hatte einen geheimen Fond, nach dem jährlich 100 000 Doll, zur Bestechung von Politikern als Wahlbeiträge bestimmt waren, darunter 40000 Dollars bei der letzten Prä- sidentenwabl.________ _
Zum Streike der Berliner Elektrizitätsarbeiter.
Es dürste nicht ganz uninteressant sein, zu erfahren, Zaß die staatlichen Behörden vor Beginn des Ausstandes der Angestellten der Mellrizn "tswerke tatsächlich mit der Möglichkeit gerechnet haben, das; die Ausstandsbewegung ernstere Unruhen herbeiführen könnte. Um allen Zwychen- fällen vorzubeugen, waren daher, wie man uns aus Ber.m schreibt, mehrere Tage lang die Mannschaften der Truppenteile im Süd ost en Berlins in den Kasernen konsigniert Die Offiziere mußten, wenn ;tc ihre Wohnung verließen, Torge tragen, stets an ihrem jeweiligen Aufenthalte sofort erreichbar zu Kin, und 48 Stunden lang durften auch sie das Kasernen geb aude nicht verlassen. — Alle diese Maßnahmen wurden auf gehoben, sowie zutage trat, wie musterhaft organisiert die streikende Arbeiterschaft war und wie fern ihr der Gedanke irgend welcher Ausschreitungen lag
In Berlin hat eine Versammlung von Werkzeug- machern aus den Spezialfabriken festgestellt, daß von den drei großen Elektrizitätsfirmen die bei dem Kampfe in Frage kommen, Drerkzeugauftrage zur Anfertigung nach außerhalb vergeben werden Es ist deshalb beschlossen worden, eine besondere Kommission in allen Fabriken zu bilden, die genaue Kontrolle zu üben haben und event. den Streik proklamieren muß, wenn Arbeit aus den vom Streik betroffenen Firmen vorgelegt wird.
In Chemnitz tagte eine von etwa 1000 Maschinenfabrikarbeitern besuchte Versammlung. Es wurde folgende Resolution angenommen:
Die Anwesenden erwarten, daß von Csemnitz niemand nach Berlin fährt, um dort als Streikbrecher zu arbeiten. Desgleichen verspricht die Versammlung, ihre streikenden Kollegen moralisch und materiell zu unterstützen und Schritte zu unternehmen, möglichst schnell Mittel zu verschaffen zur Unterstützung der durch den Uebermut der Unternehmer ausgesperrten Berliner Kollegen.
Tie Differenzen, die zwischen den Inhabern der Kabel- und Gummiwerke Dr. Cassierer u. Co. und den Arbeitnehmern infolge des Kampfes in der Elektrizitätsindustrie bestanden haben, sind vor dem Einigungsamt des Berliner Gewerbegerichtes durch einen Vergleich beigelegt worden.
Die Cholera.
Ter preuß. „Staatsanz." meldet: Vom 9. bis 10. Okt. mittags wurden im preußischen Staat zwei choleraverdächtige Erkrankungen und acht Bazillenträger amtlich neu gemeldet. Von den Erkrankungen betrifft eine einen Arbeiter aus Simonsdorf, Kreis Marienburg, die andere ist in Wöplitz bei Havelberg, Kreis West-Priegnitz, gemeldet worden. Die acht Bazillenttäger sind auf dem Rittergut Stolpe, Kreis Meder-Barnim, festgestellt worden, zwei unter den dort tätigen ungarischen Feldarbeitern, sechs in einer einheimischen Arbeiterfamilie, die mit jenen in einem Arbeiterhause gewohnt hatte. Alle acht befanden sich bereits in Beobachtung. Auf dem Rittergut Stolpe werden zwei Deckersche Baracken aufgeschlagen zur Aufnahme der cholera- ttanken Personen und Bazillenttäger. Von den bisher gemeldeten Erttankungen haben sich zwei in Marienburg und eine in Oranienburg (ungarische Feldarbeiterin) nicht als Cholera herausgestellt. Tie Gesamtzahl der Cholerafälle befragt lkahcr 272 Erttankungen, von denen 90 tödlich endigten.
Gießen, 11. Oktober 1906.
•• Als Termin für den Schluß der gegenwärtigen Kammerperiode ist, wie uns auS Darmstadt geschrieben wird, der 16. Oktober in Aussicht genommen.
— Oeffentliche Anerkennung einer edlen Tat. S. K. H. der Großherzog haben dem Schüler des Realgymnasiums zu Darmstadt Jakob Kraft, in Anerkennung der von ihm am 8. Juli d. Js. mit Mut und Gut» schloffenheit unter eigener Lebensgefahr vollzogenen Rettung deS Kammachers Friedrich Gaßner zu Babenhausen vom Tode des Ettrinkens, die Rettungsmedaille verliehen.
” Hessisch-Thüringische Staatslotterie. In der heute fortgesetzten Ziehung der 6. Klaffe fiel ein Gewinn von 40 000 Mk. auf Nr. 14689, Gewinne von je 20 000 Mk. auf Nr. 56699 84369, Gewinne von je 10 000 Mk. auf Nr. 31481 50975, Gewinne von je 5000 Mk. auf Nr. 1367 4491 4857 20886 61577 54633 78359, Gewinne von je 2000 Mk. auf Nr. 2310 6214 16782 22710 23002 37989 43641 44067 53767 61401 64719 69041 73810 76595. (Ohne Gewähr.)
♦* Zur Gemeinde st eucrreform. Wie die Main- Rhein-Korrespondenz erfahren haben will, fyat die Großh. Regierung auf Grund der Behandlung, welche der Finanzausschuß der ersten Kammer ihr hat angedeihen lassen, eine 77 Seiten starke Denischrift ausgearbeitet, in welcher die Stellung der Regierung hinsichtlich der Gemeindesteuerreform gerechtfertigt und die Ausführungen des Ausschußberichtes, resp. des Berichterstatters Frhrn. v. Hehl entsprechend mit)erlegt werden. Die Verhandlungen in der Kammer dürften sich dadurch noch spitzer gestalten, als sie ohnedies schon zu werden versprachen.
•• Anläßlich der Eröffnung derGuterverlade- fteile in Abend stern fand gestern abend in der Restauration der Ww. Duill daselbst eine kleine Feier statt, Stadtv. G a b r i c l begrüßte die Gäste und dankte der Eisenbahndirektion Frankhirt und der Verkehrsinspektion Wetzlar sowie allen, die an dem zustande kommen der Verladestelle mitgewirkt haben, insbesondere Herrn Bahnmeister K i r ch b o f für das entgegengebrachte Wohlwollen. Herr Kirchhof habe sich durch die hierbei entfaltete Tätigkeit ein ganz besonderes Verdienst erworben. Mit einem Hoch auf Kaiser und Großherzog schloß Herr Gabriel feine Rede Hierauf dankte Bahnmeister Kirchhof, daß nicht ihm sondern dem Vorarbeiter Wolbeth und den Streckenarbeitern der ihm ausgesprochene Dank gebühre. An Herrn Reg.-Rat Dr. v. Ritgen Wetzlar wurde sodann eine DankeSdepesche geschickt. Nachdem noch Herr Bürgermeister Kreiling und verschiedene andere Herren daraus hingewiesen, daß mit der neuen Verladestelle einem schon lange gehegten Wunsche endlich entsprochen worden sei, sowie das gute Einvernehmen zwischen Publikum und Bediensteten und das schöne Zusammen- arbeiten von Beamten und Arbeitern hervorgehoben halten, schloß die Feier.
^Steinberg, 10. Oktober. Goldene Hochzeit feiern im Laufe des Monats der Landwirt und Müller Georg Heß und seine Fran, geb. Häußer. Heß, der jetzt 75 Jahre
alt ist, gehört feit Jahren dem Kirchenvorstand an. Velde Eheleute sind noch sehr rüstig.
"Was raucht der Kaiser? Mäßig auf jedem Gebiete deS Lebensgenusses verschmäht Kaiser Wilhelm II. den Tabaks- genuß keineswegs, ohne ihm aber so leidenschaftlich anzuhängen, wie z. B. sein kööniglicher Oheim Edward VII. von England, dem die Zigarre ein unzertrennlicher Begleiter ist. Der Kaiser bevorzugt die Zigarette, die er von einer bekannten Berliner Fabrik bezieht und die dort auch jedem anderen Käufer zugänglich ist. Es ist die Marke „Salon", die aus mittelstarkem Tabak hergestellt wird und den ziemlich hohen Preis von 15 Pfg. das Stück kostet, der sich aber durch das ftir Zigaretten ungewöhnlich große Format erklärt. Namentlich im Manöver, aber auch in Berlin auf seinen Spazierritten im Tiergarten kann man den Kaiser oft mit der Zigarette im Mundwinkel scheu. Vor einigen Jahren passierte es einmal, daß bei einer dieser Gelegenheiten der Kaiser das Mundstück seiner fertig gerauchten Zigarette gerade vor dem Caf6 Bauer fortwarf, ein fixer Junge es auflangte und den Gästen des Cafäs zum Kauf anbot. Richtig fand sich ein Engländer, der es für 20 Mark erstand. Des Kaisers ge- wöhnliche Zigarrensorte ist die leichte Holländer Zigarre, die unter Brüdern nickst mehr als 10 Pfennig wert ist und wohl zu den nikotinweiesten ihrer Gattung gehört. Bei den Hoffestlichkeiten fehlt es aber natürlich auch nicht an den besten und kostspieligsten Importen und unter diesen ist eine besonders edler Art, die nur für den Kaiser aus der besten kubanisck)en Emte- produktion fabriziert wird und deren Herstellungspreis daher ein ziemlich hoher ist, von der er selbst aber nur noch wenig Gebrauch macht. Zur Jagdzeit aber, so jetzt in Rominten, zieht der Kaiser der Zigarre und Zigarette die Pfeife vor. Des Kaisers Pfeife unterliegt der Obhut eines Dieners, der dafür verantwortlich ist, daß sie in seinem Jagdgepäck niemals fehlt. Sie ist nach den eigenen Angaben des Kaisers von einem Berliner Drechsler angefertigt worden. Ihr Rohr besteht aus Weichsel, das Mundstück aus Horn. Der Kops ist aus Meerschaum gearbeitet und mit einem feinen Korbgeslechl überzogen. Aus der Mitte des KovfeS bemerkt man einen balzenden Auerhahn aus Silber, auf Zweigen sitzend. Dieser Auerhahn ist ein eigenartiges kleines Kunstwerk. Im Magen des lebenden Auerhahns nämlich finden sich öfter kleine Kieselsteine, die mit der Aesung verschluckt wurden '.inp durch die Magensäure einen ganz eigenartigen Schliff erhalten. Eine größere Einzahl solcher Steinclxm ilt zur Bildung bc3 Kopses und der Flügel des Auerhabnes verwandt worden. 2 er Abguß der Pfeife besteht wie daS Mundstück aus Horn und r-igt ein aus Auerliahnsteinen zusammengesetztes W. Der Kaiser bevorzugt ubrig-ns einen leichten Blättertabak, der durch Zusatz non einigen Weichselblätter,r einen angenehmen Geschmack erhält und ein feines Aroma entwickelt.
* Kleine To geschronik. In den letzten Tagen ist
h. Annerod, 10. Ott. Die Einweihung unseres neuen Schulh auf es, daS nach den Plänen des Baurats Die hm in Gießen gebaut wurde und eine Zierde des Ortes bildet, findet nächsten Sonntag, den 15. Oktober, statt. An dem der Einweihungsfeier vorausgehenden Festzug beteiligen sich außer den Behörden, den Schulkindern usw. auch eine Anzahl Ehrenjungfrauen und die hiesigen Vereine. Zum Schluß findet eine Feier im Saale des Gastwirts Heinz (zur Krone) statt.
-r. Nidda, 10. Okt. Heute wurde eine tn wetten Kreisen bekannte Frau zur letzten Ruhe gebettet, Frau Menge! fen., zur Traube. Eine große Anzahl Leidtragender hatte sich eingefunden und zahlreiche Kranzspenden schmücken ihr Grab. Pfarrer Hermann zeigte, wie ihre Liebe auch außer: dem Hause reich ausgewirkt habe und Pfarrer Werner legte für die Kleinkinderschule und den Gustav-Adolf-Frauenverein einen Kranz nieder. Frau Menge! erreichte ein Alter von 62 Jahren.
1 Nieder-Besfingen, 11. Okt. Die Feier deS Amtsjubiläums des Bürgermeisters H o r st findet Donnerstag nachmittag im Gasthof zum Löwen statt.
Friedberg, 10. Okt. Nach einer von dem Finanzministerium an Großh. Kreisamt Friedberg gelangten Mitteilung hat die Eisenbahndirektion Frankfurt a. M. von dem preuß. Eisenbahnminister .Auftrag erhalten, allgemeine Vorarbeiten für die Nebenbahn Bad-Nauheim— Ufingen vorzunehmen. Es handelt sich zunächst nur um Vorarbeiten für ein aufzustellendes Projekt. (Ob. Anz.)
Heldenbergen-Windecken, 10. Okt. Infolge der vielen und starken Regengüsse ist der Bahndamm zwischen Eichen und Höch st (Nidder) teilweise gerutscht. Mit seiner AuSbefferung sind eine Menge Leute beschäftigt, so daß Verkehrsstockungen voraussichtlich nicht eintreten werden. (F. Ztg.)
Darmstadt, 10. Okt. Wie die ,N. Heff. Volksbl." mitfeÜen, steht die Offenlegung der Pläne für den Bahnhofsneubau, der nach Westen zu nach dem Nummelbräu gelegt werden soll, bereits für nächste Woche bevor. Der Ankauf des Hopfengartens durch die Stadt hat den Zweck, dieses Terrain der Militärbehörde abtreten zu können, welche es zum Neubau der Jnfanterie- kasern e benötigt, die dorthin verlegt werden soll. Ein Teil deS Exerzierplatzes wird dagegen in den Besitz der Stadt übergehen.
Frankfurt a. M., 10. Okt. Nach Mitteilung des statistischen Amtes ist die Volkszahl für den Stadtkreis Frankfurt a. M. unter Berücksichtigung der feit der letzten Volkszählung polizeilich angemeldeten Zu- und Abwanderungen, sowie des entsprechenden Ueberschusses der Geburten über die Sterbefälle am 1. Oktober 1905 mit 3 3 4 0 0 0 anzunehmen. Am 1. Januar waren es 320 000, am 1. April 324 500, am 1. Jüli 330 000.
Höchst a. M., 9. Okt. Ein schönes Zeichen religiöse'r Duldsamkeit ist hier zu verzeichnen. Da die Synagoge sich im Umbau befindet, so wurde der israelitischen Gemeinde während der israelitischen Feiertage bereitwilligst ein Saal des kat h ol. V er e ins h a n ses zur Verfügung gestellt und von ihr auch benutzt. (F. Ztg.)
Hanau, 10. Okt. Im benachbarten Kessel st adt kam es vorgestern zwischen Soldaten und Zivilisten zu einer Mutigen Schlägerei. Wie sich nach der F. Z. herausstellt, haben die Soldaten umfangreichen Gebrauch von ihren Säbeln gemacht und drei Zivilisten erheblich verletzt. Ein Postkiltscher erhielt einen schweren Hieb über den Kopf, sodaß er den Verlust eines Auges zu bellagen haben wird.
** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbar st aaten. In Ortenberg stürzte der 33 Jahre alte Schaffner Wilhelm Hippel wahrend der Fahrt aus dem Zuge und erlitt lebensgefährliche Verletzungen. — Ter Bürger- meister von Salz in Oberhessen, der sich vorübergehend in Frankfurt aufbieü, wurde plötzlich g e i st e s g e st ö r t. In der Rudolfstraße legte er seine Kleider ab und lief, nur mit dem Hemd bekleidet, über die Straße. Die Polizei suchte die Kleider zusammen und sorgte für die Verbringung des Unglücklichen nach der Irrenanstalt. — In Hanau feierte Frau Ww. A u l, Zigarrenmacherin in der Fabrik P. G. Hoffe Ww., den Tag ihres 50jährig en A r b e i t § j u b i l ä u m §. — In Weilmünster hatte vor drei Wochen ein Radfahrer, Hirschhäuser, den Einwohner Sanne- witz umgefahren. Gestern ist Dannewitz gestorben.
in Tirol die Temperatur derart heruntergegangen, daß es auch imTale schneit. Die Stadt Innsbruck hat ein turnten* •• * liches Aussehen.
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Gießener Strafkammer.
(n.) Gießen, 10. Oftobet.
Dtt Bierbrauer Peter L. aus Gansheim kam auf die Bichler- I sche Brauerei, am wegen Arbeit nachzusrageu. Er konnte nicht eingestellt werden und verließ in angetrunkenem Zustande die Hardt. Unterwegs begegnete ihm eine Frau, der er ohne Veranlassung ins Gesicht spie. Die Frau teilte den Vorfall ütoei von Heuchelheim kommenden Männern mit, die L. zur Rede stellten. Er schimpfte nun weidlich Über die armen, blinden Hessen, bei denen nichts zu verdienen sei, da sie selbst nichts zu fressen hätten und bemerkte weiter, daß der Kaiser totgeschossen werden müsse, da er den Leuten nicht für Verdienst sorge. Als zwei Gendarmen ihn nach seinen Legitimationsvavieren fragten, spie er sie ebenfalls an und schimpfte über bn5 ganze Gendar- meriekorvs, das ebenfalls erschossen werden müsse. In der heutigen Verhandlung gab er zu, vom Kaiser gesprochen zu haben, aber von einer Majestätsoeleidigung könne keine Rede sein, da er mit seiner Aeusternng den Braumeister Kaiser gemeint habe; von den übrigen Vorfällen wisse er nichts mehr. Seinen Angaben wurde wenig Glauben geschenkt, zumal er ein Mensch ist, der zu Ausschreitungen neigt, was seine 23 Vorstrafen beweisen. ‘ Das Gericht hielt ihn der M a j e st ä t s b e l e i d i g u n g, wofür 3 Monate Gefängnis angcfcH wurden, der tätlichen Beleidigung, wofür die gleiche Strafe in Ansatz kam und der Beleidigung von Beamten, wofür 6 Wochen angesetzt wurden, für schuldig und erkannte auf eine Gesamtstrafe von 6 Mo naten Gefängnis, worauf 3 Wochen der erlittenen Untersuchungshaft in Anrechnung zu kommen haben. — Zwei „s chwere Brüder". Der 22 iährige Schlosser Wilhelm H. von Oberrad inb der 25 iährige Metzger Franz R. von Gänbeim wurden aus der Untersuchungshaft vorgeführt. Die Anllage legte ihnen verschiedene Einbrüche zur Last, die sie mit herausforderndem Benehmen bestritten Beide sind wegen ähnlicher Taten bereits mehrfach bestraft. Sie lernten sich in einer zweifelhaften Wirtschaft zu Frankfurt a. M. kennen. Am 11. Juli d. I. befand sich Kaufmann Böhrer in Frankfurt auf seinem Kontor, als in der Mittagsstunde heftig und andauernd geklingelt wurde. Da sich an der Türe ein Schild befindet, woraus su ersehen ist, , daß das Kontor in der Mittagsstunde geschlossen ist, öffnete er 1 nicht. Rach kurzer Zeit merkte er, das; sich jemand an der Tür W zu schassen machte. Er begab sich leise dicht an die Türe und beobachtete einen Einbrecher, der in diesem Moment eine Glasscheibe eindrückte. Er öffnete nun vic Türe und verfolgte den davoneilenden Dieb. Ta ein Ein hol en aussichtslos war, begab er sich wieder zurück und sah R. aus dem Hause kommen, (fr bezichtigte ihn sofort der Teilnahme an dem Einbruch, ließ ihn aber nach Nennung seines Namens und einer Ausrede wieder gehen. In der Nacht auf ben 4. August twirden nun zu Bad- Nauheim zwei Einbruchsdiebstähle verübt und zwei ' weitere versucht und zwar wurden in der Konditorei Müller mittels falsckxw Schlüssel aus der Ladenkasse 15 Mark Wechselgeld gestohlen; weiter wurde einem Portier, während er schlief, aus seiner vor dem Bett aus einem Stuhl liegenden Hose ein Portemonnaie mit 40 Mark entwendet. Ms der Portier früh morgens den Diebstahl merkte, machte er Anzeige, worauf die Polizei die Verfolgung der Angellagteu, die sie nachts schon in verdächtiger Weise beobachtet hatte, aufiiabm. Die inzwischen verständigte Friedberger Polizei gelang es. sie festzunehmen. Kaufmann Böhrer erhielt durch Zeitungen Kenntnis, daß ein Ein-- brecher namens N. verhaftet worden sei, worauf er den bei ihm versuchten Einbruch zur Kenntnis der Polizei brachte, die ihm die Einbrecher gegenüber stellte. Er erkannte beide sofort. Das Gericht hielt beide lws gemeinschafllichen Einbruchsdiebstahls zweier versuchten Einbrüche für schuldig und diktierte jedem 5 Jahre Zuchthaus zu, erkannte ihnen die bürgerlichen Ehrenrechte auf gleiche Dauer ab und stellte sie unter Polizeiaufsicht. — Zum Schlüsse unterlag ein Urteil des Schöffen- gerichts Grünberg der Aufhebung. Vor mehreren Fahren . ttnirbc dem Stadtrechner Schäfer zu Grünberg eiu Geldbetrag 1 von etwa 3000 Mark gestohlen. Der Nachtwächter Sieck hatte 1 Verdacht auf Heinrich Gehringer TV. und er äußerte diesen Verdacht in der letzten Zeit dem Stadfreclst'er gegenüber unter vier Augen. Als G. Kenntnis davon erhielt, erhob er Klage und das Schöffengericht verurteilte S. wegen Beleidigung zu 10 M^rk Geldstrafe, indem es ausführte, daß eine so grundlose Beschuldigung als Beleidigung aufzufassen sei. Ans^ Be- rahtng des S.. der die Beleidigunasabsicht bestritt, kam die Strafkammer zur Freisprechung mit der Motivierung, daß S. durchaus berechtigt war, Schäfer von seinem Verdacht Mitteilung zu machen, zumal er mit Feststellungen bezüasich des Einbruchs betraut war. S. sei gedeckt durch den § 193.
Zeng-Hauptmann Künemund vor dem Kriegsgericht.
(d.) Mainz, 11. Okt.
Am Donnerstag und Freitag hat sich Zeughmiptmann Küne- mund vor dem Kriegsgericht zu verantworten. Der Angeklagte ist im Jahre 1855 als Sohn eines Postschaffners in Arenshausen (Sachsen) geboren. Nachdem er die Elementarschule, die Präparandena.nstalt und die Knust- und Gewerbeschule besucht hatte, trat er 1872 als Dreijährigfreiwilliger in den Militärdienst ein. Im Jahre 1880 wurde er zum Zeugfeldwebel, 1888 zum Zeugleutnant und 1890 zum Zeughauvtmann ernannt. Er bezog ein Gehalt von ungefähr 4000 Mark. Krankheit in ferner Familie müssen den Angeklagten auf ?lbwege geführt haben. Seine Frau war jahrelang herzleidend, sie starb vier Wochen nach der am 31. Mai 1904 erfolgten Verhaftung ihres Mannes. Seine einzige Tochter ist seit langen Jahren leidend und mußte mehrmals operiert werden, das alles kostete dem Llngeklagten viel und dürfte ihn zu den begangenen Unterschlagungen und Fälschung verleitet haben. Die Verhaftung des Angellagten erregte großes Auffehen. Anfänglich mürbe der unterschlagene Befrag auf eine hohe Summe geschätzt, nach eingehender Bücher- Prüfung durch Handelslehrer Kreher-Mainz und Gerichtschemiker Dr. Paul Jesericb-Berlin wurde die unterschlagene Summe auf 4—5000 Mark festgestellt. Immerhin ist es möglich, daß einige kleine Posten durch mangelhafte Buchführung nicht mehr fest- gestellt werden konnten. Die Unterschlagungen reichen bis 1900 znrück. Dem Angellagten war es besonders bei Versteigerungen von altem Geräte möglich, Veruntreuungen vorzunehmen. Äiich bei Auszahlungen für geleistete Arbeiten trug der Angeklagte größere Beträge, als er ausgezahlt hatte, ins Buch ein. Das war msbesondere bei den Rechnungsablagen über Arbeiten, die von einem Bauunternehmer ausgeführt, festzustellen Hierbei hat der Angellagte über 3000 Mark in seine Tasche fließen lassen. Al^r auch dre Buchfilhrung des Unternehmers ist recht mangel- ■ ntc^ festzustellen, ob er, wie er behauptet, no^ Geld zu bekommen bat. Nach den Angaben des Angellagten hat der Unternehmer 2000 Mark weniger ausgezahlt bekommen, hatte. Die Veruntreuungen kamen dadurch sich ein Zeugfeldwebel bei einer Versteigerung
L 'Aufzeichnungen machte, um sie nach der Verweigerung bei dem Kassenfeldwebel mit den Nachweisungen des Angeklagten zu kontrollieren. Dor Verdacht gegen den Zeug- druptmann bestand bei dem Zeugseldwebel schon längere Zeit, dem Zeugfeldwebel, als er das Proto-
X Derstergerung zu führen hatte, auf, daß ihm der j Ziffern mit Bleistift ein zu trag en und nicht a^udrucken. Als der Feldwebel sich nach dem Namen erkundigte, rief ihm der Angeklagte zu, Sdut •00 der Steigerer Hinz oder Kunz heiße. Nach
Versteigerung nahm der Angellagte dem Feldwebel ™ auch den Sack mit dem Gelde nahm
bü6a£lTTC Addition oder Nachzählung des Geldes ^8 der Feldwebel bei dem Kassenfeldwcbel SV Vorweisungen des Angellagten vergleichen
tokhV It Ja Vt ^geklagte das Material noch nicht abgeliefert, trobtem dies sofort geichehen muß, wie auch her erlöste Vevi
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