leyr erbaut von t-.ciu n.alten, kraftlosen Vorgehen, das Krieger bei der Verfolgung der meuterischen Schiffe beliebte. Es bedurfte, so meinte man, nur des rücksichtslosesten Vorgehens eines einzigen Torpedobotes, uni die Meuterer mit samt ihrem Schiff zu vernichten. Der dabei in Betracht kommende Verlust de§ Schiffes durfte nicht berücksichtigt werden. Ein Telegramm der „Franks. Ztg." vom Samstag aus Konstantinopel, das auch uns alsbald drahtlich übermittelt wurde, wiederholte das bereits vor ein paar Tagen verbreitete Gerücht, daß Vizeadmiral , Krieger durch Selbstmord geendet habe.
. Der „Petersb. Tel.-Ag." zufolge entbehrt aber diese Meldung jeder Begründung. Vizeadmiral Krieger wurde vielmehr gestern in Sebastopol mit seinem Geschwader er- roartet-
Jas SchrcLensregimenL in Rußland.
Dem „Daily Chroniclc" wird gemeldet, daß eine reaktionäre Verschwörung in Petersburg entdeckt worden ist. Diese Verschwörung hatte den Zweck, den Zaren zu entthronen und tinen kräftigeren Regenten an seine Stelle zu setzen. Die Verschwörer wollten entweder den Großfürsten Alexander oder den Großfürsten Michael zum Zaren proklamieren. _
Eine aus mehreren Tausend Personen beliebende Menge überfiel in Odessa die Kaserne, in der sich die verhafteten Matrosen des „Georgi Pobjedonoszew" befanden, überwältigten die Schildwachcn und ließen die Gefangenen heraus. Gleichzeitig erließ die revolutionäre Partei eine Proklamation, in der sie die Regierung warnt, über die meuternden Matrosen das Todesurteil zu verhängen, da sie sonst alle Regierungsgebäude in die Luft sprengen würde.
Am 7. d. M. wurde der frühere Rektor der Odessaer Universität, Professor Jaroschenko, verhaftet.
In K'vwno veranstalteten mehrere Hundert Juden eine Kundgebung. Sie warfen die Fenster verschiedener, Häuser ein. Truppen schritten ein und trieben die Menge auseinander.
In der Warschauer Vorstadt Pragn wurde von Leuten, deren Persönlichkeit nicht bekannt ist, vier Schüsse auf einen Polizisten abgegeben, die ihn tödlich verwundeten. — Dort ist ein Generalstreik der Schuhmachergesellen ausgebrochcn. (Äenso traten die Metzgergesellen in den Ausstand.
Ms in Tiflis am 8. Juli mehrere Arbeiter verhaftet werden sollten, wurde eine Bombe geworfen, durch die ein Polizei- o'ffizier getötet und zwei andere verletzt wurden. In der Stadt herrscht Erregung. Sämtliche Läden sind geschlossen. Die Zeitungen stellten ihr Erscheinen ein. Der Geschäftsverkehr ist unterbrochen. In den Gouvernements Wladimir und Tiflis wurden revolutionäre Proklamationen in großen Mengen verteilt.
Bei Judenexzessen in Ztunska Wola (Polen) brach eine große F e u e rs brun st aus. 900 Familien sind obdachlos; bisher wurden 19 verkohlte Leichen aufgefunden.
Eine Audienz beim Zaren.
Der Zar empfing am 7. d. M. die S e mstw o v er t r e t e r bes Gouvernements Orel, Narischkin und General Kirew, sowie eine Anzahl Kaufleute und Adlige, unter letzteren den Grafen Scheremetjew und das Mitglied des Moskauer Gemeinderates Grafen Dorer, einen Vertreter der Altgläubigen, einen Bürger Nowgorods und mehrere Bauern, welche Adressen überreichten und Ansprachen hielten, in denen sie dem Kaiser die Ergebenheit der großen Masse des russischen Volkes versicherten, welches die Fortführung des Krieges wolle und auf altrussischer Grundlage die Organisation einer Versammlung von Volksvertretern erstrebe, welche dazu berufen seien, an der Gesetzgebung teilzunehmen. Der Kaiser antwortete:
„Ich danke Ihnen allen aufrichttg für die Gefühle und Ansichten, die Sie zum Ausdruck brachten. Ich bin insbesondere glücklich zu sehen, daß Sie von der Anhänglichkeit an die alten Traditionen des Landes geleitet sind. Der Staat kann nur stark und fest sein, wenn seine alten Traditionen treu bewahrt werden. Wir selbst haben in diesenk Punkte gesündigt und vielleicht hat uns Gott deshalb g e st r a f t. Ich muß Ihnen sagen, daß das Leben selbst uns die Wege weisen wird, wie Fehler und Irrtümer zu beseitigen sind, welche bei dem großen von mir zum Wohle meiner Untertanen geplanten Werke unterlaufen können. Ich bin sicher, daß Sie alle, und zwar jeder von Ihnen in seiner Umgebung, mir helfen, Frieden und Ruhe in unserem Lande wiederherzustellen und mir hierdurch einen Dienst erweisen, den ich von allen meinen Untertanen erwarte. Ich hoffe zuversichtlich, daß Gott Sie hierin unterstütze."
Der Krieg.
Vom Kriegsschauplätze.
Petersburg, 8. Juli. Ein Telegramm des Generals Linewitsch vom 7. d. M. meldet, daß die Japaner am 5. d. M. um 5 Uhr morgens die Offensive gegen Beynkhe und Loguchau ergriffen. Die russischen Abteilungen zogen sich langsam zurück, wobei sie den Feind zurückhielten. Heute früh um 2 Uhr setzte der Feind den Angriff auf Loguchau fort. Die Japaner eröffneten Geschützfeuer gegen die russischen Vorposten, die sich zurückzogen. Hierauf wurde die japanische Offensive eingestellt. Der Feind ging zurück und besetzte seine früheren Stellungen, t- Ein zweites Telegramm meldet: Heute morgen nahmen in der Gegend des rechten Flügels mehrere japanische Bataillone und Eskadrons mit Artillerie die Offensive wieder auf. Die russischen Vorposten vermochten ihre Stellungen zu halten.
Petersburg, 8. Juli. General Liapunow telegraphiert von Sachalin unter dem 7. d. M.: Um 9 Uhr morgens näherte sich ein japanisches Geschwader dem Dorfe Chipisan, 20 Wer'st' südwestlich von Korsakowsk und eröffnete das Feuer auf die Küste. — Ein zweites Telegramm vom 7. Juli meldet: Um 2 Uhr nachmittags näherte sich das japanische Geschwader dem Dorfe Meree, zwischen Chipisan und Korsakowsk, auf 15Werst und eröffnete das Feuer aus den Torpedobooten. Dann begann die Landung von 15 Schiffen. Am Nachmittag näherten sich 15 Torpedoboote Kusakökorursk. Eine russische Batterie eröffnete das Feuer. Die Torpedoboote beschossen die Strandbatterie von Korsakowsk, wurden aber durch das Feuer der Russen gezwungen, die Beschießung einzustellen und sich zurückzuziehen. Der Kommandant der russischen Abteilung leistete den übrigen feindlichen Operationen so lange als möglich Widerstand, gab aber dann Befehl, die Küstengeschütze in die Luft zu sprengen und alle RegierungSgebäude in Brand zu setzen. Dann zog er sich mit seiner Abteilung nach Norden zurück. Während der Beschießung wurden vier Einwohner getötet. Ein Matrose wird vermißt.
Tokio, 8. Juli. Aus dem japanischen Hauptquartier werden gelegentliche Zusammenstöße zwischen Patrouillen auf beiden Seiten der Eisenbahn Fenghual-Kaiyuan und auf der Kwangpingstraße gemeldet. Die Russen werden allmählich nach Norden gedrängt.
Tokio, 8. Juli. Die Zahl der japanischen Hilfskreuzer ist durch drei genonrmene russische Schiffe gleicher Art vermehrt worden, die „Rossija" (jetzt „Saishumaru"), die „Ekateninoslow" („Karasakimaru^h und den „Mexander" („RekisanmaruD-
London, 8. Juli. Vom Kriegsschauplatz wird gemeldet, daß die russische Armee unter General Linewitsch voll- KLndig demoralisiert ist. Die Polen und die Juden
in der Armee sind in Au f ru h r und machen dem Oberbefehlshaber viel zu schaffen. Viele Soldaten meutern, meßt offen aus Furcht vor der Erschießung, sondern lassen sich bei der ersten besten Gelegenheit von den Japanern gefangen nehmen.
Sachalin.
Petersburg, 9. Juli. Gestern abend zirkulierte hier das Gerücht, die Japaner hätten 60000 Mann auf Sachalin ausgeschifft und die Insel in ihren Besitz gebracht.
Petersburg, 8. Juli. Der Petersburger Tel.-Ag. wird aus Godsjadan gemeldet: Das japanische Geschwader, das sich Sachalin näherte, bestand aus zwei Panzerschiffen, sieben Kreu-zern, drei Kanonenbooten, 36 Kanonenbooten und zehn £r cm3 frort» schiffen mit Lnndungstruvven.
Ausland.
Madrid, 8. Juli. Wie verlautet, hat der Landwirt- 'ch a stsminister die Absicht, einen Kredit von 12 Mill. Pesetas dringend zu beantragen zur Unterstützung dernot- leidenden Bevölkerung Andalusiens. Der Finanzminister soll diesem Anträge feindlich 'gegenüberstehen. , Wien, 9. Juli. Im Abgeordnetenhause entspann sich eine Debatte über einen Tringlichkeitsantrag der Alldeutschen betreffs der Trennung O esterreichs von Ungarn,, toofrei der Abg. Stein den Wert der Großmachtstellung Oesterreichs in den Augen der Bundesgenossen herabsetzte. Das Ziel seiner Partei ’ei die Angliederung Deutsch-Oesterreichs an Deutschland. Ministerpräsident v. Gautsch wies die Behauptungen Steins energisch zurück. Nach weiterer Debatte wurde die Dringlichkeit für den Antrag der Alldeutschen mit größer Mehrheit angenommen. Da der Präsident des Abgeordnetenhauses es ablebnte, weitere Schritte gegen Stein wegen des W u r f s einer Streusandbüchse gegen die Tschechisch-Radikalen einzuleiten, haben mehrere tschechische Llbgeordnete gegen Stein Anzeige bei Gericht erstattet. Die Tschechen droben mit ähnlichen Handlungen, wenn die Tat Steins ungeahndet bleiben sollte.
Wien, 8. Juli. Nach dem „N. W. Tagbl." wollen int September Kaiser Wilhelm, König Friedrich August von Sachsen, später auch König Alfonso von Spanien auf die Jagdbesitzung Bellye des Herzogs Friedrich in Südungarn kommen. Der deutsche Kaiser soll nach Bellye auch an den Jagden des Kaisers form* Josef in Steiermark teilnehmen.
Rationaler Kesangs-Wettstreit zu ^tung-Köns.
(Original-Bericht des „Gießener Anzeigers".) k-. Lang-Göns, 7. Juli.
Der Gesangverein „Frohsinn" feierte heute sein 50j ährigeS Stiftungsfest, verbunden mit einem großen nationalen Gesangs-Wettstreit. Ganz Lang-Göns prangte im schönsten Festschmuck, fast kein HauL war ungeschmückt. Zahlreiche Ehrenpforten bewillkommneten die Festgäste. Galt es doch für unser ca. 2000 Einwohner zählendes Dorf, das ausschließlich Landwirtschaft treibende Einwohner zählt, ein Fest zu feiern, wie noch nie eines hier war. Aus Kassel, Gießen, Darmstadt, Lich, Fechenheint re. waren Gesangvereine herbeigeeilt, im ganzen nahmen 24 Vereine daran teil.
Eingeleitet wurde das Fest gestern durch einen Festkommers. Präsident Konrad Velten hielt eine kurze Begrüßungsansprache, worauf dem Dirigenten in Anerkennung der im vorigen und diesem Jahre errungenen Preise ein Blumentisch überreicht wurde. Bei Gesangsvorträgen und turnerischen Aufführungen verlies der Kommers sehr schön.
Heute früh um 6 Uhr erfolgte Weckruf, von 7 Uhr ab trafen die Vereine zum Preissingen ein. Dieses begann um V^IO Uhr im „Frankfurter Hof", deni „Gambrimis" und dem „Schwan". Eine starke Zuhörerschaft drängte sich zu den Sälen. Von 11 Uhr ab fand Konzert auf dem Festplatz statt und um 12 Uhr begann das Ehrenpreissingen im „Frankfurter Hof". Um 2*/2 Uhr bewegte sich ein nicht enden wollender Festzug durch das Dorf; es nahmen 52 Korporationen, darunter 42 auswärtige Gesangvereine, am Zuge teil. Die Festjungfrauen trugen ein neues Banner. Nachdem der Gesangverein Frohsinn den Begrüßimgschor „Seid gegrüßct, traute Brüder", von K. Kern, vorgetragen, begrüßte Bürgermeister Rompf die Vereine namens der Gemeinde. Festpräsident Wenzel hielt die Festrede, die in ein Hoch auf Kaiser und Großherzog ausklang. Darnach übergab Fräulein Anna Wagner das von den Frauen und Jungfrauen der Gemeinde gestiftete Banner und toastete auf den festgebenden Verein.
Um 6 Uhr fand auf dem Festplatz die Preisverteilung statt. Darnach erhielt im Ehrenpreis fingen den ersten Ehrenpreis, einen silbernen Pokal, gestiftet vom Groß- Herzog, der Männerchor Schubert-Quartett aus Darmstadt mit 222 Punkten, den zweiten, gestiftet von der Gemeinde Lang-Göns (Trinkhorn) Heiterkeit aus Fechenheim, den dritten der Männergesangverein Konkordia aus Darmstadt, den vierten Frohsinn aus Kassel-Wehlheiden, den fünften Germania aus Kirch- Göns. — Beim Klassen singen erhielten Preise: m Klasse la Frohsinn-Kaffel--Wehlheiden den 1. Preis, Lieder- frennd-Kassel den 2.; in Klasse Ila den 1. Heiterkeit-Fechenheim, 2. Germania-Kelsterbach, 3. Heiterkeit-Gießen, 4. Germania-Vilbel, 5. Liederkranz-Windecken, 6. Germania- Köppern i. T.; in Klasse III a den 1. Schubert-Quartett- Darmstadt, 2. Konkordia-Urberach, lobende Anerkennung Gesangverein Biebrich; in Klasse Ib den 1. Germania-Kirch- Göns, 2. Sängerlust-Eberstadt b. D., 3. Germania-Lollar, 4. Orpheus-Butzbach, 5. Eintracht-Fauerbach b. Friedberg, 6. Germania-Großen-Linden; in Klasse Ilb den 1. Liedertafel-Lollar, 2. Konkordia-Darmstadt, 3. Polyhimnia-Ober- Roden, 4. Frohsinn-Garbenteich, 5. Preis Konkordia-Hochweisel.
Der Gesangverein Liederkranz-Pohl-Göns überreichte dem festgebenden Verein eine Fahnenschleife. Der einzige noch lebende Gründer des Vereins, Joh. Müller, erhielt eine Ehrentafel.
Hieran schlossen sich Konzert, Tanzvergnügen und Volksbelustigungen. Der geräumige Festplatz, auf dem Herr Spuck aus Gießen den Wirtschaftsbetrieb inne hatte, vermochte kaum die Gaste zu fassen, ca 2000 Sitzplätze befanden sich in den 200 Meter langen Hallen. Die Musik wurde ausgeführt von der Kapelle der 24 er Dragoner aus Darmstadt. Erst am späten Abend begaben sich die preisgekrönten Vereine wieder in ihre Heimat.
Bemerkt sei noch, daß der Gesangverein Frohsinn 1855 vo" Lehrer Kolb und Bürgermeister Henrich gegründet wurde.
Alle hiesigen Einwohner werden noch lange mit Freuden an das heutige Jubelfest ;urückdenke»v__
Aus Slsdl und KauS.
Gießen, 10. Juli 1905.
** Der Jahresb ericht der Handelskammer für 1904 ist soeben erschienen. Die Zahl der Branchen-
bcnäjte ist wiederum vermehrt worden und damit ist auch der Bericht selbst etwas umfangreicher geworden. Aus seinem Inhalte sei hier nur mitgctcilt, daß das abgelaufene Jahr, wie int übrigen Teile des deutschen Reiches, so auch im Handelskammerbezirk eine weitere Besserung der wirtschaftlichen Verhältnisse, namentlich in der ersten Jahreshälfte, gebracht hat. Dagegen haben die geschäftlichen Ergebnisse mit der gesteigerten wirtschaftlichen Tätigkeit im allgemeinen nicht gleichen Schritt gehalten. Deshalb gilt auch von dem Jahre / .A das schon früher ausgesprochene Urteil: gestiegene Imsätze bei bescheidenem Nutzen. Wir werden auf den Inhalt des Berichtes noch zurückkommen.
** Drei Bergleute verunglückt. Am Samstag, gleich nach der Vesperpause, verunglückten in den Gießener Braun- teinbergwerken Obersteiger Becker, Steiger Fritz Appel und Vorarbeiter Balthasar Heuser von Steinbach, alle drei verheiratete Leute. In einem alteren Schacht des Werkes, der längere Zeit unbenutzt war und der vorübergehend in Betrieb genommen werden sollte, ist der bedauernswerte Unfall vorgekommen. Beim Paffieren eines leeren Förderkorbes merkte Obersteiger Becker, daß in den) betreffenden Schacht nicht alles in Ordnung war. Die Förderschale schleifte und klemmte sich unterwegs, infolgedessen ließ er den Korb zurückkomm en, stieg mit den beiden Gefährten in der Grube, also von der Tiefe aus in denselben ein, um durch vor- ichtiges und langsames Befahren des Schachtes festzustellen, an welcher Stelle das Hindernis sich besindet. Nachdem die Förderschale 20 Meter gehoben war, saß sie fest. Vermutlich hat der Schacht sich, so lange er außer Gebrauch war, gesetzt, wodurch das Hindernis entstanden ist. Das Förderseil zerriß und die Förderschale mit den drei Männern stürzte ab. Alle drei haben bei dem Sturz sich schwere Beinbrüche zugezogen. Die Werkleitung hat sofort alles getan, um den Verunglückten Hilfe zu bringen und Erleichterung zu schaffen. Sie wurden eiligst unter Führung des Direktors Dr. Esch und des Betriebsführers, Ingenieur Schäfer, mittels Tragbahren in die Klinik verbracht. Nach Aussage des Arztes sind bei den Verletzten teilweise schwere komplizierte Schenkelbrüche aber keine inneren Verletzungen konstatiert. Die Verunglückten sind alle drei erfahrene, tüchtige und besonnene Bergleute, von denen der 50 Jahre alte Obersteiger Becker in seiner Fürsorge um die Sicherheit des Betriebes ein Opfer seiner Pflichterfüllung wurde. Ganz besonders wird man den in unserer Stadt bekannten und beliebten Steiger Fritz Appel bedauern, welcher sich erst vor 14 Tagen verheiratet hat. Es ist seit 25 Jahren ein derartiger schwerer Unglücksfall in dem ausgedehnten Betriebe der Braunsteinbergwerke nicht vorgekommen.
* * Ein Fabrikfest. Am 6. Juli feierte Kammer» zienrat Louis Em melius, Inhaber der Firma Karl Ennnelius hier, mit seiner Gemahlin außerhalb der Mauern Gießens, in seiner alten Heimat, dem Nheinlande, die silberne Hochzeit. Sein schlichter Sinn hatte ihn bestimmt, jeder Ovation aus dem Wege zu gehen. Er selber aber bereitete seinen Angestellten und Arbeitern eine große Freude, eine Sonderfahrt auf seine Kosten nach dem Niederwald. Am Samstag Morgen um 6 Uhr ging es, nach gutem Kaffeetrunk in der Bahnhofs- rcstauration im Extrazug nach Rüdesheim. In . anerkennenswerter Weise hatten sich auf Ersuchen zwei Mitglieder vom „Noten Kreuz" angeschlosfen, die zu einem Samariterdietist jedoch glücklicherweise nicht gekommen sind. Bei der Einfahrt des Zuges in NüdeSheim ertönte ein Begrüßungsmarsch von einer Musikkapelle und an der Bahn wurden die Teilnehmer von Herrn Emmelius und seiner Familie begrüßt. In geordnetem Zuge, die Musik an der Spitze, marschierte mau durch Rüdesheim, um mittels Sonderzugs zum Niederwalddenkmal zu fahren. Dort fand zunächst vor der Germania eine patriotische Huldigung statt. Kurz nach 12 Uhr, ging es wiederum vermittels Sonderzugs zurück nach Rüdesheim zum Mittagessen, bei dem guter Rüdesheimer natürlich nicht fehlte. Hier hieß Herr Louis Emmelius die Teilnehmer nochmals willkommen, mit dem Wunsche, daß dieser Tag für Jeden ein Tag angenehmer Erinnerung bleiben möge. Sein Hoch gelte seinen lieben Arbeitern. Die vielen Toaste und Ansprachen, welche folgten, können wir nicht alle erwähnen. Ernste und heitere Worte wurden gesprochen, aber alle zeugten von Anerkennung und Dankbarkeit. Gerichtsrat Kinzenbach von Rüdesheim, welcher mit seiner Familie der Feier beiwohnte, überreichte im Namen des Deutschen Tabakvereins 29 Arbeitern, welche eine lange Reihe von Jahren ununterbrochen im Dienste der Firma Karl Emmelius stehen, Anerkennungsdiplome, denen Herr Emmelius noch je eine Geldspende, bei einem Aufseher Uhr mit Kette, unfügte. Bei Konzert, Tanz und einem guten Tropfen amüsierte man sich bis zur Abschiedsstunde. Mit Musik ging es zur Bahn und unter den Klängen einer schönen Abschiedsweise setzte sich der Zug zur Heimreise in Bewegung. In Gießen brachten die Anschlußzüge die auswärtigen Teilnehmer in ihre Heimat und man trennte sich mit den Worten: „Der schöne Tag bleibt unvergeßlich".
* * Unser 116. Regiment hat heute mit dem Butzbacher Bataillon der 168er eine größere Felddienstübung.
* * Hohenstaufia. Wie uns mitgeteilt wird, ist die „konfessionelle" Verbindung „Hohenstaufia" genehmigt worden und hat bereits ihr Publikationsfest gefeiert.
* * Roheit. Einem Dreschmaschinenbesitzer wurden an seinem in einem Hose der Schützenstraße stehenden neuen Dreschwagen sämtliche Deckel von den Schmierbüchsen abgeschraubt und entwendet. Die Deckel sind aus Guß, haben Muttergewinde, sind rot gestrichen und tragen die Aufschrift der Firma „Lanz".
’ * Körperverletzung. In verflossener Nacht rourbt. ein Arbeiter in der Bahnhofstraße von jungen Burschen blutig geschlagen. Es tft Anzeige erhoben worden.
r. Klein-Linden, 10. Juli. Die Anziehungskraft, welche die Klein-Lindener Festlichkeiten von jeher auf die Umgegend, hauptsächlich auf die Stabt Gießen, ausübten, kam auch bei der gestrigen 40jährigen Jubelfeier des ältesten hiesigen Gesangvereins „Eintracht" zum Ausdruck. Ganz Gießen schien nach Klein- Linden gewandert zu sein. Das Dorf war schön geschmückt und mehrere Ehrenpforten bewillkommneten die Festgäste. Besonders schön war der aeräumige Festplatz geputzt. Nach-


