sich in Kronstadt
Lm Marine-Reserve-Bataillon beim Exerzieren, die
weshalb dieser einen
Art sich inmitten der Stadt befinden?:
Civis.
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eZ gelang, die Täter zu entdecken.
Vor einigen Tagen weigerte
Befehle eines Offiziers auszuführen,
Zuge beging ein Passagier zwischen Sachsenhausen und O f fen- ba ch ein S it tl i ch keits v erbre ch en an einem neuniährig-en Mädchen. Der Täter soll dem Vernehmen nach in Offenbach verhaftet wordeN sein. — Die Stadtverordneten von Frankfurt haben die Einführung der völligen Sonntagsruhe ohne Ausnahme beschlossen.
England greift vor.
London, 11. Juli. In unterrichteten Kreisen will man wissen, daß zwischen Rußland und Japan die allgemeinen Friedensbedingungen bereits vereinbart (?) sind und daß seitens der russischen Negierung alle Vorbereitungen zu sofortiger Nückbeförderung dec Gefangenen aus Japan getroffen werden.
Die neue japanische Anleihe.
Nach einer Meldung aus V erlin wurde die Subskription iluf die neue japanische Anleihe am Dienstag nachmittag in Deutschland wegen mehrfacher Ueberzeichnung geschlossen. Auch in London wurde die Subskription schon vor 3 Uhr geschlossen; zuletzt wurde 1/2 pCt. Aufgeld bezahlt.
Drückt sich dabei neben der Bewertung des japanischen Kredits die Bewunderung der japanischen Kciegserfolge aus, so bleibt es dennoch bedauerlich, daß eine Gegenleistung Japans in Form von Staatsaufträgen an unsere deutsche Industrie nicht zugestandcn worden ist.
*
Vigo, 11. Juli. Der russische Hilfskreuzer „Dnjepr" fegte hier an. Er kam über Port Said, wo er 50 Passagiere des englischen Dampfers „Kilda", der von dem russischen Kreuzer in den Grund gebohrt worden war, abgesetzt hatte. Der Kommandant des „Dnjepr" bat um die Erlaubnis, Kohlen aufzunehmen, um die Reise nach Llbau fortsetzen zu können.
würben m der Ttadt zwei Bombenattentale verübt. Die erste Bombe wurde auf dem Marktplatz gegen eine Kosaken-Patrouille geworfen. Mehrere Kosaken wurden in Stücke gerissen und viele Passanten erhielten schwere Verletzungen. Gleichzeitig wurde in der Vorstadt Maidan auf das vor dem Rathause postierte Polizeiaufgebot eine Bombe geworfen. Ein Pristaw und drei Gehilfen wurden getötet. Die Bevölkerung verläßt die Stadt zu Tausenden. Jeglicher Verkehr stockt. Die Läden sind geschlossen. Infolge Verhängung des Kriegszustandes wurden die Straßen und Plätze von Truppen besetzt.
In Batum stockt jegliche Tätigkeit. Die Läden sind geschlossen, ebenso die Kontors der Banken, ausgenommen die der Reichsbank. Das in den Handel gebrachte Fleisch wurde durch Begießen mit Petroleum untauglich gemacht, ohne daß
” WvhnungsUntersuchung. In den nächsten Tagen wird auf Veranlassung der hiesigen Ortsgruppe des Vereins deutscher B o d e n r e s v r me r, wie in vielen anderen Städten, eine Untersuchung der Gießener Wohnungsverhältnisse stattfinden. Die Untersuchung, die von freiwilligen Helfern (Studierenden der Landesuniversität, Mitgliedern der hiesigen Gewerkschaften, des evangelischen Arbeitervereins, des katholischen Gesellenvereins und der Ortskrankenkasse) geführt wird, trägt keinerlei amtlichen Charakter: sie hat keinerlei Einfluß auf die Mietverhältnisse und keinerlei Folgen für Mieter und Vermieter; die Untersuchung verfolgt rein wissenschaftlich-statistische Zwecke. Ter vorbereitende Ausschuß hegt die feste Zuversicht, daß auch diesmal wieder der für wissenschaftlich-humanitäre Ziele stets offene Sinn der Bürgerschaft unserer Universitätsstadt sich bewähren wird, und sie durch genaue und gewissenhafte Beantwortung der vorgelegten Fragen die Ausführung der schwierigen Aufgabe den freiwilligen Helfern des Ausschusses möglichst erleichtern wird. Genauere Mitteilungen über Art und Umfang des Unternehmens werden in unserem Blatte noch in den nächsten Tagen erscheinen.
** Feuerwehrjubiläum. Die Festvorbereitungen nahen ihrem Ende. Was noch zu geschehen hat, kann nur, so schreibt man uns, in den letzten Tagen vor dem Feste erledigt werden. Die beiden s^uerwehren leben nun in Spannung, welches Entgegenkommen sie gelegentlich ihres Jubiläumsfestes bei der Bürgerschaft finden werden. Der allseitige Häuserschmuck und die Feststimmung ist bei den Gießenern mit dem Beginn des Festes etwas selbstverständliches, aber auch die Beteiligung an den Festveranstaltungen selbst sollte als Ehrensache und den beiden Wehren gegenüber als Pflicht erkannt sein. Wie man uns schreibt, findet am Freitag abend in der Festhalle Probe der Gesangvereine und Probebeleuchtung statt, auch werden die Feuerwehrleute auf dem Oswaldsgarten Festaufstellung nehmen. Am Samstag abend ist Eröffnung des Festes, Festkom- m e r §, woran sich alle Verehre beteiligen werden. Der vorausgehende Zapfenstreich passiert Lindenplatz, Markttaubenstraße, Brandplatz, Sonnenstraße, Reue Bäue, Neuenweg, Kreuz, Mäusburg, Marktstraße, Neustadt. Sonntag früh 6V2 Uhr bewegt sich der Weckruf durch folgende Straßen: Festplatz, Nordanlage, Asterweg, Steinstraße, Marburgerstraße, Ostanlage, Südanlage, Bleichstraße, Lud- wigstraße, Alieestraße, Bahnhofstraße, Neustadt. Der Festzug nachmittags bewegt sich vom Walltor aus nach Linden- vlatz, Marktplatz, Schulstraße, Nene Bäue, Gartenstraße, Stephanstraße, Bismarckstraße, Ludwigstraße, Goethestraße, Löwengasse, Vahnhofftraße, Liebigstraße, Frankfurterstraße, Seltersweg, Kreuzplatz, Mäusburg, Markt, Marktstraße, Neustadt. Gelegentlich des Festessens am Sonntag mittag 1 Uhr (Gedeck 1,50 Mk.) werden sämtliche offiziellen Reden ^gehalten, auch die fremden Feuerwehren begrüßt werden. Das weitere besagt das Programm. Heute abend findet im Cafö Leib Gesamtprobe der Gesangvereine mit Orchester statt, am Freitag abend die Hauptprobe in der Festhalte.
hf. L i ch, 10. Juli. Schon acht Tage ist die seit Fahren in den heißen Tagen zutage tretende Wassernot wieder akut. Der Gemeinderat hat es ja wohl an der nötigen Fürsorge nicht fehlen lassen. Hat er doch eine weitere Quellwasserleitung im Jahre 1502 ausführen lassen, die die Stadt 40 000 Mk. gekostet hat, aber leider einen negativen Erfolg hatte. Es werden auch jetzt fortgesetzt Bohrversuche gemacht. Dadurch wird aber die momentane0 Wassernot, die vorzugsweise einige höher gelegene Stadtteile belästigt, nicht gemildert. Ein Teil der höher gelegenen und die tiefliegenden Stadtteile werden von der Wassernot nicht berührt und doch ist auf Drängen des Gemeinderats das Wasserleitungsnetz derart hergerichtet worden, daß eine gerechte Verteilung des Wassers möglich ist. Es ist auch keine Aussicht auf Abhilfe vorhanden. Die Stadtvorstände sind verreist, von einer Vertretung aber ist bis jetzt nichts bekannt, bei der man eine Klage vorbringen könnte.
() Glauberg, 9. J!uli. Der Nidder-Seernen- bach-Sängerbund feierte heute in unseren Mauern fein 10. Stiftungsfest, verbunden mit der Fahnenweihe des hiesigen Gesangvereins. Um 2 Uhr setzte sich der Festzug, in dem sämtliche 13 Bundesvereine marschierten, nach dem Festplatz in Bewegung. Dort wurden sie von dem Bundes- Präsidenten begrüßt. Hierauf erfolgte die Weihe der Fahne, der ein Preissingen folgte.
hs. Salzschlirf, 11. Juli. Am 19. Juli abends findet hier ein Paul Lincke-Konzert statt. Der hier zur Kur weilende Komponist, dessen eigene Werke zur Ausführung gelangen, wird das Konzert persönlich leiten. Die Lieder werden gesungen von dem Kammersänger Otto Wolf vom Hoftheater in Darmstadt. Der Erlös ist für das Zentral- Kornitee des Vereins vom Roten Kreuz in Berlin bestimmt und zwar für diejenigen in Südwestafrika verwundeten Krieger, welche zur Wiederherstellung ihrer Gesundheit hierher beurlaubt sind. Gleichzeitig findet eine Noten-Tombola, ein Verkauf von Lincke-Postkarten, sowie Illumination, bengalische Beleuchtung und Feuerwerk statt.
6-Büdingen, 11. Juli. Sr. Durch!. Fürst Bruno zu Isenburg nnt) Tübingen hat sich zu längerem Aufenthalt nach der Schweiz begeben. — In den nächsten Tagen findet die Wahl unseres Bürgermeisters statt. Als Gegenkandidat ist Beigeordneter Fendt ausgestellt. Der Wahlkampf wird mit aller Erbitterung geführt. Voraussichtlich wird jedoch Bürgermeister Knaf wiedergewählt. — Das neue Geschäftshaus des Vorschuß- und Kreditvereins ist im Beisein der staatlichen und städtischen Behörden seiner Bestimmung übergeben worden.
Darmstadt, 11. Juli. Zwischen der freiwilligen Sanitätskolonne und dem Polizeiamt ist ein Vertrag zustande gekommen, wonach die Mitglieder der Sanitätskolonne verpflichtet sind, bei Unglücksfällen Hilfe zu leisten. Andererseits läßt die Polizei der Kolonne entsprechende Unterstützung zuteil werden. Die freiwillige Sanitätskolonne führte heute eine interessante Uebung zum ersten Male aus, indem sie an einer Gefechtsübung des Infanterieregiments Nr. 115 teilnahm, während und nach dem Gefecht die Verwundeten sammelte und hinter die Front nach den Verbandsstellen zurückbrachte. — Die Voruntersuchung gegen den seit Mitte Mai d. I. wegen Vergehens gegen § 175 in Untersuchungshaft befindlichen Geh. Oberbergrat Prof. vr. Chelius ist abgeschlossen und der Untersuchungsrichter hat die Akten zur Erhebung der Anklage der Staatsanwaltschaft übergeben.
** Steine Mitteilungen aus H e s se n und den Nachbarstaaten. In Guntersblum wurde der 60jähr. Landwirt Georg Siham Kaiser auf dem Felde von einem tödlichen H i tz s ch l a g e getroffen. — Der 16 jähr. Sohn der Land- wirtsfamilie Beyerle in Bürstadt wurde beim Baden in einem Weiher vom Schlage getroffen und als Leiche. aus dem Wasser gezogen. — Auf der Strecke Frankfurt-Bebra in einem
Soldaten niederschoß. Mehrere Soldaten stürzten sich darauf mit ihrem Bajonne! auf den Offizier und stachen ihn nieder. Der Vorfall soll auf die Marinekreise nach den Odessaer und Libauer Vorgängen geradezu lähmend gewirkt haben. Offiziös wird zugegeben, daß die Stimmung unter den Besatzungen mehrerer Schiffe der Flotte in Kronstadt „nicht ganz ruhig" sei. Die Matrosen erwarten ein Manifest des Kaisers. Wegen schlechter Nahrung seien „kleine Unruhen" vorgekommen.
Bestialitäten der russischen Henkersknechte.
Aus Odessa, wo zurzeit nach offiziöser Darstellung Dolle Ruhe herrschen soll, gehen uns schauerliche Nachrichten zu. So heißt es in einem vom 8. Juli datierten Briefe von dort:
„Die Tage, da die gesamte Einwohnerschaft Odessas die zaristischen Schrecken hat über sich ergehen lassen, sind nun vorüber, aber unsere Stadt befindet sich noch immer im Kriegszustände. Aeußerlich ist nichts zu merken, aber in den Polizeirevieren spielen sich Tragödien ab, denen zahlreiche Menschen zum Opfer fallen. Selbst die kühnste Phantasie dürste sich das Bacchanal der brutalsten Mißhandlungen wehrloser Jünglinge und Mädchen kaum ausmalcn. 9(itf den Polizeiwachen schlägt man nicht, sondern prügelt zu Tode, b.'giesst die Geprügelten mit kaltem Wasser imb ^prügelt weiter: selbst dann noch, wenn die Opfer unter den Schlägen der Säbel und Nagaikas zusammenbrechen.
Alle Nachrichten über die Greuel, die ich Ihnen mitteile, frnt) aus erster Quelle. Viele Gefangenen werden von den Bestien verwundet, zu Krüppeln verunstaltet, vergewaltigt. Gestern brachte man nach dem jüdischen Krankenhause zwei Mädchen, die in barbarischer Weise vergewaltigt waren. Besonders grausam ist die Exekution gegen Arbeiter und Halbwüchsige, die auf öen Barrikaden gekämpft haben. Entweder werden sie auf den Wachen zu Krüppeln gemacht ober einfach totgeschlagen und heimlich auf den Friedhof gebracht. .Selbst die der Polizei ergebenen Dworniks der in der Nähe von den Polizeirevieren gelegenen Hauser erzählen, daß sie weder essen noch schlafen können, so sehr werden sie vom Geschrei und Gejammer der Gemarterten gequält."____________________________________________________________
Äase^ 4*5
Loo M" r oebei
Aer Kneg.
Sachalin.
Tokio, 11. Juli. (W. B.) Amtlich wird gemeldet: Vizeadmiral Katacka berichtet, daß sein Geschwader bei Tagesanbruch am 7. Juli in den Gewässern der Insel Sachalin ankam und daß sich, nachdem das Fahrwasser untersucht war, die Transportschiffe und ein Teil des Geschwaders der Küste näherten. Eine kombinierte Marineabteilung landete und besetzte eine im Voraus bestimmte Stellung. Hierauf landete ein Teil der Landtruppen und löste die Marineobteilung ab. Inzwischen eröffnete das feindliche Fort auf der Höhe südlich von Korsakows! das Feuer auf -unsere Schiffe, welche damit beschäftigt waren, das Meer abzusuchen; doch beendigten diese erfolgreich ihre Aufgabe und das Geschwader erlitt keinerlei Schad en. Am Morgen des 8. Juli wurden drei Schlachtschiffe und zwei Torpedobootszerstörer abgesandt, um die Bewegungen der Landarmee bei der Einnahme von Korsakows! 511 unterstützen, doch fanden sie Korsakows! bereits von unseren Landtruppen besetzt. 9(l§ sie um 2 Uhr nachmittags die Torpedobootszerstörer in die Ehitosebucht, früher Nosoreibucht genannt, einliefen, eröffnete der Fe in d ein heftiges Feuer aus Feldgeschützen, welche schließlich zum Schweigen gebracht wurden.
o£anbwirtf(fiaft.
Auf der landwirtschaftlichen Landes- und Jubiläumsausstellung g u Mainz wird der Verband der Hessischen landwirtschaftl. Genossenschaften eine größere Ausstellung seiner Molkereigenossenschaften veranlassen. Neben Butter können alle Sorten von Käse und andere Milcherzeugnisse ausgestellt werden. Die Beurteilung der Butter erfolgt nach einem Punklierverfahreu in zwei Prüfungen. Beim Preisbewerb werden die Aussteller nach der Größe der Betriebe getrennt, sodaß die
Keer und flotte.
— Das sächsische Kricgsministerinm plant die Schaffimg 2ines M i l i t ä r - A u t 0 m 0 b i l k 0 r v s nach preußischem Muster. Die Borarbei!• 1 bau» lmben bereits begonnen.
■ S rat f flin0 »00
Vor längerer Zeit betvilligten die Herren Stadtverordneten die B e s eitigun g der alten windschiefen Lindenbäume in der P l 0 ck st r a ß e, um dieselben durch Kugelakazien er» sek en zu lassen. War es emesteils vom Schönheitsgefühl aus angebracht, die häßlichen Bäume zu entfernen, so wäre es noch mehr andernteils dringend erwünscht der Ungezieferplage wegen zur sofortigen Beseitigung der Bäume zu schreiten. Gerade die Anwohner der Plockstraße können ein Lied davon singen und haben täglich Gelegenheit ganze Schwärme von Schnaken und fliegen die Bäume umtanzen 31t sehen, die sich 'dann später in recht unangenehmer Weise in den Wohnungen bemerkbar machen. Wo bleiben da die Erfolge der Schnaken- K 0 m m i 1' f i 0 n, wenn derartige Brutstätten für Ungeziefer aller
Verinlschte».
*Wen duzt der Kaiser? Zu den Nechtstiteln keines einzigen preußischen Magnaten gehört es, dem Kaiser wie einem Verwandten oder 'jonft gegenüberzutreten. Es ist vielmehr preußische Tradition, daß selbst die nächsten Fa> milienangehörigen des Kaisers nur im' intimsten Familienkreise in ihm nicht ausschließlich den Monarchen und Herrscher, sondern den Verwandten sehen. Selbst die Geschwister und Kinder des Kaisers sprechen daher in Gegenwart Dritter fast stets nur mit ihm und von ihm nur unter Beilegung des Titels „Majestät" und unter Anwendung der dazu gehörigen Redeform. Der Kaiser aber, der sich viel weniger im Verkehr abschließt, als seine Vorgänger auf dem Throne und gesellschaftlichen Umgang in großem Maßstabe pflegt, hat die Sitte eingesührt, diejenigen Personen, die ihm besonders sympathisch erscheinen, brüderlich „Du" zu nennen, und die Zahl dieser Personen ist sogar verhältnismäßig groß. Namentlich wenn der Kaiser sich im Kreise seiner Korpsbrüder, der Bonner Borussen, befindet, kann man ihn viele der Anwesenden mit „Du" ansprechen hören, und das gilt natürlich in erster Linie von denen, die seine Studiengenossen waren z. B. den Minister von Bethmann-Hollweg und den Oberpräsidenten von W a l d 0 w. Die gemeinschaftliche Zugehörigkeit zum Korps der Preußen war wohl die Ursache, weshalb der Kaiser den Fürsten Herbert Bismarck duzte. Auch der Reichskanzler Fürst Bülow, den der Kaiser selbst in Briefen und Telegrammen nie anders als mit „Du" anspricht, ist ja während seiner Universitätszeit Bonner Preuße gewesen. JU jedem Jahre besucht der Kaiser zur Jagd einige der Großgrundbesitzer seines Reiches, so den Grafen von Ti eie* Winckler, den Herzog Christian Kraft von Ui st, den Fürsten Henckel von Donnersmarck, den Fürstens Richard D 0 h n a - Schlobitten nsw., und den meisten von ihnen widerfährt es wohl, von ihrem kaiserlichen Jagdgaste geduzt zu werden. Auch den Grafen Waldersee duzte der Kaiser in dessen letzten Lebensjahren, und das geschah wohl eher als ein Ausdruck freundschaftlicher Gesinnung, denn aus dem Grunde, daß die Gemahlin des Feldmarschalls aus erster Ehe die Witwe eines Prinzen von Schleswig-Holstein und daher eine Dante der Kaiserin war. Erwähnt mag noch sein, daß Graf Paul Schuwalow, der ehemalige russische Botschafter in Berlin, vom Kaiser geduzt wurde. Als auf Wunsch des Kaisers das Alexanderregiment denk scheidenden Grafen nach seiner Ernennung zum Generalgouvemeur von Polen ein Abschiedsfest gab, nannte der Kaiser während der ganzen Rede, die er zu Ehren des Grafen bei der Tafel hielt, diesen nicht anders als „Du" und überreichte ihm schließlich als persönliches Andenken ein goldenes Zigarrenetui, in das eine gleichfalls das Wort „Du" enthaltende Widmung eingraviert war. Auch diejenigen seiner Adjutanten, die lange in seinem Dienste sind und die er besonders schätzt, duzt der Kaiser oft. Es wäre indessen ein Verstoß gegen die Hofetikette, wenn irgend eine dieser Personen ihrerseits das „Du" dem Kaiser gegenüber in An - we ndung bringen wollte. Dies geschiehtselbst im engsten Zirkel niemals.
* Kleine Tageschronik. Während einer Schlägerei, die sich zwischen einem Zigennerehepaar bei Janowitz (Prov. Pofen) abspielte, warf die Frau ihrem Manne vor, er werde sie totschlagen wie seine Kinder uitb einen Mann bei Schokken. Vor sechs Jahren hat nämlich ein unbekannter Täter einen Raubmord an einem Fleischer aus Schokken begangen. Die Zigeuner wurden verhaftet. — Die bei einer Sommerbühne in Ulm an- gestellte junge Schauspielerin Lilly Jäger erschoß sich in einem Kaffeehaus in Neu-Ulm wegen unglücklicher Liebe zu einem Offizier.
Eingesandt.
(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion bent Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)
Der Verfaffer des Eingesandt in vor. Nr., betr. den Trans» port der Verwundeten vom Gießener Bergwerk nach b e n Kliniken, hat ganz recht, wenn er die Art und Weise, wie dieser Transport vor sich ging, tadelt und gleichzeitig auf die S a n i t ä t s k 0 1 0 n 11 e hinweist. Dieser stehen neun nach Vorschrift des Kriegssanitätswesens eingerichtete Tragbahren zur Verfügung, von denen drei gewiß in kürzerer Zeit zur Stelle hätten gebracht werden können, als die Improvisation schwerfälliger Gestelle in Anspruch nahm. Uebrigens befremdet es, daß ein Werk, wie das Braunstcinbergwerk, das jeden Tag mit Unfällen rechnen muß, nicht selb st eine Tragbahre besitzt. Daß man sich in der Verwirrung nicht sofort der Sanitätskolonne erinnert, mag damit entschuldigt werden, daß diese Einrichtung noch neu und zu wenig bekannt ist. Es würde sich deshalb empfehlen, durch Anschlag in den größeren Werken, an Straßenecken, vielleicht an einzelnen Laternenständern und sonst geeigneten Orten bekanM zu machen, wohin die Meldung von Unfällen zur Alarmierung der Kolonne zu erfolgen hat. Es sei an dieser Stelle mitgeteilt, daß vor der Hand telephonische oder mündliche Meldungen an das Polizei amt gerichtet werden können; von dort aus erfolgt telephonisch der Anruf an die nächstwohnenden Mitglieder der Kolonne. Tragbahren und Verbandmaterial sind im alten Hospital (Seltersweg) üntergebracht. Leider verfügt die Kolonne noch nicht über eine fahrbare Trage, mit der ohne Zweifel die Hilfeleistung beschleunigt werden könnte. Ein an die Stadt gerichtetes Gesuch um Stellung einer solchen wurde s. Z. abgelebnt. — Schließlich empfiehlt Einsender dieses den Inhabern größerer industrieller Werke, mehrere geeignete Leute aus ihren Betrieben zum Eintritt in die Sanitätsk 0 10 nne zu veranlaßen, damit bei Unfällen einigermaßen kundige Hände die erste Hilfe leisten können.
—e.
Aus Stadt und Knud.
Gießen, 12. Juli 1905.
** Die Abgg. Schlenger und Dr. Weber haben an die Regierung eine Anfrage betreffend den Schutz und die Erhaltung der Dogelwelt, besonders der Jusekten- vertilger in den hessischen Domanial- und Gemeindewaldungen aerichtet.
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