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Nr» 239 Zweites Blatt. 155. Jahrgang
Mittwoch 11. Oktober 1905
Erscheint tü-Nch mit Ausnahme deS Sonntags.
Die „Äleßentt Kamllirnblätter- werden dem »Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der teibwtlt“ erscheint monatlich etitmoL
Rotationsdruck >md Verlag der Brüh lachen Universitatsdruckerei. 8L Lange, Gieße».
Redaktion, Expedition ».Druckerei: Schulftr.?.
Tel. Nr. 5L Telegr^Adr.: Anzeiger Liehe».
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General-Anzeiger, AmL§- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen.
Ioflizministerwechset in K-ssen.
Wir erhielten heute folgende Drahtnachricht:
Darmstadt, 11- Okt. Die amtliche „Darmst. Ztg." derSffeutllcht die am 10. dS. MtS. erfolgte Versetzung des JustizurinisterS Dr. D i t t m a r in de» Ruhestand rücksichtlich seiner geschwächten Gesundheit, unter dankbarer Anerkennung seiner langjährigen treuen und ausgezeichneten Dienste und Verleihung des Grohkreuzes des BerdicustordeuS Philipps des Großmütigen, sowie die Ernennung des Reichs- gerichtSrats Karl Ewald zum Juftizminister.
Schon gestern erhielten wir kurz nach Schluß der Redaktion dieselbe, allerdings noch nicht offiziöse drahtliche Meldung aus Darmstadt, und in einem Teile unserer gestrigen Auflage konnten wir sie auch noch veröffentlichen.
Der neue hessische Justizminister Christian Wilhelm Karl Ewald, geb. am 18. Juni 1852 in Rehbach, Kreis Erbach, wurde am 11. Januar 1875 Akzessist. Im Jahre 1879 wurde er Amtsanwalt, 1882 Amtsrichter m Worms, 1884 Staatsanwalt in Darmstadt, 1885 nach Mainz versetzt, und 1893 Oberstaatsanwalt in Mainz. Sein Eintritt in das Reichsgericht zu Leipzig erfolgte am 1. Oktober 1896. Er ist bisher, dem „Lpzg. Tagebl.^ zufolge, dort Mitglied des 1. Strafsenats gewesen.
Exz. Dr. Dittmar hat, wie uns heute aus Darmstadt geschrieben wird, bereits vor ca. 8 Tagen in einem Schreiben an Se. Kgl. Hoh. den Großherzog um seine Entlassung aus dem Staatsdienst gebeten und die Notwendigkeit seines Rücktritts mit seinem leidenden Gesundheitszustände motiviert. Schon vor ca. 6 Wochen wurde als der vom Landesherrn ausersehene Ersatzmann Reichsgerichtsrat Ewald genannt, während von anderer Seite mit großer Hartnäckigkeit General- staatSanwalt Preetorius als für diesen Posten auSerschen bezeichnet wurde.
Exz. Dr. Dittmar hat Jahre lang den hessischen Justiz- ministerseffel inne gehabt, hoch geachtet und verehrt von sämtlichen Angehörigen der hessischen Justizverwaltung. Er hat bekanntlich vordem viele Jahre hier in Gießen als außerordentlich viel beschäftigter Rechtsanwalt gewirkt und ist hier einer der hervorragendsten Anhänger der nationalliberalen Partei gewesen.
Am 15. Mai 1888 w-urde er zum Ministerialrat ernannt und, als 1896 das Justizministerium von: Ministerium des Innern getrennt wurde, zum Ministerialdirektor ernannt, am 6. Juli erhielt er das Minister Porte fenllle.
Er ist 64 Jahre alt.
Seines Nachfolgers Ewald politische Stellung ist uns nicht bekannt. Exzellenz Ewald hat übrigens eine Wormserin zur Fran. Seine Beziehungen zu Hessen waren auch von Leipzig aus stets sehr rege.
Wie uns ferner heute aus Darmstadt gemeldet wird, ist als feststehend zu betrachten, daß Staatsminister Rothe vorläufig nicht aus seinem Amt scheiden wird.
Volttische Tagesschau.
Kolonialdirektor Dr. Paasche?
Tie agrarische „Deutsche Tagesztg." berichtet heute wieder, daß der (ihr nicht gar so fernstehende) Abg. Prof. Dr. Paasche zum Kolonialdirektor ausersehen sei.
Bekanntlich befindet sich Prof. Pnasche noch auf seiner Studienreise in Deutsch-Ostafrika, im Besitze von Empfehlungen des Reichskanzlers und des Kolonialamts. Früher hieß es allerdings, er werde nicht geneigt sein, den schwierigen Posten des Kvlonialdirektors zu übernehmen. Neuerdings scheint die Möglichkeit nicht mehr so stark bestritten zu werden. Wenigstens würde, so schreibt man uns aus Berlin, das Kolonialamt einen Vertreter mit f-arlamentarischen Erfahrungen und, was auch ins Gewicht füllt, mit großer Redegewandtheit bekommen. Dr. Stübel ist nur ein mäßiger Redner.
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Städtetag und Fleischteuerung.
Berliner Blätter melden:
In vertraulicher Sitzung des Vorstandes des deutschen Städtetages wurde beschlossen, wegen der herrschenden Fleischnot und mangels Eingreifens des landwirtschaftlichen Ministeriums eine Sonder-Deputation, der die Oberbürgermeister von Berlin, Frankfurt a. M., München, Stuttgart und Straßburg i. E. angehören, an den Reichskanzler zu entsenden, um wegen der dringlich notwendigen Schritte in der Fleisch-Frage vorstellig zu werden. Dem Beschlüsse entsprechend wurde an den Reichskanzler ein Telegramm abgesandt mit der Anfrage, wann Fürst Bülow die Deputation empfangen wolle.
Fürst Bülow hatte es bisher abgelehnt, Abordnungen zur Frage der Fleischteuerung zu empfangen, angeblich weil der preußische Landwirtschaftsminister v. Podbielski für die Entscheidung zuständig sei. Nachdem aber Herrn v. Pod- bi-elsfis Prophezeiungen von der „in vier oder fünf Wochen" behobenen Fleischteuerung derart von den Tatsachen dementiert worden waren, daß der Rus nach billigerem Fleisch fetzt entschiedener ist als je, scheint der Reichskanzler denn doch Anlaß zu haben, sich um eine Kalamität zu bekümmern, deren Wirkungen allenthalben in Deutschland zu spüren sind. Vrsher hotte feite Abordnung des Deutschen Städtetages lisch keine Antwort auf ihr Gesuch um Empfang, wichtiger indessen als die Anhörung oer Deputation ist, daß überhaupt endlich einmal etwas geschieht! Seit Wochen ist von Erbebungen und Erwägungen die Rede. Daß die lvutachten oer Landwirtschafiskammern sich gegen die Oeff- tnnng der Grenzen für die Vieheinfuhr aussprechen, war cf) ne weiteres zu erwarten. Warum erst anfragen, wenn non die Antwort weiß? Das ist nur Zeitverlust, und Keiner ivirt) von den Vertröstungen auf den Abschluß der Erhcb- uirgen satt gemacht. Man hat aber auch nicht das m i n b e ft e davon vernommen, daß der Vorschlag dLs Grafen Stolberg-Wernigerode, des Reichs- lags^Vizepräsidenten, au den Reichskanzler, die Eisen- blLhntarife für lebendes Vieh zu ermäßigen,
Berücksichtigung gefunden hat. Diesen Weg kann die Regierung beschreiten, und wenn dadurch Ausfälle in den Eisenbahneinnabmen entstehen, so ist das eben eine „vorübergehende Erscheinung".
Auf die Umfrage, die die „Allg. Fleischer-Ztg." wegen der Viehnot und Fleischteuerung an sämtliche 860 Schlachthofdirektionen im deutschen Reiche gerichtet hat, äußert sich die Vieh- und Schlachthofdirektion in Gießen folgendermaßen:
Ein Mangel an Schlachtvieh hat sich insofern eingestellt, als brauchbare S-chlachttiere nur durch hohe Koufsummen erworben werden können. Die Schlachtungen, insbesondere der Schweine, sind bedeutend zürn ckg egan gen. Dazu haben die Tiere bei weitem nicht das Gewicht (und dem entsprechend die Qualität) aufzu- weisen. Der Fleischverbrauch muß demnach eingeschränkt fein. Abhilfe der Teuerung kann durch Organisierung gemeinschaftlichen Schlachtvieheinkaufs geschaffen werden und durch .Verbilligung der Futterstoffe.
Auch ein Dank Englands.
Der Aufsch Wung, den der Schiffsverkehr von To ve r in neuerer Zeit nimmt, ist nicht zum mindesten auf das durch Kaiser Wilhelm veranlaßte regelmäßige Anlaufen der großen transatlantischen Dampfer zurückzuführen. Der Kaiser hatte sich auf Bitten des Bürgermeisters von Dover bei den betreffenden deutschen Redereien verwandt. Auch die englische Regierung sieht sich jetzt veranlaßt, diesem Hafen ihre Aufmerksamkeit zu widmen, aber nicht im Interesse der Handelsschiffahrt, sondern zum Zweck des Ausbaues derVerteidigungsanlagen. Diese Tatsache nimmt sich eigenartig aus im Lichte der Del- rassischen „En thüllun gen" über den ihm von England versprochenen Kriegsbei stand. Und sie ist gewissermaßen charakteristisch für das unveränderte Mißtrauen Englands im Hinblick auf den deutschen Vetter, dem es das Aufblühen eines seiner eigenen Häfen verdankt. Denn daß man bei der stärkeren Armierung Dovers in erster Linie mit einer Abwehr deutscher Kriegsschiffe rechnet, diese Annahme erscheint nur zn begründet.
Die Pariser Prefie begnügt sich im wesentlichen damit, die englischen und deutschen Zeitungsstimmen über Del- eassss Enthüllungen zu verzeichnen. Die 100 000 Engländer in Schleswig-Holstein erregen mehr Heiterkeit als Staunen. Mit Ausnahme der ,ä!ibre Paroli ist alles darin einig, daß DelcassSs Politik, wie er selbst sie darstellt, unfehlbar zum Kriege hätte führen müssen. Die r ö mi sch e „Tribuna" geht scharf gegen Teleassd vor, dessen Politik und deren Rechtfertigung das größte Ungeschick darstellten, das jemals einem modernen Diplomaten passierte.
Ausstiche Wenigkeiten.
In M o 8 k a u dauern die Unruhen fort. Die Demonstranten belagern das Telegraphenamt, weshalb dieses von einer Kompanie Soldaten besetzt wurde. Vor dem Strastny-Kloster wurde am Montag nachmittag von den streikenden Arbeitern eine große regierungsfeindliche Versammlung veranstaltet. Eine Dragoner-Patrouille wurde von den Arbeitern mit Schöffen empfangen. Ein Dragoner-Offizier sowie mehrere Soldaten wurden tätlich verwundet. Die Menge zwang die Patrouille zum Rückzug. DaS aufregendste Ereignis am Montag war ein plötzlicher Angriff auf das Palais deS Generalgouverneurs. Er wurde von den Truppen zurückgeschlagen, wobei 10 Streikende auf der Stelle getötet und viele verwundet wurden. Ein Student, der das Denkmal Puschkins bestiegen hatte, um an die streikenden Arbeiter eine revolutionäre Ansprache zu halten, stürzte so unglücklich ab, daß ihm der Kopf zerschmettert wurde. Am Montag abend versammelten sich etwa 5000 Arbeiter in der Vorstadt RikitSkaja Worota. Agitatoren hielten revolutionäre Reden. Kosaken, welche die Demonstranten auseinander jagen wollten, wurden mit Steinen beworfen und durch Revolverschüffe verwundet. Es kam zu einem blutigen Zusammenstoß. Die Kosaken schlugen mit ihren Ragaiken auf die Arbeiter ein und verwundeten viele. Ein Gendarm erie- Leutnant wurde getötet, viele Schutzleute erlitten durch Steinwürfe schwere Verwundungen. Die wütende Menge stürzte sich auf einen jungen Kosaken-Offizier, riß ihn vorn Pferde herunter und schlug ihn solange, bis er blutüberströmt zu Boden fiel. Tas Militär, das unterdessen requriert worden war, jagte die Demonstranten auseinander. Viele Arbeiter wurden verhaftet.
Auch am Mittwoch fand ein Zusammenstoß zwischen den Ausständigen und Polizisten statt, bei dem mehrere Personen verwundet wurden.
Aus Rad am (Polen) rotrb gemeldet: Als ein früherer Gymnasiast gegen einen Offizier eine Bombe sch leud erte, sollte er durch einen Polizisten verhaftet werden. Der Täter erschoß den Beamten und tötete sich durch einen Halsschnitt. Auf dem Bahnhofe D ombrowa in Polen wurde durch einen Unbekannten ein Gendarm durch sechs Revoloerschüffe getötet
Wie aus Helsin gfors Ritzaus Tel.-Bur. meldet, ist Hohenthal, der Mörder des Prokurators Johnsen, in der vergangenen Nacht aus dem Gefängnis entflohen.
Aus Regierungskreisen verlautet, daß die Gründung eines P olizeiministeriumS, dem die Polizei und die Gendarmerie unterstellt werden sollen, geplant sei. Für den Posten des Polizeiministers kandidiere Trepow.
Der amerikanische Finanzmann Charles Flint begibt sich „ach Petersburg, um amerikanische industrielle Unternehmungen in Rußland und deren Anschluß an schon bestehende russische Unternehmungen zu betreiben. Flint nimmt ferroegS kurzen Aufenthalt in Paris und Berlin. Auch m ; von der bekannten amerikamschen Firma I. P.
Morgan reiste nach Europa. Ein noch unbestätigtes Gerücht besagt, die Reise betreffe Abmachungen im einzelnen über vmerikanische Beteiligung an der russischen Anleihe.
Kolonialpost.
Die „Times" meldet aus Kapstadt: Ein TelegrcumnI aus Üpington berichtet, daß bei der Schutt Trift drei Trans- vaaler mit 200 Stück Vieh, das sie von den Deutschen gestohlen hatten, festgenommen wurden. Die Leute waren bewaffnet, obwohl sie angeben, Nichtkonv- battanten zu sein. Das Vieh wurde den Deutschen ausgehändigt; die Leute'wurden in dem Gefängnis von Kenhcwt untergebracht.
Deutsch-Südweftafrika.
An den General v. Trotha ist eine Ordre ergangen, die Geschäfte dem Gouverneur v. Lindequist sofort nach dessen Ankunft zu übergeben, lieber die Einsetzung eines neuen Kommandeurs ist noch kein Beschluß gefaßt, e§ wird sich also die Kommandoftage nach dem allgemeinen Gebrauch regeln, daß beim Zusammenwirken der älteste Stabsoffizier den Befehl hat.
Ausland.
Stockholm, 10. Okt. Wie verlautet, beabsichtigt die Marinebehörde die Verstärkung der Flotte um einen) Panzerkreuzer, 4 Torpedojäger, 8 Torpedoboote erster und 7 zweiter Klasse und ein Unterseeboot.
Ehristiani a, 10. Okt. Staatsminister Michelsen schloß heute die Storthingsession. Nissen stellte die Anfrage, ob sich der Staats Minister an das dänische KönigS- hauS gewandt habe. Der StorthingSpräsident bemerkte, daß der StaatSmimster jedenfalls nicht als Chef de» Regierung einen solchen Schritt getan habe.
Kopenhagen, 10. Oft Bei der heutigen Budgetberatung im Folkething führte Anders Nielsen auS, der deutsche und englische Flottenbesuch im vergangenen Sommer dürfe nicht übersehen werden, er habe für Dänemark die Notwendigkeit einer Politik nach außen bargelegt, die unabweiSlich auf die Neutralität begründet fei: er habe ferner gezeigt, daß beide Staaten auf die Fre undschaft mit Dänemark großen Wert legen, die dieses gern erwidern wolle. Bevor sich aber ein Freundschaftsverhältnis zwischen Dänemark und Deutschland in rechter Weise ausbilden könne, müsse eine Aender- ung in der Politik in Nord-SchleSwig erfolgen und die Optantenftage gelöst werden. Im ban. Volke würde e$ mit Freude begrüßt werden, wenn eS sich zeigte, daß die wachsende Freundschaft zwischen Dänemark und Deutschland Aussicht auf eine zufriedenstellende Lösung dieser Fragen böte. Der Minister deS Auswärtigen, Graf Raben-Levetzau glaubte aussprechen zu können, daß das Verhältnis Dänemarks zu seinem südlichen Nachbar sich gebeffert habe; er wolle hoffen und wünschen, daß dieses gute Verhältnis bald gute Früchte trage.
Prag, 10. Okt. AuS Anlaß einer von Arbeitern inszenierten Wahlrechts-Demonstration ruhte heute in allen Fabriken und großen Betrieben die Arbeit. Die meisten Geschäfte und Gasthäuser sind gesperrt. An den Straßen- umzügen beteiligten sich ca. 70 000 Personen. Die Arbeiter sandten Deputationen zum Statthalter und zum Oberst- Landmarschall, wo sie Petionen um Einführung beß allgemeinen Wahlrechts überreichten unb betonten, daß bie organisierte Arbeiterschaft Böhmens entschloffen fei, alles zu tun, damit das allgemeine Wahlrecht zur Tatsache werde. Dec Statthalter und der Landmarschall versprachen, die Petition dem Landtage und der Regierung befürwortend vorzulegen.
Budapest, 10. Okt. (Abgeordnetenhaus.) Präsident Justh bringt das königliche Handschreiben, betreffend die Vertagung des Hauses zur Verlesung. Ausrufe der Entrüstung werden laut: „Schurken, wo ist die Verfassung?" Graf Andrassy erklärt, er wolle das Vorgehen der Minister geißeln, die gegen daS Herkommen nicht im Abgeordnetenhause erschienen seien. Die Minister hätten dem Abgeordnetenhause gegenüber Geringschätzung gezeigt unb vollständig die Basis deS Gesetzes verlaffen. Uns bleibt nichts übrig als zu protestieren, wir werden uns nicht zu Gewalttätigkeiten hinreißen lassen. Vielleicht wird der letzte Aufzug der Tragikomödie die Auflösung sein. Man wird daS Volk befragen, doch nachher seine Stimme mißachten wie bisher. Andraffy verliest einen umfangreichen Protest und fügt hinzu, daß nachdem das Programm, die nationale Idee in der Armee durchzusetzen, bei den Wahlen den Sieg errungen habe, es unmöglich gewesen sei mit dem Ausschalten der Armeeftage ein Kabinett zu bilden. Die persönliche Ansicht des Königs wurde dem Willen des Volkes gegenübergestellt, dadurch ist die Kabinettskrise eine Verfassungskrise geworden. Die Situation wird dadurch charakterisiert, baß die Majorität unter ben vorgeschriebenen Bedingungen die Regierung nicht übernehmen kann und bie Regierung es nicht wagt, an die Nation zu appellieren. Nach dem Grafen Andrassy ergreift Graf Tisza daS Wort und führt aus: Er könne an der Diskussion nicht teilnehmen, da nach seiner Auffassung nach der Verlesung des Vertagungsantrages keine Debatte zulässig sei. Tisza verläßt mit seinen Anhängern unter höhnischen Zurufen der übrigen Abgeordneten den Saal. Graf Appenyi polemisiert gegen Tisza, man werde an der Vertagung mitschuldig, falls man das königliche Handschreiben stillschweigend ohne Protest zur Kenntnis nähme. Der Beschlußantrag des Grafen Andrassy wurde fast einstimmig angenommen.
New-Pork, 10. Okt. Die Enthüllungen über div politische Korruption der Versicherungsgesell-, schäften werden immer bedenklicher. Die »Mutual Säe*,


