Ausgabe 
10.3.1905 Erstes Blatt
 
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zwei Wochen gebildet werben. T'e Slusarbeitung deS Ent- wurfS dürfte mindestens einen Mrinat beanspruchen^ worauf nach Ablauf eines weiteren Monats die Wahlen erfolgen könnten. Daraus gebt hervor, da st die geplante Volts" Vertretung im- I uni zusainmentretcn könnte, d. I). ru einer Zeit, wo hier schon die sommerliche Ruhepausei beginnt und alles Urlaub nimmt. Demnach erscheint cS incht unmöglich, daß die Botr Vertretung erst im Herbst zusam- meutreten wird, falls Bulpgin nicht iint Hinblick auf die besonderen Umstände ein sehr beschleunigtes Tempo ein* schlägt.

Wie man au3 Petersburg meldet, soll die Stellung deS Üntcrrichtsministers Glasow erschüttert sein. Zum N a ch-- folgcr sei der $Tofj für ft K onstant in arrs er sehen. ,

Aus Pe tersburg meldet vom 9. März W. B.: Zwei Unbekannte schossen heute auf den Oberst Progul- bitski, d'en Ches des Suchumer Bezirks, in dem Augen­blick, als er von der Post kam. s c ch s N e v o l v e r s ch ü s s e ab. Ter Oberst ist nicht verwundet. Den Angreifern ge- lang es, zu cntkonrincn. Das Attentat hat politischen Cha­rakter.

In Odessa sank während der Sitzung der Stadtver- tretungcn Stadtpräsident Fürst Ka t b a r i u mitten in einer Rede tot zusammen. Die Beratung wurde sofort unter großer Bestnrmug geschlossen. (Hier wird man wohl einen Giftmord anmnehmcn haben.)

Ein blödsinniges Gerücht behauptet, der Mörder des Gr o ß s ü r st e n 2 e rg i u s gehöre einer großfürstlichen Fa­milie an, welche mit den Obolenskis verschwägert ist. Dies mache den Besuch der Großfürstin-Witwe bei dem M örder im Gesrän gnis erklärlich.

In den Bergwerken Schtsechcnbinowka und Auer­bach im Kreise Bahmut wurde am Soun tag bezw. Montag die Arbeit eingestellt. Es kam zu Plünderung e 11 von Bergwerkseigentum, Läden und Bicrniederlagcn. Als den Arbeitern mit dem Gebrauche der Waffen gedroht wurde, warfen sie die Truppen mit Steinen und feuerten Re- volverschüsse ab. Durch Y>ewehrsalven, die die Truppen infolgedessen auf die Arbeiter abgabcu, tourt)c eine An­zahl Arbeiter getötet bezto. verwundet. Mittler­weile wurde die Ruhe wiederhcrgestellt und die Arbeit wieder ausgenommen.

VlUitische Tagesschau.

Der Kolonialstaatssekretär.

Da die Vorlage über Errichtung eines selb- händigen Kolonialamts schneller, als man erwartete, an den Reichstag gelangt, wird also Den sch land binnen urzem seinen Chaniberlain haben. Wenigstens im verwaltungstechnischen Sinne. Im übrigen fehlt für den Vergleich mit Chamberlain der Person und der Sache noch die Voraussetzung. England hat mit ganz anderen kolonialen Größen und Werten zu rechnen, als Deutschland, und von Dr. Stübel wird mein, bei aller Anerkennung seiner Tüchtigkeit, nicht sagen können, daß er das Zeug zu einem Chamberlain habe. Ob überhaupt Dr. Stübel seines Amtes als erster deutscher Kolonialstaatssekretär lange walten wird, darüber bestehen auch in kolonialen Kreisen Zweifel. Mau glalibt zwar an sein Verbleiben bis zur völligen Wiederher­stellung geordneter Zlistände in Südwestafrika, nicht aber an die Geneigtheit Dr. Stübelß, darüber hinaus die für ihn recht schwer gewordene Bürde deS Amtes zu tragen. Die Leitung der Kolonialverwaltung dürfte, auch im erweiterten Rahmen des StaatLsekretariats für die Kolonien, der am wenigsten begehrte Posten im Reichtzdienst bleiben!

Südwestasrika.

Rach einer Meldung des Generals v. Trotha vom L März überfiel da3 Detachement Zwehl (2. Kom­panie des Regiments 1, 10. Kompanie des Regiments 2 und Halbbatterie Stublmaun) im Marsche von Gideon nach dem Hudllp, am 1. März, im oberen Kcitsubrevier am 2. März, eine im Hudup sitzende Bande von etwa 100 Witb oiS und Bastards lind sprengte sie auseinander. Der Feind verlor sechs Mann, tot; diesseits keine Verluste. Eine Pa­trouille oon zwei Mann, die von Gibeon Verbindung mit dem Detachement Zwehl aussuchen sollte, wurde am 3. März auS nächster Nähe von etwa zehn Hottentotten beschossen. Ein Mann blieb tot, der andere wurde durch fünf Streifschüsse verwundet und erreichte, von den Hottentotten verfolgt, am 5. März zu Fuß die Station Hanaus, von wo er am gleichen Tage nach Gibeon weiterritt. Am 4. März wurde zwischen Zwartfontein und Witkranz ein Wagen trau Sport von WitboiS überfallen, wobei unsererseits elf Mann ielcn und drei verwundet wurden. Die Verfolgung des nach Osten und Nordosten zurückgegangenen Feindes durch die zweite Kompanie deS Regiments 2 wurde aufgenommen.

Nach einem Telegramm auS Windhuk ist Vizcwachtmcister Joseph Michael Nagaller im Lazarett Okahandja an Lungen­schwindsucht gestorben.

Varlamenlarisches.

Berlin, 9. März. Der dem Abgeordnetenhause zu- ^egangene Gesetzentwurf, betreffend die Schadloshaltung des H e r z o g l i ch e n H a u s c S vonSchleSwig-Holste'in- S onderburg-Glücks bürg bestimmt: Dem Herzoglichen Hanse w-rd Schadloshaltung gewährt, bestehend aus dem Schlosse zu Glücksburg mit Zubehör vom 1. April 1905 ab und einer vierteljährlich vorauSzuzahlenden JahreSrente von 150 000 Mk.

Berlin, 9. März. Die Budget-Kommission deS ReichS- /ageS begann die Beratung deS Gesetzentwurfes, betreffend Aenderung der Wehrpflicht, mit der Erörterung deS überschlägigen Geldbedarfes für die AuSgleichSmaßnahmen anläßlich der Einführung der zweijährigen Dienstzeit. Be­züglich deS Antrages Südekum auf Aufhebung der Ein­richtung deS E i n j ä h r i g - F r e i w i l l i g e n - Militär­dienstes betont Kriegsminister v. Einem, daß mit der ein­fachen Maßregel, wie sie die Sozialdemokraten vorschlügen, die Beseitigung des einjährigen Dienstes nicht erfolgen könne. Nach längerer Debatte werden Artikel 1 und 2 angenommen und der Antrag Südekum mit großer Mehrheit abgelehnt.

Tie Eisenbahn im preußischen Abgeordnetenhaus.

Berlin, 9. Mürz.

9(6<7. Tr. Schröder (nL) wünscht bessere Verbindungen »uüsäm Cassel und Vertin und zwischen Cassel v"d Tormüadt. __ opjfl Tn Arendt (st.) bittet um ein: bessere Zugverbi"dung zwischen Halle, und Cassel. Minister v. Budde erklärt die Wünsch^ wohlwollend prüfen zu wollen. Tic Einnahmen anS den Plahkarten und Bahnsteigkarten würden für Verbesserung

der Zngverbindungen Verlvnidet. In den letzten zwei Jahren seien für diese Zwecke 13 Millionen Mark anfgcwendet.

Es folgt das KapitelBesoldungen". Einen dazu vor­liegenden Antrag des Abg. S'ckm i d t - Warburg (Ztr.) aus An­rechnung einer fünf Jälwe überschreitenden diütarischcn Besckms- tigung der Eistnbahnban- und Betriebsinspektoren nnd Ma­schinen inspektoren auf daS Vesoldungsdienstalter beantragt die VudgetkommiKion der Regierung aut Erwägung zu überweisen. T>en 9kntrag Trimborn (Ztr.) und Genossen ans Erhöhung deS Gehalts der Eiscnba hübet riebSsekretä re be­antragt die Kommission ab zu lehn en. Tie Mgg. Oeser! 'Hosp. d. frs. Vp.), Tr. W i e m e r (frf. Vp.) und Golds ch m i d t (frf. Vp.) beantragen, daß der Nachtdienst im Eiscnbalmbetrieb höher angerechnet wird als der Tagesdienst. Abg. Schmidt- Warburg (Ztr.) befürwortet seinen Antrag. Bei der lmmen Warte­zeit, die die Betriebs- und Maschinlnstnspektoren vielfach durch­wachen müßten, ost 1013 Jahre, sei c5 doch eine große Härte für diese Beamten, wenn ihnen die Zeit der bintnrifcfneti Beschäf­tigung nicht angerechnet werde. Zu bedauern sei, daß in der Eiiscnbah!,Verwaltung die Juristen besser gestellt würden als die Techniker. Redner bittet das HauS, seinen'Antrag der 9l(lni''rintn zgr Berücksichtigung zn überweisen. Geb. Finanzrat Nöle erwidert, daß der Minister bereits in der Bndgetkommission betont habe, daß in den letzten Jahren sehr viel gesä'ehen sei, um den Unterschied in den Besoldungen zwischen den Juriß.u und den Technikern zu beseitigen. Der Antrag Schmidt widerspreche den Gnlndsäüen, von denen man bei Errichtung des TienstaltcrS- stufenSshstemS ansgegangcn sei. Mg. v. S ch n ck mann lkons.) erklärt das Einverständnis seiner Partei mit den Forderungen des Etats für die Vermehrnng der Beamten. Weiter macht er darauf aufuierksam, daß durch die Vermehrung der Z^bl der Eiscnbalv'arbeiter, die meist vom Lande kommen, die Landwirt­schaft zu leiden habe. DaS Petitionsrecht der Cisenbahubcamten sei verfassungsmäßig garantiert, aber eS dürfe bantit kein Unfug getrieben werden. Ab^i. Oescr (Hosp. d. frf. Vp.) begründet seinen Antrag. AuS sozialpolitischen Gründen müsse eine Tisse- renziernng zwischen Tag- und Nachtdienst stattfindcn. Redner bittet schließlich den Minister, den Beamten und Arbeitern im Eisenbahndienst in möglichst weitem Maße Urlaub zu gewähren. Ein Regierungskommis sar erklärt, daß eS die Eisen­bahn Verwaltung an einer höheren Bewertung des ^Nachtdienstes nicht fehlen lasse; eine Verordnung bestimme, daß von einem Beamten nicht mehr als siebenmal hintereinander Nachtdienst verlangt werden dürfe. Ter Nachtdienst sei ober an sich viel seichter als der Tagesdienst. Tie Verwaltung strebe sowohl eine Verkürzung des Nackt- wie deS Tagesdienstes an. Abg. V u s ch '3tr.) bittet um Vermehrung der S o n n t a g S f a h r- karten und bedauert, daß der Minister sich ablehnend inbezng ans Besserstellung ider Betriebssekretäre verhalte. Minister v. 23 u b b e erklärt, seine Absicht sei es, die Son n tag S- kartcn bei der Pcrsoncntarisrcform anfzuheben. Was die Petitionen der BetriebSsekretärc betrifft^ so gibt cS viele Beamte, die einen verantwortungsvolleren Dienst haben als die Betriebs- sekretäre und doch kein volleres od'r noch weniger Gehalt haben. t- Abg. Hammer (fj wendet sich gegen die Konsum­vereine und WarcnhÜnser der Beamten, die eine Schädigung deS Mittelstandes darstellten. Mg. Hcckenroth (k.) bittet, daß die Fahrgelder der Beamten nicht zur Einkommensteuer heran- gezogen werden. ?lbg. Kindler (frcif. Vp.) tritt für Besser­stellung der technischen Beamten ein.

Hierauf >vird di^ W^'t"rberatnng vertagt.

Deutsches Neich.

Berlin, 9. März^ Man meldet anS Wilhelms­haven: Nach Besichtigung der Werst und der südlichen Hafenertoeiterung begab sich heute per Kaiser an Bord des LinienschiffesKaiser Wilhelm II." zurück. Um 1 Uhr nahm der Kaiser daS Frühstück bei dem Admiral v. Vende- mann ein. Der Kaiser verblieb den Nachmittag über an Bord deS LinienschiffesKaiser Wilhelm II." Das Wetter ist regnerisch.

Der Kaiser hat bestimmt, daß daS geltßentlich des 50jährigen Ehefubilüums von bedürftigen und würdigen Ehepaaren für Rechnung deS »allerhöchsten Dispo­sitionsfonds zahlbare Gnadengeschenk von regelmäßig 30 Mark für alle Iubelhochzeiteu, deren Jahrestag auf den 1. 2ipril 1905 oder spacker fällt, auf durchtoe'g 50 Mark erhöht toird. i

Die Kaiserin traf heute, am Todestage Kaiser Wilhelms I. zusammen htit dem Kron­prinzen vor oem Mausoleum im Schloßpark von Char- lottenburg ein. Dort hatte bereits fitrft vorher der Korre­spondenzsekretär des Kaisers Geh. Oberregierungsrat Mieß- ner am Sarge Kaiser Wilhelms I. Kränze niedergeleg*. Die Kaiserin verweilte mit dem Kronprinzen längere Zjeit in' stiller Andacht an dein Sarge.

Der jüngste preußische Baron ist der Hamburger Großkanfmanu Johann Rudolph Sckroeder, dem der erbliche Freiherrntitel verliehen to-ordeu ist.

In der heutk-gen Sitzung bc5 Bundesrates landen die Entwürfe eines Lotteriegesetzes und eines VerdingS- gefetzes für Elfaß-Lothriuge'n Muahme.

Krimiualkourmiffar v. Manteuffel erklärte dem Vor­sitzenden des Vereins der Cafetiers Deutschlands, daß das Berliner Polizeipräsidium noch wie vor das Pokern als 5)azardspiel ausehe und mit verschärften Strafen gegen die Lokalbesitzer vorgehen werde, die baS Poß?rspiel in ihren Räumlichkeiten dulden. ^Der Ruhstrat-Pr-ozeß könne die Ber­liner Kriminalpolizei nicht von dieser Auffassung über das Wesen deS Pokerns als Glückspiel abbriugen.

Schwerin, 9. März. Die Hochzeit des Kron­prinzen ist endgiltig den 6. I u n i in Aussicht genom­men nnd wird au diesem Tage in Berlin ftatlfinben.

Dresben, 9. März. Dr. Ocrtel erklärte in der heu­tigen Landesversammlung d e S Bundes der Landwirte, wenn die neuen 5)audelsvertrage den Land­wirten keine Besserung bringen, müsse man auf den Au- t r a a K a n i tz zurückkommen.

Leipzig, 9. März. Eine gut besuchte 23-ersammlnng, eiuberufeu vom iuuguationalliberaleu Verein, nahm nach dem Vortrag de§ Grafen .Hoeusbroech über die akade­mische Freiheit eine Resolution au, in der erklärt toird, bet dem entgegenkommenden Verhalten der p r e it ß i s ch e n R e g'i c r u u g g e g e n d a S Z e n t r u m fei cs die höchste Zeit zum W i d e r st a u b c.

usland.

Wien, 9. März. (Abgeordneten hau §.) Zu Ve- ginn der Sitzung beanttoortete Ministerpräsident Freiherr v. Gautsch die Interpellation Schönerer und Genossen bclr. die Jntervenliou der gemciusameu Regi-erung in Der An­gelegenheit der Aeus'.erung deö preußischen Finauzministers Frhrn. v. Rh ein b ab en über die Ru th eu e n fr a g e> iit Galizien und führte aus, daß die gcmcmsante Re- gieruug durch den österreich^uugarischeu Botschafter als zu­ständige Stelle in Berlin an maßgebender Stelle die er- toühwe Aeußerung zur Sprache gebracht habe und daß die darüber erteilten Aufklärungen vollkommen befriedi­gend gctoesen seien, toic denn mich die ganze Angelegen­heit in ä u ß e r st freundschaftlicher Weise erledigt toorden fei. Eine Mitteilung des Inhalts der Anfrage sowie b t Antwort müsse er, der Minister, sich versagen, da di» mit dem in solchen Fällen üblichen internationalen Brauc» nickit in Eingang steht.

Wasbington, 9. März. Im Auftrage de§ deut­

schen Kaisers überreichte der Botschafter Freiherr von! Sternburg dem Präsidenten Roosevelt die Prachtaus­gabe von S i m r o ck sNibelungenlied", welches in St. Louis die Bewunderung des Präsidenten erregte.

Aus Stadt und Sand.

Gießen, 10. März 1905.

** Das GroßherzogSpaar in Petersburg. ^W. T. 23/ meldet aus Petersburg vom 9. März: Bei der gestrigen Einkunft II. KK. HH. des O^roßherzogS und der Großherzogin von Hessen in ZarSkoje Sselo sand auf dem Bahnhof großer Empfang statt, zu dem der Kaiser, die Kaiserin, die Großfürsten und die Großfürstinnen, der deutsche Botschafter und Gemahlin, sowie alle Damen und Herren der Botschaft sich eingefunden hatten.

"'Personalien. S. K. H. der Großherzog haben den von S. Dnrcht. dein Fürsten zu Psenburg-Büdingen auf die evangelische Pfarrstelle zu Hain-Grl'mdau, Dekanat Büdingen, präsentierten Pfarrverwalter Ströher zu Büdingen für diese Stelle bestätigt. Uebertragen wurde dem Schullehrer Schmidt zu Elbenrod, im Kreise 2llsfeld, eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Bischofsheim, im Kreise Groß-Gerau. In den Ruhestand versetzt wurde der Weichensteller in der Hess. Preuß. Eisenbahngemeinschaft, Mattes zu Laubenheim a. Rhein.

** Versetzung. Postinspektor Olbricht wurde unter Beförderung zum Oberpostinspektor von Gießen nach Aachen versetzt.

"Folgende Anfrage haben die Abg. Adelung und David an die Regierung gerichtet:

Hat die Großh. Regierung Kenntnis davon, daß der Provinzial» ausfcbuß für Rheinhessen in Ueberschreitung der ihm durch Artikel 25 der Stadteorbnung gezogenen Kompetenz bestimmt hat, daß einer der bei der letzten Stadtverordneten mahl zu Mainz in der Minderheit gebliebenen Kandidaten in das Stadtverordnetenkollegium eintritt? Was gedenkt die Großb. Regierung zu tun, um die Ausführung btefe§ gesetz­widrigen Beschlusses zu verhindern?

Es handelt sich um die Angelegenheit des freireligiösen Predigers in Mainz.

**Maria Friedhammer^, da§ Drama von Heinrich Lilienfein, das am nächsten Dienstag, den 14. d. Mts. im Tbeaterverein gegeben wird, wurde zum ersten Male am Anfang dieses Winters vom Deutschen Theater in Berlin aufgeführt und ist seitdem über einen großen Teil der deutschen Bühnen gegangen. Das Drama behandelt das Thema der geniischt-konfessionellen Ehe. Die Buchausgabe erschien in dec Wiuterschcn UniversitätSbuchhandlung in Heidelberg und liegt jetzt schon in dritter Auflage vor. In der Titelrolle der 17jährigen Maria gastiert eine junge Künstlerin vom Mann­heimer Hoftheater, Frl. Lilly Donecker.

* Obdachlose. In letzter Zeit wurden wieder viel« fach von Obdachlosen die Neubauten und Gartenhäiiser als Schlasstätten ausgesucht und bei dieser Gelegenheit auch alles MitgehenSwerte gestohlen. So wurden auS einem Garten­hause hinter dem NahrungSberg alle Gartengeräte und Kleidungsstücke, aus einem Neubau im Steinweg eine Anzahl Bürsten und aus einem Neubau der Westanlage Eßwaren und Zigarren gestohlen.

* Die neue Nettungsleiter für die städtische Feuerwehr wurde gestern nachmittag um 4 Uhr auf Oswalds- garten in Gegenwart von Oberbgm. Meeuw, einiger weiterer Herren vom Stadtvorstand, Branddirektor Traber und anderen Interesienten ihrer Bestimmung übergeben. Die vorher am WieghauS vorgenommene Belastungsprobe mit ca. 5 Zentner Gewichisteinen, entsprechend dem Gervicht von drei wohl- auSgerüsteten Steigern, zeugt von der Tragfähigkeit der Leiter. Die Leiter, die einen vollständigen Löschzug darstellt, mißt, auSgezogen, 22 Meter und kann durch eine weitere kleinere Leiter noch tun 2 Meter verlängert werden. Sie liegt auf einem vierrädrigen Wagen, kann nach allen Richtungen gedreht und geneigt werden und wird vermöge dieser Eigenschaften hauptsächlich als Nettungsleiter benutzt werden können. DaS war auch der Hauptgrund, weshalb sie von der Stadt für 6000 Mk. augefchaflt wurde. Die gestrigen Prüfungen, wobei ein städt. Feuerwehrmann in dec Höhe der 22 Meter das aus der Wasierleitung gespeiste Strahlrohr in Tätigkeit setzte, ergaben, daß da§ neue, sehr leicht zu hand­habende Gerät vollkommen seinen Zweck erfüllen wird. Sie hält, wenn sie ausgezogen ist, sich in ihrer schwindelnden Höhe ohne Schwanken und steht dabei sicher und unbeweglich, da das Räderwerk gut gebremst werden kann. Ein Vor­gespann von zwei starken Pferden brachte das schwere, aber trotz der für die in doppeltem Sinnehohen" Zwecke um­fangreichen Vorrichtungen hübsche und elegante Gefährt im Trab nach seiner neuen Heimstätte, dem Turmhaus am Brand

** Hausfrauen-Verein. Man bittet uns folgen« des zu veröffeucktichen: Eine Mrzahl Frauen auS allen Kreisen der Bürgerschaft Gießens, die durch langjährig-e Er­fahrung Einblick haben in vorhandene Mißstände, be­schlossen. als Nebenzto^ig deS Vereins der Freundinnen^ 'Ünaer Mädchen, einen Hausfrauenv"rein zu gründen zur Hebung und Wahrung der beiderseitigen Jn'^eressen und, Bechte der HauShaftungen sowohl wie des weiblichen Per- .onols. Zu diesem Zwecke toird aml 1. April ein Stellen- v e r m i 11 l tt n g s b u r e a u eröffnet werden, welches allen weiblichen Swlle^fuchenden Vermittlung, MSkunst und Rat kostenlos gewährt. Die Betriebskosten sollen gedeckt wer­den durch Beiträge der VereinSmitglicder. Gegen eine jährliche Zahlung von 5 Mark für jede Haushalckung ist cs den Mitgliedern gestattet, die Stellenvermittlung mehr­mals im Jahre in Anspruch zu nehmen. Der 5)au§frauen- b er ein will sich bemühen, den Stellensuchenden die ihren Leistungen entsprechenden Plätze zu verschaffen. ES wirb auch auf Ersuchen deS aNgemeinen deutschen 5^>ausbeam- tinnenvercins und de§ Kaufmännischen Vereins für tvetb- llche Angestellte, die hiesige Stellenvermittlung den beidenj Vereinen anschließen. Lln die Geistlichen, Lehrer ilnd Bür­germeister in der Umgegend toird der Verein ein Rund^ schreiben richten mit der Bitte, alle toeiblichen Stellen- suchenden an die Stellenvermittlung zu vertocisen. ES ergeht nun die Bitte au alle Hausfrauen und GeschäftS- inhaber, ihren Beitritt in die nächster Tage erscheinenda Liste durch Einträgen ihrer Namen erklären zu wollen!..

* Evangel. Arbeiterverein. Der nächste Vortrag findet lt. Inserat übermorgen (Sonntag) statt. Oberstaats­anwalt Theobald wird über das neue bürgerliche Gesetzbuch sprechen. Zu den vorn eoangel, Arbeiterverein