lediglich btttö) diese Abmachung zwischen den beiden grossen politischen Parteien. Die Professoren der Universität in Tokio hielten eine Versammlung ab und nahmen einen sZrotestantrag gegen die sofortige Entlassung eines Kollegen an, die erfolgte, weil er an einer regierungsfeindlichen Demonstration teilgenommen batte.
Ruffische Neuigkeiten.
Nach der Pariser „Libre Parole" soll im Park von Peterhof ein Bombcnattentat verübt worden sein, als der frühere Kriegsminister Ssacharow und Bulygin, die eine Audienz beim Zaren gehabt hatten, in einer kaiserlichen Equipage zurückfuhren. Ssacharow sei durch einen Bombensplitter schwer verletzt worden, Bulygin unverletzt geblieben. Durch das Attentat seien zwei Personen getötet, 14 verwundet worden. Die Attentäter wären zwei Armenier gewesen, die Offiziersuniform angelegt hätten. — Libre Parole behauptet, die Meldung sei der Pariser russischen Botschaft zugegangen, doch liegt keinerlei Bestätigung der Nachricht vor.
Die furchtbaren Ereignisse in Baku scheinen nunmehr beendet zu sein, da das Militär endlich energisch einschreitet. Die Naphta-Jndustriellen zögern, jedoch mit dem Wiederaufbau der Betriebe. Sie wollen damit nur beginnen, falls die Regierung vollste Garantie bietet für die Unantastbarkeit des Eigentunis mit der persönlichen Sicherheit. Außerdem sollen sofort ausreichende Geldmittel zum Wiederaufball zur Verfügung gestellt werden. Zehn Stadtteile sind vollständig zerstört. Die Truppen machten Gebrallch von ihren Waffen und töteten 17 Personen. — In Tsasislomas wurde eine Höllen nraschine unter den Wagen des Gouverneurs geworfen, als dieser mit dem Kreischet durch den Ort fuhr; die Höllenmaschine explodierte jedoch nicht.
Ungarisches.
Kaiser Franz Joseph hat das im wesentlichen auf die Liberalisierung des Wahlrechtes gerichtete, Mtions- Hrogranml des ungarischen Kabinetts Fejerwarv infolge Einspruches des österreichischen Ministerpräsidenten v. Gautsch nicht genehmigt, weshalb Fejcrvary die Demission des Gesamtkabinetts unterbreitete. Die Demission wurde auch .angenommen. Mit der amtlichen Erklärung der Demission wartet man, weil man die Koalitioir nochmals durch Berufung mehrerer führenden Persönlichkeiten bewegen will, die Regierung auf der Grundlage des Programms des Kaisers zu übernehmen. Falls dies, was wahrschenilich ist,,nicht gelingt, wird FejervarN, der die Geschäfte vorläufig weiterführt, am 15. September die Demission dem Abgeordnetenhaus aumclden. Sollte die Kva- lition in eine freiwillige Vertagung nicht willigen, dann erfolgt die Vertagung, lieber die weitere Entwicklung der Krise herrscht vorläufig keine Klarheit.
Weiter wird aus Budapest folgendes gemeldet: Der Mitarbeiter eines oppositionellen Blattes, Journalist Arpad 3 i - aony, wurde unter der Anschuldigung, verhaftet, Verfasser der unter dem Namen eines Professors Zcysig-Berlin erschienenen, als hochverräterisch betrachteten Broschüre „D i c ungarische Krisis und die H o h e n z o ll e rn" zu sein. Der Verhaftete gab bei dem ersten Verhör zu, sich an der Abfassung der Broschüre und an ihrer Verbreitung beteiligt zu haben. Er will seine Mitarbeiter nicht nennen, doch sollen seine Verbindungen bis zu einer hochstehenden politischen Persönlichkeit reichen. Er ist ein begabter Schriftsteller, dessen Stücke im ungar. Nationaltheater zur Aufführung gelangt sind. Er war auch Sekretär des Barons Bansfy. Die Untersuchung soll ergeben haben, daß die Broschüre zu denr Zwecke verfaßt wurde, die Koalition in den Verdacht des Hochverrats zu bringen, und stellte fest, daß auch der Sekretär bei den ungarischen Staatsbahnen, Josef Den cs, an der Herstellung der Broschüre mitwirkte. Ta Ziganh und Dencs Fühlung zur Banffy-Partei hatten, richtete fick neuerlich der Verdacht gegen diesen Politiker als intellektuellen Urheber der Broschüre. Demgegenüber erklärt Baron Banffy, daß er mit der Affäre in keinerlei Zusammenhang stehe und daß er nach Erscheinen der Broschüre diese in einem Briefe an Ziganh schärfftens verurteilte. Ein Verhör hat aber evident festgcstellt, daß der frühere Ministerpräsident Baron Banffy von dem Erscheinen der Broschüre Kenntnis hatte und.Ziganh zur Abfassung der Broschüre angeregt hatte. Die Mitwisserschaft Banfshs geht aus einem bei einer Haussuchung ut der Wohnung Ziganhs vorgefundeueii Brief hervor, in dem Banffy seinem „lieben Freund Ziganh" mitteilt, daß vorläufig eine ungarische Uebersctzung der Broschüre nicht nötig sei. .Sollte dies notwendig sein, werde man dafür sorgen. Tie polizeiliche Untersuchung, die noch manche Ucberraschung bringen dürfte, dauert fort. „ . , . . .
Fciervarn hatte gestern einen emstündlgen Besuch des deutschen Botschafters Wedel. Man nimmt an, daß der Besuch 'mit der Hok.eu'.ol'c.-u Broschüre '-us^mmenbängt.
Untergang eines japanischen Schkachtschiffes.
Tokio, 12. Sept. (Reuter.) Das Schlachtschif „Mikasa" geriet gestern früh 2 Uhr 30 Min. in Brand und sank.
Tokio, 12. Sept. Das Marinedepartement giebt bekannt: Das Feuer an Bord des „Mikasa" ist mitternachts ausgebrochen. Ehe die Besatzung gerettet werden konnte, erreichte das Feuer die Pulverkammer. Es erfolgte eine Explosion, die an Backbord an der Wafferlinie ein Loch riß. An Bord befanden sich 599 Menschen, einschließlich der Seeleute von anderen Schiffen, die zur Hilfeleistung herbeigeeilt waren, lieber die Ursache des Feuers ist eine Untersuchung eingeleitet.
Der „Mikafa" hatte eine Wasserverdrängung von 15,362 Tonnen, war also das zweitgrößte Schiff der japanischen Kriegsflotte. Tie Armierung bestand aus 4 Stück 30,5 Ztm. in 2 Bt., 14 St. 15 Ztm., 20 St. 7,6 Ztm., 12 St. 4,7 Ztm. Schnellfeuerkanonen, 8 Maschinengewehren und 4 Torpedorohren.
Kurz vor Schluß der Redaktion erhielten wir noc folgendes Telegramm:
Tokio, 13. Sept. (Reuter.) Der unerwartete Verlu des Schlachtschiffes „Mikasa", das als Flaggschiff des Admirals Togo überaus populär war, verursacht hier großeBewegung. Das Feuer brach in der Nacht vom 10. bis 11. September um Mitternacht am Fuße des Großmastes aus. Es verbreitete sich mit blitzartiger Geschwindigkeit und sprang binnen einer Stunde nach der Pulverkammer über. Da das Schiff in ziemlich seichtem Master sank, glaubt man, daß es wieder gehoben werden kann. Man führt die Feuersbrunst auf eine elektrische lieber- lab »in zurück, doch ist endgiltiges noch nicht bekannt.
Aeutsch-Südwestatrika.
Nach einem Telegramm des GouvLrneurs Grafen Götzen vom 12. Sept, sind in den Südbezirken verschiedene Trupps von 'Aufständischen ohne Verluste auf unserer Seite geschlagen. Die Nordbezirke sind ruhig. Mpapu hat den Ausbruch von Unruhen im südlichen Teil des Ltatious- bezirks gemeldet. Von Tringa und Mahenge liegen keine Nachrichten vor. Gerüchtweise verlautet, daß Teile der Besatzung von Mahenge die Aufständischen geschlagen haben.
Hauptmann Richter hat über Kapstadt ein am 3. September 'tattgehabtes siegreiches Gefecht bei Sch a b r u m a gemeldet, in dem auf unserer Seite ein Askari gefallen ist. Tie Arbeiten an der Eisenbahnlinie Dar-es-Salam nehmen einen ruhigen Fortgang.
Ausland.
Stockholm, 12. Sept. Gestern fand zwischen dem Minister des Auswärtigen und dem deutschen Gesandten der Austausch der schwedischen und deutschen Forderungslisten für die Handelsvertragsverhandlungen statt.
Amsterdam, 12. Sept. Die „Tyd" erfährt, daß bei der demnächst bei Eröffnung der Kammer zu erwartenden Thronrede einen neuen Zolltarif-Entwurf ankündigen werde, der hauptsächlich Luxusartikel belaste. Stärkere Zölle 'ollen vor allem gelegt werden auf Zigarren und fertige Kleider. Die Einfuhr von fertigen Kleidern au8 Preußen nach Holland bewertet sich auf 8 Mill. Gulden. (Fr. Z.)
Paris, 12. Sept. Die Marokko-Verhandlungen wurden wieder ausgenommen. Von 10 bis halb 1 Uhr und von 5 bis 7 Uhr weilte Dr. Rosen beim Generalgouverneur Revoil. Dr. Rosens Bemühungen sind darauf gerichtet, eine rasche Lösung zu finden. Leider hat er nicht unumschränkte Vollmacht und kann keinen definitiven Entschluß assen, ohne vorher in Berlin angefragt zu haben. Das verlangsamt die Verhandlungen umsomehr, als man in Berlin ich keineswegs überstürzt. Wie verlautet, hat man d e u tsch er- eits auf Tanger als Konferenzort verzichtet, da man einsieht, daß die Verhältniffe in Tanger einen ruhigen Verlauf der Konferenz nicht gewährleisten. Man wird sich voraussichtlich auf Madrid einigen. Es wird keine offizielle Mitteilung erfolgen, ehe die Beratungen beendet sind. Immerhin wird versichert, daß der sich au8 den ersten Zu- ammenkünften ergebende Eindruck befriedigend und eine baldige Einigung wahrscheinlich ist.
Madrid, 12. Sept. Die Wahlen zur Deputiertenkammer sind vorüber. In Valencia wurde in vergangener Nacht die neu gewählten Deputierten Blasco, Ibanez und Menendez Pallares, welche mit zahlreichen Freunden auS einer den Wahlsieg feiernden Versammlung kamen, von Anhängern einer Gegenpartei erschossen. Viele Personen wurden verwundet, darunter 7 schwer.
Belgrad, 12. Sept. Von der Grenze anlangende unklare amtliche Berichte verzeichnen eine ununterbrochene Reihe von Scharmützeln um die serbischen Blockhäuser. Nun werde zwischen der serbischen und türkischen Grenzwache geplänkelt. Beiderseits gebe es Tote und Verwundete. In Belgrad verbreitete sich heute das Gerücht, Albanesen hätten schon die Stadt Kurschumlja eingenommen, was die große Aufregung int Publikum beweist.
Zur
erhielten wir von einem ober hessischen Landwirt olgende Zuschrift, die wieder, wie schon die in unserer Nr. 209 veröffentlichten Auslastungen eines Bauern, besonders das Zwi sch en h än dlert u m als die Quelle der Teuerung hinstellt, im übrigen aber unsere Bemerkungen zu der Kundgebung be§ Hess. Landwirtschastsrates zu widerlegen ucht. Sie lautet im wesentlichen folgendermaßen:
Zu der F l e i s ch v e r t e n r u n g möchte ich meine Auffassung als unparteiischer Beurteiler, da ich mehr Konsument w i e P r o d u z en t bin, in folgendem klarlegen. Eine Fleisch- not, wie ich es öfters gelesen habe, existiert überhaupt nicht. Eine Not kann genannt werden, wenn ich etwas irgendwie im Haushalt nötig habe, unter feinen Umständen und für keinen Preis aber erhalten kann. An Fleisch ist aber bis jeht kein Mangel, wenn es auch etwas teurer ist; man bekommt mehr ins Haus gebracht, als bestellt ist, also herrscht doch keine Not! Deshalb hat meine volle Zustimmung die Zuschrift des hessischen Landwirtschaftsrats.
Die Unterernährung ist ein Hirngespinst.
Ich Verkehre viel in Städten, zumal in Gießen, aber nirgends auf dem Lande, mögen Sie gehen nach Nord oder Süd, treffen Sie solche wohlgenährten Gestalten, als wie in den. Städten, denen es sogar unter Umständen besser ist, wenn sie die Fleisch- Portion etwas kleiner bekommen. Wie man auf dem Lande sagt: Man muß ihnen den Hafer höher legen!
Dann wollen Sie sogar das Anwachsen der Sozialdemokratie den Viehzüchtern aufs Konto setzen. Diese Uebeltäter aber sind doch mit 99 Prozent sonst wo zu suchen, nicht aber- unter den Bauern.
Wir deutschen Bauern schaffen redlich und treu unsere ehrliche Arbeit auf der Scholle, die wir von den Eltern geerbt haben und wissen es einer Regierung Dank, die sich unserer Verhältnisse annimmt und prüft, daß uns ein ehrlicher Lohn von unserer schweren Arbeit wird.
Halten Sie doch einmal Umfrage in.Ihrem Kreise, zu welchem Preis bei mäßiger Rentabilität der Viehzüchter das Kilo Rind oder Schweinefleisch liefern kann • dann werden Sie gewahr,, was der Zwischenhändler bei dem Geschäft verdient, daß er mitunter mal an einem Schwein 50 Mark, sage und schreibe fünfzig Mark, verdient. Selbstredend war dies ein besonders schweres Exemplar. Das ist aber das Kräutlein „Rühr mich nicht an" bei vielen Städtern, dieses Zwischenhändlertum. Nun seien wir konsequent, wird jemand sagen, jeder Arbeit gebührt ihr Lohn. Ei gewiß, mehr wollen wir nicht: Der ehrlichen Arbeit einen ehrlichen Lohn. Oder ist das auch noch ehrlich, 50 Mark an einem Schwein? Nach meiner Auffassung nicht. Wenn wir ihm, voll gerechnet, 8 bis 10 Mark zuerkennen wollen als verdient, verbleibt noch ein ganz nettes Sümmchen, in das sich Produzent und Konsument teilen könnten, wenn es noch wäre wie früher, als der Metzger aus der Stadt kam und direkt vom Bauer kaufte. Jetzt sind die Herren zu bequem, sie können es leichter haben. Wenn so ein Herr Schlächtermeister einen guten Stadtteil mit kauffrästiqer Kundschaft hat, ist er doch bei zehnjährigem Geschäftsbetriebe, wie es schon da war, Rentner. Suchen Sie mir aber einen Viehzüchter im gleichen Zeitraum mit diesem Resultat! Der wird nicht zu finden fein.
Dann machen Sie die Wehrkraft noch abhängig von beit Fleiscbpreisen. Da erwidere ich Ihnen, daß das ebenfalls verkehrt ist.
Großer Fleischgenuß macht den Körper schwerfällig und träge, wie Sie es bei Metzgern beobachten können. Also weniger Fleisch, mehr Brod essen, das macht stark und vermehrt die Wehrkraft! Ich erinnere mich noch lebhaft an meine Dienstzeit in Gießen, da warfen wir den billigen Eberspeck gar ost ins Spülfaß und hatten keinen anderen Ersatz als unseren Kommißschinken von 6 Pfund im 2-Pind und waren tüchtige Soldaten, daß uns der Kaiser seinen Namenszug 1891 bei Kassel verlieh und von unferm Grotzherzog zum Chef des Regiments ernannt wurde.
Also nochmals die Mahnung, mehr Brot und weniger Fleisch! Das ist sogar noch billiger.
Mit der Fleischnvt ist es also absolut nichts. Zu teuer! Ja du meine Güte, nur ist auch so einiges zu teuer, sagt der Amerikaner. Das ist sel)r einfach! Da kauft man so viel weniger, als wie c5 daS Budget vertrayen kann. Wenn ich keinen Nickel zum Glas Bier habe, trinke ich keins. Aber daS ist unentbehrlich in der Stadt, dieser Biergenuß. Ta i|t
von Not keine Rede, zumal wie diesen Sommer, wo ein Fest; das andere jagt. Ta ivirb alles mitgemacht, koste es was es wolle, und wenn das letzte entbehrliche Stück Hausrat oder Kleidungsstück beim Trödler versetzt wird. Wollte man hier etwas sparen, dann könnte man sckwn die paar Groschen, die der Landwirt für fein Vieh mehr erhält, mit Leichtigkeit aufbringen.
Zum Schlüsse will ich noch bemerken, wenn die Arbeitsleistung der Viehzüchter so bezahlt würde, wie diejenige der meisten Fleischnotschreier, dann müßte das Pfund Fleisch mindestens einen Taler kosten.
Wir geben dem Herrn Einsender zu, daß er in vielem Recht hat. Zunml was er von den Zwischenhändlern sagt, scheint den Nagel auf den Kopf zu treffen. Die bissigen Angriffe auf die Metzger sind aber gewiß ungerechtfertigt.
Unsere Bemerkungen über das Anwachsen der Sozialdemokratie infolge der Fleischteuerung — die Bezeichnung „Fleischn o t" haben wir stets vermieden — hat aber der Herr Einsender gründlich mißverstanden. Wir haben keineswegs behauptet, daß die Fleischteuerung zu einem Anwachsen der Sozialdemokratie unter der Bauernschaft führe. Im Gegenteil! Was wir behaupteten und durch die sozialdemo- kratlsche Presse de§ ganzen Reiches wie unseres Landes beweisen können, ist, daß die Fleischteuerung die Veranlassung ist, daß in den Städten, wo sie am meisten empfunden wird, die Zahl der Mißvergnügten erheblich zunimmt. Diese Mißvergnügten aber sind allemal und überall die Mitläufer der Sozialdemokratie, von der sie reiften, daß sie auf alle bestehenden Zustände in Stadt und Land maßlos räsonntert. Also die hohen Rindviehpreise sind tatsächlich die Ursache des Anwachsens sozialdemokratischen Stimmviehs.
Was der Herr Einsender über die Beziehungen der Fleischpreise zur Wehrkraft sagt, das ist von derNahrungS- mittelchemie längst widerlegt. Es ist eine bekannte Tatsache, daß die vegetabilischen Nahrungsstoffe im allgemeinen vom Darm mangelhafter ausgenutzt werden als Fleisch, Eier und Milch, woraus hervorgeht, daß die letzteren dem menschlichen Organismus förderlicher sind als die ersteren.
Die Bemerkungen über die Fe stfrö hlichkeit unserer heutigen Zeit sind nicht übel, treffen aber auf Stadt und Land wohl in gleichem Maße zu. Oder gibt es Heuer keine Kirmesse und Krieger- und Sängerfeste re. auf dem Lande?
*
Der Frankfurter Ga st wirteverein macht bekannt: „Die hiesioen Gastwirte haben in den letzten Jahren durch die iortwährende Erhöhung aller Rohmaterialien, sowie neue Steuern einen schweren Stand gehabt. Wenn dieselben bisher von einem Aufschlag der Speisen abgesehen haben, so ist dies nur in der Erwartung aus bessere Zeiten geschehen. Anstatt dessen ist aber in letzter Zeit eine wesentliche Teuerung aller Fleischsorten eiuqetreten, wodurch die Gallwirte schwer geschädigt und in ihrer Existenz bedroht werden. Dieselben sehen sich daher veranlaßt, die ergebene Mitteilung zu machen, daß von heute ab ein im Verhältnis stehender Ausschlag aus die Fleischspeisen erfolgt."
Mülhausen, 12. Sept. Die vom Gemeinderat be» schlossen«! Aufhebung des Oktrois auf Fleisch wurde von der Aussichtsbehörde nicht genehmigt.
Aus Stadt md Sand.
Gießen, 13. September.
Sprechstunden der Redaktion:
12—1 Uhr mittags, 1/,7—1/i8 Uhr abends.
* * P e r s on a li n. S H. der Großherzog haben den Oberlehrer am Ostergymnasium zu Mainz, Prof. Dr. Karl Noack auf sein Nachsuchen bis zur Wiederherstellung seiner Gesundheit in den Ruhestand versetzt. — Das Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuerwehren wurde verliehen den Mitgliedern der freiwilligen Fabrikfeuerwehr der Firma H. Müller & (So. in Offenbach Josef M ü l l e r und Wilhelm M ü Iler.
* • Unsere Regimentsmusik kehrt nächsten Freitag auS den Manövern zurück. Am Sonntag wird sie im Neuen Saalbau ihr erstes Winterkonzert zu Gehör bringen.
* * Ein Deserteur. Der Reservist Heimann vom hiesigen Infanterie-Regiment hat sich von Falkenstein aus von seinem Truppenteil entfernt. Er soll sich Zivilkleider seines Quartiergebers verschafft haben und verschwunden fein.
* * Ein kleiner Waffen die b. Man berichtet un§ aus Krumbach folgendes Vorkommnis, das sich bei der dortigen Einquartierung in der vorigen Woche ereignete: Einem bayrischen Reitersmann fehlte am nächsten Morgen, als man sich zum Weitermarsch rüstete, sein Karabiner. Alle Bemühungen, ihn in Haus und Hof zu finden, blieben erfolglos. Um sich vor Strafen zu schützen, reitet der drei- jährig Freiwillige, welcher nach Schluß des Mannövers abzugehen gedenkt, eiligst nach dem benachbarten Kirchvers und meldete dem dort im Quartier liegenden Wachtmeister die Sache. Dieser reitet sofort mit dem Soldaten zurück, und nun beginnt nochmals eine gründliche Durchsuchung in Stall und Scheune, welche aber wieder erfolglos blieb. Da kam dem Herrn Wachtmeister der Gedanke, daß vielleicht ein Kind die Waffe fortgenommen habe. Auf sein Befragen wird der etwa 10jährige Junge des Quarticrreirtes au5 der Schule geholt, aber er will nichts von der Sache wissen. Erst als der Wachtmeister zu einem Strang greift, um den Jungen gebunden mit sich zu führen, da gibt dieser zu, daß er das Gewehr versteckt habe. Man fand es in einem Laubstall versteckt. Der kleine Dieb hätte sicherlich kein Geständnis abgelegt, wenn man nicht mit Strenge gegen ihn vorgegangen wäre.
o. Friedberg, 13. Sept. (Eigener Draht« bericht.) Heute früh wurde der der Brandstiftung dringend verdächtige Hück verhaftet. Verhaftet wurden ferner zwei Einbrecher aus Frankfurt, die Fahrräder gestohlen haben und bei deren Transport hier abgefaßl wurden.
Friedberg, 12. September. Der Friedb. Oberh. Anz. schreibt: Hier fand eine Versammlung der Vertrauensmänner ans dem Landtagswahlsreis Friedberg-Laud-Bad- Nauheim statt, welcher der Landtagsabgeordnete Hirsche! und seitens der Geschäftsstelle Herr Neureuther auZ Frankfurt beiwohnten. Es wurde zunächst die Frage erörtert, ob bei der demnächstigen Landtagswahl für den bisherigen nationalliberalen Landtagsabgeordneten Windeckei eingetreten oder seitens deS Bundes der Landwirte ein besonderer Kandidat aufgestellt werden sollte. Die Versammlung entschied sich dahin, daß der Bund der Landwirte einen selbständigen Kandidaten auf stellen solle und dies«


