Ausgabe 
13.5.1905 Zweites Blatt
 
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** Ein reicher Hochzeitsschmauß. Man schreibt vn8 auS Wallernhausen bei Nidda vom 12. Mai: Daß die oberhessischen Landbewohner verstehen, eine Hochzeits- seier in reichster Weise zu begehen, zeigte sich bei einer vor wenigen Tagen vollzogenen Vermählung. DaS junge Paar, die einzigen Kinder ihrer Eltern, sind in der Lage, das was sie zusnmmenbring-n, mit einer sechsstelligen Zahl zu schreiben. Dementsprechend waren etwa 400 Gäste ge­laden, 3 Schweine waren geschlachtet, 56 Braten hergestellt, 2 00 flache Kuchen und 40 Plumpkuchen gebacken worden. Wer am Erscheinen verhindert war, bekam seinen Teil ins Haus geschickt. Ein zwcispänniger Wagen tnit Bier lieferte die nötige Befeuchtung.

pn. Lang-Göns, 13. Mai. Anstelle der am 13. No­vember v. I. abgebrannten Scheuern der Landwirte Müller und Luh und der noch ganz neuen Gebäude des Landwirts Roinps erheben sich jetzt neue Gebäude, große geräumige Scheuern und Ställe. Obgleich die Witterung nicht besonders günstig war, so stehen doch schon die großen Scheunen fix und fertig da, und es fehlen nur noch die vollen Erntewagen, um sie zu füllen.

Qo Lich, 12. Mai. Gestern abend gegen 61/, Uhr trafen Ihre Königl. Hoheiten der Groß Herzog und die Großherzogin und Ihre Durch!. Prinzeß Dorothea zu Solms-Lich hier ein. Se. Durch!, der Fürst Karl hatte seine hohen Gäste im offenen Vierspänner in Butzbach ab­geholt. Eine zahlreiche Menge hatte sich auf die Nachricht vom Eintreffen Ihrer Königl. Hoheiten am Eingänge des Schloßgartens angesammelt und begrüßte die Ankommenden mit stürmischen Hurrah- und Hochrufen. Heute, an der Wiederkehr des Todestages weiland der Fürstm-Mutter be­suchten die hohen Herrschaften die fürstliche Familiengrabstätte. Heute nachmittag reiste das Allerhöchste Paar wieder ab.

r. Hun gen, 12. Mai. Aus der Bürgernieislerei Himgen ging vom Kreisamt die Anfrage ein wegen freier lieber» lofiung der Lokalitäten für eine Landwirtschaftliche Win ter sch ule. Die Anfrage wurde vom Gemeinderat einstimmig bejaht und mit Freude begrüßt.

4- Hungen, 12. Mai. Unser Städtchen steht im Zeichen des Fortschritts, das wird jeder Fremde, der Ein­blick in die Verhältnisse nimmt, bestätigen. So erfreulich nun auch diese Tatsache ist, so ist doch einFortschritt" tat­sächlich als Rückschritt zu bezeichnen, wenn man die Be­strebungen der modernen Architektur in Betracht zieht. Daß neue Häuser zukünftig wohl ausschließlich in Russen­steinen erbaut werden, dafür sorgt die hiesige Ringofen- Aktiengesellschaft. Doch bestehen hier eine Menge in Eichen- Holzfachwerk errichteter Gebäude, die unserer Stadt einen imposanten Ausdriick verleihen würden wenn sie nicht rechthübsch" mit Tünche überzogen wären. DaS Bürger­meister Fendt'sche, das I. Sulzbach'sche, W. A. Hofmaun'sche Haus, das Gasthaus zum Hirsch, das deutsche Haus (die neben anderen alle eine bemerkenswerte Vergangenheit haben) sind Fachwerkbauten von Stil, nur steckt der Stil hinter dem Kalk. Es wäre dringend zu wünschen, daß bei vorzunehmenden Renovationen solcher Häuser, von denen eine größere Anzahl aufzuzählen ist, wieder Wert auf die Architektur gelegt und diese hervorgehoben wird. Unsere Stadt, als frühere Festung, kann dadurch nur im Aussehen gewinnen; die jetzige Mode verputzter Russenstein- undverputzter" Holz-Architekturen wirkt dagegen unvorteilhaft.

4- Laubach, 12. Mai. Der Delegiertentag der Bezirksvereine des Hassia oerban d es wird Sonntag vor Pfingsten, am 4. Juni, hier stattfinden. Etwa 160 Ver­treter werden aus ganz Hessen dazu erwartet. Nach dem Programme wird Samstag, den 3. Juni, nachmittags 4 Uhr, eine Sitzung des Gesamtpräsidiums im Schützenhose sein, abends Begrüßung der Präsidialmitglieder und der Dele­gierten iin Soliuser Hof. Am Sonntag beginnen im Gast­hausZur Traube" vormittags 9 Uhr die Verhandlungen des Telegiertentags, Mittags 12 Uhr ist das Festeffen int Schützenhofe, darauf ein Ausflug nach Ramsberg und für abends em Ball geplant. Die^.Kapelle des 116. Inf.-RegtS. wird voraussichtlich bie Musik stellen.

v. Bad-Nauheim, 12. Mai. Bis zum 11. Mai find 2954 Kurgäste angekommen, wovon an genanntem Tage noch 2422 anwesend waren. 21 912 Bader wurden bis zum 11. Mai abgegeben.

K. B. Darmstadt, 12. Mai. Unsere Stadt wird in kurzer Zeit um eine neue große monumentale Anlage be­reichert werden. Der evang. Klrchenbauverem Darmstadt hat in seiner Hauptversammlung beschloffen, die für den Stadt­teil Beffungen geplante neue evangelische Kirche auf dem Platz zwischen dem Heerdtweg und der Glystraße sofort zur Ausführung zu bringen. Wie der Vorsitzende, Provinzial­direktor Jrhr. v. Grancy mitteilte, haben die von Professor Pützer gelieferten Baupläne bereits die ministerielle Ge­nehmigung erhalten. Prof. Pützer erläuterte darauf die Pläne für den Bau der PauluSlirche in eingehender Weise. Sie wird in einem rein evangelischen Kirchenbaustil gehalten sein, den Altar in der Mitte, und auch in ihrem imposanten Aufbau eine monumentale Wirkung erzielen. In unmittel­barer Nähe soll auch, ganz in ähnlichem Stil gehalten, das neue Verwaltungsgebäude, der hessischen Landes - hypothekenbank errichtet werden und weiter plant auch die Stadtverwaltung ebenda noch die Errichtung einiger öffentlichen Gebäude, sowie die Anlage architektonisch-g ärt- nenscher Schmuckanlagen.

Mainz, 12. Mai. lieber dem abends 8 Uhr 30 Min. abgehenden Personenzug von Mainz nach Rüdes- heim schwebte gestern em besonderes Verhängnis. Zunächst erlitt kurz vor Abgang die Maschine eine Beschädigung, eL dauerte dann einige Zeit, bis die Abfahrt vor sich gehen konnte. Als man glücklich auf Station Kurve war, fuhr der Zug infolge falscher Weichenstellung nicht nach Rüdes- heim, sondern nach Wiesbaden. Em Bahnwärter stellte unterwegs den Zug und fragte den Maschinenführer, roo er eigentlich hinwolle.Rach Biebrich-Mosbach," lautete die Antwort. Man war also auf falscher Strecke und nun hieß esrückwärts, Ton Rodrigo!" Ter Führer erklärte zur Entschuldigung, er fei nicht streckekundig. DaS Erstaunen der Fahrgäste ob dieser Zwischenfälle war, wie leicht zu denken, lern tleines, ein Wunder ist es zu nennen, baB sie so ruhig blieben, beim bei dem starken Zugveilehr auf den Linien um die Kurve konnte man sich glücklich lchätzen, daß bie Irrfahrt ohne Unfall ablief. (Kl. Pc.)

Frankfurt, 12. Mai. Wie dieFrkf. Ztg." hört, ist hier ein Konsortium in der Bildung begriffen, das die Errichtung eines VariötötheaterS auf dem Platze des ehemaligen Schauspielhauses beabsichtigt. DaS Theater soll 1450 Sitzplätze erhalten; die Pläne haben, wie mit­geteilt wird, der Baupolizei zur vorläufigen Prüfung vorge­legen und sind von ihr nicht beanstandet worden. Der Ein­gang zum Theater ist in die Börsenstraße verlegt. Als Spielzeit sind neun Monate vorgesehen, vom 1. September bis 1. Juni; während der Sommermonate soll das Theater verpachtet werden. Was die finanzielle Gestaltung betrifft, so werden die Kosten der Errichtung auf 3 200000 Mk. be­rechnet, von diesen u. a. 1600000 Alk. auf den Kaufpreis des Grundstücks, 1 200 000 Alk. auf Baukosten und 200 000 Mark auf BetrieSmittel entfallen. Tie 3 200 000 Alk. sollen gedeckt werben burch eine Hypothek von 2 000 000 Mk. und durch ein Aktienkapital von 1 200 000 Mk. von 1200 Aktien zu je 1000 Mk. Eine Haupteinnahme soll nach dem vor­liegenden Plan aus der Vermietung der Parterrelokalitäten das Theater kommt in die oberen Stockwerke erzielt werden, nämlich auS sechs Läden (6000 bis 9000 Mk.), Restaurant (25 000 Alk.) und Kaffeehaus mit American Bar (15 000 Mk.), insgesamt 83 000 Alk. Tie jährlichen Gesamt­ausgaben werden auf 589 000 Alk. berechnet, die Einnahmen auf 778 000 Alk. Die neue Gejellschaft will, wie es heißt, einen Streifen am Theaterplatz und einen Streifen an der Börsenstraße an bie Stadt abtreten.

rufung und versuchte nachzuweisen, daß nicht er, sondern L. den Nachtwächter mißhandelt habe. Wenn auch in der Berufungs- Verhandlung tatsächlich festgestellt wurde, daß L., der am Schöffen­gericht wegen VewcismangelS sreigcsprochen worden ist, sich an der Mißhandlung mehr beteiligt hat als H., so hatte das Gericht doch keinen Anlaß, an dem Urteil etwas zu ändern; zumal der Nachtwächter in Nieder-Ohmen bei der Roheit der Jugend einen schweren Standpunkt hat und bezüglich des L. eine Ver­urteilung nicht mehr cintreten konnte, da die Staatsann-alt- idjaft keine Berufung erhoben hatte. Maurermeister Georg M. von Bad-Nauheim hatte ohne LeranLassung einen 13 jährigen! Jungen mit solcher Wucht aur die Erde geworfen, daß er besinn­ungslos liegen blieb. Das Schöffengericht verurteilte ihn wegen Körperverletzung zu 2 Monate und 15 Tage Gefängnis. Er focht das Urteil an, blieb aber zu der Berufungsverhandlung auS, weshalb feine Berufung verworfen wurde. Gelegentlich der Bürgermeisterwahl kam es zu G ö b e l n r o d in einer Wirtschaft zu einer Reiberei, in. deren Verlauf der Landwirt Hcmrlch G. sich zu einer Beleidigung des Hermann V. Hin­reisen ließ, was dieser mit einer kräftigen Ohrfeige erwiderte. Die Folge war Prioalkmge des G. gegen D. wegen tätlicher Be­leidigung, und V. strengte Klage gegen G. an wegen wörtlicher Beleidigung. DuS Schonengericht erkannte beide.Teile für schuldig, ließ sie aber straffrei auSgehen. Dcr geoyrseigte G. glaubte eine größere Süyne erheischen zu müssen, weshalb er Berufung erhob. DaS Gericht schloß sich aber den Ausführungen der er,-en In,tanz voll und t^nz an indem es das Urteil bestätigte. Gegen ein Urteil des Schöffengerichts Bad-Nauheim hat der Landwirt Georg £>. V. von Rödgen Berufung erhoben. Er war wegcn Beleidigung der Frau .Heinrich H. I. zu zehn Tagen Gefängnis verurteilt worden. Nach Ansicht des Berufungs­gerichts lstck dus Schöffengericht das Richtige getroffen, indem es wegen der schmutzigen, nicht wiederzugebenden Ausdrücke auf GewngnrS ertannt hat. Das Urteil sand somit seine Bestätigung.

Vermiete*.

K onslitt zwischen Bürgermeister und Ge­meinderat. Zwischen dem Bürgermeister und dem Ge- memderat in Atü lhause n (Elsaß) ist nun ein offener Bruch erfolgt. Tie sozialdemokratische Fraktion beantragte ein TadelSvotum wegen des Prozesses gegen Redakteur Martin. Ter Bürgermeister verweigerte bie Abstimmung. Aus Antrag des Sozialdemokraten Emmel erfolgte sie trotzdem, worauf der Bürgermeister bie Mitglieder zur Ordnung rief. Der Bürgermeister ließ sodann eine Besprechung der zweiten sozialbemolratischen Interpellation über die städtische Bau­kontrolle nicht zu, da er nur der Aufsichtsbehörde und nicht dem Gemeinderat schuldig fei. Unter Protest wurde nun auf Antrag der sozialdemokratischen Fraktion die Gememderats- sitzung aufgehoben. Für bie Stadt kann bie Krisis weit- tragende Folgen haben. (F. Z.)

* Ein fatales Reiseabenteuer. Ter Landes-

^vsjllß kvs den Ltkvdrsamlvretzlfle:a der SIäM Metzen.

Aufgebote.

8. Mai. Karl Franz, Schlosser dahier mit Margarete Eist Hierselbst. Louis Toll, Schmied dahier mit Anna Elisabeth Strippet in Langd. 9. Mai. Friedrich Appel, Steiger dahier mit Auguste Voigt hierselbst. 10. Mai. Albert August Friedrich Volk- maim, Fuhrknecht dahier mit Elisabeth Beppler in Dorlar. 12. Mai. Tr. jur. Ernst Ludwig Theodor Otto Eger, Gerichlsassessor dahier mit Margarete Elisabeth Karoline Zoppritz hierselbst.

Eheschließungen.

6. Mai. Hugo Kaesiner, Kaufmann in Hamburg mit Frieda von Münchow dahier. Heinrich Rohrbach, Metallgießer dahier mit Marie Donau hierselbst. Earl Lang, Kaufmann dahier mit Elisabeihe Schopbach hierselbst. 11. Mai. Wilhelm Ranft, Kutscher dahier mit Henriette Trost in Leun.

Geborene.

1. Mai. Dem Spediteur Wilhelm Lyncker ein Sohn, KarU 5. Mai. Dem Laglöhner Albert Hatz ein Sohn, Albert Friedrich Karl. 7. Mai. Dem Ingenieur Johann Marius Timm eine Tochter.Dem Friseur Otto Rottmann eine Tochter, Anna Luise. 8. Mai. Dem Schreiner Karl Peter eine Tochter, Elisadethe.

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Proben

Telephonischer Kursberichte

Frankfurt a. M., 12. Mai. Offizielle Schlnsskurse.

. 34.75

Tendenz: fest.

Für die Gesamt-Redaktion verantwortlich: i. V. August Goetz.

209.40

237.75

141.12

243.50

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. 101.50

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. 95.90 . 134.00 . 124.00 . 209 00 . 186.00 . 141.30 . 154 30 . 167 00 . 143.50 . 16.25

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242.50

214 10

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99.- 10180 101.10

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88.40

133.80

52.20

Oest. Kredit . Deutsche Bank Darmstädter Bank Bochumer Guß . Harpener Bergbau

W/o 3n/o 3/f°/o

*/

872%

inmitten herrlicher GebiräsWaldungen.

Badeschrift durch die Badeverwaltunä..

Ungar. Goldrente Italien. Rente . Portugieser I . Portugiesen. IH Unif. Türken .

Gestorbene.

7. Mai. Georg Gerlach, 57 Jahre alt, Taglöhner dahier. Emilie von Reinhardt, 87 Jahre alt, Lehrerin i. P. dahier. 10. Mai. Karl Friedrich Wilhelm Otto, 1 Atonal alt, Sohn des Schlossers Franz Otto dahier. Gottfried Aiaukel, 44 Jahre alt, Straßenkehrer dahier. _____ ___________________

Ü'lt% Oberbessen . . VA Oeeterr. Goldrcnto .

4%26 Oeeterr. bilberronte

fftrkeniuEO......

4% Unoch. Monopol.-AnL

4/t% äussere Argentiner

3u/u Mexikaner . . 41/8'Vo Chinesen . . Electric, bchuckert . Nordd. Lloyd . Kreditaktien . . . Diskonto-Kommandit. Darmstädter Bank . Dresdener Bank . . Beniner Handelsgea. Oeeterr. Staate bahn » Lombarden . . Gotthardbahn « . Laurabütte . « Bochum . . . . Harpener . . . ,

Staatschatzscheine «

«zmnft und Ml^enjchast.

EinBeethoven-Denkmali n Paris. Das Komitee zur Errichtung eines Beethoven-Teukuvals in Paris hat den Pariser Sladlial ersucht, das Teulmal, dessen Errichtung aut dem Trocadero- Platze nicht genehmigt worden war, als Pendant zur Statue La Fontaines amstellen zu dürfen. Ter Entwurf zum Tciitmal ist beendet. Beethoven ist auf einem Steinsockel liegend dargestellt. Tiejer ruht unter einer Kuppel, die von vier geflügelten Figuren getragen wird. Die allegorischen Figuren stellen dar: dieEroica , otePathölique", bieNeunte Symphonie" unb bieAtondschem- ionate.

Wildel und Verkehr. Dolkswirtschafl.

Verlincr Börse vom 12. Mai 1905.

(Mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie, Gießen.) Privat-Diskont 21/. Prozent.

Anfangs- u. Schlußkurse.

Man verlange ausdrücklich die Originalmarke Dr. Mommefs Haematogen und lasse sich Nachahmungen nicht aufreden. D7/t

Reicheauieihe do.

Konsole . do . .

Hessen

C@tamB3ass ä S Fig"-

unübertroffene Qualitcitseigarre, leine Ausstattung nur Qualität, empfiehlt «bi. C. Volk, Grünbergerstr. 4, Giessen.

Präsident der Bukowina, Ritter v. Bleyleben, bestieg kürzlich in Stamslau ein Eonpö erster Klasse, in welchem sich bereits cm Hauptmann unb eine auffallend schöne Tarne, bie Gattin eines Stabsarztes ber Stanislauer Garnison, in zärtlicher Unterhaltung begriffen, befanden. Tas Paar war von dem Erscheinen des neuen Passagiers nicht eben angenehm Über­rascht, und der Hauptmann machte die Bemerkung, die Wagenabteilung fei für ihn und seine Begleiterin reserviert. Ter Passagier entgegnete in höflicher Weise, daß ihm dies nicht bekannt sei. Er habe eine Karte erster Klaffe, und da dte übrigen Coupös besetzt waren, habe er hier Platz nehmen müssen. Ter Hauptmann erwiderte, bas sei eine Anmaßung, unb fuhr auch später fort, m erregter Weise seinem Unmutc Luft zu machen. Der Passagier verhielt sich vollkommen ruhig. Als der Zug in der Lemberger Bahnhofshalle einfuhr, überreichte er dem Hauptmann seine Karte. Der Hauptmann las zu seiner peinlichen Ueberraschung darauf:v. Bleyleben, Landespräsident ber Bukowina". Gerabezu bestürzt aber war der Hauptmann, als er sah, daß v. Bleyleben vom Lem­berger KorpSkommandantcn FZD!. v. Fiedler erwartet und begrüßt wurde. Bleyleben erzählte dem Korpskommandanten sein Reiseerlebnis. Wie die Sache endete, ist demNeuesten Pester Journal", da§ diese Nachricht bringt, nicht bekannt.

* Ein fideler Gemeinderat scheint in dem Schwarzwalddorfe Grafenhausen das Regiment zu führen. Er hat nämlich den gar lvblicyen Brauch eingesührt, oaß jedes feiner Mitglieder das eine Sitzung ver­säumt, pro poena ein Faß vier bezahlen muß. In­folgedessen soll eS im hohen Nate nie an ^Stosst' fehlen, da fast iede Sitzung ein Faß nach sich ziehe. Die Einwohner der Gemeinde aber sind nichtsdestoweniger mit dieser ihrer Oberleitung" sehr zufrieden, denn wie derAlbbote" ver­sichert, läuft der Gemeindewagen in Grafcnhaujen wie am ^nürchen, gerade toxu die elektrische Strap^nimyn in den großen Stabten.

* Eine kuriose Geschichte. In ein Schuhwarengeschaft der Hamburger Altstadt kam am Sonnabend, so schreibt die91. Hamburger Ztg.", ein junger Mann, ber cm Paar Stiefel kaufen wollte. Er pagte em Paar an unb ging bann, um die Stiefel gut zu probieren, tm Laben auf unb ab. Plötzlich rtß er die Tür auf und enifloh. Der Geschäftsinhaber unb fein Hausknecht liefen ihm nach. Fast haue, der Verfolger den Flüchtlina erreicht, als sich plötzlich an einem ber gestohlenen Stiefel die Sohle löste und auf der' Straße liegen blieb. Kaum halle der Geschäftsinhaber die HaltborkeN" feiner Ware so praktisch vor Augen gesehen, als er j öl ort bie Verfolgung emslellte unb auch seinem Hausknechte abwinkte. Er mochte sich getagt haben, daß bei der späteren Gerickstsverhandlung cm übles Licht auf feine Stiefel fallen könnte. Während er nun mit dem Hausknechte heimwärts zog, hatte ein Schutzmann die Verfolgung beS Flüchtlings gesehen, sie iorlgesetzt und den Stiefel­dieb auch erivischt. An der einen Hand den Täter, in der andern die Sliefelsvhle, kam der Polizist zur Wache. Der Arrestant legte sofort cm Geständnis ab, ist aber nicht im stände, den Laden wiederzufinden. Der Bestohlene hat sich auch nicht gemeldet. Jetzt hat die Polizei einen Dieb, eine Sliefelsohle und unbrauchbare Stiefel, aber keinen Geschädigten.

^»erlchlssaai.

(n.) Gießen, 12. Mai. Die Strafkammer bestätigte heute ein Urteil des Schöffengerichts Grimberg, das von dem 17 jährigen Landwirt Konrad L- von Nieder-Ohmcn angefochten worden war. H. hatte in Gemeinschaft mit ipeinrich L. dem N a ch t w ü a) t e r Gugel, c.lS er in Ausübung feines Dienstes war, in der Dunlelheit die Laterne mit einem La tte^nstu ck zer­schlugen unb ihn dann mißhandelt. DaS ^ostengericht oerur.eilte H. zu einer Gi,'ingniLst-rase. von drei Wochen wegen ! K'ö r p e r v e r l e tz u n L Wider stands. Er eryov XX*

. . 208.90

. . 237.30

. . 141.00

. . 243.00

. 214.25

Tendenz: fest,

Nahrung für Kinder, Kranke,Genesende. Verhütet u.beseitigt:Diarrhoe, BrechaurchFall, Darmkatarrh.