Ausgabe 
8.2.1905 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Kverdcn, der 5*11 ab einte b er Wissens ch af t en und 'anderen nnssensckmftlichen Instituten vor der Berat­ung ein g esch ickt lvcrben sollen. Me diese Beschliesse des RLuüsterkomiteeS sind vom Kaiser bestätigt toorbcit.

Daö Mitglied des ReichSrats und korresponb. Mitglied der Wissenschaften Wirkt. Cteljemrrat Kobe k wird zum Vor­sitzenden der «Lp^'zialkonserenz fiir die Umarbeitung der Menhir- und Preßgesetze ernannt. Zu Mitgliedern dieser Konferenz nmrbeii u. a. ernannt drei Senatoren, der Ge- InTfe des Ministers für Volksnufklärung Lnkianow, der Vize­präsident der Madernie der Wissenschaften Nikitin, der Akademiker Klinschewskki, das EtzrenMitglied der Akademie der Wissenschaften Koni, der Redakteur desGraschdmnn", Fürst Mestscherski, der Redakteur der ZeitungKiewliauin", Professor Pichnow, der Herausgeber der ZeitungNowoje Wremja", Su worin.

Der Vorsitzende der Spezialkonferenz zur Umarbeitung der Zensurgesetze sagte: pia disideria seien die Abschaff­ung der Präventivzensur für die Zeitungen und die Vereinigung der Zensur in der Hand einer Behörde, daher Abschaffung der geistlichen Zensur; das geistliche Ressort könne dann Vertreter in die Oberpreßver­waltung schicken.

Arbciterschutzgesetzgebnng.

Nach derPetersb. Tcl.-Ag." bewogen die Ausstände den Finanzminister, dem Kaiser eine D e n k s ch r i f t zu unter­breiten über die dringende Notwendigkeit der Ausarbeitung von Gesetzen über die Arbeiterfrage.^ dllle Entwürfe des Frnanzminiftcrs wurden von dem Kaiser gebilligt und bem Ministcrkomitee übermittelt. Sie werden nunmehr auf legis­lativem Wege in Beratung genommen werden. Tie Pläne des FinMizministcrs sind folgende: Es ist notwendig, die gegenseitigen Beziehungen zwischen Fabrikanten und Arbeitern ausschließlich auf legislativem Wege zu regeln uud die Behörden zu nötigen, daß sie sich den Gesetzen gemäß verhalten. Tie Vorschläge des Finanz­ministers zur Regelung der Arbeiterftage teilen sich in vier Gruppen. Er hält es für nötig, den Arbeitern auf legis­lativem Wege das Recht zu geben, an den Maßnahmen zur Verbesserung ihres Loses mit zu wirken. Es sei ferner nötig, gewisse Organisationen zu genehmigen. Geplant sind zwei Typen von Organisationen: die eine betrifft die Hospi­tal- und Krankenkassen mit ^3citiägii der Fabrikanten sowie der Arbeiter und unter gemeinsamer Leitung durch Vertreter der Fabrikanten und gewählter Vertreter der Arbeiter. Ter andere Organisationstyp betrifft die Bureaus, bestehend aus Vertretern der Arbeitgeber und der Arbeiter fiir die Beratung und Lösung von Lohnfrayen und anderen Fragen inbetreis der Verbesserung der Lage der Arbeiter-. Ter Finanzminister hält es für möglich, die Arbeitszeit aus 10 Stunden bei Tage und bei Nacht herabzu- mindcru, er hält es ferner für möglich, einen Zeitpunkt fcstzusetzcu für die Einführung der Achstundenarbeit. Ten Fabrikanten könnte erlaubt werden, an Festtagen die Arbeiten anssühren zu lassen, sie müßten aber gehalten sein, den Arbeitern in jedem Monate vier Tage frei zu gehen. Zur Begrenzung der Ueberstundenarbeit müßten, um Mißbräuche zu verhindern, besondere Maßnahmen Qisgearbeitet werden. Nötig sei sodann eine Revision der Gesetzesparagraphm über Ausstände und Kontraktbruch. Gegeu- wärtig werde jeder Ausstand wegen der bestehenden Gesetze nicht vom ökonomischen Standpunkte aus betrachtet, sondern notwendiger Weise von dem Standpunkte, daß es sich um Verstöße gegen die soziale Ordnung und die Ruhe handle. Bei der Revision der gegenwärtigen Gesetze, meint der Minister, müsse man den w c st - europäischen Standpunkt sich zu eigen machen, daß jeder Streik, wenn er nicht von Uebertretungen begleitet ist, lediglich ökonomischen Charakters ist und unter gewissen Beding­ungen die soziale Ordnung nicht bedroht. Schließlich betont der Minister die Notwendigkeit der Verbesserung der ärztlichen Hilfe für die Arbeiter. Tie Pläne werden von dem Ministerkomitee gleichzeitig mit der Frage ber staatlichen Versicherung erwogen.

Ter neue Minister des Innern.

Moskau, 7. Febr. Der Adel von Moskau, der Gouverneur und andere Persönlichkeiten begaben sich heute zu dem neuernannten Minister des Innern, Bulygin, um ihn zu seiner Ernennung zu beglückwünschen und ihm für die Gerechtigkeit und Humanität zu danken, die er 11 Jahre als Gehilfe des Generalgyuverneurs von Moskau bewiesen hatte. Gleichzeitig wurden dem Minister Heiligenbilder überreicht. Der Minister erwiderte, er sei ein Verteidiger der Gesetze geivesen und wolle e§ auch bleiben. Ich weiß, erklärte der Minister, welche schwere Ver­antwortlichkeit mein neues Aint mit sich bringt, aber ich werde Trost finden in den Heiligenbildern, da ich weiß, daß Moskaii mit mir ist.

Tie Lage in Polen.

Warschau, 7. Febr. In einigen Bäckereien und in anderen Etablissements, die die Arbeit wieder ausnehmen wollten, kamen mehrereMordtaten vor. Viele Personen wurden verhaftet. Der Ausstand in Radom gewinnt an Ausdehnung. Dort wurden 20 Arbeiter getötet ober verwundet. In Skaraischka gab es 2 4 Tote und 40 Verwundete.

Die Menterci in Sewastopol.

Paris, 7. Febr. Der Petersburger Korrespondent des »Petit Parisien" meldet, das Kriegsgericht von Sewastopol habe gestern in der Angelegenheit der Meuterei der Marine­truppen das Urteil gefällt, welche sich geweigert hatten, gegen die Aufständigen vorzugehen. 30 Matrose n seien zum Tode, die übrigen zu schweren Disziplinarstrafen ver­urteilt worden.

Der Jnfant von Spanien in Berlin.

Berlin den 7. Februar.

Der Kaiser empfing heute am Anhalter Bahnhof den Prinzen Karl von Bourbon, Jnfant von Spanien. Rach sehr herzlicher Begrüßung fand die Vorstellung des Gefolges statt. Mit dem Infanten traf eine Osstziersdepu- tation des spanischen Dragoner-RegimentsNurnancia" ein. Nach dem Pademarsch der Ehrenkompa.gnie begaben sich der Kaiser und der Jnfant in einem Galawagen mit Spitzreiter, eskordiert von einer Schwadron Gardekürassiere nach dem Schloß. Hier wurde der Jnfant mit Gefolge und Offiziers­deputation, int Beisein der hohen Hofchargen von der Kaiserin und den Prinzessinnen im Rittersaal empfangen. Die spanischen Herren überbringen dem Kaiser die Uniform eines Generalkapitäns der spanischen Armee und Kommandant des RegimentsNumaneia". Heute abend um 8 Uhr fand in der Bildergalerie des Schlosses große Tafel statt. An der Tafel nahmen der Reichskanzler mit Gemahlin und Staatssekretär Frhr. von Richthoseu teil. __ Der Kaiser verlieh dem Prinzen Karl von Bourbon den Schwarzen Adlerorden. Während der Festtafel brachte der Kaiser einen Trinkspruch anf d en König von Spanien und sein Haus aus. Der Jnfant erwie- dcrte in französischer Sprache mit einem Toast auf den Kaiser und die Kaiserin.

H>arlnmeri1arisches aus Kellen.

Eine neue Regierungsvorlage betr. den Neubau eines Gymnasiums einer Turnhalle und einer Direktorwohnttng zu Mainz.

Der Vorstand des SchutzverbandeS Mainzer Hauseigentümer hat der zweiten Kammer eine Resolution überreicht, in der die schwersten Bedenken gegen das in dem Entwurf eines Gent e in d esieu e rg ese tzes niedergelegte Prinzip der Besteuerung der früher abzugsfähig getvesenen Schttlden von Haus- und Grundbesitz sowie im G e tv erbe betriebe ausgesprochen tuirb, die als eine das Rechtsgefühl verletzende Härte bezeichnet wird. Nach heutigen wirtschaftlichen Verhältnissen ist die Existenz von Haus- und Grundbesitz imb die Möglichkeit eines dem industriellen Fortschritt entsprechenden Gewerbebetriebes ohne Kredit, also ohne Schulden, fast undenkbar, ja größtenteils unntöglich . . ."_________________________________________

Parlamentarisches aus dem Reiche.

Berlin, 8. Febr. Tie Kommission des Abgeordneten­hauses für Volkswohlfahrt beendete, gestern abend die Be- ratungen über den Antrag Douglas auf behördliche Ein- rickitung eines Volkswohlfahrtsamtes. Die Kom- nussion beschloß einstimmig, die Staatsregierung möge er­sucht werden, als behördliche Einrichtung möglichst bald zur Förderung der Volkswohl fahrt in Stadt uud Laird ein VolkSwohlfahrtSamt zu errichten bebufs ausgiebiger Mit­wirkung des Laienelementes ihm einen ständigen Beirat anzugliedcrtt und hierbei die erforderlichen Mittel im Staatshaushaltsetat bereihiifteften.

Zum neuen deutsch-russischen Handelsvertrag.

Petersburg, 7. Februar.

Heute fand im Eisenbahndepartement unter Bei­sein von etwa 200 Vertretern der Landwirtschaft unb verwandter Gewerbe eine Beratung über die Korntarife statt. Die Mehrheit sprach sich für die Aufrechterhaltung der bestehenden Differenzialtarife au.S unter Erniedrigung bei kurzen und Erhöhung bei weiten Entfernungen. Betreffend die Frage, ob eine Erniedrigung der Tarife auf grobe Kornarten, um der Erhöhung der Sätze im neuen deutschen Handels­verträge entgegenzuwirken, wünschenswert sei, sprach sich die Mehrheit ablehnend ans, weil dies geeignet sein würde, die Korn preise aus dem deutschen Markte zu er­niedrigen. Viele sprachen sich für die Feststellung von Frachtpreisunterschieden zwischen groben Kornarten und Weizen aus. Die Frage der Aufrechterhaltung derselben Tarife für Mehl und Korn rief Meinungsverschiedenheit hervor.

Der Krieg.

Vom Kriegsschauplatz liegen neue Meldungen von Belang nicht vor. Ein Telegramm des General-Adjutanten Kuropatkin vom 7. d. MtS. meldet: In vergangener Nacht griff eine Abteilung der linken Flanke, bestehend aus 3 ögern und Kosaken unter dem Fürsten Magalow ein feind­liches Dorf an und tötete 50 Japaner bei einem Bajonett­angriffe. Gegen Morgen nickte japanische Infanterie vor. Da aber unsere Truppen ihre Aufgabe ausgeführt hatten, zogen sie sich zurück und machten hierbei einen Gefangenen. Aus russischer Seite kein Verlust. Es herrschen 20 Grad Kälte.

Daily Telegraph" erfährt aus Tientsin: Eine Ab­teilung jakutischer Kosaken fiel am 3. Februar ein Bataillon japanischer Infanterie an und machte 300 Gefangene. Sandepu wurde von den Russen geräumt. Einem Shanghaier Telegramm desDaily Telegraph" zufolge xäu inten die Kosaken Hamjong in Rordo stkorea, in der Absicht, sich bei Eharbin zu sammeln, da sie die An­kunft Rogis mit dem japanischen Port Arthur-Kontingent fürchten. Es verlautet, die Russen verbrannten ihre Niederlagen bei Tongschin.

Ein Telegramm aus Washington berichtet, daß der englische und deutsche Botschafter nacheinander mit dem Staatssekretär Hay konferierten. Obgleich jeder der Staatsmänner in Abrede stellt, wird doch behauptet, daß diese Unterredung wirklich stattgefunden habe und mit den Friedensverhandlungen in Zusammenhang zu bringen sei.

Nach einer 9)Mbung aus Paris soll in dortigen amt­lichen Kreisen erklärt werden, daß auch die Pacht des Königs von Griechenland, in der er zur Zeit des Nordsee-Zwischenfalles von Dänemark nach Frank­reich fuhr, von den Russen befeuert wurde.

AW HtnM und Lm'd.

Gießen, den 8. Februar 1905.

* * Dankschreiben J.J. K.K. H.H. des Groß­herzogs und der Großherzogin. Folgendes Schreiben I. K. H. der Großherzogin Eleonore ist Bürgermeister Heller in Lich zugegangen. Es hat folgenden Wortlaut: Schloß Romrod, 5. Februar 1905.

Es ist mir Herzensbedürfnis, noch einmal dem Ausdruck zu verleihen, was ich mündlich auszusprechen bereits Gelegenheit nahm. Sie und alle Bürger Lichs, die mich durch ihre Gaben so erfreuten, sollen wissen, das'. Zeichen von Anhänglichkeit und Anteilnahme an meinem Glück mir gerade aus ihrer Milte, aus^ meiner engeren Heimat, besonders lieb und wertvoll sind. Seien Sie alle nochmals meines aufrichtigsten herzlichsten Dankes versichert und glauben Sie mir, daß Seine Königliche Hoheit der Großherzog meine Freude über so viele Beweise treuer Gesinnung von ganzem Herzen teilt.

Eleonore.

Se. K. H. der Groß Herzog bat an den Oberbürger­meister der Stadt Darmstadt, Morneweg, folgendes Schreiben mit der Bitte um Bekanntgabe gerichtet:

Mein lieber O b c r b ü r g c r m c i ft c r!

In frohem Gedenken an die jüngstvergangenen schönen Tage bitte Ich Sie, der Einwohnerscbast Meiner lieben Residenz Darm­stadt Ihrer Königlichen Hoheit der Großherzogin und Meinen herzlichen Tank zu übermitteln für die erhebende Weise, in der sie Meine geliebte Gemahlin bewillkommnet und ihre Freude über Unsere Vermählung bekundet hat. Die ganze Stadt bis in ihre abgelegenen Teile prangte im Festschmuck, und städtische Organe, Vereine ivie Privatpersonen wetteiferten, Uns Schönes und Gutes zu erweisen. Co ist Ihrer Königlichen Hoheit der Großherzogin schon in den ersten Tagen ihres Aufenthaltes die neue Heimat ver­traut und lieb geworden, und mit frohem Herzen habe Ich wieder empfunden, mic treu und fest die Stadt Darmstadt sich ihrem Fürstenhaus verbunden suhlt.

Indem Ich der Großherzogin und Meinen marinen Dank wiederhole, verbleibe Ich mit der erneuten Versicherung Meiner dauernden Fürsorge für das Wohl und Gedeihen Meiner getreuen Residenz

Ihr wohlgeneigter

Ernst Ludwig.

* Di e Simplizifsimn § - Asfärc. Vor einigen Tagen berichtete einEingesandt" in unseren Blatte, daß ein hiesiger Wirt auf das Betreiben mehrerer Theologen den Sunplizissimus nicht mehr wie früher öffentlich auslegte. Der auS Gießen so oft falsch berichtetenKl.Pr." in Frank­furt war indes darüber in unrichtiger Weise berichtet worden, so daß der Akademisch-Theologische Verein zu Gießen das Blatt um Ausnahme folgender Erklänmg ersuchte:

Ter A k a d e rn i s ch - T h e o l o g i f ch e V e r e i n z u G i e ß e n erklärt die Mitteilung des Gießener Korrefpondenten derKl. Pr.", wonach der Verein irgend welchen Beschluß gegen denSimpli- zissimus" und eine damit zusammenhängende Beeinflussung eines Gießener Wirtes veranlaßt habe, für eine gröblich c Unwa h r- beit, die auch der leisesten Veranlassung entbehrt, da der Akademisch-Theologische Verein zu Gießen eine derartige Ataßn ahme für prinzipiell töricht und unzweck­mäßig h ä l t.

D e r 2l k a d e m i s ch - T h e o l o g i s ch e Verein 3 u (Sieben. I. A.: Karl August Hell w i g.

Kein Vernünftiger wird von dem Akademisch-Theologischen Verein etwas anderes erwartet haben.

* * Der erste der angekündigten Vorträge aus der Altertumswissenschaft von Professor Bethe über Griechenlands vorgeschichtliche Königspaläste" wird erst am Donnerstag, den 9. d§. Mts., um 8 Uhr stattfinden. (Siehe Annonce.)

* * Vesitzwech^ el. Das früher Schneider'sche Haus wurde von Bauunternehmer Winn an den Elektrotechniker Christophersen für 35 000 Mk. verkauft.

Laubach, 7. Febr. Der christlich-soziale Verein für Laubach und Umgegend hielt unlängst eine Versammlung in Ruppertsburg ab. Nach einem Vortrag von Pfarrer Nebel- Laubach und lebhafter Diskussion wurde folgende Resolution angenommen:

Die heutige Versammlung des christlich-sozialen Vereins für Laubach und Umgegend wünscht, daß das zu erwartende Gesetz ü b e r d i e K i u d e r a r b e i t in d e r L a n d w i r t s ch a s t und im Haushalt eine solche Gestalt bekomme, daß es keinem der dabei interessierten Teile, weder der Landwirtschaft und dem Haus­halt, noch dem Kinde verhängnisvoll, sondern wirklich praktisch und segensreich werde. Sie erachtet deshalb für notwendig, daß in dem Gesetz die unten angegebenen Gesichtspunkte gewahrt werden unb bittet deshalb in diesem Sinne wirken zu wollen:

1. Das Gesetz muß von der Ucberzengung ausgehen, daß die Kinderarbeit für die Landwirtschaft, namentlich für bäuerliche Betriebe, sowie für das Haus unentbehrlich ist.

2. Ebenso muß das Gesetz von der Ueberzeugung ausgehen, daß die Älrbeit auch für das Kind unentbehrlich ist, indem sie ein wichtiges Erziehungsmittel ist und sich lohne, daß sie von ft ein auf geübt wird, Lust und Liebe sowie Kenntnis der landwirt­schaftlichen Kinderarbeit die schon bestehende Landflucht in er­schreckendem Maße befördern würde.

3. Das Gesetz muß u n t e r s ch e i d e n zwischen eignen und fremden Kinder n und am besten sich auf die gegen Lohn beschäftigten Kinder beschränken. Mindestens muß es den Eltern in der Beschäftigung der eigenen Kinder bei: weitesten Spielraum lassen.

4. Das Gesetz muß unterscheiden zwischen ber Beschäftigung im Haushalt in Klein- unb Großbetrieben. Für letztere sind schärfere gesetzliche Regelungen am Platze und möglich, als für erstere.

5. Sonntagsarbeit und Beschäftigung während ber Schulzeit muß gänzlich verboten werden, Not­fälle natürlich ausgenommen, ebenso ist Abgabe von Spirituosen zu verbieten.

6. Für Beschäftigung während der Ferien muß größerev Spielraum gewährt werden.

7. Das Gesetz muß sich hüten, tief in die Verhält-, nisse d e r L a n b w i r t s ch a f t einzugreifen, da sie eine Erschütterung dlirchaus nicht vertragen kann, es »hat sich vielmehr auf w i r k l i ch n ö t i g e S ch u tz m a ß r e g e l n zu beschränken.. Die für gewerbliche Beschäftigung des Kindes nötige Arbeitskarte, werde nicht eingeführt.

8. ES muß auf die besonderen Verhältnisse der Landwirtschaft Rücksicht genommen werden, wo sich nicht alles so genau be- stimmen und regeln läßt, wie im Gewerbe.

9. Die Schule werde mit ber Kontrolle über die Durchführung bes Gesetzes v e r s ch 0 n t unb ihre Mitwirkung ba- rauf beschrankt, daß sie das Recht auf Antragstellung des Verbots der Beschäftigung für ein Kind hat, wenn sie besondere üble Folgen derselben wahrnimmt.

Bad-Nau heim, 7. Febr. Einen recht unterhaltenden Abend hatten die Mitglieder des Militär-VereinsHassia" gelegentlich der am 4. Februar in der Turnhalle abgehaltenen, zahlreich besuchten Monatsversammlung. Oberlehrer Storch von Butzbach, ein geborener Bad-Nauheimer, als begabter Redner unb Volksdichter bekannt, sprach über die Geschichte der Stadt Straßburg, jener Perle am Rhein, welche im Laufe der Zeit so manche Wandelung durchgemacht hat. Der Vortragende führte die Zuhörer in die Perioden der Entstehung der Stadt Straßburg zurück und schilderte dann in geschickter Weise den historischer Wendegang dieser nr- deulschen Stadt durch die Jahrhunderte hindurch bis zu deren. Schreckenstage im Jahre 1870 und ihrer Wiedereinverleibung mit dem deutschen Reiche. Reicher Beifall lohnte den Redner für seinen ergreifenden und schönen Vortrag.

Darmstadt, 7. Febr. An der Ecke der Saalbau-und der Sandstraße stieß gestern abend gegen 11 Uhr ein Motor­wagen der elektrischen Straßenbahn mit einem Offiziers- fuhrwerk zusammen. Von den beiden Insassen des letzterem wurde Hauptmann Bürger vom 61. Feld-Artill.-Negiment schwer, Rittmeister Schörke vom 23. Dragoner-Regiment leicht verletzt. Hauptmann Bürger mußte ins Militär- l azareth gebracht werden.

j. Kinzenbach, 7. Febr. Der Kaninchenzucht- Verein für Kinzenbach unb Umgegend gewinnt immer mehr Mitglieder, ein Beweis, daß der Kaninchenzucht großes Inter­esse entgegengebracht wird. Gelegentlich des am 28. Januar b. I. stattgehabten Kaninchenessens traten bem Verein wieder 6 Mitglieder bei und der Verein hat nun schon über fünfzig Mitglieder. Daß unsere Mitglieder auch wirklich die Kanin- chenzlicht verstehen, zeigten die vielen Preise, welche unsere Mitglieder seit des 1 ^-jährigen Bestehens des Vereins er­worben haben. ?luch bei der am Sonntag in Saalfeld statt­gehabten Ausstellung erhielten unter starker Konkurrenz fol­gende Mitglieder Preise: Herr Konrad Stroh, Kinzenbach, einen 2. Preis auf Silber-Kaninchen, Herr Philipp Hederich, Kinzenbach, zwei 3. Preise auf Holländer Kaninchen. Zu Pfingsten d. Is. hält der Verein seine 2. Lokal-Ausstellung ab; diese dürfte voraussichtlich audj von allen Züchtern des Kreises Wetzlar beschickt werden.

Klein« Mitteilungen ans Hessen und den Nachbarstaaten. In Lang-Göns findet am 8., 9. und 10. Juli ds. Is. das 50-jährige Jubiläum des Ge­sa ngve re ins Frohsinn, verbunden mit Nationale m Gesangs-Wett st reit, statt. Dem festgebenden Vereine sind bereits so viel Preise zur Verfügung gestellt ivorben,