Kunst und Wissenschaft.
— Die Petersburger Akademie der Wissen- sch asten wählte in feierlicher Sitzung den ständigen Sekretär der kgl. Akademie der Wissenschaften in Berlin Geh. Oberregierungsrat Prof. Dr. A u w e r s zum Ehrenmitgliede und die Professoren Dr. Bartholomae an der Universität) Gießen und Geh. Medizinalrat Dr. Stieda in Königsberg zu korrespondierenden Mitgliedern.
— Zu den Umbauten der königl. Theater in Berlin wird im Etat von 1905 bemerkt: Die Kosten des Umbaues des königl. Schauspiel Hauses werden auf 1 850 000 Mk. veranschlagt, der Anteil der Krone auf 585 000 Mk. Die Kosten der Bauten eint Königlichen Opernhaus betragen 140 448 Mk., die der Staat zu tragen hat.
*• Die Tage der He.srich - Thüringischen Staatslotterie dürfen gezählt sein. Seit Preußen durch scharfe Strafandrohungen das Spiel in auswärtigen Lotterien zu einem so großen Risiko machte, ist unserer Staatslotterie manch« Einnahme entgangen. Die Geneigtheit, mit Preußen einen Lotterievertrag einzugehen, ist dadurch gewachsen und es haben in dieser Angelegenheit vor einigen Tagen in Kassel Verhandlungen stattgefunden.
** 25jährige§ Dienstjubiläum. Am 18. d. M. wird der in weiten Kreisen geschätzte Großh. Verwalter der neuen Kliniken, Herr Keller, fern 25jährige§ Dienstjubiläum begehen. Vom 18. Januar 1880 an zum Verwalter des medizinischen Hospitals bestellt, wurde Herrn Keller nach Fertigstellung der hiesigen neuen Kliniken vom November 1890 an die Verwaltung dieser Kliniken übertragen. Während der 25 Jahre, die er im Dienste der Landesuniversität arbeitete, hat Herr Keller es im reichsten Maße verstanden, durch sein umsichtiges Wirken und sein liebenswürdiges Wesen sich Hochachtung und Beliebtheit zu erwerben.
•* Studentenulk in Marburg. Ende vorigen Monats nahmen bekanntlich, so wird uns aus Marburg berichtet, Mitglieder des Studentenkorps „Teutonia" Veranlassung, den Magistrat durch eine ulkhafte Demonstration daran zu erinnern, daß der fehlende Bär auf dem Bärenbrunnen an der Barfüßerstraße durch einen neuen ersetzt werden müsse; am anderen Tage gab der Magistrat bereits die Bestellung auf. Gestern, am 11. d. M., wurden wieder Extrablätter mit folgendem Inhalt verteilt: »Der Block, aus dem der neue Bär gemacht wird, geht heute mit Musik durch die Stadt, 18 Sieben-Raben mit Pauke, Husch!" (Mit der Bezeichnung Sieben-Raben meint man sicher die städtische Kapelle.) Punkt 5 Uhr bewegte sich dann auch vom zoologischen Institut aus mit Musik voran ein origineller Studentenzug in die dicht mit Menschen besetzte Barfüßerstraße. Auf einem mit vier Pferden bespannten Wagen lag ein riesiger Sandstein und auf einem mächtigen Plakat stand zu lesen- „Dies giebt der Bär!" Am Bärenbrunnen machte der Zug Halt, ein Student sprang auf den Stein und hielt etwa folgende Rede: „Bürger, Kanadier! Ich rufe Euch zwei Worte zu, nämlich: Gewitter (ein Lokalausdruck) und der mohlweise Magistrat! Unseren bescheidenen Scherz hat der wohlweise Magistrat gewürdigt und den Bären bestellt, der in diesem Steinblock schlummert!" Der wohlweise Magistrat Marburgs lebe deshalb dreimal hoch!" Dank der kräftigen Beihilfe des Publikums bekam nun der Marburger Magistrat für seine Bärenbestellung eine noch nie dagewesene Ovation. Dann brachten die Studenten den Stein in die Pfaffrath'sche Bildhauerei in der Ockershäuser Allee.
)( Allendorf a. d. Lda.. 10. Jan. Kürzlich sind hier zwei Steinbrüche neu in Angriff genommen worden. Der eine, welcher sich am Bergrücken nördlich des Lumdatales befindet, verspricht, wie nach bereits bloßgelegten Felsen und auf den Lagerplatz gebrachten, zmn Behauen geeigneten sehr großen Steinen zu schließen ist, eine reiche Ausbeute an für Bauzwecke so wertvollem Lung st ein. Den Betrieb hat Bauunternehmer Winn-Gießen auf Grund eines 10jährigen Pachtvertrages zwischen ihm und der Gemeinde Allendorf energisch begonnen. Der zweite Steinbruck eint Ziegenberg in der Nähe der Bahnstation Allendorf liefet sehr schöne Pflastersteine und wird durch einen Grünberger Unternehmer, welcher mit der Gemeinde ebenfalls einen Pachtvertrag abgeschloffen und auch einige Grundstücke von Privateigentümern angekauft hat, betrieben. Die nahe Arbeitsgelegenheit ist-für unsere Gemeinde sehr erwünscht.
Butzbach, 11. Jan. Ein schwerer Unglucksfall, der den Tod eines Menschen zur Folge hatte, ereignete sich gestern hier. Herr Gilbert Guntrum von Oberhörgern war mit seinem Knechte Wilh. Fischer gestern hier, um seine beiden dreijährigen Fohlen beschlagen zu lassen. Das eine der Fohlen war besonders unbändig und traf beim Ausschlagen den Knecht am Kopse. Eine schwere Schädelverletzung machte nach den sofortigen ärztlichen Hilfeleistungen seine Verbringung in da8 Niederweiseler Hospital notwendig, wo er heute nacht verstorben ist. Ein Verschulden trifft niemand. Fischer war bei seinem jetzigen Herrn schon im fünften Jahre in Diensten und gilt als ein äußerst treuer Arbeiter. Er stammt von Muschenheim, ist 39 Jahre al und hinterläßt eine Witwe mit 4 Kindern.
Aus Stadt und Land.
Gießen, 12. Januar 1905.
** Schul-Personalien. Uebertragen wurde am f. Januar d. I. dem Schullehrer Dörmer zu Reichlos, int Kreise Lauterbach, die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Wernges, in demselben Kreise, dem Schulamtsaspiranten Silß aus Laubach, int Kreise Schotten, die Lehrerstelle an
Weisse Hände SÄU Myrrholinglycerin. vr.
Aerichtssaak.
Ein rü cksichtslvser Aut o mo bilfa hr er. DieStraf- kammer bestätigte am 10. b. M., wie wir schon kurK berichteten, in der Berufungsinstanz ein Urteil des Großb. Schöffengerichts Butzbach, das bei triften wahren Freunden des Automobilsports nur Genugtuung Hervorrufen kann. An geklagt war der Direktor der Autrwwbilvereinigung in Frankfurt a.M. CurtvonAllen- dorf, der sich einer Uedertretnng der in Hessen geltenden Ver- ordnung betr. Fahrräder und Automobile durch 'übermäßig. rasches Fahren und Außerachtlafftmg der durch die Umstände jeweilig gebotenen Vorsicht zu schulden batte kommen lassen. Dem schoffen- geri^lichen Urteile, das den bisher unbestraften Angeklagten zu der gesetzlich zulässigen Höchststrafe — einer Haftstrafe von 14 Tagen — verurteilte, lag chlgender Sachverhalt zu gründe. An einem Augusttage vorigen Jahres machte die Schwägerin _ des Fabrikanten P. in Butzbach in Begleitung eines Reitburschen einen Spazierritt, von dem sie ihr Schwager itnt Vs7 Uhr abends zurückerwartete. Da die Dame nicht rechtzeitig zuruckkchrte, begab sich Herr P. vor sein Hoftor, von wo er die Straße nach Nieder- Weisel, auf der seine Schwägerin zurückkehren wollte, überblicken konnte. Während er hier in rasendem Tempo — einer Geschwindigkeit von ca. 70 Kilometern, wie festgestellt wurde — ein Automobil mit vier Insassen der Stadt Butzbach sich nähern sah, bog ahnungslos seine Schwägerin imb der Neitbunche von einem Seitenwege kommend in die Chauffee ein. Herr P. winkte sofort den AiUvmobilisten, langsam zu fahren, imb rief feiner Schwägerin zu, in den Seitenweg zurückzureiten, doch vermoaste die Reiterin das infolge des herannabenden Getöses des Kraftwagens unruhig gewordene Pferd nicht mehr herumzubringeu und sah sich gezwungen, um nicht von dem immer naherkomutenden Atttonrobil überall zu werden, in Karriere die ea. 100 Meter weite Strecke nach Butzbach zurückzulegen. Kaum batte sie glücklich den Hof der Fabrik erreicht, als auch schon daS Automobil berannahte. Herr P., über das rücksichtslos schnelle Fahren der Herren empört, eilte dem auf der rechten Seite der Cyauffee heranfahrenden Wagen ans der linken Seite der Straße emige Schritte entgegen, um ein Anhalten zwecks Feststellung der Persönlichkeit zu veranlassen. Kaum hatte er ein „Halt" zugerufen, als auch der Führer des Automobils — der Angeklagte den noch immer rasch lausenden Wagen in fast rechtem Wmke! nach der linken Seite der Chauffee direkt auf Herrn P. zulaufen ließ, sodaß dieser sich Nur durch einen Seitensprung vor dem Ueberfahrenwerden retten konnte. Der Angeklagte will, als er die Reiter in einer Entfernung von ca. 400 Meter vor nch erblickte, die Geschwindigkeit des Autos derart reduziert haben, daß der Wagen zum Schlüsse nur noch 15 Kilometer gelaufen fei und an der Stelle, art der Herr P. sich befiinden, gendttgt gewesen sein, die linke Seite der Straße zu gewinnen, um eine Kurve nehmen zu können. Die Strafkammer kam mit dem Gericht erster Instanz zu der Ansicht, daß der Angeklagte zwar, als er die Reiter erblickte, die Geschwindigkeit etwas minderte, aber immerhin noch so rasch fuhr, daß er die ca. 400 Meter vor ihm Karrrere reitenden Reiter auf der kurzen Strecke von ca. 100 Meter, btt die Reiter bis Butzback' zurückzulegen hatten, fast einholte: auch hielt das Gericht erwiesen, daß der Angeklagte mit einer größeren Geschwindigkeit als 15 Kilometer, wie der Angeklagte angab, olme durch irgend welche Umstände hierdurch veranlaßt zu fetn. direkt auf Fabrikant P. losfuhr, und ihn hierdurch vorsätzlich in eine schwere LelxnSgefahr beichte. DaS ganze Verhalten des Wrgeklagten sowohl den Reitern als auch l>em Fabrikanten P. gegenüber sei ein überaus rücksichtsloses, frivoles und leicküfertiges gewesen, das unbedingt mit der ganzen Strenge deö Gesetzes ge- ahndet Vierden müffe. __
Kandel und Verkette. Volkswirtschaft.
3 p r o z. Großh. Hessische S^t a a t s a n l et b e von 1905. Die von der Königl. Preußischen Seehandlunq (StaaMmiM der Bank sür Handel und Industrie (Darmstädter Bank) n. a< übernominenen 24 Mill. Mk. 3 proz. Hessische Staatsanleihe gelangt am 17. Januar zu einem Kurse von 8 7,5 0°/. zur öffentlichen Zeichnung. Die hiesige Niederlaffttng der Darmstädter Bank versendet heute die Prospekte und nimmt im Auftrage ihrer Centrale Zeichnungen entgegen, Wir bemerken, daß der Kurs ein sehr billiget* genannt werden kann, stehen doch die Anleihen des Reiches unk der meisten anderen Bundesstaaten auf 90%. Die neue 8 proz. Hessiche Anleihe erbringt eine Verzinsung von reichlich 3 ../« uito bietet daneben den Vorteil einer Kapitalvermehrmig bet höher gehenden Kursen.
Mlitische Tagesschau.
Die angelsächsischen Karten.
Ein Blick in die angelsächsischen Karten ist dieser Tage -erstattet worden durch die Bemerkung eines Newyorker gelben Blattes, es nahe jetzt die Zeit, in der den Deutschen in Kiautschau der St uhl vor die Tür gesetzt werden müsse. Mit anderen Worten: infolge der japanischen Seesiege ist Rußland aus der Reihe der Pacificmächte uusjgeschaltet, und sein politischer Freund Deutschland muß baldmöglichst ebenfalls in der Ver s en kuing verschwinden, damit die berufenen Herren der Weltmeere, die Angelsachsen die uw- bestreitbare Uebermacht auch auf dem Stillen Ozean erlangen. Japan wird offenbar nicht als Störenfried betrachtet, da es einmal mit England verbündet, dann aber nicht stark genug ist, um gegen die vereinigten Angelsachsen aufzukommen. So ungefähr sieht die Skizze aus, wie sie die Jingos jenseits des Kanals und des Atlantic sich erdacht haben. Diese Kombination lediglich als Ausgeburt einer überhitzten Phantasie zu bewerten, hieße sie unterschätzen. In der Sache liegt System. Man braucht nur der Samvw- konflikte zu gedenken, nm sich, erneut bewußt zu werden, daß die terirtoriale Festsetzung Deutschlands im Bereich des Pacific seitens der beiden englisch sprechenden Rationen' mchts weniger als wohlwollend betrachtet wird. Welchem anderen Zweck als dem der maritimen Ueberlegenheit im Stillen Ozcan kann das Bestreben der Washingtoner Regierung gelten, sich die stärkste Marine b er Welt anzuschaffen? Diese Verschiebung der politischen Einflußsphären dürste sich zwar langsamer vollziehen, als von den angelsächsischen Heißspornen gewünscht wird. Man arbeitet aber unablässig darauf hin, und es ist, wenn nicht unvorhergesehene Ereignisse eintreten, sehr wohl möglich, daß Deutschland die Folgen der Zertrümmerung derrussischenSeemachtstellungimfernen Osten mitverspüren wird.
der Gemeindeschule zu Eichelhain im Kreise Lauterbach.
** Elisabeth-Kleinkinderschule. Die von der Baugenossenschaft des Evang. Arbeitervereins erbaute Kleinkinderschule am Wetzlarerwcg hier wurde am vergangenen Montag in feierlicher Weise ihrer Bestimmung übergeben. Leider konnten die Einladungen zu dieser Feier des Raumes wegen nur in beschränktem Maße stattsinden; es soll aber eine Nachfeier für die Mlgemeinheit stcrttr- finden, wofür auch der gemischte Chor des Evang. Arbeitervereins seine Mitwirkung bereits zugesagt hat. Es waren erschienen der Vertreter der Großh. Regierung, Regierungs^- rat Wagner, «als Vertreter der Stadt Gießen Oberbürgermeister Mecum, der Vertreter der Mathildenstiftung für Oberhessen, Vertreter des Vorstandes der Lukasgemeinde — in welcher Gemeinde die Schule liegt —, der Baugenossenschaft des Evang. Arbeitervereins, Mitglieder der Schule, die vom Mutterhause m Nonnenweier zur Leitung der Schule hierher entsandte Schwester, die angemeldeten Kinder nebst deren Mtern, sowie Dom Damen-Komitee der Schule Frau Rendant Doering, Frau Kommerzienrat Heyligenstaedt, Frau Oberbürgermeister Mecum u. a. m. Pfarrer Euler hielt die Eröffnungsansprache unter Zugrundelegung des Textes „Lasset die Kindlein rc." Er führte aus, daß gerade in dem so reich belebten Kinderviertel eine solche Kleinkinderschule zum Bedürfnis geworden sei, und er müsse den Männertt danken, die zur Errichtung dieser Statte den ersten Anlaß gegeben hätten. Zum Schlüsse seiner Ansprache wünscht er dem neuen Institute Gottes reichsten Segen. Anschließend hieran ergreift der Vorsitzende des Aufsichtsrates der Baugenossenschaft, Reichstagsabg. Kommerzienrat Heyligenstaedt, das Wort, um einige geschäftliche Mitteilungen über die Entstehung und Einrichtung der Schule zu geben. Er bedauert zunächst, daß der eigentliche Gründer der neuen Schule, Rendant Doering, durch Krankheit verhindert sei, der heutigen Einweihung seines geschaffenen Werkes nicht beiwohnen könne und führt weiter etlva folgendes aus: Die Anstalt selbst bilde ein Glied des Evang. Arbeitervereins zu Gießen. Sie führe mit Genehmigung Sr. Kgl. Hoheit des Großherzogs vom 19. Nov. 1904 zum Andenken an die verstorbene Prinzessin Elisabeth von Hessen den Namen „Elisabeth-Kleinkinderschule" und soll in erster Linie den Bewohnern von Häusern der Baugenossenschaft, sowie den Mitgliedern des ev. Arbeitervereins Gelegenheit bieten, ihre Kinder im Alter von 2i/2 bis 6 Jahren unter sichere Aufsicht zu stellen und in eine verständige und liebevolle Bewahrung zu bringen; in zweiter Linie dürfen auch Kinder anderer Eltern aufgenommen werden, sofern dadurch die vorn Vorstand zu bestimmende Höchstzahl der Kinder nicht überschritten wird. — Eine Konkurrenz gegenüber der anderen hier am Platze befindlichen Kleinkinderbewahranstalt sei gänzlich ausgeschlossen. Auf Beihilfe von Freunden der Sache, Anstalten rc. sei die Schule angewiesen; die Bezirkssparkasse Gießen habe zur Ausstattung der Schule und Schwesterwohnung einen Betrag von 500 Mart bewilligt und einen fortlaufenden Jahresbeitrag in Aussicht gestellt, ebenso die Mathildenstiftung ftir Oberhessen, die Lukasgemeinde und der hiesige Verein „Eon- tentia", welcher der Kasse einen ansehnlichen Betrag hat zufließen lassen. Man hoffe aber auch, daß die vcrehrliche Stadtverwaltung ihr Wohltvollcn durch Bewilligung eines jährlichen Zuschusses zur (Geltung bringen tintige. — Der Bau ist nach den Plänen des Architekten Hamann zur Ausführung gekommen, wenn auch einfach, Mer geschmackvoll uud in praktischer Art. Er enthält außer dem Sale und der Wohnung der Sästoester im Parterre-Geschoß noch eine gedeckte Spielhalle mit Spielplatz und |iu den übrigen Geschossen noch 4 Privatwohnungen.
(!) Reichelsheim (Wettermr), 9. Jan. Am Sonntag den 8. d. M. fand im Saale des Gasthofs „Zur Post" hier eine Versammlung des Ortsgiewerbevereins statt, die sowohl von hier wie aus der Umgegend überaus stark besucht war. Nahezu 120 Personen hatten sich eingefunden zu dem Vorträge, den bti* Huuidwerkskammersekretär Engelbach aus Darmstadt über „Zweck und Ziele der Gewerbevcreine in Betzug au f Handwerkerschulen, Lehrlingswesen, Gesellen- und Meisterprüfungen" hielt. Der Vorsitzende des Vereins, Medizinalrat Dr. Schäfer gab bei Eröffttung der Versammlung seine Freude über den zahlreichen Besuch zu erkennen. In etnstündiger Ausführung behandelte dann der Redner das vorgenannte Thema. Die Gewerbeordnung von 1897 habe eine Reihe von Ausgaben, Rechten und Pflichten dem Handwerker zugewiesen. Zur Durchführung der Handwerkergesetzgebung sei es daher erforderlich, daß ein Zusammenschluß der Handwerker überall vorhanden sein müsse, sei es in Innungen oder sei es in Gewerbevereinen. Der Handwerker, welcher heute einer dieser Organisationen fernstehe, sei fantmi in «der Lage, sich über die für ihn in Betracht kommenden gesetzlichen Bestimmungen zu informieren, weshalb es schon im Interesse eines jeden Einzelnen läge, sich den bestehenden gewerblichen Organisationen anzuschließen. Einen besonderen Wert lege die Gewerbegesetzgebung auf die gründliche Ausbildung des Nachwuchses 'im Handwerk. Es bedürfe wohl keines besonderen Nachweises, daß bei den jetzigen Konkuiwenzver- haltnissen der Einzelne nur dann vorwärts kommen könne, wenn ihm eine gründliche Vorbildung gegeben sei und er sich alle Errungenschaften der Technik zu nutze mache. In den Handwerkerschulen des Landes fintrc der junge Handwerker die für ihn erforderliche Ausbildung im Fach.- zeichnen; die Kenntnis der Buch- und Rechnungsführung, die Kenntnis der Stellung von jKvstenvoranschlägen sei auch für den kleinsten Handwerker unbedürgt erforderlich. Zur Durchführung dec Rege-lung deö LehrlingS^senS, sowie der O^sellenprüftlngen, welckw zum großen Teil in die Hande des .Handwerkerstandes selbst gcüegt sei, sei es aber auch, erforderlich, daß der Einzelne nicht abseits stehe, sondern durch seine Zugehörigkeit zu den bestehenden gewerblrckM
Organisationen sein Interesse an der Förderung seines Standes bekunde utü> zum Wohle des Ganzen mitcrrbeite. Zum Schlüsse wurden die Meisterprüfungen einer eingehenden Besprechung unterzogen und darauf hingewiesen, welcher Weg von den Handwerkern einzuschlagen sei, um die Berechtigung zur Führung des Meistertitels zu erhalten. — Nach dem Vortrage fand eine Diskussion statt, bei welcher zahlreiche Anfragen über das Recht des Haltens von Lehrlingen, die Meisterprüfungen, Vergabungswesen u a. geteilt wurden, die alle zur Befriedigung der Anwesenden ihre Beantwortung fanden. Dem Gewerbeverein traten gegen 20 neue Mitglieder am gleichen Tage bei.
)( Vom Lande, 11. Jan. In denjenigen Orten, in denen die Konfirmanden noch auf Psingsten konfirmiert werden, hat gegenwärtig der K o n firm an den unterricht begonnen. Mit seinem Beginn war vielfach eine Neuerung verbunden, nämlich ein Gottesdienst. Diese Neuerung ist wohl auf Anordnung der oberen Kirchenbehörde geschehen. Die Konfirmation unserer Schuljugend geschieht immer noch zum Teil auf Ostern, zum Teil auf Pfingsten. Entschieden besser wäre es, wenn die Konfirmation allgemein auf Ostern stattfände, weil sie sich bann an die Entlassung der Schüler aus der Schwule anschlösse und diese Schüler dann nicht mehr in dem einen Ort auf Ostern, in dem Nachbarort aber auf Pfingsten konfirmiert würden.
r. Gambach, 10. Jan. Am Sonntag hielt der hiesige Turnverein sein diesjähriges Wintervergnügen ab. Zu dem Konzert und den turnerischen Hebungen am Nachmittag hatten sich zahlreiche Gäste von hier und auswärts eingesunden. Der Turnverein hat dadurch einen großen Fortschritt zu verzeichnen, daß Herr Karl Nees von Butzbach sich dazu bereit erklärte, die Ausbildung der Turner zu übernehmen.
Frankfurt, 11. Jan. Nach Mitteilung des Statistischen Amts ist die Volkszahl für den Stadtkreis Frankfurt a. M. unter Berücksichtigung der seit der letzten Volkszählung polizeilich gemeldeten Zu- und Abwanderungen sowie des entsprechenden Ueberschuffes der Geburten über die Sterbefälle am 1. Januar mit rund 3 2 0 000 anzunehmen. — Der 25 Jahre alte Gerichtsdiener Philipp Bender aus Guntersblum, der AlbuSgaffe 35 wohnt, wurde unter dem Verdacht des Kindesmordes in Haft genommen. Er hatte mit einem Mädchen in der Humboldtsiraße ein Verhältnis, dem vor einigen Monaten ein Kind entsprang. Er wird beschuldigt, dieses Kind — ein Mädchen — durch Gift getötet zu haben. (Kl. Pr.) z
Kleine Mitteilunoen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Lich hat sich ein neuer Musikverein „Waldlust" gegründet. Der Verein hofft Ende März fein Stiftungsfest feiern zu können.


