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12.7.1905 Erstes Blatt
 
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Mittwoch 12. Juli 1905

Gvftes Blatt.

S<volS»atz« 1.

Adrell- für Depeschen: Anzeiger Gießen.

KerusprrchonschlußNr 61

155. Jahrgang

Gietzener A-iseiger w General-Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt fiir den Kreis Gietzen

Wr* 161

Chrlteiet ta6nd| außer Sonntagfl.

Dem Gießener Anzeiger «»erben im Wechsel mit dem veistschen Landwirt die Stegen« Kamillen» M&ttef otermal in der Woche beigelegt.

Rotationsdruck u. Ver­lag bet B h k'schen Vnivers.-Buch-u. Stein- brudmi. 8t Bonge.

BepflOitilt monatlich 76 otertek iäbrlich Ml. 3.20; durch Aohole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Mk.2. viertel- sährl. auöschl. Bestellg. Annahme van Anzei««A ir die Xt ä8ri:-tr.iet '3 oonnütiqfl J '* "Jit, jc'emneifl:

a bwärts -y Ij"J. Pe«ontwo^N'ch phe den oolü. und <1 ;ej>t. Teil: P. Wtttlo: für .Stadt und Canb" und .Gerichtssaal*: August Goetz; für den An­zeigenteil: HanS Beck.

Die Üeutige Kummer umfaßt 10 Seiten.

Die ZSÜrttembergische Aerfassungs frage.

Stuttgart, 11. Juli.

Die Verfassungskommission der Abgeordneten- fammer begann gestern ihre Beratungen. Bezüglich der Zu­sammensetzung der ersten Kammer wird beschlossen, daß sie bestehen soll aus: 1. den Prinzen des königlichen Hcmfis, 2. aus den Häuptern der fürstlichen und gräflichen Familien, auf deren Besitzungen vormals eine Reichs- oder Kreistags­stimme geruht hat, sowie aus den Häuptern der gräflichen Familien v. Rechbcrg und Neipperg, solange sie sich im Besitze ihres mit fideünäßrg belegtem Namensrecht der Erst­geburt sich verbindenden Grundvermögens im Königreich befinden, 3. aus den sechs auf Lebenszeit vom König zu ernennenden Mitgliedern. Wie der Entwurf der Negierung vorschlägt, beantragten die Vertreter der Ritterschaft zu setzen: Sechs vom König für die Dauer einer Wahlperiode zu berufende Mitglieder, die, ohne Rücksicht auf Geburt und Vermögen, aus den würdigsten Staatsbürgern zu er­nennen sind. Dieser Antrag wurde abgelehnt und der Re­gierungsentwurf angenommen. Statt der im Entwurf vorgeschlagenen sechs Mitglieder des ritter- schaftlichen Adels wurde beschlossen, sieben zu setzen. Ein Antrag der Ritter, die Zahl auf acht zu erhöhen, wurde abgelehnt. Nach dem Entwurf der Regierung wurden die Bestimmungen angenommen, daß der ersten Kammer ferner angehören sollen: der Präsident des evangelischen Konsi­storiums, der Präsident der evangelischen Landeskirche und zwei evangel. Superintendenten, firner der katholische Lan- oesbischof und ein Vertreter des Domkapitels, ferner je ein Vertreter der Landesuniversität in Tübingen und der Technischen Hochschule in Stuttgart. Ein Antrag der rittcr- schaftlichen Abgeordneten, eine Bestimmung des Inhalts einzufügen, daß der ersten Kammer auch die O b e r b ü r g er­weist e r der Städte Stuttgart, Mm und Heilbronn an­gehören sollen, wurde abgelehnt.

Die Regierungsvorlage bestimmt, daß der ersten Kam­mer sodann noch angehören sollen zwei Vertreter des Handels- und Gewerbestandes und zwei Vertreter der Land­wirtschaft, welche vom König je auf die Dauer einer Wahl­periode ernannt werden. Nach Mlehnung eines hierzu ge­stellten Antrages der ritterschaftlichen Mitglieder, der drei Vertreter des Handels und der Industrie, zwei Vertreter der Landwirtschaft und einen Vertreter des Handwerks vor­schlägt, wurde ein Antrag Angenommen, nach dem zwei Vertreter des Handels und der Industrie, zwei Vertreter der Landwirtschaft und ein Vertreter des Handwerks berufen werden sollen.

Zu § 133, der von der Zusammensetzung der zweiten Kammer handelt, liegen drei Anträge vor. Abg. Keil (S o z.) beantragt: Die 2. Kammer besteht aus 93 2lbgeord- neten, die getrennt in den vier Kreisen des Landes nach dem Grundsatz der Listen- und Verhältniswahl zu wählen sind. Die Zahl der auf die einzelnen Kreifi entfallenden Abgeordneten ist von der Regierung nach dem Verhältnis der je bei der letzten vorausgegangenen allgemeinen Volks­zählung ermittelten Bevölkerungszahl zu bestimmen. Abg. Kraut (kons.) beantragt, neben 75 aus den Bezirkswahlen hervorgehenden Abgeordneten 18 gewählte Vertreter von Landwirtschaft, Gärtnerei und Forstwirtschaft sowie von Industrie und Handwerk. Die Wahl der Vertreter von Landwirtschaft, Handel, Industrie und Handwerk erfolgt durch die wahlberechtigten Mitglieder der gesetzlich organi­sierten Berusskörperschaften crus der Zahl der zu Mit­gliedern dieser Körperschaften wählbaren Personen, und zwar werden von Lanowirtschaft, Gärtnerei und Forst­wirtschaft 9 Abgeordnete, von den Arbeitgebern in Handel und Industrie 5 Abgeordnete und vom Handwerk und Ar­beitnehmer in Handel und Industrie je zwei Abgeordnete gewählt. Abg. Friedrich Haußmann beantragt, in der Zahl derguten Städte" Ellwangen zu streichen und eine Be­stimmung einzufügen, daß die zweite Kammer neben den Bezirksabgeordneten aus 17 in den vier Kreisen des Landes durch Listen- und Verhältniswahl gewählten Abgeordneten besteht, von denen sechs auf den Neckarkreis, je vier auf den Schwarzwald- und Donaukreis und drei auf den Jagst- kreis entfallen. Nach der Begründung dieser Anträge durch die Antragsteller wurde die Beratung vertagt.

Politische Tagesschau.

Die formelle Zustimmung Englands zur Marokko-Konferenz wird in naher Zeit erwartet. Die englische Regierung muß eben die Schwenkung der ftanzösischen Negierung mit­machen und wie diese ihr anfänglichesBedenklich" in Unbedenklich" verwandeln. So will es das Freundschafts­verhältnis. Aus Freundschaft für Frankreich gibt auch die Londoner Presse vor, Genugtuung über die deutsch-ftan- zösische Verständigung zu empfinden. Eine recht ge­kniffene" Befriedigung. Nirgends wäre das Scheitern der Verhandlungen mit größerem Jubel begrüßt worden, als m England. Es ist aber schließlich das Klügste, den Aerger über den Fehlschlag möglichst wenig merken zu lassen.

IM Schiffsverkehr mit Marokko nimmt übrigens England die erste Stelle ein. Diese Tat­sache muß beachtet werden. Eine englifche Reederei unter­hält achttägige Verbindung mit demSulranat, und si^kommt dabei Vesser auf ihre Rechnung, als die in längeren Zwischenräumen fahrende Oldenburger Linie. Die englischen Schiffe pftegen die Canarischen JUseln anzulaufin und von dort landwirtschaftliche Erzeugnisse mitzunehmen. Außerdem sind die britischen Dampfer meist vollbesetzt mit Kajütpassagieren. Der von der Hamburg-Amerika-Linie in Aussicht genommene Spezialdienst mit Tanger wird hoffentlich eine Aenderung herbeiführen, aber England

dürfte in dieser Beziehung nicht leicht zu überflügeln sein.

Fürst Radolin und Rouvier setzten am Montag die Siegel unter die Dokumente des ?lbkommens. Die Unterhandlungen werden nunmehr mit den Signatarmächten zwecks Aufftellung des Programms begonnen werden.

DieNationalztg." schreibt:

Es ist durchaus unzutreffend, wenn ein Pariser Blatt be­hauptet. die jüngsten Verhandlungen hätten nicht bloß auf den vom (Sultan gemachten Kouferenzvorschlag, sondern auch auf andere Fragen, namentlich auf Kleinasien sich bezogen. Trotz der Bestimmtheit, mit der die bezüglichen Behauptungen aufgestellt werden, erfahren wir zuverlässig, das; die Marokkoangelcgenheit ausschließlich den Gegenstand der nunmehr glücklich beendeten Verhandlungen bildete.

Deutsches Reich.

Berlin, 11* Juli. Die Unterhaltungsblätter der badi­schen Zentrumszeitungen brachten auf diesen Sonntag die Biographie des verstorbenen Fürsten Leopold von Hohen- zollern-Sigmaringen. Von der Leichenfeier heißt es, daß Prälat Dr. Rink (ein Jesuit) dem Kaiser ein Andachts- buch überreicht habe, an dessen Hand der Kaiser der Feier in tiefernster Andacht folgte, und es wird dann bemerkt, der Kaiser habe die Benediktus medaille getragen, die große goldene. Das war eine sinnige Aufmerksamkeit gegen die äußerst fromme, katholische fürstliche Familie von Sigmaringen, wie gegen die Benediktiner, die an diesem Hofe, nächst den Jesuiten, eine so große Rolle spielen. Der Kaiser hätte noch daS Großkreuz des Ordens vom heiligen Grabe als eine andere Mönchsdekoration zur Verfügung gehabt, um die Herren der Kirche zu ehren. Er verzichtete darauf.

Reichskanzler Fürst Bülow ist heute von Saßnitz hierher zurückgekehrt und wird morgen abend einen längeren Urlaub antreten, den er in Norderney zuzubringen ge­denkt. Er wird aber auch da die Leitung der Geschäfte in der Hand behalten.

Wie dieVoss. Ztg.* hört, hat Oberstallmeister Graf Wedel seine Entlassung eingereicht. Als Nachfolger wird der Freih. von Reischach genannt, der als Hof­marschall dem Hofstaat der Kaiserin Friedrich bis zu deren Tode angehört hat.

DerReichscmz." veröffentlicht die am 1. Oktober :n Kraft tretende Bekanntmachung des Reichskanzlers betreffend Untersuchung von Schtffsleuten auf Tauglichkeit zum S chiffsdienst.

Essen, 11. Juli. Für die Reichstagsersatzwahl stellten die Polen als eigenen Kandidaten den Schriftsteller Josef CHociszewski-Gnesen auf. Die Polen werden auf­gefordert, dem Zentrum keine Stimmen zu geben.

Ko bürg, 11. Juli. Herzog Karl Eduard von Sachsen-Koburg-Gotha übernimmt am 19. Juli nach er­folgter Großjährigkeitserklärung die Regentschaft seines Landes. Eine imposante ÄbschiedShuldigung brachte bereits am 8. d. M. die Einwohnerschaft von Koburg dem Regenten Erb­prinzen zu Hohenlohe-Langenburg und seiner Gemahlin Alexander dar. Der Schloßplatz war glanzend beleuchtet. Bald nach 8 Uhr erschien das Regentenpaar mit seinen Kindern, begleitet von der Großherzogin-Witwe Marie, deren Töchtern, der Kronprinzesiin von Rumänien, der Großherzogin Viktoria Melitta, sowie den Großfürsten Cyrill und Boris von Rußland auf dem Balkon. Nunmehr ertönten die Klänge des Tannhäuser- marscheS. Dann folgten Chorlieder der Gesangvereine Koburgs, ein Tanzreigen fränkischer Bauernmädchen, Keulenschwingen, Leiter- und Pyramidenübungen, sowie ein humoristischer Reiterreigen der Turner, ein Radreigen des Radlervereins und ein Lampionreigen der Turner und Schüler. Hierauf brachte Bürgermeister Hirschfeld ein Hoch auf das Regenten­paar aus. Der Regent dankte mit einem Hoch auf die Stadt und Land Koburg.

München, 11. Juli. Soweit sich die Zusammensetzung der Kammer nach den bisherigen Ergebnissen der Ur­wahlen berechnen läßt, dürfte die Stärke der Parteien fol­gende sein: Zentrum 102 (dem jetzigen Stande gegenüber 18 mehr); 10 Sozialdemokraten (1 weniger); 12 Freie Vereinigung (7 weniger), 34 Liberale (10 weniger) und 1 Demokrat. Hier geht das Gerücht, daß der Minister des Innern angesichts der Wahlergeb­nisse seine Entlassung nehmen werde. Wie man bisher weiß, sind außer München den Liberalen verloren: Augsburg Stadt, Kempten-Memmingen, Ginzburg, Jmmen- thal Stadt, Schweinfurt, Zweibrücken, Kaiserslautern. Dec Wahlkreis Regen-Viechtach-Kötzting ging vom Bauernbund ebenfalls an das Zentrum über. Die Sozialdemokraten wurden durch die vereinigten bürgerlichen Parteien aus ihrem Nürnberger Sitze verdrängt.

Ausland.

Stockholm, 11. Juli. Heute wurde em von 174 Per­sonen (Schriftstellern, Künstlern, Lehrern, Aerzten und anderen) unterzeichneter Arrftuf veröffentlicht, in welätem dw Hoffmmg ausgesprochen wird, daß sich der außerordentliche Reichstag für eine Abwickelung des Unionsverhälttrisscs zwischen Schweden und Norwegen entscheiden werde, daß die Ru he und die Freund- schäft auf der skandinavischen Halbruiel ge­wahrt bleiben könne. m .

London, 11. Juli. Das Rentenche Bureau erfährt, Prmz Karl von Dänemark fei formell als König von Norwegen in Vorschlag gebracht worden. er Vor­schlag sei Gegenstand der Beratung zwischen den beteiligten Hofen; viel hänge von dem Könige Oskar ab

Brest, 11. Juli. In der Seepräfektur sand beute zu Ehren

der Offiziere des hier ankernden englischen Geschwaders ein Frühstück statt, wobei der Secpräfekt>mirat Pephan einen Trinfipruch auf den König und die Königin von England und die englische Flotte ausbrachte. Der Redner gab dem Wunsche Aus­druck, daß die ftanzösischen und englischen Geschwader sich öfter begegnen möchten, damit sich ihre Offiziere und Mannschaften gegenseitig immer besser kennen lernen. Admiral Mat) erwiderte mit einem Trinkspruch auf den Präsiden­ten Loubet, der sich'in England aller Herzen er­obert habe, auf die französische Flotte und die Einwohner von Brest.

Bern, 11. Juli. Der Bundesrat gibt denjenigen! Staaten, welche bei der internationalen Arbeiterkonferenz vertreten tvaren, Kenntnis von den Protokollen und der Schluß­akte der Konferenz, die die Grundzüge der internationalen lieber» einkommen betreffend das Verbot der industriellen Nachtarbeit der Frauen und das Verbot der Verwendung weißen (gelben) Phosphors in der Zündbolzindustrie enthält. Der Bundesrat bemerkt, es fei unerläßlich, daß behufs Umwandlung dieser Beschlüsse der Konferenz in Verträge eine diplomatische Konferenz stattfinde, und ersucht um Mitteilung, ob die Staaten hiermit eiw- üerftemben sind. In bejahendem Falle erbittet er bis Ende Oktober ihre Ansicht über den Ort und den Zeitpunkt der Konferenz. Die Regierung Japans wird gleichzeitig eingeladen, sich über den von der Arbeiterschutzkonferenz gewünschten Beitritt zur Konvention betreffend das Phosphorverbot auszusprechen!.

Budapest, 11. Juli. Bei Betrozseny fand bei Gelegenheit eines Volksfestes ein Zusammenstoß zwischen, ungarischen und rumänischen Grenzwächtern statt, wobei die Rumänen einen Bauern töteten und einen schwer verwundeten. Zwei ungarische Grenzwächter wurden von ihnen über die Grenze ge­schleppt und gefangen gehalten. Untersuchung ist eingeleitet. .

Caracas, 10. Juli. Der Kongreß hat die ihm vom Präsi­denten vorgelegten, zwischen der venezolanischen Regierung unb den britischen und deutschen Inhabern der venezvlani- schon Bonds abgeschlossenen Verträge betreffend die Konver- t i e r u n q dieser Schulden angenommen.

Auckland (Neuseeland), 11. Juli. lReuter.) Nach Meld- imgen ans Samoa herrscht jetzt dort vollständige Ruhe. Die Eingeborenen sind mit ihrer Lage zuftieden.

London, 11. Juli, ö/egenüber der Wahlkreisvorlage berufen die irischen Abgeordneten sich darauf, daß auf Grund der Unionsakte ihnen das Recht auf die bisherige Vertretung im Parlament zustehe. Die irische Partei wird die Vorlage auf das heftigste bekämpfen. Seitens der liberalen Partei ift; weniger Widerstand zu erwarten, zumal einigen Liberalen die Befreiung von der irischen Mitherrschaft nicht unlieb ist.

Das SchrcckensregimenL in Ausland.

Ein neuer politischer Mord.

In Moskau wurden während eines Empfanges von Bittstellern bei dem Stadthauptmann Schuwalow 3 Schüsse abgefeuert, welche den Stadthauptmann töteten. Der Mörder wurde verhaftet. Der Anschlag wurde am Montag mittag um 1 Uhr vollführt. Der Mörder, ein einfach gekleideter Mann, wartete im Empfangszimmer, bis alle empfangen waren, trat bann auf den Stadthauptmann zu und feuerte aus der allernächsten Nähe. Die Geschosse durchbohrten den Körper des Stadthauptmanns, welcher nach einer Stunde ver­schied. Die Persönlichkeit des Verbrechers ist noch nicht end- giltig festgestellt. Unlängst war er eines politischen Ver­gehens wegen festgenommen worden, er entfloh jedoch aus dem Polizeigebäude.

Die Meuterer.

Die in Konstanza gelandeten Meuterer vom »Po» temkin" haben bis auf wenige Mann den Wunsch aus­gesprochen, nach Rußland znrückzukehren und ihre Schuld zu büßen. Ein besonderes Schiff soll sie nach Sewastopol bringen. Nur das sogen. Zwanziger-Komitee mit Alexejew an der Spitze soll sich, der russ. Regierung zuge­kommenen Nachrichten zufolge, nach Gens gewandt haben. In Konstanza sind noch zwei russische Torpedoboote mit einer Mission von Admiral Krieger angelangt und dann sofort wieder abgedampft. DerPotemkin" ist noch nicht genügend mit Proviant versehen und konnte bisher nicht abdampfen. Das Bukarester BlattAdeverul* behauptet, daS russ. Ge­schwader solle bei seiner Ankunft in Konstanza sehr unzufrieden gewesen sein, da derPotemkin" die rumänische Flagge ge­hisst hatte. Deshalb weigerte sich auch das russische Ge­schwader, den Panzer in der üblichen Weise zu begrüßen, konnte sich aber schließlich dieser Pflicht nicht entziehen und gab die reglementsmäßigen Kanonenschüsse ab.

DieTimes" meldet, daß die russische Regierung jetzt nachttäglich die Uebergabe der Matrosen desPotemkin" von der rumänischen Regierung verlange. Die russische Regierung betrachtet die Meuterer als gemeine Verbrecher. Sie be­gründet das Verlangen mit dem zwischen Rußland und Ru­mänien bestehenden Auslieferungsvertrage.

DaS Ergebnis derPotemkin"-Angelegenheit für diö T'ürfei ist, daß die Bosporus- Besestigungen, welche im Gegensatz zu den Dardanellen-Befestigungen infolge des russischen Einflusses bisher vielfich vernachlässigt wurden, etwas vervollständigt werden. Blättermeldungen über Armierung und sonstige Ausrüstung sind jedoch übertrieben. Die in den letzten Tagen an den Bosporus gesandten Be­festigungsgeschütze sind vorläufig ohne GefichtSwert, da deren Jnsiallierimg längere Vorarbeiten erfordert. Die Meldung, daß anläßlich derPotemkin"-Angelegenheit die türkische Flotte mobilisiert wurde, ist falsch, nur einzelne Torpedo­boote wurden zum Wachtdienft an den Bosporus-Eingana beordert.

Die fortschreitende Revolution.

Die Situation in Tiflis ist sehr gefährlich. Unter ben Arbeitern gährt es. Die revolutionäre Bewegung nimmt mit jebem Tage größere Dimensionen an. Am Montag abend