Ausgabe 
12.1.1905 Zweites Blatt
 
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Hert und dafür einen Sah gesetzt, der der Staatanwaltschaft völlig freie Hand lassen sollte. Anher dieser Uebersehnng hat der General­konsul freilich noch zwei andere Ilebersevungen eingereicht, alle drei Weichen von einander ab, aber das hat die Behörde nicht stutzig ge­macht, sie bat sich einfach diejenige Ilebersetzung ausgesucht, die den Angeklagten am ungünstigsten war, und die sich schließlich als Fäl- schmig erwieS. Ja, gewiß, unsere Staatsanwaltschaft ist dieob­jektivste Behörde der Welt." (Sehr gut! links.)

Redner geht auf weitere Einzelheiten des Prozesses cin. Tcr flön^c Prozeß war nur ein Liebesdienst gegen Rußland. Unseren Behörden ist eine schallende Ohrfeige versetzt, sie haben Fußtritte erhalten und alles ruhig eingesteckt. (Sehr richtig! bei den Sozial­demokraten.) Es ist nicht einmal verlangt, daß der russische General­konsul zur Verantwortung gezogen wird. Und warum sind die Angeklagten in Haft behalten? Wegen Fluchtverdachts; man glaubte, sie würden über die russische Grenze gehen. (Schallendes Gelächter linS.l Dachte man wirklich im Ernst, sie würden sich m die Höhle deS Sötncn begeben? Mail würde so etwas nicht glauben, wenn e§ nicht schwarz auf weiß dastände. Durch die Presse aller Parteien ist ein Sturm der Entrüstung gegangen, nur nicht durch die der Konservativen, die ja stets ihre schützende Hand über die Regierung hält, wenn sie Rechtsbrüche gegen einen politischen Gegner begeht. (Unruhe rechts.) Sorgen wir dafür, daß ein neuer Geist in das Ministerium cinzieht uni) in da§ ReichskanzlerpalaiS, damit es unmöglich wird, daß sich Deutsch­land noch einmal vor dem Zaren in den Staub wirft. (Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.)

Abg. Bnrlage (Zentr.): Im allgemeinen sollten wir an der alten guten Sitte festhalten und uns in schwebende Prozesse nicht einmischen. Nachdem aber der Königsberger Prozeß so allgemein schon besprochen ist, dürfen wir nicht schweigen, denn das würde mißgedeutet werden. In der Tat gibt der Prozeß zu vielen Aus­stellungen Anlaß, zum mindesten hätte man doch einen unpar­teiischen Ueberseher heranziehen müssen. Die Vorschriften der Strafprozeßordnung scheinen nicht beobachtet zu sein; bätte eine eingehende Voruntersuchung stattgefunden, so wäre es wahrscheinlich garnicht zur Eröffnung des Hauptverfahrens gekommen, denn daun hätte sich gezeigt, daß die Gegenseitigkeit nicht verbürgt ist. Der Ziffer 1 der Resolution können meine Freunde zustimmen. Auch gegen die Ziffer 2 haben wir nichts einzuwenden. Gegen die Ziffer 3 besteht da° Bedenken, daß man die alten Verträge nicht ohne weiteres kündigen kann; aber dies Bedenken schwindet, da Ziffer 3 mit Ziffer 2 in Verbindung steht und nur mit dieser zugleich angenommen werden soll. Wir werden also für die ganze Resolution stimmen.

Abg. Himburg (kons.): Der Ziffer 1 der Resolution können wir nicht zustimmen. Bei Gelegerlbeitsgesetzen ist große Vorsicht am Platze. Wir erkennen an, daß Aenderungen nötig sind, aber sie sind nicht so dringend, daß man nicht damit bis zur Reform deS Strafgesetzbuches lvarten könnte. Das Gesetz hat seit Jahren be­standen,^ ohne daß Schwierigkeiten entstauben sind. Tie Forderung der Ziffer 2 erkennen wir als berechtigt an. Wir werden ihr zu­stimmen. Dagegen können wir für Ziffer 3 nicht stimmen, da, wenn man die Verträge kündigt, ohne neue zu haben, ein Vacuum entsteht, das noch schlimmer ist als die jetzige Rechtsungleichheit.

.Abg. Bernstein (Szd.) bringt den Fall der Russin Janina Berson zur Sprache. Dieser Fall beweist, daß die Ausländer bei uns ganz von der Willkür der Polizei abhängen. Das ist in kei­nem.anderen Kulturstaate der Fall. Der Zustand, wie er bei uns herrscht, ist unlvürdig, wir sollten ein Gesetz zum Schutz der Aus­länder gegen Willkür schaffen. Einen cutsprcchcnben Antrag be­halten wir uns bei der weiteren Beratung des Etats des Reichs­

justizamts vor. Für die Resolution werden wir vorläufig ftinr- men, eventuell behalten wir uns für spater Abanderungsantrage vor Ter Rechtlosigkeit der Ausländer m Deutschland muß ein

Ende gemacht werden. _ m

Staatssekretär Dr. Rieberding: Der Herr Abg. Bernstein stellt eine Resolution in Aussicht, die die Rechte der Ausländer m Deutschland sichern soll. Er hat erklärt, er wolle diese Resolution einbringen bei der weiteren Beratung deS Etats deS Reichviustiz- amtS. Ich möchte darauf aiifmerksam machen, daß daS Reicl^- justizamt mit der Fremdenpolizei überhaupt nichts zu tun har. L>? gehört dies zum Ressort des Reichsamts deS Innern Wünschen die Herren also eine Aenderung des Fremdenrechts, so mögen sie ihre Wünsche bei der Beratung des Etats des Innern Vorbringen.

Abg. Lenzmann (Fr. Vp.): Wir üben nicht Kritik an dem Königsberger Urteil sondern an den Rechtswidirigkeiten bei der Ein­leitung des Verfahrens. Der Justizminister kannte nicht blos die gefälschte Ilebersetzung, fonbern auch die richtige. Ilmso bemerken^- werter ist eS, daß gleichwohl die ad hoc contra legem vorbereitete Ilebersetzung in diesem Prozeß eine Rolle spielen konnte. Ich > jetzt nicht mehr ausführlich auf die Sache emgebcu. Ich mochte nur hervorheben, in welcher Weise bei dieser Gelegenheit bic Re­gierung dem Reichstage gegenüber ihre Verachtung gezeigt haben, indem weder der Reichskanzler noch der preußpchc JilstiziNMister hier erschienen sind, obgleich beide ivußten, daß der Königsberger Prozeß beute hier zur Sprache kommen wurde. Der preußische Justizminister hütet sich hierher zu kommen, lucif er genau weiß, daß seine Reden hier iiicht die Resonanz finden wie im Abgeorr- netenhause. (Zustimmung links.) Aber der Reichskanzler hatte gewiß alleii Anlaß zum Erscheinen gehabt, wenn Angriffe erhoben werden, die in der Forderung gipfeln: Fort nut der ^leDebiencrci gegen einen (Staat, der in der Reihe der Kulturstaatenl geführt zu werben, eigentlich nicht mehr verdient. (Lebhafte Zustimmung links.)

Staatssekretär Dr. Niebcrdmg: Ich muß entschieden Ver­wahrung einlegen dagegen, daß in dieser Weise von einem Staate hier gesprochen wird, mit dem wir durch wichtige internationale Interessen verknüpft sind. (Lachen links.) Tie deutsche Negierung verwahrt sich dagegen, daß in dieser verletzenden Form gegen einen befreundeten Staat gesprochen wird. Was würden Sic dazu sagen, wenn in einer solchen Form in einem Parlament des Auslandes gesprochen würde. (Zuruf bei den Sozialdemokraten: Im russischen Parlament!) Ganz Deutschland würde sich dagegen erheben. Herr Lenzmann hat nun bedauert, daß der Reichskanzler abwesend sei. Der Reichskanzler hat das verfassungsmäßige Recht, sich durch den Staatssekretär vertreten zu lasten, und jeder von Ihnen wird an­erkennen müssen, daß es dem Reichskanzler bei dem Umfang seiner Geschäfte unmöglich ist, hier jeder Verhandlung beizuwohnen. Sie müssen also schon mit seinem Vertreter vorlieb nehmen, auch wenn Herr Lenzmann ihn für ungeeignet hält. (Heiterkeit.) Was den preußischen Justizminister betrifft, so ist es daS Recht jedes Be­vollmächtigten, zum Bundesrat zu erscheinen ober nicht (Lachen links), und kein Abgeordneter ist in der Lage, ihn zum Erscheinen zu nötigen. Ter preußische Justizminister hat im Abgeordneten­hause ausführlich dargelegt, wie der Sachverhalt in dem Königs­berger Prozeß (Zuruf bei den Sozialdemokraten:nicht ist!") ist, und seinen Standpunkt verteidigt. Er ist nicht verpftichtet, das hier vor dem Reichstage nochmals zu tun. Wenn Herr Lenzmann sagt, das Urteil im Königsberger Prozeß sei ergangen auf dem Boden der Rechtsverletzung, so muß ich gegen diese Verunglimpfung eines deutschen Gerichtshofes entschieden Verwahrung einlegen. Solange das Verfahren sich im ordnungsmäßigen Gange der Ver­handlungen befindet, solange der höchste Gerichtshof nicht in letzter

Instanz maßgebend für Sie und alle entschieden hat, ist keiner in der Lage, zu erklären, daß eine Rechtsverletzung vorliegt. DaS ist eine Art und Weise, mit deutschen Gerichten umzugehen, die keinesfalls gebilligt werden kann. (Lachen links. Beifall rechts ) ^amit ist die Debatte über die Resolution erledigt.

Die Abstimmung wird zur dritten Lesuiig abgesetzt.

Nunmehr findet die allgemeine Debatte über den Titel Staatssekretär" statt.

Abg. Erzfcrger (Ztr.) wünscht Regelung der Automobllfrage Eine io einfache Materie sollte doch nicht so viel Zeit in Anspruch nehmen. Sollte es hier wirklich für den Reichstag heißen:

Immer langsam voran,

Daß der hohe Vundesrat auch Nachfolgen kann?

Der Bundesrat sollte hier doch ein wenig sich auf das Autcc mobil setzen Ferner sollte er auch endlich an den Schutz der Bau­handwerker denken. Redner verlangt des weitern eine Aenderung unseres Strafvellzugs. Er stellt die Behandlung oppositioneller Re­dakteure der Behandlung Hüsfeners gegenüber, der ans der Festung Ehrenbreitstein ftbelt zeche. Die Aufklärung, welche die Regierung jetzt auf das bekannte Bild (Hnssener nebst 2 anderen Festungs­gefangenen und vielen Weinflaschen) gegeben, sei gänzlich unzu­reichend. Es sei darob im Volke eine tiefe Erregung vorhanden. Redner bekla.st sich auch über die Konkurrenz, die die Gefängnis­arbeit dem Handwerk mache. Sie müsse unbedingt eingeschränkt werden. Wie komme es denn überhaupt, daß die vom Reichstag so oft verlangte Statistik über die Gefängnis- und Zuchthaus­arbeit immer noch nicht dem Hause vorgelegt sei? Das sei doch ein Zeichen der Nichtachtung dem Reichstag gegenüber. Er beantragt eine Resolution auf alljährliche Vorlegung einer solchen Statistik und bittet um möglichst einhellige Zustimmung.

Staatsse^etär Dr. Rieberding: Der Vorredner hat von bei Nichtachtung des Reichstags seitens des Bundesrats gesprochen, weil dieser eine Resolution des Reichstags nicht acceptiert hat. Ich möchte Sie doch birten, sich dieser Empfindung nicht anzuschließen, der Bundesrat har die Resolution ebenso sorgfältig und sachgemäß zu prüfen wie der Reichstag, und er hat nach sachgemäßem Empfinden zu entscheiden.

Der Vorredner hat ferner nach dem Stande der Automobil» ftage gefragt. Ich habe seinerzeit schon erklärt, daß das Reichs- justizamt nicht in der Lage ist, in dieser Sache die Initiative zu ergreifen, sondern daß das bei der preußischen Regierung liegt. Diese hat auch bereits Ermittelungen angestellt, und man hat den Vorschlag gemacht, eine Zwangsgenossenschaft aller Automobil­besitzer für das Deutsche Reich zu errichten, die gemeinschaftlich für alle Unfälle aufzukommen hätte. Ob der Vorschlag acceptiert werden wird, darüber kann ich aber zur Zeit noch nichts sagen.

Der Vorredner hat ferner den Fall Hüssener in den Kreis seiner Betrachtungen gezogen. Ich muß ihm erwidern: dieser Fall gehört garnicht vor das Reichsjustizamt. Für die Behandlung Hüsseners ist der Kommandant der Festung, also die Militärverwal­tung verantwortlich. Ich stelle es dem Vorredner anheim, bei der Beratung des Militäretats auf diese Angelegenheit zurück­zukommen.

Mit stattsttschen Erhebungen über die Zuchthaus- und Ge» fängnisarbeit sind wir beschäftigt, ich weiß aber nicht, ob wir in der Lage sein werden, sie alljährlich vorzunehmen.

Das Haus vertagt sich.

Nächste Sitzung: Donnerstag 1 Uhr: Fortsetzung der zweiten Etatsberatung.

Schluß 5Vj Uhr.

Gießener Theaternerem.

Medea.

.Trauerspiel in 5 Aufzügen von Franz Grillparzer.

Anr Mittwoch sahen wir eine sehr talentvolle junge Künstlerin in einer der bedeutendsten Frauen-Rollen, die die deutsche Bühne kennt, sahen wir Frl. Riza Bajor aus Mannheim als Medea in Grillparzers gleichnamiger Tragödie. Sie war es, die endlich einmal ein Werk des größten österreichischen Dramatikers auf unsere Bühne brachte, und schon um dieses hochschätzbaren Verdienstes willen gebührt ihr der uneingeschränkte Tank des Gießener Theaterpublikums.

In der Medea wuchtet die ganze, zumeist im Tiefsten ver­borgen ^gehaltene leidenschaftliche Jnnenkrast des lange ver­kannten stillen und verschlossenen Wiener Poeten, die, wenn auch nicht ganz ohne Gewaltsamkeiten, doch durch echteste Tragik ersu)üttert. Ter wahre große Dichter bekunde: sich in ihr mehr noch als fti den meftten anderen seiner schönen Werke, m ihr schuf er eine mit wahrhafter Erhabenheit empfundene Gestalt, in sie legte er die ganze Tiese seines Gefühls. Ins Innerste der alten griechischen Argonauten- sage hat er sich versenkt und so erwuchs ihn: eine Medea großzügiger als die des Euripides und gewaltiger als sie je ein anderer Künstler geschaffen hat. Die Darstellung der Liebe in übermenschlichen: Ausflamnuen, des Hasses und der Rache :n Grillparzers Medea braucht sich nicht zu scheuen vor einem Vergleiche mit der gewaltigen Größe dreier Leidenschaften in der deutschen Nibelungen sage.

^re bekannteste Medea , der deutschen Bühne ist wohl T1 ^iarn Z^gler. Siefe Münchenerin war es eigent- lrch, dre das Grrllparzersche Drama für die deutsche Bühne gewann. Uni er den heutigen Heroinen ist wohl Agathe Barfescu nächst der Ziegler die bedeutendste Medea. Sie beide geben die Rolle etwa in dem Stile der von Goethe und Scl)iller begründeten Weimarer Schule, die in den Ueoerlreserungen des Wiener Burgtheaters bis nahe zur jüngsten Zeit fortliebte. Sie geben sie, wie Sofie Schröder IC_ ber der ersten Ausführung rm Frühjahr 1821, den Ueber- lreferungen zufolge, gespielt haben mag.

Clara Ziegler hat auch unserem gestrigen Mannheimer Gaste offensichtlich als Vorbild gedient. Frl. Bajor ist nicht so hoch gewachsen wie die Ziegler, auch nicht von so breit ausladender Figur wie die Barseseu. Im Gegenteil, sie ist eine saft zierlich zu nennende junge Dame, die rechte Mühe hat, ihre durchaus nicht barbarische Mädchenhaftigkeit als die Furcht und Entsetzen verbreitende Kolchierm zu verbergen und rauhe Wildheit an deren Stelle zu setzen. Ihr Organ ist recht ausgiebig, und es hielt trotz der vielen elementaren Kraftausbrüche bis etwa gegen die Wtttte der Vorstellung Stand, dann aber ermattete es und klang manchmal miß- töniger, kolchischer, barbarischer, als die Darstellerin wohl beabsichtigte. Ueberhaupt verlieh sie ihrer Stimme durch fast ständige Anstrengung des Kehlkopfes eine ihr gewiß für ge­wöhnlich nicht eigene Dumpfheit und Hohlheit. Hm und wieder aber klangdann ungewollt ein natürlicher Klein- mädchenlau: dazwischen. Die gesangreiche Art der Dekla­mation, die man bei der Ziegler bewundert hat, ist, seitdem der Realismus auf der Bühne herrscht, in Verruf gekommen, man muß ihn aber bei Grillparzer gelten lassen, und es ist ein absuroer Einfall der Rosa Poppe, die Ätedea veristisch darzustellen. Zedenfalls hat gestern Fräulein Bajor den

Gießenern imponiert. So wenig nervös diese junge Künstlerin ist, so besonnen imb maßvoll ist sie. Wenn sie für das mythische Heldenweib auch nicht die heroische Monumentalität der Feuerbachschen Medea besitzt, so bringt ie doch die große Gebärde der Titanide mit, und wenn sie im wirbelnden schwarzen Gewände mit schwarzeni wallen­dem Haare über die Bühne schreitet, oder wenn der rote Schleier der barbarischen Magierin sie wild umweht, dann erscheint sie uns in der schönen Ruhe ihrer Bewegungen wie eine antike Schlcksalsgöttin und das ganze Haus ist in ihrer Gewalt. Der Wut und der Verzweiflung, der inbrünstigen, demütigen Liebe und dem düster sinnenden Rachedurst gibt ie ohne Pose wuchtigen Ausdruck. In der klar gegliederten Rede ist sie meist voll überzeugend, mir selten klingt mit dem Laute auch der Redefluß gemacht, unwahr, und wo ich das Empfinden der Gewaltigen in Schmerz und Klage löst, da steigt der Ton weich und tränensatt aus ihrer Brust. In der gebrochenen Wehklage eines todesmüden Herzens ist ihre noch nicht vollkommene Redekunst am eindrucksvollsten. Man versteht diese Medea, ihre dämonische Tat, lind der Gesammteindruck dieser stark wirkenden Darstellung bleibt immer doch die selbstbewußte Größe, die stolze, siegende und rotz aller schweren seelischen Niederlagen doch zum Schlüsse in höchster Tragik obsiegende Menschengröße, die Grill­parzer in seiner Medea zu verkörpern getrachtet hat. Frl. Bajor erzielte durch ihre erschütternde Darstellung starken Beifall. Sie hat uns einen Festabend der Kunst bereitet und wird uns stets ein von uns besonders geehrter Gast ein. Sie wird reifen uud nach ein paar Jahren inneren Wuchses gewiß noch viel von sich reden machen.

Die übrige Darstellung nahm sich nicht wie eine flüchtige Improvisation, wie das z. B. beim letzten Triesch- abend den Anschein hatte, sondern recht anständig aus. Als Männer und Mädchen bezwingender Argonautenheld stand Herr Sandorf sehr wacker seinen Mann, wenn auch seinem ernsten, etwas schwerflüssigen Wesen das gleisnerisch Bestechende, der Schmelz der Jasonnatur gebricht, wenn er auch die Worte, die ihm der Dichter in den Mund legt, in seiner geraden Art ohne Falsch selbst dann zu sehr als bare Münze nahm, wenn sie dem liebenden Weibe Freundlichkeit, Milde und Wohlwollen heucheln. 2)?it dem bekannten, nie versagenden Eifer nahm sich Herr Linzen der nicht sonderlich dankbaren Figur des zwar nicht unedlen, aber in seiner griechischen Be­fangenheit die Bigamie protegierenden Königs an, nicht ohne in Rttene, Geberde und Sprache mehr zu posieren, als ge­rade von nöten gewesen wäre. Die Kreusa fand in Fräulein Dülfer eine fleißige und eifrige, nur kostümell nicht beson­ders glückliche Darstellung. Frl. Gartner war, wenn auch eine monotone, so doch nicht gänzlich unwirksame Darstellerin der Gora. Ehrenvoll behauptete sich Herr de Georgi als Herold der Amphiktyonen. Die beiden Kinder hätten, weniger abgerichtet als belehrt, besser gewirkt. p, yy

w T Uetzer den Dort.rnunder Stadttheaterb au von Pros. Martrn Dulser in^Münchcn, der bekanntlich die Aste, nicht louderlich glückliche ^fi^c zu unserem Gießener Theater- und Sa al bau geliefert hat, finden wir in drei Fachzeuschriften längere Artikel; in dem vom preuß. Ministerium der onentlichen Aroeuen herausgegebeneiiZentralblatt der Ban- verwattung , ut denModernen Banformen, Monatsheften sür Archuettnr und in her.Hohen Warte, illustrierten äatbnronats-

sck'rift für die künstlerischen, geistigen unb wirtschaftlichen Inter­essen der städtischen Kultur." Alle drei Aufsätze sind reich illn- ftriert, am eindrucksvollsten, weil zuin Teil koloriert, der im denModernen Bauformen". Alle drei rühmen das Dortmunder Werk Dülfers sehr. Es wird vornehmlich die von antikem Geiste getragene ernste Großzügigkeit des Baues anerkannt, die sich zu einer neuen und nur Dülfer eigenen Formenwelt durchgerungen habe. Bei der Ausgestaltung der Sckianseiten des Dortmunder Theaters schwebte dem Minstter nach seinen Aufzeichnungen fol­gender Gedankengang vor:

Ein Theater hat im wesentlichen nur in den Wendstunden seinen Zweck zu erfüllen; es muß daher eine Formgebung erhalten, die von den Gepflogenhetten, wie sie uns traditionell aus den architektonischen Musterwerken für Paläste oder ähn­liche Prunlbauten geläufig sind, sich entfernt. Oessnungen zum Einlaß deS Tageslickstes sind deshalb nur so lveit als erforder­lich anzuovdncn. Gerade daß Ataghalteu in den Licküöffnungen bietet die Aivglichkeit, große Mauerflächen zu bilden, die nicht unwesentlich zu einer monumentalen Wirkung des Ganzen bei­tragen."

Alan wird nichts wesentliches dagegen einwenden können, wenn man sich auch sagen muß, daß ein monumentaler Bau durch allzu karge Ausstattung mit Fenstern schließlich etwas Monotones er­halten muß, das sich durch ornamentalen Schmuck nicht ganz wird beseitigen lassen. Das Meraner Stadttheater, gleichfalls ein Werk Dülfers, das von uns an dieser Stelle wiederholt als mnsterlmft für den modernen Theaterbau bezeichnet worden ist, imponiert anch nur durch seine originellen antikisierenden und doch durchaus neuen Formen, sondern auch durch die ge­schmackvolle und zugleich diskrete, unaufdringliche Gliederung und die kluge Verteilung der vielen Fenster. Tie langen und schmalen Fünfter des Dortmunder Baues scheinen uns, wenn sie auch zweck­entsprechend sein mögen, nicht dazu beizutragen, das; die 5)aupt- sassade einen reizvollen Anblick gewährt. Tie Tülfersche Skizze für einen Gießener Theater- und Saalbau zeigte, wie man sich erinnern lvird, ein kleines schmales F-rontantlitz, das in ferner Eigenart bis auf die arg gedrückte Zufahritsrampe, ganz 'ge­fällig war, lvährend die kolossalen Mauerflächen die sich auf- dringlich angliederten, ungewöhnliche Plumpheit besaßen immer­hin meinen wir, daß ivir in Gießen für die Ausführung eines monumeiitalen Theater- und Saalbaus den Broi Dülfer in München iNi Auge behalten sollten. 1

Böck lins Kindergestalten wer hätte nickst

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Heft Nicht sonst noch alles' siian* hrm, r toas5 barten, ohne dre Eier zu zerschlaam" M r kernen ^sannkuchen Konr. Lange eine klärende ffiürhirti'mr. sn bic]cix Worten leitet Das Motto spielt fdimlmft quM® Pankoks ein.

an aber eS leitet auch efc ernftw ^«deutschem Namen -Geschmack" derjenigen itrerie DM^^ Erwägungen über den genug leitend sind Da Parrtok ein; b,c /»der hansrg

Künstler des jungen Deutschland ^E?^ebe gab testen,

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den maßgebenden Kreisen rerbneu bon allen, die sich zu Doch wer nicht lesen man ter u,lb beherzigt würde,

der kostbaren Möbel Pan^ols .mieden b,c Abbildungen

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