlich einmal.

gtotQhonßbrud und Verlag btt Vrühllch« Untoerßtätßbruderet 9L Lange, Vietze».

Redaktton, Expedition u.Druderei: Schulstr.K» Tel. Nr. 51. Idcflt.-aUn. > 8ln-etgtt Vietze».

bach,

1 Band Zusammenstellung der Gütergeschosse von Wißmar,

2 Bonitierungskarten, Einsicht der Beteiligten offen. Tagfahrt zur Entgegennahme von Einwendungen hier-

Aeutschland nach dem Zriedensschluffe.

Der Friede von Portsmouth hat England ungeheure Vorteile verschafft ... , ohne baß es selbst fühl­bare Opfer dargebracht hätte. Es hat die Arme in Europa

schwach sind. Es bedarf für sie im 2. Jahre nur geringer Schädigung, nm sic Krankheiten erliegen zu lassen. Aus alledem geht hervor, daß der Kampf gegen die Säuglingssterblichkeit mit Nachdruck und Ernst geführt werden muß. (L. N. N.)

Kekanntmachmlg.

B etr.: Feldbereinigung in der Gemarkung Gießen, links der Lahn.

In der Zeit vom 16. September l. Js. bis einschließ­lich 80. September l. J8. liegen auf dem Bureau der Großh. Bürgermeisterei Gießen die Arbeiten des II. Abschnittes, und zwar:

I. der Fluren XIX bis XXVIII der Gemarkung Gießen, links der Lahn, nämlich:

2 Bände Besitzstandsverzeichnis,

aus besserer ßamlu illifiH such- zum L evlUä, -der eine Me zur MM mmü au übernehmen. Wt i geilem

Bekanntmachung.

Betr,: Feldbereinigung in der Gemarkung Langsdorf.

Freitag den 29. September 1905 findet die Neber- Weisung der Ersatzgrundstücke und die Versteigerung der Maffe- grundstücke an Ort und Stelle statt.

Zusammenkunft vormittags 93/4 Uhr am Rathaus zu Langsdorf, woselbst auch die Versteigerungsbedingungen bekannt gegeben werden.

Die Üeberweisung erfolgt vsrbehältlich der im Termin bekannt zu gebenden weiteren Bedingungen unter folgenden:

1. Meliorationsarbeiten können auf den überwiesenen Grundstücken auch fernerhin vorgenommen werden.

2. Eigentumsveränderungen, die infolge der Ausführung von Meliorationsarbeiten, der Anlage von Wegen und Gräben und dergleichen innerhalb der Zeit der Ausführung dieser Arbeiten notwendig werden, müssen die neuen Eigentümer dulden. Ein hierdurch be­dingter Ab- und Zugang von Gelände wird dem neuen Eigentümer nach dem Bonitätswert vergütet, bezw. zugeschrieben.

Friedberg, den 12. September 1905.

Der Großher.rogliche Feldb-reinigungstommissär;

S p a m e r, Kreisamtmann.

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Volilkschc Tagesschau

Auch eine Motivierung der Prügelstrafe.

Man schreibt uns aus Berlin:

Die seit dem 8. d. M. in Dänemark in Geltung befind­liche Prügelstrafe gibt der ZeitschriftDaS Recht- den Anlaß zu einer Empseblung dieser Einrichtung auch bei unS. Rller- dings ist diese Empfehlung so abgesaßt, daß sie kaum Erfolg haben dürfte. Das Blatt schreibt nämlich:

Wir stehen auf dem Standpunkte, daß für eine Reihe von Noheitsdelikten körperliche Züchtigung völlig am Platze ift und zwar nicht nur in Dänemark. Den zartbesattcten Seelen, öle ob unseres Wunsches empört >ind, empfohlen wir zur geeigneten Lektüre die Statistik über Bestrafung wegen Noheitsdelikten, und, wenn das nichts nützen sollte, die vorübergehende Bekanntschaft mit einem derartigen Rohling. Wir sind überzeugt, daß sie noch nie o rasch unb so gründlich ihre Meinung geändert haben, als nach dieser rohen Bekanntschaft." , ,

Wir meinen,Das Recht" habe sich hier gründlich tm Tone vergriffen. Solche billigen Witze stehen in einer ernsten Sache einem wissenschaftlichen Blatte schlecht zu Gesichte. Aber auch das .sachliche" Argument des ,Rechts" ist völlig werlos. Es empfiehlt zur Beachtung die Statistik über Be­strafung von Noheitsdelikten. Was aber kann aus dieser Statistik entnommen werden? Dock nur, daß die Roheits- delikte leider sehr zahlreich sind. Ob aher die Einführung der Prügelstrafe diese Zahl herabmindern würde, das läßt sich aus Unserer Kriminalstatistik nicht allein entnehmen, son­dern nur aus einer vergleichenden Statistik mit Ländern, wo sie noch besteht. Für Dänemark kann nach dem viertägigen Bestehen der Prügelstrafe eine Statistik noch nicht ausgemacht werden, und was Rußland betrifft, wo die Prügelstrafe wenigstens für die bäuerliche Bevölkerung bis in die jüngste Zeit in Geltung gewesen ist, so haben wir zwar die Statistik über die Rohheitsdelikte nicht zur Hand aber die bei den gelegentlichen Bauernrevolten zu Tage tretende Bru­talität spricht nicht eben dafür, daß die Prügelstrafe eine Milderung der Sitten herbeigeführt hat. Auch dürften in der deutschen Armee, wo die Prügel­strafe seit einem Jahrhundert abgeschafft ist, seltner Rohheits­delikte vorgekommen sein, als in der englischen, wo sie vor noch nicht langer Zeit in Geltung war. Jedenfalls wird es sich empfehlen, erst einmal die Erfolge in Dänemark, wo sich die Bevölkerung etwa auf demselben Kulturdurchschnitt be­findet wie bei uns, abzuwarten.

> Man schreibt aus Darmstadt: Das großh. Hof­theater wird am 17. ds., dem G e b u r t s t a g e I. K. H. der Groß Herzog in, mit einer Fcstvorstellung vonDer flie­gende Holländer" eröffnet.

Am Schauspielhaus in Frankfurter. M. wird das Erstlingswerk eines erst 19 jährigen Autors, Sigmund Neu­mann, zur Darstellung gelangen, das sichStürme, bad Drama einer Jugend" betitelt und in Schülerkreisen spielt.

Das Prinzregenten-THeater in München. Von Alex Braun. München bei A. Bruckmann. In einem schmucken Quartbande, der mit zahlreichen Bildern ausgestattet ist, liegt die Geschichte des neuen Münchener Theaters vor, uns, das et ne Verwirklichung des Gedankens darstellt, den Richard Wagner ursprünglich bezüglich seiner Festspielhauses hatte, den ihm König Ludwig II. verwirklichen wollte, und zu dessen Ans- si'ihrung Semper bereits den Plan entworfen hatte. Im Jahre 1901 wurde zum ersten Mele in dem Festspielhause gespielt. Im Sommer gelangten vorzugÄveise Wagners Werke zur Auf- sührimg, während des Winters auch Dramen von Shakespeare, Lessing, Schiller und Goethe, wie daS eingehend mit liebevollem Sinne in dem hübschen Buche erzählt wird, , das uns auch Zeichnungen nach Motiven aus dem Theater bringt, sowie eine lange Reihe von sorgsam ausgeführten Bildnissen ausübender Künstler und Künstlerinnen, die in Oper und Schauspiel auf der Bühne des Prinzregenten-Theaters tätig waren. , Auch in weiteren Kreisen als denen der Besucher des Festspielhauses, für die es eine angenehme Erinnerung bildet, wird das gut geschriebene und fein gezierte Buch Interesse erregen.

Hamburg, 13. Sept. In der heutigen Morgensitznng der zehnten Versannnlung der Internationalen krimi­nalistischen Vereinigung unter deni Vorsitz des Pro­fessors Tr. Silovie-Agram behandelte Prof. Prinz in längeren Ausführungen die Frage:Wie kann für bestimmte Kategorien von Rückfälligkeit der Begriff ,.Gemeingefährlichkeit des Täters" anstelle des heute ausschließlich angewandten Begriffs derver- breckwrischen Tat" gesetzt irerb.ii; ' ".u demselben Thema sprach der Advokat Dupont-Brüssel. Die mittagssitzung fiel wegen einer Hafenfahrt und der Besichtigung : r AuSlvandererhallen aud.

Die Abnahme der Fliegen ist, wie wir jetzt also wissen, nicht nur eine Annehmlichkeit für den Menschen, sondern bedeutet eine erhebliche Verringerung der Krankheitsgefahr. Dieser Segen beschränkt sich nicht auf eine Ver­minderung der Kindersterblichkeit, sondern erstreckt sich sicher auch auf die Erwachsenen, denn es ist nicht einzusehen, warum die Fliegen ebenso wie die Keime der erwähnten Krankheiten nicht auch andere, so namentlich die des Typhus auf den Menschen sollten übertragen können.

Der Kindersterblichkeit wird steigende Aufmerksamkeit zu­gewendet. Mit Recht! Wir liehen, besonders in den Städten, aber auch in vielen Landgemeinden, angesichts der furchtbaren Sterbeziffern der Kinder vor einer Kalamität, die zu beseitigen dringend geboten ist Auf Anregung der Kaiserin läßt der Vaterländische Frauenverein seit einiger Zeit überall Vorträge über Kindersterblichkeit halten; auch Merkblätter werden verbreitet, Einrichtungen verschiedenster Art zur Vorbeugung werden geschaffen. Auf­fallender Weise wird aber in dem, was über diesen Gegenstand von vielen Seiten geredet und geschrieben wird, eine Ursache entweder gar nicht ober Nicht genügend berücksichtigt. Professor Dr. von Bunge hat unter Bei­bringung eines großen, unanfechtbaren statistischen Materials nachgewiesen, daß die zunehmende Unfähigkeit der Mütter, zu stillen - unb diese Unfähigkeit ist ein Hauptgrund der Krndersterbllchkeit! - im Zusammenhänge mit dem Alkoholismus steht. Diese Unfähigkeit hat sich erst seit dem Jahre 1500 ausgebreitet, also seit der Zeit, wo Branntivem und Bier durch ihre billige und massenhafte Herstellung Volksgclränke wurden. Völker, die keinen Alkohol genießen, wie die Türken, Armenier, Kurden, kennen diese Unfähigkeit nicht. Im Bierland Bayern ist daS Unvermögen, zu stillen, am meisten ausgebreckct. Was hier Bunge fcst- aestellt hat, wird von allen Aerzten, welche diesem Zusammenhang näher nachgegangcn sind, durchaus bestätigt. Mutter, welche stark trinken, verlieren die Fähigkeit, ihre Kinder zu ernähren. Aber nicht nur das: bie Töchter starker Trinker ererben das Unvermögen, ihren Kindern den wertvollsten Dienst zu leisten, den Mutterfürsorge leisten kann.

Auf ein Jahr mit hoher Sterblichkeit im 1. Lebenslahre folgt ein Jahr mit hoher Sterblichkeit im 2. Lebensjahre, auf ein Jahr mit nicbrigcr un ersten ein solches mit niedriger im Zweiten. Diel- Tatsache hat neuer- dinqs Dr. Koeppe in Gießen an dem stat.stlichen Material der Stadt Gießen in den letzten l0 Jahren erbariet. Es war d.ev um so Kälter festzusiellen, als im letzten Janrzehnt ,n Gießen immer Jahre mit hoher Säuglingssterblichkeit mit solchen nut niedriger abwechsel,en, denen dann immer die folgenden mit ihrer Sterblichkeit im 2^Lebensiahre entsprachen Die Erklärung dieserzunächst verblüffenden Tatmche ist ziemlich einfach. Die hohe Sterblichkeit wird durch epidemiil. auftretende Mageii- darmkatarrhe hervorgerusen. Die Säuglinge erkranken, soweit sie lunstuch ernährt werden, fas, alle. Tie Überlebenden sind durch die Krankheu geschädigt, sei es, daß ihr Darm empfindlich ist, fei c8, daß sie entwickelungs-

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Kleines Jeuilleton.

Fliegen als Krankheitsvermittler. Angesichts b-r Cholera­fälle auf deutschem Boden wird man an die in Indien beobachtete Tatsache erinnert, daß die Fliegen zuweilen für die Übertragung dieser Seuche verantwortlich gemacht werden müssen, indem sie den Cholerakeun nut sich herumschleppen und auf Speisen absetzen. Die Rolle der Fliegen m der Verbreitung von ansteckenden Krankheiten ist wahrscheinlich überhaupt cme recht bedeutende, wie jetzt wieder einmal Dr. Nash m einer Zuschrift an ben Lancet ausführt. Dieser Arzt bezieht sich insbesondere auf den un Sommer häufig epidemisch auftretenden Durchfall, also auf btciemge Krank- beit, die vielfach als Cholerine bezeichnet wird Früher hat man aus. schließlich die gesteigerte Temperatur und bte dadurch bedingten Wechsel zwischen Erhitzung und Abkühlung deS Körpers verantwortlich gemacht. Dr Ballard machte zuerst die merkwürdige Entdeckung, daß die sommerliche Steigerung der Sterblichkeit an Durchfall erst dann emsetzt, wenn hie mittlere Erdtemperatur in einer Tiefe von vier Fuß unterderOberflache eine Steigerung bis auf 14 Grad erfahren hat. Er schloß daraus, daß dadurch das Wachstum der ansteckenden Ke,me der Krankhe t besoiiders begünstigt werden müßte, jedoch bheb er ,m unklaren Über die Mtt l Me seine Uebertragung auf Nahrungsmittel und namentlich m d e Milch zu bewirken vermöchten. ES ist zum mindesten sehr wahrsche nl'ch daß die Fliegen als die gefährlichsten Zwischenträger in dieser Hinsicht zu b-trackiftn sind Dafür wird ein aus letzter Zeit berichtetes Bei P.el geradezu beweisend. Im Südende von London wurden während der Monate Juli und Uugusil 1 23 Todesfälle an Durchfall unter den Kindern gezahlt, wahrend m derselben Zeit bei folgenden JahreS nicht ein emz.ger vorkam obgleich die Temperaturverhältnisse die gleichen waren Es fiel schon damalau daß der Hochsommer 1902 sich durch den völligen Mange an fliegen ausreichnete die sich dagegen im September überreichlich em stellten. Als- VKg °I.ch wL bUw.it d.- Durch,--» Iri ta smbnn b-n denen nicht weniger als dreizehn ,n bte em einen Monat daran zu Grund gingen. ES halt schwer, da noch an einen zufälligen Zusammenhang zu glauben. Dr. Nash hat dem Sachverhalt spater noch genauere Aufmei samkeit geschenkt und die Vermutung bestätigt gefunden, daß gerade u Häusern die besonders stark von Fliegen he.mgesucht wurden, auch Er krankungen an Durchfall häufiger waren als anderswo Die- ^sabrungen enthalten eine Hobe Moral. Sie zeigen namlich, wie die Erfüllung der ^oike rungen der Gesundheitspflege einen Lohn inftd) ^°gt,derdie ^^echungeu und Erwartungen noch weit übertrifft D.e Fl.ege, undande gn t n leben von der Unreinlichkeit der Ä.enschen und wertn ihrer Verme> nmgS. und Derbre.tuugS ahigkeit bed ntend e jj< wenn sorgfältig auf die Entfernung jedes Unrats aller Pfützen und> MW* Ansammlungen von stehendem ober fauligem Wasser Sorge getragen wirb

zugezogenen Gemarkungsteile von Launsbach und Wißmar, nämlich:

Band Besitzstandsverzeichnis von Launsbach,

Band Besitzstandsverzeichnis von Wißmar, w Gütergeschosie von Launsbach, Gütergeschosie von Wißmar, Zusammenstellung der Gütergeschosie vonLaunS-

Birshewija Wjedomostt":

Wenn der britischen Diplomatie die dominie­rende Rolle Deutschlands in Europa filrchtbar ist, wenn sie irgend welche Mitwirkung braucht, um Zwietracht unb Mißtrauen zwischen den Mächten aufbem europäischen Fest- lande zu unterhalten, so wird sie diese Mitwirkung nicht in Rußland zu suchen haben, das genug für andere gearbeitet bat. Aus den Siegen, die Rußland 1897 errang, haben alle Großmächte fiir sich Vortell gezogen: aus dem Miß­geschick und Unglück, das Rußland jetzt durck)gelebt hat, muß es selbst den Vorteil ziehen, indem es alle seine Kräfte auf die Heilung seiner Wunden, auf seine innere Wiedergeburt richtet."

Rußland könnte in der Tat ja auch gar nichts Törichteres beginnen, als sich nach den schweren Niederlagen des eben beendeten Krieges in neue Abenteuer 311 stürzen, denen es, im Augenblicke wenigstens, in keiner Weise gewachsen sein würde. Diese Einsicht kommt auch sehr klar zum Ausdruck in einem Altssatze der ZeitungRuß":

Dieser Friede wird stets traurige Erinnerungen wachrufeu unb doch hat ganz Rußland frei ausgeatmet, als die Nachricht vom Stieben kam. Das russische Volk behauptet, her, Krieg set die gerechte Strafe für unsere Sünden gewesen. Wir standen einem Gegner gegenüber, den wir als klein und un­bedeutend ansahen, der uns und der Welt aber gezeigt hat, welche Erfolge Bildung und Freiheit zeitigen können. Wir müssen dem Schicksal dankbar sein, daß wir diesen Krieg mit Japan und nicht mit einem europäischen Staat zu führen ge­zwungen waren. Was wäre aus Rußland geworden, wenn dieser Zusammensto ß nicht im fernen Osten, sondern inEur0pa, nicht mit einer Macht, bie erst durch ihre Siege über uns groß geworden ist, sondern mit einer europäischen Großmacht, z. B. mit Deutschland, erfolgt wäre?! Dann hätte Rußland ehre Nieder! age erlebt, wie sie die W e ltg e s ch ich te u 0 ch nicht kennt. Rußland wird hoffentlich aus diesem Kriege die nötigen Lehren ziehen, sonst folgt die ©träfe zum zweiten Mal und deren Folgen sind bann schlimmere, als Wir nur auszudenken vermögen."

Selbstverständlich kann und darf uns dies nicht daran bindern, dem Panslavismus, der uns in früheren Jahren hinreichende Proben seiner feindseligen Gesinnung gegeben hat, mit Aufmerksamkeit auf die Finger zu schauen. Immer­hin stellt unsere russische Grenze nicht die Wetterseite unserer Polittk dar. Deshalb soll man sich mich nicht dadurch über die Lage täuschen lassen, daß die englische Presse jetzt ob- totegelt und behauptet, niemals gegen Deutschland gehetzt zu haben. IMSipectator" z. B., der z-u den eifrigsten Deutschenfressern in England gehört, jetzt jetzt ein Herr Seton-Watson auseinander, daß Englands französische Po­litik nur geeignet erscheine, gleichermaßen Mißtrauen in Frankreich wie in Deutschland gegen dasperfide Albion" (wörtlich) zu erregen. Das ist ja sehr verdienstlich, aber wenn derSpeetator" seine Ausführungen mit überladenen Phrasen über die Verunglimpfung Englands durch die deutsche Presse begleitet, so beweist das eben alles nur, wie weit die Engländer von einer gerechten Beurteilung der deittschen Politik entfernt sind. IM übrigen ist der Pferdefuß in diesen Darlegungen leicht zu erkennen. Wat­son macht nämlich seinen Landsleuten klar, daß ihre An­griffe gegen Deutschland nur die Bereitwilligkeit des deut­schen Reichstages zur Verstärkung der deutschen Wehrmacht zur See erhöhen, während ein liebens­würdiger Ton der englischen Presse Deutschland in die alte Sicherheit wiegen würde. Merken wir uns das!

Der Fall Marttn.

Die ,Rordd. Allg. Ztg.« schreibt:

In verschiedenen Blättern ist von einem Fall Martin die Rede, der darin bestehen soll, daß gegen den Regierungsrat tnt Kaiserlichen Statistischen Amte, Martin, wegen der in feinem Buche über Japan und Rußland geäußerten Ansichten Ermittelungen eingeleitet worden seien, und das; die Regierung sich bemühe, die Verbreitung dieses Buches zu bindern. Ehe sich diese Meinung festsetzt, wollen wir erklären, daß sie auf ganz falschen tatfäcMidjen Voraussetzungen beruht. Der Inhalt des Martin'schen Buches ist für die amtlichen Kreise vollstündig mit der Erklärung erledigt, die wir am 3. September veröffentlichten. Für die Reichsbehörden ist es daher ganz gleichgiltig, ob. und in welchem Umfange das Buch weitervertrieben wird. Richttg ist, das; amtliche Ermittelungen ang estellt worden finb. Diese beziehen sich aber lediglich auf die Frage, ob Martm, der Autor einer Privatarbeit, bei dem ?lbschlusse des Verlags­vertrages und bei der Mfassung des Prospektes für den Ver­trieb des Buches die Rücksichten auf seinen Amts­charakter gewahrt hat, ober ob er,,wie auS einer Erklär­ung des Verlegers hervorzugehen scheint, die amtliche Eigenschaft seiner Person mißbraucht hat. Hiernach entbehrt der sog. Fall Martin des politischen Charakters, den ihm einzelne Wätter beizulegen versucht haben."

Es sind also amtliche Ermittlungen gegen den Verfasier des Auffeben erregenden BucheS eingeleitct. Daß die Re-

Zweites Matt. 188. Jahrgang Donnerstag 14. September 1905

Gietzener Anzeiger

Maeltursus!

L Verkäuferin - du. Moritz iSregoriLksji.

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Sanbe gtfud)i, per 1. uttober. J

auch Hausarbeit übernimmt, en unb bügeln faim, fofort - r 1. Cftßber,gesucht. W 1U Lauge, Aahrungsbttg 8.

Frau Loder, Herweg M Mädchen stbe Tage gesuchi. 14110 -rb.AiUagc 12, II, et, iWHijäjtin nng. Ehepaar gej. Zu nM : luder, Aeuerweg 17. bcntl. Lausmabcheu ges. Näheres in der Äeschaü^ Siegener An-eigets. 14771

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