Ausgabe 
11.5.1905 Zweites Blatt
 
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afrika zur Frage desSein oder Nichtsein". Landwirtschaft und Viehzucht sind nur möglich, wenn Arbeiter vorhanden sind. Noch viel mehr ist das beim Bergbau der Fall, von dem ja in der Aufruhrkolonie soviel für die Zukunft er­hofft wird. Nun fehlt es uns wahrlich nicht an kräftigen Arbeitern, die zu Tausenden hinter den Gefängnis- und Zuchthausmauern sitzen. Und wenn wir bedenken, daß bei unseren Strafgefangenen vier- bis achtmal mehr an Lungen­tuberkulose erkranken, daß Selbstmord, Irrsinn und alle Abstufungen der Verblödung viel häufiger vorkommen als in der freien Bevölkerung, so werden wir der Ansicht der­jenigen zuneigen, die den modernen Strafvollzug als un­zulänglich und reformbedürftig bezeichnen. Würden wir nun die Verbrecher nach unseren Kolonien schicken, so wären wir eine Last los, und unsere überseeischen Besitzungen erhielten Arbeiter. Es wird auch von vielen Leuten, dar­unter bewährten Juristen, die Deportationsidee befürwortet. Sie rühmen diesem Strafvollzüge besonders nach, daß er den Gefangenen wirklich bessert,'zur Arbeit und damit zu einem nützlichen Miede der Gesellschaft erzieht, das nach Vollendung der Strafe ein brauchbares Mcnschenmaterinl zur Kolonisation liefern würde. Nückfälligkeit wäre kaum zu befürchten, während bei uns jetzt mehr als 40 Prozent aller Verurteilten aus Rückfälligen bestehen.

Nun gibt es kaum einen Staat, der auf dem Gebiete der Deportation soviel praktische Erfahrung besitzt, wie England. Bis zum Jahre 1858 hat es Westaustralicn als Vcrbrecherkolonie benutzt. Und doch als nach dem süd­afrikanischen Kriege Mbeitermangel in den Minen eintrat, sandte mau nicht Strafgefangene dorthin, sondern Kulis. ES kann nicht gerade behauptet werden, das; England mit den Kulis gute 'Erfahrungen gemacht hat. Es gibt auch zu denken, daß im demokratischen 'Amerika die Einführung von Kulis überhaupt verboten , ist. Die Engländer aber halten die Deportation kaum" noch für das geeignete Mittel, um die Arbeiterfrage am Kap zu lösen. Kulis und Straf­gefangene sind eben zwei Nebel. Welches von beiden das Heinere ist, das scheint zurzeit noch eine offene Frage.

Gewerbesteuerreformen in Preußen.

Das preußische Abgeordnetenhaus hielt am gestrigen Mittwoch seine erste Sitzung nach den Osterferien ab. Auf der Tagesordnung stand zunächst die erste Beratung des Antrages der verstärkten Handels- und Gewerbekom­mission auf Annahme eines Gesetzes zur Abänderung des W a r e n h a u s st e u e r g e s e tz e §. Die Kommission hat beschlossen, die Waren Haus st euer zu erhöhen und die Anfangsgrenze für die Festsetzung der Warenhaussteuer von 400 000 Mk. auf 200000 Mk. herabzusetzen. Ein Ne­gierungskommissar erklärte, baß für die Negierung die Be­schlüsse der Kommission unannehmbar seien. Außerdem be­stehe das Gesetz noch zu kurze Zeit, nm heute schon über seine Wirksamkeit ein Urteil fällen zu können. Au der De­batte beteiligten sich Abgeordnete der verschiedensten Par­teien.

Es folgte alsdann der zweite Punkt der Tagesordnung, die zweite Lesung de§ Antrages Funk-Oeser (srs. Vp.) wegen Vorlegung eines Gesetzentwurfes zur Abänder­ung des Gewerbe st euergefetz es dahin, daß die beiden unteren Steuerklassen erleichtert werden. Die Kom­mission hat diesen Antrag abgelehnt und statt seiner eine Resolution beschlossen, im Wege der Anregung dahin zu wirken, daß die Gemeinden mehr wie bisher auf eine ge­rechte Ausgestaltung der Gewerbesteuer Bedacht nehmen. Ein Regierungskommissar betonte, daß die Negierung nach wie vor auf ihrem ablehnenden Standpunkte beharren müsse. Der Kommissionsantrag wurde hierauf einstimmig angenommen und weiter noch Petitionen beraten.

Morgen ist zweite Beratung der Sekundärbahn Vorlage, des Gesetzentwurfs zur Abänderung des Warenhaussteuer- Gesetzes und des Gesetzentwurfes betreffend die Erweiter­ung des Stadtkreises Essen (Ruhr).

liehe tun, um das vom Zentrum geforderte Ergänzungs- rnaterial alsbald beizubringen, aLer es bleibt gleichwohl zweifelhaft, ob daS Zentrum seine Auffassung, die Erledig­ung der Militärpensionsreform bis ;ur befriedigenden Lösung der Finanzlage zu verschieben, preiSgeben wird. Man weist von nationalliberaker Seite nicht mit Unrecht darauf hin, daß das sonst so lebhaft für Sozialpolitik eintretende Zentrum gerade aus politischen Münden auf eine baldige Erledigung der Militärpensionsgesetze hin­arbeiten müßte. Ist doch die Notlage der Militärpensionäre,

Beim Wiederzusammentritt des Reichstags richten sich Vie Hoffnungen weiter Kreise auf die Dudgetkommission.

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KoMische Tagesschau.

HamburgTanger.

Vor deroffenen Tür" Marokkos wird die deutsche Handelsflagge in Zukunft wohl regelmäßig anzutreffen sein. Der Generaldirektor der Hamburg-Amerika-Linie, Ball in, begibt sich demnächst in besonderer Fahrt nach Tanger, wohin auch der Vertreter brr Gesellschaft tu Algier berufen ist. In Tanger soll, wie e§ heißt, eine Geschäftsstelle dec Hamburger Rhederei begründet werden. Mit anderen Worten: die marokkanische Hafenstadt wird Anlaufsstation der in der Mittelmehrfahrt beschästigten Dampfer der Hamburg-Amerika- Linie. Man darf wohl aunehmen, daß der Kaiser die An­regung hierzu gegeben hat. Ist doch auf seine Initiative hin auch die Stadt Dover Anlaufsstation derHapag"-Dampfer geworden. Für die Entwickelung dcS Warenaustausches zwischen Deutschland und Marokko ist eine regelmäßige Schiffs­verbindung HamburgTanger natürlich von großer Be­deutung. In Frankreich aber wird man doppelt scheel drein- blicken ob der Energie, mit der Deutschland sich seinen Platz an der marokkanischen Sonne sichert, und ein zorniger Protest der DelcassS-Presse dürste nicht auf sich warten lassen.

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mand. Und heute stellten sie sich wieder wie das Mädchen aus der Fremde ein: man wußte nicht, woher sie kamen.

G. Büdingen, 8. Mai. In der verflossenen Nacht machte der Maurermeister C. Di em er hier seinem Leben durch Erhängen ein Ende. D. lebte in geordneten Verhältnissen und wollte sich in Kürze verheiraten. Was den hier all­gemein geachteten, kaum 30 jährigen Mann in den Tod ge­trieben hat, ist bis jetzt unaufgeklärt.

R. B. Darmsta d t, 10. Mai. Der Sonderausschuß für die Gemeindesteuerreform setzte gestern und heute die Beratung über die Vorlage erfolgreich fort und erledigte endgiltig die ersten 15 Artikel de§ Gesetzes. Erhebliche Schwierigkeiten bietet jetzt noch die Kapitalrentenstetier, sowie die Beschlußfassung über die allgemeinen Bestimmungen des Gesetzes; auch bezüglich der Anträge Haas über Steuer­befreiung für landwirtschaftliche Konsumvereine ?c. bestehen noch starke MeintmgSdifferenzen. Der Ausschuß bat deshalb für die morgige Beratung noch einmal die NegierungS- verlreter eingeladen. Ihre königl. Hoh. die Frau Groß­herzogin stattete heute vormittag in Begleitung der Haus- Hofmeisterin Freiin v. Graney dem hiesigen städtischen Krankenhaus einen längeren Besuch ab. Die Herren Oberbürgermeister und der Direktor empfingen die hohe Frau und geleiteten sie durch die .Krankensäle, in denen sie einer Anzahl Kranker freundliche Worte widmete und sich nach Einzelheiten erkundigte. Eine eingehende Aufmerksamkeit wandte die Großherzogin auch den vorzüglichen Einrichttmgen in der Kinderabteilung zu, sich vielfach mit den kleinen Patienten in leutseliger Weise unterhaltend.

Frankenthal, 9. Mai. Der Stadtrat hat in seiner letzte»! Sitzung die Anstellung eines Berufs bürg er - meist erS mit 15 gegen 10 Stimmen beschlossen. Sämt­liche größeren pfälzischen Städte werden nun in kurzer Zeit den Ehren bürgermeister ab geschafft haben. Ludwigshafen hat bereits seit einigen Jahren einen Bürgermeister, Landau und Neustadt seit Anfang April d. I.

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Sitzung des Provinzialausschusses.

Gießen, 10. Mai.

Zur Verhandlung stand die Hilfsbedürftigkeit ber Eheleutr Ludwig Thalmann in Burg-Gräfenrode; hier die Klage des Ortsarmenverbandes Burg-Gräfenrode gegen den Landarmenverband Friedberg. Für Hilfeleistung bei Geburten der Ehefrau Thalmann waren insgesamt 15 Mark Heb­ammenkosten entstanden, die der Landarmenverband, des Kreises Friedberg übernommen hatte, da die Bürgermeisterei Burg-Grä- senrode die Eheleute Thalmann als landarm bezeichnete. Infolge nachträglicher Ermittelungen kam der Kreisausschuß des Kreises Friedberg zu der Ansicht, daß Thalmann seinen Unterstützungs­wohnsitz in Burg-Gräfenrode erworben habe und forderte von dem Ortsarm en verband Burg-Gräfenrode Rückersatz der irrtümlich verauslagten Entbindungskost'en. Dieser verweigerte die Rückzahl­ung. Es erfolgte Klage deS Ortsarmenverbandes gegen, den Landarmenverband, Widerklage dieses Verbandes gegen jenen und die Angelegenheit gelangte zur Entscheidung vor den Pro- vinzialausschuß. Dieser wies heute die Klage des Ortsarmen- verbandes Burg-Gräfenrode als unbegründet ab, da er annahm, daß Thalmann den Unterstützungswohnsitz in Burg-Gräfenrode erworben habe, aber ebenso auch die Widerklage des Land­armenverbandes »Degen Unzuständigkeit des Provinzial-Aus- schusses.

Die Entscheidung über das Gesuch des Johann Michael Desch zu Bleichenbach um Erlaubnis zum Betrieb einer Gast wirt­schaft wurde wegen der Anstellung von Ermittelungen auSgesetzt.

Auf Antrag des Gesuchstellers wurde hierauf in nichtöffent­licher Sitzung daS Gesuch des Heinrich Lu ft II. zu Hartmannshain nm Erlaubnis zum Kleinhandel mit Branntwein verhandelt und darüber entschieden.

Die französische Flotte.

Marineminister Thomson, der zu den Motorbootrennen erschienen war, hielt, wie a»»S Toulon berichtet wird, eine Rede, in der er die Vorlage seisteS Flottenprogramms für die nächsten Tage in Aussicht stellte. Er führte auS: Die erste Pflicht der Demokratie ist, ben Frieden zu sichern, und um den Frieden zu sichern, müssen wir die Marine mächtig und stark erhalten. Die meisten Völker bringen Opfer in dem Bestreben, eine VerteidigungSmacht zur See zu schaffen, und wenn wir unS überflügeln lassen, würden »vir bald von der zweiten auf die dritte, vierte und fünfte Stufe sinken; daS wollen wir nicht, sondern unsere Ueberlegenheit zur See auf­recht erhalten. DaS Beispiel von 1870 bleibt UNS immer vor Augen. Wenn Frankreich zu jener Zeit besiegt wurde, so geschah die?, weil es nicht vorbereitet war und weder Geschütze noch Gewehre hatte. Auf der Demokratie lastet die Verantwortung für die nationale Verteidigung. Die Verant­wortlichkeit für irgendwelche Fahrlässigkeit würde auf sie und von ihr auf die Regierung und aus die Republik zurückfallen. Wir wollen 1870 nicht vergessen! Damals retteten wir nur die Ehre! Wenn wir nichts als die Ehre retten konnten, so ist die Schuld denjenigen beiznmeffen, die das Land von Deutschland entwaffnen ließen. ES herrscht Einstimmigkeit, daß daS Kaiserreich barmt schuld war. Marineminister Thomson schloß, eS solle niemand einst am Tage vor einem nicht mehr gut zu machenden Unglück sagen, daß dafür die Republik verantwortlich zu machen sei.

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if bie Dudgetkommission. Man erwartet, daß sie die Durchberatung der Militärpen- sionsgesehe so beschleunigen werde, daß sich Aussicht er­öffnet auf Verabschiedung der Vorlagen noch vor der Ver­tagung der Session. Die Regierung wird sicherlich das Mög-

besonders der Angehörigen des Unteroffizier- und So'ldaten-- standes, vom Reich-tay wiederholt und einmütig anerkannt worden. §ier spricht gewissermaßen eine Ehrenp-sticht mit, : umsomehr einaedenk sein sollre, als Fürsorge für die arbeitenden Masst einen beträchtlichen Teil der auS dem Zolltarif zu erwarte

Der Kaiser itt Straßburg.

Der .Kaiser verlieh Geueralleutnant Breitenbach, dem Inspekteur der 3. Ingenieur-Inspektion, und General­leutnant v. Pawlows, dem Kommandanten von Straß­burg, den Stern zum Roten Adlerorden 2. Klasse mit Eichen­laub; ferner den Roten Mlerorden 2. Klasse mit Eichen­laub und Schwertern am Ringe Generalmajor Pawel, dem Kommandeur der 60. Infanteriebrigade, und Ebener atm a jor Lauter, dem Kommandeur der 4. Fuß-Artiklerie-Brigade; den Roten Mlerorden 2. Klasse mit Eichenlaub General­major Bendemann, dem Kommandeur der 61. Infan­terie-Brigade ; ferner den Kronenorden 2. Klasse Oberst Valdhausen, dem Kommandeur der 30. Feldartillerie- Drigade, und Oberst v. Wegener, dem Kommandeur des Infanterieregiments Rr. 143; den Kronenorden 3. Klasse Geheimrat Gievek ing; ben Kron en orden 4. Klasse Re- gierungSassessor Pauli.

Dm Nachmittag des 9. Mai unternahm der Kaiser um .61/2 Uhr im Automobil eine Spazierfahrt nach dem südlichen Rheinwald und besichtigte btc dort errichteten neuen Be- feftigungswerke. Abends fand Tafel beim Fürsten-Statt- fialter statt, zu der außer dem Gefolge des Kaisers und der Umgebung deS Statthalters der kommandierende General Hentschel von Gilgenheimb und Staatssekretär von Köller geladen waren. Iw Laufe des Tages hörte der Kaiser die Vorträge des Ehess des Zivilkabinetts, v. Lueanus, mit) des Gesandten v. Schön.

Am gestrigen Mittwoch machte der Kaiser morgens eine längere Äutomobilfahrt. Zunächst wurde die Feste Kaiser Wilhelm II. bei Mutzig besichtigt. Alsdann ging otc Spazier­fahrt nach dem Berge Donon weiter. J'n der Nähe wurde an einem schönen Punkte des Gebirges ein Imbiß ein­genommen. Der Kaiser kehrte um 2i/i Uhr nach Straßburg zurück. Der Kaiser empfing abends den Oberbürger­meister Kirschner und den Stadtbaurat Hoff­mann von Berlin zur Vorlegung von Plänen, die die Ausschmückung der Stadt Berlin bei dem Ein­züge der Braut des Kronprinzen betreffen. Um 8 Uhr begab sich der Kaiser zum Mendessen bei Staats­sekretär v. Köller.

den Einnahmen von langer Hand her festlegte. Warum soll nun die Möglichkeit der Besserstellung der Militärpensionäre durchaus abhängig gemacht werden von dem ganz unge­wissen Schicksal der großen Finan^reform? Gerade das Zentrum beginnt ia schrni jetzt allerlei Wenn und Aber eit diese Finanzreform zu siiupfen. Neuerdings heißt es: ohne Reichsumsatzsteuer keine Finrrn^reform! Was hat mit oll' dem unmittelbar die Notwendigkeit zu tun, den ge­dienten Militärs die Mi-fickit auf einen gesicherten Lebens­abend zu eröffnen? ES gibt doch zu denken, daß bereits in einigen Garderegimentern, also bevorzugten Truppen­teilen, ein Mangel an Unteroffizieren sich fühlbar macht. Um diese für die militärische Ausbildung unentbehrlichen Elemente in ausreichender Zahl bei der Fahne zu halten, muß ihnen eine materielle Besserstellung auch nach der Militärzeit gewührleistet werden. Das nicht immer an richtiger Stelle anaewendete Argument von der Beein­trächtigung der Schlagfertigkeit des .Heeres läßt sich hier mit Fug heranziehen. .Wenn ein Wille ist, wird also auch bei den Militärpensionsgesetzen ein Weg zur baldigen Er- ^ichung des Zieles gefunden werden können.

Kolonialarbeiter in Südweflafrika.

Von besonderer Seite wird uns geschrieben:

Es vergeht kaum eine Woche, in der nicht die Friedens­aussichten in Ostasien erörtert werden; dagegen ist leider wenig über das Ende unseres Kolonialkrieg - in Südwest­afrika zu hören. Wohricheinlich wird noch, ^rnnifie Zeit verstreichen, ehe die letzte Verlustliste Kn Namen desjenigen Deutschen verkündet, der als letzter sein Leben für die Ehre des Vaterlandes in die Schanze geschlagen ha^ Und nwtit mit schweren Opfern der Friede wiederher- gefieNt ist, dann wrrd Südwestafrika teilweise entvölkert ♦eitt. Sicher ist es leichter, dielen Krieg zum siegreichen Ende zu führen, als feine übten Folgen zu beseitigen. Nie bekommen wir Menschen in Misere Kolonien, beson­ders solche, die körperlich arbeiten? Das wird nach der Niederwerfung des Ausstandes jpezieN für Deutsch-Siwwest-

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* Eine große Ausstellung für WohnungS» funft wird anläßlich des 60jährigen Jubiläums der Ber­liner Tapezierer-Innung in der Philharmonie ver­anstaltet werden. Die Ausstellung, für die bereits alle großen Firmen interessiert sind, soll ungefähr drei Wochen währen und alle Gruppen der WohnungSgewerbe umfassen. Es sind sechs Abteilungen gedacht und zwar Abteilung 1: Komplette Zimmereinrichtungen, 2: Fertige Einzelsabrikate, 3: Halb­fabrikate, 4: Werkzeuge und Maschinen, 5: Rohmaterialien, 6 : Ausstellung der Fachschule, 7: Entwürfe zur Innen­dekoration, 8: Fachliteratur.

* Die verräterischen Hummern. In einer Wick schäft der Niedernstraße zu Hamburg kam am Samstag nach­mittag ein Schiffer, der ein großes Paket bei sich hatte. Er bestellte sich Butterbrot und ein GtaS Bier. Dann öffnete er sein Paket und wickelte 4 große Hummern aus, die er mit vielem Appetit zu verzehren begann. Das kam einem zu­fällig in der Wirtschaft anwesenden Kriminalbeamten ver­dächtig vor. Er war der Meinung, die Hummer seien ge­stohlen und verwickelte deshalb den Hummeresser in ein Ge­spräch. Als er den Mann nach dem Erwerb der Hummer fragte, entgegnete dieser, er habe sie gekauft. Das glaubte der Beamte nicht. Um sich zu überzeugen, ging er mit dem Gourmand in das betreffende Fischgeschäft. Dort stellte sich die Wahrheit des Kaufes heraus. Der Schiffer zog nun sein Portemonnaie und zeigte, daß er Geld genug habe, um sich Hummer zu kaufen. Beim Zuklappen des Portemonnaies sah der Polizist einen 1000-Markschein, der sich etwas heraus­geschoben hatte. Der Beanite fragte, ob der Schein eine Blüte sei. Jetzt stutzte der Schiffer und verwickelte sich in Wider­sprüche. Das Portemonnaie wurde untersucht und es ent­hielt 23 000 Mark in 1000-Markscheinen. lieber den Erwerb des Geldes befragt, verwickelte der Schiffer sich immer mehr in Widersprüche, bis er schließlich eingestand, einer Ziegelei in Meißen 24 000 Mark unterschlagen zu haben. Er wurde nun sofort festgenommen.

* Die bayerische 10 Pfennig-Marke. Der Allg. Ztg.^ wird geschrieben: Hatte da kürzlich ein in München lebender preußischer Staatsangehöriger an die königl. Polizeidirektion einer preußischen Stadt ein Gesuch um Ausstellung eines Zeugnisses gerichtet. Der Antragsteller hatte dem Gesuch eine bayerische 10 Pfennig-Marke beigefügt. Nach einiger Zeit wurde der Betreffende früh morgens durch ein Klopfen an seine Tür geweckt; auf den Ruf, wer da sei, ertönte die Schrecken erregende Aillmortdie Polizei". Die Türe wurde also schleunigst geöffnet, was war los? Ein Beamter der königl. Polizeidirektion München erklärte, er habe eine bayerische 10 Pfennig-Marke auszuhändigen. Die preußische Behörde hat mit dem Bemerken,daß hierzulande eine Verwendungsmöglichkeit für eine bayerische 10 Pfennig- Marke nicht besteht", die Marke der königl. Polizeidirektion

Ans Stad! Md Land.

Gießen, 11. Mai 1905.

*' Personalien. Se. K. H. der Großherzog haben dem Pfarrer Dr. Beyschlag zu Hering eine evangelische Pfarrstelle an der Johannisgemeinde zu Mainz, dem Pfarrer Bäh ringer zu Böhlen in Schwarzburg-Nudolstadt die evangelische Pfarrstelle zu Billerts'oausen, Dekanat Alsfeld, und dem Pfarrverwalter Roos zir Schornsheim, Dekanat Oppenheim, die dortige Pfarrstelle übertragen.

Bad Nauheim, 10. Mai. Zum Besiiche des ameri­kanischen Staatssekretärs Hay trafen hier heute ein: Spencer Eddy, Sekretär der amerikanischen Botschaft in Petersburg, der heute nach Paris weiter reist, und Frank Mason, der amerikanische Generalkonsul in Berlin.

§ N ie d e r - O b m e n, 10. Mai. Die Lust nach Abenteuern wandelt nicht nur die Kmder der Großstädte an, sondern auch zuweilen die sonst bescheidenen Land­bewohner. Davon lieferten drei hiesige Dienstmädchen einen schlagenden Beweis. Sie fuhren am jüngsten Sonntag .mit dem letzten Zug von bannen, wohin, das wußte nie­