Ausgabe 
8.6.1905 Drittes Blatt
 
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rr»n, otur lernen nTcirrrrmcurn jonümt' leütgltoy ämtucye Btzkanntmadnin gen enthalte« soll. Dieses Blatt soll jedem an­deren Blatte, das baruni crfucbt, gegen Erstattung der der Ne- gicnmg erwachsenden Selbstkosten überlassen werdeir. Den K'reis^- amtern, in deren Kreis sich keine andere Seitulrg1 zur Beilage deS VerkiindignngSorgan 5 bereit erklärt, soll das Recht zustehen, eine andere, geeignet erscheinende Zeitung mit der Veröffentlich­ung der amtlichen Anzeigen des Kreises zu betrauen. Von der Regierung war zum Beweis der undur ch Hörbarkeit eines solchen Pros e ktes umfangreiches statistisches Ma­terial vorgelegt worden, da sie int Gegensatz zum Ausschuß der Meinung ist, daß die Blätter auf eine Bezahlung der Annoncen­beilagen nicht eingehen würden und deshalb g an z enorme K osten entstehen müßten. Der A u sschu st lehnte sich dagegen in den Bestimmungen seines Gesetzentwurfs an eine ähnliche, von der badischen Kammer mit 34 gegen 22 Stimmen acceptierte Vorlage an, die aber von der dortigen Regierung ebenfalls' für unausführbar erachtet wird. Gestern wurde der Initiativ­er s e tz e n t w u r f nach wesentlichen, den Wünschen der Regierung en tspre cb enden Aend eruNg-en ein* stimmig^ angenommen, obgleich sich diese gegen den ganzen Entwurf aussprach.

Für den Schluß der laufenden Legislaturperiode ist noch kein Termin bestimmt, doch wird er aller Wahrscheinlichkeit nach Mitte Juli erfolgen.

Deutsches Reich.

Berlin, 8. Juni. DieNorddeutsche" schreibt: Der Kaiser verlieh zur Vermählung des Kronprinzen dem hiesigen mecklenburgischen Gesandten v. Oertzen die Brillanten zum Noten Adlerorden erster Klasse.

Die Kaiserin beehrte heute den Reichskanzler und die Fürstin Bülow mit einem Besuche.

Fürst Leopold von Hohenz ollern, der .während der Vermählungsfeierlichkeiten bei seinem Sohne, dem Erbprinzen von Hohenzollern, Wohnung genommen hatte, ist heute nachmittag gestorben.

Fürst Leopold, das Haupt der nicht regierenden fürstlichen Linie des Hauses Hohenzollern und Bruder des Königs Earol von Rumänien, war 1835 geboren als Sohn des Fürsten Karl Anton, der tm Jahre 1849 sein Land dem König von Preußen abgetreten hatte, in der Ueberzeugung, damit ein Opfer für die künftige Ein­heit Deutschlands zu bringen. Im Gegensatz zu seinem Vater, der 1858 bis 1862 Präsident des preußischen Staatsministeriums war, ist der Verstorbene nur einmal, als Erbprinz, politisch hervor- getreten dadurch, daß seine spanische Thronkandidatur imJabre 1870 der Vorwand zur französischen Kriegs­erklärung wurde. 15 Jahre später folgte er seinem Vater. Er war erbliches Mitglied des , preußischen Herrenhauses und preußischer Generaloberst. Sein ältester Sohn, der jetzige Fürst Wilhelm, steht im 42. Lebensjahre. Dieser verzichtete auf die Thronfolge in Rumänien, die infolgedessen auf seinen jüngeren Bruder Ferdinand durch Ernennung zum Prinzen von Rumänien 1889 überging.

Die Zahl der vom Kais er während seiner Regie­rungszeit gefürsteten Persönlichkeiten umfaßt u. a. zwei Botschafter, den verstorbenen Fürsten Münster und den im Ruhestand lebenden Fürsten Eulenburg, ferner den Fürsten zu Dohna-Schlobitten, den Fürsten Henckel von Donnersmarck, den Präsidenten des Herrenhauses Fürsten von Inn - und Knyphausen. Von Kaiser Friedrich wurde der jetzige Botschafter in Paris, Fürst Radolin, in den Fürstenstand erhoben.

Zur Reichs st euerreform berichtet dieDtsch. ^agesztg.", daß ernsthaft die Absicht bestehe, die Bier­st e u e r in den Reichssteuerreformplan einzubeziehen. Es versteht sich von selbst, daß hierbei nur eine stärkere Be­steuerung der großen Brauereien in Frage kommen kann, und zwar vermöge einer gestafse lten Steuer, wogegen Einwendungen nicht zu erheben sein dürften.

Der Kaiser traf im Automobil auf dem Truppen­übungsplatz Döberitz ein und besichtigte das Gardekürassier- re gim ent und das 2. Garde-Alanenregiment, worauf eine Gefechtsübung folgte unter Hinzuziehung anderer Truppen­teile. Der Üebung wohnten dieselben fremdländischen Herren wie gestern bei. Heute mittag ritt der Kaiser in das Ba­rackenlager ein, neben ihm in lebhaftem Gespräche der fran­zösische General de Lacroix und die anderen Herren der französischen Mission. In dem Kasino des Lagers sand ein Frühstück statt.

DieNorddeutsche" schreibt: Der Beirat für das Auswanderungswesen, der nach § 38 des Auswan­derungsgesetzes vom 9. Juni 1897 zur Mitwirkung bei der Ausübung der dem Reichskanzler auf dem Gebiete des Aus­wanderungswesens zustehenden Befugnisse berufen ist, trat .gestern unter Leitung des Direktors der handelspolitischen Abteilung des Auswärtigen Amtes v. Körner zu einer Sitzung zusammen. In den ständigen Ausschuß wurden gewählt Prinz Arenberg, Prof. Dr. Bücher, Cahensly, Fritzsch, Jannasch und Kommerzienrat Zilling. Der Beirat beendet die Beratung über das vom Reichskanzler vorgelegte Kon- zessionsgesuch und trat sodann in die Besprechung der ihm zugegangenen Denkschrift über Auskunfterteilung an Aus­wanderungslustige ein, insbesondere über die Zentralauskunfts­stelle für Auswanderer.

Der Bundesrat hat in seiner heutigen Sitzung dem Totalisatorgesetz seine Zustimmung erteilt und den Gesetzentwurf über das Urheberrecht an Werken der bildenden Künste und der Photographie den zuständigen Ausschüssen überwiesen.

Die neue bayerische Wahlkreiseinteilung ist an diesem Mittwoch veröffentlicht worden. Danach werden im ganzen acht bisher durch vier Abgeordnete und sechs bisher durch drei Abgeordnete vertretene Wahlkreise, zusammen somit 14 Wahlkreise geteilt, während die übrigen un­verändert bleiben. Tie Gesamtzahl der Wahlkreise steigt von 63 auf 77, die Zahl der Abgeordneten bleibt wie bisher 159. Tie von der Teilung betroffenen Wahlkreise sind die bisherigen Wahlkreise Rosenheim, Pfarrkirchen, Speyer, Neustadt a. Haardt, Zweibrücken, Kaiserslautern, Bayreuth, Hof-Kulmbach, Ansbach-Neustadtaisch, Weißenbmtz, Würzburg 2, Kempten.

Trier, 8. Juni. Anfang August wird der Kaiser ben Freiherrn v. Schorlemer auf Schloß Lieser besuchen. Da der erkrankte Oberpräsident Nasse im Herbst in den Ruhestand tritt, bringt man diesen Besuch mit der an­geblich beabsichtigten Ernennung Schorlemers zum Ober­präsidenten der Rheinprovinz in Zusammenhang.

Hameln, 8. Juni. Bei der Reichstagsstichw a h l fnt Wahlkreise Hameln-Linden erhielt Hausmann (natl.) 14 361, Brey (Soz.) 10167 Stimmen. Hausmann wurde ^Bei'der ersten Wahl im Jahre 1903 erhielt der sozialdemo- Äßttfrfje 5-,and'dar Brey die meisten der abgeaebenen Stimmen:

der naUonalUverale WalMeckit 7592, der Welfe v. Lenthe 4528 und der Bündler Rehren 4219 Stimmen. Die engere Wahl endete mit dem Siege Wallbreckits, der 14 989 Stimmen auf sich vereinigte, während auf den Sozialdemokraten 11257 entfielen. Bei der Ersatzwahl am 31'. Mai d. I. erhielten Hausmann 8189, Rehren 3739, v. Lenthe 4964 und Brey 8712 Stimmen.

Dresden, 8. Juni. Die Verhandlungen zwischen den einzelnen Stadtverordnetengruppen und dem Rat über die Aenderung deS städtischen Wahlrechts werden wahrscheinlich zur Annahme des Beruf8wahlrechts mit Klasseneinteilung führen.________________________

Ausland.

Paris, 8. Juni. ES scheint nunmehr festzustehen, daß 2 oubet König Alfons seinen Besuch vom 22. bis zum 27. Oktober erwidern wird. Es ist geplant, daß der Präsident sich in Brest einschifft und zur See nach Lissabon reist, um den König zu besuchen. Von dort begibt er sich auf dem Landwege nach Spanien und fährt von Madrid über Barcelona wieder zur See nach Toulon zurück.

Als der Vater des verhafteten Anarchisten Ma- lato die Nachricht von der Verhaftung seines Sohnes erhielt, erlitt er eine Gehirnerschütterung.

Mailand, 8. Juni. Eine Spionage-Affäre melden die hiesigen Blätter: Der Matrose Michel Angelo Pozzi desertierte in Venedig von einem Kriegsschiff unter Mitnahme wichtiger Pläne und Dokumente bezüglich der pro­jektierten neuen Küsten-Verteidigung von Venedig. Pozzi ist Elektotechniker, wurde als Zeichner beschäftigt und genoß das vollste Vertrauen seiner Vorgesetzten. Man glaubt, daß er nach Wien flüchtete.

Petersburg, 8. Juni. Die gesamte russische Presse drückt ihr Bedauern über den Rücktritt Delcassss aus und feiert ihn als wahren Freund des franko-russischen Bündnisses.

Tiflis, 8. Juni. Die Tartaren haben, durch ihre letzten Erfolge ermutigt, von neuem die Armenier ange­griffen. Die Armenier waren aber gewarnt, sie erteilten den Tartaren eine Lektion, indem sie etwa 100 von ihnen erschossen und mehrere Hundert verwundeten. (Frks. Ztg.)

Fez, 8. Juni. Der englische Gesandte Lowther wurde heute vormittag vom Sultan in formeller Audienz empfangen. Auf beiden Seiten wurden Reden gehalten, welche die gegenseitigen Wünsche zur Fortsetzung der traditionellen freundschaftlichen Beziehungen zwischen England und Marokko zum Ausdruck brachten.___________

Aus SIM und Kund.

Gießen, 9. Juni 1905.

* * Ordensverleihungen. S. K. H. der Großj- herzog haben dem Bürgermeisterei-Beigeordneten, Geheimen Kommerzienrat Hermann Reinach zu Mainz das Ehr en - kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen ver­liehen. Das Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuerwehren wurde verliehen den Mitgliedern der frei­willigen Feuerwehr zu Bingen Georg Ko gt und Georg Josef Embach.

* * Das Gr. Hoflager wird, wie uns gemeldet wird, nach den Feiertagen, also nächsten Dienstag, nach Schloß Wolfsgarten verlegt.

* * Das Hess. Polizei st rufgesetzbuch. Das Gr. Ministerium hat, so berichtet dieFrkf. Ztg.", sämtliche Staatsanwaltschaften des Landes ersucht, Revisions­vorschläge zur Abänderung des hessischen Polizeistraf- gesetzbuchcs auszuarbeiten und dem Ministerium zur Prüf-» ung einzusenden.

* * Sie hat noch Heu. Folgende wunderschöne Post, karte, die aus einem oberhessischen Orte eintraf, stellt uns eine hiesige Firma zum Abdruck zur Verfügung. Wir geben sie hier buchstabengetreu wieder:

Ich ersuche euch daß ich mein Heu wieder verkaufen will es were mihr am liebse wen sei es brachuhen tonten wei mein Futter ist wisen sei ia Das brauch ich euch nicht zu schreiben, und mit dem Preis werden weihr (Sinnig werden wen sei es haben wollen so schreibt mihr gleich antwort, da mit ich darauf verlassen kan oder weissen sei fill leicht Jemant der Fuller brauch zum aus hebben habe ich kein Plaz. ich muß es verkaufen Atrese.....

f c. Alsfeld, 8. Juni. Der hier ausgebrochene Maurerausstand, an dem 200 Maurer beteiligt waren, wurde heute mittag beendigt.

Darmstadt, 8. Juni. Vermißt wird seit gestern vormittag ein Darmstädter Bürger. Herr Friedrich Rost, der bereits 77 Jahre alt ist, verließ gestern vormittag 9 Uhr feine Wohnung, um, wie er seinen Angehörigen gegenüber äußerte, in die Stadt zu gehen. Höchstwahrscheinlich ist der alte Herr plötzlich von einer Geistesschwäche befallen worden; denn soweit bisher festgestellt wurde, hat er um 11 Uhr vor­mittags einen Schuhmann des Beffunger Polizeireviers, in der Hermannstraße nach dem Wege zur Karlsstraße gefragt. Von diesem Zeitpunkt an fehlt jede Spur des Vermißten. Da alle Nachforschungen in der Stadt vergeblich blieben, vermutet man, daß er sich verirrt und in der Umgegend ver­lausen hat. (N. H. Vbl.)

* * Kleine Mitteilungen ans Hesse n und den Nachbarstaaten. In Offenbach a. M. wurde in der Nähe der Oehler'schen Privatbadeanstalt der 14jährige Heinrich Klug von dem 6jährigen Nikolaus Bicd rücklings in d e n Main gestoßen und ertrank. Dem prakt. Arzte Dr. Spies in F r a u k f u r t a. M. ist das Prädikat Professor beigelegt worden.

Neue Unwetter werden aus Schlesien gemeldet, die große Schäden angerichtet haben. In Oppau, im Kreise Landeshut, wurde die katholische Kirche durch Blitzschlag vollständig ein geäschert. In Berggraben wurde ein Kind, in Neudorf der Besitzer Pollok durch Blitz getötet. Auf mehreren Eisenbahnstrecken wurde der Bahndamm der­artig unterwaschen, daß erd oliche Zugverspätungen und Verkehrsstockungen eintraten. In Ktein-Jamno in der Lausitz sind durch Blitzschlag drei erwachsene Mädchen ums Leben gekommen. Durch ein schweres Unwette r im Öderbruch sind große Ueberschwemmungen entstanden. In Neulowin sind zwei Mädchen, in Güstebiese ist ein Mann vom Blitz erschlagen worden. Im Fuldatal haben Gewitter ebenfalls großen Schaden eingerichtet, und ebenso ein wolkenbruchartiger Regen im Harzgebiet. Die An­lagen der Halberstädter Unterstadt wurden unter Wasser gesetzt.

* Loudon, 8. Juni. Das Unterseeboot A8 ist heute an der Mole von Plymouth mit 14 Personen von der Besatzung untergegangen. Zwei Unterseeboote be­gleiteten ein Torpedoboot, welches zu Uebungen in See ging.

Hierbei erfolgten art Bord des Unterseebootes A 8 drei Explosionen. Das Boot sank nach der dritten Explosion. Die erste Kunde von dem Unglück gab das Boot selbst, welches signalisierte, daß es sinke und nicht mehr an die Oberfläche kommen könne. Vier Mann, einschließlich von zwei auf Deck befindlichen Offizieren wurden gerettet. Taucher sind mit Versuchen beschäftigt, das Boot zu bergen.

Zröertersiewequncs.

Butzbach, 9. Juni. Die hiesigen organisierten Maurer treten nach derB. Ztg." mit nächstem Samstag in den Ausstand, da ihre Forderungen (Erhöhung des Stundenlohnes) nicht be- willigt wurden.

Gießener land Wirtschaf tl ich e v Wetterdienst.

Voraussichtliche Witterung in Hessen für Samstag den 10. Juni 1905: Zeitweise heiter, etwas wärmer, besonders am Tage.

Näheres durch die Gießener Wetterkarte.___________

Mniversttäis-Machrichikn.

InLeipzig ist der Altertumsforscher Prof. Kurt Wachs- muth gestorben, er war 1837 in Naumburg a. S. geboren. 1862 ließ er sich als Privatdozent für klassische Philologie und alte Ge­schichte in Bonn nieder. 1864 wurde er Professor in Marburg, 1869 in Göttingen, 1877 in Heidelberg und 1886 in Leipzig.

Der a. o. Professor der neueren Literaturgeschichte an der Universität Halle Dr. Alsred Berger hat den an ihn ergangenen Ruf auf den Lehrstuhl für Literatur und Kulturgeschichte an der Technischen Hochschule in Dar m st a d t angenommen und wird ihm zum 1. Oktober Folge leisten.

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Märkte.

ke. Frankfurt a. M., 9. Juni. (Orig.-Telegr. desGieß. Anz.") Viehmarkt. Zum Verkaufe standen 0 Kälber, 0 Schafe u. Hämmel, 555 Schweine. Kälber 1. Qual. 8790 Pf,. Lebendgewicht 5254 Pfg., 2. Qual. 8084 Pfg., Lebendgewicht 4951 Pfg., Schlachtgewicht 6266 Pfg. Schafe 1. Qualität Schlachtgewicht 0000 Pfg., 2. Qualität 00-00 Pfg. Schweine 1. Qualität 6900 Pfg., Lebendgewicht 54.00 Pfg., 2. Qual. 68-00 Pfg., Lebendgewicht 53-00 Pfg., 3. Qualität 6264 Pfg., Lebendgewicht 0000 Pfg. Geschäft gut, kein lieber stand.

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Hriginas-Drai-ünckdungen.

Eriwan, 8. Juni. Am 5. Juni feuerten Mohame- dan er auf dem Bazar auf Armenier. Dabei wurden über 20 Personen getötet und verwundet, darunter zwei Tartaren. Die Läden wurden sofort geschlossen. Am folgenden Morgen wurde das Schießen fortgesetzt. Ans den Häusern und von den Dächern wurde geschossen. Die Armenier gingen ihrerseits zum Angriff vor. Eine Bomb enexplosion wurde gehört. Die Kugeln flogen in die Häuser und schwirrten über die Köpfe der die Straße durchziehenden Kosaken. Am 7. Juni abends wurde die Stadt in Belagerungszustand er­klärt. Die Läden sind geschlossen.

Paris, 9. Juni. Nach einer Privatmeldung aus Tanger unterhandelt die deutsch-amerikanische Finanzgruppe mit dem Sultan wegen einer Anleihe von 5 Milli onen Dollar. Doch macht die Frage der Sicherstellung Schwierigkeiten. Man glaubt, es werde sich dabei um große Bestellungen handeln.

Born Kriege.

London, 9. Juni.Morning Post" meldet aus Tokio vom 8. Juni: Japan will unter keinen Umständen^ die Bedingungen, unter denen es Frieden schließen würde, bekannt geben, ehe die Bevollmächtigten zusammen getreten find. Die Bedingungen werden nur bekannt gemacht, wenn die Beauftragten beiderMächte persönlich zusammentreten. Viele Einzelheiten muffen noch geordnet werden. Aber Präsident Roosevelt glaubt sehr zuversichtlich, daß einUebereinkommen zustande kommt, und man hoffe in Washington, die Bekannt» machung desselben könne in kurzer Zeit erfolgen.

Moskau, 8. Juni. PeterLb. Telegr.-Agent. Ein von der Versammlung der Sem st womit glieder und Stadt­häupter beschlossene Adresse, die dem Kaiser durch eine Deputation überreicht werden soll, lautet:

In Anbetracht unseres großen Unglückes und der Gefahr, ift der Rußland und Ihr eigener Thron schweben, haben wir uns, unter Beiseitesetzung aller uns trennenden Meinungsverschieden­heiten, einzig und allein getrieben von heißer Liebe zu unserem Vaterlande, entschlossen, uns direkt an Sie zu wenden, Majestät. Rußland wurde durch einen verbrecherischen Fehler unb die Nachlässigkeit Ihrer Ratgeber in d en Krieg getrieben. Unserer Armee gelang es nicht, den Feind zu be­siegen, unsere Flotte ist vernichtet; drohender als die Gefahren von außen beginnnt der Bürgerkrieg. Mit Ihrem ganzen Volke sahen Sie alle Fehler der unwissenden unb gefahrbringenden b u re aukra tischen Organisation und beschlossen, diese Organi­sation zu ändern. Sie schrieben eine Reihe von Maßregeln vor, die eine Reorganisation bezwecken. Diese Vorschriften sind entstellt worden und auf keinem Gebiete zu der gewollten Ausführung gelangt. Die Unterdrückung der Person und der Gesellschaft, die Unterdrückung des Wortes, Willkürlichkeiten aller Art nehmen zu, anstatt daß, wie Ihnen vorgeschrieben, der Zu­stand des verstärkten Schutzes aufgehoben und die Willkür der Verwaltung beschränkt wird. Die Gewalt der Polizei wird verstärkt; die Polizei erhält unbeschränkte Vollmachten. Man versperrt Ihren Untertanen den von Ihnen zu dem Zwecke ge­öffneten Weg, daß die Wahrheit zu Ihnen gelangen könne. Sie entschlossen sich, Vertreter des Volkes zusammen zu. rufen, um gemeinsam mit ihnen die Reorganisation unseres Landes durch­zuführen. Aber Ihrem Worte folgte die Ausführung bisher man, trotz der drohenden Größe der Ereignisse, die sich abspielten. Die Gesellschaft wird beunruhigt durch Projekte, welche eine Klassen - Konferenz an Stelle der nationalen Ver­tretung , welche die bureaukratische Organisation beseitigen soll, setzen will. Majestät, befehlen S i e u n v e r -- züglich, ehe es zu spät wird für das Heil Rußlands, daß zur Festigung der Ruhe und des Friedens im Innern von allen Ihren Untertanen ohne Unterschied, mit gleichem Recht zu wählende Volksvertreter ein berufen werden, die im Einvernehmen mit Ihnen die Lebensfrage entscheiden, ob Krie g o de r Frieden, die über die Friedensbedingung e n enncneiben oder den Frieden ablehnen unb damit ben gegenwärtigen Krieg m einen nationalen Krieg umwanbeln, die allen Volkern em Rußland zeigen, bas aufgehört hat, von dem inneren Kampfe zerrissen und erschöpft zu fein, sondern un Gegenteil, ge­heilt, mächtig in seiner Wiedergeburt, um eme einzige nationale Fahne geschart ist, und die im Einvernehmen nut Ihnen eine neue Organisation des Staates herbeifuhren wollen. Majestät, in Ihren Händen liegen die Ehre, bte Macht Rußlands unb fein innerer Frieben, von dem der äußere Friede abhängt, in Ihren Händen liegt das Reich, das Sie von Ihren Vorfahren ererbt haben. Zögern Sie nicht, groß ist tn dieser Stunde furcht­barer nationaler' Prüfung Ihre Verantwortung vor Gott und Rußland. _

Manila, 8. Juni. (Reuter.) Hier internierte russische Offiziere berichten weitere Einzelheiten über die Seeschlacht bet Tsufchima. Danach haben die Japaner Roschdest­wenskys Geschwader völlig überrascht. Die Russen dampften wie im Frieden dahin, da kein Japaner in Sicht